und Kirchendiener i.R. Kaspar Väth, der letzte Veteran von 1870/71 in unserer Gemeinde, zu Grabe getragen. Pfarrer Reusch hielt die Grabrede, der Kriegerverein erwies seinem Mitglied die letzte Ehre. Vektor 3ung würdigte die Ver- dienste des Verstorbenen als Kirchendiener. Zahlreiche Kränze wurden niedergelegt und bewiesen die Wertschätzung, der sich der Heimgegangene erfreute.
# Nieder-Bessingen, 23. Febr. Dieser Tage sand im Gasthaus von Wilhelm Lotz ein Vortragsabend der Landwirtschaftlichen Bezugsgenossenschaft statt. Diplom- landwirt Dr. Bohlmann sprach über „Bekämpfung des Unkrautes". Zur Erläuterung war ein Film über Hederichbekämpfung mit Kainit bei- gegeben. Ein Film aus der Schwalm diente der Unterhaltung. Den Abend beschloß ein Vortrag von Landwirtschaftsrat Dr. Schneider (Lich) über „Die Bedeutung und Anwendung der künstlichen Düngung".
4 Lauter, 22. Febr. Durch Vermittelung des Arbeitsamtes Gießen soll aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge die Straße zwischen Lauter und Weickartshain ausgebaut werden: dadurch wird endlich der Wunsch weiter Bevölkerungskreise nach einer guten Verbindung zwischen den beiden Orten erfüllt. Das Baumaterial soll an Ort und Stelle gewonnen werden, da Steinbrüche im Wald zwischen Lauter und Weickartshain, soweit sie nicht schon vorhanden sind, leicht geschaffen werden können.
s. Hungen, 23. Febr. Der Bezirkslehrerverein Hungen hielt im „SolmserHof" eine Konferenz ab. Lehrer Dietrich (Rodheim- führte einen von ihm erdachten Rechenapparat vor, der es gestattet, alle Rechenoperationen im Zahlenraum bis Hundert anschaulich auszuführen. Allgemein anerkannt wurde die Einfachheit des Apparates, der trotzdem wesentliche Reuerungen bringt und die Möglichkeit manueller Betätigung durch die Schüler selbst bietet. 3m Anschluß wurde über die Veranstaltung von Goethefeiern in den Schulen gesprochen und Schriften für diesen Zweck behandelt.
lZ R o d h e i m a. d. Horloff, 22. Febr. 3m vollbesetzten Saale der „Luther-Eiche" hielt der hiesige Männergesangverein „Sängerkranz" eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der Winterhilfe ab. Der Abend, der durch eine Begrüßungsansprache des ersten Vorsitzenden Ludwig Becker eingeleitet wurde, stand im Zeichen des Heimatgedankens. 3n besonderer Weise wurde der Heimatdichter Georg Heß, Leihgestern, dem Sinne des Abends gerecht. Seine humorvollen Mundartdichtungen fanden stürmischen Beifall. Heimatlichen Charakter trugen auch die beiden Theaterstücke, die von hiesigen Mädchen und Burschen sinnig dargestellt wurden. Gute Aufnahme fanden weiterhin die Chordarbietungen des Vereins, der mit Kunst- und Volksliedern erfreute. Mit einem kurzen Schlußwort, in dem der Vorsitzende den Dank des Vereins an alle Mitwirkenden zum Ausdruck brachte und zur Pflege des deutschen Liedes aufforderte, fand die wohlgelungene Veranstaltung ihr Ende.
Kreis Friedberg.
4 Kirch-Göns, 23. Februar. Der hiesige Ob st - und Gartenbauverein hielt dieser Tage seine Jahreshauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Bürgermeister H a n a ck , begrüßte die Mitglieder. Obstbauinspektor R ent sch, Friedberg, hielt einen Vortrag über „Pflege und Pflanzen der D ee re n v b st st rä uch e r". Rachdcm der Redner die Bedeutung des Deeren- vbstes gewürdigt hatte, ging er auf die Behandlung der einzelnen Sorten ein und gab seinen Zuhörern wertvolle Ratschläge. Er forderte dabei zu vermehrtem Deerenobstbau auf und wies auf die wirtschaftlichen Vorteile hin, die dem Landwirt daraus erwachsen können. Den Abschluß der Versammlung bildete eine Verlosung.
