Wie sehen Pans und London die Lage?
Möglichkeit baldiger Vertagung und Weiterarbeit in Ausschüssen.
London, 25.Juni. (IDIB. Juntfprud).) Zwi- schenbilanzen, die die englische Presse in ihren heutigen Berichten aus Lausanne bringt, sind keineswegs hoffnungslos. „Times" meldet, daß die erste direkte Zusammenkunft der deutschen und der französischen Delegation besser geendet habe, als nach den am Tage vorher in beiden Lagern geäußerten Ansichten erwartet wer, den konnte. — Financial Times" erinnert daran, daß herriots Lage äuhersl schwierig sei. Er habe bereit» ein gut Teil nachgegeben und sei zweifellos bereit, noch weiter nachzugeben. Riemand hier glaube, dah Deutschland jemals wieder Reparationen zahlen werde. Sie Walter Lay to n schreibt, es sei sehr ermutigend, dah die deutsche Delegation Vorschläge gemacht habe, und dah direkte Unterhaltungen zwischen Deutschen und Franzosen stattgefunden hätten.
Rach haoa» glaubt man in französischen Delega- tionskreisen, dah die deutschen Minister a m M o n - tagpraktifcheundvollständigeSchluh- folgerungen vorlegen werden. Man hebt die Freimütigkeit und Sachlichkeit hervor, die bis jetzt Spannungen und jeden Zusammenstoß bei den Verhandlungen vermieden habe. Jn italienischen Kreisen sei man der Ansicht, dah die Konferenz am Donnerstag bereits eine neue Vollsitzung abhalten könne, auf der d l e Mächte ihren Standpunkt darlegen könnten, die bisher nicht an den Verhandlungen tcilgenommen hätten. Jn dieser Sitzung könnte bereits der Antrag auf Vertagung der Konferenz bis 31. Oktober gestellt werden, während der Versammlungspause werden die technischen Arbeiten innerhalb der beiden vorgesehenen Ausschüsse fortgesetzt werden, also de» Ausschusses für die eigentliche Reparationsfrage und des Ausschusses jur wirtschaftliche Fragen.
lagerten. Wan tappte ^n:ge Zett rm Dunkeln bis man in den Waldungen des Hochwald«» a s Baumkronen Verstecke von Tav ar und anderem S ch m u g g e l g u t aussmdrg machen konnte. Die Verstecke wurden von Mitgliedern der Bande Tag und Rächt bewacht. Selbst das Essen wurde den Wachtern tn den Wald gebracht. Die Schmuggler konnten ermittelt und überführt werden.
Rundfunkrede des StahlhelmfÜhrers Seldle am Jahrestage der Unterzeichnung des Versailler Vertrages.
Am Dienstag, 28. Juni, dem Tage, an dem vor 13 Jahren das Diktat von Versailles unterzeichnet wurde, spricht im Rundfunk der Gründer und erste Dundesführer des Stahlhelms, Franz Seldte, über „Das Wollen des Stahl- helmsfürStaatundVolk". Der Vortrag findet um 19 Llhr im Programm der Berliner Funkstunde statt und ist allen deutschen Sendern zur Alebertragung angeboten worden.
Elly Beinhorns Weiterflug durch Aschenregen behindert.
Elly Beinhorn, die von Mendoza nach Buenos Aires gestartet war, ist nach Mendoza zurückgekehrt, weil Aschenregen ihren Flug behinderte.
Industrie und Reichspolitik.
Eine Erklärung des Reichsverbands zur Papenschen Notverordnung.
Berlin, 24. Juni. (CNB.) Der Hauptausschuß des Reichsverbandes der Deutschen Industrie nahm zu den gesetzgeberischen Notmahnahmen der letzten Woche Stellung.
In der letzten Notverordnung werde zwar der ernste Wille bekundet, die Haushalte der öffentlichen Körperschaften und der Sozialversicherungen vor dem Zusammenbruch zu retten, und es würden zu diesem Zwecke auch auf der Ausgabenseite einschneidende Senkungen durchgeführt. Auf der anderen Seite seien aber neue Steuern eingeführt und alte Steuern erweitert worden, während es in der Kundgebung zu den Notmahnahmen vom 14. Juni heißt, daß Steuererhöhungen nur noch z u einer Verschlechterung der Einnahmen führen könnten.
