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Nr. 20 Zweiter Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhehen)

Montag, 25. Zanuar (952

S.Upori

Zußball her Gießener Mannschaften.

D f 2 Vieh en: LigaHessen 09 (ßiga) 1:2 (0:1); Spv. Wetzlar II.312. L.gareservc 42; das Spiel der III. Mannschaft gegen Rieder- Weisel fiel au«. Handball: VfB. I. Allendorf I. 3:7.

Spielvereinigung 1900: Liga Wie­sen dach (Liga) 32 (12); Steinbach I.1900 Ligareserve 3 1; Gardenie ch I. 1900 IV. 3:2; 1900 V. - Wuschenheim I. 3:0. Handball: 19001. gegen .Ehattia" 4:5.

Zußball in Hessen-Hannover.

Borussia Julöa geschlagen!

Der Sonntag brachte auf der ganzen Linie wich­tige Kämpfe. Die Sensation des Tages in der Sud­gruppe war die Niederlage der führenden Ful­daer Borussen gegen kurheffcn Kassel mit 2:3 (2:2) Toren. Ockershausen unterlag mit 2:5 dem oorjäh- rißen Bezirksmeister SC. 03 Kassel und der DiB. Gießen zog gegen Hessen 09 nur knapp mit 1:2 den Kürzeren. Horos erzwang gegen Germania Mar­burg ein 3:3. Borussia Fulda führt noch mit drei Punkten Dorsprung vor Hessen 09 (24:6 und lf<:9 Punkte), die in den noch ausstehenden vier Spielen ousgeholt werden können. Sehr gut im Rennen liegt auch noch Kurhessen Marburg mit 17:9 Punkten.

3n der Nordgruppe befestigte (Böttingen 05 seine führende Position durch einen unerwartet hohen 4.0-Sieg über Hermannia Kassel. Der Spiel- verein Kassel verteidigte seinen zweiten Plag durch einen 7:1 Sieg über Northeim. Einbeck (15 unterlag gegen Iura 1:2. Den dritten Tabellenplatz nimmt Sport Kassel mit 19:9 Punkten ein.

Süddeutsche Fußballmeisterschaft.

Am gestrigen Sonntag gingen von den Spielen um die süddeutsche Meisterschaft in den beiden Gruppen allein vier von acht unentschieden au», wobei als besondere» Kuriosum drei dasselbe Ergebnis von 3:3 aufzuweisen haben. Die Ergeb­nisse kommen zum Teil unerwartet, so daß man mit Recht von einem Tag der llebcrrafdbungcn sprechen kann. Ueberraschend war e», daß Ein­tracht Frankfurt und FV. Saarbrücken unentschie­den kämpften, dah die Sp. Dg. Fürth auf c "jenem Gelände gegen den Karlsruhe FD. nur cm 1: 1* Ergebnis erzielte, ebenso dah der 1. FE. Nürn­berg gegen Pforzheim sich mit einem 3 3-Resultat begnügen muhte Die Situation ift jetzt so, dah in beiden Abteilungen kein Verein mehr vor­handen ift, der noch keinen Punktverlust erlitten hat.

Frankfurter Hallensportfest.

Jteuer Weltrekord im Kugelstoßen von Hirschfeld.

Das Frankfurter Hallensportfest hatte diesmal rein äuherlich nicht den grofoen Erfolg wie im Dor- jähre Immerhin kamen aber doch noch fast 6000 Zuschauer, die bei glatter Abwicklung interessante und sportlich febr ergiebige Kämpfe sahen. Der Höhepunkt des Abends war wieder das Kugelstoßen, bei dem Hjrfchfeld (ilUenftein) mit einem Stoh von 16.07 Meter nicht nur einen neuen Hallen- Weltrekord aufstellte, sondern sogar seine Freiluft- Bestleistung um drei Zentimeter überbot. Dr. Peltzer gewann in einem taktisch geschickt auf- geteilten Lauf die 1000 Meter vor dem Stuttgarter Pauk. Schaumburg (Oberhausen) beendete das 3000« Meter-Laufen siegreich vor Hellpapp (Stettin), Wel­scher siegte im 60Meter«Hürdenlauf vor Wege­ner (Schöneberg) und Pflug (Schöneberg) ging aus bem Svrinterdreikampf vor TI ebner (Frank­furt) und Ionath (Bochum) als Sieger hervor. Weitere Läufe, Staffeln und Handballspiele, sowie ein Schaulaufen des Nürnberger Meisterpaares im Rollschuh-Kunstlaufen, Frl. Haas / Pfister, oervoll, händigten das Programm.