Von Geld und Liebe.
Vornan von Grete von Gaß.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Hall«
21 Sortierung. Nachdruck verboten.
Beide trafen prompt ein: in ihrem Gefolge befand sich die Tänzerin Maria Costa.
Maria war die Schwester des Malers Andree Costa, der zu Roses Freundeskreis gehörte. Außerdem war Maria dem Kommerzienrat von Baden-Baden her bekannt. Sie hatten dort im gleichen Hotel gewohnt und sich miteinander an* gefreundet.
Es wurde erwähnt, während der Kommerzienrat Roses Bekannte Ottilie vorstellte.
Maria Costa, die nicht mehr ganz jung, aber dennoch schön und von entzückender Lebendigkeit war, erzählte mit ihrer melodisch klingenden Stimme dem Brautpaar'
„Ich war zugegen, als 3hrem Herrn Vater das Telegramm überreicht wurde, das ihm 3hre Verlobung anzeigte. — Rein, diese Freude hätten Die sehen sollen! — Unbeschreiblich!"
Der Kommerzienrat lächelte abwehrend.
„So toll war die Freude nicht —"
Marias Hand legte sich um seinen Arm.
„Doch — doch — reden Sie nicht dagegen! Die Rachricht hatte Sie geradezu in einen Taumel von Glückseligkeit verseht. 3ch erzähle 3hnen später noch mehr davon!" versprach sie, Ottilie und Rose zublinzelnd.
Der Kommerzienrat dachte: Die wird am Ende Frau Tönnies noch verraten, daß ich ihr tüchtig den Hof gemacht habe. Rur das wird sie verschweigen, daß sie mich am Abend vor meiner Abreise angepumpt hat, um ihre Hotelrechnung zu bezahlen, die sie seit einem Monat nicht bezahlt hatte, weil Ebbe in ihrer Kasse gewesen.
Die Angekommenen nahmen im gleichen Hotel Wohnung. Rose bestand darauf, daß der Vater den Salon mietete, der neben ihrem Wohnzimmer lag.
An windigen, regnerischen Tagen sah man nun in diesem Salon, rauchte Zigaretten, plauderte und lachte miteinander.
Des Kommerzienrats Stimmung hob sich. Er genoß es, amüsante und immer frohe Menschen um sich zu haben.
Zuweilen tanzte die Costa, während 3na Stevenson und Frank Hasse auf Violine und Klavier begleiteten. — Diese Darbietungen fanden immer erst am Abend svät statt, wenn Ottilie Tönnies sich längst auf ihr Zimmer zurückgezogen hatte. Aber tags darauf schwärmte Rose ihrer zukünftigen Schwieaermama vor, wie köstlich man sich unterhalten habe.
Sehr taktvoll war Rose nun einmal nicht.
Kreis Büdingen.
og. Ortenberg, 23. Februar. Der Turnverein Ortenberg hielt seine Generalversammlung ab. Zunächst gedachte man des verstorbenen Ehrenmitgliedes Fritz Zahn. Der erste Turnwart Georg Pfeiffer erstattete den Turnbericht und konnte dabei mitteilen, daß der Verein auf den verschiedenen Bezirks- und Gauturnfesten gut abgeschnitten hat. Frau Dr. Löffler, die Leiterin der Damenriege, berichtete über die Erfolge der Turnerinnen. Der Spielleiter der Handball- abteilung, Fritz Becker, gab der Versammlung einen Ucberblick über diesen Zweig sportlicher Tätigkeit. Der Geschäftsführer, Dachdeckermeister Heinrich Hebbel, referierte über das abgelaufene Geschäftsjahr, der Rechner Heinrich M e u e r II., gab den Kassenbericht. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurde beschlossen, den Vereinsbeitrag auf 40 Pfennige pro Monat zu ermäßigen. Der zweite Vorsitzende Fritz Zahn gedachte der Der- dienste des Rechners, der seine Arbeitskraft seit nahezu 25 Jahren dem Verein zur Verfügung stellte.
