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28.10.1932 Erstes Blatt
 
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Zreitag, 28. Moder 1952

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 254 Zweites Blatt

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Nachdruck verboten.

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fentlichen Hand. Doch auch hier kommt es vor allem darauf an, Daß dieser Grundsatz in der Prakis verwirklicht und das System der Regie­betriebe, das dem gewerblichen Mittelstände so ungeheueren Schaden zugefügt hat, endlich auf­gegeben wird. ,

Die Bereitstellung von 50 Millionen Mark für die Vornahme von Haurepara­turen wird dem Handwerk unmittelbar Auf­träge und Beschäftigung zuführen. Gegenüber den 2,5 Milliarden, die das Reich für das Sy­stem der Steuergutscheine aufwendet, nehmen sich diese 50 Millionen Mark freilich recht winzig aus. Der Reichskanzler betonte, dah auf Grund dieser Förderung durch einen 20prozentigen -Zu­schuß zu den Hausinstandsehungsarbeiten und einen noch erheblich höheren bei der Teilung von Großwohnungen insgesamt für etwa 300 bis 400 Millionen Mark neue Aufträge dem Handwerk zufließen werden. Trotzdem bedarf unseres Erachtens dieser Zuschußfonds dringend einer Erhöhung, zumal durch ihn ja nicht nur dem Handwerk, sondern zugleich auch dem schwer­bedrängten und durch staatliche Maßnahmen ge­schädigten H a u s b e s i tz eine Entlastung gebracht werden soll. Es spricht ferner für den ernsten

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Deiner Hände Werk

Vornan von Klothilde von Stegmann-Stein.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

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Es ist ja nur ein Katzensprung, Herr Kom­merzienrat. Und da ich sowieso eine kurze Deutsch- landreife vorhabe, wollte ich es nicht versäumen, dem Start des neuen Bremermotors beizuwohnen. Wir sind auf die Konstruktion schon sehr ge- spannt."

Run", meinte Bremer freundlich,dann kom­men Sie doch auf Ihrer Deutschlandreise ein paar Tage zu uns, da können Sie meine neuen Ver­suchswerkstätten gleich kennenlernen." Freundlich plaudernd ging er zwischen dem jungen Manne und Degener die Treppe des Seepavillons her­unter.

Hier muß ich mich verabschieden", sagte er. Jetzt steigt die große Preisverteilung und dann das obligate Festessen: aber vielleicht sehen wir uns hinterher, lieber Olaf." Mit einem herzlichen Gruß trennten sich die Herren.

Bald hatten sich alle Anwesenden aus dem Seepavillon entfernt. Rur die beiden norwegischen jungen Leute blieben zurück. -Zu ihnen gesellte sich nun noch ein schlanker junger Mann mit auf­fallend schönem, dunklem Gesicht, der langsam und vorsichtig umherspähend von der anderen Seite die Treppe des Pavillons heraufkam.

Wer da auch mal in die Bremerwerke 'rein­kriechen könnte", sagte der Schlanke mit dem schönen Gesicht leise zu den anderen.Cher be­kommen wir das Motorengeschäft für die nörd­lichen Länder nicht in die Hand, ehe wir die Fabrikationsgeheimnisse des Dremerwerkes kennen."

Ra, müssen wir eben was ausknobeln", °sagte der junge Mann mit dem blassen Gesicht.Sie haben doch schon andere Sachen ausgeknobelt, Baron, sonst bestände die Firma Ragnars und Sohn wohl überhaupt nicht mehr."

Ra, sie steht eigentlich heute auch nur noch auf den gepumpten Geldern", versetzte der Dritte in der Gruppe gedu.npft.

Solange das außer uns niemand weih, schadet es nichts, ilnD bis es jemand erfahren wird, werden wir mit dem Baron zusammen schon ir- gerrdeinen Dreh herausbekommen haben."

Er sah mit einem Ausdruck der widerwilligen Hochachtung zu dem schlanken, dunklen, schönen Manne auf, dessen scharfe Augen in die Ferne gerichtet waren, als dächte er über etwas 'Be­stimmtes nach.

