Ausgabe 
25.8.1932 Frühausgabe
 
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Lorsch gibt Gutscheine statt Gelb.

WSN. Lorsch a. d. Bergstraße, 24. Aug Aus Mangel an Bargeld muhte die Gemeinde einen Teil der Unterstützungen für die Wohlfahrts- erwerbstosen in Gutscheinen auszahlen, die von den Geschäftsleuten in Zahlung ge­nommen und demnächst wieder eingelöst werden sollen.

Aus der provinzialhaupistadt

Buntes Allerlei

tung der Mahlzeiten diente. Zur Frage, wie Reineck, der jetzt im 6 5. Lebensjahre steht, zu diesem Einsiedlerleben gekommen ist. wird er­klärt, dah eine unglückliche Liebe ihm Veranlassung zu diesem Entschluß gegeben habe. Es besteht der dringende Verdacht, dah die Höhle des Einsiedlers den Stützpunkt einer we i t- verzwcigten Falschmünzerbande bil­dete. Bestimmte Anhaltspunkte werden von der Polizei bereits verfolgt.

diesem Augenblick angegriffen gewesen zu sein, mit seinem Koppel auf einen Unbeteiligten ein­geschlagen hat. vierzehn Tage Gefängnis. Frei gesprochen wurden die Führer des Auf zugs, da die Notverordnung, die ihn unter Strafe stellte, aufgehoben war.

Oie Cholera in Hamburg 1892

Eine furchtbare Epidemie vor vierzig Zähren.

Don Hans Ammer.

3n diesen Tagen sind vierzig Jahre ver­gangen, seit in den Hamburger Hasen- oierteln die Eholera ausbrach und sich zu einer der größten Epidemien entwickelte, die eine deutsche Stadt seit Jahrhunderten heimgesucht haben.

Im August 1892 lastete über Norddeutschland eine Hitzewelle, wie sie in Deutschland nicht mehr ihresgleichen gesunden hat, mit Tempera­turen bis zu 39 Grad im Schottern Der Erschlaf­fung. die sich unter diesen Umständen der Be­wohner der glühenden Städte bemächtigt hatte, gesellte sich noch die 'Bedrückung bei, die von unbestätigten Nachrichten ausging: daß im öst­lichen Europa eine Welle von Cholera-Er­krankungen im Wachsen sei, die auf die Nachbarländer überzugreifen drohte, sobald ir- aendein Infizierter die Krankheitskeime in diese Länder einschleppen würde...

Am gesährdetsten waren unter diesen Umstän­den naturgemäß die Hafenstädte, die zu viel fremde Elemente in sich vereinigten, alS daß man die Herkunft und den Gesundheitszustand der einzelnen genau hätte überprüfen können. 3n den Baracken des Hafenviertels saßen Aus­wanderer aller Nationen. Es ist schon richtig, daß man sie. solange sie aus diesen Stationen sestgehalten wurden, streng von der Hamburger Bevölkerung isolierte. Wenn sie aber doch indirekt mit den Städtern in Berührung kamen, so lag dies nicht an fremdenpolizeilichen Maßnahmen, die man getroffen hatte, sondern an den sani­tären Einrichtungen, die Hamburg um diese Zeit noch zu wünschen übrig liehen...

Die Quelle dieses Uebels war die Wasser­versorgung der Stadt. Die zentralen Wässer­werke Hamburgs speisten sämtliche Leitungen mit einer Flüssigkeit, die nichts weniger als rein war da sie direkt aus dem Elbwasser gepumpt wurde. Das Wasser dieses Flusses, in das natur- gemäß nicht nur alle Abwässer der Fabriken, sondern auch Unreinlichkeiten anderer Art hin­einströmten, wurde in den Wasserwerken nur not­dürftig gefiltert. 3ahre zuvor hatten sich schon einzelne Hamburger Bürger darüber beschwert, daß die Rohrleitungen und die Wasserkästen in den Häusern völlig verschlammt und mit grün­lichem Tang überzogen seien. Einzelne Häuser hatten Sammlungen unter den Mietern durch- gesührt, um aus eigene Faust eine Filteranlage am Wasserkasten einbauen zu können. Diese Maß­nahmen aber waren nur in einzelnen Häusern der .besseren Viertel" durchgrsührt worden. Die sanitären Zustände im alten Hamburg, wie etwa im Gängeviertel, und weiter in den Arbeiter­siedlungen von Darmbeck und Eimsbüttel spotte­ten jedoch jeder Beschreibung.