Kreis Alsfeld. .
ll. Merlau, 23. Febr. Bei der hiesigen Bürgermeisterwahl am vorigen Sonntag stimmten von 439 Wahlberechtigten 366 ab. Es erhielten: der seitherige Bürgermeister Landwirt Wilhelm Kochendörfer 233 Stimmen, Landwirt Ludwig Sartorius 80 und Landwirt Karl Rühl 5 2Stimmen. Bürgermeister Kochendörfer ist mithin auf 9 Jahre wiedergewählt.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 23. Febr. Der Beigeordnete und langjährige Gemeinderat Wilhelm Pitz II. feierte am Samstag seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß überreichte Bürgermeister H ö g h dem Zubilar im Auftrage des Stadtvorstandes eine kunstvoll angefertigte Urkunde als Geschenk.
preuhen.
Kreis Wetzlar.
£2 Dutenhofen, 23.Febr. Bei der Verpachtung der Frschereiberechtigung in den in der Gemarkung liegenden Gemeindegewässern des früheren Lahnbettes auf weitere 6 3ahre wurden insgesamt 546,50 Mk., gegenüber 907 Mk. im Vorjahre, erzielt. Die Gewässer wurden wieder in 8 Losen vergeben.
' R i e d e r k l e e n, 24. Febr. Der an Stelle unseres verstorbenen langjährigen Postagenten 3. Mack zum Postagenten ernannte Landwirt Ernst E i s e n h a r d t wurde zum Direktor der hiesigen Vorschuß- und Kreditkasse gewählt.
Kreis Biedenkopf.
(p Crumbach, 24. Febr. Unsere Mitbürgerin Frau Witwe Wagner kann am Donnerstag, 25. Februar, ihren 90. Geburtstag im Kreise von zwei Kindern und drei Enkelkindern begehen. Wenn auch der Gesundheitszustand der Greisin nicht mehr der beste ist, so ist sie doch noch im Besitze völliger geistiger Frische.
SJL-spott
VfB.-Gießen.
VfB. Ligareserve — Burgsolms 1 4:4 (1:3).
3n diesem Verbandsspiel standen sich zwei gleichwertige Gegner gegenüber, die sich einen schönen und fairen Kampf lieferten. Dis Halbzeit lagen die VfDer mit zwei Toren im Hintertreffen, sie konnten aber durch prächtigen Angriffsgeist den Vorsprung des Gegners aufholen. Beim Gegner waren der Rechtsaußen und beim VfB. der linke Läufer die besten Leute. Das Spiel der 3. Mannschaft wurde vom Gegner abgesagt.
Iugendspiele.
Das Spiel der 1. 3ugend in Butzbach wurde in letzter Stunde noch abgesagt. Die 2. 3ugend verlor gegen die gleiche von 1900 0:1, während die 1. Schülermannschaft die Ehre des Tages rettete und gegen die gleiche von Klein-Linden 3:0 gewann. Die Kleinen zeigten Eifer und guten Willen.
M. „Teutonia ^Dahenbom-Sieinberg
„Teutonia" — DfD. Aßlar 6:1 (1:1).
