Ausgabe 
27.6.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Wirtschaft.

Berlin recht schwach.

Berlin, 27. Juni. (WTB. Funkspruch.) Heute früh herrschte zwar in den Bankbureaus stärkste Zu­rückhaltung, doch konnte man die Grundtendenz nicht als unfreundlich bezeichnen. Im Laufe des Vormit­tags und an der Vorbörse wurde die Tendenz dann recht schwach, und man sprach die Kurse f a st durchweg mehrprozentig niedriger. Die niedrigen vorbörslichen Taxen wurden zwar zu Beginn der Börse nicht erreicht, doch ergaben sich immerhin mit Ausnahme einiger Werte meist Ver­luste von 1 bis VA Prozent, vereinzelt 2 Prozent. In erster Linie herrschte immer noch Ungewißheit über die Körung der innerpolitischen Lage. Man wartet mit Spannung die morgige Notverordnung und ihre Auswirkungen auf die Länder ab. Die Ansichten über Lausanne gehen ziemlich stark aus­einander. Wenn man vereinzelt schon mit einer Ent- schcidung für heute abend rechnet, so sind andere wieder pessimistischer und halten ihre alten Beden­ken aufrecht. Es kam in Reichsbank und Farben ziemlich viel Material heraus, und man glaubt, daß das Ausland als Folge der kürzlichen Käufe in die­sen Werten im Tausch gegen Bekula heute wieder Verkäufe vorgenommen hat. Auch der Ultimo machte sich bemerkbar, da die Spekulation zu Geldbeschaf­fungszwecken Abgaben vornahm. Es soll auch wie­der Liquidationsware herausgekommen sein. Das Publikum war aber mit Verkäufen weniger ver­treten, als die Börse selbst. Farben, die vorbörslich bis auf 86 Prozent zurückgegangen waren, er­öffneten dann mit %1A Prozent. Montanpaplere lagen mit Ausnahme von Rhein. Braunkohlen, die 3% Prozent bei geringer Nachfrage anzogen, und Stolberger Zink, die auf die Unterstützung durch das Reich 2 Prozent gewannen, durchweg schwächer. Holzmann, Tietz, Dortmunder Union, Salzdetfurth, Felten und Siemens waren etwas stärker abge­schwächt. Wintershall gingen in Reaktion auf die Befestigung am Schluß der Samstagbörse um einen halben Prozent zurück. AEG., Chade und Akkumula­toren konnten bis 1 Prozent anziehen, auch Feld­mühle, Schubert & Salzer und die variablen Jn- dustrieobligationen waren gebessert.

Deutsche Anleihen tendierten schwächer. Reichs­schuldbuchforderungen waren auf stärkeres Angebot bis % Prozent rückgängig. Die schwächere Tendenz des Marktes der festverzinslichen Werte hielt auch heute weiter an.

Im Verlaufe war das Geschäft sehr ruhig, doch schritt die Spekulation, die zu den ersten Kur­sen auch etwas vorgegeben hatte, zu Deckungen, so daß sich meist Besserungen um % bis % Prozent ergaben; Salzdetfurth konnten sogar ihren Anfangs­verlust wieder aufholen. Harpener, Mannesmann, Charlottenburger Wasser und RWE. blieben da­gegen weiter schwächer. Der Geldmarkt war auch heute trotz der Nähe des bevorstehenden Ultimos noch völlig unverändert.

Frankfurt erst abwartend, dann leicht erholt.

Frankfurt, 27. Juni. (WTB. Drahtmeldung.) Zu Beginn der neuen Woche stand die Effektenbörse zunächst im Zeichen der wenig ermutigenden Nach­richten aus der Innen- und Außenpolitik. Aus Lausanne lag noch nichts Neues vor, so daß man weiterhin sehr abwartend blieb. Einige Verstimmung kam auch von den Meldungen, daß bei den deutsch-schweizerischen Wirt- s ch a f t s v e r h a n d l u n ge n Schwieriykei- t e n aufgetaucht seien. Die bevorstehende Veröffent­lichung einer neuen Notverordnung mahnte zur Zurückhaltung, so daß das Geschäft nur außer­ordentlich schleppend in Gang kam.

