Die steigende Not der Kommunen.
Ein Protest des Kreisverbandes Schotten vom Hessischen Landgemeindetag.
II Schotten, 24. Sept. Der K rei s v e r - b o n b Schotten v o in Hessischen Land- gemein detag hielt unter Leitung seines Vorsitzenden, Bürgermeister Menge!, Schotten, hier im Rathaussaal eine Tagung ab. Der Vorsitzende gedachte zunächst mit ehrenden Worten der beiden verstorbenen Mitglieder, Altbürgermeister Viel, Rainrod, und Müller, Sellnrod. Er begrüßte dann Regierungsrat Schwan als Vertreter des Kreisamts Schotten und Regierungsrat Dr. Sues und Herrn Theiß vom Arbeitsamt Gießen.
Regierungsrat Dr. B u e s hielt zunächst einen $ort;ag über
die neuesten Bestimmungen auf dem Gebiete des freiwilligen Arbeitsdienstes und der Rotstands- orbeiten.
Es sei durch die neuesten Notverordnungen eine gewisse Verschlechterung eingetreten insofern, als gegenüber den früheren Bestimmungen Leute in zwei Jahren nur 20 Wochen im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt werden könnten und der freiwillige Arbeitsdienst in der Hauptsache nur auf Personen unter 25 Jahren beschränkt worden sei. Oberhessen st ehe im freiwilligen Ar- beitsdienst anführender Stelle. Heber 8800 Leute seien hier schon im freiwilligen Arbeitsdienst betreut worden, die gleiche Zahl auf bas Reich übertragen bedeute, daß VA Millionen Leute im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt würden. VA Millionen Mark Verdienst sei durch den freiwilligen Arbeitsdienst schon nach Oberhessen geflossen. 13 0 Notstandsarbeiten seien in Oberhessen eingeleitet, bei denen 3500 Arbeiter beschäftigt würden. Das Hessische H e i m a t w e r k sorge für die geistige Betreuung der Arbeitswilligen, auch für die körperliche Ertüchtigung werde Sorge getragen. Es würden neuerdings bewilligt für die Herstellung von Sport- und Spielplätzen 1,20 Mark, für Wege arbeiten 1,50 bis 1,70 Mark, nur in geschlossenen Arbeitslagern, die auch mehr und mehr eingerichtet würden, 2 Mark pro Tag. Besondere Führer kur se für den freiwilligen Arbeitsdienst würden abgehalten, zu denen sich geeignete Leute melden könnten. Für die N o t - standsarbeiten würden, da die Mittel knapper geworden seien, an die Träger der Arbeitsmaßnahmen 2,50 bis 2,80 Mark gezahlt.
An das Referat schloß sich eine eingehende Aussprache an. Die Versammlung beschloß, daß bei den maßgebenden Stellen auf die Wiederher- stellung des früheren Zustandes, der es auch älteren Personen ermögliche, im sreiwil- ligenArbeitsdienst unbeschränkt beschäftigt zu werden, hingearbeitet werden soll. Ebenso solle darauf hingewirkt werden, daß auch das frühere Verfahren bei der Prüfung der Bedürftigkeitsfrage wieder eingeführt werde. Der Vorsitzende sprach Regierungsrat Dr. B u e s den Dank der Versammlung für die klaren und ausschluß- reichen Ausführungen aus.
Sodann beschäftigte sich die Versammlung in aufschlußreicher Aussprache mit der
weiteren Verschlechterung der Finanzlage der Gemeinden.
