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24.9.1932 Erstes Blatt
 
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Samstag, 24. September 1952

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Nr. 225 Zweites Blatt

länben den Säugling von ihrer

Korea Japan USA.

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Oer Filmstar Lilian Gish in Bad-Aauheim.

Schürze sich bekleiden und auch die Stiefelsohlen feimfrei machen. Endlich läßt der gewissenhafte Di­rektor die Tür öffnen, und über eine Leitertreppe

einschneidendster Veränderung im Dasein dieses kleinen Orang-Utans. Die Mutter lag auf dem " " den linken Hinterfuß hoch,

gleich heran, und der Mensch macht immer wieder die gleiche Erfahrung: daß er viel zu wenig Futter in seinen Taschen halte. Denn auch die großen Tiere sind dafür sehr empfänglich und ich habe seht einen Marabu kennengelernt, der so besonders gern Zucker fraß, daß er die zugeworfenen Stücke schon in der Luft mit seinem Schnabel auffing. Hoffentlich hat das sein Fisch-Abendbrot nicht allzu sehr vor­gesüßt.

Noch mehr! Dableiben! lockten die Tiere. Aber ich mußte eines anderen Tierkindes wegen schleu­nigst nach Berlin.Kathrinchen" roar zur Welt ge­kommen, die Tochter der 4,20 Meter hohen Giraffin Anneliese", und weil dies seit dem Kriege zum erstenmal sich ereignete in Berlin, wollte ich den 80 Pfund schweren Säugling möglichst schnell be­grüßen.

Giraffenkinder sind von allem Anfang an recht selbständig, auf hohen Stelzen stapfte Kathrinchen Stunde um Stunde durchs weite Gehege, und das bekam ihm so gut, daß es in vier Tagen um zehn Zentimeter gewachsen ist, wahrscheinlich weil es sein Hälschen so toll recken muß, um der Mutterzunge zu begegnen.

Schritt zur Selbständigkeit war getan.

Tierkinder sind immer eine Deseligung für uns Menschen. Da wird irgendwo ein Riegel zurück­geschoben, man geht in einen strohgepolsterten Der­schlag und sieht das junge Zwerg-Zebu, das vor fünf Stunden zur Welt gekommen ist. Es steht schon ganz sicher auf feinen fast bleistiftdünnen Beinen, glänzt silbrig-malvenzart, wurde eben von der Mut­ter trocken geleckt. Und plötzlich trollt das weiße Kälbchen vertrauensvoll auf uns Menschen zu, lehnt sich wahrhaftig gegen meine Beine, und das warme Schnäuzchen schnuppert an meinen Fingern, so daß ich den Hauch seines Atems spüre.

Ein junger Tiger liegt in der Mulde meiner Hände, so weich und klein noch, daß ich sein Köpf­chen stützen muß; der temperamentvolle Guanaco- Bock duldet noch einigen Mohrrüben-Bestechungen, daß auch sein Sprößling an meinem Brötchen knab­bert, die jungen Mähnenschafe trollen zu Bieren

tritt man in die Wochenstube.

Die Drangmutter kommt freudig auf ihren Pfle­ger zu und begrüßt ihn nach ihrer Art, d. h. sie fängt sofort einen Boxkampf an, angelt mit ihren überlangen Armen nach dem Menschensuß und möchte gar zu gern den Gast zu Boden werfen. Aus Liebe, aus Spielerei meinetwegen, keinesfalls weil sie böse märe. Denn ihre scharfen Augen haben na­türlich längst die Aepsel und Bananen entdeckt, die wir mitbrachten. Nach einer Weile läßt sie sich be­häbig auf ihre Sitzfläche nieder und genießt. So wollten wir es haben: denn nun kann ich aus näch­ster Nähe das Drangkind betrachten, das sich mit feinen vier Fäusten seit der Stunde der Geburt "am mütterlichen Haarkleid festgeklammert hat.

Die Säuglinge.

