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Nr. 21 Zweiter Blatt

Lausanne wartet.

Son unterem -».Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Lausanne, Ende Januar 1932.

Dird's oder wird's nicht? Das ist die Frage, die Zum mindesten sämtliche (Baryons und natürlich auch die Herren Hotelwirte bewegt. Die eigentlichen Lausanner Bürger aber halten sich zuruck. Sie haben für solche Fälle ein Zwischending zwi­schen einem französischen Ausdruck, den man in guter Gesellschaft nicht sagen darf und die cigent- lichcn Lausanner Bürger sind eine sehr betont gute Gesellschaft! und dem deutschenNu, wenn schon". Es will besagen, baß der richtige Lausanner Surber jedenfalls so tut, als sei es ihm völlig gleichgültig, ob die neue Weltkonserenz unten in Ouchl) am eee tagen wird, oder nicht. Als die Tagung noch gewiß schien, als man schon den Ter min feftpclegt hatte, da wars man sich in tue Brust und erklärte mit Ueberzemiung:Man braucht uns eben! Es ist nicht nur (renf ... Jetzt laßt man die m. gliche Enttäuschung nicht merken, zuckt die Achseln und stellt sich erhaben Aber wenn es wirk­lich nichts wird, dann entladet sich bestimmt alle Wut auf d i e bösen Deutschen Sie sind hier in Lausanne immerunbanallembic'Sdjuh b i g e n gewesen. Am Krieg, am Bolschewismus, an der Weltwirtschaftskrise. Sie haben zwar immer viel Geld nach Lausanne gebracht und bringen es immer noch dorthin. Lor allem Wcstdeutichland liefert alljährlich feinen Tribut an Pensionsgeldern für die Scharen von jungen Mädchen ab, die hier in den unzähligenInstituten für höhere Töchter" erzoaen werden. Aber das ist in den Augen des Welschschweizers nichts als die selbstverständliche Pflicht der Deutschen. Das ändert nicht das ge­ringste daran, daß man Die Deutschen in fei­ner Weise liebt und daß man hier französischer ist als es nur ein Stocksranzose oder gar ein Belgier sein kann.

Lausanne wartet. Man macht sich wohl im allge­meinen einen etwas falschen Begriff von den Lor- bcreitungen, die für eine solche internationale Konferenz im Gastort getroffen werden und getrof­fen werden müssen. Fällt eine solche Tagung in die Saison, so kann es sehr wohl Vorkommen, daß Örts- anwes-nde, die keine Zcitungslcttüre treiben, gar nicht merken, was vorgeht Nur die Hauptgaststätten und selbstverständlich auch die Lergnugungslokale merken den erhöhten Zustrom. Anders ist es schon, wenn, wie es diesmal der Fqll sein sollte, eine solche Konferenz in b i e tote Saison fällt. Dann finb bie Haupthotels geschlossen und dann müssen gerade diese erst wieder instandgesetzt und zur Aufnahme iftuftrcr Gäste bereit gemacht werden. Das erfordert schwierige Vorbereitungen und ganz erhebliche Kosten, zumal, wenn man bedenkt, daß der unent­behrliche Stamm des Dienstpersonals, vor allem die führenden Kellner und Köche während dieser Zeit ihren Wirkungsort nach den fernen Teilen der Welt, nach Aegypten, nach Made'ra und nach den kanari­schen Itnjeln und selbstverständlich in die Winter- spvrtplätze verlegt haben, wo gerade Saison ist. Da aber Lausanne in ewiger Konkurrenz zu G c n s steht, ist es einfach nicht denkbar, daß man sich für einen solchen Fall mit einerzweiten Gar nitur begnügt und den Konferenzteilnehmern nicht den Nachweis zu erbringen versucht, daß man Genf in jeder Beziehung überflügelt.

