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Samstag, 26. März 1932
Siezen« Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Nr. 72 Zweites Blatt
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Iuwel« nbie
3m 3übre 1931 juigcrte Opel nainln fuhr von 1354 auf 7092 Wagen. Die „ sind nicht ubcrtDältigcnb. Sie besagen jedoch, dost von allen deutschen Wagen, die ins Ausland gingen, aus Opel 65 v.)). kamen, und zwar in einem Jahre, in dem die Äauftraft der Moniumcnlen überall abnahm
und die gegen den .handel errichteten .schränken sich vervielfachten. Die ^Zahlen sind nichts anderes als ein Hinweis auf die Konkurrenzfähigkeit der Fabrik, aus di.' wirlscha'Uichen Vorteile, die ein Arbeiten inner« halb der sich über die gan^e Well erstreckenden Organisation eines meisterl)asl geleiteten Konzerns bietet.
Einige andere Statistiken der Opel Werke sprechen für die von dem Leiter der Finanzabteilung, Edward Polmer, geäußerte Ansicht, daß die deutschen Werke der General Motors keinen Grund zur Besorgnis geben wurden, wenn nicht Politik und Weltkreditkrise
von u22 536 ÜU»i Dollar Nominalwert wiederum nach der letzten erhältlichen Schatzung in den Händen von 315 00<> Amerikanern ist. Wenn alle diese einen gleichen Aktienbesitz hatten, wurde jeder einzelne von ihnen mit ungefähr 100 Dollar an den Opel-Werken interessiert sein.
Wir gingen durch einige Abteilungen der Fabrik. Es war das beschäftigtste Werk, das ich in Deutschland zu Gesicht bekommen habe. 6000 deutsche Arbeiter arbeiteten in dem von den endlosen Förder- ketten bestimmten, sich ewig gleichblcibcnden W)i)th; inus. Irgendwo in der Welt gab er noch einen Markt für Automobile. Die Exportabteilung der Opel-Werke hatte am meisten von allen zu tun ; ihre Export- Ziffern sind höchst interessant als Material für eine Beurteilung der wirtschaftlichen Möglichkeiten, die mindestens einer amerikanischen Kapitalanlage in Deutschland innewohnen.
Deute aus einem riesigen, in Paris ausgeführten bstayl wissentlich erworben zu
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senster und Laden, bestellt ein Auto, labt den Juwelier ein. Platz zu nehmen - und fort gehl es. direkt zu in Gefängnis .zur Himmelskönigin" <es heißt wirklich so: Regina Coelil). Hier wird der Verhaftete in aller Form abge- liesert. das Protokoll ausgenommen, man steht stramm und salutiert, der Juwelier fliegt in die Zelle. Erst als er Gelegenheit findet, seinen Verdacht zu äußern, das; da etwas nicht ganz richtig fein könne, weil er doch völlig schuldlos sei. spielt das Telephon...
Während der Verhandlung vor dem Schwur- gcricht erfuhr man, daß der falsche Hauptmann schon einmal vor Jahren mit Erfolg die Uniform ausgespielt hatte. Einem Wirt beschlagnahmte er für Tausende von Lire Danknoten, weil angeblich Falsifikate, die Regimentskasse felber lieh er nntgehen. Wechse (fälsch en war feine Leidenschaft. Aber feine Komplicen verriet er nicht. Der falsche Feldwebel bekannte sich als unschuldig, die Hehler hatten natürlich alles zufällig gefunden. Aber man kann der Polizei das Zeugnis einer gewissen Findigkeit nicht verweigern. Da fiel ihr zum Deifpiel eine Tube mit Zahnpasta in die Finger, die man ganz ausbrücken konnte, ohne dah sie leer geworden wäre - denn es blieb ein unverdauter Rest von Edelsteinen zurück. In einem Kinderzimmer tummelte sich ein Gummifischchen herum, das den Diamanten Amanullahs verschluckt hatte. Und was die verschiedenen, in die Sache verwickelten Frauen nicht umsonst spukte durch den ganzen Prozeh der „Sultan des Borgo" - alles sonst noch an Verstecken für die ans über 2 Millionen bezifferte Deute ausfindig gemacht hatten.
