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ßr.Z2 Erstes Blatt

182. Jahrgang

Samstag, 26.11lär51952

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friede. Mlh. Lange. Beraniworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tbnriot. für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Oie Stunde KaustS.

Eine Osterbetrachtung im Goethe-Jahr.

Don Wilhelm von Scftolz.

Wir haben wohl kein Gefühl mehr dafür, was der Winter frühcrn Zeilen ivar. Die Fülle von künstlichem Licht, von Warme und Leben in den -Städten hier dort überall volle Erschließung der Winternotur mit ihrer Lchneesonne durch Bahnen, behagliche Gasthösc. Gewöhnung an Wind und Welter lassen nichts mehr von den einstigen des Winterlebcns in unfern Breiten ahnen; des Winter> lebens, das bestenfalls und erst verhältnismäßig spät ein mit Familienbehaglichkeit und Lesen aus- gefüllter Winterschlaf und -träum wurde. Wohl jauchzt das Herz der heutigen Menschen dem an­brechenden Frühling zu und begrüßt die steigende Lonne aber welch ein andres Aufatmen muß das etwa in der Zeit der Minnesänger, überhaupt im ganzen Mittelaller gewesen sein, wo der Mensch unweigerlich in jedem Winter unter der Äälte litt und einige Monde geradezu verkümmerte, als Fackeln oder rauchende Zlienfpäne, flarfernbe Sta­mme, die kleine.» malten Flammen der Oelschälchcn und fragwürdigen Kerzen mehr Schotten als Licht in die winterdommerigen Räume brachten. Erst wenn man sich lebendig vors Auge stellt, wie die kalte Jahreszeit in dem eisenbahnlosen Deutschland mit verschneiten Landstraßen aussah, erlebt man die in tausend Bariationen spielenden Minnelieder, die alle immer wieder den Frühling, die Wiederkehr des Lichtes als Höchstes preisen, recht und emp- findet, daß in ihnen das drückendste und froheste jährliche Erleben den Dichtern Stimme und Ton gab.

Und dasselbe war cs, was, durch die religiöse Bedeutung, gesleigcrl, dem Osterfest feine große hgrzbewegcnde Gewalt gab: daß es die kultische Widerspiegelung des Untergangs und der Auf­erstehung war; daß es die Dunkelheit langer Wintertage und nächte in das Bild eines schmerz­vollen Todes kleidet, dem unmittelbar, einen Tag nur später, die jubelnde, leuchtende Auferstehung folgt. Der Mönch des zehnten Jahrhunderts dichtet die schöne Sequenz:

Dem aus Grabesnacht auferstandenen Heiland huldigt die Natur: Blum' und Saatgefild sind erwacht zu neuem Leben;

Der Mgel Chor

nach des Winters Rauhreif singt sein IubeUied. Heller strahlen nun

Mond und oonne, die des Heilands Tod verstört. Und in frischem Grün preist die Erde den Erstandenen, Die, als er starb, dumpf erbebend ihrem Einsturz nahe schien.

Boller klingt der religiöse Ton des Spruchdichters aus dem 13. Jahrhundert, Speroogels Öfter- 0 e J a n g :

Ehrist sich den Marterknechten gab, er ließ sich legen ins Grob.

Das tat er durch seine Göttlichkeit.

Damit erlöst er die Christenheit von der heißen Hölle Dual. Denket, denket alle daran!

Er tut es nicht ein zweitesmal!

'Noch ist die Behaglichkeit des erwärmten und er­hellten Hausraums die vom Mittelalter bis zu Goethes Jahrhundert für den Geist und die sich besinnende Seele geschaffen wurde am grauen Abend des hellen Frühlingstags ein Wert: zwei Jahreszeiten berühren sich in dieser Stunde, die von selbst zur Stunde der Einkehr wird, zur Stunde F a u st s.

