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27.7.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. ^4 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 2L 3uli 1952

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Aus Natur und Technik.

Unsichtbare Leuchttürme.

Von Karl Ammon.

Nachdruck verboten.

Als im Jahre 1906 der junge Ingenieur Hans Bredow, der jetzige Reichsrundfunkkommissar, zu dem bekannten Reeder Karl Woermann kam, um ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, auf den Schiffen der Woermannlinie Funkentele­graphie einzurichten, antwortete ihm Woermann: Eine solche Einrichtung würde für meine Flotte jährlich vielleicht 50 000 Mk. kosten. Glauben Sir, ich hätte so viel Geld dafür übrig, daß sich meine Kapitäne auf See,Guten Morgen!" sagen kann- ten?" Auf die Einwände von Bredow meinte er dann noch, er sei froh, von seinen Schiffen nichts mehr zu hören, wenn sie den Hafen verlassen hät­ten. Nun, seitdem haben sich die Ansichten darüber etwas geändert. Es ist heute eine Selbstverständlich­keit, daß alle Schiffe Funkentelegraphie haben und dauernd mit der Welt in Verbindung bleiben. Das gefunkte Zeichen SOS hat schon unzähligen Men­schen das Leben gerettet, und man kann heute von jedem großen Dampfer aus Ferngespräche mit jedem Teilnehmer in jedem Lande führen. Hat doch kürz­lich ein Gespräch vom DampferEuropa", der sich dicht bei Neuyork befand, mit Bangkok in Siam, also um die halbe Erde herum stattgefunden.

Als Nachrichtenmittel hat sich also die Funkerei im L>chisfahrtsbetrieb durchgesetzt. Nun beginnt sie, noch in einer anderen Richtung nutzbar zu werden, die für die Schiffahrt nicht weniger wichtig ist. Auf freier See fahren die Schiffe bekanntlich nach dem Kompaß, nach der Uhr und nach den Gestirnen.

Aber diese Schiffsortbestimmungen sind in der Nähe der Küste nicht genau genug, und soweit die Gestirne in Frage kommen, versagen sie bei Nebel und teilweise auch bei Tage, da man nach der Sonne allein nicht alle erforderlichen Angaben ausmachen kann. Man hat deshalb mit ungeheuren Kosten Leuchttürme errichtet, die ja bei sichtigem Wetter in der Nacht ganz gute Dienste leisten, bei Tage aber schon weniger wertvoll sind und bei Nebel so gut wie vollkommen versagen. Die Folge dieser Mängel sind die zahllosen Schiffsstrandungen mit ungeheu­ren Verlusten an Menschenleben, Schiffen und Gü­tern, die Jahr für Jahr an allen Küsten der Erde eintreten. Es ist daher kein Wunder, daß man auf Abhilfe sann, und es ist weiter nicht erstaunlich, daß man darauf verfiel, von den Leuchttürmen aus statt Lichtwellen elektrische Wellen auszusenden, die bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter, insbesondere auch bei Nebel, immer dienstwillig bleiben. Wir wissen ja alle, daß z. B. unser Rundfunkempfang durch Nebel in keiner Weise behindert wird, ja man braucht so gar nicht einmal mehr Türme für die sog. Funkfeuer; eine kleine Funkstelle in einem Häuschen mit einem Luftleiter genügt vollkommen. Die Schiffe können dann mit dem sog. Funkpeiler die Richtung feftellen, aus der die von einem Funk- feuer ausgehenden elektrischen Wellen kommen, und wenn sie ein zweites Funkfeuer anpeilen, dessen Ab­stand vom ersten ihnen bekannt ist, durch Wickel- mesiung gegen die Nordrichtung auch ihre Entfer­nung von der Küste.

4000 Schisse aller Staaten sind bereits mit dem Funkpeiler ausgestattet und es sind rund um Eng­land und in der Nordsee bereits 75 Funkfeuer er­richtet worden. In der Ostsee, also in Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Ruß­land, Lettland, Estland und Polen sind 93 Funk­feuer ausgestellt worden.

