Ausgabe 
26.9.1932 Erstes Blatt
 
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Die steigende Not der Kommunen.

Ein Protest des Kreisverbandes Schotten vom Hessischen Landgemeindetag.

II Schotten, 24. Sept. Der K rei s v e r - b o n b Schotten v o in Hessischen Land- gemein detag hielt unter Leitung seines Vor­sitzenden, Bürgermeister Menge!, Schotten, hier im Rathaussaal eine Tagung ab. Der Vorsitzende gedachte zunächst mit ehrenden Worten der beiden verstorbenen Mitglieder, Altbürgermeister Viel, Rainrod, und Müller, Sellnrod. Er begrüßte dann Regierungsrat Schwan als Vertreter des Kreisamts Schotten und Regierungsrat Dr. Sues und Herrn Theiß vom Arbeitsamt Gießen.

Regierungsrat Dr. B u e s hielt zunächst einen $ort;ag über

die neuesten Bestimmungen auf dem Gebiete des freiwilligen Arbeitsdienstes und der Rotstands- orbeiten.

Es sei durch die neuesten Notverordnungen eine ge­wisse Verschlechterung eingetreten insofern, als gegenüber den früheren Bestimmungen Leute in zwei Jahren nur 20 Wochen im freiwilligen Ar­beitsdienst beschäftigt werden könnten und der frei­willige Arbeitsdienst in der Hauptsache nur auf Personen unter 25 Jahren beschränkt worden sei. Oberhessen st ehe im freiwilligen Ar- beitsdienst anführender Stelle. Heber 8800 Leute seien hier schon im freiwilligen Arbeits­dienst betreut worden, die gleiche Zahl auf bas Reich übertragen bedeute, daß VA Millionen Leute im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt würden. VA Millionen Mark Verdienst sei durch den frei­willigen Arbeitsdienst schon nach Oberhessen ge­flossen. 13 0 Notstandsarbeiten seien in Oberhessen eingeleitet, bei denen 3500 Arbeiter be­schäftigt würden. Das Hessische H e i m a t w e r k sorge für die geistige Betreuung der Arbeitswil­ligen, auch für die körperliche Ertüchtigung werde Sorge getragen. Es würden neuerdings bewilligt für die Herstellung von Sport- und Spielplätzen 1,20 Mark, für Wege arbeiten 1,50 bis 1,70 Mark, nur in geschlossenen Arbeitslagern, die auch mehr und mehr eingerichtet würden, 2 Mark pro Tag. Besondere Führer kur se für den freiwilligen Arbeitsdienst würden abgehalten, zu denen sich ge­eignete Leute melden könnten. Für die N o t - standsarbeiten würden, da die Mittel knapper geworden seien, an die Träger der Arbeitsmaß­nahmen 2,50 bis 2,80 Mark gezahlt.

An das Referat schloß sich eine eingehende Aus­sprache an. Die Versammlung beschloß, daß bei den maßgebenden Stellen auf die Wiederher- stellung des früheren Zustandes, der es auch älteren Personen ermögliche, im sreiwil- ligenArbeitsdienst unbeschränkt beschäftigt zu werden, hingearbeitet werden soll. Ebenso solle darauf hingewirkt werden, daß auch das frühere Verfahren bei der Prüfung der Bedürftig­keitsfrage wieder eingeführt werde. Der Vor­sitzende sprach Regierungsrat Dr. B u e s den Dank der Versammlung für die klaren und ausschluß- reichen Ausführungen aus.

Sodann beschäftigte sich die Versammlung in auf­schlußreicher Aussprache mit der

weiteren Verschlechterung der Finanzlage der Gemeinden.

Als Ergebnis der Aussprache fand folgende Ent­schließung Annahme:Der Kreisverband Schot­ten vom Hessischen Landgemeindetag erhebt lebhaf­ten Protest gegen die fortgesetzten Be­la st u n g en der Gemeinden mit Wohl­fahrtsausgaben aller Art, die trotz der trost­losen Finanzlage der Gemeinden diesen immer wie­der vom Reich und den Ländern aufgebürdet wer­den. Die neuesten Notverordnungen der Reichsregie­rung, die Kürzung der Sozialrenten, der Arbeits- losen, und der Krisenunterstützungen bringen den Gemeinden wiederum neue ungeheure Ausgaben, statt der so lange erhofften Erleichterung. Keine Stelle kümmert sich um die Not der deutschen Ge­meinden. Immer noch nicht ist eine Verein­

fachung, Verbilligung und Zusam­menlegung der Arbeitslosen-, Krise n- und Wohlfahrtsfürsorge erfolgt. Wir bitten dringend, der Hessische Landgemeindetag möge auf eine durchgreifende, sofortige R e - form und auf Hilfe bei den zuständigen Reichs­behörden hinwirken, damit die Gemeinden vor ihrem sonst bevorstehenden sicheren Ruin in letzter Stunde gerettet werden."

