„Mik NAM!"
Vornan von Gert T^oih-er-.
Copyright by Martin Feuchfwanger, Hall«.
22 Fortsetzung. Nachdruck verbotenl
Freiherr von Sarhausen betrachtete ihn aufmerksam, rauchte mit Genuß seine Zigarre und schwieg.
Schließlich besann sich Ansbrück, daß er heute ein sehr schlechter Gesellschafter war. Er drückte die Hand des Freundes:
Verzeih! Du hast dir gewiß von diesem Abend mehr versprochen. Aber mich bewegt etwas, worüber ich vorerst nicht sprechen möchte."
„Aber ich bitte dich! Hast du bei mir eine solche Entschuldigung, nötig? Schweig dich ruhig aus und denke über das nach, was dir nahegcht. Och freue mich, daß du wen.igstens da bist."
..Sag mal, ich war in letzter Zeit ziemlich viel nach Schloß Osternhagen hinausgebctcn worden. Weiß man da schon etwas - ich meine, die Oeffentlichkeit weiß doch nichts von meiner beabsichtigten Scheidung?"
Sarhausen zuckte die Schultern.
.Tja, das braucht dich nun eigentlich nicht zu Wundern. Die Leutchen, die so etwas am wenigsten angeht, sind immer am besten unterrichtet über anderer Leute Privatangelegenheiten. Laß ihnen das Vergnügen, Ansbrück!"
Ansbrück sah vor sich nieder. So also war das. Während er Rücksicht auf Lisa und ihre Verwandten nahm, klatschte man ringsum bereits! Vlnd er brachte sein Glück in Gefahr, weil er noch immer Rücksicht nehmen wollte.
Einmal mußte er den ersten Schritt ja doch tun. Run' war cs vielleicht gut, er unternahm diesen Schritt so schnell wie möglich. Er wollte seinen Anwalt beauftragen, sich mit Lisas Anwalt in Verbindung zu setzen; und er wollte auch selbst soviel wie möglich nachgeben, damit ja nicht unnütz Staub ausgewirbelt würde. Größtmögliche Schonung für Lisa: das war auch noch heute sein Wille. Ohm war eine Ehe immer etwas Heiliges gewesen. Viel zu heilig, als daß all das, war nur die beiden Ehepartner anging, an die Oeffentlichkeit gezerrt werden durfte. Selbst auf die Gefahr hin. daß an ihm selbst etwas, vielleicht sogar sehr viel, mit hängenblicb.
Helle Röte schoß Ansbrück in die Stirn. Er war doch nun auch schuldig. Denn seine ganze heiße Liebe gehörte nicht mehr der Frau, die seine Ehre in den Schmutz gezogen, sondern dem jungen, blassen Mädchen.
Ansbrück stand auf.
..Sarhausen, sei mir.nicht böse! Och fahre lieber nach Hause. Och kann dir unmöglich zumuten. daß du dich noch länger von mir anöden läßt. Komm lieber morgen abend zu mir heraus!"
Der andere trat zu ihm. legte ihm die Hand auf die Schulter und sah ihn verstehend an.
.Mach cs mit dir allein ab! Och kann dich sehr gut verstehen: man kann über manches auch mit dem besten Freund nicht sprechen. Och nehme dir das bestimmt nicht übel. Halb und halb kann ich es mir sowieso schon denken, wenn ich auch nicht weiß, wie und was."
Sie drückten sich die Hände, und Doktor Ansbrück ging. Schickte den Wagen fort und ging zu Fuß. e
Am anderen Morgen gegen zehn Uhr klingelte er am breiten Tor, das zur Klinik des Sanitäts- rats Sauerbach führte. Und dann wartete er in irgendeinem Zimmer. Wohltuende Ruhe umgab ihn.
Pon ganzem Herzen wünschte er, daß Marga Ohlcn leben möge. Denn ihr Schatten würde immer zwischen ihm und Aenne stehen, weil er eben doch derjenige war, der sie mit seinem Wagen überfahren hatte.
Eine ältere Schwester trat zu ihm:
„Herr Doktor, darf ich bitten, mir zu folgen?"
Er nickte hastig und ging neben ihr her. Eine Reihe von weißen Türen. Dann machte die Schwester vor einer dieser Türen halt.
