Nr. 123 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
OasHambacherKest derOeutschen.
3um ^00. Gedenktag am 27. Mai.
In unterer heutigen Zeit wird e* den Män- nein, die sich am Psingftsonntag de- Jahres 1832 auf dem Hambacher Schloß einfanden, von dem eine so gewaltig lodernde Flamme des deutschen SinigungswillenS auffchlug. häufig verübelt werden, daß sie neben revolutionären ®c- dankengängen auch daS ^konföderierte republikanische Europa" und den „Völkerbund" hochleben lieben; denn vielfach wird daraus geschloffen. daß ihnen weniger die Einheit Deullch- landS als Ziel vor Augen stand, sondern daß sie politische Schwärmer gewesen wären. Wer so urteilt, versucht daS Hambacher Fest auS dem Jahre 1832 in das Jahr 1932 zu versetzen. SS ist nötig, fich gründlich die ZeitverhLlt- n i f f e vor einem Jahrhundert vor Augen führen, bevor man über die 30 000, die damals an dem Fest teilnahmen. ein Urteil fällt
E» ist eine unverleugbare Eigenschaft der Deutschen. bah sie, wenn sie Ketten sprengen wollen, wie ein reihender Bergbach weit über daS Ziel hinaus strömen, alle Deiche sprengen und erst später, wenn fich die Flut des Zreihcits- willens ein wenig beruhigt hat. wieder langsam in daS eigentliche Fluhbett zurückkehren. In diesem Sinne sind die Hochrufe auf eine im ganzen nicht völlig verstandene Internationalität zu verstehen. Unleugbar ist eS, bah kein einziger der Leute vonHambach war. dem nicht jener Spruch als Leitgedanke vor Augen brannte, der die mächtige schwarz-rot-goldene Fahne zierte, die auf einem Turm des Schlosses ausgepslanzt war: „Deutsch- landSWiedergebur t". Hinter diesem Wort verschwand das entfernte Echo, das die franzö- sifche Iulirevolution auf Hambach wart Um eine grundlegende Erneuerung Deutschlands ging es. aus dem Deist der neuen Staats- anschauungen der damaligen Zeit heraus, um ilebcrtoinbung ber staatlichen Zersplitterung unb jener Fürsten, die sich als Damm gegen den Freiheitswillen der Nation erhoben. Schon die Einladung umrifj dieses Ziel sehr genau, denn dort hieß es, das Fest gelte..dem Kamps für Wfchüttelung innerer und äusserer Gewalt, für Erstrebung gesetzlicher Freiheit und deutscher Nationalwürde". Wenn auch ein Hauch weltbürgerlicher Gesinnung mit durchklang, der Sturm, der sie alle bewegte,' hieß: „Deutsch- I a n d".
Die Voraussetzungen, ohne die das Hambacher Fest nicht gewesen wäre, waren die Franzofenzeit der Pfalz, die 1792 von Frankreich geraubt und teilweise verwüstet worden war, die Zeit der Demagogenversolgun- g e n und nicht zum wenigsten die grobe Enttäuschung der Kriegsheimkehrer von 18 13. die felsenfest gehofft hatten, bah dieses Jahr schon eine Neugestaltung und Einigung bringen muhte. Wohl war eS den Besten Deutschlands gelungen, Napoleon zu vernichten, die Donderinteressen der Einzelfürsten schienen un- überwindbar. Da erwies es sich von neuem als wahr, bah die Nation in Not- unb Kampfzeiten immer die Männer hervorbringt, deren sie bc- darl unb bie sie — verdient. Ernst Moritz Arndt fang seine glühenden Worte hinaus in* deutsche Land Ludwig Jahn toedte die Körper zur Freiheit und schuf in den gesundenden Menschen den Platz für das Freiheitssehnen Auch die Zeitungen taten das ihre, um die Zeitverhältnisse zu geibeln und zu bekämpfen. S'e wurden verboten und ihre Nedakteure aus- gewiefen Die Hntcrbrüdungämahnabmcn gegenüber der kaum zur Freiheit gelangten Nation unb der allen gemeinsame unbeugsame Wille zur Freiheit und Einheit sachte die Flamme an. bie strahlend auf dem Hambacher Schlob aufstieg.
weit btnetnlcud>tele in die Lande und die noch Zögernden mitnfe.