Oie Ergebnisse:

Kugelftohen: 1. Hirschfeld-Attenftein 16,07 Meter (neuer Hallen-Weltrekord). 2. Sievert- Hamburg 15.33 Meter. 3. Schneider-O Pel-Rüssels- heim 14,72,5 Meter.

60-Meter-Hürdenlaufen: l.Welscher- Sintracht Frankfurt 8,5 Sek. 2. Wegener-Schöne­berg. Vrustbreite zurück. 3. Sievert-Hamburg. 4. Schwedhelm-I. G. Sportverein Frankfurt.

Sprinter-Dreikampf: Gesamt­

ergebnis: 1 Pflug 18 P. 2. Meyner 14 P. 3. Ionath 11 P 4 Kurz 9 P. 5. Wagner 8 P.

60 Meter offen: 1. Kurz 2SE. Offenbach 7.2 Sek. 2. Schmidt-Eintracht Frankfurt. 3. Herz- ftein-Schöneberg.

60 Meter Frauen: 1 Haur-Eintracht Frankfurt 7.9 Sek. 2. Frings-SC. 80 Frankfurt 8,0 Sek. 3. Bernhardt-Einttacht Frankfurt.

1000-Meter-Einladung 1. Dr. Pelher- Stettin 2:42.9 Min. 2. Paul-Stuttgarter Kickers 2:43.5 Min. 3. Knöckel-SE. 80 Frankfurt 2:45,2 Min.

300 0 Meter: 1. Schaumburg, Oberhausen, 9:50 Min.; 2. Hellpapp, Stettin, 9:52,1 Min.; 3. Schill- gen, 215(1. Darmstadt, 10:05 Min..

800 Meter offen: 1. Kaufmann, Poft Sv. Frankfurt 2:14,1 Min., 2. Heim, VfL. Neckarau; 3. Schunck, Ro. Vorwärts Frankfurt.

4X2 Runden: 1. IG.-Frankfurt 3:05,7 Min.; 2. MTG. Mannheim 3:09 Min.; 3. SC. Frankfurt; 4. BSE. Offenbach.

5X60»Meter. Pendel st affe l, Frauen: 1. Eintracht Frankfurt 41,5 Sek.; 2. SC. 80 Frank­furt 41,8 Sek.; 3. IG. Frankfurt 42,8 Sek.; 4. Eintr. B.

5X60-Meter-Pendel Herren:l. SC. 80 Frankfurt 36,4 Sek., 2. IG. Frankfurt 36,8 Sek.; 3. TD. 60 Frankfurt 38 Sek.; 4. 1 900 Gießen.

3 X 1000 - Meter: 1. Eintracht Frankfurt 8:45 Min., 2. SD. 98 Darmstadt 8:48 Min.; 3. Sp. 1900 Gießen; 4. DIK. Frankfurt.

Ehrenvolles Abschneiden der 1900er beim Frankfurter Hallensportfest.

Wie in den Vorjahren so waren eS auch bei dem am Samstag stattgehabten 4. Frankfurter Hallensportfest die Staffeln, in denen sich die 1900er recht gut zur Geltung bringen konnten. Es wurden errungen: ein dritter Platz in der 3xl000-Weter-Staffel, ein vierter Platz in der 5x60-Meter-Pendelstaffel für Herren und ein fünfter in der gleichen Staffel für Frauen. Der Wert dieser Placierungen wird durch die Zahl der an den Staffeln Beteiligten in der Mittel- streckenstaffel waren 10, in den beiden Sprinter- staffeln jeweils 18 Mannschaften am Start gekennzeichnet.