Als am 19. August zum erstenmal das Gerucyt die Rund« machte, die Seuche sei vom Hasen her nach Hamburg eingeschleppt worden, als am 22. August sich dieses Gerücht durch den Aus- bruch eines grausig en Massenster­bens bewahrheitete, das über zehn Wochen dauern sollte veranlaßte die deutsche Regie­rung die bedeutendsten Aerzte und Bakteriologen, Untersuchungen über den Ursprung der Epedemie im allgemeinen und über die Wasserversorgung

Dienstjubiläum bei der Reichs­bahn. Der Dorschlosser Georg 3ung, wohn- haft Dammstraße 48. kann am morgigen Freitag auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Reichsbahn zurückblicken.

♦♦ Dekanatsmissionssest inG ießen. Das diesjährige Dekanatsmissionsfest des De­kanates Gießen wird zum erstenmal in unserer Gemeind« am kommenden Sonntag gefeiert wer­den. 3n den musikalisch bereicherten HauptgotteS- diensten des Vormittags werden auswärtige Red­ner auf die Missionspflicht der Gemeinde hm- weisen, ein Missionsjugendgottesdienst, von Mts- sionar L a u k gehalten, wird sich in der Stadt­kirche entschließen. Die Nachversammlung um 15 Uhr soll auf dem sehr geeigneten, schattigen Platze der Waldbühne stattfinden, wo Tur genügend Sitzplätze gesorgt ist. Ss werden ver­schiedene Redner sprechen und der Posaunenchor Lieh hat seine Mitwirkung zugesagt. Näheres ist aus der Anzeige in der morgigen Ausgabe er­sichtlich.

Große Strafkammer Gießen.

Gießen. 24. Aug. 3m Nieder-Florstädter Landsriedensbruchprozeß wurde, wie bereits richtet, heute mittag das Urteil verkündet, durch das sieben von den Angeklagten wegen Land- friedensbruchS verurteilt wurden, zwei von ihnen als Rädelsführer oder wegen Gewaltanwendung gegen Personen zu je sechs Monate n. pret zu je drei Monaten und zwei 3ugendliche zu je vierzehn Tagen Gefängnis. 3n ein­gehenden Ausführungen legte der Vorsitzende die Gründe für das Urteil dar. Daß schon un­mittelbar nach dem Vorfall mit dem Motorrad Landfriedensbruch vorgelegen habe, sei nicht zwei­felsfrei nachgewiesen: hier habe möglicherweise nur eine Ausschreitung der das Motorrad Um­gebenden ohne Beteiligung der angesammelten Menschenmenge vorgelegen. Al- jedoch aus die abziehenden Nationalsozialisten mit Steinen ge- worsen wurde, sei Landsriedensbruch zweifelsfrei gegeben gewesen. Hieran hätten sich die Ver­urteilten beteiligt. Einer von ihnen war als Rädelsführer zu bestrafen, weil er durch seine aufreizenden Reden auf die Menge gewirkt hat: einem anderen waren. Gewalttaten (Fußtritte) nachzuweisen. Die übrigen wurden bestraft, weil sie an der Zusammenrottung teilgenommen hatten, obwohl ihnen eine aktive Mitwirkung an der Begehung der Gewalt nicht nachzuweisen war. Einer der wegen Landfriedensbruchs Angeklagten wurde mangels Beweises freigesprochen. Frei- gesprochen wurde auch der Nationalsozialist, der wegen Körperverletzung mittels eines Messers angeklagt war. Irgendeinen Beweis gegen ihn hat die Hauptverhandlung nicht erbracht. Da­gegen erhielt der Nationalsozialist, der ohne in

Schöffengericht Gießen.

