Ausgabe 
28.9.1932 Erstes Blatt
 
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weiter einzugreifen, als es durch die gegen­wärtigen Zahlungsschwierigkeiten der Landwirte geboten ist. Die Erleichterungen im landwirt­schaftlichen Vergleichsverfahren Vermitt­ln n g s v e r f a h r e n sollen auf die Weise geschaffen werden, daß eine vom Schuldner be­nannte Vermittlungsperson, die der V e- stätigung durch das zuständige Ge­richt bedarf, auf einen Vergleich hinarbeiten soll. Hauptzweck ist es, innerhalb der vorgesehenen drei Monate den Schuldner vom Zugriff der Gläubiger zu verschonen.

Nationalsozialistische Kritik.

München, 27.Sept. (TU.) Zum Agrorpro- gramm der Reichsregierung wird imVölkischen Beobachter" u. a. ausgeführt, die Reichsregierung habe sich unter demDruck desÄngriffs der nationalsozialistischen Bewe­gung gezwungen gesehen, so zu tun, alsob sie sich wirklich mit der Rotlage des Bauerntums beschäftigen wollte. Die Münchener Rede des Herrn von Braun und die darin angekündigten agrarpolitischen Teilmaßnahmen seien nur da­durch überhaupt möglich, daß die NSDAP. durch ihre Forderungen für die Land­wirtschaft Herrn v. Braun den Rücken decke. Es sei nur dem Kampf der NSDAP. für die Erhaltung des deutschen Bauerntums zu ver­danken, daß Herr von Braun überhaupt von Herrn von Papen gehört worden sei. Man müsse mit Verblüffung feststellen, das) nicht einmal Die einfach st enGrundsähe zur Errettung der Landwirtschaft Beachtung fänden.

Das Programm für Hindenburgs 8S. Geburtstag.

Berlin, 27. Sept. (TU.) Zur Feier von Hin» denburgs 85. Geburtstag werden in sämtlichen Garnisonen am Samstagabend militä- rische Feiern veranstaltet werden, deren Ab» schluß jeweils der Zapfenstreich sein wird. Am Sonntag findet dann überall Gottes­dienst statt und anschließend werden die Kom­mandeure Ansprachen an die Garnisonen halten und auf die Bedeutung des Tages Hinweisen. In Berlin wird der Reichspräsident am Sonntabvormitlag dem Gottesdienst in der Garnisonkirche beiwohnen und nachmittags werden ihm von. einer Fahnenkompanie die F a h- nen seiner drei Regimenter, des 3. Garde­regiments zu Fuß, des Zns.-Regt. 91 und des Inf.- Rgt. 147, in seine Wohnung gebracht werden, wo sie bis zum Montag verbleiben. Im übrigen wird der Reichspräsident seinen Geburtstag im eng- st e n Kreise verbringen. Staatssekretär Dr. Meißner wird ihm vormittags die Glückwünsche seiner engeren Umgebung übermitteln, anschließend überbringt Reichskanzler von Papen die Glück­wünsche der Reichsregierung und nachmittags mit dem Einmarsch der Fahnenkompanie werden Reichs- wehrminister von Schleicher sowie der Chef der Heeresleitung und der Chef der Marineleitung die Glückwünsche der Wehrmacht überbringen.

Sir Eric Orummond tritt zurück.

' Genf, 27. Sept. lERB.) 3n einer Geheim- sihung des Döllerbundsrates wurde beschlossen. Das Rücktrittsgesuch des Generalsekretärs Des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, nun­mehr anzunehmen. Drummond bleibt vor­läufig noch bis zum 30. 3uni nächsten Jahres in feinem Amte. Die Frage seiner Rachfolge­schaft wird im Rovember behandelt werden. Diese Frage steht in engem Zusammenhang mit derR e - Organisierung des Völkerbundsse­kretariats, mit der si-ch ein Ausschuß der Dölkerbundsversammlung während der jetzigen Tagung befassen wird. Es ist in Aussicht genom­men, daß die außerordentliche Dölkerbundsver- sammlung, die im Rovember den chinesisch-japani­schen Konflikt behandeln wirh, auch den Rachfol­ger für Sir Eric Drummond wählen soll.