Dann gab er seinem Begleiter einen Wink, grüßte lässig und schlenderte davon. Die beiden anderen gingen schnell hinunter zu dem Wagen.

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Willen der Reichsregierung, dem Handwerk zu helfen, daß in den Ausführungsbestimmungen für die Hausinstandsehungszuschüsse ausdrücklich die Schwarzarbeit von jeder Förderung ausgeschlossen wird. Das ungeheure Aus­maß der Arbeitslosigkeit hat eine außerordent­lich starke Zunahme der Schwarzarbeit verursacht und diese zu einer großen Gefahr für das Hand­werk werden lassen. Wenn es auch richtig ist, dah ein allgemeines Verbot der Schwarzarbeit an den Schwierigkeiten einer wirksamen Kon­trolle scheitern würde, so hätte es das not- leidende Handwerk trotzdem begrüßt, wenn wenig­stens durch ein allgemeines gesetzliches Verbot die Ausübung der Schwarzarbeit erschwert worden wäre. Vielleicht darf man in der Aus­schließung der Schwarzarbeit von jeder staatlichen Förderung der Hausinstandsehung wenigstens eine Abschlagszahlung auf das vom Handwerk ge­forderte gesetzliche Verbot erblicken.

Die Rede des Reichskanzlers hat bewiesen, daß die Regierung der Rot des Mittelstandes Aufmerksamkeit schenkt und gewillt ist, ihr nach Kräften zu steuern. Ohne Staatshilfe ist in den gegenwärtigen Rotzeiten eine wirksame Selbsthilfe nicht möglich. Daher bedarf das Mittelstandsprogramm Papens dringend der so­fortigen Durchführung und weiteren Ausgestal­tung, damit die großen und berechtigten Hoff­nungen, die das deutsche Handwerk auf dieses neue Programm setzt, diesmal nicht wieder ent­täuscht werden.

Wahlkundgebung der SPD.

Die Ortsgruppe Gießen der Sc^ialdemokrati- schen Partei hielt gestern abend im Cafe Leib eine öffentliche Wählerversammlung ab. Reichs­tagsabgeordneter Staatsanwalt H o e g n e r , München, sprach über das ThemaVolksrecht oder Herrenwillkür?" Die bevorstehende Wahl ei dem Volke von der Regierung aufgezwungen. Man sei wahlmüde; das sei verständlich. Wer aber am kommenden Wahltag zu Hause bleibe, gebe seine Sache von vornherein verloren. Wer Papen bekämpfen wolle, dürfe auch nicht Hitler, oder Thälmann wählen. Man rufe heute nach Verfassungsreform. Diese laufe darauf hinaus, wieder einen Obrigkeitsstaat zu schaffen. Dagegen werde sich die SPD. mit allen Mitteln verwah­ren. Das Urteil von Leipzig habe die Grenzen von Machtpolitik und Recht aufgewiesen. Wenn man sich oben nicht an die Verfassung halte, könne man es von den unteren Volksschichten auch nicht verlangen. In seinen weiteren. Ausführun­gen wandte sich der Redner der Rationalsozia­listischen Deutschen Arbeiterpartei zu, besprach Hitlers Verhalten im Kampf um die Erringung der Macht und ging außerdem auf die Koa­litionsgespräche ein, die die RSDAP. in der Harzburger Zeit mit der DRVP., wie auch später mit dem Zentrum geführt habe, um auf diesem Woge ihr Ziel zu erreichen. Eine Diktaturpartei müsse nach der Alleinherrschaft streben und nicht in der Koalition ihr Heil suchen. Die SPD. sei gegen Papen, sie wolle ihn aber auch nicht durch Röhm oder Heines ersetzt sehen. Das Volk müsse sich von Spiegelfechtern freimachen. Heute heiße es mehr denn je: Zurück zur politischen Ver­nunft. Von der Vernunft aus müsse neue Blüte und Zukunft aufgebaut werden. Man dürfe nicht vergessen, was die Si^ialdemokratie durch ihren Einfluß auf die Regierung nach dem Kriege für die Arbeiterschaft erreicht habe. Unter der Staatsführung Papens sei wesentliches wieder verloren gegangen. Man wolle die Wirtschaft beleben und schwäche dabei die Kaufkraft. Dem Kapitalismus sei auf diese Art nicht auf die Deine zu helfen. Die Wirtschaft dürfe nicht um des Profits willen, sondern sie müsse um der gerechten Verteilung der Güter willen da sein. Die SPD. habe brauchbare Vorschläge gemacht, leider sei sie aber durch die Spaltung der Ar­beiter in verschiedene Lager noch nicht mächtig genug geworden, sie durchzuführen. Die So­zialisierung sei zum rein politischen System ge­worden. Die Spaltung der Arbeiter habe sie um die größten Erfolge gebracht. Die Arbeiterschaft müsse sich einigen. Man wolle nicht den Bruder­krieg. Man solle aber auch nicht das Heil unter dem Sowjetstern finden wollen. Die SPD. lasse sich nicht in die Ecke stellen. Der Volksstaat ohne SPD. sei nicht möglich. Der Sozialdemokratie werde Internationalismus vorgeworfen, aber von ihrer nationalen Haltung spreche niemand. Die SPD. halte es für selbstverständlich, national zu handeln. Darüber hinaus aber fühle sie sich der arbeitenden Menschheit verpflichtet und kämpfe für Freiheit und Recht der Arbeiterschaft in Gegenwart und Zukunft. (Lebhafter Beifall.)