Dah die rot-weibe Polentahnc neben der schwarz-rot-goldenen über den Häuptern ber gewaltigen Kundgebung wehen burftc. bah an ihr auch westliche Demokraten teilnahmen. hat nicht gehindert, dah sich mehrere Nebner mit den schärfsten Worten gegen frembe Gelüste auf beutfcheS Land wandten. Nicht umsonst hat Wirth das Glaubensbekenntnis binauegctoorfcn: „Selbst bie Freiheit darf auf Kosten ber Integrität unsere- Gebietes nicht erlauft werden. Der Kampf um unter Vaterland unb unsere Freiheit muh ohne frembe Einmischung burch unsere eigene Kraft von innen heraus geführt werden!" Unb gerade weil diese Stimmung nicht nur bie Kundgebung auf dem heute Marburg genannten Schlot) bei Neustadt an der Hardt, sondern auch in weitest gehendem Maste das ganze deutsche Volk beherrschte, führten die Hambacher ihren Kampf auch gegen di» deutschen Fürsten, denen der geforderte Volksstaat gegenüber dem Obrigkeitsstaat unb die Freiheit der Nation gegenüber ihren Sonder- intereffen verwerflich erschien.
Die groben Ziele, die die Taufende nach Hambach geführt hatten, wurden nicht verwirklicht. Schon die Führerverhandlungen des folgenden Tages endeten ergebnislos bi6 aus den angenommenen Vorschlag auf Gründung eines
Es ist schon viel über Zukunftskriege geschrieben worben. Hier wird von einem guten Kenner der Marinewaffe ein packendes Bild einer Schlacht im Chinesischen Meer zwischen Philippinen unb Marianen entworfen, bie vielleicht jo oder ähnlich grausige Wirklichkeit werden kann. Im Hinblick auf die Genfer Ab rüstungskonferenz unb die gespannte Lage im Fernen Osten verdient diese Schilderung einer modernen Seeschlacht im Pazifik, die einen Krieg zwischen den beiden angelsächsischen Weltmächten und Japan annimmt, besonderes Interesse
I
Auf hoher Fahrr.
Der Politiker saß in der Kajüte des Admirals. Erst vor zwei Stunden hatte man ihn von dem Wrack eines torpedierten Dampfers heruntergeholt Noch vor kurzem war er der Zioilleiter der Marine gewesen, und jeden lag konnte er es wieder werden. Deswegen halte ihn der Admiral als ein weiser und vorausblickender Mann auf feinen an einen Befehl gemahnenden Wunsch auf das Schiff bringen und ihm feine eigene Kajüte geben taffen.
Der Politiker war ein würdevoller Mann. Seine Stimme drang auch bei ber größten Volksversammlung bis in ben entferntesten Winkel, im Augenblick aber war er von dem gänzlich unvorhergesehenen Erlebnis völlig aus dem Konzept geraten.
Der Admiral betrachtete mit einem undurchdringlichen Blick sein Gegenüber
„Das ist so schnell über nlich heremgebrochen". klagfe der Politiker. „Die Lage war allerdings ziem lich brenzlich, als wir Schanghai verließen — das ging aber nur die Bereinigten Staaten unb nicht
..Deutschen NetormvercinS". Aber auch die anderen Ausstrahlungen des Festes hnb wenig erfreulicher Art. Bavmfches Militär zog gegen die Kundgeber auf. die Hauptredner wurden verhaftet und das Land einer Militärdiktatur unterworfen, die Wettemich gegenüber der „revolutionären Orgie von Hambach" vorgeschlagen hatte Ebenso hatte auch die Studentenschaft des nahen Heidelberg unter der Knute zu leiden Die Nedner. deren man habhaft werden konnte, wurden tn Landau vor ein Ge'chworenengericht gestellt, von dem weniger bekannt fein dürfte, bah an ihm der erste deuttchc Gerichtsstenograph feine Kunst cms- übte. ber Erfinder der ersten Gefchwindschrftt, Franz Taver GabelSberger.