* Gießen, 24. Aug. Ein Arbeiter aus Friedberg hatte im vergangenen Winter dem dortigen Wohlfahrtsamt verschiedene, von ihm selbst angefertigte Bescheinigungen seine- Arbeit­geber- vorgelegt, in denen der ihm ausgezahlte Lohn viel niedriger angegeben war, al- er in Wirklichkeit betrug. Hierdurch hatte er veranlaßt, daß ihm ü >e r 400 Mark Wohlfahrts­unter st ühung au-ge-ahlt wurden, auf die er tatsächlich keinen Anspruch hatte. Wegen fortgesetzter schweren Urkundenfälschung in Tat­einheit mit Betrug wurde er dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend zu drei Mo­naten Gefängnis verurteilt.

Ein auswärtiger Zimmermeister hatte für einen Holzhändler Brennholz an verschiedene Abnehmer verteilt, die von diesem ausgestellten Rechnungen auf höhere Beträge abgeändert und Gelder ein­genommen, ohne sie angeblich vollständig abge­liefert zu haben. Die heutige Hauptverhandlung ergab keine einwandfreie Aufklärung, so daß die Sache zwecks weiterer Ermittlung durch die Statsanwaltschaft vertagt werden muhte.

Hamburg- in besonderen anHustellen. Aach Ansicht der Hervorragendsten dieser Sachverständigen, nach Ansicht Robert Kochs, konnte die Seuche dadurch ausbrechen, dah einige am Amerika-Quai untergebrachte russische Auswanderer cholerakrank waren und durch ihre Auswurfstoffe, die durch die Kanalisation in di« Elbe gelangten, aus der wiederum das Trinkwasser geschöpft wurde, sämtliche Rohrleitungen der Stadt ver­giftet hätten. Die offiziellen Hamburger Stetten wehrten sich natürlich gegen diese Art der Dar­stellung, die einen großen Skandal über ihr Haupt heraufbeschworen hätte, und brachten Dut­zende von entgegengesetzten Gutachten auf den Plan.

Mittlerweile entwickelte sich die Cholera, da nur sehr wenig Grundsätzliches gegen sie getan werden konnte, in fürchterlicher Weise. Es gab ein Massensterben wie in den 3ahren de- schwarzen Todes im Mittelalter. Namentlich in den Arbeitervierteln starben ganze Strahenzüge aus. 3m Laufe von sechs Wochen wurden von der amtlichen Statistik über 2 0 0 0 0 Krank­heitsfälle zugegeben, von denen 9000 töd­lich verliefen. Die Stadt glich einem ungeheuren Friedhof. Der Verkehr ruhte »fast vollständig. Sämtliche privaten und öffentlichen Fahrzeuge, vom Schiebkarren bis zum Möbelwagen, wurden für den Transport der Toten und Erkrankten requiriert. Zeitgenössische Chroniken berichten von Wagen, in denen unter einem weihen Tuch, eine hvchausgeschichtete Masse von Körpern lag.

Wer Geld hatte, floh aus dieser Stadt und wurde überall in Deutschland von Ort zu Ort gejagt, da man in jedem Menschen aus Hamburg einen Bakterienträger vermutete. Wer sich aber diesen Luxus einer Flucht nicht leisten konnte, der wurde überfallen von der Krankheit und vielleicht noch schrecklicher von der ständigen, wahnsinnigen Todesangst, die zu hy- stertscAn Krankheitserscheinungen führte. Arbeits­losigkeit. Hungersnot, Mangel an keimfretem trinkbarem Wasser machten sich überall bemerk­bar. Auf einem großen freien Platz in der Ham­burger Vorstadt Eppendorf hatte man, da Kran­kenhäuser und Schulen nicht mehr als Spitäler langten, eine Zeltstadt aufgerichtet, zugleich Totenkammer und Lazarett. Wiederholt kam es vor. dah Apotheken von der verzweifelten Menae gestürmt wurden, äleberall tauchten fliegende Händler mit irgendwelchen Desinfektionsmitteln auf, die sie zu Wucherpreisen verkauften. Das Leitungsnetz der Stadt war gesperrt. Die Wasser­versorgung wurde dadurch aufrechterhalten, daß Lokomobilen mit großen Kesseln abgekochten Wassers, das unentgeltlich an die Bevölkerung verteilt wurde, auf den Straßen standen für eine große Stadt ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wie auS dieser Stadt des GrauenS schließ­lich wieder eine moderne Großstadt werden konnte tper vermag es zu sagen? 3edenfalls waren die Kinderasyle Hamburgs noch jahrelang ge­füllt mit fremden Waisen, die ihre Eltern in der Epidemie verloren hatten. Diese Kinder er­scheinen nach einer zeitgenössischen Hamburger Statistik mit einer Zahl von über 4000.