Günstige Entwicklung des Reichsbank­status.

Berlin, 26. Sept. (WTD. Funkspruch.) Aach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. September hat sich in der verflossenen Dank- woche die gesamte Kapitalanlage der Dank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 186,8 Millionen auf 3154,6 Millionen Mk. verringert. Im einzelnen haben die Destände an Handelswechseln und -schecks um 168,9 Mil­lionen auf 2678,7 Millionen Mk., die Destände an Reichsschatzwechseln um 0,3 Millionen auf 11 Millionen Mk. und die Lombardbestände um 15 Millionen auf 102,5 Millionen Mk. abge- nommen.

An Reichsbanknoten und Renten­bankscheinen zusammen sind 97,9 Millionen Mark in die Kassen der Reichsbank zurück'geflos- sen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichs­banknoten um 92,8 Millionen auf 3504,6 Mil­lionen Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 5,1 Millionen auf 395,9 Millionen Mk. verringert. Dementsprechend haben sich die Destände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 31,1 Mil­lionen Mk. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 358 Millionen Mk. eine Abnahme um 55,3 Millionen Mk.

Die Destände an Gold und deckungs­fähigen Devisen haben sich um 2,1 Mil­lionen auf 927,8 Millionen Mk. erhöht. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 0,4 Mil­lionen auf 781,6 Millionen Mk. und die De­stände an deckungsfähigen Devisen um 1,7 Mil­lionen auf 146,2 Millionen Mk. zugenommen.

Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am 23. September 26,5 v. H. gegen 25,7 v. H. am Ende der Vor­woche.

Berlin schwankend und schwächer.

D e r l i n, 26. Sept. (WTD. Funkspruch.) Zum heutigen Wochenbeginn fiel wieder der außeror­dentlich geringe Umfang des Dörsengeschäfts auf, insbesondere trat die Zurückhaltung des Publi­kums stärker in Erscheinung. Die Veröffentlichung des Agrarprogramms der Reichsre­gierung durch Freiherrn von Draun regte am Markte der festverzinsli.chen Papiere etwas an. Die Desürchtungen, daß eine Kuponsteuer zur Einführung gelangte, haben sich nicht bewahrhei­tet. An diesem Markte war das Publikum etwas interessiert, so daß die in den letzten Tagen be­sonders stark gedrücklen Werte, wie Landschaftliche Goldpfandbriefe, bis zu 3 Proz. gewinnen konn­ten. Durch Schwäche fielen nur die Obligationen des Stahlvereins auf, bei denen Gerüchte über die Sanierung verstimmten.' 2In den Aktien­märkten hielt sich die Spekulation unter dem Eindruck der neuen außenpolitischen Spannungen, die durch die Sonntagsrede H e r r i o t s hervorgc- rufen worden sind, stärker zurück. Das feste Reuhork vom Samstag vermochte nicht anzuregen. Eine gewisse Stütze erhielt die Tendenz allerdings durch den Reichsbankausweis für die dritte Septemberwoche, der mit einer Gesamtent-

Die Arbeiten des Landgemeindelags.

