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Aus der Provinzialhaupistadt.
Oie Bezeichnung „Sparkasse" ist geschuht!
Mit der dritten Rotverorbnung des Reichsprä- sidenten vom 6. Oktober 1931 wurde auf) ein Schutz für die Firmenbezeichnung „Sparkasse" ausgesprochen. Damit ist einer lang erstrebten T-'n^.z zur Verwirklichung verholfen, die den Sparer vor Enttäuschungen und unangenehmen lleberraschun. gen sichern soll. Der Raine „Sparkasse" hat heute wie früher einen guten Klang. Gerade darum wurde mit ihm auch in den letzten Jahren von ungeeigneten und unsicheren Stellen und Instituten mancher Mißbrauch getrieben. Durch die erwähnte Rotverordnung und durch Dorfchristen der Lander ist nunmehr Abhilfe dadurch aeschaffen, daß die Firmenbezeichnung „Sparkasse' nur von den öffentlichen Sparkassen benutzt werden darf: das gleiche Recht steht den in der Reichsverordnung besonders aufgeführten Cenossenschasten und Dau- svarla «en zu, ferner auch solchen Instituten, denen diese Desugnis ausdrücklich verliehen wird. Cn allen übrigen Fällen ist die Führung der De- zeichnung „Sparkasse" strafbar. Kein sonstiges Institut darf das Wort „Sparkasse" selbst oder Bezeichnungen sühren, in denen das Mort „Sparkasse" enthalten ist. Die zuständigen behördlichen Stellen werden Unternehmungen, die gegen diese Bestimmungen verstoßen, zunächst auf die neue Rechtslage Hinweisen und ihnen eine Frist zur Aenderung der Firmenbezeichnung setzen, an- Lernfalls tritt die Strafverfolgung ein.
Es ist zu erwarten, daß auf Grund dieser De- stimmungen jeder Mißbrauch mit dem Wort „Sparkaste" unterbunden wird. In letzter Seit finb in den verschiedenen Gegenden Zwecksparkassen, die sich auch Mobiliar-Zwecksparkassen usw. nennen, entstanden. Diese „Zwecksparkassen" dürfen nach dem Gesagten den 'Hamen „Sparkasse" nicht fügten. Wenn sie dies tun, verstoßen sie gegen die gesetzlichen Dorschriften.
Auch in der Oefsentlichkeit gibt die Verwendung Les Rarnens „Sparkasse" häufig zu Falschdeutungen und Mißverständnissen Anlaß. 3m Sinne einer Klärung des Tatbestandes wäre es daher sicherlich erwünscht, wenn das Wort „Sparkasse" ohne weiteren Zusatz nur dann Verwendung findet, wenn es sich um die öffentlichen Sparkassen handelt.
Vornotizcn.
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 25. Dezember, 18.30 Uhr, als FremdenvorsteUung außer Abonnement zu ermäßigten Preisen, das deutsche Frontstück: „Die endlose Straße von Graff und Hintze; Spielleitung der Intendant. Spieldauer bis 21.30 Uhr. — Am zweiten Feiertag, Montag, 26. Dezember, nachmittags Wiederholung des Weihnachtsmärchens: „Aschenbrödel" oder „Der gläserne Pantoffel", sechs Bilder mit Gesang und Tanz von Görner und Stieg- mann. Spielleitung Karl Bold. Spieldauer von 15 bis 17.30 Uhr. 19 Uhr zum erstenmal die Operette: „Im weißen Roßt", eine freie Umarbeitung des gleichnamigen Schwankes, Musik von Ralph Benatzky. Spielleitung: Heinrich Hub; musikalische Leitung: Kapellmeister Walter Moehl; choreographische Leitung: Ballettmeister Ewald B ä u l k e. Fremdenvorstellung, außer Abonnement, ermäßigte Operettenpreife. Ende 22 Uhr. — Dienstag, 27. Dezember, als 13. Vorstellung im Dienstag- Abonnement, und Mittwoch, 28. Dezember, als 12. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement, jeweils von 19.30 Uhr bis 22.30 Uhr, Wiederholung der Operette: „Im weißen Rößl" (Leitung: Hub, Moehl, B ä u 1 k e). Operettenpreise. — Als 12. Dorstellung im Freitag-Abonnement am 30. Dezember, 20 Uhr, letzte Aufführung des Schauspiels: „Der Dieb" von Bernstein unter der Spielleitung von Karl Hcy- s e r. Gewöhnliche Preise. — In Vorbereitung als Siloesteraufführung der Schwank: „Stöpsel" von Arnold und Dach, der unter Peter F a s s o t t s
Regie am Silvestertag erstmalig zur Aufführung kommt. Anfang 20.15 Uhr. Außer Abonnement! Ermäßigte Preise! Ende 22.30 Uhr.
