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Nr. 50 Zweiter Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Mon!ag, 29. Zebruar (932

Oie Bankenreform.

3n den Kommentaren zur Dankenresorm heißt es. das Datum des 22. Februar 1932 werde in der Geschichte des Bankwesen- ein Markstein blei­ben. In der Tat Hütte vor einem Jahr niemand in Deutschland geglaubt, bah einmal Die vier grüßten deutschen Aktienbanken un­ter gesetzgeberischer und sogar materieller Bei­hilfe des Reichs zugleich saniert werden mühten. Die Hereinnahme immer neuer Beträge sremden Geldes gegen .Zinsen zwang die Ban­ken zu einer eiligen, ost sogar übereilten AuS- Icihe Politik. um müglichst schnell die Zinsen für die e.ngclegten Gelder zu verdienen. Bei gZchüst- lichen Zusammenbrüchen, die ein gewilseS Mah überstiegen, muhten diese Danken in Schwierigkei­ten geraten. Die Srage, ob nicht die vier sanier­ten Banken, die jetzt tn der Zahl von drei Wei­terarbeiten werden. ihre bisherige Depo- sitenkassenpvlitik revidieren müssen, um endgültig aus der Gesahrenlinie herauszukommen. ist durch die Reform vom 22. Februar nicht gelöst.

Sin paar Morte darüber, wie die Krise entstand: die groben Aktienbanken haben wie übrigens »ast alte deutschen Geldinstitute die im Ausland aufgenommenen kurzfristigen Kre­dite mittel- oder langfristig weitergegeben Na­türlich Hütten fie ihr passives und ihr aktives Kreditgeschäft gern parallel geschaltet: aber da langfristige Darlehen im Ausland nicht erhältlich waren, haben sich unsere Banken mit kurz- triftigen Krediten begnügen müllen. Die Krise wurde im Sommer 1931 durch das Zu­sammentreffen dreier Umstünde akut:

1. der Ctodung in der Zufuhr neuen Kapitals aus dem Ausland.

2. der Zurückziehung der früher gewährten aus­ländischen Kredite und

3. einer durch einige auflehenerregende geschäft­liche Zusammenbruche hervorgerufenen Panikstim­mung unter den Inhabern von Bankguthaben

Märe die am stärksten berannte Bank, die _D a - nathanf, zusammenaebrochen. so waren zahl­reiche wirtschaftliche Unternehmungen mit einem Millionenheec von Arbeitern und Angestellten zu Bruch gegangen, und so wären auch die Bank- depositäre und die Sparkassenkunden zu einem wil­den Run auf die Geldinstitute veranlaßt worden. Das Reich hat Hunderte von Millionen foergege­ben, um diese unerwünschten Folgen fernzuhal- ten. Im Lauf der Zeit haben auch die übrigen genannten deutschen Großbanken, selbst die liqui­desten unter ihnen, durch ausfallende Schuldior- derungen schwere Verluste erlitten Gin Teil von ihnen saß auf großen Beständen eigener Aktien fest, die erworben wordei, waren, um ein Ab­gleiten des Kurses zu verhüten und die Aki o läre vor Derlusten zu bewahren. Um klare Deryält- nilfe zu schassen und keine Differenzierung der einzelnen Banken eintreten zu lassen, hat die ReichSregierung die Neuordnung der Verhältnisse bei den genannten vier großen Aktienbanken in die Hand genommen und auf einen Zeit­punkt gelegt Um da» hingegebene Geld wenig­stens teilweise zu retten und die Möglichkeit einer allmählichen Flüssigmachung ficherzustellen. hat die Reichsregierung Opfer gebracht und ein neues, diesmal jedoch feftbegrenzteS Risiko auf sich genommen. Mit <incr Bürgschaft ist das Reich nur in bezug auf die Auslandsfchulden der früheren Danatbank beteiligt, weil das Still­halteabkommen vom Januar 1932 dem Reich einen Austritt aus dieser Berpslichtung unmög­lich macht.