Kabinettskrise in England.

London, 28. Sept. (WTB. Funkspruch.) Das Kabinett hat in seiner heutigen Sitzung, die bis gegen 1 Ahr dauerte, über die Frage beraten, ob eine Entscheidung des Parlaments über die Reichs­konferenz von Ottawa vertagt werden könne. Das wurde als unmöglich betrachtet, woraufhin Snow­den (Justizminister), Samuel (Innenminister) und Sinclair (Staatssekretär für Schottland) ihren Rücktritt erklärten.

Aus aller Welt.

Furchtbarer Orkan über poriorico.

Ein überaus heftiger Orkan wütete dieser Tage über San Juan (Portorico) und richtete schwe­ren Schaden an. Allem Anschein nach ist diese Sturmkatastrophe noch bedeutend folgenschwerer als der letzte große Orkan vor vier Jahren. Das Unglück hat mehr als 2 0 0 Tote und über 1000 Verletzte gefordert, Hunderte von Menschen sind obdachlos. Die ganze Ernte dürfte vernichtet sein. Unzählige Gebäude sind durch den Tornado zerstört worden. Die Verbindungen mit dem Inne­ren der Insel sind unterbrochen. Die Hauptstadt bietet den Anblick vollkommener Zerstörung. Die Stadt ist ohne Wasser, Licht und Fernsprech­betrieb. Die Dächer der Lagerhäuser sind fortgetra­gen, die Warenlager durch die Wolkenbrüche tark beschädigt. Die Instrumente des meteorologi- chen Büros sind durch den starken Sturm weg- lefegt worden, das Büro selbst ist vollkommen über« chwemmt. Das amerikanische Rote Kreuz bringt Kleider und Medikamente durch ein Kriegsschiff. Ebenso nehmen die Armee und die Marine der Vereinigten Staaten an der Hilfeleistung teil. Gefangene unterstützen die Bürgeraarde bei den Aufräumungsarbeiten. Der Sachschaden dürfte sich aus viele Millionen Dollar belaufen. Große Befürchtungen hat man wegen der Oran- aenernte, deren Ertrag vor dem Orkan mit sieben Millionen Pesos eingestellt war. Auch die Kaffee-Ernte ist sehr geschädigt. Es wird be­fürchtet, daß die Dörfer im Innern des Landes völlig zerstört sind. Der Wirbelsturm ist nach Westen in Richtung San Domingo weitergezogen.

200 Jahre Staatliches hauplgestüt Trakehnen.

Das Staatliche Hauptgestüt Trakehnen beging dieser Tage die Feier seines 200jährigen Bestehens. Staatssekretär Dr. Musse hl vom preußischen Landwirtschaftsministerium hielt eine Ansprache, in der er nach einem geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung des Gestütes der Hoffnung Ausdruck gab, daß Trakehnen auch in

Oie Parteien im Wahlkampf.

Oie Hindenburg-Gpende

dient der Linderung von Rot und Elend unter de«

Nationalsozialistische

Wahlkundgebung in München

München, 27.Sept. (TU.) In einer Kund­gebung der Nationalsozialisten itii Zirkus Krone erklärte Gauleiter und Landtagsabgeordneter Adolf Wagner u. a.: Wenn die Länder dem Dolkswillen entsprechende Regierungen hätten, könnten sie unter Einschaltung des Reichsrates sehr wohl in der deut­schen Anarchie der Gegenwart eine gewaltige Aufgabe lösen. Der Reichsregierung müsse aber das Necht, das Reich neu aufzubauen, abgesprochen werden. Der Redner kritisierte dann den durch die Notverordnung der Papen-Negierung ermöglichten Lohnabbau und kündigte unter stürmischem Beifall der Versammlung an, daß die Partei jeden Ar­beitgeber mit Schimpf und Schande ausschließen werde, der auf Grund der Notverordnung seinen Arbeitern den Lohn kürze. Jeder Parteigenosse habe die Pflicht, einen wegen der Notverord­nungsbestimmungen ausbrechenden Streik bis auf das Letzte zu unter­stützen. Die Gewerkschaften hätten die gesamte deutsche Arbeiterschaft zum (General ft reit auf­rufen sollen. Aber die Führung der schaffenden Stände sei heute kraftlos. Anschließend sprach Landtagsabgeordneter Streicher, der sich vor allem mit dem Verhältnis zwischen Reichsregierung und Reichstag beschäftigte. Durch die jetzige Regie­rung regiere in Wahrheit die Deutschnationale Par­tei. Wenn Hitler es für richtig finde, sich mit dem Zentrum auseinanderzusetzen, dann gehe das nie­manden etwas an.