und die Zeitersparnis einer solchen Verbindung wohl zu schätzen wissen. Und nicht zu den letzten Lobrednerinnen des Flugsports gehören jene Frauen, die ihre Hochzeitsreise durch die Lüfe gemacht und dort die ersten Luftschlösser ihrer jungen Ehe gebaut haben.

Wohin Europas alte Kleider wandern.

Es gibt viele ungekrönte Könige in Europa. Einer von dieser Gattung ist Lipos Tichin, Eu­ropas .Altkleider-König", der bei seiner gegen­wärtigen Anwesenheit in Budapest, wo sich au­genblicklich der Markt für seine Ware wieder belebt hat, dem Mitarbeiter eines englischen Blattes eine Unterredung gewährt hat. Dabei sprach er von den Aussichten seines Handels und den dunklen Wegen, die seine W«re wan­delt. Lipos Tichin ist von Geburt Grieche, und seine eigentliche Residenz ist London, von wo aus die alten Kleider zu den Verteilungsstellen in Tunis, Marokko, Algier, Madagaskar und an anderen Orten während der Regenperiode von 3uni bis Oktober verschifft werden. Von diesen Stellen aus besuchen die Reisenden Tichins mit seiner Ware die Neger, Buschmänner, Berber­stämme und Senegaldörfer, und verkaufen die Kleider gegen Felle, Elfenbein, Gold, ungeschlif­fene Diamanten oder Krokodilhäute. Der am mei­sten begehrte Artikel ist der feierliche Nachmit­tags- und Abendanzug der verflossenen englischen Mode, und es schadet auch gar nicht, wenn die Ellenbogen des Anzugs ausgebeult, der Rücken glänzend und die Beinkleider nur etwa halb so lang sind wie eigentlich notwendig. Bei einer Temperatur von über 30 Grad stolziert der Senegalneger unter der brennenden Sonne im Schmucke eines schwarten Rockes, dessen Sitz manches zu wünschen übrig läßt. Unb sollte der Gatte vielleicht doch dieses Kleidungsstück allzu unbequem finden, so ist seine weibliche Ehe­hälfte mit Freuden bereit, die Gelegenheit zu benützen und es selbst anzulegen. Wenn die Rei­senden bemerken, daß eine bestimmte Mode nicht emschlagen will, dann veranstalten sie sogleich eine Filmvorstellung, in der weihe und farbige Schauspieler im Schmuck der verschmähten An­züge erscheinen. Der Erfolg ist durchschlagend; denn ein jeder der Eingeborenen wünscht ebenso elegant zu sein wie der Held auf der Leinwand, und die Kleiderlager sind in kurzem bis zum letzten Stück geräumt.

Amtsgericht Gießen.

Bekanntlich ist es verboten, Steine oder andere harte Körper oder Unrat, wozu alles Verunreini­gende gehört, auf Menschen, Tiere, fremde Häuser oder eingeschlossene Besitzungen zu werfen. Die Einwohnerin eines Nachbardorfes hat Ruß auf einen ganz schmalen, ihr gehörenden und ihrem Hause entlang-iehenden Geländestreifen geschüttet, wobei auch, wie ein Zeuge bekundet, Ruh in die Nachbarhofreite flog und diese verunreinigt hat. Die Frau hat das offenbar, in der Absicht der Schikane getan, trotzdem aber gegen einen Strafbefehl Einspruch erhoben. Die in diesem fest­gesetzte Geldstrafe blieb bestehen. 3m Falle der Uneinbringlichkeit ist ein Tag Haft zu verbüßen.