Im Anschluß daran sprach noch Frau 2 e n s - s e n - Gießen. Die Rednerin beschäftigte sich ins­besondere mit der Haltung der Frau im bevor­stehenden Wahlkampf und wies il a. darauf hin, daß sich die Frau ihrer Rechte nicht begeben dürfe und verpflichtet sei, als zahlenmäßig stärk­ster Teil der Volksgemeinschaft den Einfluß auf die Gestaltung der Zukunft zu nehmen, der ihr zukomme. Di« Frau müsse Mitkämpferin sein im Streit um die Freiheit.

Die Versammlung nahm, von einigen kommu­nistischen Zwischenrufen abgesehen, einen ruhigen Verlauf.

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Arbeit für Kleingewerbe und Handwerk

Das Mittelstandsprogramm der Reichsregierung.

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Walters, befreundet sein konnte. Aber mochten sie auch reden ihm war es egal. Er war mit Erika befreundet, solange er denken konnte. Solche Freundschaft war mehr wert als alle die ele­ganten Bekanntschaften, die so um seine Mutter und seine siebzehnjährige Schwester Hiltrud herum waren.

Was war das für ein Betrieb im Hause, seit­dem der Vater die zweite Frau heimgeführt! Als wäre das schöne alte Haus ein Hotel geworden. Dauernd Gäste über Gäste, das Auto kam kaum noch in die Garage. Es war so weit gekommen, dah der Vater sich für seine Geschäftszwecke einen zweiten Wagen angeschafft hatte, obgleich die Zeiten gar nicht danach waren.

3a, es war alles anders, sehr anders gewor­den, seitdem die Mutter von ihnen gegangen. Ob der Vater wohl glücklich war? Das war eine Frage, über die Kurt schon oft nachgedacht hatte und die ihm immer Unruhe und Kummer bereitete. Das Gesicht des Vaters sah oft so müde aus, sein Blick war so sorgenvoll; er war richtig ge­altert in dem letzten 3ahre.

Einmal hatte Kurt mit dem Prokuristen De- gcner, seinem alten Freunde, darüber gesprochen. Aber der hatte ein so verbittertes Gesicht gemacht und nur kurz gesagt:

Junger Herr, davon verstehe ich nichts und verstehen Sie nichts. Seit die neue Gnädige ins Haus gekommen ist, ist eben alles anders ge­worden. Damit muß man sich abfinden. 3hr Herr Vater hat's ja so gewollt."

Da hatte Kurt geschwiegen. 3n diesen Worten des treuen Beamten hatte mehr gelegen als in einer scharfen Kritik. 3a, man mußte sich abfinden mit den Veränderungen in dem lieben alten Hause, mit den Launen und dem Hochmut der Mutter, der törichten Hochnäsigkeit Hiltruds. Und man hatte ja auch noch genug, worüber man sich freuen konnte.