Störung einer Breslauer Kund­gebung der Deutschnationalen.

Breslau, 28. Sept. (TU.) 3m Konzerthaus- faal sprachen auf Einladung der Deutschnatio­nalen Volkspartei Vizepräsident des Reichstages, Gräf, und Prof. Freiherr v. Frehtagh- Loringhoven. Da Storungsversuche ver­mutet wurden, fand am Saaleingang eine scharfe Kontrolle durch Schutzpolizei statt und ein großes Aufgebots von Polizei war im Saale und auf den Tribünen verteilt. Trotzdem kam es bereits bei den ersten Worten Gräfs zu stürmischen nationalsozialistischen Kundgebungen, so daß der Redner aufhören mußte. Als daraufhin die Rationalsozialisten das Horst-Wessel-Lied an* stimmten, intonierte die deutschnationale Kapelle das Deutschland-Lied. Der Erösfnungsbeginn zog sich immer mehr hinaus, da die Polizei die Ruhe­störer einzeln aus der Menge herauszuholen versuchte und dabei von stürmischen Protesten der Rationalsozialisten begleitet wurde. Erst mit

Zukunft eine starke Stütze der deutschen Pferdezucht bleiben werde. Am Schluß der Feier wurde ein Standbild des Trakehner Hengstes Tempelhüter" enthüllt.

vorläufige Rangliste des Gordon-Vennell-Fluges. Amerika gewinnt den Wanderpreis.

Nach einem in Basel eingegangenen Telegramm aus Warschau ist der amerikanische BallonU. S. Navy" bei Wasynle bei Wilna gelandet. Die Be­mannung befindet sich wohl. Der Ballon soll leicht beschädigt sein. Es ist anzunehmen, daß dieU. S. Navy" eine etwas weitere Strecke alsGood Pear VIII", der andere amerikansiche Ballon, zu- rückgelegt hat und sich als Erster placieren dürfte. Damit ginge der Gordon°Bennett°Wanderpreis end­gültig in amerikanischen Besitz über. Die Aus­tragung des nächsten Gordon-Bennett-Wettfliegens würde also wieder in Amerika erfolgen, sofern Ame­rika nicht zugunsten einer europäischen Stadt ver­zichtet. Der Sieger erhält den Gordon-Bennett- Wanderpreis im Werte von 12 500 Schweizer Fran- fen, dazu 5000 Franken in bar, gestiftet vom Schweizerischen Bundesrat, ferner einen Ehrenpreis im Werte von 10 500 Franken und schließlich die Hälfte der Nenngelder. Die vorläufige R a n g l i st e des Fluges stellt sich nach den Kilo­meterzahlen wie folgt: 1.11. S. N a o y" (Amerika) 1536 Kilometer: 2.Good Pear VIII" (Amerika) 1383 Kilometer; 3.Petite Mousse" (Frankreich) 1233 Kilometer. Die deutschen BallonsStadt Essen",Barmen" undDeutschland" liegen an 7., 12. und 15. Stelle.

Geständnis eines vierfachen Giflmörders.