Ich bin zu besonders glücklicher Zeit dort gewesen, bann als ich am Morgen der Absahrt schnell noch einmal in den Zoo fuhr, erlebte ich den Augenblick

Lilian Gish, aus vielen Filmen bekannt als die Darstellerin zarter Frauengestalten, bei ihrem Kur­aufenthalt in Bad-Nauheim.

DerBohnenkneg in berMandschurei

Wirtschaftliche Hintergründe der politischen Auseinandersetzung im Kernen Osten.

Bon unserem J. F. ^.-Berichterstatter.

ftimmungen belehrte. Daß die gleichen Kla­gen von der politisch anderen Seite, nur mit um­gekehrten Dorzeichen, noch in vielleicht höherem Maße erhoben werden, zog sie nicht in Rechnung.

Ein Schluß ist aber hier zu ziehen: So wie bisher geht es nicht weiter. Eine wirk­liche Reform, die zum Teil freilich im Abbau von vermeintlichen Reformen bestehen wird, muh die Strafrechtspflege wieder auf eine gesunde Ba­sis stellen. Für Monstre-Prozesse der bisherigen Art ist jetzt nicht die richtige Zeit. Niemand will sie. Lind jeder, der wirklich etwas von der Sache versteht, weih auch, daß sie nicht notwen­dig sind. Andere Völker haben sie auch nicht. Sie .rationalisieren" in einer Weise, die uns unerträg­lich erscheint, llnfcre Propheten der fremden Ge­bräuche spotten dabei häufig ihrer selbst und wissen nicht wie. Ein kleines Erlebnis aus der viel ge­rühmten englischen Rechtspflege. Kürzlich wohnte einer meiner Amtsgenossen einer Ge­richtsverhandlung auf Cypem bei. Ihm fiel auf, daß der Angeklagte überhaupt nicht zu Mort kam, Antwort:Die Gerichtssprache ist die englische". Der Angeklagte versteht nur griechisch. Er hat baber das Recht, seine Aussagen durch seinem Verteidiger machen zu lassen. Kommentar über­flüssig. Lieberflüssig auch, daß einer solchen Beeinträchtigung der Grundrechte des Angeklag­ten niemals das Wort zu reden ist. Das Heber- m a ß an .Freiheiten" dient aber auch nicht dazu, unser Ansehen bei anderen Völkern zu stärken. 3m Gegenteil. Gerade dadurch wird unsere Rechtspflege herabgezogen. Jeder, der in den letz­ten Jahren im Ausland war und mit der Rechts­pflege zu tun hatte, weiß auch aus den Ge­sprächen mit Ausländem, wie solche Prozesse im Ausland wirken. Ein falscher Schluß auf die sitt­lichen Kräfte des deutschen Volkes wird häufig gezogen. Wahrhafte Belange des Volkes gilt es also zu wahren. Ernstestes steht auf dem Spiel

(Nachdruck, auch mit DueUenangabe, verboten.)

Schanghai, September 1932.

Das ist keine Bohne wert", sagt man wohl in Deutschland, wenn man ausdrücken will, daß ein Ding so gut wie wertlos ist und kennzeichnet damit den Grad der Achtung, den man dieser nahrhaften Hülsenfrucht entgegen bringt. Wenn aber die Bohne gleich milliardenweise vorhanden ist, beginnt die vorher Verachtete im Ansehen zu steigen, und ganze Völker beginnen sich darum zu raufen, wie es äugen- blicklich in der Mandschurei geschieht.

Die BezeichnungBohnenkrie g", die man dem Disput in der Mandschurei gegeben hat, ist nicht unberechtigt. Allerdings handelt es sich hier auch um eine ganz besondere Frucht, nämlich bie Sojabohne (Soja hibiscus), bie fast ausschließ­lich im Fernen Dften gebeiht. Auch in ben Ver­einigten Staaten, wo bie Regierung alles anzu­pf tanzen sucht, was nur irgenbroie von Wert ist, ist sie heimisch geworben. Die Weltproduktion an Soja­bohnen verteilte sich im Jahre 1929 wie folgt:

Mandschurei 63 Prozent, bas übrige China 25

Rücken, stellte plötzlich nahm mit beiden fjänl ..