In der Tat, Lausanne mit seinem am See ge­legenen Stadtteil Ouchy ist ein idealer Konfe- r e n z o r t. Er hat vor Gens nicht nur die Schön­heit der Lage, sondern auch manches andere voraus, vor allem die Kultur, die eine Stadt gewinnen muß, die feit Jahrhunderten ein bevorzugter Kurort reicher Gäste ist und die auch heute noch die be­kannteste E.ziehungsstätte der jungen Mädchen aus aller Welt barstellt. Nimmt man dazu, daß Lau sänne über eine berühmte Universität und über eine hervorragende Handelsschule verfügt, (o rühmt sie sich mit Recht, denVölkerbund der jun­gen Leute" in ihren Mauern zu beherbergen,

Tonfilm:ssorck".

Lichtspielhaus Bahnhofstraße

Dieser Film, künstlerisch eine der reifsten Lei­stungen der neueren Asa-Produktion, knüpft zeit­lich etwa da an, wo derLuise"-Film. den wir vor kurzem hier gesehen haben, abbrach: er schil­dert - die Handlung ist der Geschichte frei nach­gestaltet von Hans Müller jene berühmte preußische Episode aus dem Jahre 1812. die recht eigentlich den Austakt bildete zu den späteren Ereignissen und so aus dem Preußischen ins Europäische und Welthistorische eingegangen ist.

Der Film behandelt die aus allen Schulbüchern bekannte Zusammenkunft in der Poscheruner Mühle und die Konvention von Tauroggen. die den Mittelpunkt und das Kernstück der Fabel bildet, in einer Bilder- und Szenenchronik des preußischen Schicksals vor hundertzwanzig Jahren. Dieses Schicksal der Entscheidung zwischen Frank- reich und Bußland ist in die Hände eines Mannes gelegt, des Generals Vorck. der vom König Fried­rich Wilhelm mit der Führung des preußischen Hilfskorps gegen Rußland betraut und dem Ober­befehl des französischen Marschalls Macdona'd unterstellt wird.

Vorcks Tat führt zum Hebelpunkt. $ur klären­den und befreienden Wendung im verhängnisvoll stockenden Lauf der Ereignisse. Der Film gibt das Dorspiel und den Gipfelpunkt dieser Ent­wicklung: er kann, da er der feststehenden ilebcr- lieserung nicht Gewalt antun will und darf, rein handlungsmäßig, filmdramaturgisch und von auften gesehen, aus der episodisch begrenzten Fabel nicht mehr machen, als da ist. Aber was die Regie von Gustav Tlcicky mit ausmalenden und charakterisierenden Szenen und Bildern um­gibt, ist ja ein ganz innerlicher Dorgang Kamps zwischen Freiheit und Notwendigkeit, zwischen Gehorsam und Willen. zwischen Pflicht und Erkenntnis-... im tiefsten Grunde der alte tragische Konflikt des Kleistschen Prinzen von Homburg, des Prinzen Louis Ferdinand und der -Offiziere" bei Fritz von Unruh. Ein zeitloser, vor gewandelten historischen Kulissen immer wie­der im Hin, und Herzen eines Einzelnen ge­borener und ausgetragener Widerstreit, die ewige, nach Entladung drängende Spannung. Die Sze­nerien wechseln und die Damen. Hier heißt er. Vorck.

Serbienft und Bedeutung der Regie begrün­den sich vor allem in der Besetzung, welche eine

Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesfen)

Dienstag, 26. Januar 1932

während bie Stabt des eigentlichen Völkerbundes als alt^unb grämlich geworben gilt.

Für di« gesamte, aus aller Welt zusammengeströmte Jugend von Lausanne ist es natürlich ein außer- ordentliches Ereignis, daß hier bte neue Repara- tionskonferenz tagen soll, baß man erwarten kann, oon Angesicht zu Angesicht alle die Männer zu er­blicken, bie das Schicksal der Volker bestimmen. Plötzlich ist die Streitfackel der Politik in die jugendliche Gemeinde geworfen, und überall ln? Redeschlachten im Gange, wer auf

dieser Konserenz recht haben wirb und recht be­halten soll. Und eigentümlich! Schon in der Grup ler.bilbung ber Jugend zeichnet sich, sehr zum Er­staunen unb zum Schmer; ber Lausanner, bie ver- anberte weltpolitische Konstellation ab ...