Diele Arten des Lesens stehen mir vor Augen: im sommerlichen Parkschatten mit weitem Blick über dem Buchrand unft?r Baumwipseln, einem Blick, in den eine große Landschaft hinemslutet und sich mit über die Seiten ergießt; in klösterlichem Jnnenhof, wo zwischen Dächern nur der Himmel mit auf die Blätter sieht; im treibenden Boot; auf freier Terrasse, in fchlaslosen Krankheits», Schmerz-, Un­ruhenächten, wo Lesen seine größte Wohltat Ipendet; auf Fahrten, auf denen ein gelesenes Schickial mit- fließt durch das Land. Aber so viele Bücher ich denken kann: dies, an einem Osterabende, von sonnigem Weg mit eben knospenden Sträuchern und Bäumen in der kühlen, noch an die graue Jahreszeit zurückfallenden Dämmerung heimkehren und nun, dos Licht der verhangenen Lampe auf dem Buch, wieder die Osternocht lesen; wieder den Todestraum Fausts lesen in dem es lebendig flutet: das Mysterium des Unterganges, Becher und Phiole, aus denen schon dem Morgen der festlich-

hohe Gruß zugebracht wird, und der Auferstehung, die aus den Glocken und aus dem Gesang siegreich als erste Feierstunde des Osterfestes anbricht über Faust, der hier selbst durch den Tod schreitet und wiederkehrt zum Licht dann mit der Sonne des nächsten Tages eintauchen in das Gewimmel, dos bunt aus dem Tod bringt, Leben, Menschheit, Volk, Freude, bis es in jenen vielleicht schönsten deutschen Versen abendlich strömt:

Betrachte, wie in Abendsonneglut

Die grünumgebnen Hütten schimmern

Sie rückt und weicht, brr Tag ist überlebt, dort eilt sie hin und fördert neues Leben.

Oh, daß kein Flügel mich vom Boden hebt, ihr nach lind immer nachzustreben!

Ich sah' im ewigen Abendstrahl die stille Welt zu meinen Füßen, entzündet alle Höh'n, beruhigt jedes Tal, den Silberbach in g old ne Ströme fließen ...

lieber diese klingende Gewalt ist Steigerung nicht mehr möglich. Die Seele müßte in Schmerz und Melancholie versinken. Do beginnt der Zauber. Der Pudel streift durch Saat und Stoppeln ...

Hier mag man den stillen Ofterabcnb weiterlesen ober das Buch sinken und aus allem eignen Öfter- erleben diese ewige Fassung sich mit Süße, Schmerz, Erinnerung unb Hoffnung erfüllen lassen in der Stunde der Einkehr, der S t u n bc F a u st s.

Deutsche Ostern.

Don Dr. Eugen Kühnemann, o. ö. Professor der Philosophie an der Schlesischen Friedl ich-Wilhelm-Universitas zu Äreölau.

Man soll den Deutschen von heute, die unter der Not der Gegenwart seufzen, einige Dinge immer wieder ins Gedächtnis zurückrusen: wir haben den größten Tag der deutschen Geschichte in den heiligen August tagen von!9l 4 erlebt, als mit einem Male das ganze Volk ein einziger Gedanke, ein einziger Wille, eine einzige Treue bis zum Tode war. Diese Er­innerung läßt uns den Glauben an die Größe unseres Volkes niemals verlieren. Wir haben die volle Offenbarung der deutschen Kraft ge­sehen: nicht wie Leonidas drei Tage mit 300 Ge­treuen, sondern vier Jahre lang mit dem ganzen Volke von Männern, Frauen, Greisen und Kindern hat Deutschland in den Thermo- pyfen neftanöcn und den Angrift der Welt vom H im.tb)Le:r abgewchrt. De: Zusammenbruch 6atL leine einzige Ursache in der Unfertig- feit der deutschen Dinge. Dem Volke versagte, wie noch jedesmal in seiner Geschichte, die Kraft, als gesammelte Gewalt eines einzigen nationalen Willens auszuhalten bis zum Ende. Die Aufgabe der Zukunft stellt sich hiernach in voller Klarheit. Sie gibt der deutschen Jugend ein Ziel des Strebens, wie es größer und herrlicher nicht zu ersinnen wäre, und macht das Leben für jeden gesund gebliebenen Willen zu einer Lust.