Brust. Er meinte zwar, doch schon hatte ihn die mütterliche Lehrmeisterin auf ihr Bein gesetzt, schob und half solange, bis das Kind begriff, sich an ihre Zehenfinger hing wie an eine Reckstange. Der erste

Streifzug durch deutsche Tiergarten.

Don Paul Eipper.

Jeder Mensch hat Merksteine in seinem Leben, Anhaltspunkte für die Erinnerung, und zumeist fallen sie mit seinen Liebhabereien zusammen. Sechs­mal war ich auf einer Reise durch Deutschland in Zoos unb viermal in verschiedenen zoologischen Gärten. Tierstationen sind eben meine Lebensweiser.

Soll ich nun den einen Garten gegen den anderen abwägen? Ich freue mich lieber, baß an so vielen Orten Heimstätten der Tiere sind und zugleich überall andere Spezialitäten, daß allgemein der Geist des Fortschritts, derhumane" Ausbau der Tierhaltung zu spüren ist, und daß bei jedem Besuch wieder neue Freundschaften mit Tieren möglich werden, alle auszufrischen sind.

Rattenfänger mit Zucker st ückchen.

Einmal ging ich mit einem silberblonden, fünf­jährigen Mädchen durch den Zoo: wir Haden sehr viel Zucker verfüttert an die dunklen Ponnys und die grauen Eselfohlen, die dort frei umherlaufen, plötzlich sich quer über ben Weg stellen unb mit stummen Nicken ihren Tribut verlangen. Well meine kinbliche Begleiterin gar keine Angst hatte unb wohl bes Zuckers zuviel öergeubete, trollte uns ein solcher Wollzwera lange nach unb puffte mich von Zeit zu Zeit mit feiner Schnauze in ben Rücken. Ein weiß­lichgelber Ponny merkte unsere Nachgiebigkeit: auch ber buntle Hengst schloß sich an, unb als wir hinten bei ber Freianlage ber Eisbären angekommen waren, konnte man vergnügt feststellen, baß eine ganze Karawane im Gänsemarsch uns folgte.

Welch ein Fortschritt gegen früher, als Ponnys unb Esel hinter Gitterstäben hausten! So ist es boch viel schöner, wenn bas Tiergeschöps auch einmal mit uns spazieren gehen kann. Es braucht ja nicht aus- zuarten: Krokobile unb Panther bleiben besser im sicheren Gewahrsam; bagegen störte mich keineswegs jene aufmunternbe Anwesenheitsmelbung, als in einem anberen Zoo bie große Truthenne sich mit einem neugierigen Picken in meine Wabe avisierte.

Mahlzeit im Affenkäfig.

Einen Tiergarten hatte ich seit sechs Jahren nicht gesehen. Mit beglückter Freube stanb ich bort von neuem bei ben Nachtäffchen, beren rotgolbene Eulen­augen so übergroß in ben kleinen Köpfchen stecken.

Karrenrädern" gepreßt, bicke, ninbe Scheiben mit einem viereckigen Loch in ber Mitte, bie genau so aussehen wie Mühlsteine unb ebenso schwer finb. Große Mengen bavon gehen nach Japan, Holland unb Dänemark unb haben besonbers in ben beiben letzteren fiänbem sehr zur Hebung ber Viehwirt, schäft beigetragen. Als Düngemittel finb bie Bohnenkuchen ebenfalls sehr beliebt, so in Japan für bie Reisfelber an Stelle ber früher angeroanbten Fischbüngung, in Sübchina, Java unb ben Südsee­inseln für die Zucker und Jamplantagen.