(Einmal ist schon in Lausanne ein Frieden geschlos- len worben, ber Frieden mit ber Türkei cn bem gleichen kleinen Schloß in Ouchy, das jetzt wieder als Konjerenzort dienen loll und das fonft mit feiner schönen Terrasse inmitten der Hafenan- *°9en eines der beliebtesten Restaurants für den 5-Uhr-Tee ist. In den Frühjahrsmonaten bis in den

Sommer hinein promeniert hier, lachend und ichwayend, zwischen brr Anlegestelle ber Dampfer unb ber Terraf'e bie junge Welt, kreischen bie vielen uHitDcn, bie den Rand ber cecs beleben handeln öic trremben mit ben Baatsführern ben Preis für eine Seefahrt aus.

Die Konferenz wird, wenn sie wirklich noch im 3anuar ober zu Anfang bes Februar ftatthnbei, v'chls von bielem heiteren Bilb sehen. Sie wirb u n - ter entlaubten Bäumen tagen unb nach ben Erfahrungen früherer Jahre den Aufenthalt bei Tauwetter, Dunst und Nebel, der die gerühmte Aus­sicht auf bas französische Ufer des Genfer Sees ver­hängt, reichlich ungemütlich finden. Gr:ppe, Husten und Schnupfen, und damit schlechte Laune, werden an der Tagesordnung sein und was mir nicht helfen wollen das Gesicht der Konferenz beftim men. co fröhlich Lausanne unb vor allem das mit wunderbaren Anlagen längs des Sees ausgestattete Ouchy in der Sonne ist, so langweilig unb trüb lann es fein, wenn der Regen rieselt ober wenn der cäfnec schmilzt unb die vom See auffteigenbe Feuch tigfeit trübe Nebelschwaben zusammenballt.

Eine Grenzlandfahrt ins Saargebiet.

Studentische Srenzlandarbeit im Warndt, an der Saar-lothringischen Grenze. Äon Werner Raykowski

3m Zusammenhang mit der Tributkonserenz toirö da- immer noch unbereinigte Saarpro- b l e m erwähnt. Die Rachrichten aus dem Saar- gebiet sind geradezu alarmierend, und der Saar­verein muß diesmal seinem Jahresbericht die Be­merkung voransteUen: .Die Gefahr für die Saar ist größer denn j e. - Dies können Ine 120 Studenten von den westdeutschen Hoch­schulen bestätigen, die an der diesjährigen W e i h n a ch t S f a h r t ins Saargebiet teilgenommen haben.

Die wirtschaftliche Rot im Reich dient der fran­zösischen Propaganda, um im Saargebiet eine Werbetätigkeit gegen die Rückgliederung zu ent­falten. 'DerS a a rbu n d". der aus dem Rhein­land geflüchteten Separatisten und bunt zusammen­gewürfeltem Gesindel aus aller Herren Länder besteht, macht für eine spätere .S e I b st ä n d i g feit des Saargebietcs Stimmung. Die Annexion des Saargebietes hat man am Quai d Orsan als aussichtslos erkannt: daher macht Frankreich große Propaganda für dieFortdauerdes D ö l k e r b u n d s r e g i m e s. Aber die kern- deutsche Bevölkerung an der Saar wird der fran- zösischen Agitation nicht ins Garn gehen und 1935 ihre deutsche Pflicht tun. Frankreich wird trotzdem im Jahre 1935 versuchen, wenig st ens einen Teil des Saargebietes, schon aus Pre­stigegründen, zu bekommen. Da der Dersailler Vertrag eine gemeindeweise Abstimmung nach dem oberschlesischen Muster vorsieht, hält Frankreich keineswegs alles für verloren

