Ausgabe 
25.11.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupistadi.

Der Hilssverein für die Geisteskranken in Dessen im Rechnungsjahr 1931.

Der Larstaad des Hilfsoereins für die Geistes- franfen in Hessen gab jetzt den Bericht über die Tätigkeit des Dereins im Rechnungsjahr 1931 her­aus. Der Verein hat sich auch im Berichtsjahre ivieder eine eingehende 21 ufflärung »arbeit ange« trflrn sei>< lassen. Die Wanderausstellung für Ge> lunbteitepfkae und sozial« Fürsorge, die in jung, fter Zeit in vderhcssen die Runde machte, hat durch belehrende» Material au« dem Bediele der ner- oosen Krankheiten eine Erweiterung erfahren. In den Flugblättern, di« wahrend ter Au», slellung verbreitet wurden, schuf man Auf­klärung und Belehrung über geistige (JErtran- kungen. Dtr Bericht besaht sich in weiteren 21 ue- führungen mit der Notwendigkeit und dem ständig steigenden Ausmaft der Auftensürsorye, da häufig genug au» wirtschaftlichen Schwierigkeiten heran» Frühentlassung erfolgen muff. In solchen Fällen wird dann immer wieder auf den Hilfsverein zu* rütfgtgriffen.

Die Arbeit des Hilfsvereins wurde dadurch er. schwert, daß die Einnahmen ein« wesentliche Ber. rtngerung erfuhren. Nach dem Abschluß betrugen die (kinnahmen insgesamt 51 710,74 Mark, die Äe- jomtau9geben 50 631,68 Mark, so daß ein barer Ueterschutz von 4079,06 Mark verblieb. An Epen, den und Beiträgen gingen folgende Summen ein: Au» der Provinz V b e r h e s s e n von 091 (Sto­bern 4710,69 Mark und von 51 öffentlichen Kassen 490 Mark. 3n der Provinz Starkenburg rour- den von 10 906 Gebern 4536,80 Mark und von 66 Kassen 907 Mark gesammelt In Rheinhessen wurden von 3645 Gebern 1601,53 Mark und von 36 Kassen 473 Mark aufgebracht. In ganz Hes» s e n wurden demnach von inrgesamt 30 642 Gebern 10 849,02 Mark und von 153 Kassen 1870 Mark, zu­sammen also 12 719,02 Mark gegeben.

Die einzelnen Kreise der Provinz vberhesscn sind an dieser Summe mit folgen- den Beträgen beteiligt: Mrei» Gießen 5679 Geber = 1837,39 Mark, 11 Kassen = 149 Mark: Kreis Alsfeld: 2012 Geber - 479,21 Mark, 1 Kaffe = 30 Mark: Kreis Büdingen: 2294 Geber = 560,70 Mark, 11 Kaffen = 99 Mark: Kreis Friedberg: 3386 Geber - 1136,37 Mark, 18 Kaffen = 163 Mark, Kreis Lauterbach: 1473 Geber - 382 45 Mark, 2 Kaffen 7 Mark , Kreis Schotten: 1248 Geber = 294,57 Mark, 8 Kassen = 42 Mark. Insgesamt wurden also in Oberhessen 5200,69 Mark ge­geben.

Zu den genannten Beträgen kommen noch die Summe von 16 688,95 Mark an Pfkcgcgeldbeiträgen, ferner 1500 Mark der Georg Ludwig Gedächtnis- fpende aus der Staatskasse und 18,58 Mark aus dem Gabenkasten der Landes-Heil- undPfkegeanstalt Heppenheim.

^oruofiicn.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als 8. Vorstellung im Freitag-Abonnement heute 20 übt Wieder­holung de» SchauspielsHeber unsere Kraft" von 'Körnten. Spielleitung Wolfgang Kühne. Gewöhnliche Preise. Ende 22 15 iUbr. Der Fest­tag zur Feier des 25jährigen Jubiläums des S ad lbcalers Gießen ist Sonntag, 27. November. Ein besonders ausgesuchtes Programm soll dem Tage eine dem Ernst der Zeit entsprechende Wür- d gung vc.schafsen. Um 11 älhr findet im Stadt- tt 'ot 'v eine Jubiläums-Festvvrstellung statt, aus- gcführt Dom gesamten Ensemble des Siadttheaters untcr Leitung teS Intendanten. Das Programm sieht neben Ansprachen von Oberbürgermeister Dr.