Aber umfonft war das Hambacher Fest doch nicht. Die Leiden der Führer hatten nur zur Folge, daß fich noch mehr zu dem Einigungs- Willen bekannten, unb die jungen Studenten zogen hinaus unb trugen den Gedanken von Hambach bis ins Ausland, wo fie um bie Erfüllung ber Ziele rangen. Erst muhte, ba die Zeit noch nicht erfüllt war, eine Epoche neuer Wirren unb innerer Kämpfe überftanben werben, ehe der Tag kam. an dem die deutschen Fürsten inmitten des besiegten Feindeslandes dem neuen deutschen Kaiser zujubeln konnten, gefelgt von der geeinten Nation, wenn auch noch nicht alle ihre Teile in den Jubel mit einstimmen durften. Zeiten des Aufstieg- und der Einigung durfte die Nation erleben, bi- fie von Zeiten furchtbarer Prüfung abgelöst wurden, in denen das Hohe Lied von Hambach Stärkung ber Schwachen unb Aufrichtung ber Starken bebautet.
uns an. Die letzten Nachrichten, bie ich aus Conbon erhielt, berichteten alle von großen Anttkriegsver- fammlungen. Ich selbst habe noch gefabelt: ,Nur keinen Krieg!'."
Der Admiral feg nachbenklich an seiner Zigarre.
„Das war wirklich sehr unfreundlich von den Japanern, gerade Ihr Schift zu torpedieren", meinte er sehr höflich, obgleich er einen kleinen Schimmer von Ironie nicht, ganz verbergen konnte, „man hat wohl nicht gewußt, daß Sie an Bord waren."
Der Mann der Politik sah den Sprecher groß an: „Nein, das konnten die Japaner allerdings nicht misten",-stimmte er zu, „meine pazifistischen Ideen sind ja allgemein bekannt, unb ich persönlich unterhalte freundschaftliche Beziehungen zu den höchsten Offizieren der japanischen Marine. Sie haben mich alle ihrer dauernden Dankbarkeit versichert, als es mir endlich gelang, unsere aufreizenden Rüstungen im Fernen Osten zu hintertreiben."
„Das kann ich mir lebhaft oorstellen", antwortete ber Admiral kurz, und mit spöttischem Intereste betrachtete er den Mann, dem es gelungen war, sich die Leitung der größten Macht des Britischen Imperiums, der Marine, zu erreden. Er dachte an die mit so großem Geschrei von der Presse besprochene „moralische Weltgeste", die im Prinzip nichts anderes bedeutete als einen Verzicht auf bie einzige britische Flottenbasis im Fernen Osten unb ihm ent- sprechende Ausnutzung. Die „moralische Weltgeste" von damals bedeutete heute das Todesurteil für alle Mann an Bord des Flaggschiffes und der dazu gehörigen Flotte. Der einzige Trost dabei ist, dachte der Admiral im stillen bei sich, daß wenigstens der Urheber dieser „Geste" auf fein eigenes, ausdrückliches Verlangen hin mit in den sauren Apfel beißen muß.
Seeschlacht im Chinesischen Meer!
Ein spannendes Zukunftsbild von kommenden Kriegen um den Giillen Ozean.
Bon $. Sritten Austin
Giehener Gtaviiheaier.
Karl Lchönhcrr: „Holt in Not"
Schon in dem 1895 geschriebenen, viel später er ft in umgearbeiteter Form ausgeführten Schauspiel „Der Judas von Tirol" hat Schönherr sich den Vauernaufstand von 1809 zum Vorwurf genommen Damals stand die Figur des verräterischen Knechtes Nass! im Mittelpunkt der Ereignisse - hier ist e- ber im Volkslied ver- herriich'e Sandwirt vom Pafteiertal selber, der als Wortführer ber Bewegung unb als eigentlicher Herold eines gemeinsamen Schicksal- in den Vordergrund gerückt ist.
Schönherr nennt die drei Aufzüge im Untertitel „Ein deutsches Heldenlied", und das scheint gerechtfertigt insofern, als das Ganze (bis auf eine kleine Szene im dritten Akt) nicht im eigentlichen. inneren Sinne dramatisch genannt werden kann wie das in den meisten Stücken Schönherrs der Fall ist- Es handelt sich vielmehr um eine in drei kurzen, schwer gefügten Akten bühnen- mäßig sichtbar gemachte Ebronik der bekannten Ereignisse des Jahres 1809 in Tirol: um die Erzählung eines gemeinfamen Schicksals — wie in ..Glaube unb Heimat", obwohl jener Tragödie non Natur aus ein dramatischer Kem zugrunde lag. während hier (bis auf jene angebeutete Stelle) ber Gegenspieler fehlt ober vielmehr nicht unmittelbar eingeführt wirb Die darin begründete Gleichförmigkeit unb Einheitlicykeit jeglicher Aeußerung kommt andererseits freilich der geschloffenen Wirkung bes Stückes zugute.