Zu schaffen ist das seiner selbst bewußte deutsche Staatsvolk in der Einheit eines sicheren nationalen Willens. Das will sagen: Führer müssen kommen, die das ganze Volk in

der sicheren Richtung der nationalen Selbsterhal­tung und Selbsterhöhung zusammenfasfen. Das deutsche Volk war im ganzen Verlauf seiner Geschichte das Voll des Geistes. Durch Leiden ohnegleichen wurde es immer aufs neue be­fähigt, eber Welt den neuen Lebensgodanken vor­zuleben. Auch da« Leiden der Gegenwart soll der Durchgang zu einem neuen Lebensgedanken sein. Der Gedanke der deutschen Freiheit, der bis jetzt in den Büchern unserer größten Denker und Dichter fteh>, will die Seele des deutschen Lebens werden. Dies bedeutet, daß im Innern b i e n e u e Gesellschaft der wahrhaftigen Men­schenwürde errichtet werde, in der alle Arbei­ter sind, jeder Arbeiter aber zur Erfüllung eine- persönlichen Lebens kommt. Es bedeutet, daß nach außen dieDerantwvrtungfürdasneue Europa auf die Deutschen gelegt ist. Das Europa der Gegenwart lebt nach dem Gesetz von Versailles. Es ist ein Europa der Lüge, der Ungerechtigkeit und des Hasses. Der deutsche Kampf ist der Kampf für die Wahrheit, für das Recht und für die Liebe. Das Reich wahrhaftiger Menschlichkeit kann allein ein Reich des Geistes sein. Deutschland kämpft für ein Reich des Geistes an Stelle des Reichs der plumpen Gewalt. Der höchste Idealismus ist für uns die einzig mögliche Realpolitik. Rie stand eine gleich große Aufgabe vor deutscher Jugend. Es liegt an ihr, daß aus dem Zusammenbruch des Krie­ges und der Rachkriegszeit verdeutsche Auf­erstehungstag werde.

Aber am Dftcrtnge,

da steigt Christ aus dein Grabe, er, der König aller Kaiser.

er. der Vater aller Waisen.

die durch feine Tat erlöst.

In die Hölle bringt ein Schein:

Gnade allen, die der Zorn verstößt!

Wurzeln des Waldes.

Erze des Goldes, Tiefe und ewiger Grund find dir. Herr, kund, ruhn im Rund deiner Hände. Alles himmlische Heer mag dein Lob nicht aussingen bis an ein Ende.

Das religiöse Erlebnis erhält van dem ungeheuren 'Jtarurcrlcbnis erhöhte Gewalt. Bis in des Fahren den unb in des Mönchs Zeit und weiter zurück, wo nach heidnische Götter die Naturübergänge, wie alles Geschehen des Lebens beherrschten, muß man Winter tmb Frühling, Tod und Auferstehung der Natur, in Geist unb Gefühl nehmen, um bis zu den Wurzeln der größten deutschen Öfter- dichtung, des Fauft, hinabzusteigen. Wenn man dieses Hinabreichen des Menschheitswerkes bei der österlichen Lektüre darin sich wieder bewußt wird, erscheint der Faust dem Lesenden plötzlich selbst wie das Herauskommen von Lenzjahrhunderlcn nach Winterjahrhunderten, von Lichtzeiten nach langen nächtlichen Dämmerungen Der große geistige Frühling ist mit Goethe für Deutschland angebrochen.