Eine endgültige Gesundung der Kassen- und Finanzlage sei unmöglich, wenn in allen Zwei- gen der öffentlichen Hand nicht eine ausreichende Senkung der Ausgaben eintrete. Für die organische Verringerung der Ausgaben be- dürfe es in erster Linie der schleunigen Inangriffnahme einer großen Verwaltungsreform sowie einer Reform der Sozialversicherung und der
Arbeitslosenfürsorge um die soziale Fürsorge soweit wie irgend möglich zu erhalten. Wenn der Reichskanzler in einer Programmrede als den „besten Weg sozialer Fürsorge" das Bestreben bezeichnet habe, „durch einen organischen Umbau der Wirtschaft dem Volke Arbeit und Brot zu Der- schaffen", so erwarte der Reichsverband von der Reichsregierung, daß sie „unter organischem Umbau der Wirtschaft" die Beseitigung aller der Fesseln verstehe, die einer natürlichen Belebung der Produktion im Wege stehen. Dagegen müßte sich die Industrie gegen einen „orga- nischen Umbau der Wirtschaft" im Sinne zunehmen, der und ausgesprochener Autarkie-Tendenzen entschieden zur Wehr setzen. Der Reichs- verband trete ferner mit allem Nachdruck für die Aufrechterhaltung des prioatwirtfchaftli- chen Systems und die Beseitigung entstandener Fehler ein. Der weit überwiegende Teil der „Fehler des kapitalistischen Systems" sei aber eine Folge des ftaatssozialistischen Charakters der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik der Nachkriegszeit.
Aus aller Welt.
Wirtschaftliche Gründe für die Revolution in Siam.
Rach einer ergänzenden Meldung sind die Gründe für die revolutionäre Bewegung in dem Riedergang der wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes infolge Abgehens vom Goldstandard und in der Unzufriedenheit unter der Beamtenschaft und den Offizieren wegen der eingetretenen bedeutenden Kürzung der Gehälter zu erblicken. Man leide unter den Folgen einer schlechten Reisernte und des schlechten Kautschukverkaufs. Es sollen auch Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung der Staatsgelder vorgekommen sein. Die Lage fei so gespannt gewesen, dah sogar der Finanzbeirat der Regierung, Cook, kürzlich dem König erklärt habe, seine Anwesenheit in Bangkok sei nicht mehr nötig unb_ es wäre wohl nicht unangebracht, wenn der König daran denke, zurückzutreten.
400 Bäcker beim Papst.
Der Papst empfing etwa 400 Teilnehmer des internationalen Bäckereikongresses, der gegenwärtig in Rom tagt, darunter zahl-
reiche Deutsche unter der Führung des Präsidenten des internationalen Bäckereiverbandes, Grueßer. Der Papst erklärte, daß man zweckmäßigerweise neben der Bäckereikvnferenz auch eine Tagung der Brotverbraucher hätte einberufen sollen. Dann hätte man aus beiden Tagungen nützliche Lehre ziehen können, vor allem über die Beziehungen zwischen Erzeugung und Verbrauch, die so wichtig und leider so sehr vernachlässigt seien. Aus der Trennung von Erzeugung und Verbrauch ergebe sich einer der hauptsächlichsten Gründe für die gegenwärtige Weltkrise. Der Papst schloß seine Ansprache mit dem bekannten Zitat aus Schillers Glocke: „Soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben".
Line deutsche Studentin in den Alpen verunglückt.
Eine deutsche Studentin, die mit zwei Kommilitonen von Grenoble aus einen Ausflug in die Alpen unternommen hatte, wurde bei der Besteigung des Gipfels der Trois Pucelles von einem herabstürzenden Stein getroffen und tödlich verletzt.
Schmuggellager in Baumkronen.
Bei Losheim (Rahe) waren die Fahndungsbehörden einer organisierten Schmugglerbande schon länger auf der Spur, doch blieben alle Haussuchungen ohne Erfolg, trotzdem man genau wuhte, dah Schmugglerwaren irgendwo versteckt
Flugzeugtrümmer in Reufundland aufgefunden.
Bei Cap Norman sind die Trümmer eines Flugzeuges aufgefunden worden. Man glaubt, daß es sich um das Flugzeug des neufundländiscken Fliegers Sullivan und seines amerikanischen Begleiters, des Zahnarztes D r. Kühnert, Han- beit das von einem am 30. Mai unternommenen Fluge nicht zurückgekehrt war. Von den Dermalen Fliegern ist trotz eingehender Nachforschun- gen an der Küste von Labrador und im Inneren von Neufundland keine Spur entdeckt worden.