Bei diesem Gedanken wurden die Blicke des jungen Menschen wieder hell, und als jetzt an einer Strahenbiegung die beiden Kirchtürme der kleinen Heimatstadt auftauchten, schnalzte er er­munternd und wippte ganz leicht mit der Peitsche über den Rücken des Pferdes. Der Apfelschimmel spitzte die Ohren, ließ wieder ein fröhliches Wiehern hören; er lief schneller, die Steine der Chaussee tanzten fröhlich an ihm vorbei Run kam der Schlagbaum; die Hufe des Pferdes schlugeii härter auf nun der Bahnhof. Die Stadt begann. ,

Kurt setzte sich gerader, er hielt die Zugel knapp und elegant, mit einer Hand. Hierhin und dorthin grüßend, lenkte er den Wagen über den Marktplatz, nun in die kleine Gasse, vorüber an dem fliederüberdufteten Kirchplatz. Und da war das Haus, da war Bremer-Schloß. An ihm vorbei führte der Weg ins Dremerwerk.

Kurt fuhr in elegantem Bogen in den Werks­hof ein. Mit einem glücklichen Blick umfaßte er

Reichskanzler von Papen hat sich in seiner auf der Obermeistertagung des Handwerks ge­haltenen Rede vor allem gegen den Vorwurf ge­wehrt, daß die gegenwärtige Reichsregierung in erster'Linie für die Großwirtschaft, also für die westliche Großindustrie und den östlichen Groß­grundbesitz sorge. Wenn der Kanzler diesen Vor­würfen gegenüber mit Recht auf die natürlich« Abhängigkeit des Handwerks und Kleingewerbes von einem guten Geschäftsgang der 3ndustrie und der Landwirtschaft hinwies, so hat er sich mit einer solchen negativen Abwehr nicht begnügt, son­dern sogleich ein positives Programm der Handwerks- und Mittelstands­hilfe entworfen. Das ist gerade im gegenwär­tigen Augenblick besonders wichtig, wo man in weiten Kreisen der Oefsentlichkeit den Eindruck er­weckt hatte, als werde das System der Steuer­rückvergütung ausschließlich denen zugute kom­men, die bisher hohe Steuern entrichtet haben, also der Großindustrie. 3m Gegensatz hierzu hat Papen darauf hingewiesen, dah das Arbeits­beschaffungsprogramm dem Handwerk um­fangreiche Aufträge zuführen werde. Er gab die Zusage, daß von den 0,75 Milliarden Mark Aufträgen, die in den nächsten Monaten von der öffentlichen Hand unmittel­bar vergeben werden sollen, ein möglichst gro­ßer Teil auf Handwerk und Mittel­stand entfallen wird. Das ist zunächst nur eine Anweisung an die verantwortlichen Behör­den und Verwaltungsstellen. Es wird Sache der Organisationen des gewerblichen Mittelstandes sein, darüber zu Wachen, daß diese Zusage des Reichskanzlers auch bei den untergeordneten In­stanzen Verständnis undDeachtung <in- det. Tie Meinungen darüber, welche Aufträge der öffentlichen Hand von Handwerkern ausge­führt werden können, gehen häufig sehr ausein­ander. Bequemer und einfacher erscheint denen, Die die Aufträge zu vergeben haben, meist eine Uebertragung an einen großen und angeblich be­sonders billigen oder leistungsfähigen Betrieb. Die Zerlegung in Teilaufträge und ihre Verteilung an die kleineren und mittleren Handwerks- oder 3nduftriebetriebe macht Mühe und Arbeit, die mancher gern vermeidet. Es ist immerhin von De- Deutung, daß Handwerk und Kleingewerbe sich künftig auf die ausdrückliche Zusage des Reichs­kanzlers berufen können, wenn sie einegröht- mögliche Beteiligung an den staat­lichen Arbeitsaufträgen fordern.