Heber die Tätigkeit und die Beschlüsse des Hes­sischen Landgemeindetages referierte der Vorsitzende. Eine besondere Wi n t e r b ei h i l f e seitens der Gemeinden mußte mangels jeglicher Mittel abge = lehnt werden. Heber das Beitreibungs­verfahren, das immer mehr versagt, wurde Klage geführt, auch über die netten Bestimmungen, die sich auf die Gemeindeversicherungs- anftalt und deren erhöhte Umlagen beziehen. Eine Reihe von wichtigen Fragen (Ausstellung der Bürgscheine, wie sie der Staat von den Bürger­meistern verlangt, über Jagdpacht, über die un­nötigen Statistiken, die den Gemeinden zugemutet werden) wurden noch eingehend behandelt.

lastung um 187 Millionen Mark und dem ausge­glichenen Devisenstand einen günstigen Ein­druck hinterlieh, zumal die Deckung auf 26,5 nach 25,7 Prozent angestiegen ist. Don ganz wenigen Ausnahmen abgesehen Lahmeyer, DEW., Con- tilinoleum, Dt. Linoleum und Deutsch-Atlanten verloren bis zu 2,25 Proz., während Holzmann, Salzdetfurth, Chadeaktien, Feldmühle, Deutsche Kabel und Allgemeine Lokal und Kraft bis zu 3 Proz. anzogen betrugen die Veränderungen gegen den Samstag-Schluß meist waren es Rückgänge nur bis zu 1 Prozent.

3m Verlaufe vermochte sich das Geschäft nicht zu beleben; es ergaben sich nur geringfügige Ab­weichungen bis zu etwa 0,5 Prozent. Schiffahrts­aktien waren etwas stärker angebvten, da man eine weitere Herabsetzung des Exports befürch­tet. Auch AEG. gingen 1 Prozent zurück; hier verstimmte die Tlnsicherheit hinsichtlich der kom­menden Sanierung. Deutsche Anleihen lagen kaum verändert, Reichsschuldbuchforderungen gewannen bis zu 1 Prozent, konnten ihre Hochstkurse aber später nicht voll behaupten.

Frankfurt freundlich.

Frankfurt a. M., 26. Sept. (WTB. Drahtmel­dung.) Für die heutige Börse lagen zwei Momente vor, einmal die gestrige Rede Herr io ts über die Abrüstung und zum andern die heutigen Auslassun­gen des Reichsernährungsmini ft ers auf der Bauerntagung in München. Von der ersteren ging am Aktienmarkt zunächst eine merkliche Verstimmung aus, so daß auf Abgaben der Spekula­tion die Kurse von 0,5 bis 1 v. H. zur Schwäche j neigten, zumal von einer Beteiligung des Publikums auch heute nichts zu merken war. Später wurde die Stimmung wieder freundlicher, wobei diel

Derlin, 25. September. (WTD, Auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichs- Verfassung hat der Reichspräsident eineVer­ordnung über d i e gemeinsamen Rechte der Desiher von SchuldveF- schreibungen" erlassen, die gestern im Deichsgesetzblatt erschienen ist. Die Verordnung enthält nur zwei Artikel. 3n Artikel 1 find die Aenderungen des Gesetzes betreffend die gemein­samen Rechte der Desiher von Schuldverschreibun­gen vom 4. Dez. 1899/14. Mai 1914 verzeichnet. Der Art. 2 enthält die Durchführungsbestimmun­gen, und zwar wird die Reichsregierung er­mächtigt, die zur Durchführung dieser Verord­nung erforderlichen Rechtsverordnungen und all­gemeinen Verwaltungsvorschrift'en zu erlassen. Des weiteren sind in Art. 2 Vorschriften für die Landesregierungen enthalten, und zwar können die Landesregierungen u. a. bis zum 31. Dezem­ber 1934 allgemein oder im Einzelfall bestimmen, daß die Vorschriften des Schuldver­schreibungsgesetzes auch auf Schuldver-

Rede des Reichsernährungsministers günstig aufg?* nommen wurde, weil man mit der Lösung der Zins­frage, die keine Zwangsabwertung vor- fieht,' befriedigt war. Goldpfandbriefe lagen daher bei Beginn der Börse bis zu 1 v. H. fester, Reichs- schuldbuchforderungen zogen ebenfalls stärker an. Die feste Stimmung für den Rentenmarkt regte bet der Spekulation zu Rückdeckungen an, so daß die anfänglichen Verluste am Aktienmarkt zum Teil wieder aufgeholt wurden und darüber hinaus Besse­rungen von 0,5 bis 1 v. H. zu verzeichnen waren. Es eröffneten zunächst schwächer IG. mit minus 1,25 v. H., Lahmeyer mit minus 1,5 o. H. und AEG. mit minus 1,13 v. H., obwohl für letztere eine gün­stige Verwaltungsmitteilung über den Beschäfti­gungsgrad und den Auftragsbestand vorlag. Mon­tan- und Schiffahrtswerte lagen bis zu 1 v. H. nied­riger. Dagegen setzten Kunstseidenaktien, Holzmann, Contigummi und Reichsbank bis zu 1 v. H. freund­licher ein. Zellstoffwerte blieben auf dem Samstags- Schlußniveau gut behauptet.