Am Aktienmarkt erfolgten Ultimoliquidatio­nen, wodurch die Kurse im Vorbörsenverkehr um durchschnittlich 1 v. H. gedrückt wurden. Später griff aber eine zuversichtlichere Beurteilung der Lage Platz, und auf Deckungen der Spekulation, die sich allein am Geschäft beteiligte, da das Publikum auch heute kaum Orders an den Markt gelegt hatte, konnte sich nach Feststellung der ersten Kurse eine leichte Erholung durchsetzen, wodurch das Samstagniveau meist wieder erreicht wurde. I. G. kamen mit einem Abschlag von VA v. H. zur ersten Notierung. Deutsche Erdöle gaben um A v. H. nach, wogegen sich Scheideanstalt in gleichem Ausmaß be­festigen konnten. Am Umsatzgebiet der Elektrowerte war die Tendenz nicht einheitlich. Licht & Kraft büßten l und Siemens A v. H. ein. AEG. vermoch­ten dagegen bei etwas besserer Nachfrage 1 v. H. zu gewinnen. Von Montanaktien, in denen der Umsatz sehr gering war, kamen Stahlverein $ v. H. niedri­ger zur Notiz. Salzdetfurth fanden lebhafteres Jn- teresse und erzielten infolgedessen eine Kurserhöhung um 2 v. H. Holzmann unterlagen heute stärkerem Abgabedruck und erfuhren eine Senkung um 2 v. H. Verkehrsaktien eröffneten gut behauptet.

Am Anleihemarkt lag Altbesitz schwächer,

Neubesitz blieb unverändert. In Goldpfandbriefen kam heute wenig Material auf den Markt, das allerdings zu niedrigen Kursen Aufnahme fand. Li­quidationspfandbriefe hatten einige Nachfrage und konnten infolgedessen ihren Kurs behaupten. Reichs- schuldbuchforderungen blieben vernachlässigt und er- mäßigten sich um etwa A d. 5).

Im Verlaufe der Börse erfuhr das Geschäft w e - n i g B e l e b u n g. In der Kursgestaltung trat feine nennenswerte Veränderung der gesamten Lage ein. Am Geldmarkt hielt die Flüssigkeit an. Tages- gelt) stellte sich auf 4 o. H. unverändert.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M.. 27. Suni. Es wurden no­tiert: Weizen 261,50 bis 262,50, Roggen 220, Braugerste 200, Inl. Hafer 170 bis 180, Weizen- mehl, süddeutsches Spezial 0, mit Austauschweizen 38,75 bis 39,75, Weizenmehl, niederrh., mit Aus- tauschwcizen 38,75 bis 39,50, Roggenmehl (70 Prozent) 27,50 bis 28,50, Weizenkleie 8,50 bis 8,60, Roggenkleie 8,75, Erbsen 26 bis 35, Linsen 24 bis 50, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 3,80 bis 4, gebündelt 3,60 bis 3,80, Treber 10 Mk. Tendenz: fester.

Am Produktenmarkt hat sich die Situation nicht geändert. Die Zurückhaltung der Händlerschaft hielt weiterhin an, und die Käufer bekundeten bei den Tagesbedarfkäufen stärkere Vorsicht. Das Angebot

Regnerischer Auftakt am Samstag.

Am Samstag wurden bei der 41. Haupt- regatta des Frankfurter Regatta- Vereins 16 Rennen ausgefahren, die alle unter dem trüben und regnerischen Wetter und dem bewegten Wasser litten. Infolge der Re­gatten in Zürich und Amsterdam fehlte die große Klasse am Start. Dadurch gingen mit Ausnahme von Kastel zweitklassige Mannschaften in die ge­hobenen Rennen. Der zum ersten Male startende Germania-Vierer erwies sich dem Vierer des Frankfurter Rudervereins, der die westdeutschen Senioren geschlagen hatte, nur sehr knapp über­legen. Der Verbands-Vierer wurde vom Start bis ins Ziel sehr scharf umkämpft, Germania Frankfurt gewann und holte sich ihren 500. Sieg seit Bestehen. Durch bessere Zusammenarbeit und besseres Steuern siegte die Kleber-Mannschaft des Offenbacher Rudervereins über die Steup- Mannschaft des Frankfurter Rudervereins von 1861. Mainzer Ruderverein siegte imZweiten Vierer ohne" vor Ludwigshafen, das im Gast- Vierer die Favoriten (Bayer Leverkusen) ab­fertigen konnte. Erwartungsgemäß siegten das Drüderpaar Sauer vom Frankfurter Ruderver­ein im Doppelzweier und Mainz-Kastel im Ju­biläums-Achter. Kastel hatte allerdings hier an­fangs einen schweren Kampf gegen die sehr guten Gießener zu bestehen, die eine ausgezeichnete Leistung boten, während der Mainzer Ruderver­ein mit seinen Senioren nicht zur Geltung kam. Die gebotenen Leistungen standen durchweg auf guter Höhe, selbst bei den jüngeren Mannschaften und bei den Akademikern.