Die 3 X 1000 - Meter Staffel lief in der vorgesehenen Ausstellung Wöre n f ä in - per. Bepperling. Peters Der 1900er Malmann, der erstmals aktiv startete, führte sich ausgezeichnet ein. 3n dem noch verhältnismäßig eng zusammenliegenden Feld, das von Eintracht Frankfurt angeführt wurde, übergab er an fünfter Stelle den Stab an Bepperling. Dieser griff sogleich forsch an und konnte sich in eben­falls überraschend gutem Lauf bis an die dritte

Wegener als Mephisto.

Faust" I. in Darmstadt.

Als Auftakt zum Iubiläumsjahr brachte daS Hessische Landestheater GoetheS enge Be­ziehungen zu Darmstadt find ja hinreichend bekannt den ersten Teil der Tragödie in neuer Inszenierung heraus. Die Ausführung, unter der Regie von Gustav Hartung, ist in großem Rahmen gemacht und hinterließ (soweit wir ihr beiwohnen konnten) einen lebendigen und stellen­weise imponierenden Eindruck. Der .Faust" wirkt in der Hand HartungS ziemlich unrvmantisch und unpathetisch; aber nicht nüchtern. Die volkstüm­lich heiteren Szenen und die akademische Satire sind stärker betont al» wir e» sonst gesunden haben.

3m ganzen ist die Aufführung mehr auf bild- mäßige als auf klanglich-rhetorische Wirkung ein­gestellt. Don den großzügigen Bildern Rein­ting S find uns besonders der sehr stimmungs­volle, lebendig bewegte und mit feinem Farben­sinn abgetönte .Osterspaziergang" und die ganz weiträumig projizierten Bilder der mittelalter- lichen Stadt im Gedächtnis.

Darstellerisch wird die sehenswerte Aufführung von der überragenden Leistung WegenerS beherrscht; es ift ein Genuß, diesen Vollblut­schauspieler in der Entfaltung seiner bezwingen- den Mittel agieren zu sehen. Sein Mephisto ist gar nicht dämonisch, gar nicht finster und kalt, sondern ein fast eleganter, sehr witziger und kavaliermäßiger Teufel von überlegener Ironie; eine kraftstrotzende Gestalt mit aller Freude an Geste. Mienenspiel und geschmeidiger Bewegung, aber konzentriert und immer geistig überlegen, ein Kerl von Format, scharfem Profil und viel­fältigem Humor Vor allem die Schülerszene. .Auerbachs Keller" und die Auftritte mit Marthe Schwerdtlein gelangen ihm meisterhaft.

Ihm gegenüber besteht Emil LohkampS Faust nicht in allen Stücken. Er gab den Doktor als einen bleichen, skeptischen Humanisten, was in den ersten Szenen (bis zur .Herenküche") durchaus als eine persönliche und nicht uninter- effante Leistung zu werten ist. Aber die älmtoanb- lung in den jungen Faust wirkt nur äußerlich überzeugend; Ton und Haltung waren nicht ver­jüngt; und wie er kein faszinierender Sprecher ist, man merkt es an den wundervollen Versen

im .Osterspaziergang" so ist er auch fein Lieb­haber und Weltfahrer, sondern er bleibt, noch in den schönen Gartenszenen, der grüblerische und schwerblütige Gelehrte, als der er begann.

Leny Mar enbach ist das Gretchen: eine ganz junge, schlanke, sehr mädchenhafte und völlig unsentimentale Erscheinung; sie beginnt so herb und verhalten, dah man um die fernere Entwicklung beinah ein wenig besorgt ist, aber sie entfaltet sich darstellerisch fast unmerklich und wirklich bezwingend: die Gartenszenen gehören ihr ganz allein; ihre warm und weich gewordene Stimme wird getragen vom großen und hinge- gebenen Gefühl, und fie rettet den unvergäng­lichen Zauber des Liebes-Spieles... vor der kühlen Rüchternheit ihres Partners.

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Von den übrigen Darstellern soweit wir sie sehen konnten seien G a 11 i n g e r S knaben­haft befangener Schüler, die bürgerlich-realistische Marthe von Käthe G o t h e und das falstassisch versoffene und, randalierende Studentenquartett in .Auerbachs Keller" hervorgehoben. hth.