Keller und von Intendant Dr. P r a s ch einen Querschnitt durch unsere bekanntesten und be­deutendsten Aufführungen in Form einer Szenen­folge vor. Umrahmt werden die Darbietungen von Orchestervorträgen des Orchestervereins Die­sen unter der musikalischen Leitung von Uni* versitätSmusildirektor Dr. Temesvary. Ende der Fest-Dorstellung nach 13 llhr. Um 18.30 Uhr kommt die erfolgreiche OperetteDie Toni auS Wien" von Stefsan (Leitung: Intendant. Moehl, Bäulke) als FremdenvorsteUung zu er­mäßigten Operettenpreisen zum letztenmal zur Ausführung. Schülerkarten haben Gültigkeit! Ende 21 Uhr. Unter der künstlerischen Leitung und Ansage von Wolfgang Kühne wird um 22 Uhr die mit grobem Beifall aufgenommene Neuheit deSNacht-Kabarett" mit gänzlich neuem Pro­gramm wiederholt. Kapellmeister W o e h r leitet das verstärkte Iazz-Band-Orchester. Ballett- meister Ewald ulke leitet den choreogra­phischen Teil des umfangreichen BuntprogrammS. Danz kleine Preise! Ende 24 Uhr.

Hawaii, das Parodie, der Süd- s e e." Der Kulturfilm de» vergangenen Sonntag» führte in die heroischste Landschaft des Erdballs. Der Kulturfilm de» kommenden Sonntags wird die lieblichste Landschaft, die Südseeinsel Hawaii, im Filmbild, Wort und Lied schildern. Ein« Besonder» heit geht dem Film voraus: Pater Linnemann wird über Hawaii und hawaiionische Volksmusik sprechen und mit klangvoller Stimme* Volkslieder der Eingeborenen in deren Sprache Horen lassen. Der Film, der im (Segensatz zu verschiedenen ähn­lichen Werken dis Handlung diesmal völlig fehlen läftt, schildert die Welt der Sudseeinseln, wie sie die Kamera, geführt durch einen verständnisvollen Photographen, in Bildern von künstlerischer Wir- kung durch da» Objektiv unbestechlich in sich aus- nimmt. Man wird die Eingeborenen tennenlernen, sie bei ihrem kunstvollen Sport beobachten, im Geiste unter Palmenallcen wandeln, man wird in die Bergwelt der vulkanischen Insel und an die Ufer des Feuersees, voll der brodelnden Lavamassen» ge­führt werden, um sich an Dantes Inferno in der Göttlichen Komödie" zu erinnern, das hier Wirk­lichkeit wurde. Zur Todesinsel Molokai, zur Insel der Aussätzigen, führt der Film gleichfalls und lötzt einen Blick kn tiefstes Menschenelend tun. Der Kul­turfilm wird am Sonntagvormittag im Lichtspiel- Haus, Bahnhofstraße, zur üblichen Zeit gezeigt. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich.

Der Reichsbund der Kinderrei­chen veranstaltet am nächsten Sonntag 15 ä.lhr im Saale desAquarium" eine Werbeversamm- lung. Voraussichtlich- wird der Vorsitzende des RrichSbuntes, Herr K o n r a d - Düsseldorf, über Ziele und Zweck des Reichsbundes sprechen. Der seit 1919 bestehende Bund bezweckt so schreibt man uns. die materielle Förderung der kinder­reichen Familie und sucht deren Ansehen zu he- ten. Leider ist es Tatsache, daff die Rot. die heute weite Vol.'skreise betrifft, sich in den kin­derreichen Familien besonders stark auswirkt. Der Reichsbund der Kinderreichen versucht, auf dem Wege über die Gesetzgebung dieser Rot zu tteuern, indem er Erziehungsbeihilfen, sowie die Schaffung besserer Wohnungsverhältnisse für die kinderreichen Familien erstrebt. Vieles ist schon von dem Reichsbund aus getan worden, noch mehr bleibt aber zur Steuer der Familiennot zu tun, und nur eine starke Organisation kann hier etwas erreichen. Ein gewisser Einslust auf die Reichsregierung und die Parteien ist bereits er­reicht. so dost aller Voraussicht noch mit der Verwirklichung eines Teiles der Ziele des Reichs-

Der Steuergu schein kein Zahlungsmittel.

Don unserer 'Dedtner Redaktion.