Sehr große Gefahr, vielleicht doch von Frank­reich .gewonnen" zu werden, besteht für das Warndtgebiet, ein Waldgebiet im Süd­westen des Saarlandes, das dort wie eine Halb­insel nach Lothringen hineinreicht. Das Warndt­gebiet hat eine Ausdehnung von etwa 15 Kilo­meter in die Länge und Breite. Die männliche Bevölkerung dieses Gebietes arbeitet nahezu aus­schließlich auf den französischen Gruben inßotb- ringen drüben, wo sie vielen Einflüssen aus­gesetzt ist. Da die französische Grubenverwaltung neben dem Recht der unbeschränkten Ausnutzung der saarländischen Gruben aus 15 Jahre das Recht der Gründung französischer Schulen in dem rein deutschen Warndtgebiet hat. so s.eht sie natürlich sehr daraus, baß die Kinder der bei ihr beschäftigten Bergleute nicht in die deutschen, son­dern in französische Schulen gehen. Die Berg­arbeiter haben sehr darunter zu leiden: den Füg­samen winkt Protektion, den Aufrechten Benach-

teilißung und sogar Entlassung Die Grenzbevöl­kerung hat einen steten Kamps gegen die fran­zösische Grubenverwaltung zu führen, um ihr Deutschtum zu erhalten.

Etwa 120 Studenten. Angehörige der DE.- Turnerschoften. des DDSt. an den westdeutschen Hochschulen, sowie Angehörige des Wingolf- dundes, der Gießener und Marburger Burschen- schäften, haben in diesen We hnachtsserien eine F a hrt in das bedrohte Warndtge- b i c t unternommen. Die beiden zuerst genann­ten studentischen Derbände haben im vorigen Jahr Uck) mehrere kleine Grenzdörfer, die Bergarbeiter- siedlungen Raßweiler. Emmersweiler. Karlsdrunn und St. Rikolas, als S ch u h o r t e ausgesucht. Die anderen erwähnten Derbände werden in diesem 3ahr in der Schuyorkarbeit nachfolgen -Während der beiden letzten Semester wurden in den einzelnen Derdindungen Geld und Bücher für die deutschen Schulen der betreuten Orte ge­sammelt. sowohl für die katholischen als auch für bie evangelischen Wer die begeisterte Aus­nahme durch jung und alt miterleben durfte, wer die Begeisterung sah, mit der die Binder das Saar- lied fangen, dessen Schlußftrophe in die Worte ausklingt: .wir wollen niemals Knechte fein", dem wird dieser Festtag in seiner ganzen Schlichtheit unvergeßlich bleiben.

'£er herzliche Dank des Dorfes aber galt nicht nur unseren Gaben allein. Wir Studenten wissen es: er galt vor allem dem Bekenntnis zur Schick­salsverbundenheit der Menschen gleichen Dolks- tums, unserem Willen, diese füllen und einfachen Bergarbeiter im Warndt nicht zu vergessen die sich nicht das höchste Recht eines Volkes nehmen lassen wollen, sich zu dem Dolkstum zu beken­nen, dem sie angehören.

Unsere Fahrt schloß mit einer Schulungs­tagung im Hauptort des Warndtgebietes, der Tcrgarbeitersiedlung Ludweiler, auf der uns Uni- vcrsitäts-Prolessoc Dr. Spahn . M. d R., Der- lin, Dr. Lütke, der Syndikus der Saarbrücker Handelskammer. Dr. Steinacher. Leiterder Zentralstelle für deutsches Auslandbüchere.wZen, Berlin. Beigeordneter S ch m e I z e r . Dorsitzen­der der Deutsch-saarländischen Dolkspartei. aus dem Schatz ihrer reichen Erfahrungen Einblicke in die Geschicke des Saargebietes und des Warndts gewährten. Eine Besichtigung der Röchlingschen Stahlwerke in Dölklingen bildete den eindrucks- volien Abschluß dieser Weihnachtsfahrt.