Oberhessischer Kunstverein.

Italienische Lriqiital-Handzeichnungen dcS 16. und 17. Jahrhunderts.

Der Oberhessische Kunftverein be­ginnt seine Arbeit in diesem Jahre mit einer kostbaren und seltenen Ausstellung; er geht dabei über den engen Rahmen lokaler Begrenzung weit hinaus und bringt mit der am Sonntagvormittag der Öffentlichkeit übergebenen Ausstellung ein kunsthistorisch sehr delikates, übrigenä auch ziemlich spezielles und wenig bekanntes Svnder- gebiet der italienischen Spätrenaissance- und Da­rockkunst zur Schau. Man sieht hier Ausschnitte aus einer Privatsammlung von Original-Hand- «ichnungen italienischer Meister des 16. und 17. Jahrhunderts. Einige dieser Stücke deren jedes einen sehr beträchtlichen, von den meisten Besuchern vielleicht in Ansehung des überwiegend kleinen Formates unterschätzten Wert darstellt waren übrigens schon in einer der früheren Aus­stellungen des Oberhessischen Kunstvereins zu sehen.

Es ist uns aus räumlichen Gründen leider nicht möglich, jedes einzelne der jetzt ausgestellten Blätter ausführlich zu besprechen; wir be­

Stelle schieben. Peters als Schlußmann wurde zunächst noch hart bedrängt, rückte aber stark zu der immer noch führenden Eintracht und dem an zweiter Stelle liegenden Sporw. 1898 Darm­stadt auf. An dieser Reihenfolge änderte sich bis inS Ziel nichts mehr. Die zweite Mann­schaft passierte alS neunte daS Zielband.

Tste 5 x 60 - Meter - Pendelstaffel für Herren qualifizierte sich im dritten Dor­lauf zusammen mit ID -Spv Frankfurt für den Endlauf, in dem noch Eintracht. SC. 1880 Frank­furt, Tv Sachsenhausen und Tv. 1860 Frank­furt, vertreten waren. Hier passierte den 1900cm sogleich beim ersten Wechsel das Mißgeschick, daß der Stab zu Boden fiel. Trotzdem konnte durch tapfereS Laufen soviel Terrain gewonnen werden, daß eS zu einem vierten Platz hinter SC. 1880. ID -Spv. Frankfurt und Tv. 1860 Frankfurt reichte

Die 5 x 60 - Meter - Frauenft af fei überstand ihren Dorlaus auch recht gut Im Endlauf ergab sich zunächst die klare Heber- legenheit der deutschen Meisterstaffel Eintracht Frankfurt, der SC. 80 Ffm. und ID.-Spv folg- ten. Die 1900er rieben sich indeS mit L.ntrachtS ll-Mannschaft, -wurden aber von dieser etwa um 1 Meter auf den fünften Platz verwiesen. AIS letzter kam Bockenheimer Tgmde. ein.

3m Einzellauf über 60 Meter für Her­ren machten Geist und Felsing keine schlechte Figur. Beide kamen in den sechs Mann starken Feldern der Dorläufe jeweils alS knappe Dritte ein, muhten aber damit die beiden Ersten wurden nur zu den Zwischenläufen zugelassen auSscheiden. W. Müller ereilte dasselbe Schick­sal. Frl. Hudlitz und Fräulein Rickcl vermochten sich über 60 Meter nicht durchzusehen.

Oberheffen.

Landkreis ttictzen.

Watzenborn-Steinberg. 23. 3an. Der GesangvereinJugendfreund" feierte im überfüllten Saal der ..Krone" fein 4 5. Stif­tungsfest. Der 1. Dorsitzende. Herr Schmidt, hielt eine längere Ansprache. Der Chor de« Der- eins, unter der Leitung feine« Dirigenten A. Schleuse, trug im Anschluß daran einige Kunstchöre und Dolkslieder bekannter Kompo­nisten vor und fand überaus lebhaften Beifall. Musikalische Darbietungen, ebenfalls unter der Leitung von Herrn Schleuse, unterbieten die Gäste auf« beste. Ein Diolinsolo von Herrn R. Häuser forderte zu lebhaftem Beisatt heraus. Zwei Theaterstücke, ein ernstes Schauspiel und ein Lustspiel, von den Darstettem mit viel Geschick aufgeführt, gefielen sehr gut. Der Derein darf mit dem Erfolg des Abends zufrieden sein.