3st eine Kontrolle der mittelständischen Or­ganisationen schon hinsichtlich der Verteilung der Aufträge der Reichsbahn, der Reichspost und der anderen staatlichen Unternehmungen notwendig, so -gilt das erst recht für die Auftragsvergebung der Kommunen. Papen hat versprochen, daß noch weitere öffentliche Arbeiten großen Umfangs in nächster Zeit von den Kommunen zum Zwecke der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vergeben wer­ben sollen. Er dachte dabei offenbar an die Durch­führung des vielerörterten Gereke - Plans auf anderer Grundlage und mit anderen Mitteln. Falls es hierzu kommt, wird man darauf dringen müssen, dah die Kommunen bei der Durchführung Dieser neuen Arbeitsbeschaffungspläne in er« st er Linie das ortsansässige Hand­werk berücksichtigen. Sehr wertvoll für Kleingewerbe und Handwerk waren insbesondere Die Ausführungen Papens über die von ihm er­strebte Einschränkung der privatwirt­schaftlichen Betätigung d er ö f -

Unser Schaubild zeigt die Standorte und die Stärke der deutschen Sender, die jetzt durch zwei neue Großsender in Leipzig und Frankfurt a. M. weiteren Zuwachs erhalten. Die beiden Sender, von denen der Leipziger eine Stärke von 150 kW, der in Frankfurt eine solche von 17 kW hat, werden beide am 28. Oktober in Betrieb genommen. Der Frankfurter Sender befindet sich, wie unser Mld durch eine gestrichelte Doppellinie anzeigt, in Sendegemeinschaft mit dem Großsender wtuttgart-Muhlacker.

den weiten Hof, in den hinein das Hämmern der Maschinen, das Sausen der Treibriemen tönte, der ganze starke Gesang der Arbeit Arbeit, Die der Vater hier in jahrelangem, zähem Ringen auf gebaut.

Die Schiffs- und Motorenwerke Bremer hatten sich aus einer kleinen Firma, die der Vater über­nommen, unter feiner Leitung zu einem Unter­nehmen entwickelt, das feinen Ruf schon über die Grenzen Deutschlands erstreckte. Gerade im letzten 3ahr« waren einige größere Auslandjachten mit den Bremer-Motoren ausgestattet worden und hatten ein paar Konkurrenzen siegreich bestanden.

Kurt stand noch einen Augenblick neben dem Pserd, das der kleine Stalljunge nun hielt, Dann sah er sich suchend um, pfiff seinen alten 3ungens- pfiff. Aus der Stallung hinten kam Fritz Kirstein, der junge Kutscher, eilig herbeigelaufen. Er trock­nete sich die Hände an der blauen Schürze ab; fein Gesicht strahlte vor Freude.

Tag, Fritz!" Kurt reichte dem ehemaligen Spielgenossen herzlich die Hand.

Ra, nehmt mal die Schecke ordentlich heiß- gelaufen, was?"

3a, Wenn s heimgeht, dann rennt die immer so." Fritz gab dem Pferde einen liebevollen Klatsch auf die Seite.

Ra, dann wollen wir sie mal ordentlich mit Stroh abreiben. Er unterbrach sich, denn das Pferd ließ ein Wiehern hören und wandte schnup­pernd seinen Kopf nach Fritz.Aha, der sucht." Fritz holte aus seiner Tasche eine Mohrrübe, die er dem Tier ins Maul steckte.Rn aber!"

Aber dann blieb Fritz noch einmal stehen und fragte mit einem verlegenen Blick zu Kurt:

Und wie wird es denn heut abend, junger Herr?"

Du bist ein Dummkopf, Fritz", erwiderte Kurt energisch.Wenn du noch einmal ,3ungcr Herr' sagst, dann bin ich mit dir böse. Für dich bin ich noch lange nicht Herr, für dich bin ich Kurt. Haben wir dazu all die gemeinsamen Streich« gemacht, daß wir jetzt auf einmal fremd tun? Ra also, was wolltest du mit heute abend?"

Ob's heute abend was wird mit der Werk­statt und dem Schiffchen?"

Ratürlich, gleich nach Dem Essen."