So recht berühmt geworden ist die Sojabohne erst seit die Weltindustrie sich ihrer bemächtigt hat. Im Jahre 1904 betrug ber Export aus ber Manbschurei 8,7 Millionen Taels, wovon weitaus ber größte Teil im Osten blieb. Im folgenben Jahre würbe bie erste Schiffsladung nach Europa verschifft, unb nun begann ein unerhörter Aufschwung. Bis zum Jahre 1928 war ber Export auf 245 Millionen Taels angewachsen, hatte sich also in 24 Jahren verbreißigsacht. In Deutschland, bas nach Ja­pan ben Löwenanteil ber mandschurischen Bohnen­ausfuhr erhielt, in England, Dänemark und Hol­land entstanden ganze Industrien, die Sojabohnen zu ben unmöglichsten Dingen verarbeiteten, lieber bie Verwendungsmöglichkeiten ließe sich ein ganzes Buch schreiben. Einige bavon seien hier kurz ange­führt: Soßen unb Suppen, Frühstücksartikel, Kasein, Käse, tonbenfierte Milch, Salatingredienzien, Mehl, Makkaroni, Biskuits, Konfekt, Butter- unb Fett- erfaß, Speise-, Salat-, Leucht- unb Schmieröl, Gly­zerin, Explosivstoffe, Farben unb Lacke, Material zur Herstellung wasserdichter Stoffe, Seife, Lino- leum, Zelluloid, Gummiersatz, Druckfarben usw. usw. Kurz unb gut, so ungefähr alles vom Autoreifen bis zum Xylophon.

Die Sojabohne zerfällt in viele Abarten, bie unter sich im Aussehen unb ber chemischen Zusammen­setzung verschieben finb. Es gibt drei Haupt­sorten, bie sich nach ber Farbe ber Frucht unter- scheiben, nämlich in gelbe, grüne unb schwarze, von denen jebe roieber in mehrere Unterabteilungen zer­fällt. Daneben gibt es noch andere Sorten, doch fpielen diese Feine große Rolle. Sie werben im April gepflanzt unb im September geerntet, unb zwar bevor bie Frucht oollstänbig ausgereift ist, weil sonst burch bas Aufplatzen ber Schoten Früchte verloren gehen würben. Dabei wirb bie Pflanze dicht über bem Boben abgeschnitten unb nachher mittels breiter Steinwalzen gebroschen. Die Wurzeln I bleiben in ber Erbe, werben später umgepflügt unb

Stehenbleiben erreicht man, baß ein winziges, schwarzes Häubchen burch bie Maschen greift unb ben halben Nußkern holt. Sein Kamerab ist neibisch; er keift zirpenb unb oekommt ein Atom Schokolabe. Nun sitzen beibe wie kleine Hasen auf ben Hinter­beinen, schieben ihre Beute mit den Händchen an die Lippen, und glitzernde Perlenzähne knabbern. Der Appetit ist geweckt; schon sind die Finger von neuem ausgestreckt: auch ber Rhesus nebenan bettelt, unb ber Makak schimpft.

Seltsam, als gäbe es eine unsichtbare Telephon- verbinbung unter ben Affen, so ist bas ganze Haus nun alarmiert. Der große Pavian auf ber anderen Seite hustet und bellt: begehrliche Arme stoßen überall durch die Stäbe; es ruft und lockt, unb bie Verschiebenheit ber Temperamente zeigt sich beutlich bei unserem Runbgang. Das eine Tier läßt meine Finger gar nicht mehr los; sanft, aber beharrlich werbe ich festgehalten, fast gestreichelt. Der nächste Affe stößt gewaltig nach bem Brotstück in meiner Hand, frißt es zwar sofort, aber er faucht mich- tenb an, inbes ber nächste vor Erwartung Purzel- bäume schlägt.

Besuch in der Kinderstube.

Man kann gar kein Ende finden, wenn man von Affen erzählt. In dieser Beziehung war ein west­deutscher Zoo der Höhepunkt jener Iterretfe. Dort lebt ber größte Orang-Utan-Mann, einer ber weni­gen rostroten Menschenaffen Sumatras, bie ihre Ueberfieblung nach Deutschlanb überstanden haben. Auch er bekam Walnüße, aber ich traute mich nicht, sie in seine übergroßen Riesenhände zu legen; er hat sie acht Stück auf einmal in bie Mund­höhle geschoben, schwang sich dann gemessen hinauf zu seinem erhöhten Baumsitz und knackte, fletscherte, genoß spuckte die harten Schalen aus und sah zu uns Menschen herunter, gleichgiUig, doch irgendwie erschütternd großartig. Um den Anblick dieses einen Tieres lohnt sich schon eine Reise für jeben Tier-