Der im September unter dringendem Verdacht des vierfachen Giftmordes verhaftete Schuhmacher Just in Hoyerswerda hat nach stun­denlangem Leugnen unter dem Druck des Beweis- Materials g e ft a n b e n, seinen 61jährigen Schwieger­vater, seinen Schwager, dessen Ehefrau und deren 6jähriges Söhnchen durch Arsenik umge­bracht zu haben. Der Giftmörder ist außer­ordentlich raffiniert zu Werke gegangen. Er hat das Arsenik seinen Opfern zunächst in kleinen Dosen im Kaffee verabreicht. Die Folge war, daß, wie seinerzeit gemeldet wurde, die ganze Fa­milie erkrankte, so daß man glaubte, es herrsche Grippe oder Typhus in der Familie. Er hat auch seine Frau und Tochter von dem vergifteten Kaffee trinken lassen, hat auch sogar selbst davon getrunken, um nicht dadurch verdächtig zu werden, daß gerade er und seine Familie von allen Krankheitssympto- men verschont blieben. Dann hat er seinen Opfern Arsenik in täglich stärker werdender Dosis unter dem Vorwande, daß es ein Pulver gegen Kopfschmerzen sei, gegeben. Da Just seine eigene Frau in feinej Weise in das Verbrechen eingeweiht hatte und seine Opfer alle tot waren, gestalteten sich die Ermitt­lungen außerordentlich schwierig. Im Verlaufe der Ermittlungen haben sich auch Verdachtsmomente er­geben, daß Just auch beim Tode seiner zwei- ten Ehefrau er war dreimal verheiratet seine Hand im Spiele gehabt habe. Das Gift stammt aus einem Einbruch in eine Glashütte.

Aus der Fremdenlegion entronnen.

An Bord des englischen TankdampfersBritish Commodore", der dieser Tage im Hafen von Amsterdam angekommen ist, befanden sich zwei junge Leute, die aus der französischen Fremdenlegion entflohen sind. Es sind der 19jährige deutsche Staatsangehörige Walter A l t m e y e r aus Heidelberg und der 34jährige estnische Staatsangehörige Alfred Tramm aus Dorpat. Altmeher hatte im Oktober 1931 in Straßburg in der Fremdenlegion Dienst ge­nommen und war nach Soussa in Tunis gebracht worden. Hier machte er die Bekanntschaft von Tramm. Dieser war früher russischer Staats­angehöriger und als solcher von den Dolsche- wistey yach den Solowezkij-JnselL im Weißen

halbstündiger Verspätung konnte Vizepräsident Gräf seine Rede beginnen. Er erklärte, die NSDAP., die den Kampf gegen den Parla­mentarismus auf ihre Fahne geschrieben habe, versuche jetzt, ihn wieder zu beleben. Es be­stehe die Gefahr, daß der Rationalsozialismus sich über die schwarz-braune Front hinaus i n eine rot-braune Front begebe. Der zweite Redner, Abg. v. Freytagh-Loringhoven, führte aus, daß die Regierung Papen die erste sei, die zu Taten geschritten sei, die sich vor allem auch für Deutschlands Gleich, bered) tigung und Wehrfreiheit ein­gesetzt habe. Wenn eine Regierung ernstlich und bitter um Deutschlands Freiheit kämpfe, dann dürfe fein Deutscher abseits stehen, geschweige denn diese Regierung auf demselben Felde an­greifen.

Rad) Schluß der Versammlung kam es vor dem Haus zu Tumultszenen. Stahlhelmer, die in Gruppen von der Versammlung kamen, wurden angegriffen und mißhandelt und mußten sich zum Teil in den Häusern in Sicherheit bringen. Dabei wurde ein Stahlhelmmann blutig geschlagen. Nachdem noch weitere Personen angegriffen wor­den waren, fiel die Menge über einen weiteren Stahlhelmmann her, schlug ihn nieder und trat ihn mit Füßen. Insgesamt nahm die Polizei 29 Verhaftungen vor. Sieben Personen wurden teils leicht, teils schwerer verletzt ins Kranken­haus eingeliefert.

Oingelvey zur politischen Lage.