Als Ergebnis der Aussprache fand folgende Entschließung Annahme: „Der Kreisverband Schotten vom Hessischen Landgemeindetag erhebt lebhaften Protest gegen die fortgesetzten Bela st u n g en der Gemeinden mit Wohlfahrtsausgaben aller Art, die trotz der trostlosen Finanzlage der Gemeinden diesen immer wieder vom Reich und den Ländern aufgebürdet werden. Die neuesten Notverordnungen der Reichsregierung, die Kürzung der Sozialrenten, der Arbeits- losen, und der Krisenunterstützungen bringen den Gemeinden wiederum neue ungeheure Ausgaben, statt der so lange erhofften Erleichterung. Keine Stelle kümmert sich um die Not der deutschen Gemeinden. Immer noch nicht ist eine Verein
fachung, Verbilligung und Zusammenlegung der Arbeitslosen-, Krise n- und Wohlfahrtsfürsorge erfolgt. Wir bitten dringend, der Hessische Landgemeindetag möge auf eine durchgreifende, sofortige R e - form und auf Hilfe bei den zuständigen Reichsbehörden hinwirken, damit die Gemeinden vor ihrem sonst bevorstehenden sicheren Ruin in letzter Stunde gerettet werden."
Günstige Entwicklung des Reichsbankstatus.
Berlin, 26. Sept. (WTD. Funkspruch.) Aach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. September hat sich in der verflossenen Dank- woche die gesamte Kapitalanlage der Dank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 186,8 Millionen auf 3154,6 Millionen Mk. verringert. Im einzelnen haben die Destände an Handelswechseln und -schecks um 168,9 Millionen auf 2678,7 Millionen Mk., die Destände an Reichsschatzwechseln um 0,3 Millionen auf 11 Millionen Mk. und die Lombardbestände um 15 Millionen auf 102,5 Millionen Mk. abge- nommen.
An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 97,9 Millionen Mark in die Kassen der Reichsbank zurück'geflos- sen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 92,8 Millionen auf 3504,6 Millionen Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 5,1 Millionen auf 395,9 Millionen Mk. verringert. Dementsprechend haben sich die Destände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 31,1 Millionen Mk. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 358 Millionen Mk. eine Abnahme um 55,3 Millionen Mk.
Die Destände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 2,1 Millionen auf 927,8 Millionen Mk. erhöht. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 0,4 Millionen auf 781,6 Millionen Mk. und die Destände an deckungsfähigen Devisen um 1,7 Millionen auf 146,2 Millionen Mk. zugenommen.
Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am 23. September 26,5 v. H. gegen 25,7 v. H. am Ende der Vorwoche.
Berlin schwankend und schwächer.
D e r l i n, 26. Sept. (WTD. Funkspruch.) Zum heutigen Wochenbeginn fiel wieder der außerordentlich geringe Umfang des Dörsengeschäfts auf, insbesondere trat die Zurückhaltung des Publikums stärker in Erscheinung. Die Veröffentlichung des Agrarprogramms der Reichsregierung durch Freiherrn von Draun regte am Markte der festverzinsli.chen Papiere etwas an. Die Desürchtungen, daß eine Kuponsteuer zur Einführung gelangte, haben sich nicht bewahrheitet. An diesem Markte war das Publikum etwas interessiert, so daß die in den letzten Tagen besonders stark gedrücklen Werte, wie Landschaftliche Goldpfandbriefe, bis zu 3 Proz. gewinnen konnten. Durch Schwäche fielen nur die Obligationen des Stahlvereins auf, bei denen Gerüchte über die Sanierung verstimmten.' 2In den Aktienmärkten hielt sich die Spekulation unter dem Eindruck der neuen außenpolitischen Spannungen, die durch die Sonntagsrede H e r r i o t s hervorgc- rufen worden sind, stärker zurück. Das feste Reuhork vom Samstag vermochte nicht anzuregen. Eine gewisse Stütze erhielt die Tendenz allerdings durch den Reichsbankausweis für die dritte Septemberwoche, der mit einer Gesamtent-
Die Arbeiten des Landgemeindelags.
