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Roman von 3- Gchneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister. Werdau.
(Schluß.)
$nnn standen sie wieder auf festem Boden. Aber ihre Füße schwankten, als ginge sie über schaukelnde Bretter. Alles ringsum fuhr zu kreisen fort. Unwillkürlich suchte sie nach einem Halt, fühlte, wie ein Arm sich unter den ihren schob und vernahm das helle, mitleidige Stimmchen der Kleinen:
„Soll ich nicht eine Limonade holen, Dieter? — Oder Eis?"
„Limonade", sagte Malnow und blickte der Schwester nach, wie sie mit fliegenden Locken nach einem der benachbarten Stände lief.
„Wollen wir nicht lieber in eine Bude gehen?
— Ja, Fräulein Suse?"
Sie vermochte kein Wort zu entgegnen und biß die Zähne zusammen, um das Weinen zurück- zudämmen, das auS allen Tiefen ihrer Seele yervorzubrechen drohte.
Das Dorli kam und hielt in der Rechten ein Glas Limonade, während ihre Linke eine mit Eis gefüllte Waffel umschloß. „Dieterle!" schmeichelte sie. „Bitte, nimm mir etwas ab. Ich verschütte -sonst. — Ich habe das Glas selber ganz rein gespült! Sie brauchen sich nicht davor zu ekeln, Fräulein."
Suse trank mit geschlossenen Augen und fühlte noch immer Malnows rechten Arm durch ihren linken geschoben. Willenlos ging sie neben den beiden her, vernahm, wie das Kind bald dort, bald hier, in einen Ruf des Entzückens ausbrach und tausende Worte des Beifalls für all die Herrlichkeiten fand.
Bald nachher saßen sie im Dämmer einer zeltbedachten Bude. Kleber das gestreifte Leinen rann die Sonne und ließ Schatten in den Gesichtern spielen, je nachdem der Wind es hob und senkte.
Malnow bestellte Gumboldskirchner auf Eis gekühlt und erstand farbige Riefenlebkuchen, die in Dorlis Fingern wie Ungeheuer aussahen und von ihren kleinen Zähnen lustig angeknabbert wurden.
Das Kind mochte fühlen, daß zwischen den beiden Menschen neben ihr ein Geheimnis zitterte, dos sich nicht erschloß, solange es zwischen ihnen am Tisch sah.
Zudem wollte es auch hinaus, wo es all die Herrlichkeiten zu schauen gab. Aber so sehr sie auch bettelte, allein wollte Dieter sie nicht gehen lassen. „Du könntest dich verlaufen, mein Licb- ling“, warnte er besorgt.
Und Suse brachte in dieser Minute das größte Opfer ihres Lebens, als fie sagte: „Dettermann
wartet auf mich, vor der Bude, wo es die „schönste Frau der Welt" zu sehen gibt. Vielleicht könnte dein--Ihr Kind--unter
seiner Obhut die Wiese beschauen."
„Sie versprechen mir inzwischen hier zu bleiben und nicht wegzulaufen, bis ich wieder zurück bin?" Malnows Frage war mehr ein Befehl.
„Ja!" versprach sie willenlos. Gegen die Lehne des Stuhles gedrückt, sah sie ihm nach, bis die Zeltvorhänge hinter ihm zusammenfielen.
Fünf Minuten später stand er bereits wieder vor ihr. „Sie haben noch gar nicht getrunken", tadelte er. „Dettermann hat sich schon gesorgt und war der Meinung, es hätte sie einer der fahrenden Leute in seinen Wagen geschleppt, um Sie demnächst als „schönste Frau der Welt" auf den Jahrmärkten des Kontinents zu zeigen!"
Sie lächelte verzweifelt und führte nur, um seinem Blick auszuweichen, das Glas mit der goldenen Flüssigkeit zum Munde.
„Da uns ein Mehr nicht gegönnt war, Fräulein Suse, wollen wir nicht wenigstens gute Freunde sein?" Er hielt ihr die Hand über den Tisch entgegen und wartete. — Aber die ihre hob sich nicht. — Roch immer lag seine Rechte allein auf der gemusterten Decke. „Sie wollen nicht?"