Das scheint nun sehr einfach, aber die Sache halte doch noch einen Haken. Für die Schiffahrt und die Luftfahrt stehen nur die Wellen von 950 bis 1050 Meter Länge zur Verfügung, also nur Wellen mit einem Unterschied von 30 000 Schwingungen in der Sekunde. Es ist aber gelungen, innerhalb dieses engen Wellenbereichs zehn Verkehrswege un­terzubringen. die sich gegenseitig nicht stören. Von diesen zehn Wegen gehören drei der Luftfahrt und sieben der Seefahrt. Man hat sich nun weiter dadurch geholfen, daß immer drei benachbarte Funkfeuer auf

der gleichen Welle arbeiten, so daß man seinen Peiler nicht umzustellen braucht, wenn man sie empfangen will. Damit ihre Zeichen nicht durchein­ander kommen jedes Funkfeuer sendet ein be­stimmtes Morsezeichen aus ähnlich wie die Leucht­türme mit verschiedenen Morsezeichen blinken funkt jedes Feuer zw^i Minuten und macht bann vier Minuten Paufe, wahrend der die beiden anderen Feuer nacheinander senden; dann kommt wieder das erste Feuer usw.

Damit man nun die verschiedenen Gruppen un­terscheiden kann, arbeitet jede Gruppe zu dreien in einem anderen Ton. Je drei benachbarte Sender arbeiten also nicht nur auf derselben Welle, sondern auch mit demselben Ton. Die Nachbargruppen ar­beiten mit anderen Tönen, und zwar hat man sechs Töne herausgefunden, die sich deutlich voneinander unterscheiden und im Bereich vor 335 bis 600 Schwingungen in der Sekunde liegen, also etwa die Tonhöhe haben wie eine Männerstimme.

Die Funkpeilung hat man vielfach auch noch durch Unterwafferschallfignale ergänzt, und zwar in einer sehr witzigen Weise: Wie wir schon erwähnt haben, kann man mit einer einzelnen Funk­peilung wohl die Richtung feststellen, in der das

,Funkfeuer liegt, aber man weiß dann noch nicht, wie weit man von dem Funkfeuer entfernt ist. Wenn nun vom Funkfeuer aus zugleich Schallsignale ausgehen, so kommen diese desto fpätcr nach dem Funkzeichen im Schiff an, je weiter das Schiff von der Peilstelle entfernt ist. Die Zeichen des Funk» senders werden bann so gegeben, baß man sie nur bis zum Eintreffen bes Unterwafferfchalls zu zählen braucht: so viele Seemeilen ist man bann vom Funk­feuer entfernt.

Durch bie Funkpeilung wird man also vom Wetter vollkommen unabhängig und kann unter allen Umständen ohne jede Ausnahme seinen Schiffsort in der Nähe der Küste, man möchte sagen, auf wenige Meter genau bestimmen. Es braucht also kein Wort darüber verloren zu wer­den, daß sich die Ausgabe für die Errichtung der Funkfeuer lohnt. Aber das darf wohl gesagt wer­den, daß auf diesem Gebiete das Zusammenwirken der Technik und bas vieler Staaten vorzüglich ge­klappt hat. Man könnte nur wünschen, baß bie Zu­sammenarbeit bei politischen Verhandlungen ebenso zielsicher auf bas Wohl ber gesamten Menschheit gerichtet würbe.

Deutschlands Luftfahrt-Observatorium.

W

Das Observatorium ßinbenberg bei Berlin hat bie Aufgabe, Wettervoraussagen für Flugzeuge und Ballons auszugeben. Solche Angaben find natürlich für den Start sowie bie Festsetzung ber Route von Flugzeugen unb Luftschiffen von größter Wichtigkeit.

Unser Bilb zeigt den Aufstieg eines Fesselballons, der mit automatischen Registrierapparaten versehen ist.

Die Windmühle lebt wieder auf.

Von Franz Neumann.

Nachdruck verboten.