21ber in dem Zoo ist auch eine Orang-Frau, und sie hat vor wenigen Wochen ein Kind bekommen, ein entzückendes Äffenkind mit vielen kleinen roten Löckchen Ich durfte ihm einen Besuch machen, wozu jedoch verschiedene Vorbereitungen nötig sind. Erst werden Hände. Finger und Arme desinfiziert, in Sublimat gewaschen: dann muß man gebückt durch

Verglichen mit unserer gewöhnlichen Gartenbohne ist bie Soja eine f o ft bare Frucht, benn sie enthält 37,8 Prozent Eiweiß unb 20,9 Prozent fettes Del, gegen nur 2,4 Prozent Eiweiß unb 1,6 Prozent fettes Del ber europäischen Bohne. Sie hat baher in ben Ländern, in denen sie gedeiht, von jeher eine große Rolle als Volksnahrung gespielt. Dabei wird sie auf mancherlei Art zubereitet. Ein interessantes Gericht, das man bei uns auch ein­führen sollte, finb bie Bohnensprößlinge.

als der Jetztzeit nicht entsprechend. Linser höchstes Gericht hat einmal den Grundsatz aufgestellt, daß die Rechtsordnung zwecklose Handlungen nicht wollen könne. Das gilt aber auch nur für das Verfahren in bürger­lichen Rechtsstreitigkeiten, und auch da nur mit Einschränkungen. 3m Strafprozeß muh jeder Richter vielfach Handlungen unternehmen, von deren Zwecklosigkeit er, wie gesagt, von vorn­herein überzeugt ist. Häufig werden gerade diese im Gesetze gebotenen Dinge, die eine Verzögerung des Verfahrens herbeiführen, und ihm den An­schein der Weltentfremdung geben, der Rechts­pflege zur Last gelegt. Die Derumständlichung eines Verfahrens ist, so meinen viele, Schuld des Richters. Der fehlerhafte Kreis schließt sich also: dieselbe Oeffentlichkeit, die durch ihren Einfluß auf die Gesetzgebung dem Richter Fesseln ange­legt hat, legt ihm zur Last, daß er durch sie ge­bunden ist.

Gewiß: man hat rnan-ches getan, um Strafver­fahren einzudämmen. Man hat geglaubt, dadurch daß man angeblich kleinere Straftaten wie Haus­friedensbruch unb Körperverletzung auf Anzeige der Betroffenen nicht mehr zu verfolgen brauche, das Vertrauen zur Rechtspflege zu stärken. Das hat sich freilich auch als ein äußerst zweifelhaftes Mittel erwiesen. 3n ber Stunde, wo ich diese Zei­len schreibe, ruft mich eine sonst weitblickende Per­sönlichkeit mit allen Zeichen der Aufregung an, um mir daS Entsetzen weiter Kreise über die Tat­sache mitjuteilen, daß die Staatsanwaltschaft bei einer politischen Dvrfschlägerei die Beteiligten zu­nächst auf den Weg ber Privatklage verwiesen unb erst eingegriffen habe, als einer ber Beteiligten an ben Folgen des Rauf» Handels verstarb^ sei. Sie wollte darauf das gänzliche Versagen unserer, ihren Meinung nach, politisch rechts eingestellten Strafrechtspflege kon» ftruieren unb war aufS äußerste erstaunt, als ich sie über die jetzt geltenden gesetzlichen Be»

Makkaroni.