Ter sogenannte Steuergutschein-Aus- schuft, der aus prominenten Vertretern der Wirtschaft gebildet worden ist, um über die Unterbringung der Steuerguts.^eine Dorschläge zu machen und Beschlüsie zu fassen, hat darüber der ten, ob eS möglich wäre, die Steuergut­scheine als Zahlungsmittel in Umlauf zu bringen. AngdiHtS der begrenzten Umlaufzeit hätte eS nahe gelegen, den Steuerguischein ge- wissermaften zu einem Zahlungsmittel im Groft verkehr zu machen. Tann hätten z. B. die Unternehmungen beim Einkauf inländischer Rohstoffe oder Materialien ihre Lieferanten mit Steucrautscheinen bezahlen können. Man hätte dann freilich auch einen Annahme- w a n g für einen beschränkten Verkehr schaffen müssen. Der Ausschuh, der unter Vorsitz deS Reichsbank­präsidenten Dr. Luther tagie, hat zwar end­gültige Beschlüsse noch nicht gefaßt, aber er hat sich sehr entschieden gegen eine Verwendung der Steuergutscheine als Zahlungsmittel ausgesprochen. Begründet wurde das vor allem damit, daft der 'Steuergutschein ein reines Kreditinstrument sei und daft deshalb seine Verwendung als Zahlungsmittel nicht erwünscht sein könne. In ruhigen Zeiten sind allerdings gekegentlich auch Kreditpapiere als Zahlungs­mittel behandelt worden. Es sei nur daran er­innert, daft z. B. die Zinscoupons der Pfand­briefe öffentlicher Kreditinstitute in der Vor­kriegszeit vielfach von Hand zu Hand wanderten und so g-radezu als Zahlungsmittel dienten. In unsicheren Zeiten bestehen hiergegen aber schwere Bedenken. Tie Emissionen der Steuergutscheine werden sich auf 1,5 bl« 2,25 Milliarden Mark belaufen, wovon nur der kleinere Teil bei der Reichsbahn, oder bei anderen Erstbesitzern ver­bleiben wird. Eine so umfangreiche unkontrollierte Vermehrung des Zahlungsmittelumlaufs körnte, wenn etwa einmal der ö sentliche Kredit durch irgendwelche Eretgnifse erschüttert würde, zu einer erheblichen Gefährdung der Währung führen.

Durch den Beschluß der Steuergutschcin-Ausschus- ses, eine Benutzung der Scheine al» Zahlungsmittel grundsätzlich abzulehnen, wird aber zu­gleich auch der von den Anhängern einer unge­deckten Ausweitung des Reichsbank­kredits häufig vorgebracht»n Behauptung, daß die Emission der Stcuergutjcheine ja bereits eine Bcrmehrung des Zahlungsmittelumlaufs bedeute, der Boden entzogen. Denn wenn die Rnchsbank und die übrigen verantwortlichen Stellen eine direkte Verwendung der Steuergutscheine ,zu Zah- lungszwecken strikt ablehnen, so werden sie selbst­verständlich auch eine indirekte Verwendung auf dem Umwege über eine Lombardierung der Steuergutscheine verhindern, sobald daraus eine un­kontrollierbare Erweiterung des Zahlungsmittclum- lauf» entstehen könnte. Währungspolitisch« Theo­

retiker, die Anhänger einer ungedeckten Notenver- Mehrung sind, haben behauptet, daß es der Reichs­bank gar nicht möglich fei, die zur Lombardierung von etwa 1,5 Milliarden Mark Stcuergutscheinen erforderlichen Zahlungsmitteln im Rahmen ihrer heutigen (stold- und Devisendeckung auszugcben, daft sie alte den Zahlungsm ttelumlauf zu erwei­tern gezwungen fein werde. Hierauf wird erwidert, daß ja die 1,5 Milliarden Mark und mehr Steuer- gutscheine nicht auf einmal, sondern höchstens im Laufe eines Jahres emittiert werden sollen, daft also zu ihrer Lombardierung ein sehr viel a e ringerer Betrag an Zahlungsm tteln eiior- derlich fein würde, selbst wenn sie beabsichtigt wäre. Ferner bat die Reichsbank, die den Steuergut­schein soeben ausdrücklich als ein Ärebitin- ft r u m e n t bezeichnet yat, niemals daran gedacht, nun diese» Kreditpapier im Umfange feiner ® e - famtemiffion felbft zu lombardieren. Die Ausgabe der Steuergutscheine ist im Grunde ge­nommen nichts anderes als eine Reichsan­te i h e , die in diesem Falle noch eine besondere Sicherheit in Gestalt der Verpfändung künf­tiger Steuereingänge erhalten hat. Wenn das Reich eine Anleihe auflegt, so ist es natürlich nicht bereit, nun diese Anleihe sofort wieder durch die Reichsbank lombardieren zu (affen, denn dann wäre ja die ganz« Anleihe-Em'ssion im G-unde ge­nommen zwecklos und das Reich könnte sich lieber unm ttelbar von der Reichsbank einen entsprechen­den Kredit einräumen lassen.