* W a tzenborn-Steinberg, 23. Jan. Der ® e f I ü g c I - und Kaninchenzuchtver- e i n hielt in der GastwirtschaftZum grünen Baum" seine Jahreshauptversammlung ab. Der Jahresabschluß, wie auch die Abrechnung ergaben, daß die finanzielle Lage deS Dereins durchaus befriedigend ist. Im weiteren Derlause der Der- fammlung wurde die Wahl des Dorstandes vor- Senommcn, die durch die (nunmehr siebte) Wie- crwahl rasche Erledigung fand. Gemütliches Beisammensein beschloß die harmonisch verlaufene Dersammlung.

G © ö b e l n r ob, 23. Jan Der hiesige K r i e - geroerein hielt bei Gastwirt Becker feine Generalversammlung ab. Die Rechnungsablage ergab einen Lieberschuß von 46 Mark. Der alte Dorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Auf Antrag wurde beschlossen, innerhalb des Dereins eine Schühenabteilung zu gründen.

+ Grünberg, 23. Ian. Dieser Tage kamen hier zwei staatliche F i f ch e r e i e n zur Verpachtung. Der Linsenbach Aeschersbach) in den Gemarkungen Grünberg, Querfborn und Harbach in Länge von 6,3 Kilometer ergab eine Iahrespacht von 220 Mk. Pachter sind General a. D. Mahr und Fabrikant Rinn von Gießen. Der seitherige Pächter war Fabrikant August S ch l ö r b (Walkmühle bei Lauter)

mit einer lahrlicben Pacht von 122 Mark Der zweite Pachtdezirk, die Lumda in der Gemarkung Lumda, in einer Länge von 4,4 Kilometer erbrachte nur einen Pachtpreis von 10 Mark und kam in die Hand von Bankier Jockel in Grünberg Vorher hatte Bäckermeister Jakob Schäfer von Grünberg diesen Pachtbezirk inne und zahlte Mur 6 Mark Pacht. Die Pactztzeit erstreckt sich auf 12 Jahre bi» 31 De zember 1943 Das Standesamtsregistcr für un ser« Stadt weist im verflossenen Jahre folgende Einträge aus: 11 Eheschließungen, 25 Geburten und 23 Sterbfälle Der hiesige Volksbildung»- verein hielt dieser Tage seine Hauptversammlung ab. Der Verein erblickt seine Hauptarbeit in der Er Haltung und dem Ausbau der Volksbücherei. Deren Stand mar Ende 1931 auf 1365 Bande angewachlen, gegenüber 1281 Banden am Ende 1930. Die An­gabe der Bücher erfolgt loroohl an Mitglieder des Vereins, als auch an Nichtmitglieder Nach dem Be richt für die zwei letzten Jahre wurden in 1930 an 52 Abenden 2257 Bücher ausgeliehen. in 1931 an 4" Abenden 2505 Bände Die Zahl der Entleiher betrug zuletzt 123, die sich auf alle Kreise der Be­völkerung verteilen Der Jahresbeitrag der Mitglie­der (2 Mark), sowie die Leihgebühren werden zur Erweiterung und Instandhaltung des Bücherbestan des verwandt. Die Rechnung für das letzte Jahr ergab eine Einnahme von 285.50 Mark, der eine Ausgabe von 279,16 Mark gegeniibersteht Leider zeigt der Mitgliederstand im letzten Jahre einen kleinen Rückgang, er beträgt gegenwärtig noch 55. Der Vorstand fetzt sich wie folgt zulammen: 1. Vor sitzender Rechtsanwalt Lind. Stellvertreter und zugleich Rechner und Biichereiverwalter Reallehrer K v h 1 b a ch , Schriftführer Buchdruckereibesitzer Robert, Stellvertreter Lehrer Wenzel, Beisitzer Rektor Bender, Berufsschullehrer Schmidt, Assessor Schneider und Kaufmann Schweiß- guth.