Der erste Auszug gibt das Vorspiel zum Aus- stanb der Bauern, wie er in Bild unb Wort oft verherrlicht worben ist Vor bem Notadl- wirtshaus bie Berge im Hintergrund», sitzen *ic einzeln unb in Gruppen, um den Hofer geschart, unb in schwerfällig-bedächtiger Rede unb Gegenrede entwickelt sich ein bei aller Kargheit des rauhen Wortes beredtes Bild von der viel- fälligen Not des Landes Tirol, das untet der Gewalt des übermächtigen Napoleon blutet unb seufzt Bis enblich bic gewitterschwangere Stimmung sich im gemeinsamen Aufschrei und Aufbruch ber Männer cntläbt: sie greifen zu den Waffen, entfalten bie zerfetzte Fahne unb rücken aus zum Kampf um bie Freiheit ihres Lanbes-
Der zweite Akt bringt rein äußerlich unb theatralisch ben Höhepunkt des Schauspiels mit bem rcai'ftifcb geschilderten Kampf auf dem Ofclbcrg.
Man sieht in bic Gipfelstellung ber Tiroler hinein, bic Fahne weht über ihnen, bas Schützen- feuer geht herüber unb hinüber. Pulverrauch wölkt. Steinblöde werden aus die Angreifer gewälzt. die Notadlwirtsleute fallen einer nach bem anbern, der Speckbacher greift ein, ber Sturm wirb abgeschlagen, bie "Bauern haben sich, wiewohl mit schwerem Verlust behauptet.
Dann.kommt der Schlußakt, ebenso ^napp unb sparsam wie bie vorausgehenden. jeooch — bis auf einen wild verzweifelten Ausbruch auf- begehrender Klage aus bem Munbe einer jungen, ihres Mannes beraubten Frau — viel stiller unb gebämpfter als jene. Nach bem Auszug und dem Kamps — bic Heimkehr Aber es kommen nicht viele zurück, bie meisten finb gefallen; bic bumpse Spannung der wartenden Frauen daheim (bic bramaturgifd) freilich, für ben Zuschauer, schon gebrochen ist) löst sich in Tränen unb Totenklage .. und in das Bekenntnis des Landwirts, der den Frauen bie traurige Botschaft von ihren Männern unb Söhnen gebracht hat unb bas Opfer rechtfertigt um des Landes und feiner Freiheit willen. So endet das Heldenlied, helfen letzte und volkstümlichste Strophe „Zu Mantua in Banden" — schon früher von -- 'hanh aufgeieichnet worden ist
Tie Aufführung kam unter der kräftigen und lebendig abgetönten Spiellührung von 'Roter Fasset zu einer geschlossenen und eindringlichen Wirkung. Die wechselnde Stimmung unb Atmo sphäre ber brei Akte war klar herausgearbeitet in der drohenden Gewitterstimmung des Aut- bruches. im brodelnden ilngeftüm des Gefechtes, in der dumpfen Klage des Abgesanges. Aus ber ganz kollektiv behandelten Menge des Volkes hoben sich die Einzelstimmen charakteristisch heraus Die Bühnenbilder von Löffler gaben dem firablinigen Vorgang ben großzügigen lanbftafl- ichen Hintergrund, von dem sich manche Szenen- Gruppen tote Ausschnitte aus den prachtvollen Bildern des verstorbenen Tiroler Malers Albin Egger-Lienz abhoben.
Den Landwirt Hoser vom Passeiertal gab wiederum Jochen Hauer, dem die Spielplangeftaltung der letzten Wochen eine erstaunliche Fülle von darstellerischer Phantasie und Wackdlungsfähigieit abverlangt hat; er gab auch den Hofer, wie es fich gebührt: als eine kernige unb männlich- bäuerische Gestalt, bedachtsam unb feurig zugleich, echt und füllig im schworen Dialekt.