Sie schüttelte den Kopf und legte ihn aufweinend auf den Rand des Tisches.
„Suse!" mahnte er betroffen. „Richt einmal zum Freund willst du mich haben?"
Ihr Gesicht hob sich in schleppender Langsamkeit, während ihre Finger nach den seinen tasteten. „Vergib mir, Dieter!" Haltlos brach das Schluchzen aus ihrer innersten Seele.
Er hob sich aus dem Stuhl und setzte sich in den neben ihr. Sie waren fast die einzigen in der Bude. Rur in einer Rische saß noch ein Pärchen, das aber für niemand Augen hatte. So konnte er es ruhig wogen, den Arm um sie zu legen und ihr Gesicht an seine Schulter zu ziehen. „Was haben wir uns gegenseitig Leid geschaffen, mein Mädchen. — — Hast du mich denn noch ein bißchen lieb?"
„Lieber alles!" hauchte sie und barg das Gesicht enger gegen seine Brust.
„Lind Doktor Wander?"
„Es war nur Trotz — — weil ich dich nicht mehr haben durfte--wollte--“ verbesserte
sie scheu und wagte nicht zu ihm aufzusehen.
„Lind das Kind?" Da sie noch immer geschlos- 'senen Auges gegen ihn lehnte, gewahrte sie das Lächeln nicht, das ihm bei dieser Frage um Mund und Augen spielte.
Ihre Wangen standen jetzt glutüberhaucht. Dann hob sich ihr Blick und ruhte offen und ehrlich in den seinen. „Ich will es lieben — wie ich dich liebe — und ihm die Mutter sein — wie du es von mir erwartest, und mich seinerzeit darum gebeten hast."
„Ich danke dir, Suse! — Von ganzem Herzen danke ich dir, mein Mädchen." Er neigte sich über ihre Hand, hob diese an die Lippen und ließ sie darauf ruhen. Plötzlich gab er sich einen Ruck, ging nach dem Büfett und kam mit einer Flasche Sekt zurück.
„Run wollen wir Verlobung feiern, Kind!" Ter Pfropfen knallte gegen das flatternde Leinen der Decke, daß sie einen großen Dogen in die Luft zeichnete. Schäumend brausten die Kelche über. „Trink, mein Schatz! — Suse! Liebes!" Er hielt ihr sein Glas entgegen und ließ keinen Blick von ihr, bis sie es zum Grunde geleert hatte. „Run hole ich das Dorli und--'Detter
mann! Daß du mir keinen Schritt aus der Bude machst! Ich will die „schönste Frau der Welt" für mich allein haben. Einen Kuß noch, mein Mädl! Ich verschmachte sonst!"
Der Sekt berauschte sie förmlich. Als er nach kurzer Zeit zurückkam, den einen Arm in den Dettermanns, den anderen in den des Dorli gehakt, sah sie ihm aus glückstrunkenen Augen entgegen. Ihre Hand streckte sich nach dem Kinde aus, das einen großen Strauß dunkel erblühter Rosen umklammert hielt, und ihr denselben in den Schoß legte.
„Dieter, darf ich wirklich?"
Malnow nickte, während Suse zwei Arme fühlte, die sich um ihren Hals legten und eine kühle Kinderwange, die sich an ihre heiße, glühende schmiegte. „Hab mich lieb!" bat Dorlis Stimmchen. Aber es zitterte etwas.
Suse vermochte kein Wort zu sprechen, drückte nur das zarte Geschöpfchen an sich und küßte es auf Stirn und Lippen, und streichelte dessen'flimmerndes Blondhaar. Lieber die Kleinen hinweg tasteten ihre Finger Dettermann entgegen, der sich den Schnurrbart leckte, damit ihm die Tränen von dort weg nicht in den Hals rollten. Er drückte ihre Hand, daß sie völlig gefühllos wurde und nur mit Mühe, als er sie wieder frei gab, einen Zwanzigmarkschein aus dem Täschchen ziehen konnte. „Ditte, Dettermannchen. kauf dem Dorli alles, was ihm Freude macht! — Aber sei achtsam, daß es sich nicht den Magen verdirbt. — Hörst du?"