Innerhalb des Faust liegt natürlich die Früh- lingssonne am leuchtendsten auf dem 0 st e r j pa- 3 i c r g a n g, mit Hoffnung und Gewißheit wär­mend. wenn sie auch des Abends über den kahlen Feldern und Wäldern noch in kalten Dunst finkt:

Verlassen hab' ich Feld und Auen, die eine tiefe Nacht bedeckt, mit ahnungsvollem, heiligem Grauen in uns die bessere Seele weckt.

Entschlafen find nun wilde Triebe mit jedem ungestümen Tun, es reget sich die Menschenliebe, die Liebe Gottes regt sich nun.

Ach. wenn in unsrer engen Zelle die Lampe freundlich wieder brennt, da wird's in unserm Busen Helle, htt Herzen, das sich selber kennt

Deutsche Osterzuversicht.

politische Gedanken zum Osterfest.

Batocki, Wirkt. Geh. Rat, ehem. Oberpräsident der Provinz Ostpreußen.

Don Dr. jur. h. c. T. von

Das Osterfest erweckt auch in der Politik Ge­danken am Aufstieg aus der Tiefe deutscher Rot: an Bef reiung aus der Wirtschaftsnot, die vielen Millionen deutscher Volksgenossen ihre Lebensgrundlage entzieht und droht, unserer Ju­gend die Lebenshoffnung zu zerstören und He in Verzweiflung, sei es zu stumpfem Entsagen, sei es zu sinnlos aufbegehrendem Handeln zu trei­ben; an Befreiung aus der Rot unserer erzwun­genen Wehrlosigkeit inmitten schwer bewaffneter Rachbarn, einer Wehrlosigkeit, die jeder volls- bewußte Deutsche als Verletzung der nationalen Ehre empfinden muß; an endgültige Befreiung von der Tributpflicht, durch deren grundsätzliche Aufrechterhaltung Frankreich uns für Jahrzehnte weiter unter entwürdigendem Druck zu halten bestrebt ist.

Besteht für Deutschland überhaupt H o f f - nunfl auf Wiederaufstieg und auf Befreiung? Ja, die Hoffnung besteht, es liegt aber an uns, ob sie in Erfüllung geht oder nicht!

Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, An deines Volkes Auferstehn.

Laß dielen Glauben dir nicht rauben.

Trotz allem, allem, was geschehn.

Das muß der Wahlspruch der O st e r z u v e r - sicht auf Deutschlands Wiederaufstieg fein, die jeder Deutsche im Herzen tragen soll. Aber sol­cher Glaube darf nicht hemmungslos und leicht­fertig die Dinge lo betrachten, wie er sie gern sehen möchte. Er darf sich nicht selbstzufrieden damit trösten, unsere jetzige Rot läge nur an den Fehlern desSystems", nach welchem seit 1918 regiert sei. und es bedürfe nur eines neuen Regierungssystems unter neuen Führern, um den Wiederaufstieg herbeizuführen und die Befreiung zu bringen. Eine solche Hoffnung kann, wenn sie sich als trügerisch erweist, zu furcht- barer Enttäuschung und zum endgül­tigen Zusammenbruch führen Fichtes Mahnipruch fährt fort:

Und Handeln sollst du so als hinge

Von dir und deinem Tun allein

Die Zukunft ab der deutschen Dinge

Und die Verantwortung wär dein.

3a, dasGefühlern st er. persönlicher Verantwortung für das Schicksal des Vater­landes muß der gläubigen Zukunstshossnung zur Seite treten, wenn diele Erfüllung finden soll. Diese Verantwortung ist heute für jeden Deut­schen groß und schwer. Der Weg zu Deutschlands Ausstieg aus der Tiefe zum Licht ist steil, mühselig, große Opfer heischend und vonGefahren umdroht. Rur höchstes Ver­antwortungsgefühl kann neuen Absturz vermeiden, ein Verantwortungsgefühl, das die Massen nicht in leichtfertigem Vertrauen auf die eigene wunder­tätige Kraft mit Versprechungen lockt, sondern die Schwierigkeiten und Gefahren des Weges klar erkannt und. wenn es fein muß, langsam Schritt für Schrill unter Sorgen und unter Entbehrungen emporführt