Der Meister der A-^affe hatte am Sonntag die 1. Mannschaft des VfB. Aßlar zu Gast. Die Gäste stellten eine sehr gute Elf ins Feld, die technisch gut durchgebildet ist und außerordentlich schnell operierte. Das Spiel wurde denn auch in einem sehr scharfen Tempo ausgetragen: es verlief anfänglich ziemlich ausgeglichen, beide Mannschaften zeigten schöne Leistungen, aber erst nach geraume Zeit konnte der Halbrechte der Teutonen auf eine genaue Flanke von Halblinks durch einen Kopfball zum Führungstreffer einsenden. Rach dem Wieberanstoh kam Aßlar gut vor des Plah- besihers Tor und vermochte im Rachschuß das Ehrentor zu erzielen. Mit 1:1 ging cs in die Pause. Rach dem Wechsel sah man weiter ein hartnäckiges Spiel, die Hintermannschaften muhten oft eingreifen, die Teutonen verstärkten dann aber das Tempo, ein schöner Angriff wurde vom Mittelstürmer abermals durch einen Kopfball Sm Führungstreffer verwandelt. 3m weiteren
erlauf des Kampfes erwiesen sich die Platz- besiher im Spielaufbau und im Zuspiel immer
besser, ein schöner Fernschuß des Halblinken landete unhaltbar zum 3. Erfolg im Reh. Aßlar, leicht deprimiert, lieh etwas nach. Die Teutonen nützten die Schwäche geschickt aus und erzielten Tor auf Tor, so daß sich die Aßlarer, die sich lange Zeit tapfer der Angriffe erwehrten, mit 6:1 geschlagen bekennen mußten. Das Spiel wurde außerordentlich fair durchgeführt und war gut geleitet.
Sporiabteilung des Turnvereins Lollar
Lollar weilte am Sonntag mit zwei Fußballmannschaften in Wetter zu Gast. Die 1. Mannschaft hatte einen schweren Stand, denn Wetter war etwas schneller und mit den Platzverhältnissen besser vertraut. Lollar erzielte trotzdem bis zur Pause zwei Tore, denen Wetter nur eines entgegenstellen konnte. Rach der Pause gingen die Plahbesiher mehr aus sich heraus und konnten Mitte der zweiten Halbzeit gleichziehen. Dann beherrschte Lollar wieder das Feld, aber die 3nnenstürmer verstanden es nicht, Tore zu schießen. Wetter hatte mehr Glück und konnte kurz vor Schluß das siegbringende Tor erzielen. Die 2. Mannschaft hatte in ihrem Spiel gegen Wetter II ausgesprochenes Schußpech. Die gesamte Mannschaft gefiel sehr gut. Mit einem Unentschieden 2:2 trennten sich die beiden Gegner. Die 3. Fußballmannschaft hatte den Fuhball- neuling VfB. Krofdorf zu Gast und konnte nach beiderseits schönen Leistungen einen hohen 9:0- Sieg landen.
Handball im Labn - Oünsberg - Gau.
Hausen II — WißmarII 7:5 (4:4).
Beipe Mannschaften traten verstärkt durch Spieler der 1. Mannschaften an. Es entwickelte sich ein fairer, flotter Kampf, bei dem die Gäste an* fänglich überlegen waren. Dann kam Hausen auf und formte den Sieg erringen.
Hausen I - DHD. Gießen I 5: 6 (4:2).
Die Mannschaft des DHV. fand sich schnell zusammen und ging bald in Führung. Hausen spielte zerfahren, fand sich später aber besser und zeigte auch eine leichte Überlegenheit. Kurz nach Halb
zeit erhöhte Hausen auf 5:2. Dann kam bet DHV. zu einem verdienten Gegentreffer und kurz vor Schluß durch Strafwürfe noch zu drei Erfolgen, während Hausen infolge der vorzüglichen Leistungen des Gießener Torhüters und Schuhpechs leer ausging. Es war ein schneller, harter Kampf, der die glücklichere Mannschaft als Sieger sah.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Gießen I — Wieseck l 3:3.
Giehen war komplett, die Gäste traten mit Ersah an. Wieseck hatte zunächst den Wind zum Bundesgenossen, legte mächtig los und kam bald zum Führungstor. Der Ausgleich lieh nicht lange auf sich warten. Bis Halbzeit gelang es Giehen, das Resultat auf 3:1 zu stellen. Rach der Pause legt Wieseck ein flaches Spiel vor, holte ein Tor auf und erzielte den Ausgleich. Gießen konnte in der Folge nichts Zählbares erringen, während ein Tor für Wieseck nicht gegeben wurde. Das Spiel litt bedenklich unter schlechten Sch^dsrichter- leiftungen.
Gießen II — Kinzenbach I 2:5.