In den VDJ.-Nachrichten oeröfsenllicht K. B i - lau einen sehr belangreichen Aufsatz über Ver­besserungen an Windmühlen, bie diese Mühlen wie­der lebensfähig machen. Bilau beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Ausnutzung ber Windkraft. Er ist ein Gegner großer Winbkraftwerke, wie sie etwa ber Ingenieur Honnef plant, weil er sagt: große Windkraftanlagen erfordern Verteilungsnetze

zu den Verbrauchsstellen der von den Werken er­zeugten elektrischen Energie. Diese Verteilungsnetze sind aber teuer. Es ist viel klüger, so meint Bilau, statt besten viele kleine Windkraftanlagen unmittel­bar beim Verbraucher zu bauen. Er hat zu diesem Zweck den sogenannten Ventimotor geschaffen, der ungefähr aussieht wie die Luftschraube eines Flug­zeugs, nur daß er sehr viel größer und dreiflügelig ist. Diese Windschrauben sind zwar sehr gut, aber sie sind leider auch sehr teuer, und daran ist wohl ihre Einführung gescheitert. Es hat ja keinen Zweck, solche Luftschrauben mit sehr hohem Wirkungsgrad zu bauen, denn da man den Wind umsonst hat,

so kommt es nicht daraus an, daß diese Wind- schrauben dem Wind möglichst viel Energie abneh­men; es ist vielmehr wesentlich, baß man mit mög­lichst geringen Anlagekosten gerabc die Energie­menge gewinnt, die man braucht.

Nun hat Bilau diese vollkommenen Schrauben auch nicht aus dem Grunde empfohlen, um aus einem bestimmten Winde möglichst viel herauszu- holen. Seine Bemühungen Haber vielmehr einen ganz anderen Grund: Windmühlen laufen erst bei einer Windgeschwindigkeit von drei Meter 75 in der Sekunde an, unb bei Wind unter 44 Wtcr in ber Sekunde ist ihre Leistung ungenügenb. Nun wehen Winbe, bie stärker finb als 3 Meter 75, nur etwa bie Hälfte der Zeit, unb auch bei ganz starken Winben von mehr als 8 Meter in ber Se- tunbe kann man nicht mahlen. Das hat dazu ge­führt, daß zwischen 1908 unb 1927 in Deutsch­land 5 6 60 Windmühlen stillgelegt aber abgebrochen worben finb, ba es für die Müller zweckmäßiger würbe, als Betriebskraft Elektrizität zu verwenden ober sie mit Dieselmotoren zu er­zeugen.

Bilau hat nun burch seine Versuche, insbesondere auch im Winbkanal, herausgefunben, baß man ben Wirkungsgrad ber Windmühlen auf einfache Weise bedeutend verbessern kann, wenn man an die Flügel stromlinienförmige Andlafekanten ansetzt. Die Flügel sehen dann ungefähr aus wie ein dein Winde seine Fläche bietender Kamm, dessen Rücken etwas nach dem Winde zu umgebogen ist, während die Zähne des Kammes zu Klappen ausgebildet finb, bie ähnlich wie die Brettchen eines ocrftelf- baren Fensterladens mehr ober weniger gefchlysten werben können. Es hat sich bei ausgeführten Rä­dern gezeigt, baß solche Windmühlen schon bei Wind von 1,8 Meter in der Sekunde gut arbeiten, so daß mit ihnen auch bie in einem Drittel ber Zeit wehenden Winde von 1,8 bis 3,75 Meter in 'ber Sekunde ausgenützt werden können. Die Lei­stungen der Windmühlen werden durch diese ver­hältnismäßig einfache Maßnahme etwa auf das Dreifache gesteigert. Damit aber kann bie Windmühle mit dem elektrischen Antrieb unb dem Antrieb burch Dieselmotoren wieder in Wettbewerb treten. Man wirb also jetzt keine Windmühlen mehr stillegen, man wirb wohl im Gegenteil wieder welche bauen. Dies, wie gesagt, weniger wegen des besse­ren Wirkungsgrabes ber Windmühlenflügel mit Anblafekanten als vielmehr wegen ber viel längeren Zeit, in ber die Windmühle Arbeit leisten kann. Der Windmüller braucht eben nicht so lange auf günstigen Wind zu lauern. Am elektrischen Betrieb unb am Betrieb durch Dieselmotoren hat er auch keine so ganz reine Freude erlebt, weil er beim elektrischen Betrieb nur bestehen konnte, wenn er den billigen Nachtstrom ausnutzte, also nachts ar­beitete, was niemand gern tut. Der Dieselmotor ar­beitete am Anfang zwei meistens billig und gestat­tete Tagesarbeit, aber ba einfache Winbmüller keine Professoren bes höheren Maschinenbaues zu fein pflegen, so verkamen diese Motoren recht häu­fig unb verursachten bann unverhältnismäßig Hobe Instanbsetzungskosten, ganz abgesehen davon, baß es meist sehr schwierig mar, in den hochgelegenen Windmühlen das erforderliche Kühlwasser zu be­schaffen, das die Dieselmotoren nun einmal brau­chen.