Bis 1930 herrschte bei unfern Führern und Geführten nur allzusehr leichtfertiger O p- timismus:Die britische Flotte hat rnte Fah­nen gehißt und verbrüdert sich mit der deut­schen!"Die Feinde sind bereit, uns brüder­lich zu helfen, wenn das deutsche Volk seine Fürsten beseitigt." Die Masse folgte diesen Ver­sprechungen. der Rest unserer Widerstandskraft brach, und Deutschland wurde zur wehrlosen Deute der Feinde.

Dann kam der Ruhrkampf, ein kurzes Ausleuchten geschloffenen deutschen Widerstands­willens und in dieser' Kampfzeit die Wieder­herstellung der Währung durch dasWunder der Renten in ar k". Aber diesesWunder" konnte, das sollte man nicht vergessen, nur da­durch Bestand haben, daß Deutschland sich durch Annahme der Dawesgelehe mit ihren un­tragbaren Tributen, ihrem System von aus­ländischen Aufpafsern in allen wichtigen deutschen Stellen, der Aufrechterhaltung der Rheinbefehnng

und der militärifcben Schnüsselkomnnfsion eine Atempause erkaufte. Ohne das wäre die Rentenmark schnell zusammengebrochen.

Kaum war die Atempause erreicht, da ergriff neuer leichtfertiger Optimismus die Regierenden, die Wirllchaftssuhrer und die Mas­sen Das Gold der Well stromle als Aus l a n d k r e d i t gegen unerschwingliche Zinsen nach Deutschland in immer neuen Milliarden. Die Tribute wurden damit anscheinend glatt gedeckt eine weit über das notwendige Maß hinaus- gehende Einfuhr wurde damit bezahlt, öffentliche Hand und private Wirtschaft überboten sich in durch Kredit finanzierten kostspieligen Anlagen Gehälter. Löhne und Lebenshaltung fliegen weil über das Maß hinaus, das einem bei i egt en und mit Tributen belasteten Volk angemeffen war.

Vier Jahre daraus stand das Deutsche Reich vor der Frage, den Dawesplan beizubehalten oder ihn durch denneuen Tributplan", den V o u n gp l a n zu ersetzen Hestige, mit wenig echtem Verantwortungsgefühl und um so mehr die Tatsachen verhüllenden Schlagworten von beiden Seiten geführte Kämpfe tobten nm diese Frage. Wer Henle mit klaren, durch diese Schlag­worte nicht getrübten Blick auf die Entwicklung zurückschaut, der muß anerkennen, daß unsere Lage heute noch unendlich viel schwerer und hossnungsloser wäre, wenn der Rhein besetzt wäre, und wenn feindliche Auf­passer uns jede Möglichkeit freier Bewegung in dieser Rotzeit rauben würden Keine noch so skrupellose Agitation kann die Tatsache aus der Welt schaffen, daß zur Zeit des Ruhreinbruchs ein Versuch, unter Ablehnung des Dawcsplans die Tribute eigenmächtig zu verweigern, wahr­scheinlich unseren völligen Zusammen­bruch zur Folge gehabt batte, weil das deutsche Volk für einen langen, zähen Widerstand damale­sichtlich noch nicht reif war Keine noch so skrupel­lose Agitation kann auch die Tatsache aus der Well schassen, daß ein System auslän­discher Auspasser heute jeden Versuch durch eigene Kraft aus der Rot herauSzukom- men, verhindern würde, wenn nicht Hin­denburg damals den ihm sicherlich schweren Entschluß zur Unterschrift des VoungplanS ge­faßt hätte.