Ein Sechsundachtzigjährlger erfchiehl feinen 60jährigen Schwiegersohn.
Ein 86jähriger Landwirt aus Nieder-Roßbach bei Wiesbaden hat nach einem Wortwechsel seinen 60- jährigen Schwiegersohn mit einem Jagdgewehr e r - schossen. Zwischen den beiden bestand seit längerer Zeit ein Streit in einer Dermögensangelegenheit.
Exmittierung mit Tränengasbomben.
In Donawitz (Steiermark) kam es bei einer Exmittierung zu Ausschreitungen. Etwa 900 Arbeitslose nahmen gegen die Beamten, die mit Unterstützung von Landjägern die Exmittierung vor- nahmen, Stellung. Schließlich machten die Landjäger von Tränengasbomben Gebrauch. Die Arbeitslosen ließen trotzdem aber von ihren Versuchen, die (Ermittierung zu verhindern, erst ab, als sich die Landläger schußbereit machten. Die Arbeitslosen zogen darauf vor ein Kaufhaus und warfen dort alle Fensterscheiben ein.
Wettervoraussage.
3m Grenzbereich zwischem dem hohen Druck über der Discaya und den im Rorden vorüberziehenden Störungen flieht maritime Luft nach Deutschland vor, welche vorerst den Witterungscharakter bestimmt. Weitere Bewölkung tritt dabei auf, und schauerartige Riederschläge sind strichweise zu erwarten. 3m Bereich der Rordwestluft hält außerdem die kühle Witterung an.
Aussichten für Sonntag: Wechselnd bewölkt mit schauerartigen Riederschlägen und nur vorübergehend aufheiternd, für die 3ahres- zeit zu kühl, westliche bis nordwestliche Winde.
Aussichten für Montag: Fortdauer -es wechselnd bewölkten und mäßig warmen Wetters.
Lufttemperaturen. Am 24. Juni: mittags 14,7 Grad, abends 11,7 Grad: am 25. Juni: morgens 14,5 Grad Celsius. Maximum 15,6 Grad, Minimum 9,8 Grad. Sonnenscheindauer lh Stunden. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 24. Juni: abends 16,6 Grad; am 25. Juni: morgens 14,4 Grad Cel- sius. ________________________
Verantwortlich
für das Feuilleton: i. V. Dr. F. W. Lange.
Aus der provinzialhaupistavt.
Gießen, den 25.3uni 1933.
3m Wald.
Ich begrüßte es mit Freuden, als mich an einem schönen Frühsommertag unser Förster einlud, ihn einmal auf einem Waldgang zu begleiten. Es war noch früh am Morgen, der Wald eben erst erwacht. Die rosigen Wolken verkündeten die Sonne. Die Amsel flötete schon ihre launischen Weifen, der Kuckuck lockte, von der Spitze eines Holunderstrauches erschallte das Helle Lied des Rotkehlchens, dazwischen trillerten die Hänflinge, zwitscherten die Zaunkönige, alle übertönte die Singdrossel. Wir gingen auf weichem Mooswege. Das Vogelkonzert änderte sich fast von Schritt zu Schritt.^Einmal überwog das Gezirpe der Meisen, dann wieder hämmerte der Specht überlaut, oder der Häher brachte mit seinem Geschrei alle zu kurzem Schweigen. —
Olun war die Sonne da, und der Vogelsang schwoll immer mehr an.- Der kleine Waldbach rollte geschwätzig dahin, Bachstelzen hupften munter von Stein zu Stein. Weit drunten im Tal lag das kleine Dorf, schmale Rauchfahnen stiegen in die Höhe. Die Sonnenstrahlen leuchteten durch das junge, zarte Laub, und wunderbche Schatten zeichneten sich auf dem Wege ab. Cs gibt doch nichts schöneres als einen Sommermorgen tm Waldesgrün!