„Vestrafen Sie mich", mahnte einmal der Hauptmann den Staatsanwalt, „gefälligst nur für das. was ich wirklich getan habe, und nicht auch für die unvorhergesehenen Folgen!"
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„Run ja. es ist doch klar, das) der Hauptschuldige der Juwelier selber ist! Er machte ja nicht den geringsten Versuch, sich zu wehren, er folgte in allen Stücken wie ein Lamm, ich konnte daraus doch schließen, dah er kein reines Gewissen hatte und glaubte ein gutes Werk zu tun, als ich ihn mit- fähren lieh!"
haben, er beteuert seine Unschuld, aber was will schon die Beteuerung eines Ehrenmannes gegen ein Dutzend amtlicher Siegel und Stempel besagen. gar gegen eine doppelte Uniform? Er kann nicht« anderes tun. als gehorchen. Der Hauptmann wählt mit Sorgfalt und stellt ein genaue« Verzeichnis auf, auch ein Diamant de« gewesenen Afghanenherrschers Amanullah ist darunter. Dann versiegelt er Kaffenschrank. Schau-
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Diese feine Zeichnungsgabe im „Don Juan" wurde von Richard Wagner ganz besonders anerkannt. »Wo hat die Musik so unendlich reiche Individualität gewonnen, so sicher und bestimmt in reichster überschwenglichster Fülle zu charakterisieren vermocht als hier." Des Bewunderns kann kein Ende sein. Wie treffend ist in den Enfemble- fähen ein jeder in feiner Individualität ersaht. Wie sind die einzelnen Orchesterinstrumente bei ihm zu agierenden Mitspielern geworden. Wie wird selbst der erste Teil des zweiten Aktes mit seinen typischen Duffoszenen in eine Sphäre gerückt, die uns immer wieder durch die teil« echten, teils fein ironisierenden Töne in ihren Dann schlägt. Wie vermag er z. D. in der Ballszene des ersten Aktes die verschiedensten Wenschen- thpen in einer musikalischen Einheit zusammen- zufassen, wo er jede der drei Gruppen sich in der ihr geläufigen Tanzart bewegen läht und so die Tanzform in meisterhafter Kombination dramatischen Ausdruckszwecken dienstbar macht; oder gar in der Tafelmusik, wo er die Zeitgenossen und sich selbst persifliert.
Die Aufführung de« Werkes durch die Darmstädter, das sei voraus bemerkt, stand auf hoch- beachtlicher Höhe, mag man sich auch zu der Auffassung der Spielleitung (Arth Maria R a b e- nalt und Wllh Reinking) stellen, wie man will. In ihrer Rote war die Darbietung geschlossen und einheitlich. Rach den obigen Ausführungen kann man die Grundeinstellung, in der Oper mehr ein heitere« Spiel zu sehen, nicht bejahen; ganz besonders, soweit es die Gestalt des Don Juan betrifft. Hier fehlte dem Helden das Uebermenschliche. Symbolhafte, Mythosge- borene. Johannes Drath betonte das Don- vivantmähige in seiner durchaus gerundeten Leistung. Er konnte charmieren, bestricken, gewinnen, unwiderstehlich sein. Sein Organ behandelte er mit ungemeiner Leichtigkeit, zumal in den Sccco- Rezitativen; bis zur feinsten Rüance war es ihm gefügig. Jedem Ensemble fügte er sich mit individueller Prägung ein. Das Dämonische, Grohe des Affektes mangelte ihm völlig. Er faßte die Rolle zu leicht, und so muhte man die dramatische Wucht missen. Da war es vorauszusehen, dah die Komturszene an ihrer erhabenen Gröhe cinbüßtc; da« war kein gigantischer Kampf zweier starken Gegner; die großen erschütternden Momente gingen verloren.
Don Juans Kontrastfigur ist Leporello. Dadurch, dah er die gleichen Erlebnisse beider im Rette? feiner servilen Alltagsnatur erscheinen läßt, soll die Gestalt des Helden um fo stärker hervortreten. Er wird in seiner ironisierenden Art zum Träger des komischen Elements. Theo Herrmann erwies sich als ein überaus versierter Künstler, der jeder Situation in Ensemble und Einzelszene ihr besondere« Recht gab. Ein Prachtstück war die Durchgestaltung der Registerarie. Ein Freihalten von Uebertreibungen wäre von großem Vorteil für den Gesamteindruck gewesen.