— „Der weiße Rausch." Am zweiten Weihnachtsfeiertag kommt im Lichtspielhaus in einer Frühvorstellung der Film „Der weiße Rausch", ein Schneeschuhfilm, von Arnold Fand gckdreht, zur Vorführung. Oer BiMreifen ist eine originelle Schöpfung, in der sich große, ernsthafte fkisportliche Leistungen und ein Humor begegnen, der auch den Griesgrämigsten lachen lassen muß. Bei den Abfahrten, -bie . ter Film in ausgezeichneter Photographie zeigt, wurde oftmals ein Tempo von 100 Kilometern erreicht, Guzzi Lantschner springt einen sehr gewagten Sprung über drei am Hang untereinander liegende Hütten; allen voran aber ist Hannes Schneider, der auch in diesem Film zu sehen ist. Leni Riefenstahl produziert sich glaubhaft als „blutige" Anfängerin, entroidelt sich aber in ihren Leistungen zusehends. Der Film wird Skiläusern und auch Nichstüläufern gleich gut gefallen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
♦* 3n den Ruhestand versetzt. Am 21. Dezember wurde der Oberbaurat Hermann Gombel zu Friedberg auf Grund des Alters- grenzegesehes mit Wirkung vom 1.3anuar 1933 ab in d n Ruhestand verseht.
** D i e Besuchszeiten in den Museen. Das Oberhessische Museum im Alten Schloß, das Kriegsmuseum, sowie das Dölkermuseum und die Städtische Gemäldesammlung im Neuen Schloß sind am ersten und zweiten Feiertag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
** Zur R i ch t i g st ell u ng. Bei der Weihnachtsfeier des Alice-Frauenvereins, die am vorigen Dienstag für junge Mütter veranstaltet war, wurden die Tänze von Fvl. Ange Bach durch Fbl. Mimi B o d (Klavier und — wie man uns berichtigend mittelst — von Herrn Karl Rabenau (nicht von Herrn Schumann) auf der Violine be- qleitet. „ „
** Offene Schulste 11e. An der Volksschule in Watzenborn-Steinberg (Kreis Gießen) ist eine Schulstelle für eine evangelische Lehrerin offen. Dienstwohnung ist vorhanden und frei.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Der „Straßenbahnwunsch von W.cseck".
Dem Wunsche und der Bitte des Einsenders von Wiesed schließen sich alle Gießener an, die gerne ein Stündchen auf der so schön gelegenen „Karls- ruh" oder im nahen „Philosophenwald" verbringen möchten, denen aber der Weg zu Fuß dahin des Alters oder anderer Hemmnisse wegen nicht gut möglich ist. Der Direktion der Straßenbahn wären deshalb alle diese Gießener dankbar, wenn sie die Haltestelle am Eingang von Wiesed wieder ein- richten würde. K. L.
Die Eintrittspreise Erwerbsloser und Kinder zur Eisbahn.
Zwei Eingesandt vom 16. und 21. Dezember haben sich mit dieser Frage besaßt. Es sei erwidert:
Das finanzielle Rüdgrat des Eisvereins bilden die Mitgliederbeiträge (Abonnements) — 3,50 RM. — und die dazu gelösten Beikarten für Familienangehörige (50 Pfennig im Jahr). Der Mitglieder- (Abonnementen-)Bestand ist von früher zirka 1200 auf zirka 300 gesunken. Der Eisbahnbetrieb verschlingt große Summen. Tagesausgaben bei normalem Betrieb ohne Schneefall: zirka 75 Mark. Beseitigung eines Schneefalls von 5 Zentimeter: zirka 400 Mark. Der Eisverein darf keine Preispolitik treiben, die dazu führt, die Zahl der Mit-
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 25. Dezember.