E» ist also selbstverständlich, daft der weitaus überwiegende Teil der Steuergutscheine fest un­tergebracht werden soll und muff. Ein großer Teil von ihnen wird von der Industrie zur A n - läge ihrer Reserven benützt werden. Ein an­derer Teil wird dazu dienen, der Industrie Kredit zu beschaffen, sei cs bei den Lieferanten, oder bei den privaten Banken. Auch die letzteren werden dann keineswegs die zur Kreditsicherung bei ihnen hinterlegten eteuergutfdjeine sämtlich bei der Reichsbank lombardieren, sondern sie werden sie ebenfalls als gute Anlage ihrer Einlagen und auch ihr«» eigenen Vermögens betrachten. Rur im Notfälle werden sie die Steuergutschein« als Unter­lage für eine Geldbeschaffung bei der Reichsbank verpfänden. Wieder ein anderer Teil der Steuer­gutscheine wird an der Börse placiert werden und lo den Sparern oder Kapitalbesitzern als A n - lagepapier dienen. Es bedeutet daher eine Ver­kennung des Wesens der Steuergutjcheine, wenn man sie als Zahlungsmittel, ober als ein Instru­ment zur Vermehrung de» Zahlungsmittolum'aufs ansieht. Sie sind nichis anderes als ein neu ge­schaffenes Rentenpapier, und di« gegen­wärtige Derfaffung des deutschen Rentenmarkter zeigt deutlich, daft man sein« Aufnahmefähigkeit für eine derartige, durch künftige Steuereingänge gut gesicherte Anleihe des Reiches nicht überschätzt hat.

ftundes gerechnet werden kann. Die Eltern kin­derreicher Familien haben Gelegenheit, am Sonn­tag einen Redner zu hören, der mit der Materie eng vertraut ist. Interessenten seien auf die heutige Anzeige aufmerksam gemacht.

* Iheaterausstellung. Aus Anlatz der Feier der 25jähr.gen Spielzeit des Stadttdeater» Gieftcn hat die Intendanz in den Wandclgängen und im Foyer eine reichhaltige Ausstellung zu- temmcngefteQt. die an Hand einer ganzen Reihe von Bühnenbildmotiven, alten Theaterzetteln und anderen Theater-Ausstellungsgegenständen einen Ueberdlick über das Theater überhaupt, im spe­ziellen jedoch über di« Arbeit de» Gietzener Thea- ter» bieten soll. Die Ausstelluna wird am Sonn­tag, anläßlich de» Festaktes, eröffnet werden.

Trichinenfunde bei Füchsen. Von der Verwaltung deS städtischen Schlachthofes wird uns mitgeteilt: 3m Laute eines IahreS wurden aus Iägerkreifen elf Füchse und zwei Dächfe xur Unterfuchuna auf Trichinen an den städtischen Schlachtbof Tieften eingesandt. Hiervon waren Jb>ei Füchse mit lebcnben Trichinen behaftet. Wären die Kerne dieser Tiere oberflächlich ver­scharrt, oder achtlos weaaeworsen worden, so hätten sich andere sleischfressende Tiere, besonders Ratten und Mäuse, infizieren können. Die Heber- tragung auf Schweine und damit auf den Men­schen durch Fleisch von nichtunterfuchungSpslich- tigrn Hausschlachtungen wäre auf diese Weise möglich gewesen. Der erste Fuchs war in der Gemarkung Rödgen, der zweite in der Gemarkung Gieften erlegt worden. Diese Funde und die Fest­stellung von Trichinen bei Schweinen in Darm­stadt und Arheilgen sollten auch für diejenigen eine Warnung fein, welche seither gewohnt waren.

ihre HauSschlachtunacn nicht untersuchen zu lassen. Die weiter« (Sinfenoun^ von erlegtem Raubwild in den Schlachthof Gieften ist erwünscht.