Oberheffen.

Bundessingen des Sängerbundes Hüttenberg-Schiffenberg".

U Großön-Linden, 27. Juni. Am gestrigen Sonntag herrschte in unserem Orte reges Leben. Der SängerbundHüttenberg - Schif­fe n b e r g" (Mitglied des Hessischen und des Deut­schen Sängerbundes), beging seinen diesjährigen ßiebertag. Die Vorbereitungen waren in vor­trefflicher Weise getroffen. Kurz nach Mittag wurden die aus Richtung Butzbach mit der Eisenbahn und die aus Richtung Steinbach eingetroffenen Sänger am Bahnhof vom GesangvereinGermania" Gro- ßen-Linden, dem die Veranstaltung übertragen war, mit Musik (Feuerwehrkapelle Butzbach) abgeholt.

Nach einem Umzug durch die Ortsstraßen und einem vom GesangvereinGermania" Großen-Lin- den vorgetragenen Begrüßungslied begrüßte der Bundesvorsitzende, Landwirt Anton Müller- Lang-Göns, die Gäste und die rund 800 Sänger. Der Tag solle nicht ein rauschendes Fest sein, son­dern die Sänger wollten durch diese Veranstaltung allen Teilnehmern Freude bereiten. Er konnte die Mitteilung machen, daß zwei weitere Vereine,Ju­gendfreund" Steinberg und Männergesangverein Klein-Rechtenbach, den Weg in den Bund gefunden haben und an der Feier teilnehmen. Als vorgeschrie­benen Chor habe man zum Gedächtnis Goethes das

in Inlandware hat eine Verstärkung erfahren, die Preise neigten eher zur Schwache. Das Mehlgeschaft hat keine große Geschäftstätigkeit zu verzeichnen, die Notizen lagen unverändert. Futterartikel beharren in der nachgebenden Haltung. Die Umsatztätigkeit ist weiterhin gering.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 27. Juni. Auftrieb: 1479 Rinder darunter 354 Ochsen, 127 Bullen, 531 Kühe, 452 Färsen, 676 Kälber, 25 Schafe, 5606 Schweine. Es kosteten: Ochsen, vollfleischige, ausgemastete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 32 bis 35, altere 28 bis 31, sonstige oollfl., jüngere 24 bis 27 Mark; Bullen, jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 28 bis 32 sonstige vollst, oder ausgemästete 23 bis 27 Mark; Kühe, jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 25 bis 28 sonstige vollst, oder ausgemästete 20 bis 24, fleischige 16 bis 19 Mark; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder), vollst., ausgemästete, höchsten Schlacht­werts 32 bis 35, vollfleischige 28 bis 31, fleischige 24 bis 27 Mark; Kälber, beste Mast- und Saug­kälber 35 bis 39, mittlere Mast- und Saugkälber 31 bis 34, geringe Kälber 25 bis 30 Mark; Schweine, vollfleischige, von etwa 240 bis 300 Pfund Lebend- gewicht 40 bis 44, von etwa 200 bis 240 Pfund 40 bis 43, von etwa 160 bis 200 Pfund 38 bis 43, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 35 bis 40 Mark. Marktoerlauf: Rinder ruhig, ausoerkauft, Schweine ruhig, zum Schluß stärker abflauend, Ueberstand, Kälber und Schafe mittelmäßig, ge­räumt.

Guter Sport am zweiten Tag.

Gutes Wetter, sehr guter Besuch und gute sportliche Leistungen gaben dem zweiten Tag der Frankfurter Regatta das Gepräge. Diese älm- stände halfen darüber hinweg, daß die Regatta gegenüber früheren Jahren schwächer beschickt war und daß dieGroßen" nicht am Start er­schienen. Alle Rennen wickelten sich einwandfrei ab. Es gab bei den 14 Rennen des zweiten Tages keinerlei Zwischenfälle und auch keine Proteste. Von den 14 Rennen des Sonntags ging die Mehrzahl der Siege nach auswärts. Im ganzen sielen an den beiden Tagen nur sechs Siege an Frankfurter Vereine.