Von ben Frauengestalten, die dem Don Juan eeaesröbertiKteR, hat bi» Domur 2Lnna bej anbei«
erf eierten 3 llbr lUlöiel !.W > Solei- filem mit n auf ö. nbaus.
Wie ein Amerikaner DeuWand sieht.
Oie Opelwerle in Hüffelsheim unter amerikanischer 2Regit. — Autoexport nach allen Teilen der Welt. - Drei Milliarden Dollar amerikanisches Kapital in Deutschland investiert.
Don H. X Knickerbocker.
durch den Einfluß von E. T. A. Hoffmanns Phantasiestück. das sie als dem Verführer innerlich verfallen anfieht, im Laufe der Zeit die verschiedent- lichste Auffassung durch unsere Opernheroinen erfahren. Was die Donna Anna zum Handeln treibt, ist nicht versteckte Liebe, sondern einzig die sittliche Pflicht, an dem Mörder des Vaters Rache zu üben, ja diese Verpflichtung steht ihr über der Liebe zu Octavio. Anny von S t o s ch entsprach durchaus dieser Forderung be« Werkes. Mit starten gesanglichen Akzenten und innerem Mitgehen wurde die Rachearie zu einem besonderen Höhepunkt. Cs war die bedeutendste Leistung. die wir an der Sängerin bisher in Gießen bewundern konnten.
Regina Harre meisterte ihr Partie (Elvira) trotz der in ihr ruhenden inneren Zwiespältigkeit mit durchschlagender dramatischer Kraft dec Stimme und Schmiegsamkeit in der Koloratur.
Don Octavio gilt meist als eine vkenig dankbare Rolle. Gewiß erfüllt ihn die Liebe zu Donna Anna mehr, als daß er sich aus dem Gefühls- hasten zur Entschlossenheit im Handeln erheben könnte. Seine musikalischen Ausgaben lassen aber durchaus nicht jene Weichlichkeit durchblicken. Die Verkörperung, die Dr. Heinrich Allmeroth der Partie gab. hätte bei weitem mehr von Männlichkeit zeugen können Del anzuerkennender Sicherheit im Ensemble wäre in den Arien durchaus größere stimmliche Modulatiönssähigkeit am Platze gewesen.
Masetto «Theodor Heydorn) war in jeder Hinsicht trefflich beseht Er gab sich nicht al« der tölpelhafte Dauer, als der er oft erscheint Er durchschaut die Handlungsweise Don Juans durchaus, vermag sich aber durch die ihm anhaftende Unbeholfenheit nicht rechtzeitig zum Entschluß zu verstehen, noch dazu, wo er sich innerlich immer von Zerline abhängig macht. Maria Kienzl stellte sich in der Zerline als unverbildetes Raturkind dar, mit natürlichem Frauen- inftinft, die ihren Masetto beherrscht, aber den Schmeicheleien Don Juans nicht widersteht, ohne ihm jedoch zu verfallen. In Gesang und Spiel zeigte sie feines Eiugehen in die szenischen Ge- gebenßeiten. Als Komtur verlieh Albert Lohmann den Schlußszenen wuchtigen Ausdruck durch seine Erscheinung und mächtige Stimmgröße.
Das Darmstädter Orchester bewies wie immer seine Routiniertheit. Unter Dr. Hans Schmidt- Isserstedt traten die mannigfachen Einwürfe des Orchesters mit charakteristischer Detontheit hervor, zumal die Holzbläser, von Mozart besonders bedacht, zeichneten sich sehr vorteilhaft aus. Die Einleitung zur Ouvertüre wuchs voll Gespanntheit und innerer Dramatik heraus.
Die Bühnenbilder iKarl Löffler) waren, dein Verlauf der Handlung entspr«hend, vorteilhaft gestellt, jedoch nicht immer mit der nötigen Stilreinheit. Sie wurde durch die Beleuchtung (Ludwig Keim; in der Auswirkung verstärkt: nur bei der Erscheinung de« Komturs hätte der Scheinwerfer rechtzeitiger in Aktion treten müssen.