Wenn also die neue Anordnung an den Wind« mühlenflügeln das yuit, was sie verspricht, so wäre dies ungemein erfreulich, schon weil dadurch ein Stand kleiner Gewerbetreibender als selbständiger Stand erhalten werden kann, dann aber natürlich auch aus wirtschaftlichen Gründen. Es ist selv^oer- ständlich zweckmäßig, wenn man das Korn gleich da vermahlen kann, wo es anfäut. Auch für Land­häuser usw. rückt so die Möglichkeit näher, baß sie sich für Beleuchtung unb allerlei andere Zwecke, z. B. zum Wasserpiimpen, eine billige Antriebs- traft verschaffen, ohne baß teure Energiespeicher nötig werben.

Sind die Gewitter gefährlicher geworden? Blitzschutz im Freien und zu Hause.

Nachdruck verboten.

Man hört oft die Ansicht, die Gewitter feiert in den letzten Jahren und Iahrzehnten erheblich gefährlicher geworden als früher. Diese An­sicht ist zweifellos richtig, sie ist aber auch falsch. $m Freien finb die Gewitter sicher nicht gefährlicher als früher und in Häusern mit sachgemäß angelegten Blitzableiteranlagen natürlich erst recht nicht Wenn jemand aus freiem Felde vom Blitz erschlagen wirb so ist er bis zu einem gewissen Grabe mei­stens selbst schulb: auf schutzlosem freiem Felde bars man bei Gewitter nicht aufrecht stehen bleiben ober gehen, denn man bilbet sonst ben höchsten punkt, wirb also selbst gewissermaßen zum Blitzableiter, in ben ber Blitz bann mit Vorliebe emschlagt Wenn man sich also nicht anbers schützen kann, so mug man sich nieberlegen, unb zwar möglichst in eine Vertiefung, selbst auf die Gefahr hin schmutzig zu werden und sich einen Anzug zu verderben, denn ein verdorbener Anzug ist für die Familie des -Be­troffenen ein leichter zu ertragendes Unglück als etwa ber Tob bes Ernährers.

Aus betreiben Grunde darf man sich nicht unter einzeln stehende Bäume stellen, die als höchster Punkt in einem gewissen Umkreis ebenfalls als Blitzablei­ter wirken. Vor allen Dingen darf man dem stamm nicht zu nahe kommen. Im. Walde dagegen kann man ruhig gehen, denn da find fo viele Bäume die höher finb als ein aufrecht stehenber Mensch, bag inan schon ein ungeheurer Pechvogel sein mutzte, wenn ber Blitz ausgerechnet in ben Baum einschluge, unter bem mir gerade stehen oder hmdurchgehen. Natürlich wird man sich nicht gerade ausgerechnet unter den höchsten Baum stellen, der über bie an­deren Bäume hinausragt, denn solche Bäume wer­den natürlich leichter vom Blitz getroffen. Es wird vielfach behauptet, unter Buchen könne man sich ruhig aufhalten, aber das glaube ich nicht: es ist ein Aberglaube. ....