H a l le a. S., 27. Sept. (TU.) Vor einer Vertrau­ensmänner tagung führte der Führer der DVP., Dingeldey, u. a. aus: Richt die Herausstel­lung konservativer Weltanschauung, sondern die Tatbereitschaft und Verantwor­tungsfreudigkeit der Papenregierung habe dem Volke neuen Zukunftsglauben gegeben. Das Kennzeichen des Papenprogramms sei die Ab­kehr vom Staatssozialismus. Dingel­dey beklagte es, daß sich die Gewerkschaften aus­schließlich auf den Standpunkt der Opposition be­geben hätten, obwohl die Auflockerung der Tarif- Politik gerade ein Gedanke Stegerwalds sei. Ein Bestreben, die Gewerkschaften aus dem sozial­politischen Leben auszuschliehen, hätten Weit­blickende Unternehmer niemals gutgeheißen. Li­quidierung eines überspitzten Parlamentarismus bedeute noch nicht Diktatur des Staatsoberhaup­tes. Zwar könne auch die völlige Außerkraftsetzung des Parlamentarismus vorübergehend im wahren Sinne des Eides des Reichspräsidenten liegen; es werde aber die Zeit kommen, in der das Volk sich gegen eine Uebermacht der Bürokratie wenden müsse. Für diese Zeit müsse die DVP. ihre Selb­ständigkeit erhalten.

Meer verbannt worden. Don hier flüchtete et über Finnland nach Frankreich und ließ sich ebenfalls für die Fremdenlegion anwerben. Als beide das Leben in der Legion nicht mehr zu ertragen vermochten, flüchteten sie in einem Boot und trieben mehrere Tage auf dem Mittelmeer umher, bis sie von dem englischen Dampfer aufgenommen wurden. Da beide keine Papiere besitzen, sind sie vorläufig von der Amsterdamer Fremderrpolizei in Gewahrsam ge­nommen worden. Sie dürften in den nächsten Tagen in die Heimat entlassen werden.

Aus der Provmzialhauptftavt.

Gießen, den 28. September 1932.

Tomaten und Krebskrankheit.

Von Or. med. W. Schweisheimer.

Es ist die Behauptung ausgestellt und verbreitet worden: Genuß von Tomaten verursacht Krebs­krankheit. In dankenswerter Weise hat sich jetzt das Deutsche Zentralkomitee zur Er­forschung und Bekämpfung der Krebskrankheit mit dieser Frage beschäftigt und sie durch seinen Ausschuß klären lassen.

Cs zeigte sich dabei, daß neue wissenschaftliche Bemühungen der letzten Zeit nichts zutage förder­ten, was die oben erwähnte Behauptung stützen würde. Vielfältige Erfahrungen (so der starke So­ma teurer brauch in Spanien, die segensreichen Wirkungen des Tomatensaftes in der Säuglings­pflege) sprechen ebenfalls gegen solche Deziehun-

kriegsbeschäbiglen und krlegerhinlerbliebene«. Z« dieser Spende beizulragen ist die

Pflicht aller Deutschen

im Hinblick auf den bevorstehende« 85. Geburtstag des Feldmarschalls. Jeder gebe nach seinen Kräften und säume nicht, seine Gabe sofort abzuführen. Die Annahmestellen der Spende befinden sich bei allen durch Aushang ge­kennzeichneten Danken, bei allen Sparkassen, de« Postämtern und dem Postscheckkonto Hindenburg- Spende Rr. 73800 Berlin.

Helft Hindenburg Helsen!

gen. Der Ausschuß tarn nach eingehender Bespre­chung zu der Ueberzeugung: Es liegt fein Grund dafür vor, den Tomatengenuh für Krebs­entstehung verantwortlich zu machen. Es ist daher nicht'berechtigt, vor der Verwendung dieser wohl­schmeckenden und nahrhaften Frucht zu warnen.