Neben ihm nennen wir bic von Frau Koch sehr tüürbig gegebene Notabiwirtin in ihrem herb- verhaltenen mütterlichen Schmerz; Walter M i - chel, der mit überschäumendem Temperament den blutdürstig aut begehrenden Hies spielte; 5 äffet t. gedrungen und schlicht als Notadlwirt; unter den Frauen ferner Edith Berger, vor allem in einer kurzen, aber eindringlichen Szene des Schlußaktes, als Hiesin; Frl. Wie lan der als Koflerin, Frl. Doering als WolfSgruberin, Frl. Sachse als Äcllerin. Schelchcr (Franz), GeigeriFlorian) und Hub (Schmiedbartl) stellten sich mit fcftumrifTcncn Gestalten ins Ensemble, wo jeder — wir können im großen Aufgebot nicht alle auszeichnen — tüchtig seinen Platz auSfüllte.
Die Aufführung wurde als geschlossene Dorstel- lung für den VDA. gegeben unb mit einer kurzen Ansprache von Studienrat Dr. König ein- geleitet, der daraus hinwies, daß das Spiel als Auftakt für die Werbewoche des VDA. gelten dürfe; der Verein stehe in heutiger Notzeit mehr denn je im Kampf um bic Erhaltung deutschen VolksbodenS unb beutschen Menschentums. es es gehe um bie Zukunft bes Gesamtvolkes; jeber- mann möge zu ber in biefen Tagen veranstalteten Sammlung fein Echerffein beitragen. —
Die zahlreiche Hörerschaft spenbete unter bem starken Einbruck des Spiels lebhaften Beifall.
hth.
Zeitschriften
Unter bem Titel .Sie Urform des Lebens" veröffentlicht ber namhafte Münchener Gelehrte Edgar D a c q u e in der neuesten Nummer ber Illustrirten Zeitung (3. 3. Weber. Leipzig» eine aufschlußreiche Ueberfld)t über bie geheimnisvolle Entwicklungsgeschichte der Lebewesen unserer Erde. - lieber bie Sitten unb Gebräuche, befonbere bie Hochzeitsbräuche, der Basutos. bic noch ihr unverfälschtes Eingebore- nentum bewahrt haben, berichtet Walther Wülfing in Wort unb Bild — Die Spielleiben schäft ber Chinesen schildert W. O. Carl in einem von anschaulichen Abbildungen begleiteten Aufsatz. — Sic neuzeitliche Baukunst unb 3nnenarchiteftur tritt uns in ben Bildern von bem neuen Heim bes Leipziger Architekten Alfred Liebig entgegen, ber es verstand, bic angeblichen Gegensätze .modern" unb .wohnlich" zur Einheit zu verschmelzen. — In da- Gebiet der Mode führt ein ansprechendes DHobctableau, ferner wirb bie Entstehung des Lederhanbschuhes in einer Reihe von Abbil- * bungen veranschaulicht.
Samstag, 28. Mai 1952
_____1 ..ALS
Ditty Fritsch undLilian Harvey heiraten
Willi) Fritsch unb Lilian Harvey, bic beliebten Filmdarsteller, bic in so vielen Filmen einander als tiirbenbe fanben, wollen jetzt auch in der Wirklichkeit die Ehe miteinander schließen. Die Trauung soll im
Herbst in Hollywood stattfinden
1 ■ ■ '■ -1 — n
„Aber warum haben wir uns bloß auf diesen Krieg eingelassen? Das ist doch auf die Spitze getriebener Chauvinistenwahnsinn?!
Nachdenklich starrte der Admiral auf die Aschen- fäule seiner Zigarre.
„Weil bas Britische Imperium vor die Wahl gestellt wurde, entweder in ben Krieg zu ziehen oder auseinanderzufallen..."
„Wie lange, glauben Sie, daß die Sache dauern wird?"
„Na, vier ober fünf Jahre, vielleicht auch länger", meinte ber Flottenchef, als ob es sich um die selbst- verständlichste Sache in der Welt handelte.
„Unmöglich!"
Der Admiral zuckte bie Achseln.
Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen, bann fuhr ber Politiker fort: „Wo kommen Sie her, und wo beabsichtigen Sie hinzufahren?"