Am Rentenmarkt war die Haltung im An­schluß an den Samstags-Schluß e t w a s fester. Größeres Geschäft entwickelte sich für Reichsschu d- buchforderunqen, die bis zu 1 v. H. anzogen. Deutsche Anleihen blieben gut gehalten. Gold- und Li- quidationspfandbriefe, sowie Kommunalobliga­tionen kamen schließlich bis zu 1 Prozent höher zur Dotiz. Don 3ndustrieobligationen büßten Stahlvereinsbonds 2,25 Prozent ein. Reichs­schuldbuchforderungen gaben später auf Gewinn­sicherungen etwa 0,5 Prozent nach.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 26. Sept. Auftrieb: 1435 Rin­der (398 Ochsen, 145 Bullen, 517 Kühe, 340 Färsen), 578 Kälber, 96 Schafe, 4717 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts (jüngere) 30 bis 33 Mark, (ältere) 26 bis 29, sonstige vollfleischige 20 bis 25; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 27 bis 29, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 22 bis 26; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26, sonstige vollfleischige ober ausgemästete 20 bis 23, fleischige 15 bis 19; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 31 bis 34, vollfleischige 27 bis 30, fleischige 22 bis 26. Kälber: beste Mas« - und Saugkälber 40 bis 43, mittlere Mast- und Saug­kälber 36 bis 39, geringe Kälber 28 bis 35. Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 43 bis 47, von etwa 200 bis 240 Pfund 42 bis 46, von etwa 160 bis 200 Pfund 40 bis 45, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 36 bis 42 Mark. Marktoerlauf: Rinder ruhig, Heberstand; Kälber und Schafe ruhig, geräumt; Schweine schleppend, geringer Heberstand.

schreibungen von Gemeinden und Ge­mein deverbänden Anwendung finden, je­doch nur mit der Maßgabe, daß von der Gläu­bigerversammlung die Aufgabe oder Beschränkung von Rechten der Gläubiger nur im Wege einer Stundung der Kapital- oder Zins­ansprüche beschlossen werden kann.

(Rotiz des WTD.): Anlaß zu dieser Ver­ordnung boten die am 1. Oktober d. 3. fällig wer­denden Schatzanweisungen der Städte Frankfurt o. M. und Köln, deren Rück­zahlung angesichts der schwierigen Finanz­lage der Städte nicht möglich ist.

Ein Gchuhverband der Gläubiger.

Berlin, 24. Sept. (WTD.) Zur Wahrung der Rechte der Inhaber der am 1. Oktober 1932 fälligen Schahanweisungen der Städte Köln und Frankfurt a. M. ist ein Schuhverband gegründet worden, dessen Leitung Rechtsanwalt Dr. F o n t h e i m, Berlin, Kurfürstendamm 13, über­nommen hat.

irischast.

Aollei-ende fommunale Schuldverschreibungen.

Eine Verordnung des Reichspräsidenten.

Koüsusnverm Gießest u.Umg.

e.G.m.b.H.

An unsere verehrt Mitglieder! Auch auf diesem Wege möchten wir un­sere Mitglieder auf den Vortrag im Rund­funk am 27. September, nachmittags um 6.30 Uhr, übertragen von Frankfurt, auf­merksam machen.

Das Vorstandsmitglied des Zentralver­bandes deutscher Konsumvereine, Voll­rath Klepzig, Hamburg, spricht über die »Konsumvereine in d. Wirtschaftskrise«.

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Der Voranschlag der Gemeinde Reis­kirchen für 1932 Rj. liegt vorn Dienstag, dem 27. September 1932, bis Montag, den 3. Oktober 1932, einschließlich, auf unserem Amtszimmer zur Einsicht offen. Innerhalb dieser Frist können bei uns Einwendungen schriftlich oder mündlich zu Protokoll vor- gebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Aus­märker herangezogen werden. 6744V

Reiskirchen, den 26. September 1932.

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