Der Förster führte mich zunächst zum Pflanz- garten. Wie oft geht man daran achtlos vorüber, und welche Arbeit macht er dem Forsteri 3n Reih und Glied standen da die kleinen Däumchen, wunderschön in ihrer Eigenart ausgebildet. Sie erinnerten mich an die Bäume in der Arche Roah, mit denen mein 3unge spielt. Die kleinen Tannen, Lärchen und Kiefern waren am schönsten. Dahinter die Buchen mit dem neuen frischen Laub. Die Wege des GartenS waren säuberlich gehackt, das Unkraut gejätet- Sehr viele Beete waren mit Laub und Reisig überdeckt. Da waren vor einigen Wochen die Bucheckern gelegt worden. Zum Schutz gegen das Eichhörnchen muhte alles bedeckt werden. Der Förster ist dem munteren Waldaffen nicht gut. Er erzählte mir, dah er in diesen Tagen! in der Rähe des Pflanzgartens schon 26 erlegt hätte. Er mühte furchtbar achtgeben, denn wenn sie einmal entdeckt hätten, dah dort die Bucheckern fein säuberlich in der Erde lägen, dann wären bald alle geholt. ^Die große Zahl der Rager, meinte er, könnte man sich nur so erklären, dah sich die Eichhörnchen verständigten.
Rach der Besichtigung des Pslan-gartens ging's quer durch den Wald. 3ch glaubte ihn zu kennen von meinen Spaziergängen, aber gar vieles Reue konnte mir der Förster zeigen. Einmal die einzige Stelle, an der das frische Grün des Maikrautes (Waldmeister) aus dem Laube hervorsprohte. Dann wieder führte er mich zu einem, wohl über 100 Jahre alten verdorrten Kiefernbaum, der früher allein auf der Hutweide gestanden hatte, als ringsum noch kein Wald war. Darin fanden unzählige Vögel, Spechte, Meisen, Stare u. a. ihren Unterschlupf. Des Försters Augen aber leuchteten, als er mir seine schönsten Bäume zeigte. Stolze Bäume, weit über 100 3ahre alt, kerzengerade gewachsen. 3ch konnte seine Freude verstehen.
Tief unten in der Schlucht standen die schlanken Eschen. Heber jeden Baum, über jeden Standort wurde mir genauester Bescheid. Der Mittag war schon vorüber, als wir am andern Ende der Schlucht ankamen, dort, wo der Fuchs seinen Bau hat. Wir sahen gerade noch, wie Meister Reineke, der sich wohl in der Sonne gewärmt hatte, in einem Loch verschwand. Cs war ein alter Kerl, sein Fell war grau durchschossen. Eine Unmasse von Röhren führten hier in die Erde. Ein Stückchen weiter, auf einer schlanken Kiefer, war das Rest eines Eichhörnchens. „Das ist neu“, sagte der Forstmann, „das habe ich noch nie gesehen." Schon stand er am Daum und schüttelte. Und wirklich sprang ein Eichhörnchen hervor, setzte sich auf einen Seitenast und schaute mit seinen Augen ärgerlich nach dem Ruhestörer. „Wie schön!", sagte ich. „3a, es tut mir auch leid", meinte der Förster und hob fein Gewehr,
Jedermann.
Don Hans Riebau.
Die Schwei;.
Mücke will verreisen. In die Alpen. „Komisch", sagt er, als er den Reiseführer studiert, „komisch eigentlich, daß es so verschiedene Sprachgebiete in der Schweiz gibt. Der deutsche Schweizer kann den französischen Schweizer nicht verstehen, und der französische Schweizer nicht den italienischen ..
„Gewiß", nickt Federmann, „und alle drei verstehen kein Wort von dem, was der sächsische sagt."
Günstiger Einkauf.
Federmann geht in die Buchhandlung. „Das Text» bu 5 für die Oper Romeo" von Gounod", sagt er.
Der Buchhändler gibt ihm das Textbuch. „Romeo und Julie" steht daraus, „von Gounod".
Federmann lieft den Titel. „Ausgezeichnet", nickt er, „da ist ja die Julie auch gleich mit drin."
Der Jrrtum.
Federmann und Mücke kommen vom Sommer- fest. Federmann und Mücke gehen, Arm in Arm, durch die Straßen. Mücke summt leise vor sich hin, Federmann summt etwas lauter vor sich hin.
„Hören Sie mal", sagt da ein Schutzmann, „Sie dürfen nicht so laut sein, wenn Sie nach Hause gehen!"
„Haha", lacht Federmann und schlägt dem Schutz- mann auf die Schulter, „wir gehen ja noch lange nicht nach Hause."
Schwank.
Mücke trifft Federmann. „Menschenskind", sagt er, „wo kommst du her? Vom Frühschoppen? Du schwankst ja am hellen Mittag über die Straße. Reiß' dich doch gefälligst zusammen, zum Donnerwetter noch einmal!"
„Ich?" fragt Federmann, „ich und schwanken? Ich' schwanke höchstens, ob ich mir solche Unverschämt, ßeiten vor dir bieten lassen soll."