„Es steht nicht gut. Die Verunglückte hat eine Lungenquetschung, die das Schlimmste befürchten läßt."
Er preßte die Lippen fest zusammen, nickte Dann betraten sie das Krankenzimmer, wo die Verletzte in den Kissen lag. Er trat zu ihr, nahm die heiße Hand in die seine.
Da blickten ihn ihre dunklen Augen an. Seltsam und leuchtend. Dann ging ein Blick zur Schwester.
„Lassen Sie meine — Schwester — in — Ruhe. Sie — ist heimlich verlobt- Schon lange!"
Er zuckte zusammen: „Das ist nicht wahr!"
„Es ist wahr. Und sie wird durch Sie nur schlecht."
„Warum sagten Sie mir das damals nicht?"
„Weil ich — klar — sehen — mußte. Sie — sind verheiratet. Bleiben Sie fort — von Aennes Weg."
„Och werde frei sein und wollte Aenne holen."
„Sie — machen — dann nur — den — anderen unglücklich. Wenn - auch Aenne — vielleicht — Ohren — Reichtum zu schätzen weiß."
Er ließ ihre Hand los. Regungslos stand er • da. Alles vernichtet ringsum. Glauben undDertrauen an eine große, reine Liebe lagen am Boden.
Die Stimme klang wieder neben ihm:
„Och — habe mich — absichtlich — vor Ohren Wagen geworfen."
Er hörte es und hörte es doch auch wieder nicht.
Er überlegte nicht einmal, daß es gut sei, die Schwester zu rufen, damit sie dieses Geständnis mit höre. Was war ihm denn irgendein Schadenersatz? Er würde alles zahlen, was sie von ihm wollten. Alles, alles!
Aenne! Um die er einen Heiligenschein gewoben! Und die doch längst die Liebe kannte und nun berechnend vor der 5cage stand, welchen von beiden Verehrern sie den Vorzug geben sollte.
Doktor Ansbrück richtete sich auf. Ein hartes, spöttisches Lächeln stand um seinen Mund.
Eine würdige Nachfolgerin wollte ich dir geben, Lisa! Oeht aber mag mein Heim ruhig einsam bleiben. Es ist ja schließlich so schön auf der Welt. Muß man ba£ Glück und die Liebe durchaus in feihem Heim suchen? — Das waren die Gedanken, die blitzschnell durch sein Hirn kreuzten.
Die Schwester kam wieder herein:
„Verzeihung, Herr Doktor, Fräulein Ohlens Mutter und Schwester möchten die Kranke besuchen. Sie warten draußen."
Er griff nach seinem Hut.
„Och gehe schon."
Dann besann er sich, gab Marga Ohlen die Hand:
„Leben Sie wohl und werden Sie recht bald wieder gesund!"
Ein seliges Lächeln breitete sich über ihr Gesicht. Und jetzt sah dieses Gesicht schön aus.
Doktor Ansbrück ging draußen an zwei still dastehenden Gestalten vorüber. Eine knappe Verbeugung — ein Blick streifte das schöne, blasse Gesicht Aennes, dann ging er weiter.
Fremd, unnahbar, als habe er sie nie gekannt, und als sei es nur ein Zufall, daß sie sich heute hier zum ersten Male sahen.
Aenne wankte. Der Mutter Arm legte sich stützend um sie.
„Kanntest du den Herrn, Aenne?"
„3a!"
Da schwieg die Mutter.
Die Schwester winkte ihnen, und sie betraten Margas Zimmer. Sie blieben bei ihr, hatten die Erlaubnis, zu bleiben.
Einmal sah die Mutter einen Blick voll Haß, den Marga auf Aenne warf. Dann war in diesem Blick wieder Frieden.
Zwei Stunden später war Marga tot! Aber sic hatte es doch noch der Mutter zugeflüstert, daß sie sich vor den Wagen geworfen.
Traurige Pflichten warteten nun der Angehörigen. Arm in Arm, wie sie gekommen, aufeinander gestützt, verließen Aenne und ihre Mutter die Klinik.
Aennes schönes, schmales Gesicht war wie versteinert in Angst und Schmerz. Die Mutterdachte: Nimmt der Tod Margas sie so mit, oder — ist es das andere? Und hängt es gar mit dem Herrn Doktor Ansbrück zusammen?