Heber die Tätigkeit und die Beschlüsse des Hessischen Landgemeindetages referierte der Vorsitzende. Eine besondere Wi n t e r b ei h i l f e seitens der Gemeinden mußte mangels jeglicher Mittel abge = lehnt werden. Heber das Beitreibungsverfahren, das immer mehr versagt, wurde Klage geführt, auch über die netten Bestimmungen, die sich auf die Gemeindeversicherungs- anftalt und deren erhöhte Umlagen beziehen. Eine Reihe von wichtigen Fragen (Ausstellung der Bürgscheine, wie sie der Staat von den Bürgermeistern verlangt, über Jagdpacht, über die unnötigen Statistiken, die den Gemeinden zugemutet werden) wurden noch eingehend behandelt.
lastung um 187 Millionen Mark und dem ausgeglichenen Devisenstand einen günstigen Eindruck hinterlieh, zumal die Deckung auf 26,5 nach 25,7 Prozent angestiegen ist. Don ganz wenigen Ausnahmen abgesehen — Lahmeyer, DEW., Con- tilinoleum, Dt. Linoleum und Deutsch-Atlanten verloren bis zu 2,25 Proz., während Holzmann, Salzdetfurth, Chadeaktien, Feldmühle, Deutsche Kabel und Allgemeine Lokal und Kraft bis zu 3 Proz. anzogen — betrugen die Veränderungen gegen den Samstag-Schluß — meist waren es Rückgänge — nur bis zu 1 Prozent.
3m Verlaufe vermochte sich das Geschäft nicht zu beleben; es ergaben sich nur geringfügige Abweichungen bis zu etwa 0,5 Prozent. Schiffahrtsaktien waren etwas stärker angebvten, da man eine weitere Herabsetzung des Exports befürchtet. Auch AEG. gingen 1 Prozent zurück; hier verstimmte die Tlnsicherheit hinsichtlich der kommenden Sanierung. Deutsche Anleihen lagen kaum verändert, Reichsschuldbuchforderungen gewannen bis zu 1 Prozent, konnten ihre Hochstkurse aber später nicht voll behaupten.
Frankfurt freundlich.
Frankfurt a. M., 26. Sept. (WTB. Drahtmeldung.) Für die heutige Börse lagen zwei Momente vor, einmal die gestrige Rede Herr io ts über die Abrüstung und zum andern die heutigen Auslassungen des Reichsernährungsmini ft ers auf der Bauerntagung in München. Von der ersteren ging am Aktienmarkt zunächst eine merkliche Verstimmung aus, so daß auf Abgaben der Spekulation die Kurse von 0,5 bis 1 v. H. zur Schwäche j neigten, zumal von einer Beteiligung des Publikums auch heute nichts zu merken war. Später wurde die Stimmung wieder freundlicher, wobei diel
Derlin, 25. September. (WTD, Auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichs- Verfassung hat der Reichspräsident eine „Verordnung über d i e gemeinsamen Rechte der Desiher von SchuldveF- schreibungen" erlassen, die gestern im Deichsgesetzblatt erschienen ist. Die Verordnung enthält nur zwei Artikel. 3n Artikel 1 find die Aenderungen des Gesetzes betreffend die gemeinsamen Rechte der Desiher von Schuldverschreibungen vom 4. Dez. 1899/14. Mai 1914 verzeichnet. Der Art. 2 enthält die Durchführungsbestimmungen, und zwar wird die Reichsregierung ermächtigt, die zur Durchführung dieser Verordnung erforderlichen Rechtsverordnungen und allgemeinen Verwaltungsvorschrift'en zu erlassen. Des weiteren sind in Art. 2 Vorschriften für die Landesregierungen enthalten, und zwar können die Landesregierungen u. a. bis zum 31. Dezember 1934 allgemein oder im Einzelfall bestimmen, daß die Vorschriften des Schuldverschreibungsgesetzes auch auf Schuldver-
Rede des Reichsernährungsministers günstig aufg?* nommen wurde, weil man mit der Lösung der Zinsfrage, die keine Zwangsabwertung vor- fieht,' befriedigt war. Goldpfandbriefe lagen daher bei Beginn der Börse bis zu 1 v. H. fester, Reichs- schuldbuchforderungen zogen ebenfalls stärker an. Die feste Stimmung für den Rentenmarkt regte bet der Spekulation zu Rückdeckungen an, so daß die anfänglichen Verluste am Aktienmarkt zum Teil wieder aufgeholt wurden und darüber hinaus Besserungen von 0,5 bis 1 v. H. zu verzeichnen waren. Es eröffneten zunächst schwächer IG. mit minus 1,25 v. H., Lahmeyer mit minus 1,5 o. H. und AEG. mit minus 1,13 v. H., obwohl für letztere eine günstige Verwaltungsmitteilung über den Beschäftigungsgrad und den Auftragsbestand vorlag. Montan- und Schiffahrtswerte lagen bis zu 1 v. H. niedriger. Dagegen setzten Kunstseidenaktien, Holzmann, Contigummi und Reichsbank bis zu 1 v. H. freundlicher ein. Zellstoffwerte blieben auf dem Samstags- Schlußniveau gut behauptet.