Aber die beiden hörten nichts mehr. Das Kind und der Alte waren schon losgezogen, nur die Zeltwand flatterte an der Stelle, wo sie hinaus- gcschlüpft waren, noch einmal auf.
Malnow nahm die Hand der Geliebten ganz behutsam zwischen die seine und neigte sein Gesicht darüber. Als er es wieder hob, waren seine Augen von Trauer und Ernst beschattet. „Ich werde dir nie vergessen, daß du mir heute dein ganzes Selbst zum Opfer gebracht hast. Du hättest mir keinen größeren Beweis deiner Liebe geben können, als daß du das Kind in dein Herz einzuschließen bereit bist. —’ Lind nun sollst du auch wissen, wie sich alles verhält." — Suses
Hände, die abwehrend auffahren wollten, herabdrückend. begann er zu sprechen: Von seiner Kindheit — seinem Zerwürfnis mit der Mutter, als sie eine zweite Ehe einging — „Lind dieser Ehe, mein Mädchen, entsproß das Dorli!" sagte er ernst.
„Dann ist es also---"
„Meine Stiefschwester", nahm er ihr das Wert vorweg. „Ich begreife selbst nicht, wie dieser unselige Irrtum damals bei unserer Aussprache möglich sein konnte. Ich war des festen Glaubens, daß du alles weißt, sonst wäre es doch mein Erstes gewesen, deine Annahme zu berichtigen und uns beiden diese Szene zu ersparen."
„Dieter —!"
Er wußte nicht mehr, welche Worte und welche Zärtlichkeiten er für sie finden sollte, als sie jetzt so bitterlich zu weinen begann.
„Ist dir leid um die Tage des Glückes, die wir so nutzlos versäumt haben?"
„Ja!" stammelte sie und hielt seine Finger umklammert. Er nahm sie in die Arme und wiegte sie glückversunken. Das Dämmer, welches dieDude mit halber Rächt erfüllte, wurde jäh durchbrochen, als die ersten Lampions in bunten Farben aufglühten.
Er küßte sie rasch noch einmal, dann schritten fie Arm in Arm in das Toben und Johlen. Lachen und Schreien, in die sprühende, flimmernde Helle, welche den weiten Platz erfüllte.
„Run hat auch das Recklinhäufensche^Iüngste heimgesunden", sprach er und drückte sie enger an sich. „Margret ist mit ihrem Doktor glücklich., nur Lenore — —“
Sie unterbrach ihn, indem sie die Finger auf seinen Arm legte und zu ihm emporsah: „Sie ist die beste von uns Recklinhausenschen Töchtern. Ein Wesen aus einer anderen Welt. Ihr Glück ist nicht das, was die anderen darunter verstehen. Sie findet es in immerwährendem Sich-opfern, selbst für Menschen, die ihr wehe getan haben. Jetzt betreut sie Swensens Kind, damit er seine Frau nach dem Süden bringen kann. — Sie will noch diese Woche nach Hause kommen, weil der Kleine etwas schwächlich ist und Landluft nötig hat. — Kannst du das verstehen, Dieter?"
„Ja!" sagte er überzeugt. „Auch du, Suse, mußt es doch begreifen. Hast du nicht selbst heute dein eigenes Ich vergessen und dich aufs Reue dem Mann geschenkt, von dem du glaubtest, daß er dich betrog und so bitterschweres Leid zufügte?"
„Das ist doch nicht solch schweres Opfer gewesen, wie Lenore es täglich bringt", wandte sie schüchtern ein, errötete tief, als sie den Blick seiner Augen sah und drückte sich fester an ihn.
Reben und vor ihnen lag das schöne reiche Leben, dem sie nun gemeinfvm entgegengingen. Alles Bittere war ausgelöscht! Richts, als die große, selige Freude des Sichgehörens blieb.
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Dienstag, den 26. April, 20Uhr. Großer Hörsaal der Universität. Llchtbilder-Vortrag des Herrn Prof. Dr. Haas. — Thema: „Wie können wir sicher die Tuberkulose verhüten und heilen?“ 2978d Eintritt 20 Pfennitr
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