Die Bankenreform vom 22. Februar ist keine Sozialisierung deS Bankwesens, son­dern eher ein Ansatz zum Gegenteil. Für jede Bank ist eine individuelle Lösung gesucht und ge­wühlt worden. Man hat die Dresdner und die Danatbank zusammengeleqt. die Eommerz- und Privat-Dank mit einer öffentlichen Beteiligung

Peter wacht auf.

Äon Oiemar Moering.

Der kleine Peter erwachte, es war tief in der Nacht. Er seufzte leise und ließ die von Schlaf noch schweren Lider geschlossen. Gin Traum schwang dunkel und verworren hinter ihnen nach, »erblaßend schon, wie eine Landschaft im steigen­den Nebel versinkt und schließlich entschwindet. Gine Mühle war da noch, ein Bach, der bas klappernde Rad antrieb, darüber das Wasser hinwegrauschte, dunkel murmelnd und eintönig, auf dem Dache des HaufeS aber hockte eine Katze, riesengroß, die fauchte, daß Peter sich die Ohren zuhalten mußte vor dem Lärm. Nun erlosch auch der letzte Schimmer des Bildes, es fiel ab von Peter wie ein Kleid, das der Wind sanft vom Körper löst, und er war wach er wußte jetzt, daß er wach war!

Er lauschte, noch immer mit geschlossenen Augen. Auch jetzt noch scholl das Rauschen in sein Ohr, nun erriet er, daß es draußen regnete. Er hörte die Tropfen wie hundert trippelnde Flüßchen über das Dach rennen, irgendwo rumorte der Wind mit einem losen Fensterflügel

Peter lag still. Seltsam, dachte er. nun ist es nur der Regen. Eine leise Sehnsucht überkam ihn, wieder zurückzutauchen in das Unbekannte, das ihm nun abenteuerlich umglänzt erschien, märchenhaft und lockend: er wandte sich auf die andere Seite und gab sich wieder dem schweren und dumpfen Wogen hin, das ihn noch immer auf feinem Rücken trug. Sinken, dachte er und lächelte glücklich, finken wieder, tiefer, immer tiefer aber bann merkte er enttäuscht, baß der Weg ihm verschlossen blieb unb bas Zurück ihm versagt war

Wie quälend dies Geklapper auch war! Peter gähnte, nun trieb es ihn ganz in Bewußtsein hinauf Er öffnete die Augen und setzte sich mit bis ans Kinn gezogenen Knien in der Lade seines Dettcheus zurecht. Wie der Wind draußen fauchte! Da schlug es schon wieder gegen die Hauswand nun wurde es mählich stiller und stöhnte noch einmal über den Hof. letzt strömte nur noch bet Regen leise. Unheimlich war es.

Kein Stern schien zum Fenster herein, unb die Schwärze bet Nacht umgab Peter wie ein ®rab. Seine Sinne spannten sich, er horchte auf. irgendwo nagte es unter den Dielen, nur zu sehen vermochte er nichts, so seht er auch feine Augen auftat. Merkwürdig wat das eigentlich! Er starrte vor sich bin unb dachte nach. Aber vielleicht war es möglich, den Engel zu erkennen, der des Nachts am Kopfende seines Bettes

auSgeftattet unb bet Deutschen Dank unb Dis- konlogefellschall eine interne Reorganisation ebne öffentliche Hilfe ermöglicht. Man hat den Ak­tionären ber fanierlen Banken Opfer zugemutet: den Aktionären ber zuerst genannten künden Ban­ken eine Zufammenlegung von 10:3 und den Ak­tionären der Deutschen Bank unb Dl-kontogefcll- schast eine Zusammenlegung von 10:4. Aber man bat ben Aktionären bvch nicht zugemutet, ihr gesamtes Kapital zu opfern Der au-lchlagge- bende Gtunb to.tb«gctveicn fein, büß bie Regie­rung bzw die Golddiskontbank den pri­vatwirtschaftlichen Eharakter beS ,enterten In­stituts erhalten, nicht aber selbst de Geschäfts­führung übernehmen wollten. Daneben wird aber auch ber Gebanke mitgespielt haben, daß daS geldbesitzenbe unb sparende Publikum nicht völlig vom Erwerb und von der Zeichnung privater Bankaktien abgeschreckt werden sollte. Aber es wirb nicht leicht fein, nachzuweifen, daß nur bte- fen Danken, nicht aber auch ben zahlreichen mitt­leren unb kleinen Privatbanken mit öffentlichen Geldern geholfen werden soll. Die öffent­lichen Mittel werben im Betrag von über 500 Millionen Mark zur Durchführung de- Re- organifationswerkeS eingesetzt. Heber die ötati- s.erung dieser Summe Hal man bisher noch nichts gehört. Zur Erleichterung des Loses von weit über 10 000 Bankbeamten, die durch die Zu­sammenlegung der Dresdner und Danatbank unb durch die Reorganisation auch der anderen Dan- ken sreigefeht werben, sind gewisse allerbing» ziemlich bescheidene - Vorkehrungen getroffen worden. Die im Besitz ber Reichsbank befindliche Golddiskontbank wird Mitte März eine Kapital­erhöhung auf 400 Millionen vornehmen, um bie