Dr. H.
Um gleich über fein traurige« Ende zu berichten : Er ist auf 18 Jahre in« Zuchthaus gewandert. Achtzehn Jahre! Und nicht viel besser kamen feine Helfershelfer weg und furchtbare Strafen hagelte cs auf die Hehler. Wenn man fo zusammenzählt. kommen an die hundert Jahre heraus. Am schlimmsten aber erging es dem Anstifter und nicht den Ausführern be« Planes, einem gewissen Michele Tomas- setti, der nicht weniger als 20 Jahre und vier Monate erhielt. Es ist offensichtlich, daß damit der Mißbrauch der Uniform getrof- s c n werden sollte, härter derjenige, der auf den Gedanken kam, sie zur Maske zu degradieren, als der Hauptmann von Köpenick selber. Hier erkennt man die Unterschiede zu dem Unternehmen des wackeren Schusters Voigt, fo oft jenes Spektakelstück der Jahrhundertwende auch während de« Prozesses zum Vergleich heraiigezogen wurde. Dort ein Einzelner, der Abenteuer und Risiko auf eigene Faust unternimmt, in Rom aber ein wohlberechnetes Unternehmen einer ganzen Bande, ein Camorra ft üd.
Eine« schönen Märzmorgens im Jahre 1930 erscheint bei dem Juwelier M e n i ch i n i ein Hauptmann der Carabinieri, gefolgt von einem Feldwebel, der in Italien den Titel eine« mares- ciallo hat, beinahe wie Hindenburg. Wer sollte da nicht in Ehrfurcht erstarren? Der Herr Hauptmann trägt eine strenge Miene und sein Befehl ist scharf wie sein Säbel: Richt vom Fleck gerührt. außer zum AufsperrendesKassen- schranke« und der Juwelenbehälter! Weist einen Hastbefehl vor, einen Auftrag zur Hausdurchsuchung, eine Vollmacht zur Beschlagnahme aller verdächtigen Gegenstände. Der Juwelier ist fassungslos, als ihm erklärt wird, er sei dringend verdächtig, die
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IV.
Die Opel-Automobilwerke in dem rebenreichcn Äheinlanb, ein Zwelgunternchmen von General Motors, sind eine kleine Welt unter den gewaltigen amerikanischen Kapitalanlagen in Deutschland. Mit feinen langfristigen und kurzfristigen Darlehen, feinem Grundbesitz, dem Besitz an Fabriken und Werken, feiner Beteiligung an Konzernen im Reich unb seinem Handel mit Deutschland stehen für Amerika rund 3 Milliarden Dollar in' Deutschland auf dem Spiel. Diese Summe kommt nahezu dem zehnfachen Steuerwert allen Privateigentums in Heuyork City gleich. Sie entspricht den Gesamtaus- riben der Stadt Reuyork im Lause zweier Jahre.
je stellt mehr als ein Sechstel unserer sämtlichen Kapitalanlagen im Ausland der ganzen Welt dar Unb ist weitaus die größte unserer Investitionen in ollen fremden Ländern mit Ausnahme Kanadas. Unb schließlich ist sie zehnmal fo groß wie der Be trag an Gold und fremden Valuten, der der Deutschen Reichsbank als Währungsdeckung zur Ser- fügung steht.
Dieser Zustrom amerikanischen Geldes nach Deutschland ist in einer Große, mit einer Plötzlich keil und Raschheit vor sich gegangen, wie es noch niemals da war. Praktisch wanderten alle diese Summen, die ungefähr 1 v. H. des gesamten geschätzten amerikanischen Nationalvermögens entsprechen, zwischen der zweiten Hälfte 1924 und der zweiten Hälfte 1929 nach Deutschland. In dem unglaublich kurzen Zeitabschnitt von fünf Jahren wurden diese unge bcuren Konten übertragen, und das ging in aller stille vor sich, es war nicht mehr zu hören als das Kratzen der Federn auf dem Papier, auf dem dieser gewaltigste Anlogevorgang der Finanzgeschichte gebucht wurde.