Vorher standen sich Giehen II und Kinzenbach! gegenüber. Gießen war in der ersten Spielhälfte etwas überlegen und führte bei Halbzeit 2:0. Rach dem Wechsel kamen die Gäste merklich auf, die Gießener wurden fast ganz in die eigene Hälfte zurückgedrängt und mußten--LL Gästen den Sieg überlassen.
Marburg I — Heuchelheim l 0:3.
Heuchelheim war zum Rückspiel in Marburg zu Gast. Die Plahbesiher gaben wohl alles her, um die im Vorspiel erlittene 7:1-Riederlage auszugleichen, konnten jedoch an der guten und sicheren Abwehr der Gäste nicht vorbei. Heuchelheim, technisch und taktisch dem Gastgeber überlegen, verließ als Sieger den Platz. Die zweiten Mannschaften beider Vereine lieferten sich ein gleichwertiges Spiel, das Marburg mit 1: 0 Toren für sich entscheiden konnte.
Großen-Linden I — Watzenborn l 3:2.
3n Großen-Linden standen sich diese Mannschaften im Freundschaftsspiel gegenüber. Es gelang den Platzbesihern, nach gleichwertigem Spiele bis Halbzeit mit 1:0 zu führen. Kurz nach Seitenwechsel kam Großen-Linden zum zweiten Erfolg. Die Gäste holten dann ein Tor auf und stellten nach geraumer Zeit auch den Ausgleich her. Kurz vor Schluß erzielte Großen- Linden den Siegestreffer.
Vorher standen sich Großen-Linden II und Annerod I im Freundschaftsspiel gegenüber. Hier konnte Annerod mit 1:2 Tpren Sieger werden.
I Lollar I — Allenborf I 1:4.
Zum Entscheidungsspiel um die Meisterschaft des 3. Bezirks standen sich Lollar und Allenborf auf dem Wiesecker Platz gegenüber. Beide Mannschaften, körperlich ausgeglichen, lieferten sich ein hohes wuchtiges Spiel. Was Lollar an Technik voraus hatte, glich Allenborf durch großen Eifer aus. Allenborf wurde in einwandfreier Weise verdienter Sieger. Beide Mannschaften spielten sehr aufgeregt. Allendorf fand sich schneller, Lollar muhte viel Abwehr leisten: durch einen Schnitzer des Lollarer Torhüters ging Allenborf in Führung. Das Spiel wird härter, aber ausgeglichener. Halbzeit 0:1. Bereits fünf Minuten nach dem Wechsel stellte Allenborf das Resultat auf 0:2. Die Lollarer spielten nun planloser, (Mendorf geriet dadurch auch aus dem Konzept. Bald fand sich Allenborf wieder und nach toenigen Minuten lautete das Resultat 0:4. Zum Schluß legte Lollar noch einmal mächtig los und schoß wenige Minuten vor Schluß das Ehrentor. Allen* dorf ist nunmehr Meister des 3. Bezirks.
Wieseck II — Wißmar l 4:2.
3n stark abgekürzter Spielzeit sah man Wieseck stets im Angriff. Schon nach wenigen Minuten übernahmen sie die Führung. Die Gäste werden
Die gab einen Fünf-Uhr-Tee, lud allerhand Menschen dazu ein, die sie im Hotel flüchtig kennengelernt hatte: ihre Schwiegermutter bat sie dazu, ohne sie auf die Begegnung mit fremden Gästen vorzubereiten.
Als Hans-Achim Rose vorhielt, daß sie mit Rücksicht auf die Trauer der Mutter diese nicht zu ihrem Tee hätte bitten dürfen, erwiderte sie schnippisch:
„Ach was! Wird sie nun ewig trauern? Das wird ja auf die Dauer langweilig. Es ist ganz gut, dah ich sie überrumpelt habe. 3ch lasse heute auch musizieren. Mama muh es schon ertragen. Da sie nun einmal hier ist, muh sie sich auch auf daS Leben, das wir hier führen, einstellen."
Hans-Achim hatte MüK, ruhig zu bleiben. Gr bat sie, wenigstens bei der Auswahl der Musikstücke Rücksicht auf die Anwesenheit der Mutter zu nehmen.
