Ur. 21 Erster Matt
182. Jahrgang
Dienstag. 26. Januar 1952
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Fnebr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Werden die Preise weiter sinken?
Don Or. Earl Alexander von Tvszka, profeffor der Staatswiffenschasten an der Universität Hamburg.
Es albt wohl kaum einen Verbraucher in unserer Wirtschaft — und die Verbraucherschaft ist die große Masse — der nicht von dem neuen Jahre weitere Preissenkungen erwartet. Ist diese Hoffnung begründet oder werden wir Enttäuschungen erleben9 — Die Frage ist wichtig genug, um den Versuch zu wagen, einen Ucberblicf über die mutmaßliche zukünftige Preisgestaltung zu geben, und zwar durch WegenüberftcUung der Faktoren, die auf eine Preissenkung hinzielen mit denen, die die Tendenz haben, die bisherige Preissenkung auszuhalten oder gar eine Erhöhung der Preise zu bewirken. Von den Fak.aren, die hier in Frage kommen, wollen niii zunächst die Maßnahmen des Staates in dieser Hinsicht, die sog. Wirtschaftspolitik betrachten.
'd)l nur bei uns in Deutschland, sondern auch in fast allen übrigen Ländern war die Wirtschaftspolitik bisher in erster Linie Produzenten- freundlich. Das ist auch erklärlich und gerechtfertigt, denn der Produzent ist der Träger des Wirtschaftslebens, sein Wohlergehen bedingt die Erfolge in der Wirtschaft. Deshalb schützte man ihn durch mehr oder weniger hohe Zolle vor der Konkurrenz des Auslandes, subventionierte be dürftige Unternehmungen, erlaubte Kartelle und Preisbindungen, die ausgesprochen den Zweck per folgen, d i c Preise hoch z u halten. Denn hohe Preise galten und gelten immer noch im allgemeinen als ein Zeichen des Wohlergehens der Wirtschaft. Der Konsument wurde demgegenüber mehr oder we niger vernachlässigt, und zwar unter der Begründung, daß ja fast jeder Konsument auf der anderen Seite Produzent fei, und indem man feine Ein nahmen durch Steigerung der Preise und der Löhne erhöhe, stärke man zugleich seine Kaufkraft als Konsument.
Eine solche Wirtschaftspolitik ist bis zu einem gewissen Grade ganz sicher richtig. Aber es gibt auch hier wie in allem Grenzen, ilnb diese sind gerade bei uns in Deutschland, vor allem in den Rachkriegsjahren, weit überschritten worden. War bereits vor dem Kriege unsere Politik produktionSoricntiert. so wurde diese 'Tendenz durch die Inflation in übermäßiger Weise verstärkt In dieser Zeit fortgesetzter Geldentwertung trat durch den Verlauf der Entwicklung das Konsumenteninteresse immer mehr in den Hintergrund. Die Preise fliegen enorm, die Lohne folgten nad); man lebte von der Hand in den Mund, gerechnet wurde kaum mehr, der Pfennig war verachtet.
Die Stabilisierung der Währung konnte wohl mit einem Schlage unsere Geldverhältnisse ändern, nicht aber ebenso schnell die Gesinnung und das wirtschaftliche Denken. Dieses bewegte sich immer noch zum Teil in den Bahnen der Inflation. Der Pfennig blieb nach wie vor wenig geachtet, die Tugend der rechnenden Sparsamkeit hatte einen au argen Stoß erhalten, als daß sie sich schnell hätte erholen können. Aus Erhöhung der Preise und Löhne wurde die ganze Politik abgestellt und die wenigen Warner, die darauf hinwiesen, daß Deutschland im Begriff sei, das teuer st e Land der Erde zu werden, wurden nicht gehört.