Sie fragte jedoch mit keinem Wort. Nur doppelt gut war sie zu Aenne, die sich einmal in ihre Arme flüchtete:
„Mutter, ach Mutter!"
Aber der graue Alltag forderte sein Recht. Aenne mußte jetzt doppelt darauf bedacht sein, ihre Stellung nicht zu verlieren. Madame Endiee war mit ihr zufrieden, aber sie hatte Launen! Und das war immer gefährlich. Also mußte sie, Aenne, tüchtig auf dem Posten sein.
Nenne ging Tag für Tag hin, führte den vornehmen, verwöhnten Damen die herrlichsten Toiletten vor. Sie kauften wie immer bei ihr am meisten, und Madame Endiee war sehr zufrieden. Sehr!
Aenne aber weinte in der Nacht lautlos in ihre Kissen. Und das Leben der Großstadt umbrandete sie. Es nahte sich ihr mit lockenden Worten. Man sprach sie auf der Straße an; die Männer, die tagsüber ihre Frauen begleitet hatten und sie im Geschäft von Madame Endiee sahen, warteten am Abend auf sie.
Ohre blasse, müde Schönheit faszinierte die Männer. Aber es bleib immer das gleiche. Aenne antwortete ihnen gar nicht. Still ging sie ihres Weges.
Ohre Sehnsucht und ihre Liebe gehörten Rudolf Ansbrück bis in alle Ewigkeit. Und er hatte sie mit diesem Blick angesehen! Diesem Blick, den sie nun nie wieder vergessen würde.
Schmerz. Verachtung — oder was war es nur, was in diesem' seltsamen Blick gelegen hatte?
Oder, dachte er kaum noch an sie, und nun war er ärgerlich gewesen, weil der Zufall sie noch
einmal in der Klinik mit chm zusammengeführt hatte?
Vielleicht war ihm die Erinnerung an jenen Abend längst. lästig! Die Erinnerung an jene Nachtstunden in seinem Hause!
Aenne schlug beide Hände vor das zuckende Gesicht.
„Och liebe dich! Och liebe dich doch!"
Es war nur ein verzweifeltes Aechzen. Und die Bäume, die der Februarsturm hin und her riß, die ächzten mit. Oder höhnten sie nur:
„Du Närrin, du armselige Närrin! Wie durftest du hoffen, den begehrtesten Mann der Gesellschaft für dich zu gewinnen? Du? Du armes, kleines Nichts du?"
*
Ernst von Polzenhagen steckte die Hände in die Taschen und sah seine Frau von oben bis unten an. Es wurde ihr unbehaglich unter seinem Blick. Doch sie wappnete sich von neuem mit Trotz und Auflehnung.
„Weshalb siehst du mich so an?" fragte sie gereizt.
„Och wundere mich, daß du noch nicht ange» zogen bist", sagte er gleichmütig, wandte sich zum Rauchtisch und steckte sich eine Zigarette an.
„Wieso nicht angezogen? Och gehe jo, wie es mir gefällt. Och bin keine alte Frau. Och bin schön und jung, und wenn ich gewußt hätte, wie furchtbar das Landleben ist, wäre ich nie hierhergekommen."
Polzenhagen warf die Zigarette in den Decher, drehte sich zu seiner Frau herum:
„Nein, mein Kind, so wirst du nicht gehen. Du wirst dich anziehen, wie cs einer anständigen, soliden Landedelfrau zukommt."
„3m hochgeschlossenen Strickkleid und Wollstrümpfen vielleicht?" rief sie außer sich.
„Durchaus nicht. Och sehe es gern, wenn du dich hübsch machst. Mit diesem wahnsinnig ausgeschnittenen Kleid machst du dich und mich nur lächerlich. Dann ist es auch für die Trauer um euren Vater nicht passend. Also, du wirst es sofort wieder ausziehen."
„Nein!" Traute stampfte mit dem Fuße auf. „Och lasse mich von dir nicht länger tyrannisieren, daß du es weißt."
Auf Polzenhagens Stirn schwoll die Zornes- aber dick an. Aber er blieb immer noch ruhig. Er wußte ja, wer hier, nachdem Traute in letzter Zeit so fügsam und lieb gewesen war, wieder eingegriffen hatte.