Daß überhaupt ein Zusammenhang zwischen To­matengenuß und Krebskrankheit behauptet wurde, farm nicht wundernehmen. Die Ursache der Krebs­krankheit ist nach wie vor unbekannt. So werden von allen Seiten, wissenschaftlichen und unwissen­schaftlichen, Theorien ausgestellt, die in Wirklich­keit der exakten Begründung ermangeln. Wahllos wird ein Nahrungsmittel nach dem andern als Ursache beschuldigt, oder die Art der Nahrungs­mittelzubereitung, oder die Gefäße, in denen die Nahrung gekocht wird, oder die Zusammensetzung der Lust, oder angebliche Erdstrahlen, oder wer weiß was sonst für ein Hokuspokus. Tatsächlich hat die Krebskrankheit, wie statistisch immer deutlicher wird, gar keine echte Zu nähme erfahren. Verschiedene Gründe, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, lassen sie nur öfter in Erscheinung treten. Der wichtigste Punkt ist dabei der, daß die Mensd)en heute durchschnittlich ein er­heblich höheres Alter erreichen und daß infolge­dessen Alterskrankheiten zu denen der Krebs gehört häufiger werden müssen.

Die Fragen der Ernährung finden feit einem Jahrzehnt erhöhte Aufmerksamkeit. Mit d:m zu­nehmenden Genuß von Gemüse und Früchten, ge­kocht und roh, ist eine grundsätzliche Aenderung der Ernährung angebahnt worden, und zwar in einem Sinne, der als gesund zu bezeichnen ist. Es bedeutet eine Hemmung und Erschwerung, wenn gegen einzelne Nahrungsmittel, wie jetzt die To­mate, Vorwürfe und Beschuldigungen erhoben werden, die in den Tatsachen nicht begründet sind. Die Tomate, die ursprünglich aus Peru stammt und im 16. Jahrhundert von Spaniern und Portu­giesen nach Europa gebracht wurde, ist in den süd­lichen europäischen Ländern außerordentlich ver­breitet. Sie bildet in Italien zu den viel gegesse­nen Teigwaren, in Spanien und Südfrankreich zu den beliebten Bohnen eine zuträgliche und infolge ihres Gehaltes an Vitaminen und Mineralstoffen wertvolle Ergänzung der Nahrung. In Deutsch­land ist sie erst feit einigen Jahrzehnten bekannt, hat sich aber namentlich in den letzten Jahren zum wirklichen Volksnahrungsmittel eingebürgert. Sie wird auch in Deutschland immer mehr angepflanzt.

3n der Dolkskost, in der feinen Küche und in der Krankenlüche spielt die Tomate eine immer größere Rolle. Sie hat sich bei Gicht als vorteil­haft erwiesen, im Gegensatz zu einem früheren Vor­urteil, das sie von der Kost Gichtkranker ausge- fchlofsen wissen wollte. Hindhede betrachtet die Tomate ebenso wie Gurken und Melonen als ge­eignet bei harnsauren Nierensteinen, da sie dem Harn harnsäurelösende Eigenschaften verleihe. Bei Zuckerkrankheit, bei der die Kost erheblichen Ein­schränkungen unterliegt, ist sie unbeschränkt er­laubt von Roorden hat neuerdings die gleichfalls früher angezweifelte Unschädlichkeit der Tomaten bei chronischen Nierenleiden betont wie er sie, beziehungsweise ihren frischen Saft, auch bei Magengeschwüren verordnet. Abmagerungs­kuren, Rohkostkuren und so weiter lassen sich mit Tomaten und ihren vielfachen Anwendungsmög­lichkeiten in rohem, gekochtem, gedämpftem Zu­stand leichter durchführen.

Deshalb ist es erfreulich und zu betonen, daß das Hirngespinst von einem möglichen Zusammen­hang zwischen Tomate und Krebskrankheit durch die Milt:ilungen des Deutschen Krcbskomitces ein­deutig beseitigt worden ist. Es gibt nicht wenige Stimmen, die die Tomate als gleichwertiges Er- nährungsgefchenk der neuen Welt betrachten, wie

Sachsenhausen gegen den Minstwohnnngsbau.