E:>ke der deuilchen Schauspielerschoft versammelt und auf die geschichtlichen Standorte verteilt. Wer könnte den Vorck heute bei uns spielen, wie ihn Werner Krauß gestaltet, Heldendarsteller ganz großen und eigentlich unvergleichlichen Ranges. Rach dem Hannibal. dem Wallenstein, dem Ra- Poleon. dem Gneisenau (um von manchen an­dern und nicht nur in der Historie erlauchten Fla­men zu schweigen): General Vorck. Er spielt ihn anders, als mancher vielleicht erwartet hat: nicht als den finstern, gewalttätigen Eisenfresser, sondern zunächst einmal viel jugendlicher, verbind­licher. gelassener: er rückt ihn menschlich an uns heran und er betont und formt nicht Io sehr die verbissene und starre Unbcugfamfe.t dieses preußi­schen Offiziers, sondern feine geistige Haltung und seine menschliche Reife, die allein seine Handlung legitimieren können. In den entscheidenden Szenen vor dem König, mit General Kleist, mit den Offizieren seines Korps, mit Macdonald und endlich mit Diebiksch entfaltet sich der ganze, hinreißende Schwung seiner Menschengestaltung.

Gegen ihn, mit ihm. um ihn her ein saft ver­wirrendes Aufgebot schauspielerischer Prominenz. Es gibt nicht viele Filme, die, noch in kleinen und kleinsten Rollen, so stark besetzt sind. Den König macht Forster: er ist ein ausgezeich­neter Schauspieler und er gibt eine ganz per­sönliche Leistung: aber wir finden, daß Gründ- fleni <der den Friedrich Wilhelm im .. Luise" - Film gab und der hier auch als Hardenberg, geschmeidig und hösifch, vortrefflich feinen Mann stellt), dem historischen Dorbild gerechter wurde, als der etwas weiche, ftellenwei'e romantisch und fast ein wenig dekadent erscheinende König, wie Forster ihn zeichnet.

Aus der Fülle bekannter Ramen vor allem Kayßlers wundervoll eindringlich und mar­kant umtifiencr Kleist: Wa ! lburg. etwas überraschend, als General Diebitfch man hätte hier den Komiker kaum erwartet: Grete Mos­heim, allein unter al! den Männern und Uniformen, als Vorcks Tochter Barbara lehr schlicht, sehr preußisch, sehr mädchenhaft, vor­züglich geeignet für diese Rotte: Theodor Loos «Roeder): Raoul Aslan iMacdonald): Walter Janssen (Roailles): Hans Rehmann «Rü­diger): Paul Otto (Ratzmer): Lothar M ü t h e l (Clausewitz).

Der Vorck-FUm war einer der größten Erfolge der letzten Zeit: er dürste auch bet uns feine Anziehungskraft nicht verfehlen. -r-

©er Ruhm als Blume.

Don Goethe bis Hindenburg.

Don Munkepunke.

'Jladybrud verboten.

Diese langen Winterabende ja, sie sind ärmer an gesellschaftlichen Deranstaltungen als sonst. Dafür soll es Frauen und Männer geben, die allmählich ganz etwas Reues entdeckten: die Häuslichkeit. Unb wenn die Sommertage der Pflege und der Freude des blühenden und reifen­den Gartens gehören, so fällt in die Traulichkeit biefer Winterabende die Dorfreude, die aus der Lektüre der neuen Kataloge entsteht, fo uns setzt von allen Grostgärtnereien und Samenzüch- tcreien ins Haus gesandt werden, auf daß wir unsere Auswahl für das Erwachen der Ratur treffen. Unb wenn wir allo statt anderer uns heute versagten, Freuden unsere Liebe für die Blumen neu erwachen fühlen, fo haben an Stelle ber Gattung», und Artbcgritte längst Ramen aus Kunst. Wissenschaft, Geschichte Gestalt ge­nommen. von der wir liebevoll weitersagen wollen.