Anfangs April d. 3. kontrollierte ein Polizei- Oberwachtmeister in Uniform im Auftrage des Polizeiamts eine Metzgerei in der Steinstrahe. Einem Gesellen, der ihn nach seiner Kontroll- befugnis fragte und schriftlichen Ausweis ver­langte, gab er die nötige Auskunft, erklärte ihm auch, dah er auch ohne Auftrag jederzeit zum Nachsehen berechtigt sei. Der Geselle, der die Tätigkeit des Beamten angeblich als eine un­zulässige Belästigung befand, der auch vor Gericht erklärte, daß ihm dieser besonders aufsässig fei, rief ihm nun zu:Machen Sie, dah Sie raus­kommen, ich sage es Ihnen nicht dreimal, wenn Sie nicht gehen, sollen Sie einmal sehen, was ich mit 3hnen mache" und rief ihm auch beim Weggehen noch ein Schimpfwort nach. Der Geselle erhielt hierauf ein Strafmandat wegen Belei­digung, gegen das er Einspruch einlegte. 3n der Hauptverhandlung erklärte der Polizeibeamte, daß er sich durch daS Verhalten des Angeklagten auch in der Ausübung seines Dienstes beschwert gefühlt habe, widerlegte auch durch seinen Eid. daß die Angabe des Angeklagten, das Schimpf­wort habe sich auf einen Metzgerlehrling und nicht auf ihn, den Beamten, bezogen, der Wahr­heit entspreche, denn der Lehrling habe sich in einer entfernten Ecke befunden. Das Gericht nahm an, daß hier nicht nur Deamtenbeleidigung, son­dern in den brutalen Worten des Angeklagten auch der Tatbestand der strafbaren Nötigung (Verhinderung des Polizeibeamten in der recht­mäßigen Ausübung des Dienstes) vorliege, und erhöhte die ursprüngliche Geldstrafe dem Anträge des Amtsanwaltes entsprechend auf 60 Mark, die im Falle der Uneinbringlichkeit mit entspre­chender Gefängnisstrafe zu verbüßen ist. Gleich­zeitig erhielt der Beleidigte die Befugnis zuge­sprochen, den Urteildtenor eine Woche lang an der Amtstafel des Polizeiamts öffentlich bekannt zu machen.

Oie Hessische Handwerskammer und die Schlachtsteuer.

WSN. D a r m st a d t, 24. Aug. Die hessisch« Handwerkskammer hat an den hessischen Finanz­minister eine Eingabe gerichtet, worin um eine unzweideutige Erklärung über die Einführung der Schlacht steuer in Hessen gebeten wird. Die Handwerkskammer bekennt sich als entschiedene Gegnerin der Schlachtsteuer, sie verlangt aber, falls sie durch eine Notverordnung eingeführt wird, daß vorher mit den führenden Personen aus dem Mehaergewerbe Rücksprache genommen wird, da­mit bei der Festsetzung der einzelnen Sätze die Härten der preußischen Schlachtsteuer vermieden werden. Ferner wird verlangt, daß die S t e u e r - Vergünstigung für Hausschlachtun- gen in Wegfall kommt und daß eine Er- mäfjigung der örtlichen Schlachtgebühren, die höher sind als in Preußen, slattfindct. Handwerks- kammermitglied Becker (Offenbach) macht den Vorschlag, dah der Staat dieHälstederEin- nahmen der Schlachtsteuer ben Kommunen ü b c t to e i ft. die sie zur Senkung ihrer Gebüh­ren verwenden sollen. Mit diesem Vorschlag wird sich auch der hessische Städtetag beschäftigen.

Oer Einsiedler als Falschmünzer.