So wie eine Richtungsänderung des Golfstroms zu einer Wandlung der Wetterbedingungen in den Landern am Atlantischen Ozean führen würde, hat der amerikanische Kreditstrom nach Deutschland bas finanzielle unb politische Klima dieses für uns wichtigsten Teiles der West umgcroanbclt. Und wie die Wirkungen einer Abwanderung des Golfstromes sich nur langsam bemerkbar machen wurden, so hat es auch lange Zeit gedauert, bis wir begriffen haben, daß wir' die europäischen Ereignisse nicht mehr mit der gleichen Ruhe betrachten können wie im Jahre 1923.
Denn bas, was neuerdings in Deutschland für uns auf dem Spiel steht, sind nicht bloß bte 3 Milliarden Dollar, um die es sich bei den vielerlei Kategorien unserer direkten Äapitalsanlagen unb Handelsinter- essen handelt. Die Summe erhöht sich auf rund 4 Milliarden Dollar, wenn man bedenkt, daß ein deutscher „Zusammenbruch sich auch auf benachbarte Länder auswirken wurde, in denen mindestens sine weitere Milliarde amerikanischen Geldes fest- liegt. Unb auf eine nahezu astronomische Zahl, auf rund 10 Milliarden Dollar, kommt man, wenn man in Betracht zieht, daß die interalliierten Schulden an Amerika bei 5,5 v. H. einen Kapitalwert von 5600 Millionen Dollar barftcllen, unb daß die
ragio“ — „Am Mut fehlt inir’s nicht" ) Er nimmt alle Konseguenzen feiner Lebensführung auf sich. Sein Mut wird zu tollkühner Ueberheblichkeit, die vor nichts Ehrfurcht kennt, was dem Menschen als heilig gilt. Als ein Verwegner entweiht er die Stätte des Friedens durch höhnisches Lachen. Frivol fordert er den Toten heraus. Als das Schicksal über ihn hereinbricht, trägt er alle Folgen seines Handelns. Er verfällt dem Untergang, indem er jede Aenberung seines Selbst als Untreue gegen sich empfinbet unb jede Umkehr ablehnt.
Daß Mozart gerabe in dem Erscheinen des Komturs den Höhepunkt des dramatischen Geschehens ersah. zeigt sich darin, daß er die musikalische Einkleidung jenes Erlebens an den Anfang der Ouvertüre stellt unb so von vornherein ben tragischen Grunbcharakter des Werkes bestimmt; baran können bie vielen in ber Oper verstreuten heiteren Episoden nichts ändern.
Der dämonische Gehalt des Stoffes erregte Mozarts Schöpferkraft bis zum Letzten, unb io erstand in dieser Oper fein stärkstes musikbramatisches Werk. „Wie kann man sagen, Mozart habe seinen Don Juan komponiert! Komposition — als ob cs ein Stück Kuchen ober Biskuit wäre, bas man aus Eiern, Mehl unb Zucker zusammenrührt! Eine geistige Schöpfung ist es, bas Einzelne wie bas Ganze aus einem Geiste unb Guß unb von bem Hauche eines Lebens burchbrungen, wobei der Produzierende keineswegs versuchte unb stückelte unb nach Willkür verfuhr, sonbern wobei ber bämo= nische Geist seines Genies ihn in ber Gewalt hatte, so baß er ausführen mußte, was jener gebot." (Goethe zu Eckermann.) Unb schon zu früherer Zeit mußte ber Schöpfer bes „Faust" bekennen, als Eckermann zu ihm von ber Möglichkeit einer Musik zu diesem Menschheitsdrama sprach: „Die Mustk müßte im Charakter des Don Juan spin; Mozart hätte den Faust komponieren muffen."
Ohne die bedeutungsvolle Mitarbeit da Pontes verkennen zu wollen, den durchschwingenden Grundton hat Mozart erst dem Werke verliehen. Erst durch die Musik werben bie Gestalten der Oper in ihren Wesenseigentümlichkeiten genau beterminiert, erst burch sie werben aus ben Figuren bes Spieles lebensnahe, lebenswahre Menschen. Das, was der -tert anbeutet, das wächst bei Mozart zum Organismus aus.