Der Vogelsberg im Rundfunk. Am kommenden Mittwoch, 30. Rovember, von 10.10 bis 10.40 Uhr. wird durch den Südwestdeutschen Rund­funk in Frankfurt als Schulfunkdarbietung über die Deutsche Welle einHeimatbild aus dein Vogels­berg" unter der Leitung von Paul Laven gegeben. Unsere Leser seien aus diese Darbietung besonders aufmerksam gemacht.

fteuer im Hessischen LondeStbeaier.

Darmstadt, 24. Rvv. (WSR.) Infolge eine» Kurzschlüsse», dessen Ursache noch nochge- prüft wird, entstand heute vormittag im Hessi­schen Landesthealer ein kleiner Brand an dem zum Schnürboden führenden Borhang. Durch das Ingangsetzen der Berieielungsanlage wurde jede Gefahr jür da» Theater sofort ausge schlossen. Die alarmierte Feuerwehr brauchte nicht nnffr in Aktion zu treten, da die bei der gerade vor sich gehenden Probe milwirkenden Kräfte ebenfalls fofort bei der Bekämpfung de» Feuer» mitwirkten.

(Sin zweites Opfer der Diezer Kohlenoxyd«'asvergifiunq.

WSR. Diez, 24. Roo. Am Montag fand man hier di« Beamtenwitwe Schrankel und beten 16jährige Adoptivtochter vergiftet auf. Das Mädchen war bereits tot, während die Frau noch Lebenszeichen von sich gab und ins Krankenhaus gebracht wurde. Als Ursache wurde Kohlenaxydgorvergiftung ermittelt. Die Frau ist nunmehr ebenfalls gestorben, nachdem zu der Vergiftung noch eine Lungenentzündung hinzuge- tomnun war.

Neues für den Büchertisch.

Öen ft Wage mann: Was i st Gelb? Stalling-Bücherei ^Schriften an die Ration", Band 17. Verlag Gerhard Stalling. Oldenburg in Oldenburg. Gebunden 1 Mark. (370) Der bekannte Gründer und Leiter des Instituts für Konjunkturforschung stellt hier die Grund­fragen deS Geld- und Kreditwesen» dar. Wage­mann macht an Hand der geschichtlichen Gntwick- lung klar, daft man das Geld nicht al» eine Gin­richtung ansehen darf, die unabhängig von Wirt­schaftssystem und Wirtschaftskultur ist. Mit dem Wandel des Wirtschaftssystem- hat auch das Deld seine Form und seine Funktionen grundlegend ge. ändert. Eingehend behandelt wird vor allem die Rolle, die das Gold früher und jetzt in der Geld­wirtschaft gespielt hat und noch spielt. Gold und Geld sind nicht schlechthin ein-. Weder das Gold noch ein anderer Ge'dstoff sind .Wertmesser'. Wa­der Verfasser schlieftlich über Geldschöpfung, Kre­ditausweitung. Deckungsgrundsähe, über Infla­tion und Deflation zu sagen hat, berührt unmittel­bar die Probleme, die heute im Vordergrund ter wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen stehen.

IohnHerman Randal l. DerWan- del unserer Kultur. Ins Deutsche über­tragen von Lotte Matschoft. Mit einem Vorwort von Prof. Dr.-2ng. h. c. Conrad Matschoft. Ganzleinen 8,50 Mk. Verlag 3. G. Cotta, Stutt­gart. (263, Dieses Werk, intern ein vielseitig gchildeler und kritisch eingestellter Amerikaner die Kulturkrise unserer Tage betrachtet und ein wirkungsvolles Abbild der wesentlichen geistigen Epochen der Dergangenheit zeichnet, ist reich an Erkenntnissen über die Entwicklung der Mensch­heit, der Wissenschaften, der Religion und der Technik. Ob ter Verfasser die sozialen und wird- schaftlichem Verbältnisse des Mittelalter» schil­dert oder die Umtocnbtung dieser Gesellschafts­ordnung durch den mit ter Ren<rissanee eindrin­genden Handels- und Geschäftsgeist, ob er da» Heraufkommen und den Sieg ter Raturwissen­schaften und ter Maschine beschreibt oder Sinn und Ziel ter Ausklärung und Romantik deutet immer besitzen seine Ausführungen Originalität und Frische ter Anschauung sowie Tiefe ter psychologischen Einfühlung in ten jeweiligen Zeit­geist. Besonders eindringlich aber ist daS Ge­mälde, das John Herman Randall von ter heu­tigen amerikanisierten, durch das Laboratorium be­herrschten Groftstadtwelt entwirft. Hier zwingt das Buch ten Leser zur Selbstbesinnung gegen­über ten wirtschastlich-geistigen Tendenzen ter Gegenwart, dem gefahrenreichen Problem un­serer Tage.