3n der wenig verantwortungsbewußten Hal­tung der weiter durch Auslandkreditebefruch­teten" öffentlichen und privaten Wirtschaft wie der Bevölkerung brachte der Ersah des DaweS- Plans durch den Boungplan keine Aendernng. Der ohne festes Fundament errichtete Bau un­seres Wirtschaftslebens und unserer Scheinblüte konnte nicht lange bestehen. 3m Winter 1929 30 standen wir vor dem endgültigen Zusaminenbruck) des Systems eines leichtfertigen wirftchaftlichen Opttmismusses aller beteiligten Stellen. Da ent­schloß sich Hindenburg, durchBerusung und weitgehende Bevollmächtigung des Brüiring-Kabinetts das Steuer grundsätzlich aber zugleich mit ver­antwortungsbewußter Vorsicht u m - zukege N. Die langjährigen Forderungen der Rechten: Mehr Macht dem Reichspräsidenten - Beseitigung der Aebermacht des Parlamentär!- mus mit seinem Kuhhandel um Koalitionsregie­rungen wurde weitgehend erfüllt.

Tiber eine durchgreifende Besserung hätte der geschlossenen Kraft des ganzen deutschen Volkes bedurft, und hier zeigt sich daS alte deutsche Hebel, das dem deutschen Volke in seiner Gc schichte schon so oft Unheil gebracht und Hoff­nungen zerstört hat: Parteizerrifsenheit. Parteiüberhebung und Reigung. gläubig aber Welt- und wirklichkeitsfremd 3dealen entgegen- zustreben, statt, wie andere Völker, mit klarem Einblick in die Tatsachen, das Werk der Ret­tung entschlossen und einmütig anzugreifen. Große politische Gruppen, die die wertvollsten Volks- kräste. aber nicht annähernd die Mehrheit des Volkes hinter sich hatten, erklärten:Alles oder nichts!" und standen zwei 3ahre lang schmollend zur Seile, als die anderen, die Mehr­heit. ihnen dasAlles" nicht sofort gewähren wollte. So wurde die Leidenszeit des deutschen Volkes erschwert und verlängert und die Aus­sicht aus Wiederaufstieg getrübt.

Die Reichspräsidentenwahl brachte jenen Gruppen nicht den erhofften Sieg. Deutsch­lands Zukunft und Aufstieg aber, ober lein end­gültiger Riedergang, hängen wefentlich davon ab. inwieweit ihre Führer selbst, neben dem Glau­ben an ihre Mission, der ihnen ruhig erhalten bleiben mag. 'auch Verantwortungsge­fühl beweisen. Ernstes Verantwortungsgefühl legt ihnen die Pflicht auf. endlich, nachdem zwei­jähriges. dem Vaterlande schädliches Beifeite­stehen ihre Hoffnung, dadurch allein zur Macht zu gelangen, in keiner Weife erfüllt hat, f i di endlich zur Mitarbeit mit allen d e - neu. bie guten Willens finb, bereit- 3 u f i n b e n unb enblich damit aufzuhören, allen anderen die nationale Gesinnung und damit die Ehre abzufprechen. Wir Deutfchen sollen une gewiß nicht zu lehr nach ausländischem Vorbild richten; aber das Vorbild, das das englrsche Volk in einer Sorgenzeit, bie- gegenüber unterer Rot ein Kinderspiel ist, an geschlossenem Zu­sammenhalt über alle Parteigrenzen hinaus zu positiver Rettungsarbeit uns bietet, sollte auch bie deutschen politischen Führer zu ernstem Rach- denken veranlassen. Tatsächlich hängtvon deren Tun" in enkscheidendem Maße die Zukunft Deutschlands ab, und dieVerantwortung" ruhi mit aller Schwere auf ihren Schultern Wögc ihr Handeln unb das aller Deutschen überhaupi so sein, daß unsere Osterhossnung auf Wiederauf­stieg Deutschlands aus der Tiefe in Erfüllung geh.