6.35: Don Hamburg: Hasenkonzert. 8.30: Katholische Morgenfeier. 9.30: Stunde des Chorge- sangs. 10.30: Collegium musicum. 11.30: Von Leipzig: Reichssendung. Kantate zum 1. Weihnachtstag. Don 3ohann Sebastian Dach. 12.05: Mittagskonzert I. 13: Mittagskonzert 11. 14.30: Stunde des Landes: „Weihnachtsgedanken fürs Land." Don Wilhelm Reuter. Dremthal. 15: Stunde der 3ugend. 16: Kurhaus Wiesbaden: Konzert des Städtischen Kurorchesters. 18: Kunterbunt erzählt ein Abenteuer. Ein Märchensende- spiel von Fritz Peter Buch. 19: Bunte Stunde. 20: Märchenstunde. Charlotte Christann. 20.30: Konzert des Rundfunk-Orchesters. 22.45 bis 24: Rachtmusik.
Montag, 26. Dezember.
6.35: Don Hamburg: Hafenkonzert aus dem Bremer Freihafen. 8.30: Choralblafen. 9.15: Stunde des Chorgesangs. 10: Erlöserkirche Frankfurt a. M.-Oberrad: Festgottesdienst. 11.30: Don Leipzig: Reichssendung. Kantate zum 2. Weihnachtstag. Don 3oh. Sebastian Dach. 12: Karlsruhe: Platzkonzert: 13.30: Musikalisches Durcheinander. 14.30: Mutter Schrödern. Eine lustige Echwiegermuttergeschichte von Helene und Erich Fischer. Musik von Konradin Kreutzer. 15: Das tapfere Schneiderlein. Ein weihnachtliches Funkmärchen für Kinder und solche, die es geblieben sind. Don Curt Elwenspoek. 16: Baden-Baden: Rachmittagskonzert des Städtischen Kurorche- sters. 18. „Arm und doch glücklich." Eine besinnliche Stunde. Don Franziska Beith. 19: Musikalische Reise-Erinnerungen an den „Flug um die Welt". 20.05: Stadthalle: Großes Konzert. 22.45 bis 24: Don London: Tanzmusik.
Dienstag, 27. Dezember.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonzert I auf Schallplatten. 13.30: Mittagskonzert 11 des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Rachmittag. 17: Konzert. 18.25: „Preußischer und frideriziani- scher Sozialismus", Dortrag von Otto Weber- Krohse. 18.50: Das Lebenslicht. Weihnachtsmärchen von Armin Knab. 20: Don Berlin: Bunter Abend. 22.45 bis 24: Rachtmusik.
Mittwoch, 28. Dezember.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonzert 1 des Rundfunkorchesters. 13.30: Mittagskonzert II auf Schallplatten. 15.15 bis 16.15: Stunde der 3ugend, 17; Rachmittagskonzert des
Orchesters des Westdeutschen Rundfunks. 18.25: „Aktuelles aus dem Genossenschaftswesen", Dortrag von Dr. Reinhard Weber, Landrat a. D. 18.50: Zeitfunk. 19.33: Seltsames Bilderbuch 1: ..Hussein-Fest" in Persien, Leitung: Karl Köstlin. 20 (Don Königsberg): Grenze im Osten (Kurze- brack). 20.30: Klaviermusik. 21: Selbstanzeige: Peter Hüchel spricht über sein Buch „Der Knabenteich". 21.20: Die Jagd nach dem Gold des Kapitän Kid, eine aberteuerliche Geschichte in sechs Fortsetzungen von Rudolf Schneider-Schelde. 22.45 bis 24: Rachtmusik der Tanzkapelle der Stuttgarter Philharmoniker.
Donnerstag, 29. Dezember.