Walter Heinrich: Der Faschismus, Staat und Wirtschaft im neuen Italien. Preis 3,80 Mark. Verlag F. Bruckmann AG., München. (243) Der Verfasser gibt auf Grund forgfältiaen Quellenstudiums eine erschöpfende Darstellung ocs politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aufbaus de» faschistischen Staats. Er erläutert die Entstehung des Faschismus aus der kritischen Lage Italien» bei Be­endigung des Weltkriegs und gibt bann eine klare Uebersicht über die Gliederung der neuen faschisti. schen Staatsversassung und den besonders interessan­ten Versuch einer neuartigen Wirtschaftsordnung auf korporativer Grundlage. In dem Bemühen zum Herausarbeiten des ständischen Gedankens sieht der Verfasser wohl mit Recht die besondere Aufaabe, die sich der Faschismus gestellt hat, um zu einem Neuaufbau des Staates zu kommen. Das Buch ist streng wissenschaftlich gehalten und vermeidet glück­lich jede polemische Note, die staatspolitische Litera­tur heute leider häufig genug ungenießbar macht. Für die im Anhang im Wortlaut beigegebene fa­schistische Arbeitsordnung, die berühmte ..Carla del lavoro" wird man dankbar fein. Die allzu reich­lichen Quellennachweise erschweren die Lektüre de» aufschiuftreichen und sachlichen Buches.

Heinrich C 1 aft: Wider den Strom. Vom Werten und Wachsen ter nationalen Oppo­sition im alten Reich. Verlag K. F. Kochler, Leip­zig. Preis geb. 9,60 Mk. (254.) Von ten we­nigen Politikern, die vor dem Kriege gegen ten Strom schwammen und schon in einer Zeit, in ter Reich und Volk in behaglichem Wohlleben keine Schwarzseher duldeten, auf di« mancherlei Schä­den und Versäumnisse te» regierenden System-, vor allem außenpolitischer Art hinzuweisen wag­ten, ist ter Mainzer Iustizrat Staff, ter Vor­sitzende des Alldeutschen Verbantes und Ver­fasser von Cinharts Deutscher Geschichte ter be­kanntesten einer. Seine Letenserinnerungen fül­len einen stattlichen Band. Er enthält leider viele Belanglosigkeiten, die heute niemanden mehr in­teressieren. Alle Vorgänge im Alldeutschen Der- band werden sorgfältig registriert, Sitzungen und Beschlüsse wichtig genommen, die auch für die Zeitgeschichte rückwärtsblickend jede Bedeutung verloren haben. Aber neben dieser allzu breit ausgewalzten VerbandSchronik enthält das Buch doch viele fesselnde Schilderungen von Persönlich­

keiten und Charakteren, die vor einem Menschen­alter eine politische Rolle gespielt haben. Manch interessantes Streiflicht fällt auf ten Gang der Dorkriegspolitik und ten Kurs Dethmann-Holl- weg. zu dessen entschiedensten Gegnern der Ver­fasser von jeher gehört hat, wie er auch den schil­lernden Lharakter Bülows und die innerlich hohle und fahrige Politik des Kanzlers schon früh klar erkannt und gegeißelt hat.

Der Ruf der Zeit Von Anna Maria Roo». Aus dem Schwedischen überseht von Pauline Klaiber-Gottschau. Fr. Frominans Ver­lag. Stuttgart. Gebunden 4 Ml. (173.) Ein Buch, dem man viele nachdenkliche Leser wün­schen möchte, denn es rührt an eine Frage, die trotz Gottlosen-Propaganda vielen am Herren liegt. Ist das Thristentum. das heute die Kirchen beirünten. noch Ehr sti wahre Lehre? Fuftend auf genauer Kenntnis dec einschlägigen deutschen und ausländischen Literatur und aus persönlicher Er­fahrung. die sie in allen Kulturländern gesammelt hat. will die Verfasserin dem großen Teil der Menschheit, der trotz allem ein reines unver­fälschtes Thristentum sucht, einen neuen Weg zeigen.