Da kam der Umschwung: die sortgesehte Kreditzusuhr vom Ausland, auf deren Basis jene Politik der hohen Preise und Löhne von 1925 bis 1929 ausgebaut war. blieb schon von 1928 an aus. Und damit ergab sich die Unmöglichkeit der Fortsetzung der bisher produktionsorientierten Wirtschaftspolitik. Man sah ein, daß man mit der immer weiteren Erhöhung der Preise und Löhne aus dem falschen Weg war. „Das Ganze halt und kehrt" so lautete von 1930 an die Parole. Lohnabbau und Preissenkung en wurden gefordert. Der Konsument und seine Interessen traten in den Vordergrund Aber es ist leichter, einen begangenen Fehler einzusehen, als ihn wieder gutzumachen. Denn man darf den Einfluß, den staatliche Maßnahmen auf die Preisgestaltung haben, namentlich wenn es sich darum handelt, die Preise zu sanken, nicht überschätzen. Freilich sind in den letzten beiden Jahren d i e Preise der meisten Lebensbedürs- nisse stark zurückgegangen, so, um einige wenige zu nennen: von Ende 1929 bis Ende 1931 Fleisch um 30 bis 40 v. H.. Milch um 20 v. H. Butter um 33 v. H., Margarine um 17 v. H. Gemüse um 15 bis 20 v. H.. Kartoffeln um 18 v. H.. Bekleidung um 25 v. H. Aöer die Preissenkung dieser und anderer Waren ist wohl nicht in erster Linie den Bestrebungen der Wirtschafts- volitik zu danken - wenn ihre Einwirkung auch durchaus nicht verkannt werden soll —, sondern der Tatsache, daß auf dem Weltmärkte die den Äerbrauchsgütern zugrunde liegenden ^tob- t o f f e noch weit mehr im Preise gefallen sind. Die meisten Rohstoffpreise liegen auf dem Weltmarkt gegenwärtig unter dem Borkriegsniveau. Infolgedessen muhten auch im Inland die Preise trotz Zollschutz sinken und nur ein geringer Druck der staatlichen Stellen genügte, um diese Preissenkung auszulösen. DiePreissenkungs- aktionen der Regierung standen also im Einklang mit der natürlichen Entwicklung der Dinge.
Aber wie wird die Zukunft ausiehen? — Auf dem Weltmarkt scheint der Preisfall, jedenfalls der starke Preissturz zum Stillstand gekommen zu sein. Möglich, wohl auch wahr- scheinlich, daß die Preise dort noch etwas nachgeben werden, aber doch nur langsam, schwerlich in große-
Oer Völkerbundsrai tagt in Genf.
Oer Mandschureikonfßki vor dem Rat. — China fordert Sanktionen. — Oer Völkerbund in der Zwickmühle.
Genf, 25. Jan. IWTB.) Die 66. Tagung deS DölkerbundSrates begann heute vormittag 11 Uhr mit einer nichtöffentlichen Sitzung, an die sich unmittelbar daran die erste öffcntlidje Sitzung anschloh. Den Vorsitz der Tagung führt Frankreich. Die französische Regierung hat den Senator Paul-Boncour mit ihrer Vertretung beauftragt. Auf der jetzigen Tagung sind nur wenige Mächte durch Außenminister ober aktive Minister vertreten. Für Großbritannien ist Lord Robert Eecil, für Japan der Gesandte in Brüssel, Sato, für Italien der aus den Flottenverhandlungen bekannte Delegierte, Russo, für Deutschland vorläufig der Gesandte Freiherr von Weizsäkker, Oslo, erschienen. Die heutige Tagesordnung weist nur Punkte von nebensächlicher Bedeutung auf. Das Interesse an der Tagung ist vorläufig nicht sehr groß. Unter den Anwesenden bemerkt man wiederum eine Reihe von DertreternderMin- derheiten, Danzigs und deS Saarge- I> i e t e 6 : bekanntlich enthält die Tagesordnung eine Reihe von Fragen, die sie besonders interessieren.
Die Tagung begann mit einem Vorstoß des chinesischen BertreterS Ben, der verlangte, daß im Hinblick aus die Besetzung Schanghais durch japanische Truppen der Bölkerbundsrat unverzüglich das Dersahren über den japanisch-chinesischen Streitfall von neuem eröffne. Der japanische Vertreter erklärte, noch nicht in der Lage zu sein, zu den einzelnen Punkten der chinefischen Beschwerde Stellung nehmen zu können. Der Bölkerbundsrat beschloß —- entgegen den bereits getroffenen An- Ordnungen — am Rachmittag eine Sizung ausschließlich zur Behandlung des japanifch-chine- sischen Konfliktes einzuberufen.
Der vorsihende, paul-Boncour, gab zunächst einen kurzen Mebcrblitf über die bisherige Tätigkeit des Völkerbundsrates in dieser Frage. Der Vertreter Chinas, Yen, stellte in außerordentlich scharfen Formulierungen fest, daß einem ungeheuer großen Aufwand von Bemühungen des Völkerbundes ein völlig negatives Ergebnis gegenüberflehe. Die Entschließungen des Rates hätten als Grundlage das feierliche versprechen Japans, seine Truppen sobald als möglich zurückzuziehen, gehabt. Dieses versprechen sei gebrochen worden. Die Erwartung, daß die Situation sich nicht verschlimmere, sei durch die japanische Gewaltpolitik, die sich zum Fiele gesetzt habe, die Mandschurei zu annektieren. überholt worden. China müsse jetzt freimütig erklären, daß die Rotwendigkeil immer größer werde, alle Mittel und Rechte zu erschöpfen und unter Umständen andere Artikel als Artikel 11 des Paktes anzuru- fen, um dem fionflift ein Ende zu machen.