Am Rentenmarkt war die Haltung im Anschluß an den Samstags-Schluß e t w a s fester. Größeres Geschäft entwickelte sich für Reichsschu d- buchforderunqen, die bis zu 1 v. H. anzogen. Deutsche Anleihen blieben gut gehalten. Gold- und Li- quidationspfandbriefe, sowie Kommunalobligationen kamen schließlich bis zu 1 Prozent höher zur Dotiz. Don 3ndustrieobligationen büßten Stahlvereinsbonds 2,25 Prozent ein. Reichsschuldbuchforderungen gaben später auf Gewinnsicherungen etwa 0,5 Prozent nach.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 26. Sept. Auftrieb: 1435 Rinder (398 Ochsen, 145 Bullen, 517 Kühe, 340 Färsen), 578 Kälber, 96 Schafe, 4717 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts (jüngere) 30 bis 33 Mark, (ältere) 26 bis 29, sonstige vollfleischige 20 bis 25; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 27 bis 29, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 22 bis 26; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26, sonstige vollfleischige ober ausgemästete 20 bis 23, fleischige 15 bis 19; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 31 bis 34, vollfleischige 27 bis 30, fleischige 22 bis 26. — Kälber: beste Mas« - und Saugkälber 40 bis 43, mittlere Mast- und Saugkälber 36 bis 39, geringe Kälber 28 bis 35. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 43 bis 47, von etwa 200 bis 240 Pfund 42 bis 46, von etwa 160 bis 200 Pfund 40 bis 45, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 36 bis 42 Mark. — Marktoerlauf: Rinder ruhig, Heberstand; Kälber und Schafe ruhig, geräumt; Schweine schleppend, geringer Heberstand.
schreibungen von Gemeinden und Gemein deverbänden Anwendung finden, jedoch nur mit der Maßgabe, daß von der Gläubigerversammlung die Aufgabe oder Beschränkung von Rechten der Gläubiger nur im Wege einer Stundung der Kapital- oder Zinsansprüche beschlossen werden kann.
(Rotiz des WTD.): Anlaß zu dieser Verordnung boten die am 1. Oktober d. 3. fällig werdenden Schatzanweisungen der Städte Frankfurt o. M. und Köln, deren Rückzahlung angesichts der schwierigen Finanzlage der Städte nicht möglich ist.
Ein Gchuhverband der Gläubiger.
Berlin, 24. Sept. (WTD.) Zur Wahrung der Rechte der Inhaber der am 1. Oktober 1932 fälligen Schahanweisungen der Städte Köln und Frankfurt a. M. ist ein Schuhverband gegründet worden, dessen Leitung Rechtsanwalt Dr. F o n t h e i m, Berlin, Kurfürstendamm 13, übernommen hat.
irischast.
Aollei-ende fommunale Schuldverschreibungen.
Eine Verordnung des Reichspräsidenten.
Koüsusnverm Gießest u.Umg.
e.G.m.b.H.
An unsere verehrt Mitglieder! Auch auf diesem Wege möchten wir unsere Mitglieder auf den Vortrag im Rundfunk am 27. September, nachmittags um 6.30 Uhr, übertragen von Frankfurt, aufmerksam machen.
Das Vorstandsmitglied des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, Vollrath Klepzig, Hamburg, spricht über die »Konsumvereine in d. Wirtschaftskrise«.
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67mD Die Schulleitung.
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Reiskirchen, den 26. September 1932.
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