Die Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen (Marksburg bei Braubach a. Rh.j gab ein Jahrbuch des .Burgwart" für 1931 heraus, das außerordentlich inhaltsreich gestaltet ist. (228.) Reben einem Bericht über die Burgenfahrt durch die Pfalz nach Saarbrücken schreibt Geheimrat von Bassermann-Iordan u. a. über das Rhein- psälzer Weinbaugebiet und seine Burgen: der Herausgeber. Architekt Prosessvr Bodo Sbhardt, gibt umfangreiche Arbeiten über das neugotische Schloff Arienfels am Rhein und seine Geschichte. Außer Einzelaufsähen über die Burgen Windberg bei Jena, ten Brand ter Burg Duchlau, über die Burgen Scharfenstein im (3r,^cbirge, Bocksberg in Franken, und Triefeis in ter Pfalz enthält daS Jahrbuch Rachrichten über die baulichen Vor­gänge oder Forschungsergebnisse deutscher und ausländischer Burgen, endlich eine ausführ­liche Zusammenstellung anderweitig erschienener Durgenaufsätze und eine 'wertvolle Bücherschau. Mit diesem 32. Jahrgang desBurgwart" haben sich ter Burgverlag und die Vereinigung zur Er­haltung deutscher Burgen auf ter Marksburg bei Braubach am Rhein ein schönes Denkmal gesetzt.

Rudolf HanS Bartsch. Das Lä­cheln der Marie Antoinette. Roman. 238 Seiten. Brosch. 3,. L:inen 4.20 Mk. L. Staack. mann. Verlag, Leipzig 1932. (375) Rudols Hans Bartsch, ter Schilterer desSterbenden Rokoko", beschreibt in diesem Roman die tän­delnde Reigung ter jungen Marie Antoinette zu einem Landsmann, dem Lehrer ihres Sohnes, und zeigt, wie die verschwiegene Verehrung der gro­llen Königin mit ter ersten tiefen Enttäuschung des jungen Verliebten enden muff. Ein spannender und liebenswürdiger Roman, welcher der Je- meinte des Dichters neue Anhänger zuführen wird.

Die vom Sunderhof. Roman von Fe­licitas Rose. Ganzleinen 6,50 Mark. Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin W 57. (288) Rur wer seit Jahren in der Heide lebt und mit ihren wortkargen Menschen aufs innigste verbunden ist, konnte diesen Roman schreiben. In ihm wird geschil­dert das Schicksal eines Bauerngcschlechts, das sich durch vier Generationen vollzieht. Die Söhne und Enkel einer alteingesessenen Familie tragen bereits Ermüdungserscheinungen alten Blutes in sich. Aber diese auffteigenten Wolken werden durch den Wil­len und die Tatkraft, vor allem der alten Ahne wie­der vertrieben. In ihrem Geiste wird der Urenkel das Werk der Vorfahren fortführen und eine neues, frisches Geschlecht begründen.

Helene Christ aller: Hierdarf ge­bettelt werden. Roman Druck und Ver­lag von Friedrich Reinhardt in Basel Leinen­band 5.60 Mk. (275.) Helene Christaller gibt in diesem Buche voll warmer Menschlichkeit und liebenswürdigen Humors eine Gabe, die überall willkommen sein wird. Magdalene Gradmann ist Witwe eines Arztes und bringt sich und ihre Tochter mit ihrer Schriftstellerei mühsam durch. Unerwartet vermacht ihr eine begeisterte Leserin einen prächtigen Belitz am Lago Maggiore. Magdalene kann aber ihr neue» Glück nicht allein mit der Tochter geniesten. Sie möchte in ihrer Güte und Vertrauensseligkeit allen Dittenten helfen, und so läftt sie sich trotz ter Warnung ihrer Tochter dazu ffinreiffen, das TürschildBetteln verboten" zu zertrümmern und durch die InschriftHier darf gebettelt werden" zu ersehen. So kommt es. daft ihr Haus eine Zufluchtstätte für die verschiedensten Menschen wird- Magdalene kann ihr Mutterherz voll ent­falten; aber Enttäuschungen bleiben ihr nicht erspart. Rur ihr unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen bewahrt sie vor Ver­bitterung.