rn. Lauter. 23. Jan. Dieser Tage sprach Landwirt Reuter auS Dornholzhauten über Kriegergräber einst und jetzt". Der Dortrag sand lebhaften Beifall.

ftreie Büdingen

-r- Ridda 21. Ian. Der Güterverkehr auf der Strecke Ridd aSch okten hat in­folge der wirtschaftlichen Lage stark nach­gelassen. Der tägliche Güterzug wird nur noch oiS Ober-Lchmttten gefahren, dessen Pa­pierfabriken gut beschäftigt sind.

y. Don der oberenRidda,19. Ian. Seit acht Tagen finden in unserer Gegend täglit größere Holzver st eigerungen aus den Förstereien der Forstämter EichelSdorf, Ridda, und Konradsdors sowie aus den Revieren der Fürst zu Stolberg-Wernigerodeschen Revierver­waltung statt, die stets von zahlreichen Steig­liebhabern besucht waren. Infolgedessen blieben die Preise für Brennholz im Vergleich zu den Preisen der landwirtschaftlichen Produkte und unter Berücksichtigung der Geldknappheit immer noch hoch. Es ergaben sich Durchschnittspreise für je einen Raummeter Buchenscheit von 8 Mk., Buchenknüppel von 6, Buchenstöcke von 5 und Buchenastreisig von 1 Mark Bei guten Absahrt- verhältnissen wurden oft noch bis 2 Mk. über Rotiz geboten. Für Rutzholz blieben die Preise gegen die Vorjahre wesentlich niedriger Der Festmeker Fichtenstämme zu Bauholz kostete durch­schnittlich 10 bis 12 Mk., zu Scheitholz und Werk- Holz 1. Klasse 20 Mark.

Kreis Schotten.

-f- Schotten, 22. Jan. Im Kalenderjahr 1931 hat sich unser städtisches Krankenhaus günstig weiterentwickelt. Die Zahl der ausgenom­menen Kranken betrug 336, die Zahl der Ver- pslegungStage 6442. 1929 waren 328 und im 3ahre 1930 303 Kranke ausgenommen und be- handelt worden. Die Zahl der Operationen belief sich im vergangenen Jahre aus 248, darunter zahlreiche außerordentlich schwierige Falte Auch die Röntgenabteilung wurde sehr in Anspruch genommen. Die hiesige Freiwillige ©an t - tätskolonne hat auS eigener Kraft ein Sani- tätSauto angefchafft,

ginnen mit einer lavierten Federzeichnung von Cavaliere Tempesta, welche ein heroisch- antikes Motiv, die Landung des Antonius vor Kleopatra, behandelt. Beccafumi (genannt Mecharino da Siena) ist mit einem an die Szene­rien des Darocktheaters erinnernden Straßenbilde vertreten; interessant und bemerkenswert ist die Herkunft deS Blattes aus der Schule Raffaels und Michelangelos. Der Bologneser Car - r a c c i zeigt eine ganz impressionistisch aufge­lockerte Bewegungsstudie, sein Landsmann G r a- z i a n i eine pathetische und barock bewegte Feder­zeichnung, welche vermutlich den Tod des heiligen Joseph oarstettt. Stilistisch etwa auf der glei­chen Linie liegt der Deckengemäldeentwurf zu einer .Anbetung" von Solimena. - Don bet pompösen und ausladenden Gebärde dieser Blät­ter stechen P o c c e t t i s Entwürfe zu grotesken Pseilerdekorationen mit ihrer aparten Tönung, und eine sehr zarte, klassische Landschaft von Mauro Tesi eigenartig ab. 6m antikes Motiv, .Aeneas trägt seinen Vater Anchises". gestaltet die kraftstrotzende, heroisierende Federzeichnung von C a m b i a s o. die besonders ihrer technischen und stilistischen Eigenart wegen zu beachten ist. Schon ins 18. Jahrhundert hinein reicht Casa­nova, der in lavierter Pinselzeichnung ein buko­lisches Landschaftsidyll votführt. Eine Feder­zeichnung aus der Schule des Andrea del Sarto (angeblich Guido Reni) behandelt das in der ge­samten Kunstgeschichte berühmte Motiv der Ge­burt des Kindes. Eine sehr plastische Zeichnung von starker Licht- und Schattenwirkung ist die .Taufe Ehristi" des Iacopo Palma.