Der Vertreter Japans Sato erwiderte, daß der Bölkerbundsrat das Ergebnis der Untersuchungen der von ihm ernannten Untersuchungskommission abto arten ioilc, um dann erneut die Lage zu prüfen. Die stundenlange Aussprache konnte angesichts der unüberbrücksichen Gegensätze zwischen der japanischen und chinesischen Regierung nicht abgeschlossen
werden. Sie wird am Dienstagvormittag fort- gesetzt. Der chinesische Gesandte Ben wies die langen Ausführungen des japanischen Botschafters mit dem Hinweis zurück, daß das Bandenwesen erst nach dem japanischenE in- marsch entstanden fei. Die Mächte ständen vor der Tatsache, daß China jetzt zum dritten Male in 18 Jahren eine japanische Invasion erlitten habe In der Geheimfitzung des Bölker- bundsratS ist, wie verlautet, der chinesischen Regierung mitgeteilt worden, daß im Völker- bundsrat keinerlei Mehrheit für daS Eingreifen anderer Mittel, insbesondere von Sanktirnsmaßnahmen ^Artikel 15 und 16 gegen Japan vorhanden sei. Der Konslikt müsse weiter aus der gegenwärtigen
Grundl a g c behandelt werden. Der Vorsitzende Paul-Boncour wie» in seinem Schlußwort auf die Ereignisse in Schang - h a i hin. die er als äuherst e t n st bezeichnete. Er richtete an den chinesischen und den japanischen Vertreter den Avpell, sich sofort mit ihren Regierungen in Verbindung zu setzen, damit diesen Ereignissen in Schanghai Einhalt geboten werde
Rücktritt
des chinesischen Ministerpräsidenten.
Banking, 25. Jan. IWTB.) Der zur Zeit in Schanghai weilende chinesische Ministerpräsident Sunfo ist zurückgetreten, weil die Re
Neuer Vorschlag Englands.
Am 30. Juni Reparationökonserenz. — Wenig Geneigtheit in Paris.
Paris, 26. Jan. (IDIB. Funkspruch.) Der britische Botschafter Lord Tyrrell halte eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsident.n und dem Finanzminister Jlanbin. Der Malin berichtet. Lord Tyrrel habe Laval einen Texten!- wurs vorgelegt, der von dem englischen Schahamtsdelegierten Leith-Roß ausgcarbeitet worden sei. Dieser Entwurf lasse sich wie folgt zusammen- sassen: Die Vertreter Groß-Britanniens schlagen, unter bezug aus die Umstände, die die Verschiebung der Lausanner Konferenz heroorgerusen hätten, den interessierten Regierungen vor, am 3 0. Juni mit Deutschland Verhandlungen aufzunehmen. Sie hofften, daß bis dahin die MSHrungs- und Wirtschaftslage sich genügend weiter entwickelt haben werde, um nützliche Verhandlungen zu erlangen.
„Echo de Paris" will in der Lage fein, über die englische und die französische Stellungnahme während der gestrigen Verhandlungen miffeilen zu können, die Angelegenheit sei keinen Schritt vorwärts gekommen. Lnglischerseits halte man an dem verlangen fest, daß die Reparalionskonse- renz im Mai ober Juni zusammenlrete unb eine Regelung vornehme, bie sich minbeftens auf eine Reihe von Jahren erstrecke, was bie Art biefer Regelung anbetreffe, fo genüge es, zu tagen, baß sie ein absolutes Moratorium, d. h. bie Unterbrechung aller beutschen Zahlungen, umfassen solle, auch ber, die das gegenwärtig in Kraft befindliche Hoooermoralorium habe bestehen taffen.