Kurt schlenderte über den Fabrikhof, nickte hier und dort einem der fiepte zu. Sie alle waren seit 3ahrzehnten hier auf dem Dremerwerk; manch einer hatte ihn auf dem Rücken getragen und reiten lassen. Es war wie eine große Familie, die Arbeiterschaft hier auf dem Dremerwerk, das wenige Minuten von hier eine schöne Siedlung für die Leute aufgebaut hatte. Der Grundsatz des Vaters war immer: Sage mir, wie Deine Leute wohnen, und ich toerDe Dir sagen, was Du für «in Arbeitgeber bist! Danach hatte er ge­handelt. Die Arbeitersiedlung war mustergültig und Vorbild geworden für so manche im Reiche.

.(Fortsetzung folgt)

der sie zu dem Festbankett der Stadt zu Ehren des Siegers im Motorbootrennen fahren sollte.

Zweites Kapitel.

Auf der Landstraße von Der KreisstaDt Dir­ke nau her rollte ein kleiner 3agDtoagen. Das Pferd, ein schöner Apfelschimmel, wieherte ab und zu fröhlich in die warme Luft, die von den Dorf- Hecken herüber den Duft erblühter Veilchen trug. Die Schlehdornbüsche am Wegrande hatten ihr weißes Kleid angelegt Die Saaten auf den Fel­dern rechts und links von der Chaussee zeigten das frische Grün der jungen Saat. Hoch oben. Dem Auge fast unsichtbar, schwebten Lerchen unD fangen ihr Lied von Frühling und Sonne über Dem deutschen Lande.

Auf dem Kutschbock des kleinen Wagens faß neben einem kleinen Stallburschen ein junger Mann. Er hatte die Mütze keck übers Ohr ge­zogen. Auf dem braunen Gesicht lag ein freudiges Lächeln, wie er so dahinfuhr, die Zügel in der Hand, und umherschaute. Cs war schön, jung zu sein; es war schön, den Frühling zu sehen und das Land hier, von dem er jedes Feld, jeden Daum und jede Wegbiegung kannte.

Die Arbeit hatte man für eine Weile hinter sich. Die Pfingstferien waren da. Und mit ihnen Zeit für alles, was man liebte. Zeit für den Park hinter dem väterlichen Hause. Zeit für Den Fabrikhof und Die Fabrik. Für das neue Schiffs- moDell, das man sich in Dem kleinen Schuppen gebaut, Den Der Vater ihm für die Basteleien eingerichtet hatte. Und Zeit für Erika.

Ein weiches Lächeln ging über das herbe 3ungmännergeficht. Hoffentlich würde auch Erika für ihn Zeit haben. Ach, sie alle konnten ja nicht begreifen, was solche 3ugendkameradschaft be­deutete! Der einzige, Der es verstanD, war viel­leicht Der Vater.

Aber Die Mutter? Doch wie sollte sie auch, diese hochmütige, kühle Dame, seine Stiefmutter. Das fröhliche Lächeln auf Kurts Gesicht wich einem spöttischen Ausdruck. Wie hatte Der Vater doch einmal zu der Stiefmutter gesagt:

3ch glaube, Melanie, im Traume redest du dich selber mit .Hochverehrte Gnädigste' an. Kannst du es Denn niemals lernen, Daß Du jetzt nicht mehr Melanie von Stübben bist, sondern eine ganz gewöhnliche Frau Bremer?"

Und dann hatte Der Vater mit einem gut­mütigen Lächeln Der Stiefmutter einen Kuh ge­geben und begütigend gesagt:

Ra, sei nur nicht böse, Melanie; ich weiß ja, es ist eine Ehre für mich gewesen, daß Du mich geheiratet hast. Aber es wäre schöner, wenn Du mir Das nicht alle Tag« aufs Butterbrot strichest."

Kurt seufzte. 3mmer wieder versuchte es der Vater, aber niemals würde es ihm gelingen, Den Dünkel Der Stiefmutter zu besiegen. Den gleichen Dünkel hatte HiltruD, seine Stiefschwester. UnD darum konnten sie nie begreifen, daß er mit Erika Schmitt, Der Tochter Des Materialver­

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