7.20: Frühkonzert. 12: Mittags.onzert I. 13.30: Mittagskonzert 11. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: (Don Freiburg): Rachmittagskonzert. 18.25: Stunde des Films. „Filmjahr 1932. Rückblick und Ausblick." 18.50: „Gedanken über den Begriff der Wirtschaftlichkeit", Vortrag von Dr. Luehr. 19.20: Rachrichten aus Kunst und Wissenschaft. 19.30: Zum 100. Todestag Ludwig Dev- rients: Skizzen von Hans Gäfgen. 20: Zeitfunk. „Eine Rachricht geht in die Welt." 20.30: Konzert des Rundfunkorchesters. 21.45: Timm Kröger: Von Leuten eigner Art, Sprecher: Arthur Simon. 22.45 bis 24 (Don London): Rachtmusik.
Freitag, 30. Dezember.
7.20 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonzert I erwerbsloser Mainzer Berufsmusiker. 13.30: Mittagskonzert II auf Schallplatten. 17: Konzert. 18.25: „Ein ganz gewöhnlicher Tag in Indien", Vortrag von Hans Reifenberg. 18.50: „Der Himmel im Äanuar und Februar. — Was wird uns der Himmel im neuen Jahr bringen?", Vortrag von Professor Edmund Sittig. 19.30: Wer ist es? Literarisches Rätsel (VI). Aufgegeben von Wolfgang Weyrauch. 19.45: „Deutsch im Rundfunk". Einiges Grundsätzliche zur sprachlichen Form der Ansage. Von O. W. Studtmann. 20: Orchesterkonzert. 21: Stimmen der Nacht. Ein Zyklus von romantischer Liebe aus dem alten Frankfurt. Von Paul Wiegler. 22.45 bis 24: Don Berlin: Tanzmusik.
Samstag, 31. Dezember.
7.20 TIhr: Frühkonzert aus Schallplatten. 12: Mittagskonzert I. 13 30 bis 14.40: „Kehraus 1932". Eine bunte musikalische Stunde. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: Konzert. 18: Zwischen den Jahren des Rundfunk-Orchesters. 19.30: Ringsendung. 23.45 bis 24: Konzert. 24 bis 2: Don Berlin: Tanzmusik.
glieder (Abonnementen) zu verringern. S-nst kann er seine Aufgabe nicht erfüllen.
Dem Wunsch, den Einzeleintrittspreis für E r - w e r b s I o f e gegen Ausweis von 40 Pf. auf 20 Pf. herabzusetzen, konnte stattgegeben werden. Denn Erwerbslose denken nur selten daran, Mitglieder (Abonnenten) zu werden.
Der Wunsch, daß für Kinder der Einzeleintrittspreis von 20 Pf. auf 10 Pf. herabgesetzt werde, ist an sich verständlich. Langjährige Erfahrungen haben jedoch gezeigt, daß dann, wenn in größerem Umfang und insbesondere ohne Prüfung der Einkommensverhältnisse der einzelnen Familie Ermäßigungen an Kinder gewährt werden, dies sich stets in einem Rückgang der Mitglieder-(Abon- nenten-)Zahl bemerkbar macht. Können alle Kinder für 10 Ps. die Eisbahn betreten, so fällt der Anreiz für viele Familienhäupter, Mitglieder (Abonnenten) zu werden, weg. Damit würde sich aber der Eisverein seine Hauptgeldquelle selbst verschütten.
Trotzdem ist der Eisverein bemüht, auch unbemittelten und minderbemittelten Kindern den Eislauf zu ermöglichen. Bis zu viertausend Tages- freifarten werden jährlich den Volksschulen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. In den Volksschulen und höheren Schulen werden Dauerfrei- karten für den ganzen Winter verkeilt. Minderbemittelte Schüler können sich für 75 Pf. bzw. 1 Mark verbilligte Schülerjahreskar- ten kaufen. Die Anzahl dieser beiden Kartenarten bcmißt sich nach der Schülerzahl. Schüler, die mit ihrer Klasse die Eisbahn besuchen, zahlen nur 10 P f. Eintritt.