WSN Dillenburg, 24. Aug. Zu der Ver­haftung des Einsiedlers Reineck. der in einem alten Bergwerksstollen bei Seelbach im oiegcr- lanb hauste, werden nunmehr noch interessante Einzelheiten bekannt. Reineck stand schon (an* aereZeitiMVerdachtderFalschmün- xerei Aus diesem Grunde wurde er in letzter 3Cit scharf beobachtet. Zwei Beamte stellten sich auf die Lauer, und in einem günstigen Augen­blick wurde zur Verhaftung geschritten. Als man die Höhle näher untersuchte, fand man zahl­reiches Material zur Herstel^ng von Falschgeld. Ein näherer Einblick in die Behausung des Ein­siedlers ergab, dah diese eine Tiefe von drei bis vier Metern hatte und nur ganj fti- mitiv eingerichtet war Das Ruhelager bestand lediglich aus einer Holzpritsche die mit Moos und alten Lumpen bedeckt war. Neunzehn Iahre hat Reineck auf diesem primitiven Nacht­lager seiner Ruhe gepflegt. Außerdem enthielt das Erdloch einen alten Ofen, der zur Zuberer-

Frauen als Fliegerinnen.

In der fieberhaft schnellen Entwicklung, die der Flugsport in den letzten Jahrzehnten genommen, spielt auch die Frau eine entscheidende Rolle, mag es sich um stolze 2Il(einf(üge in wüste Gegenden ober um einen Dauerflug handeln, wie er neuerdings von Mrs. Victor Bruce in zäher Ausdauer unter­nommen wurde. Schon in den frühesten Anfängen der Luftjchiffahrt haben sich Frauen sowohl durch ihre persönlichen Leistungen wie durch selbstlose Mitarbeit und Unterstützung wichtiger Fluge her- vorgetan. Denn, so führt Roger Fuller in einem Londoner Blatte aus, in der Welt der Lüste herrscht eine glückliche Gleichheit der Geschlechter. Biele Fliegerinnen haben die Aviatik mit einer Leiden­schaft ergriffen, wie sie brennender keinen Flieger beseelen kann. Navigationskunde, die Technik und das handwerksmäßige Ausbessern der Apparate, denBlind"- und den Nachtflug hat manche von ihnen zum Gegenstand ihrer eingehendsten Studien gemacht. Während die Frau auf vielen anderen Ge­bieten durch ihre geringeren körperlichen Kräfte in einem Wettkampf mit dem Manne von vornherein benachteiligt ist, ist dieser Umstand in der Luft nicht von entscheidender Bedeutung. Keine schwere, starke Hand ist notwendig, um eine gewöhnliche Maschine zu lenken, während andererseits viele Eigenschaften der Frau gerade die für einen guten Flieger typi­schen sind. Ein leichter, empfindsamer Tastsinn, ver­bunden mit einer schnellen Entschlußfähigkeit, wie sic so viele Frauen besitzen, sind Grunderfordernisse für einen guten Piloten. Dazu kommt, daß, wie die Erfahrung vieler Flüge über weite, oft eintönige Strecken gezeigt hat, gerade der Pilotin jene Ruhe des Temperaments eignet, die dieses ermüdende Gleichmaß zu ertragen vermag. Aber neben jenen Frauen, die sich als selbständige Fliegerinnen her­vortun, ist heute auch die Zahl der weiblichen Pasia- giere auf den Fluglinien im ständigen Wachsen. Denn der in die Zukunft gerichtete Blick sieht bereits die Zeit vor sich, da das Flugzeug das wichtigste, weil das schnellste Verkehrsmittel sein wird, dessen sich besonders die im geschäftlichen Leben stehende Frau genau so wie der Mann wird bedienen muf­fen Auf den englischen Fluglinien gibt es jetzt schon eine Anzahl von weiblichen Fluggästen, die regel­mäßig ein- bis zweimal wöchentlich nach dem Kon- tinent, nach Paris oder nach andern europäischen Hauptstädten, in die ihre Geschäftsverbindungen sie führen, hinüberfliegen und die die Annehmlichkeiten

Dießen, ben 25. August 1932.