Gegenteil.
„Hör mal", fragt Mücke, „hast du nicht früher einmal in Finsterwalde gewohnt?"
„Im Gegenteil", sagt Federmann, „in Lichterfelde." Die Uhr.
jedermann hat einen Anfall von Kleptomanie gehabt. Federmann hat, er weiß selbst nicht wie. eine goldene Uhr gestohlen.
„Ich verstehe Sie einfach nicht", schüttelt der Polizeikommissar den Kops, „haben Sie, als Sie die Tat begingen, denn nicht an Ihre Frau gedacht?"
„Wieso?" sagt Federmann, „es war ja eine Herrenuhr."
Die Kabine.
Federmann macht eine Dampferreife.. Als er sich an Bord eingerichtet und fein Gepäck verstaut hat, gibt es Frühstück, und dann wird zum Mittagessen geläutet, und dann trinkt er einen Cocktail, und bann kann er seine Kabine nicht wiederfinden.
„Haben Sie sich die Nummer nicht gemerkt?" fragt der Steward.
„Nein", sagt Federmann, „aber sie lag genau gegenüber von einem Leuchtturm."
Ungeziefer.
Federmann und Mücke machen einen Ausflug. Abends, im Wirtshaus, verpaffen sie den letzten Zug.
„Wir müssen hier übernachten", sagt Federmann.
„Ausgeschlossen", wehrt Mücke ab, „in diesem Wirtshaus lege ich mich auf keinem Fall ins Bett." „Aber warum denn nicht?" fragt Jedermann.
„Wegen des Ungeziefers", sagt Mücke und fängt schon an, sich zu kratzen.
„Komischer Kerl!" schüttelt Federmann den Kopf, „was brauchst du Rücksicht nehmen auf Menschen, die hier später einmal übernachten?"
Oie schnellsten Züge.
Berlin — Hamburg 96,1 Kilometer Durchschnittsgeschwindigkeit in der Stunde.
An demselben Tage da auf der Avus in Berlin das Internationale Autorennen des ADAC, statt- fand und Rekorde an Höchstgeschwindigkeiten vor einer Zuschauermenge von Hunderttausenden erzielt wurden, hat — kaum beachtet von der Außenwelt — auch die Deutsche Reichsbahn einen Rekord an Schnelligkeit -ju verzeichnen gehabt, dem ein paar Worte zu widmen es sich wohl lohnt.
Ein Geschwindigkeitsoergleich der schnellsten deutschen Züge in den letzten Jahren zeigt, daß die Deutsche Reichsbahn von einem Sommerfahrplan zum anderen stetig die Schnelligkeit des Personen- Verkehrs in feinen Spitzenleistungen steigern konnte. In diesem Jahre weist der neue Sommerfahrplan Verbesserungen auf, die keinen Vergleich mit anderen europäischen Eisenbahngesellschaften mehr zu scheuen brauchen. An der Spitze der schnellsten deutschen Züge steht jetzt der Berlin — Hamburger r D • 3 u g, der für die 286,8 Kilometer lange
Strecke ohne Zwischenaufenthalt nur 179 Minuten, und von Hamburg nach Berlin 180 Minuten braucht. Die ganze Entfernung wird demnach mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 96,1 resp. 95,6 Kilometer in der Stunde zurückgelegt: die hierbei erreichten Höchstgeschwindigkeiten liegen zwischen 110 und 120 Kilometer. Die Steigerung der Geschwindigkeit ist durch eine Neu- regelung des Signalsystems ermöglicht worden, die einem neuen Triebwagenverkehr auf der Strecke Berlin—Hamburo für den zur Zeit Versuche an- gestellt werden, dient. Die Durchschnittsgeschwindig- feit von 96,1 Kilometer in der Stunde auf eine relativ so große Entfernung darf wohl als eine Rekordleistung im Eisenbahnverkehr bezeichnet werden.
Wir lassen nachstehend eine Zusammenstellung der schnellsten deutschen Züge im Sommerfahrplan 1932 folgen:
Berlin Lehrter Bf. — Hamburg Hbf. 286,8 Kilometer in 179 Min. = 96,1 Kilometer-Stunden.
Breslau — Königszelt 48,4 Kilometer in 31 Min. = 93,7 Kilometer-Stunden.
Hannover — Hamm 176,5 Kilometer in 116 Min. = 91,3 Kilometer-Stunden.