Selbstverständlich können die Freikarten und verbilligten Karten nicht hemmungslos verteilt werden. Es muß an dem Grundsatz festgehalten werden, daß die Ellern, denen es wirtschaftlich zugemutet werden kann, Mitglieder (Abonnenten) werden, ebenso wie an dem Grundsatz von Leistung und Gegenleistung, ohne den der Gießener Eisverein feine Tätigkeit einstellen müßte.
Nebenbei: Die Gießener Eisbahn ist mit die größte gepflegte und beleuchtete Eisbahn Deutschlands. Man suche eine annähernd ähnliche Eisbahn in Deutschland, die für ein geringeres Jahresabon nement als 3,50 Mark benutzt werden kann. Man wird fcststellen, daß die anderen teurer sind, und meist erheblich.
Dr. W o d a e g e ,
1. Vorsitzender des Gießener Eisvereins e. V.
Taten für Sonntag, 25. Tczeniver.
800: Krönung Karls des Großen zum Römischen Kaiser; — 1742: Charlotte v. Stein, Goethes Dertraute, in Weimar geboren; — 1739: August v. Goethe, des Dichters einziger Sohn, in Weimar geboren; — 1537: Cosima Wagner bei Bstlagio geboren; — 1840: der russische Komponist Jljitsch Tschaikowsky in Wotkinsk geboren.
Taten für Montag, 26. Tezcmbcr.
1194: Friedrich II., Römisch-Deutscher Kaiser, in Iesi geboren; — 1769: der Dichter Ernst Moritz Arndt in Schoritz auf Rügen geboren; — 1863: der Mediziner Wilhelm His in Basel geboren;
Mein erster musikalischer Erfolg.
Ergebnis einer Umfrage unter prominenten Komponisten/Orrigenten und Sängern
Der „Dirstenl", der das Gymnasium schwänzte. rZon Professor Dr. Max t> Schillings, Präsident der preußischen Akademie er Künste.
Jrn Jahre 1885 drückte ich noch die Schulbank im Bonner Gymnasium und beschäftigte mich in meinen freien Stunden mit Musik. Ein heftiges, inneres Erlebnis, der Tod meiner geliebten Mutter, hatte mich so tief erschüttert, daß ich aus der Empfindung des schweren Verlustes heraus ein Orchesterstück komponierte,-das ich „In Memoriam" betitelte. In den nächsten Ferien überreichte ich die Partitur dem vorzüglichen alten Musikdirektor meiner Heimatstadt Düren. Bertram Hilgers hieß dieser vortreffliche Typ eines echten deutschen Musikers. Hilgers entschloß sich sofort, mein Werk im Jnstrumentalverein von Düren aufzuführen. An einem Sonnabend sollte Generalprobe und Aufführung erfolgen. Es galt nur, Urlaub von der Schule zu erhalten, da die Aufführung in die Zeit nach den Ferien fiel. Das war nicht 'so leicht, denn ich stand bei meinem Mathematiklehrer als hoffnungslos unbegabter Mathematiker in schlechtem Ruf. Ich meldete mich wegen Nasenblutens krank, erwisihte den Zug nach Duren und kam rechtzeitig an. Zu meiner Ueberraschung erklärte mir Hilgers: „Wer mit 17 Jahren das komponiert hat, kann es auch selbst dirigieren." Ehe ich mich besann, hatte er mir einen schweren Taktstock in die Hand gedrückt, und so leitete ich Probe und Aufführung. | Das Publikum war am Abend über die Tatsache, daß ein junger Bürener nicht nur komponieren, sondern auch dirigieren konnte, derartig erstaunt, daß man stürmisch ein Dacapo verlangte. Dieser Erfolg brachte mir auch mein erstes Ehrenamt, nämlich die Ehrenmitgliedschaft des Instrumentalvereins.
Die Kehrseite der Medaille sollte ich am nächsten Montag kennenlernen. In den Mienen des Mathe- matikleyrers las ich nichts Gutes, denn Vorspiegelung falscher Tatsachen war einwandfrei erwiesen. Zwei Stunden Arrest waren der Preis, den der junge Musiker für seinen ersten Erfolg bezahlen mußte. Dennoch zeigte dieses starke erste Erlebnis dem schaffenden seinen weiteren Weg.