Er zeigt den Helden in feinem Handeln, wie er bei feinen Abenteuern stet« den geeigneten Ton anfchlägt. um zum Ziele zu gelangen; wie er der Donna Anna ander« begegnet al« etwa der Zerline, oder gar in der Art, wie er sich Elviras Kammerzofe im Ständchen nähert, ober tote er mit dem Landvolk verkehrt. Wie ganz ander« ist er gezeichnet in den Szenen, die zu fernem Untergang führen! Obwohl Mozart ihm entgegen dem sonstigen Opernbrauch außer dem „Fin ch’han dal vino“ keine größere Arie zumeist, läßt der Musiker den Helden in der Vielfettigkeit der Situationen erleben und alles sich zu einem geschlossenen Eharakterbttde runden; denn er setzt alle Personen be« Dramas zu dem Haupthelden so in Beziehung, daß durch sie neue Seiten feines Wesens wahrnehmbar werden und fts chy so ininrdi
Der römische Hauptmann von Köpenick
23on Or. Gustav W. Eberlein, Dfam.
Gießener Gtavttheater.
ttastspitl des Hessischen Landeotheaters: „Ton Inan" von Mozart.
Rach bem starken Wibcrhall, ben ber „Figaro" in Prag gefunben hatte, folgte Mozart gern bem Auftrag, für bie bortige Oper ein neues Werk zu schreiben. Da Ponte, ber sich als der Verfasser des Figarotextes bewährt hatte, schlug Mozart ben Don Juan-Stoff vor. Diese alte Sage dop bem zügellosen Sinnenmenschen unb bem als Rächer erschei- r.cnbcn „steinernen Gast" hatte schon in bem spanischen Schauspiel bes lirfo be Molina (1630) seine Darstellung erfahren und war in ber folgenden Zeit in ben verschiebenartigsten Bearbeitungen ber Bühne zugänglich gemacht worben. Die Oper nahm sich bes Stoffes im 18. Jahrhunbert mehrmals an; Gluck schrieb u. a. eine Ballettmusik bazu unb bus Kennenlernen von Gazzanigas „Convitato di pietra“ (Text von Bertati) wirb sowohl für ba Ponte wie auch für Mozart ausschlaggedenb bei der Wahl gewesen sein.
Da Ponte folgte ber Bertatischen Vorlage, erweiterte sie in geschickter Weise unb paßte sie Mozarts schöpferischer Jnbivibualilät an, wobei sich befonbers bie Erfahrungen in ber Behanblung bes Figaro- textcs burch Mozart fruchtbringend auswirkten.
Seine innere Einstellung bei ber Bearbeitung bes Textes bezeichnet da Ponte burch bas Bekenntnis: „nachts werbe er für Mozart schreiben; es werbe ihm dabei fein, als lese er Dantes Hölle". Ein unzweifelhafter Beleg dafür, daß ihm nicht an ber Schaffung eines heiteren Textes gelegen nxn, sondern baß auch für ihn bas Tragische bes Stoffes im Vorbergrunb ftanb.
Die Hauptgestalt ber Oper ist mit der in ihr gebundenen Problematik immer wieder in den Kreis geistig-philosophischer Betrachtung gezogen worden; ja, man hat Don Juan in seiner Jnkommensurabili- rät bem Faust gegenübergestellt; so wird er als „ber Ausbruck für das Dämonische, sofern es als Sinnliches bestimmt wirb, wie Faust der Ausdruck für bas Dämonische ist, sofern es als das Geistige auftritt", angesehen. (Kierkegaard.)