Im Goethejahr geziemt es sich gewiß, daran zu erinnern, ckah .Wolfgang von Goethe" eine Dahlie ist, und troar eine aprikofenrote Edel- bahlie mit mehr oder weniger gedrehten Blumen­blättern. bie Knolle 0.40 Mk. die es bis zu 1.10 Meter bringt. Etwas .größeren" Ruhm darf da freilich hier Deutschlands zweiter Olympier .Schiller" beanspruchen, der es auf 1.20 Meter bringt und es nicht unter 2 Mk. tut Dafür ward er auch vom Reichsbund mit dem Prädikatlehr gut" ausgezeichnet: und von ihm sagt ein be­kannter Erfurter Katalog. .Die edlen Blumen ftetjen auf festen Stielen und sind von lebhaft karmin-falmroter Farbe, aus der Mitte dunkler leuchtend. Schiller ist eine feingeformtc Sorte für den verwöhntesten Liebhaber" Da kann unter Jubilar Goethe doch nicht gan.; mit; er mag (ich mit dem hell tupferrokanen .KlausGroth" trösten, der .sehr reich und frühblühend" ist. es auf 80 Zentimeter bringt und 0,60 Mk. kostet. Hm bei ben Dahlien zu bleiben, so kommt .Dr. Sven Hedin" mit 1,20 Meter Höhe daher, unb zwar ticfbimfelorangerot als herrlichstrahlige Schau- blume, dieauf langen, drahtigen Stielen hoch über dem dunkelgrünen Laube getragen wirb." -Fürst Bülow" ist eine karminlila Hvbriddahlie, die Blumenblätter mehr flach als gedreht. .Schlagetcr", feurigorangerot. außerordentlich langstielig und reich blühend, nimmt unter den besten roten Dahlien besonderen Rang ein. Unter .Derbun" versteht man etwas sehr Großbttnnige«

Protest der hessischen Land« bürgermeister.

Darmstadt. 25. Jan. iWvR.) Als Pro- t e ft gegen die Bemelfung ihrer D i e n ft b e jüge u;ib al» Protest wegen des R.chtemp'an- ges einer Abordnung bei dem hefttfchen Minister

Innern hatten

bürgermeister heute morgen zu einer außerordentlichen Hauptversamin- I u r. g eingelaben, ber zahlreiche Bürgermeister au» Helfen gefolgt waren Der Vorsitzende. Bür­germeister Alexander. Gonsenheim. gab nach einer kurzen Begrüßungsansprache bekannt, daß weder der hessische Minister L e u s ch n e r . noch ein Vertreter anwesend feien. Es bestehe aber weiter kein Grund zur Beunruh gung. da der Herr Minister am Areitag de m Empfang einer Kommission erklärt habe, es werde in we­sentlichen Punkten eine Abste11ung von Härten erfolgen. Wegen des Richt­empfang» sei erklärt worden, dan vorder aus­drücklich eine Abordnung von nicht mehr a!» 6 bis 8 Herren zugelasfen werben sollte Außerdem fei die Art des DorlprechenS dieser Kommifsion im Ministerium fo gewesen, daß bie Gewährung einer Besprechung unb ein Dmpsang unmöglich ge­wesen seien.

In der außerordentlich regen Aussprache wurde zum Teil recht scharf gegen ben hessischen Innen­minister Stellung genommen. Es würbe ein- gehen!) auf bie schwere Rotlage der Landbürger- meister hingewiesen, deren Gehälter zum Teil un­ter dem der Schreiber und Polizei­beamten lägen und heute geradezu katastrophal seien.

Schließlich wurde angeregt, erneut eine Kommis­sion zur weiteren Besprechung zu dem Dkinifter de» Innern zu senden. Folgende Entschlie­ßung wurde daraufhin einstimmig angenommen

-Die außerordentlich stark besuchte Hauptver- samknlung der hessischen Landbürgermeister bil­ligt die Entschließung, in der der Vorstand ben Herrn Minister des Innern auf die UnHalt­barkeit der Derordniing vom 25. Sep­tember 19 31 für die hessischen Bürgermeister mit Rachdruck hingewiesen hat. Sie bedauert, baß ber Herr Minister des Innern bie Kommission ber Bürgermeister, die die schristlichen Darlegun- gen mündlich ergänzen und vertiefen sollte, nicht empfangen hat Sie erwartet, daß der Vorstand seine Bemühungen fortseht, damit, wie in ber Be­sprechung einigen Kollegen vom Ministerium de» Innern bereits zugesagt würbe, bie H ä r t c n b c r Rotverordnung und die Art ber Ausjuh- rung. bie bie Bürgermeister unter Ortswohnrecht stellt, beseitigt werben. Die Bürgermeister er­suchen den Herrn Minister bes Innern, bie Aui- sichtsbehörben anzuweifen, bis zum Abschluß ber Derhandlungen von ber endgültigen Festsetzung ber Bezüge abzusehen

Der Wetzlarer Kommunalskandal vor den Stadtverordneten.