„Ich werde 3na und Frank sofort davon in Kenntnis sehen", sagte sie spöttisch, „dah sie in Gegenwart deiner Mutter nur Beethoven, Dach und Chopin zu Gehör bringen dürfen."
Diese Musik war nun gar nicht nach des Kommerzienrats Geschmack.
Er gestand ganz offen: „Mich können nur leichte Melodien erfreuen. Operetten, deren Schlager ich mitsingen kann, sind mir die liebsten, Herr Hasse hat ein ganz nettes Repertoir davon. Unlängst hat er es uns einmal zum Besten gegeben", erzählte er Ottilie und begann, ihr seine Lieblingsmelodien vorzusummen.
Ottilies Schönheit entzückte ihn noch immer; aber ihre Trauer war doch gar zu langweilig. Es muhte doch endlich einmal Schluß damit gemacht werden...
Am darauffolgenden Morgen, als Ottilie aus dem Wege zum Frühstückszimmer von dem Kommerzienrat begrüßt wurde, trat der Portier zu ihr, um ihr ein Telegramm zu überreichen.
Sie öffnete es sofort.
Des Kommerzienrats Blick ruhte auf ihrem Gesicht, in das beim Lesen eine helle Röte stieg.
„Schlechte Rachricht", fragte er.
Ottilie zog die Achseln hoch, faltete das Papier zusammen und schob es in ihre Tasche.
„Ich weih nicht", sagte sie zögernd. „Eva bittet mich dringend, sofort heimzukommen."
Münchmeher sah sie erstaunt an.
„Ranu, was ist denn? — Sie werden doch nicht gleich abreisen?"
„Doch! Selbstverständlich!"
„Aber liebe, gnädige Frau, tun Sic das doch nicht! Sprechen Sie erst mal telephonisch mit 3hrer Tochter. Hören Sie, ob wirklich Grund zu Ihrer Abreise vorliegt I Es wäre doch zu schade, wenn Sie fortgehen würden. — Rein, ich laß es nicht zu! Jetzt, wo wir uns hier so nett eingelebt haben!"
Der Liftboy trat zu ihnen. Er brachte dem
Kommerzienrat die Post und für Ottilie einen Brief.
„Der ist von Eva und wird mir gleich Ausschluß geben, um was es sich handelt!"
Sie gingen ins Frühstückszimmer. Während das Frühstück für sie aufgetragen wurde, las Ottilie ihren Brief. Sie war eben damit zu Ende, als Hans-Achim erschien. Wortlos reichte sie ihm den Brief.
Der Kommerzienrat sah sie fragend an.
„Ich muh beim!“ sagte sie mit blassen Lippen.
„Eva hat mich nötig.“
„Sie ist doch nicht krank?"
Ottilie schüttelte den Kopf.
„Rein!"
„3a, was ist denn? So sagen Sie es mir doch!"
Ihr Blick ging zu Hans-Achim und dann wieder zurück zu Münchmeher.
„Ich kann nicht!" sagte sie verzweifelt. „Verzeihen Sie! Cs ist Evas Angelegenheit. Ich weiß nicht, ob es ihr recht wäre, wenn ich darüber spräche."
„Ra, dann nicht! Ich will nicht in Siedringen!"
Er war sichtlich verstimmt, trank seinen Kaffee aus und erhob sich.
„3a, also — wann fahren Sie denn ab?"
„Mit dem Mittagszug — zwölf Uhr zehn Minuten!"
„Gut! Dann sehen wir uns vorher noch."
Er verabschiedete sich. Hans-Achim reichte seiner Mutter den Brief zurück.
Sie sah ihn mit fragendem Blick an.
«Was sagst du dazu, Hans-Achim? — Ist das nicht entsetzlich?"
„Wieso entsetzlich? — Das kann ich nicht finden. Eva schrewt dir doch, daß sie Schadow schon lange liebt — also ist es doch ein Glück, dah sie sich endlich gefunden haben und nun heiraten werden."