Im Kaiser-Vierer schlug am Sonntag die Kleber-Mannschaft des Offenbacher Rudervereins die beiden stärkeren Frankfurter Mannschaften. Die Offenbacher waren darnach mit 6 Siegen der erfolgreichste Klub der Regatta. Rach ihm rangiert Ündine Saarbrücken, die unter Wahrung ihrer guten Form sehr hart trainiert ist und drei Rennen gewann. Bayer-Leverkusen der Neu­besetzung (Gebrüder Stange) ist ein ausgezeich­neter Zweier ohne. Dem vor zwei Tagen er­rungenen Erfolg in Amsterdam gegen belgische Ruderer reihte Bayer heute gegen Hellas Offen­bach einen weiteren Sieg an. Gießen, das am Samstag im Kampfe mit Mainz-Kastel eine gute Rolle gespielt hatte, siegte am Samstag nach schärfstem Kampfe im Zweiten Achter. Das Lokal­derby Paul Sauer im Gerbmühl-Einer kam nicht ganz zum Austrag, da Sauer auf der Bahnmitte, aussichtslos im Rennen liegend, den Kampf aufgab.

Mailied", komponiert von G o r r (einem Heuchel­heimer Kind), gewählt. Die folgenden Gesangsvor­träge zeigten gute Leistungen und fanden starken Beifall. Bei den selbstgewählten Chören waren u. a. größere, schwierigere und klassische Chöre von Hegar, Thuille, Naumann, Wiesner, Baumann, Heinrichs, Schmidt, Köllner usw. zu hören.

Unter Leitung des Bundeschormeisters, Ober­reallehrers Heinrich Blaß, Grohen-Linden, brachten dann die getarnten Sänger des Bundes im Freien den PflichtchorMailied" vortrefflich zu Gehör. Hierauf übermittelte der Gauvorsitzende E. Koch, Gießen, die Grüße des Hessischen Sängerbundes. 11. a. ermahnte er die Sänger zur Treue an der Sängersache und forderte die Jugend zum Eintritt in die Gesangvereine auf. Bei der heutigen Zersplitterung unseres Volkes habe die Pflege des deuffchen Liedes außer kul­turellen und ideellen ganz besonders auch ver­söhnende und verbindende Aufgaben. Sein Schluß­wort klang aus in einem Hoch auf das deutsche Lied und das deutsche Vaterland, in das alle Anwesenden freudig einstimmten. Anschließend fang der Bund noch den ChorMein Deutschland" von Mangold.

Der ausgezeichnete Verlauf des diesjährigen Bundesfestes, um dessen Gelingen sich der Bun­desvorstand und der GesangvereinGermania" großes Verdienst erwarben, hat Zeugnis abgelegt von dem echten Sängergeist im Bunde.

Große Frankfurter Regatta.

Landkreis Gießen.

h. Ruttershausen, 26. Juni. Seit eini­gen Tagen ist auch hier der freiwillige Ar­beitsdienst ins Leben gerufen. Das Lahn- ufer in der Nähe der Duderusschen Eisenwerke ist durch Hochwasser des Flusses sehr zerstört. Die Gemeinde vermag die Kosten nicht aufzubringen. Nun greift der freiwillige Ar­beitsdienst ein. Zur Zeit werden im Walde Bäume geschlagen, um Pfähle für die Befesti­gung des Ufers zu gewinnen.

* Saasen, 27.Juni. Bei der gestrigen Bür- gerrnei st erwähl, die durch die Amtsnieder­legung unseres Bürgermeisters Schmitt erforber- lich war, wurde der Polizeidiener Heinr. Menz II. mit 172 Stimmen zum Bürgermeister ge- wählt. Sein Gegenkandidat, Maurermeister Hein­rich S ch e p p I. erhielt 152 Stimmen. Von 370 Wahlberechtigten machten 324 von ihrem Wahlrecht Gebrauch, mithin haben 90 Prozent gewählt.