Ü Wetzlar, 25. Jan. Das Ergebnis der 11 n t er fiHebungen über bi e Amesführung bes freiwillig aus bem Leben geschiebenen 'Bürget Meisters Dr Kühn wirb die Stabloerorbneteri* Beriammlung am Mittwochnachmittag in einer öffentlichen Sitzung beschäftigen. Der vom Stadt Parlament eingesetzte Untersuch ungs A u s |chu^ wirb feinen 'Bericht vorlegen, ber etwa 150 Seiten umfaßt. In einer weiteren Sitzung, bi? am iireitag ftattfinben soll, werben bie Stabtucrorb neten zu ben Feststellungen bes Untersuchung-) Aus fchusfes Stellung nehmen. Wie weiter verlautet, mirb ber schon zweimal vertagte Prozeß gegen zwei st ä b t i s ch e 'Beamte, bie in bie Affäre Kühn verwickelt finb, am 19. unb 20. Februar vor bem hiesigen Gericht verhanbelt werben.

scharlachgelb Geflammtes Lobj vom Farben­reichtum der Dahlien abschließend nur gesagt lein muh: daß uns heute nur noch ein Himmel­blau fehlt. Allen Bemühungen der Züchter ist es bislang nicht gelungen, gerade diese, uns heute so symbolisch anmutenbe Farbe zu erzielen.

Wissen Sie, daßDr. Eckener" zu den Gla­diolen gehört, salmrosa aussieht, im Schlund Heller getönt? Herbert Eulenbergs .Befinde" ist eine ganz neue, rahmgelbe Gladiolentönung. Ihr gegenüber stehlCharles DickenS" purpurvio- leit da.

Roch einmal kehrt .Goethe" wieder, und zwar als Pfingstrose, Paeonie, violeitpurpurn gefüllt. Unter den Flammenblumen <Phlox, konkurriert in roten Tönen .Hauptmann Köhl". dunkettarmm- rot, mitLeo Schlageter", lachsrot.A. Böcklin" ward enzianblau unter die Stauden-Rittersporne versetzt. Es fällt auf, daß unter den vielen köst- lichen Roscnabarten kein einziger bekannter deut­scher Rame. sondern lediglich englische vertreten sind. Ober - kennt jemand vielleicht unter den vielblumigen Zwerg rosen die Damen: Aenncheu Muller oder Erna und Eva Teschenborsf? .Lloyd George" ward als Himbeere verewigt, eine im­mertragende Sorte mit sehr großen dunkelroten Früchten. Eine der größten aller Erdbeersorten heimGeneratteldmarschatt von Hindenburg". Kapitän Weddigens" Andenken wird durch eine lange fleischige, fabenlofe Zucker-Brechbohne ge­ehrt Dom .Grafen Zeppelin" als einer Sommer- forte des Kopfsalates wird gejagt:auch St. Johann genannt, dunkelgrün mit rotbraunem An­flug, wird später als brauner Trotzkopf fertig, bem er gleicht, ben aber an Größe und Haltbar­keit übertrifft."

Domit wir läryjft bie eigentlichen Blumen verlassen hätten. So verlockend sie uns alle mit ruhmreichen Ramen im Bilde aus den Katalogen anblicken, so schnell sie in den flüchtigen Wochen des Sommers verblühen fie sind alle von ewiger Wiederkehr und von leuchtenden Farben, deren Schimmer bereits in diese dunklen Wintertage vorwegfättt.

OochschulnaÄnchten.

Professor Dr. Harald Fuchs in KönigS- b e r g hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der lateinischen Sprache und Literatur an der Llniversität Bafel als Rachfolger von Profettor Kurt Latte zum Wintersemester 1932 33 angenommen.