Als Ersatz in Rio de Janeiro.
Don Arturo Toscanini, dem berühmten Dirigenten der Mailänder „Scala".
Nach Absolvierung des Konservatoriums in Parma bekam ich eine Stellung als Cellist im Orchester einer italienischen Operntruppe, die in Süd- Amerika gastierte. Einmal sollte in Rio de Janeiro Verdis Meisterwerk „Aida" gespielt werden. Der Dirigent hatte Differenzen mit der Direktion, die damit endeten, daß er sich weigerte, die Oper zu leiten. Der Konzertmeister (erster Geiger) übernahm die musikalische Leitung. Bereits nach einigen Takten des Vorspiels ertönte im Theater Johlen und r seifen. Das Publikum hatte gemerkt, daß im Orchester etwas nicht klappte. Um die Situation zu retten, entschloß ich mich, die Leitung zu übernehmen, zumal ich die Partitur des Werkes auswendig kannte. Ich hob am Pult den Taktstock, das Orchester ging mit, und die Aufführung verlief ohne jeden Zwilchenfall. Das Publikum rief nach dem Kapellmeister; es war der erste Erfolg.
Wie der Vagabund sich für ein Hochzeltsessen bedankte Son Fedor Schaljapin, dem großen ruf schen Bassisten.
In meiner frühen Jugend, als ich beschäftigungslos im weiten russischen Land herumirrte, lernte ich einen gewissen Gregory Serow kennen, einen Vagabunden gleich mir. Ich verbrachte mit diesem Mann übermütige Tage, auch wenn wir hungerten. Einmal schlenderten wir durch die Straßen der alten Zarenstadt Moskau. Vor einer Kirche Iahen wir eine große Menschenansammlung — es wurde eine Hochzeit gefeiert. Serow schlug mir vor, daß wir uns der Menge der Gäste anschließen sollten, um auf dies« Weise ins Haus der Neuvermählten, wo es sicher was Schönes zu effey» gäbe, hineinzugelangen. Gesagt, getan. Kurz nach der Hochzeit saßen wir an einer Tafel, die sich unter der Last 'ter Speisen bog. Die Zahl der Hochzeitsgäste war so groß, das wir nicht auffielen. Nachdem ich genügend Alkohol zu mir genommen hatte, stand ist plötzlich auf und sang mit donnernder Stimme den Hochzeitsmarsch von Mendelssohn zu Ehren der Neuvermählten. Der Erfolg übertraf alle meine Erwartung. Die Leute klatschten begeistert Beifall. Freilich nahm die Freude bald ein jähes Ende. Mein Inkognito wurde gelüftet, und der undankbare Hausherr wies mich hinaus. Nie habe ich aber vor dem Singen jo gut gegessen wie damals. Heute muß ich — aus
gesangstechnischen Gründen — vor jedem Auftritt hungern. Nur meinen ersten Sängererfolg errang ich mir mit vollem Magen.
Gchlrmme Kritik.
Von Franz Lehär, dem Meister der Opereiie.
Nach der Premiere meiner ersten Operette „Die Wiener Frauen" suchte ich in Gesellschaft meiner Freunde ein Cafs auf, um dort die Morgendlätter abzuwarten. Um 4 Uhr früh meinte ein Freund, man könne vielleicht an ein Zeitungcbüro telephonieren und sich die bereits erschienenen Kritiken vorlesen lassen. Wir gingen in eine Telephonzelle, und ich horte mit. Der Leiter des Zeitungsbüros meldete sich und erklärte sich bereit, vorzulcsen. Eine maßgebende Zeitung schrieb: „Schon lange haben wir keine so öde und langweilige Musik gehört, wie gestern." Eine andere Zeitung, meinte: „Schade, daß das ausgezeichnete Buch eine so miserable Vertonung gefunden hat." Die Kritik einer dritten Zeitung lautete: „Es steht nicht dafür, die aus allen möglichen fremden Melodien zufammengestoppelte Musik ausführlich zu würdigen." Ich maf leichenblaß geworden. Meine Freunde hingegen fingen an furchtbar zu lachen. Sie hatten sich mit mir einen bösen Spaß erlaubt. Mein Freund hatte nämlich nicht das Zeitun.gsbüro, sondern einen genau informierten Bekannten in seiner Wohnung angerufen ! Die Morgenblätter schrieben in Wirklichkeit in den freundlichsten Ausdrücken über meinen ersten Erfolg.