öffentliche Beteiligung an ben Banken aufzu­nehmen.

Die Dankenfanierung wird selbst denen, die eine Wiederfloltmachung der größten lxutschen Kre­ditinstitute au# wirtschaftlichen Gründen für brin- genb erforderlich halten, keine Freude machen. Das Urteil wird lauten: bestenfalls ein .not­wendiges Uebel", aber nur ein .UcbeP. wenn bie Sanierung ber Banken nicht der Anfang einer erfolgreichen wirtschaftlichen Anregung-- unb EntschulbungSak- t i o n ist. Wenn die ReichSregierung bei ben Großbanken, bei denen die öffentliche Hand mit mehreren Hundert Millionen h ng, der Versuchung widerstanden hat. zu sozialisieren unb zu nivellie­ren, io barf erwartet werden, bah auch bei ber un­gleich größeren Sanierung der übrigen Wirt­schaft keine grundsätzlich anderen Wege einge­schlagen werden. Allerdings wird dort eine Her­gabe öffentlicher Mittel ausgeschlossen bleiben müssen. Insofern weist die Bankenrellorm vom 22. Februar 1932 in die Zukunft Sie steht mit ber für ben 25. Februar angefetzten Wieder­eröffnung der Wertpapierbörse in engem Zusammenhang. Dort wird die Oesfentlich- keit ein erstes vorläufiges Urteil über bie ganz? Aktion fällen. Das endgültige Urteil wird erst in Jahren gesprochen werden Es hat lange, sehr lange gedauert, ehe daS bereit# feit 7 Monaten schwebende Problem praktisch angesaht worden ist, im Laus der Zeit haben sich bie Schwierigkeiten unb bie enbgültigen Erfolg-ausfichten mindesten» nicht gehoben. ES dürfen nicht abermals Monate vergehen. biS bas begonnene Werk ber großen Wirtfchaft-fanierung weitergeführt wird.

Das Memel-Ünrecht ungesühnt!

Don unserem ^-Berichterstatter.

(Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Memel, den 26. Febr. 1932.

ES waren bange Tage unb Wochen, bie bie Memelländer seit dem 6. Februar, dem Tage de» litauischen GewaltstreichS, durchlebt haben. Es gab nicht wenige, bie angesichts des brutalen Dor- gehenS des Gouverneur- Merkys auf die deutsche Hilfe unb auf ein e entf prechenbe Ant­wort auf bie litauischen Her au Sfor- berungen gewartet haben. Aber man hat den Völkerbund angerufen, währenddessen die Li­tauer den Memelländern ihre Machtmittel in Ge­stalt von Panzerwagen und schwer bewaffneten Militärpatrouillen recht deutlich demonstrierten. Man hat sich in Genf mit den juristischen Spitz­findigkeiten Litauens auseinandergeseht, während in Meinel die litauischen Schützen Waffen und Munition empfingen, um auf einen Wink von Kowno aus loszuschlagen. Obwohl Tag um Tag und Woäie um Woche verging, ohne daß der Rat zu einem Entschluß gekommen wäre, und ob­wohl die Memelländer keine Dertretungnach Genf entsenden durften, hat man doch in Memel ge­hofft, daß der große Bund der Nationen s i ch wenigstens diesmal auf seine Pflicht befi nnen würde Der Rechtsbruch lag fo klar zutage, unb das Unrecht Litauen» war so offen­sichtlich, daß eigentlich kein Zweifel daran auf­kommen konnte, daß Litauen zum mindesten zu einer Wiedergutmachung deS begangenen Unrechts verurteilt werden würde.