Als eines der für unser Gefühl schönsten und vollendetsten Stücke der gesamten Ausstellung muß das Kopsbild des Thaddäus von P i a z e 11 a genannt werden: ein Porträt von ungemeiner Prägnanz und Lebendigkeit im Ausdruck, seiner ganzen Haltung nach übrigens eher aus niederlän­dische als ruf italienische Vorbilder hinweisend. Eine lieber.-würdige, auch technisch bemerkens­werte Arbeit ist dieRegina coeli auf der Mond­sichel" des Si en esen Salimbeni. Tievo- los Entwurf zu einer Deckenmalerei .Apo­theose eines Fürsten mit Muse und Putto" ist eine geradezu geniale Leistung; wie die im- pressiven Lavierungen der Federzeichnung eine verblüffende Plastik geben und der ganz skizzen- haften Anlage des Bildes zu vollendeter Run­dung und Geschlossenheit verhelfen, ist bewun­dernswert. Dieser Tiepolo bildet für uns ent­schieden das Glanz stück unb den Höhepunkt der Ausstellung. Ansakd öS Rückenaktzeichnirng

(,Austreibung aus dem Paradies", war schon früher an dieser Stelle $u sehen; wir verweisen auf daS schöne und lehrreiche Stück wiederholt mit besonderem Rachdruck. - - Sehr fein auch der Männerkopf (Rötel) von Carracci. Dio Bewegungsstudien von Fra Bartolomeo endlich mögen diesen Heberblid abschließen, der das vorgesührte Material keineswegs erschöpft, sondern nur eine Andeutung dessen enthalten kann, was hier auf Grund persönlicher Be­ziehungen der Oesfentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Wer für alte Kunst etwas übrig hat, möge sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen, sie ver­mittelt Zeugnisse einer klassischen Kunstübung, wie man sie gerade hier bei uns nicht alle Tage und auch sonst nicht häufig in der lebendigen unb gültigen Form des Originals zu Gesicht be­kommt.y

Der größte Elefant der Welt.

Ein begeisterter Empsang wurde von einer gro­ßen Menge dem Elefanten Rex bereitet, der bet riesigste Elefant ber Welt sein sott unb jetzt in Paris seine Wohnung im Jardin des Plantes be­ziehen sott. Geleitet von einem starken Aufgebot von Wärtern schritt ber mächtige Dickhäuter lang­sam unb gravitätisch an den Seine-3tai« entlang, um von der Eisenbahnstation nach bem Zoologi­schen Garten zu wandern. Gehemmt durch die schweren Ketten an seinen Füßen und überhaupt infolge seines gewaltigen Leibesgewichtes schwer beweglich, kam Rer nur langsam vorwärts. Oft blieb er stehen, atmete mißtrauisch die ungewohnte Pariser Lust unb erforschte bie Umgebung mit seinem mächtigen Rüssel, bevor er sich wieder lang­sam in Gang setzte. Die neugierige Menge, die sich rasch aniammelte, hatte daher vollauf Zeit, um diesen Giganten des Tierreiches anzustaunen. Die Zahl ber Schaulustigen wurde immer größer unb hinderte schließlich den an unb für sich schon langsamen Weitermarsch bes TiereS. so daß für 2ter durch die Polizei Bahn gebrochen werden muhte. Ein längerer unvorhergesehener Aufent­halt fand statt, alS ber Elefant vor einem Ge- müfclaben ftehenblieb und sich über einen Korb mit Pfeffergurken hermachte, den er h er entdeckt hatte. Die pikante Delikatesse mundete ihm augen­scheinlich vortrefflich. Aber schließlich kam Rek doch glücklich in seinem neuen Heim an, wo er von dem Direktor des (Barten« und sämtlichen An­gestellten feierlich in Empfang genommen und nach seinem besonderen Haus geleitet wurde.