* Grünberg, 26. Juni. Auf Einladung der NSDAP, sollte am Dienstag hier eine Sonn­wendfeier stattfinden, zu der' sich die Teilneh­mer auf dem Marktplatz versammelten, um von dort gemeinsam zum Wartturm zu ziehen und dort beim Sonnwendfeuer die Feierstunde zu be­schließen. Nachdem der Redner des Abends, stud. theol. Wendnagel, auf dem Marttplgh zu der großen Menschenmenge gesprochen hatte, setzte sich der Zug in voller Ordnung nach dem Wartturm in Bewegung. Unterwegs stellte sich aber das von Butzbach herbeigerufene polizeiliche Ueber- fallkommando der Menschenmenge entgegen und verhinderte den Zug zum Wartturm. Trotzdem gelang es einigen Leuten, über einen Umweg auf die Höhe zu kommen und dort den Holzstoß beim Wartturm anzuzünden, wodurch die durch den Einsatz der Polizei gegen den ordnungsmäßigen Verlauf der Veranstaltung ergrimmte Menschen­menge natürlich zu Rufen der Genugtuung ver­anlaßt wurde. In gleicher Ordnung, wie bisher, ging die Menschenansammlung nach der polizei­lichen Aufforderung auseinander, so daß es dank der Disziplin der Versammelten zu keinerlei wei­teren Zwischenfällen kam. Als das Aeberfallkom- mando wieder abfuhr, wurde es aus der Ver­sammlung heraus mit dem Gesang des Liedes Muß i denn zum Städtele hinaus" begleitet. Der Verlauf der ganzen Versammlung war vollkom­men ordnungsmäßig vonstatten gegangen, so daß dadurch keinerlei Anlaß zur Herbeirufung der Po­lizei gegeben war. Wie wir durch weitere Erkun­digungen erfuhren, soll der Einsatz der Polizei durch nicht rechtzeitige Anmeldung der Veran­staltung veranlaßt worden feilt Es wäre vielleicht im allgemeinen Interesse besser gewesen, man hätte bei dieser Veranstaltung, die ja auch nicht mehr in den Wahlkampf fiel,oben ein Auge zugedrückt und die Versammelten ungestört feiern lassen, da nach dem ganzen Eindruck aus der Be­völkerung irgendeine Störung der Ordnung nicht eingetreten wäre.

* Bellersheim, 27.Juni. Am gestrigen Sonntag fand in unserer Gemeinde Bürg er - mei st erwähl statt. Cs waren Atoei Wahlvvr- fchläge eingereicht. Landwirt Ferdinand Bopp erhielt 181, Landwirt und Weihbindermeister Her­mann M o o g 195 Stimmen. Hermann Moo g ist somit zum Bürgermeister gewählt. Von 426 stimm­berechtigten Einwohnern wurden 376 gültige und eine ungültige Stimme abgegeben, fo daß die Wahlbeteiligung etwa 90 v. H. beträgt.

s. Trais-Horloff, 26. Juni. Dieser Tage feierte der älteste Einwohner unserer Gemeinde, der Landwirt Heinrich Karl H u b I i tz, seinen 8 9. Geburtstag. Durch die Aemter, die er bekleidete, ist er weit und breit in der Um­gegend bekannt. Von 1873 bis 1919 war er Ge­meinderechner, ein Amt, das schon sein Vater seit 1854 innehatte, und das auch wieder von seinem Sohne übernommen worden ist. 46 Jahre lang war er auch Kirchenrechner des Kirchspiels Trais-Horloff. Die 1900 hier errichtete Untererhebestelle übernahm er ebenfalls. Im Jahre 1905 erhielt er dasEhren­zeichen für langjährige treue Dienste" und 1916 das Kriegseyrenzeichen, da er Mitglied der Unter- ftützungskommission für Kriegerangehörige war. Be­vor er Gemeinderechner wurde, war er auch wäh- renb einer Wahlperiode Mitglied des Gemeinderats. Er ist noch einer der wenigen, die die drei großen Kriege miterlebt haben. Selbst gedient hat er jedoch nicht, obwohl er das Los zum Militärdienst gezogen hatte. Da er daheim nicht abkömmlich war, konnte ihn fein Vater für 175 Gulden in Darmstadt los­kaufen. Der Greis, dem man sein Alter nicht ansieht, erfreut sich noch einer ganz außergewöhnlichen kör­perlichen und geistigen Rüstigkeit.

Kreis Friedberg.