Um fo größer ist nun d ie Enttäuschung. Man will e» kaum glauben, daß in Memel alles beim alten bleiben soll unb daß die Memelländer auch weiterhin der litauischen SoldateSka unb ber Willkür des Gouverneurs, der nun von den Li­tauern als ber große Triumphator gefeiert wird, ausgeliefert sein werden. Gewiß, der Dölkcr- bundsrat hat in seinem Beschluß zum Ausdruck

?ebracht, daß dringende Maßnahmen zur Vermeidung einer Verschärfung der Lage im Memelgebiet n/> tw endig feien, daß ein recht­mäßige- Direktorium sofort gebildet werden müsse und daß der Haager Gerichtshof zur Klärung der Rechtsfrage angerufen werden soll. Aber das find die üblichen Genfer Phrasen, auf die man nach ben bisher gemachten Erfahrungen nicht da- Minbeste geben kann, noch dazu, ba Litauen diese Vorschläge des Berichterstatters Eolban nur unterDorbehalt angenommen hat. WaS bie Forderung auf .sofortige Bildung eines recht­mäßigen Direktorium-" anbetrifft, fo braucht man sich nur an die Vorgänge in den Jahren 1930 und 1931 zu erinnern. Auf Grund der letzten Mernelbefchwerde legte ber Rat Litauen in der Septembertagung 1930 die Verpflichtung auf, die Bildung eines Direktoriums entsprechend der Zu­sammensetzung deS Landtags durchzuführen. Es hat mehr als fünf Monate gedauert, ehe diese- Direktorium endlich gebildet werden konnte, obwohl Litauen sich damals ohne Vor­behalt dazu bereit erklärt hatte.

Wie Litauen bie DircktoriumSbilbung burchfüh» ren wird, kann man sich in Memel schon heute lebhaft vorstellen. Die Litauer machen gar kein Geheimnis daraus, daß ber Gouverneur nicht ein Direktorium des Vertrauens des Landtags, son­dern der Kownoer Regierung bilden wird. Pariert dann der Landtag nicht und stimmt er gegen das Direktorium, bann wirb er eben - wie bas Herr ZauniuS in Genf offen angekündigt hat aufgelöst unb unterbem Druck der litauischen Bajonette und entsprechend dem berüchtigten Rezept PilsudskiS tonnen dann bie Neuwahlen mit dem Ziel der Schaffung einer litauischen .Mehrheit" burchge- führt werden. Dann hat man auflegalem" Wege erreicht, was man erreichen wollte, und da- Opfer des LanbeSpräfibenten Böttcher unb feiner

wachen sollte wie bie Mutter es ihm erzählt hatte. Peter hätte sich gern umgewandt, aber dann als er ben Kopf schon halb gedreht hatte, überfielen ihn Zagheit und Scheu, und er wagte es nicht, sich weiter zu bewegen. Nein, das ging nicht! Wie hätte man auch einem Engel ins Ge­sicht blicken können, einem richtigen Engel, den Gott selbst zu ihm gesandt hatte! Nein man durste eS nicht! Peter fühlte, daß er nicht be­stehen konnte und sterben müsse vor soviel Große.

Nur beten konnte man zu ihm. Er faltete die kleinen Händchen: Peter will immer brav sein flüsterte er. Nun mußte er antworten, ja. Jetzt, da fie beide allein miteinander waren. Er lauschte. Aber es kam keine Antwort. Niemand sprach zu ihm. Peter wartete Vielleicht hatte er zu leise geredet. Er versuchte es nochmals, aber nun saß schon ein wehes unb drängendes Schluchzen in seiner Kehle Peter will brav fein, ganz brav! Doch alles blieb still! O. wie still es blieb! Furchtbar war es! Nun hatte es auch aufgehört, zu regnen, nur einzelne Tropfen fielen noch vom Dache herab.