Don Juan wird zum symbolhaften Träger bes Dämons sinnlicher Triebhaftigkeit in stärkstem Ausmaße. Unersättlich ist fein Lebens, unb Liebesdrang. Sein Wesen ist aber nicht allein mit bem zu er faßen, was wir nach unferm Ausbrucksgebrauch mit einem Don Juan bezeichnen; als ein solcher würde er sicher nicht der Mittelpunkt eines hochdramatischen, tragischen Geschehens geworden sein. Gerade dadurch, daß er über bas menschliche Maß hinaus- wächst, daß er sich nicht an bem Bezwingen des Weibes genügen läßt, daß durch die Hindernisse, die sich seinen Versührungsabsichten entgegenfteUen, sein Drang zum Sich-Durchsetzen und zur Macht immer mehr gestärkt wird, steigert sich sein Machtwille zur Vermessenheit. In dieser Verblendung überschreitet er die Grenzen ber sittlichen Weltordnung und fordert damit den Untergang heraus. Er ist nicht ttgendwelcher Weiberheld, fonbern ein Voll- mensch, der mit feiner aefamten Persönlichkeit hinter Jemen Taten steht. <~Mä non manca in me cor-
Schuldner Amerikas anscheinend entschlossen sind, diese Summe für den Fall, daß Deutschland keine Reparationen mehr zahlt, in den Schornstein zu schreiben.
Es handelt sich hier nicht darum, die Nachteile oder Vorteile, die Erwünschtheit oder Unerwünschtheit einer Streichung der interalliierten Schulden ober ber Reparationen zur Debatte zu stellen. Hier muß lediglich klargemacht werden, in welchem Maße Amerika sich in Deutschland bereits finanziell fest- gelegt hat, und wie müßig der natürliche Wunsch ist, die Angelegenheiten des Reichs und Europas zu ignorieren. Kein Bedauern, keine Vorwürfe und keine Verärgerung über die ewigen Streitigkeiten eines Kontinents, dessen Feindseligkeiten uns zum Teil stets unerklärlich bleiben werden, können etwas an der vollendeten Tatsache ändern, daß wir hier sehr große Interessen haben.
Die Opel-Werke, ein langgestrecktes, an den Ecken abgestumpftes Dreieck, liegen im Maintal in ber Nähe ber Brennstofflager bes Rheinlandes, die ber Grund dafür waren, daß die deutsche Industrie sich in diesem Teil des Landes konzentriert bat. Der einzige gewaltige Schornstein ber Werke, ber den Namen „Opel" trägt, steht inmitten eines Gebietes von 375 Quadratkilometer, bas zum Teil von Fabrikgebäuden eingenommen wird; diese selbst bedecken eine Fläche von ungefähr 250 Quadratkilometer. In diesen Gebäuden könnten täglich 500 Automobile und 6000 Fahrräder erzeugt werden, und im Laufe eines Jahres so viele Automobile, baß sich ber höchste jährliche Automobilkonsum in Deulschlanb nahezu dreimal befriedigen, und so viele Fahrräder, daß sich die Nachfrage der ganzen Welt in einem Propagandajahr decken ließe. Die Opel Werke find nicht nur die größte Fahrradfabrik der Welt und die größte Automobilfabrik Deutschlands, ihre Produktionskapazität ist größer als die Kapazität aller anderen deutschen Automobilfabriken zusammen.
Als General Motors ben von Forb angebotenen Kampf um bie Beherrschung des Weltmarktes aufnahm, war einer ber reichsten unb am wenigsten befriebigten Märkte auf ber Erbe entschieben Deutsch lanb, so daß der erste Schritt offenbar sein mußte, in bas von ben beutschen Zollschranken abgeschlossene Gebiet einzudringen. *
In Deutschland, bem am stärksten industrialisierten nnb nächst Rußland der Bevölkerungszahl noch größten Land Europas, kommt nur ein Wagen auf gg Einwohner, es steht unter ben Automobiloer- brauchern der Welt an 17. Stelle. Deutschland hat aber einen Zolltarif, der den inneramerikanischen Preis eines Wagens von 500 Dollar für Deutschland auf rund 750 Dollar erhöht. Um hinter diese Zollmauer zu kommen und gleichzeitig den deutschen Kunden bas Erzeugnis als deutsche Ware nachzuweisen, um Transportkosten zu sparen unb sich in ben Genuß der billigeren Arbeitskräfte zu setzen, er- warb General Motors im Jahre 1928 die Opel-Werke und zahlte für eine 80orozentige Beteiligung einen Preis, der damals auf rund 30 Millionen Dollar geschätzt wurde.
Diese Beteiligung an den Opel-Werken gehört der General Motors Corporation, deren Aktienkapital
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