Die Bürgeroereinigung Sachsenhau. s e n - G i e ß e n veranstaltete gestern abend im Hotel Schütz eine Besprechung von Anwohnern und Grundstücksbesitzern des Stadtteils jenseits der Lahn, die sich in abschließender Beratung mit dem von der Stadt beiderseits der Krofdorfer Straße er­richteten Bau von Klein st Wohnungen be» |d)äftigte. Wie schon in den bisherigen Eingaben und mündlichen Erklärungen der Vertreter des Stadt­teils Sachsenhausen klar zum Ausdruck gebracht wurde, so zeigte sich auch in der gestrigen Be- sprechung

einstimmig der entschieden ablehnende Stand­punkt der Bürger des westlichen Stadtteils gegen das klelnstwohnungsprojekt der Stadt­verwaltung.

Die Bürger jenseits der Lahn wünschen und be­grüßen jede Förderung ihres Stadtteils, aber sie können eine fürsorgliche Behandlung ihrer Wohn­gegend nicht in diesem Kleinstwohnungsbauprojekt erblicken, von dem sie die s ch ä d l i ch st e n Rück­wirkungen für den Hausbesitz und die Grund­eigentümer befürchten. Die Bemühungen der Bür­gervereinigung Sachsenhausen, die Inangriffnahme die,es städtischen Bauvorhabens überhaupt zu ver- hindern, sind leider erfolglos geblieben, da das Mi- nifterium der Stadtverwaltung Dispens von den n Bauvorschriften gewährte. Jedoch hat das Ministerium für seine bedingte Zustimmung den ausdrücklichen Vorbehalt gemacht, daß der jetzt errichtete Baublock durch Anpflanzung von Bäumen nach den Straßenfronten hin verdeckt werden muß. In dieser Auflage der Aufsichtsbe- horde erblickt man eine vollkommene Bestätigung ber Ansicht in Sachsenhausen, daß das Kleinst- wohnungsbauprojekt dem Stadtteil nicht zum Nutzen gereichen wird.

Ma« hätte es jenseits der Lahn begrüßt, wenn die Stadt dort Häuser in der übliche« Bauform

an Stelle des jetzigen barackenähnlichen Bau­werks hätte errichten lasten.

Daß die Stadtverwaltung und der Stadtrat allen eindringlichen Vorstellungen der Bürgeroereinigung Sachsenhausen sich versagt haben, wurde in der gestrigen Sitzung übereinstimmend bedauert und verurteilt. Trotz dieser Stellungnahme entschloß man sich nach längerer Aussprache aber doch, die beim Prooinzialausschuß anhängig gemachte Klage im Verwaltungsstreitoerfahren gegen das Kleinstwohnungsbauprojekt zurückzunehmen, da ja an dem Bestehen des jetzt geschaffenen Blocks mit 14 Wohnungen nichts mehr zu ändern ist. Jedoch soll die Zurücknahme der Klage unter völ­liger Wahrung der Interessen der Stadtteilsbewoh­ner nach jeder Richtung hin erfolgen. Ferner er­wartet man mit Bestimmtheit, daß die Stadtoer- waltung und der Stadtrat

von der Errichtung der weiteren sechs Bau­blocks mit insgesamt 86 Wohnungen für den Bereich von Lachsenhaufen Abstand nehmen.

Die Vorsitzeirden der Stadtratsfraktionen sind über die unverändert ablehnende Stellungnahme Sach­senhausens unterrichtet. Die Bürgeroereinigung er­wartet, wie nachdrücklich betont wurde, daß die Stadtratsfraktionen nunmehr, nachdem auch in ihren Kreisen allerlei Bedenken entstanden sind, einer ro eit eren Beeinträchtigung des Stadtteils Sachsenhausen durch die Fortführung des Kleinst- wohnungsbauprojekts nicht zu st im men wer- den. Es wurde schließlich, nach gründlicher Prüfung des pur und Wider, eine Kommission non fünf Mitgliedern gewählt, die sich mit der Stadtverwal­tung und dem Stadtrat ins Benehmen setzen soll, um die berechtigten Interessen des Stadtteils Sachsenhausen wirksam ^urGeltung zu bringen. Man ließ im Verlaufe der Besprechung keinen Zweifel darüber aufkom­men, daß man zur entschiedensten Abwehr weiterer Lgugbsiästen & der bisherigen Art entschlösse« P,