Peter sah ganz aufrecht und steif. Von innen her lief Bangni» wie ein leichtes 3rofic!n durch seine Glieder und schülterle über seine Haut Gern hätte er die Augen geschlossen vor soviel Schweigen unb Dunkelheit, aber er vermochte es nicht. Warum sprach er denn nur nicht, der Engel? Wie, hatte er nicht die Hände gefaltet, wie es geschehen sollte, wenn man betete? Warum gab er ihm denn keine Antwort? Vielleicht, dachte Peter, und der Schreck darüber lähmte ihn fast, vielleicht ift er gar nicht da! Vielleicht ist er fortgeblieben heut' nacht? Viel­leicht ...

Nun traten ihm schon die Tränen in die Augen, er schluckte mühsam. Nein, das nicht! War man nicht ein Junge, mußte man nicht tapfer fein? Sagte man es ihm nicht immer fo?

Er ballte feine Hände zu kleinen Fäustchen und preßte fie zwischen die Zähne o. er bezwang hdj! Dennoch blieb es furchtbar, dies Schweigen und diele Finsternis, die ihn in ein Netz tooben, au» dem es fein Entrinnen gab. Wenn nut da- Dunkle nicht wäre, dachte er. Wie schön war alles im Licht, wie klar, wie unverborgen unb einfach! Wie vertraut war man zwischen ben Dnqen. bie bas Auge sah! Dar da nicht Stuhl, Tisch und Dank, und unter ihnen er­ber kleine Peter? Nicht Wiese, Ackerland und Wald, unb in ihnen Peter, er? Gehörte er nicht zu ihnen wie bie Lämmer, die mit ber Herde auf den Feldern weideten, wie Hund und Pferd. Daum unb Teich? Warum hatten sie ihn verlassen, bie Dinge, warum zeigten sie sich nicht, bargen ihn schützend in ihrem Kreis?

Und wo war der Mutter schirmende Hand, der Duft ihrer Nähe, der bergend ihn hegte? Ich bin allein, ach, ich bin allein, flüsterte er seufzend und mit naffen Augen. Ich aber da durch­schlug es ihn eiskalt! Ich hatte er gesagt! Ich wie merkwürdig war das doch! Noch nie hatte er es ausgesprochen, dies Wort. Wenn er von sich redete, fo hatte er sich immer bei Namen genannt" Peter. Peter, das war ein Ding wie alle andern: ber Hund hieß Flock, ein Baum Eiche ober Linde, ein jedes hatte seinen Namen und war eingereiht an dem Platz, ber ihm zukam. Nur die Großen sagten Ich. DaS hatte er nie recht verstanden, sie taten, als besäßen sie keine Namen, als wären sie anders als bie Dinge, bie sie umgaben Unb nun war eS auch au- ihm emporgetaucht: Ich!

Er horchte grübelnb. Da schlug etwa- brinnen in feinem Leib, bas ging unb pochte, hin unb her, wie ein Hämmerchen, so emsig: fein Herz. Nie hatte er es fo gehört, fo für sich, allein in der Dacht Und mit jedem Schlag sagte es dumpf und schwer, und es klang unsagbar traurig dabei: 3<b Ich - Ich - Ich, immer wieder und wieder, ohne Ende und Ruh'.

Und plötzlich begriff Peter dies: Ich! Plötzlich m einer bö,en Sekunde deS Entsetzens, war eS ihm kein Rätsel mehr, und dennoch noch viel, viel rätklhafter als zuvor. Ich das hieß allein' Das hieß: ausgestohen sein und einsam, so wie er fetzt eoen einsam war und ausgesetzt in der ginftemi^ in der frierenden Kälte unsichtbaren Nichts. Hieß verstoßen sein von den Dingen verstoßen von Goll und verlassen von dem Engel' dec über ihn wachen sollte. Ach, wo war noch Gnade, wo noch Barmherzigkeit, wo Güte und 6c^cn-, to° - wenn nur Ich noch war. nichts mehr berührte mit seliger Helle? Wenn nur das 2^ unb -bic Stille, die einem auf

oer Vrult hockte wie eine feuchte und ekle Kröte?