„Mustere mich nicht so! »Och kann das nicht ertragen, wenn du mich so ansiehst." Traute weinte nervös.
Da trat er zu ihr. Mit festem Griff nahm er ihre Hände in die seinen.
„Och will dir etwas sagen,, mein Kind. Du kannst ja wählen. Wir brauchen uns durchaus nicht aufzuregen und uns böse Worte zu sagen. Du kannst tun und lassen in dem heutigen Falle, was dir beliebt. Och möchte dich nur darauf aufmerksam machen, daß ich so mit dir nicht zu unseren Nachbarn gehe. Och schäme mich deiner. Sehr einfach! Du kannst dann mit deincrSchwester zusammen in den nächsten Tagen Polzenhagen verlassen. Och halte dich nicht.'.'
Traute stand wie erstarrt. Sogar die zornigen Tränen versiegten. Das wagte er! Das war seine Liebe!
(Fortsetzung folgt.)
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3unter, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383
Der Voranschlag für Rj. 1932 liegt von Dienstag, den 24. d. M., ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Es kommt eine Umlage zur Erhebung, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben 4025D
Treis a. d. Lda., 23. Mai 1932.
Bürgermeisterei: Michel.
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Flugsport-Werbetag in Butzbach auf dem groben Exerzierplatz am Sonntag, den 29. Mai, nachmittags 3 Uhr Flugzeugschau. Leichtflugzeugvorführung. Kunstflüge (Loopings, Rollings, Turns. Sturzflüge u.a.m.) Ballonjagden, Geschicklichkeits- flüge. Rückenflugvorführungen. Lufttournier, Fallschirmabsprung aus 1U00 m Höhe des Rekordinhabers aus 5200 m Georg Resch, Gießen, sowie Vorführung des Luftscbleppzuges (Motorflugzeug mit Segelflugzeug als Anhänger) 03232
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Veranstalter: Südwestdeutsche Sportfliegervereinigung Giefsen im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung Butzbach und Mitwirkung der freiwilligen Feuerwehr Butzbach
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde eingetragen: 4018D
Am 14. Mai 1932 bei der Firma Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, in Gießen: Je zwei Prokuristen sind befugt, gemeinschaftlich die Firma der Zweigniederlassung zu zeichnen.
Am 19. Mai 1932 bei der Firma Darmstädter und Bationaldank, Kommanditgesellschaft auf Aktien, Zweigniederlaffung Gießen, in Gießen: Die Generalversammlung vom 23. Marz 1932 hat unter Zustimmung der persönlich haftenden Gesellschafter die Herabsetzung des Grundkapitals um 35 000 000 RM. beschlossen. Die Herabsetzung ist durchgeführt. Das Grundkapital beträgt jetzt 25 000 000 RM. Durch den von der Generalversammlung am 23. März 1932 unter Zustimmung der persönlich haftenden Gesellschafter genehmigten Ver- schmelzungsocrtrag vom 21. März 1932 ist das Vermögen der Gesellschaft als Ganzes unter Ausschluß der Liquidation gegen Gewährung von Aktien an die Dresdner Bank in Dresden übertragen. Die Gesellschaft ist dadurch aufgelöst und ihre Firma erloschen.
In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen:
Am 18. Mai 1932 bei der Firma A. Handrich in Gießen: Die Firma ist erloschen.
Am 19. Mai 1932 bei der Firma Schunk & Ede in Heuchelheim: Die Zwcignieder lassung Frankfurt a. M. ist aufgehoben.
Gießen, den 20. Mai 1932.
Hestisches Amtsgericht.
V. N. 4/32.
Beschluß
in dem Vergleichsverfahren über das vermögen de» Okto Bingel sen., Möbelwerk- ffätten in Gießen, kaplansgaffe 7.
1. Der in dem Vergleichstermin vom 12. Mai 1932 angenommene Vergleich wird hierdurch bestätigt.
2. Infolge der Bestätigung des Vergleichs wird das Verfahren aufgehoben.
Gießen, den 19. Mai 1932. 4017V
Hessisches Amtsgericht.
Bekanntmachung.
Am Mittwoch, dem 25. Mai 1932, nachmittags lx/i Uhr, versteigere ich in Ober- Midderdheim zwangsweise gegen Barzahlung: 4036V.
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Kraft
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