wahrscheinlich feien weder Laval noch Jlanbin geneigt, biefen plan anzu - nehmen, ber in ber Praxis bie einfache B e - f e i t i g u n g ber deutschen Reparationen bedeuten würde, ohne Rücksicht auf das, was bie vereinigten Staaten hinsichtlich ber Kriegsschulben tun ober nicht tun würden. Die Grenze von dem, was Frankreich zugestehen könne, fei in einer Erneuerung des Hoover-Moratoriums, einschließlich der darin enthaltenen Sicherungsbestimmun
gen für einen Zeitraum vom 1. Juli 1932 bis 1. Juli 1933 zu erblicken. Außerdem dürfe nach französischer Ansicht die Reparationskonferenz im Mai oder 3uni die Zukunft nicht über den Zeitpunkt von zwei Jahren vorwegnehm e n. wenn London wünsche, daß sich diese Konferenz mit etwas anderem als ber Ciquiblerung eines Moratoriums für ein ober zwei Jahre beschäftigen solle, bann mühten außer ber Repara- tionssrage noch anbere finanzielle unb rolrt- fchasttiche Probleme auf bie lagesorbnung ber Konferenz gefetzt werben.
Eine neutrale Rechnung.
Tcutfchlaud hat bereits mehr bezahlt, alber Wiederaufbau kostete.
Genf. 23. 3an. (TU.) In einem viel bemerkten Artikel führt der Außenpolitiker des „3our- nal de Genevc". William Martin, den Rach- weis. daß Deutschland an Tributzahlungen bereits weit mehr gezahlt hat. als die für den Wiederaufbau der im Weltkrieg zerstörten Gebiete verwendete Summe beträgt. Während die Reparationskommission die gesamten deutschen Zahlungen auf etwa 20 Milliarden Gold- mark schätzte, habe das amerikanische Institute os Eeonomists auf Grund eingehender Prüfungen die Höhe der deutschen Tribut Zahlungen auf 38,5 Milliarden Goldmark berechnet Rach deutschen Angaben habe Deutschland jedoch bereits etwa 68 Milliarden Goldmark an Tributzahlungen ausgebrach t.William Martin betont, daß Deutschland unbestreitbar bereits 135 Milliarden französische Franken an Tributen geleistet habe, während nach französischen Schätzungen die Kosten derW jeder- herstellung der zerstörten Gebiete 100 Milliarden französische Fran- k e n betragen haben Wenn die deutschen Tributzahlungen lediglich für die Reparationen verwendet worden wären, a n ft a 11 für alle möglichen anderen Zwecke, so wäre der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs und Belgiens schon lange durch die deutschen Zahlungen vollständig gedeckt.
rein Maße. Ist da überhaupt die Möglichkeit gegeben, daß sie sich bei uns in Deutschland noch senken? — Ich wage diese Frage zu bejahen und zu behaupten, daß unsere Preise nicht nur noch weiter sinken können, sondern auch sinken müssen. Und zwar aus mehreren Gründen. Zunächst hat Deutschland das Weltmarktpreisniveau nochlange nicht erreicht. Es gibt kaum einen Rohstoff- Preis, der in Deutschland nicht höher wäre als aus dem Weltmarkt. So liegen z. B die deutschen Getreidepreise um etwa 150 v. H. über dem Weltmarkt, die Fleischpreise um zirka 20 v. H., die Zuckerpreise um zirka 30 o. H. usw. Freilich liegt die Ursache zum wesentlichsten Teil in dem Zo 11 fchutz, den die Produzenten nicht zu vertreten haben, und den Zu ermäßigen Sache der Wirtschaftspolitik wäre. Jedenfalls find aber hier durchaus Möglichkeiten der Preissenkung vorhanden, und es ist Sache der deutschen Wirtschaft diese voll auszunutzen. An zu hohen Rohstoffpreisen könnte jedenfalls eine Preisfenkungs- aktion nicht fcheitern.