Die Mitteilung des italienischen Ackerbau- Ministeriums, bas die Weizenernte in diesem Fahre über 1800 Millionen Kilogramm betragen wird, die größte Ernte, die je in 3taüen ver­zeichnet wurde, hat Begeisterung unter der Land­bevölkerung hervorgerufen und ist ein deutliches Zeichen dafür, daß die seit acht 3ahren von der Regierung durchgeführte Propaganda des Weizenbaues reiche Früchte trägt. Mussolini, der die Selbstversorgung des Landes mit Rahrungs- Mitteln für eine seiner Hauptaufgaben erklärt hat. sieht sich dadurch dem Ziel nahe, bem ita­lienischen Volk seintägliches Brot" ober viel­mehr dietäglichen Makkaroni", die ja die Ra­tionalspeise des Landes finb, zu sichern. Italien verbraucht jährlich etwa 2000 Millionen Kilo­gramm Weizen, so daß die notwendige Menge bald erreicht ist. Es ist bereits ein Kongreß ein­berufen worden, der weitere Maßnahmen zur Steigerung des Weizenbaues erörtern soll, unb der erste Schritt der neuen Propaganda ist die Abhaltung von Versammlungen in allen Land- gebieten, in denen die Dauern zu noch größeren Anstrengungen angespornt werden sollen.

Sensalions-prozeffe.

Don Dr. Helmuth Lebmann, Landgerichtsdireltor, Berlin.

Richt immer herrscht Gerechtigkeit im Leben. Das erfahren auch deren Diener. Die vielleicht am meisten, weil sie gleichsam berufsmäßig ge­wohnt sind, immer Such die andere Seite der Sache zu sehen. Rur wer einmal selbst bie Pflicht gehabt hat sich durch die ganze Zimmer füllenden Akten­bände eines derartigen Riesenprozesses durchzu- arbeiten, weih, welche LInsumme von Zeit, Rerven und Arbeitskraft der sämtlichen mit ber Durchführung betrauten Or­gane ber Rechtspflege verbraucht wirb. Das gilt nicht nur für ben Richter, fonbem auch für den Staatsanwalt unb ben Verteidiger. Unb noch eins ist nicht zu vergessen: Schon die unmittelbares Kosten eines solchen Verfahrens verschlingen Zehn-, ja Hunderttausende von Mark. Die Auf­wendungen allein an baren Gebühren für Zeugen unb Sachverständige in dem nicht einmal so be­sonders schwierig liegenden Falle Kutisker haben etwa C6CO Mark allein erfordert. Die baren Auslagen imBarmat-Prozeßhat man auf über 200 000 Marr zu beziffern. Dazu treten noch diejenigen sehr viel höheren Kosten, die sich nicht als unmittelbare bare Auslagen barftellen. Lind sucht men unbefangen die Frage zu beantworten, ob das Endergebnis derartiger Prozesse mit bem aufgebotenen Aufwanb wirklich im Verhält­nis steht, so kann man sie meist nur mit einem entschiedenen .nein beantworten.

Wer will denn nun solche Pro­zesse? Der Staat unb die ihn vertretende Justizverwaltung? Sicherlich nicht. Die Oef­fentlichkeit? Wer je an einem solchen Ver­fahren teilgenommen hat, weih, wie nach den ersten SensationStagen das Interesse der Oeffent- lichkeit abflaut und der Zuhörerraum, dessen Plätze zu Beginn heiß umkäw.pft waren, immer leerer wird. Also auch die Oeffentlichkeit nicht. Sie hat aber das Gefühl das richtige Gefühl daß mit solchen Mammutverfahren nieman­dem gedient fei und sucht einen Schuldigen. Sie findet ihn häufig in der Rechtspflege als solcher oder zum mindesten im Einzelfalle im Richter. Run mag gern zugegeben werden, daß gelegent­lich auch von einzelnen Organen ber Rechtspflege in ber Ausdehnung eines Verfahrens des Guten zu viel getan wird. Aber ber wahre Grund dieser Rechtsinflation wird boch verkannt: Er liegt im Gesetz. All' ben vielfachen Vorschlägen, die auf die Eindämmung der Monstre-Prozesse gerichtet sind und bie sich an die Justizverwaltung wenden, ist damit jeder Wirklichkeitsboden entzogen. Das Gesetz ist dahin geformt, bah bem Richter im Ver­fahren jebwebe Freiheit genommen ist. Er muh auf Anträge eingehen, von beren Aus­sichtslosigkeit er von vornherein nicht nur über­zeugt, fonbem deren er gewiß ist. Das Gesetz, von Mißtrauen gegen ihn erfüllt, erlaubt ihm einfach nicht, einiges Kennzeichnende herauszu- greifen, dies nach allen Seiten zu beleuchten, und es bann in einer Zeit, bie angemessen und her- stänbig zu fein scheint, als Grundlage seines Ur­teilt zu benutzen. Die oberen Gerichte sehen in häufig ganz formalistischer Anschauungsweise ihre Ausgabe darin, darüber zu wachen, baß kein Pünktchen unb kein Komma ber strengen Ver­fahrensvorschriften verletzt wird. Der- fahrensvorschriften, die voll Mißtrauen gegen ben Richter erfüllt sind, da sie ja bem Angeklagten ein gewisses Mindestmaß an Rechten sichern wol­len unb müssen. Derfahrensvorschriften aber, die von ber Voraussetzung ausgehen, bah alle Pro­zeßbeteiligten immer aufs eifrigste nach Gerech­tigkeit streben unb die in ber Theorie es weit von sich weisen, als ob irgendwelche andere Einflüsse bem Streben nach reiner Gerechtigkeit seitens aller an bem Verfahren beteiligten Personen Abbruch tun könnten.