* Butzbach, 27. Juni. Morgen, Dienstag, abend findet hier Dürgermei st erwähl statt. 2n der engsten Wahl stehen drei Kandi­daten, nämlich Dr. Nörtemann, Dannenberg (Elbe); Dr. Grube, Leipzig; und Dr. Schel­ler, Franzburg (Pommern). j

Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse.

Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 5 v.H, Lombardzinsfuß 6 v.H.

.VldllnUri ü. JJi.

25cri.

Schluß« lurS

1-Uhr- Kurs

Schluß« Iura

Ansaug» KurS

Datum

25.6.

27.6.

25.6.

27.6.

6% Deutsche iKetdisanleiije o.iuz;

7% Deutsche Reichsanleihe V.IS2V 6/,% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablöf.-Schuld mit Auslos.«Rechten.......

Deügi. ohne Auslos.-Rcchte .

8% Heb. BolkSstaal von 1929 irückzahib. 102%)......

Cbctbcffcn Provinz-Anleihe mit Attolol.-Rechten......

Deutsche Komm. Sammelabl.

Anleihe Serie 1......

8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 ....

7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1936 Serie 16 .

4%% Franks. Hhp.-Bank Liqu.- Psandbrtese.........

4'/z% Rheinische Hyp^Bank-Ligu Goldpse...........

8% Pr. Landcspsandbrtesanstalt, Psandbrtefe R. 19......

7% Pr. LandeSpsandbricsansialt, Pfandbriefe R. 10

4% Oefierrelchische Golbrcntc . . 4,20% Oesierreichische Silbcrrentc 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 s'/.% desgl. von 1913 . . .

5% abgesl. Golvmcxikaner von 99 4% Türkische Zollanlcihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe

Serie I

4% desgl. Serie II.......

5% Numan, vereinh. Rente 6.1903 4N%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . 2 )L% i. Anatolier.......

52.75

58,25

60,75

53 58,5 60.9

37,25

36.65

35,75

3,65

3,7

3,65

45

36,5

32,5

<

33

64

76,75

75

8,75

_

1.05

1,1

4,5

5,5

5

2,5

2,65

2,4

2,4

2,4

2,5

7

3,25

3

15,25

15,65

15,65

Frankfurt a. JJI.

Berlin

Schluß« i lurs |

l«Uhr« Kurs

Schluß«! lurs |

Anfang- Kurs

Dalum

25.6.

27-6.

25 6.

27.6.

Hamburg-Amerika Patei . .

. t

10,5

10,13j

10,25

Hamburg-Südam. Dampslchiss

. 0

35

Hansa Dampfschiss ....

. 0

19

Norddeutscher Lloyd ....

. 6

10.9

11

11

A.G. für Verkehrswesen Akt.

25,5

26,25

27,5

26.75

Berliner Handelsgesellschaft .

8

87

87

Commerz, und Prival-Bank.

7

16

16

Darmslädicr und Nationalban

L

18,5

18,5

Deutsche Bank und

TiSconto-Gesellschast. . .

6

30

.

30

Dresdner Bank......

6

18,5

18,5

.

Reichsbank........

12

123

122,9

123

122

A.E.G...........

. 7

19,75

20,75

20,65

21

Bergmann........

. 9

18.25

Clcktr. Lieserungsgelellschaft.

10

Licht und Krast......

10

65

64,75

65,5

65

Felten & Guilleaume....

6',2

35,5

-

35,75

Gesellschaft für Elektrische

So,65

Ünternehmungen ....

Rheinische Elektrizität . . .

9

50,9

50.75

. 9

64

63,5

Schurken & (So. ......

11

56

56

55,75

Siemens & Halske .

14

114

113,5

114,9

113

Lahrneyer L Co.. . . . . .

12

75,75

74,5

24

Deutsche Erdöl ......

. 6

60

60

60,13

60.5

Gelsenkirchener ......

. 8

33

32,75

32,13

Harpener.........

. C

48,5

47.25

Hoesch Eisen........

. «

25,4

23,9

Ilse Bergbau.......

IC

Klbcknerwcrke.......

. 6

22

Köln-Neuessen.......

6Vt

ManneSmann-Möhren . . .

. 6

37,13

37,13

Manüselbei Bergbau ....

. C

12,5

12,75

Oberschles. Koköwerke ...