„Herrgott, Hans-Achim, wie leicht du die Sache nimmst! Die ganze Geschichte ist doch einfach eine Unmöglichkeit! Eva kann doch nicht im Ernst daran denken, die Frau eines Chauffeurs zu werden!“
Hans-Achim zuckte mit den Achseln.
„Wenn sie ihn liebt?"
Sie schüttelte mit dem Kopfe.
„3ch begreife nicht, wie das möglich ist?" Hans-Achim lächelte.
„So erstaunlich finde ich das gar nicht. — Friedrich Schadow sieht gut aus — er ist ein famoser Mensch. Wenn er eine bessere Position hätte, wie die seine es eben ist, würdest du sicher mit Freuden Evas Wahl begrüßen."
„Gewiß, das mag sein, aber schließlich ist er doch nur der Chauffeur deines Schwiegervaters gewesen. Stelle dir vor: es tarne wirklich zu einer Heirat zwischen den beiden, wie sollten sich Rose und ihr Vater zu Schadow stellen?"
„Sie brauchen sich gar nicht zu ihm zu stellen.
Er braucht für fte gar nicht zu existieren. Schadow wird das ertragen. Und Eva wird das auch keinen großen Schmerz bereiten."
•
Während ihrer Fahrt von Borkum nach 'Berlin hatte Ottilie sich zurechtgelegt, was sie Eva sagen wollte, um sie von der Unmöglichkeit ihres Vorhabens zu überzeugen. Run sie mit Gva darüber sprach, sah sie ein, daß das vergebens gewesen war. Eva lieh nichts davon gelten.
Ottilies Behauptung, dah ihre Verlobung mit Friedrich Schadow eine Kompromittierung ihrer Familie darstelle, wies sie entschieden zurück.
„Ich erwarte nicht, dah ihr Friedrich mit offenen Armen empfangt: aber die ihm zukommende Achtung, Mama, dürft ihr ihm nicht versagen. Wenn Rose Anstoß an meiner Heirat mit Friedrich nimmt, mag sie sie ignorieren. Weder Friedrich noch mir liegt an dem Verkehr mit Rose. Don dir und Hans-Achim erwarte ich allerdings, dah ihr euch verwandtschaftlich zu meinem Verlobten stellt. Wollt oder könnt ihr das nicht, so wäre das für mich sehr traurig, denn ich würde euch dadurch verlieren."
„Das heißt: du würdest uns aufgeben, Eva!?"
„Ja, Mama!" antwortete sie und sah Ottilie mit festem Blick an.
„So liebst du ihn?"
„Er ist mir alles, Mama! Und brächtet ihr, du und Hans-Achim, es nicht fertig, Friedrich als Verwandten aufzunehmen, so bliebe mir nichts anderes übrig, als mich von euch loszusagen."
Ottilie sah sie betroffen an.
„Herrgott, Eva, das werden wir selbstverständlich tun! Es wird nur nicht so einfach sein, in ein gutes verwandtschaftliches Verhältnis zueinander zu kommen. Ich fürchte, wir werden uns nicht in allen Dingen des Lebens verstehen. Wir sind nun einmal aus verschiedenen Kreisen. Deines Verlobten Lebensgewohnheiten und Anschauungen sind den unfrigen nicht gleich."
„Das ist nur eine Vermutung von dir, Mama: aber die trifft nicht zu. Run, du wirst Friedrich näher kennenlernen und dich selbst davon überzeugen. Darf ich ihm sagen, dah du ihn erwartest?"
„Muh es gleich fein, Eva? Mir wäre es lieber, dein Verlobter käme erst morgen. Ich bin so erschöpft von der Fahrt. Und dann: es gibt zwischen uns beiden noch so viel zu besprechen, über das ich im klaren sein will, bevor ich deinen Verlobten empfange.
Aus jedem Wort, das Ottilie sprach, klang angstvolle Zurückhaltung.
Eva hatte ein feines Ohr dafür.
„Es muh nicht gleich sein", sagte sie kühl, „aber was deiner Meinung nach zwischen uni beiden noch besprochen werden muh — das könnte vielleicht gleich geschehen, Mama?"
(Fortsetzung folgt.)