Der Admiral lächelte:
„Wir kommen van Hongkong unb versuchen Fühlung mit dem amerikanischen Kreuzergeschwader )u bekommen, bas bei den Philippinen stationiert ist; außerdem müssen wir — vereint ober getrennt — bem Japaner ben Weg nach Guam abschneiben."
„Guam?"
Wieder lächelte der Admiral.
„Davon müssen Sie doch gehört habe,!'! Guam ist eine kleine Insel in 1300 Meilen Entfernung von Iokohama, die seit 1898 den Vereinigten Staaten gehört. Es ist ber Schlüssel zum westlichen Teil des Stillen Ozeans, ohne ben Amerika an eine Wieder- eroberung der Philippinen gar nicht denken könnte: das ist sicherlich auch der Grund, warum weise Politiker auf einer neunmal weifen Konferenz in Washington daraus verzichtet haben, die Insel zu befestigen unb den Japanern obendrein eine Menge kleiner, sehr nützlicher, dicht um Guam liegender Inseln zugesprochen haben ..."
Der Politiker starrte den Admiral immer noch an, ohne auf den Seitenhieb gegen die Männer der hohen Politik einzugehen.
„Die Wiedereroberung der Philippinen? Die Japaner können doch nicht jetzt schon ..."
„Noch ist es nicht so weit; aber sie brauchen bloß hinzufahren, um die Inseln in Besitz zu nehmen; wahrscheinlich werden sie sich erst Guams versichern; darnach können sie in aller Ruhe die Philippinen
Tennis-Babys.
Von Ehrhard Evers.
Wenn die Bäume wieder grün werden, bann sprießt nicht nur der erste Spargel aus der Erde, dann bewegen sich auch auf dem festgewalzten Boden der Tennisplätze die ersten, keine-weg- schückternen TenniS-Babhs.
Ihre Genealogie ist ziemlich kompliziert. Sie sind ein Produkt aus Sehnsucht nach etwa- Bewegung in freier Luft — was ungefähr dem schöpferischen Anhauch aus der Geschichte im Paradiese entsprechen würde dazu aber vor allem ein Produkt ihres Schneiders, soweit da- Baby weiblichen Geschlecht- ist (bei den männlichen Tennis-Babys sieht das mehr nach Sport- hauSkonsektion aus), und schließlich geben fie sich mehr oder weniger uniformiert als Kollektiv- toefen individuellster Prägung aus, dessen Wortschatz beherrscht wird von den Vokabeln; Aufschlag. Schläger, Netzball, Schmetterball. Back- Hand. geschnitten, Einstand und von einer für den Außenstehenden völlig unverständlichen Mathematik mit einer Zahlenabfolge von „fünfzehn, dreißig, vierzig. Spiel!"
Das Tenms-Baby schreit wie ein wirkliche- Baby mit lauter Stimme seine grüne Weisheit über den Platz, es strampelt sich ebenso weidlich ab und kommt in Schweiß dabei, spielt mit feinen kleinen weißen Bällchen unb freut sich unbänbig, wenn es mal einen richtig über da- Netz gebracht hat.
Das Tennis-Baby ist der Liebling deS Trainers — wenigstens gibt sich jener den Anschein, alS ob es so wäre Mit nie erlahmender Geduld legt er ihm die Bälle vor. lobt, tadelt mit Maß unb zeigt ihm. wie falsch und warum es falsch war. was Baby machte. Die übrigen Mitglieder des Klubs meiden das Tennis-Baby gern, so wie bic Verwandten meist einen Bogen um bas hilflose Ding im Kinderwagen machen. auS Angst, es „für ein Weilchen" zum Halten auf die Knie gefetzt zu bekommen. Man ist bei keinem Baby vor Ueberralchungen sicher ...
Hur langsam wird daS' Baby groß. Langsam lernt es richtig schlagen, langsam richtig laufen unb langsam auch das Wichtigste: richtig fte', n. Un& wenn das gute Kind gar noch das Zählen begriffen hat. bann fliegen bie langen, flachen Grundlinienbälle hin und zurück, und dann kommen auch bie anderen Spieler zum Zuschauen und rechnen mit dem Schiedsrichter:
Fünfzehn, dreißig, vierzig — Spiell