„Oedipus Rex" in Wien.
Don Igor Strawinski', dem modernen Komponisten.
Wenn ich auch meinen ersten Erfolg in Paris bei der Aufführung meines Balletts „Frühlingsweihe" („Sacre du printemps") errungen habe, so war mir mein tiefster Erfolg vor einigen Jahren in Wien beschieden. Das Wiener Publikum, das für moderne Musik stets wenig Interesse zeigte und nur klassische und romantische Musik liebte, bekam im Jahre 1928 jum ersten Mal mein Opernoratorium „Oedipus Rex" zu hören. Diese Oper ist kein Werk, dos romantisch gestimmte Zuhörer mitreißen könnte. Um so größer war meine Genugtung, als „Oedipus" gerade in Wien, dieser Hochburg der Romantik, einen durchschlagenden Erfolg erzielen konnte. Mit gepumptem Krack in Prag. Don Generalmusikdirektor Erich K>eiber,Berlin
Ich war als Korrepetitor am deutschen Landestheater in Prag angestellt und fühlte mich in meiner Arbeit nicht recht befriedigt. Der Regisseur Dr. Eger nahm sich meiner an und erwirkte mir eines Tages ein „öffentliches Auftreten". Ich sollte bei der Aufführung einer Posse von Nestroy die Ouvertüre zu der Operette „Dichter und Bauer" von Supps^diri- gieren. Da ich sonst nur „hinter den Kulissen" arbeitete und mit materiellen Gütern nicht gerate gesegnet war, besaß ich keinen Frack. Der Komiker Richard Romanowski lieh mir zwar seinen Frack, aber dieses Kleidungsstück war so groß, daß die Frackschöße mir um die Knöchel baumelten. Nachdem ich die Ouvertüre „hingelegt" hatte, ertönte stürmischer Applaus, besonders von meinen Freunden auf der Galerie. Der Konzertmeister zupfte midj am Bein und flüsterte mir zu, ich solle mich verneigen. Nun stand ich auf und verbeugte mich tief vor dem beifallsfreudigen Publikum. Ich habe aber, wie mir meine Freunde später sagten, dabei eine unsagbar kornische Figur gemacht — der Frack sah nämlich wie ein Mantel aus, in dem ich ver- schwano!
Erfolg in Oenischland.
Don Benjamins Gigli, dem beliebten italienischen Tenor.
Es ist mir schwer, irgendeinen Erfolg als den „ersten" zu bezeichnen. Gewiß hatte ich Beifall bei meinem Debüt im kleinen italienischen Städtchen Rovigo. Dann stieg ich in meiner künstlerstchen Ent Wicklung gewissermaßen von Stufe zu Stufe. Der Grad des' äußeren Erfolges wird im übrigen entscheidend von den Eigenschaften tes jeweiligen Publikums bestimmt. Das deutsche Publikum z. B. ist das strengste unö anspruchsvollste. Ein Erfolg in Deutschland kann unter Umständen manche äußerlich stürmischere Erfo'ge in anderen Ländern auf- wiegen. Als ich im Jahre 1924 zum ersten Male in Berlin als Rudolf in „Boheme" auftrat, war ich dem deutschen Publikum so gut wie unbekannt. Ich gab mein Bestes in der berühmten Arie „Wie eiskalt ist dies Händchen". Als der letzte Ton verhallt war, entstand eine sekundenlange Stille, die mir eine Ewigkeit dünkte. Es war die psychologische Sekunde, die den Erfolg entscheidet. Der bann aus- brechende stürmische Applaus sagte mir: „Du hast's geschafft",