Wie ist es nun in Häusern? In Hausern, bie flute Blitzableiteranlagen hohen, ist man meiner An­sicht nach sicher wie in Abrahams schoß. In Hau- jern aber, die keine Blitzableiter haben, aber md

Wasser- ober Gasleitung ober Lichtleitung versehen finb, ist bie Gefahr meiner Ansicht nach größer als bei Häusern ohne Blitzableiter, bie diese Einrichtun­gen nicht haben, unb daher mag wohl die Mei­nung, Gewitter seien gefährlicher geworden, ihren Grund haben. Die Sachlage ist ja fo, daß jede Wasser- ober Gasleitung, die sich in einem Hause befindet, ein Blitzableiter ist, also eine Vorrichtung, in die ber Blitz gern einschlägt, weil er in bieten Leitungen einen bequemen Weg zur Erbe finbet. Nun hinbern Dächer, Wänbe usw. ben Blitz keines­wegs baran, in biese Blitzableiter zu gelangen, bie aus Gas- ober Wasserleitungen bestehen. Wenn aber ber Blitz bis zu ihnen gelangen will, so muß er eben bas Dach ober irgenb welche anberen Teile burch- schlagen, bas ist gefährlich, beim babei kann er nicht nur 'mechanische Zerstörungen ausführen, fonbern auch zünben. Man könnte sich dagegen allerdings schützen, wenn man die höchsten Punkte dieser Lei­tungen durch aufgesetzte Stangen ober bicke Drähte bis über bas Dach hinaus führte ober sie dort an metallene Dachfirste, metallene Dachkanten unb me­tallene Regenrinnen anschlösse. Es hat sich nämlich gezeigt, baß solche Metallumranbungen bes Daches vollkommen schützen, wenn sie gut ggerbet finb, unb daß man bie hohen Auffangstangen, wie man sie früher hatte, gar nicht braucht. Es war auch voll­kommen unnötig unb eine ganz irrsinnige 23er- schwenbung, baß man biese Auffangstangen mit teu­ren Spitzen aus Platin ober Gold versah; es ist merkwürdig daß man fo lange an diesem technischen Aberglauben festgehalten hak. Aberglauben gibt cs eben auch in ber sonst so sachlichen Technik, leider auch noch auf vielen anberen Gebieten. Am sicher- ften finb Häuser mit geerbeten Metallbächern, z. B. Kupferbächem.

Es gibt immer noch Leute, bie vor Gewittern eine qerabez't furchtbare Angst haben. Das ist eigentlich sehr erstaunlich, denn nur ganz wenige Leute wer­ben irgenbeinen Angehörigen ober sogar einen fer­nen Bekannten burch Blitzschlag verloren haben. Ich habe zwei Menschenalter erlebt, unb kein Mensch, ben ich in bieser Zeit kennengelernt habe, bat mei­nes Wissens ben elektrischen Tob burch em Gewitter gefunben. Daraus geht hervor, baß Gewitter gar nicht so gefährlich finb, nne man gemeinhin an­nimmt Wenn man dann außerdem die Maßnahmen trifft bie uns zum Schutz gegen Blitzschlag zur Ver­fügung stehen, bann braucht man vor einem Ge­

witter wirklich feine Angst zu haben. Man muß eben an feinem Hause eine vernünftige Blitzableiteranlage haben unb muß sich im übrigen so verhallen, baß man nicht selbst zum Blitzableiter wirb unb baburch ben Blitz gerabezu zum Einschlagen in seinen (tin­tigen Leib einläbt. Hanbelt man hiernach, so hat man wirklich keine Aussicht, ben Blitztob zu sterben.

F. N.

Heimatphotographie.

Von Walther Appell.

Nachbruck verboten.