darin man nicht Ort fand

Swnde? Und Peter fühlte, wie unaussprech- llch dies Nichts war. m dem er zitternd kauerte, tote graufam unenblidj es war unb wie eng den« Ä L S*uar ,cn9' baf} ihm nun in Ent- 'chen btc Brust zusammenpreßte unb feine Furcht m einem einzigen langen, heulenden und tierischen schrei gellend aus chm herauswürgte: Huuuuuu! lange glaubte Peter fo zu schreien

viel?Utmd 9£r ^,$l- ?ie lange es fein mochte' tntle taufend Jahre lang vielleicht. Nur dies

Crn ?a6 aushören durfte, ohne URb m,cincm einzigen Zuge dieses unaufhorl.che uuuuuu hinauszufchleudern au- sich wenn er nicht versinken wollte in den Abgrund be*. sich fo jäh aufgetan hatte.

Direktoren PvdßuS unb Sziegaub. die allen Be­drohungen zum Trotz kapier viS zuletzt auf ihren Posten aueh.eiten, ist umsonst gewesen. Und man wird b.cfe Kämpfer sür das Recht deS Me- mellande-, die immer noch ihrer persönlichen Freiheit beraubt sind, bann wohl auch noch vor ein litauische- Gericht schlep en und abur.ci.cn. Angesicht > dieser Ausficht.n, d e der RatSbeschluß dem unglücktiLen Meine.land eröffnet, muß e- geradezu al- eine TerbLbnuni emp unben werden, baß in dem RalSberichl erneut von der .eewiffen- haften Einhaltung der Berp li^tunicn Litauen-" gegenüber dem Memelgeb.et die Rede ist. Wie oft bat Litauen fach nicht fa-on zur C nboltung ferner Verpflichtungen bereit erklärt 7 Gehalten hat c- fein Versprechen aber noch nie!

Unfaßbar ist. daß D e u l f ch 1 a n d die Ini­tiative zur weiteren Dcrfolgu g der lilauifchcn Rechtsbrüche auS der Hand gegeben bat. Wenn man sich schon den l.lau:schcn Bericht.v- pungSforderungen beugte. Io hätte die den ax Abordnung doch zum mindesten einen b i n- benben Ratsbeschluh über die Anrufung de- Haager Gerichlehojs herbeifübren müllen, wie dies auf Grund des Artikel- 17 des Memcl- abkommens durchaus möglich gewesen wäre. Statt dellen aber bat Deutschland lediglich die Bitte ausgesprochen, daß eine der Unterzeichnermächtc de» Memelabkommen- ein Dersahren gegen Li­tauen in Gang setzen möge. Die Vertreter ber Mächte (Frankreich. England. Italien und Ja­pan» haben diese Bitte zur Kenntnis genommen, die Entscheidung aber ihren Regierungen Vor­behalten Die Dertrauensleligkeit DeullchlondS muß um so merkwürdiger berühren, als inan mit einem ähnlichen RatsbZchluß vom Mai 1931 be­reit- bie betrüblichsten Erfahrungen gemacht hat. Damals beschloß der Rat. bie immer noch unerledigten Punkte ber Memel­beschwerbe (Kriegszustand. Pressczcn'ur. Finanz­frage unb Gerichtskonflikt» bi reiten Verhand­lungen zwischen Litauen und den Unterzeichner- möchten vorzubchalten. unb zwar mit ber aus- brieflichen Bestimmung, daß berHaagerGe- r i ch t S h o s angerufen werden müßte, fall- die Verhandlungen zu keinem Ergebnis führen soll­ten. Die Verhandlungen sind, soweit solch« über­haupt ftattgefunben haben, völlig negativ verlaufen. Aber keine der Mächte bat es für notwendig gehalten, den Haager Gerichtshof an­zurufen.