Auch der Richter, der diesen Rainen wirklich verdient, ist sich bewußt, dah gewisse Rormen ihm gegeben sein müssen, weil sonst der beste Wille leicht in Willkür ausartet. Trotzdem emp­findet er ein gut Teil der ihm auferlegten Fesseln

Die Bohnen werden zuerst einen Tag in Wasser ge­weicht, dann in ein Gefäß mit siebartigem Boden getan, das zugebunden wird. Sie werden jeden Tag gewässert, und nach drei Tagen sind die Spröß- linge fertig, die ein zartes Gemüse sind. Werden die aufgeweichten Bohnen gemahlen und in Wasser gekocht, so entsteht ein milchartiger Brei, aus dem Dofu, eine Art Quark, gemacht wird, der in China und Japan sehr beliebt ist, bei den (Europäern da­gegen weniger Anklang findet, bis sie sich an den Geschmack gewohnt haben. In Japan tut man auch Reis und Salz dazu und hat dann Miso. Sogar Ersatzmilch wird in Japan aus diesem Quark her­gestellt, die mit Rohrzucker gesüßt, kondensiert in Dosen verkauft wird. Beim Kochen des Quarts' ent­steht auf der Flüssigkeit Schaum. Dieser wird auf Holzstocke gestrichen und getrocknet. Er hält sich lange, muß aber vor bem Genuß wieder gekocht werden. Aus dem Quark wird durch eine dreiwöchige Gärung ein K äse, der unserem echten Limburger an Schärfe des Geschmack und Geruches nicht nach- steht. Ferner dienen die Bohnen als Kaffee- und Fleischersatz eine in Europa sehr be­kannte Art von Suppenwürfeln besteht zur Haupt- fache daraus sowie als Mehl zu Backwaren aller Art. Am bekanntesten ist die Sojasoße. Bei ihrer Herstellung werben die gekochten und zerklei­nerten Bohnen mit grob geschrottenem Weizen oder Gerste gemischt und dann einem Gärungsprozeß unterworfen, der zwei Monate dauert. Während dieser Zeit muß die unappetitlich aussehende Flüssig­keit jeden Tag gründlich umgerührt werden. Am Ende wird die Flüssigkeit gefiltert und in Flaschen oder Fässer gefüllt.

Infolge ihres hohen Nährwertes ist die Soja­bohne ein ausgezeichnetes Viehfu11er. Nachdem das Del herausgepreßt ist. wird die übrig bleibende trockene Masse zu Bohnenkuchen oder

Diese wie der Name sagt Nachttiere sind recht I einen niebngen Gang kriechen, mit einer sauberen scheu: man muß schon Gedulb haben, bis diese r!J v:-

schließlich ans Gitter Vorkommen, zur Umkehr stets | bereit. Aber mit ein bißchen Summen unb ruhigem