Einen zweiten Grund sehe ich in den auch heute noch verhältnismäßig hohen P r c i s f p a n n e n , die von den meisten Produzenten berechnet werden Das soll fein Vorwurf fein, sondern nur die Feststellung einer Tatsache, die sich daraus erklärt, daß wir immer noch das unselige Erbe der Inflation, von dem ich oben sprach, mit uns herumtragen. Wie bekannt, sieht es der neuernannte Preiskommissar als eine seiner vornehmsten Ausgaben an, die Preisspannen in den einzelnen Gewerben zu senken. Zu diesem Zweck handelt er, unter Zugrundelegung ge nauefter ftalfulationsmeüjoöen mit den einzelnen gewerblichen Organisationen unter Mitwirkung der Behörden, um die Gewerbetreibenden freiwillig zur Herabsetzung der Preisspannen und damit der Preise der Waren zu veranlassen. Es ist zu hoffen, daß die gesunde Einsicht der Produzenten, daß heute nicht mehr durch hohen Stückgewinn, sondern nur allein nodj durchgroßenUmsatzein Verdienst erzielt
werden kann, den Bestrebungen des Preiskommissars zum Erfolg helfen wird Wirtschaftlich möglich ist jedenfalls, wie die Berechnungen des Preiskommi! sars dartun, eine Senkung der Preisspannen in den meisten Gewerben
Einen dritten Grund fehe ich in den von Mitte 1931 ab erfolgten und besonders in der Dezcmber- Rotvrrordnung vorge'ehenen Lohnsenkungen. Es ist bekannt, daß die vielfach verhältnismäßig hohen Löhne der Jahre 1927 bis 1929 d e Preise heraufgefchrmibt haben, da sie die Produktionskosten erhöht haben. Der Lohnanteil an den Kosten ist -war in den einzelnen Gewerben ein verschiedener, aber gerade in den Gebrauchsgütern. auf deren Senkung es ankommt, ein rcajt hoher. Mit der Herabfetzung der Löhne ermäßigten sich somit die Produktionskosten und in- folgedeffen kann und muh der Preis niedriger werden. Hier liegt die mnerc Berechtigung der Anordnung der Preisherabsetzung der Grundstoffe (Kohle. Eisen ulw > und der gebundenen Preise wie auch der obenerwähnten Bestrebungen der Preisfpannenfenkung
Einen vierten Grund erblicke ich in der durch die Gehalts- und Lohnsenkungen wie durch den Rückgang der Einkommen überhaupt herbei- geführten Minderung der Kaufkraft. Sämtliche Preise haben ihre obere Grenze in der Kaufkraft der Bevölkerung. In dem Maße wie diele finkt, muh versucht werden, durch Preisnachlässe die Kaufkraft zu heben, um den ilmfatj zu steigern. Ein armes Land, tote unser Deutschland, muh billig fein; ..muh" in doppelter Bedeutung, einmal als ethische Forderung, zum andern aber, weil nut durch ..Billigkeit' der Dorf all der Kaufkraft aufgehoben werden kann.
Ein weiterer Faktor, der das allgemeine Preisniveau senken würde, wäre die Herabsetzung sämtlicher Gebühren, die der öffentlichen
Verwaltung wie besonders auch der halböffentlichen Versorgungs und Verkehrsbetriebe: Herabsetzung der Gas - und Elektrizitäts- gebühren, der Straßenbahn-, Eisenbahn und Pofttarife. Hier siegt ein weiteres dankbares Arbeitsfeld für den neuen Preiskommis- ior. Und auf diesen Gebieten ist er auch in der Lage diktatorisch vorzugehen, da es sich hier um öffentliche oder halböffentliche Betriebe handelt, die gezwungen werden können, wenn die Einsicht versagt, wahrend eine Preisdiktatur in der Privat- wirtschast stets ihre sehr bedenklichen Seiten hat. Eine weitere Möglichkeit der Senkung des Preisniveaus wäre in einer zweckmäßigen Beaufsich - tigung der Kartelle und ihrer Preis- p o 1 i t i k zu erblicken, und es läßt sich nicht leugnen, daß die kartellmäßig gebundenen Preise immer noch verhältnismäßig hoher als die freien Preise liegen.
Diesen Tendenzen, die auf eine Ermäßigung der Preise hinwirken, stehen freilich Faktoren, die a u f das Gegenteil hinzielcn, gegenüber. Vor allem Zwei: die außerordentliche Steuerlast, die immer größer geworden ist, besonders auch jetzt wieder durch die Erhöhung der Umsatzsteuer und die großen ebenfalls fortgesetzt gestiegenen i o z i a I e n Lasten. Aber dies muß mit in den Kauf genommen und bezwungen werden, denn es bleibt uns kein anderer Weg zur lleberroinbung der schweren Wirtschaftskrise, der großen 'Jlot und des Elends als weitere Verbilligung sämtlicher Der- brauchsgüter. Nur dadurch allein können mir wieder Arbeit und Brot schaffen, und durch Ausfuhr uns die lebensnotwendigen Waren, die uns fehlen, besorgen. Wer aber ausführen will, muß billig auf dem Weltmarkt anbieten. Es ist kein rosiger Weg, sondern ein Dornenpfad, den wir gehen müssen und Schmälerung unserer Einkommen, gleich ob es aus Lohn, Gehalt oder selbständiger Arbeit fließt, bezeichnen ihn. Aber an seinem Ende steht die Aus- sicht auf eine bessere Zukunft