Man darf sich nicht wundern, wenn die breite deutsche Front im Memclgebiet nach unb nach abbröcfclt. Die Gelegenheit, jetzt eine völlige Neu­regelung ber Memelfrage aus dem Wege über eine DoIksabft immung, wie bas nicht nur im Memelgebiet. sondern auch in Deutschland von weitesten Kreisen gefordert wurde, herbeizu­führen. war denkbar günstig Es stand einwand­frei fest, daß die Litauer sich ihres Recht- aus dem Mcmelabkommen selbst begeben hatten, in­dem sie ohne Rücksicht auf die Bestimmung in Artikel 1 des Abkommen-, in dem c- heißt, daß das Memelgebiet Litauen nur .unter Derbe ball der in diesem Abkommen festgesetzten Bedingun­gen" übertragen worden ist. einen Rccht-bruch an den anderen reihten. Man kann nur hoffen, daß die Zeichen der Zeit nicht zu spät verstanden werden. Denn daß das deutsche Volk die deutsche» Brüder an der Memel niemals vergessen wird, da- haben die letzten Tage und Wochen mit ihren flammenden Protesten gegen die litauische Willkürherrschaft deutlich gezeigt. Der Kampf wird nun noch schwerer und härter werben Noch bat Memel bie Hoffnung nicht aufgegeben. Aber lange darf bie Hilfe nicht mehr auf fich warten laffen!

Daten für Montag 2#. Februar

1792: ber Komponist (tziocchino Rossini in Pesaro gebaren; 1892: der Schriftsteller Walther von Holländer in Blankenburg am Harz geboren.

Unö bann, als er schon das Ende gekommen glaubte, und die Not feines Atems am höchsten war, öffnete sich die Tür. Licht fiel herein, die Mutter trat schnell in seine Kammer, eine brennende Kerze vor sich her tragend. Da löste es sich in Peter, sein Schrei, der schrill das Dunkel zerfetzt hatte, tauchte dahin und zer­schmolz in dem warmen Strom fliehender Tränen Mutb. schluchzte er nur. och Mutti! Und er empfing wie einen großen Segen bie gute unb heimliche Wärme ber weichen Brust, in welche fein Antlitz geborgen fich drückte!

Ein Löwe kommt zu Besuch.

Sin höchst ungewöhnliches Erlebnis hatte kürz- Uch eine Frau Parsons in dem englischen Ort "Walsall. S.e ging in der Dämmerung in ihrem Carlen spazieren und sah in dem ungewissen Licht nur undeutlich etwa» durch die Gartentür hercinkommen. Sie glaubte, es wäre ein kleines Mädchen, das sie öfters gegen Abend besuchte, ging dem Ankömmling freudig entgegen unb streckte ihm die Hand entgegen. Aber was fie da berührte, erfüllte fie mit Entsetzen. Es mar nämlich das Fell eines Tieres, und laut ausschreiend stürzte jie in das Haus. Der un­erwartete Desucher, der durch die Gartentür ge­kommen war, war ein Löwe, der aus seinem Kä­fig ausgebrochen war. Neben dem Grundstück der Zamilic Parsons befindet sich nämlich der Rum­melplatz des Ortes, auf dem eine herumziehende Menagerie unter anderen Sehenswürdigkeiten aud) ein paar Löwen zeigte. Der König ber Tiere folgte der Dame, die ihn so unliebenSwürdig bewillkommnet hatte, in das Haus unb mar- MHcrte durch die offcngelaffcne Hintertür in die Küche: bann unternahm er eine Besichtigung der übrigen Räume, während die Dame des Hauses ihm schreiend vorauslief. Ihr Mann kam ihr zu Hilfe und warf die Dordertür vor dem nachsolgen- den Tiere zu. Dann rannten beide auf die S.raßs unb schrien Alarm. Der Menageriebeüyer, ben

Flucht noch gar nicht bemerkt hatte, wurde nad)riehtigt, ebenso bie Polizei, die fiÄrntfr'ttnc'i he'tigen Kampf gefaßt machte. Ell»s5 große Men­schenmenge hatte sich inzwischenj^erfammelt. Doch ber Besuch des Löwen endete,*o friedlich, wie er begonnen hatte. Ein Käfig, ir-'bem die Löwin sich befand, wurde vor die Dordertür des Hauses ae- zogen, und als diese geöffnet wanderte der Löwe ruhig in ben Käsig <u Gefahr^

Der ganze Schaden, den er stand im Zerbrechen einer T"0 terveißen eine« Pelzes