Ausgabe ber Heimatphotographie ist es. im Bilde sestzuhalten. was von früheren Zeiten unb ihrer Kultur noch vorhanden, aber durch das moderne Tempo mehr und mehr in seinem Be­stände bedroht ist. Es kann sich dabei um ganze Stadtbilder. Stadtviertel oder Einzelgebäude handeln, oder um Naturdenkmäler der Landschast und ihres Lebens. Ferner gehören hierher über- licrte Bräuche, Zeugen alten Gewerbesleihes und bodenständiger Kunst. Das Gebiet der Heimat- Photographie umfaßt also ziemlich alle Motiv­gruppen, die die Photographie überhaupt kennt. Sogar das Porträt läßt sich noch hinzuzählen, wenn wir als Darstcllungsobjekte jene alten Originale" wählen, die unmittelbar an ver­storbene Generationen anknüpfen.

Niemals ist richtig verstandene Heimatphoto­graphie eine abseitige Laune, sondern stets ein dankbares und schönes Arbeitsfeld für den Licht­bildner. Allerdings muß es in jedem Falle sein Bemühen bleiben, die Bilder nicht kitschig oder langweilig werden zu lassen. Seit Jahren sind staatliche Bildstellen eifrig bestrebt, heimatphoto- graphisches Material zu sammeln. Entsprechend ihren Lehr- und Archivzwecken legen sie oft den Hauptwert auf strenge Sachlichkeit. Dagegen kann der Liebhaber-Photograph Stimmungswerte und persönliche Auffassung in weitestem Maße mit» sprechen lassen. Beispielsweise wird jede Bild­stelle bei einer gotischen Kirchenruine den Haupt- wert aus treue Wiedergabe des architektonischen Charakters sowie bemerkenswerter Einzelheiten legen (bildhauerischer Schmuck» während der Liebhaber den Geist der frommen Erbauer ein- zusangen versuchen kann.

Bedingung für gute Heimatausnahmen wird jedoch meist sein, daß der Photographierende die Motive gut kennt. Deshalb wird er von einer Reise nur selten rechteHeimataufnahmen" mit* bringen können. Die beliebten Bilder aus den süddeutschen Photographierstädten Rothenburg, Dinkelsbühl usw. gehören also im allgemeinen nicht hierher. Denn wahrhast vertiefen kann sich der Lichtbildner doch nur in ein Motiv, mit dem er vertraut ist. Bei der Heimatphotographie kommt es doch nicht auf nüchterne Abbilder an, sondern um sinnig und einfühlsam geschaute Dokumente.

Dokumente" ist nicht zuviel gesagt. Das Land­schaftsbild als solches ist heute vielfach ebenso mannigfach gefährdet wie einzelne Gebäude (Rat­häuser. Zunfthäuser, Burgen. Kirchen) oder an­dere Wahrzüchen (Türme. Drücken. Tore). Ost werden Reklame- oder Berkehrsschilder ange­bracht, ja durch Anbringung einer Radio­antenne kann es über Nacht zu spät sein, um eine einigermaßen ursprüngliche Aufnahme zu machen. Aehnliches gilt für markante Felsen, charakteristische Wälder und dergleichen. Als Naturdenkmäler sind auch Tiere zu nennen, die vom Menschen immer weiter verdrängt werden. Sie zu photographieren, erfordert freilich viel Glück. Leichter ist das bei Pflanzen, die sowohl am natürlichen Standort wie als botanische Art erfaßt werden können.

Ein schwierigeres Kapitel sind Dolksbräuche. Hier muß man sich an das Ursprüngliche unb Echte halten, wie es sich nur bem Kunbigen wirklich erschließt. Dasselbe ist über Volkstrachten, Lebens- und Arbeitsgewohnheiten zu sagen. Wo der Liebhaber-Photograph daheim ist, b. h. Le­ben und Wanbel kennt unb wo ihm auch bie kleinen Dinge des Alltags geläufig finb, werben ihm kaum Fehlschüsse passieren.

Zufällige Liebhaberaufnahmen von manchen Dingen, bie vor zwanzig, breihig Jahren un­beachtet verschwanben, haben heute einen hohen Wert. Doch soll ber Photo-Sportler auch ein Heimatmotiv nicht aus materiellen Erwägungen knipsen, vielleicht noch weniger als anbete Motive, fonbern sich zur Freude. Warum aber soll ver­schwiegen werden, daß auch manche Zeitschriften ein Interesse für gelungene Heimatphotographlen haben?