Spinnen, die Geschwüre verursachen.

Einem Münchener Mediziner wurden auch in diesem Sommer, wie verschiedentlich schon in manchen früheren 3ahren, Kinder mit sonder­baren Geschwüren vorgestellt. Diese Geschwüre, die durch eine besondere Hartnäckigkeit auffielen, wurden eigenartigerweise stets an Kindern vor­gefunden die aus den Sommerferien heimge- kchrt waren Die Merkwürdigkeit der Geschwüre lehrte, daß sie durch 3nsekten erzeuat sein konn­ten. daß allerdings Flöhe. Läuse, Ameisen oder MoSkitos von vornherein auSschieden. Trotz jahrelangen Suchens ist man dem Uebeltäter erst jetzt aus die Spur gekommen. Es handelt sich um eine etwa sechs Millimeter lange Spinne von schwarzer Färbung auS der Klasse der kleinen Agelemiden. die mit zwei über und vor dem Mund liegenden Kieferklauen ausgerüstet ist. An jeder dieser Klauen befindet sich eine Giftdrüse von Schlauchform. Die Anordnung der beiden Giftdrüsen bringt es also mit sich, dah von dieser Spinne, im Gegensatz zu den anderen Insekten, die nur eine einzige Stichwunde er­zeugen. gleich zwei Sttchwunden, unmittelbar nebeneinander! egend, hervorgerufen werden.

Da unter den deutschen Spinnarten bisher nur die Wasserspinne, ferner der »Dornfinger" und schließlich auch die Kreuzspinne als giftig angesehen wurden, müssen unsere bisherigen Er­kenntnisse ergänzt werden. Gs kann nach den Folgen, welche von iyn Stichen dieser Spinnen hervorgerufen werden, kaum noch ein Zweifel sein, daß man es auch hier mit einer giftigen Spinne zu tun hat. Die Stiche lösen ein starkes Brennen und einen heftigen 3uckreiz aus. aber nicht etwa im Augenblick, da die Spinne den 3nhalt ihrer Giftdrüse in die Haut des Men­schen eingespritzt hat, sondern erst viel später. Meist merkt man das Brennen erst, wenn man das Bett verlassen hat.

An den Hautstellen, wo die Spinne ihre Gift­drüse entleert hat, trifft man meisten- in großer Zahl Knötchen von roter Farbe, die den Umfang eine- Hirse- oder auch eines LinsekomeS auf- weisen. Zuweilen finden sich biS zu dreißig solcher Knötchen an einer bestimmten Körperstette vor. Dabei wird von der Spinne kaum eine Körper- Partie verschont. Der Juckreiz kann bis zu etwa vierzehn Tagen anhalten, er wird um so stärker, je mehr das Knötchen an Ausdehnung zunimmt. Später stellen sich Giterbläschen ein, und allmäh­lich wird eine immer größere Hautfläche von der Geschwürbildung heimgesucht. Geschwüre, die sich bereits entwickelt haben, bedürfen der Röntgen­behandlung. Haben die Geschwüre erst einmal einen größeren Umfang angenommen, dann kann die Behandlung unter Umständen langwierig werden. Es haben sich Fälle ergeben. Da sich die Geschwüre biS zu mehreren Monaten einer Behandlung widersetzten. Die Folgen der Spin» nenstiche lassen sich meistens wesentlich beschrän­ken, wenn man die Bißstellen sofort mit essig­saurer Tonerde oder mit Mentholspiritus be­tupft. Dr. P. W.

Daten für Freitag 26 Angnst.

1813: Sieg Blüchers über die Franzosen an der Katzbach, Theodor Körner fällt bei Gadebusch: 1914: Sieh der Deutschen bei Verdun: 1915: die Deutschen erobern Brest-Litowsk: 1921: der Po­litiker Matthias Erzberger auf dem Kniebes er­mordet: 1921: der Dichter Ludwig Thoma in Rottach gestorben.

Taten für Lamötag, 27 Augnst.

1576: der italienische Maler Tizian in Venedig gestorben: 1770: der Philisoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Stuttgart geboren.