. 8

30

30

Phönix Bergbau......

4%

16

16.75

Rheinische Braunkohlen. . .

Rhetostahl ........

10

157

160.5

163,5

6

39,5

39,75

39,25

Frankfurt a. M.

Berlin

Schluß« i lurs |

1-ilhr- Kurs

Schluß-1 fürs |

Anfang« Kurs

Datum

25.6.

27.6.

25.6.

27.6.

IKicbed Montan......

7,2

__

_

Bereinigte Stahlwerke . . .

4

14,4

14

14,75

14,25

Ltavi Minen......16/,

10,25

10,25

Kaliwerke Aschersleben . . .

10

83.5

86

_

Kaliwerke Westeregeln . . .

10

93

_

96

__

Kaliwerke Salzdetsurth . . .

15

148

1501

152

150

I. G. Farben-Jndustrie. . . Verein, chem. Industrie Frank-

12

88

86,5

88,13

87,25

furt a.M.........

__

_

Scheideanstalt.......

10

-

131

_

Goldschmidt........

. 0

16

16

RütgerSwerke.......

. 6

31

_

31

30,25

Metallgelellschast......

. 6

25,5

Philipp Holzmann.....

Zementwerk Heidelberg. . .

. 8

32

37

30

32

30,5

Cementwerk Karlstadt. . . .

. 7

37

__

_

Wayb & Frehtag.....

. 0

3,75

Schultheis Patzenhofer . . . Aku iAIlgemetne Kunstseide)

15

_

_

47,4

O

31

30,75

30,25

Bemberg.........

0

29

28,75

28,5

Zellstoff Waldhos.....

12

25

__

25,25

25

Zellstoss Aschassenburg . . .

6

15

Dessauer GaS.......

. f

___

79,65

78.65

Daimler Motoren.....

. C

11

- -

10,75

Deutsche Linoleum ....

. 6

27

__

27

76,5

Orenstcin & Koppel ....

. c

_

21,13

Leonhard Tietz......

. 8

51,5

_

52

50,65

EvenSka.........

15

6,65

Chade..........

170

170

170,9

Frankfurter Maschinen . . .

. 0

-

Grttzncr.........

. (

16,5

16,25

Mainkrastwerle Höchst a. M..

. c

48

Süddeutscher Zucker . .

10

100

98

Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. 2H.

Banknoten.

25. Juni

27.3unl

Amtliche Notierung

Amtliche Notierung

Geld

I Ariel

Geld

Aries

Helsingsor» .

7.043

51,95

7,057

52,05

12,485

7,043 51,95

7,057

52,05

Prag . . .

12,465

12,465

12,485

Budapest. .

Sofia . . .

3,057

3,063

3,057

3,063

Holland . .

170,23

170,57

75,02

170,23

170,57

ÖSIo. . . .

Kopenhagen.

74,88

74,88

75,02

82,82

82,98

82,82

82,98

Stockholm .

78,12

78,28

78,12

78,28

London. . . Buenos Aires

15,20

15,24

15,20

15,24

0,948

0,952

0,948

0,952

Neuyork . .

4,209

4,217

4,209

4,217

Brüssel. . .

58,56

58,68

58,56

58,68

Italien. . .

21,43

21,47

21,43

21,47

Paris . . .

16,55

16,59

16,545

16,585

Schweiz . .

81,92

82,08

81,95

82,11

Spanien . .

34,67

34,73

34,67

34,73

Danzig. . .

82,37

82,53

82,32

82,48

Japan . . , Rio de JanK

1,199

1,201

1,179

1,181

0,325

0,327

0,325

0,327

Jugoslawien.

6,743

6,757

6,693

6,707

Lissabon . .

13,84

13,86

13,84

13,86

Aerlln, 25.3unl

Geld

Arlef

Amerikanische Noten.......

4,20

4,22

Belgische Noten.........

58,40

58,64

Dänische Noten.........

82,63

82,97

Englische Noten.........

15,16

15,22

Französische Noten........

16,51

16,57

Holländische Noten........

Italienische Noten........

169,86

21,54

170,54

21,62

Norwegische Noten........

Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling

74,70

75,00

Rumänische Noten........

2,49

2,51

Schwedische Noten........

77,94

78,26

Schweizer Noten.........

81,74

82,06

Spanische Noten. ........

34,53

34,67

Ungarische Noteu........