Berlin — Hannover 254,1 Kilometer in 168 Min. = 90,8 Kilometer-Stunden.
Berlin — Halle 161,7 Kilometer in 107 Min. = 90,7 Kilometer-Stunden.
Osnabrück — Bremen 122,1 Kilometer in 82 Min. = 89,3 Kilometer-Stunden.
Dortmund — Hannover 207,5 Kilometer in 141 Min. = 88,3 Kilometer-Stunden.
Die zur Zeit schnellsten Verbindungen auf große (Entfernungen lind:
In Deutscy 1 and: Berlin — München rd. 660 Kilometer in 9 Stunden - 73 Kilometer-Stunden. Berlin — Königsberg rd. 590 Kilometer in 7h Stunden = 79 Kilometer-Stunden. Berlin — Köln rd. 580 Kilometer in 6h Stunden. Berlin — Frank- furt a. M rd. 540 Kilometer in 6% Stunden = 80 Kilometer-Stunden.
In Frankreich: Paris — Bordeaux rd. 590 Kilometer in 6% Stunden = 87 Kilometer-Stunden. Paris — Lyon rd. 510 Kilometer in 6h Stunden = 79 Kilometer-Stunden. Paris — Straßburg rd. 500 Kilometer in 5h Stunden « 87 Kilometer- Stunden.
In England: London — Edinburg rd. 630 Kilometer in 8h Stunden = 76 Kilometer-Stunden.
In Italien: Rom — Mailand rd. 665 Kilometer in 9h Stunden = 72 Kilometer-Stunden.
Oie Münnerstadt.
Die Engländer standen schon immer in dem Geruch, „speenig" zu sein: sie betreiben alles sportsmäßig, neuerdings sogar die Weiberfeindschaft. 3n der Rähe von Coventry ist ein großes Lager ausgeschlagen, ein richtiges Lager mit Holzhäusern und Zelten und allem Zubehör, auch der Stacheldraht fehlt nicht — man könnte glauben, ein Kriegsgefangenenlager sei aus Versehen übrig geblieben und werde jetzt vielleicht zur Unterhaltung und Belehrung öffentlich gezeigt. Aber der Stacheldraht, der um dieses seltsame Lager führt, soll nicht etwa die Bewohner des Lagers von Fluchtversuchen abhalten, sondern ganz im Gegenteil: Eindringlichen soll der Zugang unmöglich gemacht werden. älnd zwar Eindringlingen weiblichen Geschlechts. Dutzende von Aufschriften zeigen nämlich, um was es sich hier handelt: um eine Gesellschaft von Männern, die keine Frauen bei sich dulden wollen. Keine Frau darf den Eingang zu diesem Lager passieren — unter gar keinen älmständen. Die dreihundertzwanzig Mann, die das Lager bevölkern — es werden übrigens von Woche zu Woche mehr! — wollen mit dem weiblichen Geschlecht nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Das geht so weit, daß es in den Satzungen dieser Lagergenossen strengstens verboten ist, die Wörter Frau, Mädchen, Gattin, Braut ufto. überhaupt zu gebrauchen — nicht einmal gesprochen darf von den Frauen werden, auch nicht im abfälligen Sinn. Die englischen Blätter bringen Bilder aus dieser seltsamen Männerstadt, und ausführliche Berichte, und sie äußern mehr oder weniger deutlich die Meinung, daß die dreihundertzwanzig freiwilligen Zölibatäre wahrscheinlich deshalb von den Frauen nichts mehr wissen wollen, weil sie früher zu viel von ihnen gesehen und gehört haben. 3m übrigen soll es in dieser CageVftaöt sehr lustig zugehen. Die Männer kochen sich selbst, verrichten alle Arbeiten, auch die häuslichen, stopfen sich die Strümpfe und die Löcher in Hose und 3acke, und versichern jedem, der es hören will: es geht auch so, und zwar ganz ausgezeichnet. Es ist ganz gut, meint ein sehr verbreitetes Londoner Wochenblatt, daß solcherart den Frauen einmal gezeigt wird, daß es auch ohne sie geht. Wir möchten übrigens wissen, fragte das Wochenblatt, wie die Gründung einer Frauenstadt unter den gleichen Modalitäten ausfallen würde. 3n der nächsten Rümmer des Blattes antwortete ein Leser: Unmöglich I Sie würden einander schon in den ersten acht Tagen auffressenl
Der Mann ist für Coventry reif!


