Nr. U9 Zweites Blatt
SietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Dienstag, 24. Mai (932
Malta
Don unserem römischen v. 6 -Berichterstatter.
Der Todessturz bei dem Avus-Rennen
Der zertrümmerte Wagen des Fürsten Lobkowicz wird von Sachverständigen untersucht.
de - Orden-, der 267 Jahre und sieben Monate die Insel beherrscht und öic jetzige Hauptstadt mit den nahen und weiteren Befestigungen erbaut hat Dia Paläste der verschiedenen Zungen, die heute zum Teil öffentlichen Ausgaben dienen, die Kirchen und früheren Sitze der Grohwurdcntrager des Orden- zeugen von dem Geiste, der im 16. und 17. Jahrhundert hier geherrscht hat. Man kann sich lebhaft oorft eilen. wie die von Kaiser Karl V. zu Herren über Malta eingeseyten Ritter hier schalteten und walteten und wie sie diesen wichtigen Hafen für die Christenheit gegen die türkische Flotte und da- belagernde Heer des Halbmondes verteidigten. Die weiten Säle im Palast des Großmeisters scheinen nur auf die Gehalten jener Zeit zu warten. Tritt man ober wieder ins Freie, so weichen die Bilder feudaler Vergangenheit. vor dem maschinenhaft gleichmäßigen Tritt des englischen Postens, der sich auf dem Plah des heiligen Georg um nichts aus der Welt kümmert als um seine Dorschrist.
England stcht hier fest, daran ändert auch der Streit nicht-, der aus Malta ncuerding- wieder durch die Sprachensrage und die im Sommer bevorstehenden W a h I e n an Schärfe zugenommen hat. Die entschiedensten Anhänger der nationalistischen Partei, die für die italienische Sprache kämpfens haben mit der Irredenta nichts zu tun. Wohl hat einer ihrer Führer in einem vor dem Kriege in Dom gehaltenen Dortrag borge- schlagen, England solle Malta gegen die italienische Kolonie Eritraea austauschen, aber das ist ein längst vergessener und im übrigen auch von den Malteserii nie ernstlich erwogener Plan. Zur Zeit ist die Insel auf Gedeih und Derderb mit England verbunden. Etwa 20 000 Hektar bebauter
der englische Verkehrsschupo im Mittelmeer.
Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! La Taletta, Mai 1932.
Am Abend hatte unser Dampfer die afrikanische Küste verlassen, langsam wurden d,e Leuchtfeuer des Hafens von Tripoli- vom'Dunkel verschlungen. Fast unbewegt schien da- Mittelmeer sich dem Horizont entgcgenzudehnen. Die Dunkelheit zog ihn immer enger um uns. Wir sind ungestört nordwärts geschwommen, der Morgen brachte nur leicht» Bewegung in das Element Deptuns Diele Stunden kein Legler, kein Dampfer — die K r i s e verödet auch d i e S c e st r a st e n. Dach den, Mittag taucht die maltesische Inselgruppe auf, erst flach und gelb Man glaubt es kaum, daß sie sich stellenweise 250 Meter über den Meeresspiegel erhebt Allmählich wird d,e Küste von Malta deutlicher. La Valletta wächst im Dordosten der Insel au- feinen Umrissen empor und baut sich als uneinnehmbare Festung auf ihrem Felsen auf. Die kleine Insel gleicht einer gepanzerten Hand, mit der der englische Derkehr-schuhmann da- Hin und Her auf dem ältesten Seewege unserer Kulturepoche regelt. Etwa 173 Seemeilen von Tripolis uno Tunis und 46.5 Seemeilen von Sizilien entfernt, liegt Malta in der Mitte zwischen Gibraltar und den, Suezkanal. Man versteht, dast diese« Eiland dem britischen Weltreich wichtiger ist, als fein Umfang, leine Einwohnerzahl und feine Doden- beschaffenheit e- bedingen würden.
Wir laufen wie durch ein schmales Tor in den besten Mittelmeerhafen ein. der sich drei Kilometer tief ,ns kalkige Gestein hineingefressen hat und durch ebenfalls natürliche Seitenarme in viele Abteilungen gliedert. Der Porto Grande scheint zu schlafen, hur einige Kähne sammeln sich um unseren Dampfer, sonst herrscht Leere. Es ist Sonntag, austerdem ist der Hau-Herr ausgesahren. Die britische Mittelrneerslotte, vier Admirale mit 54 Schissen, ist aus Besuch in italienischen Gewässern, ein Aufgebot, wie e- für diesen Zweck Nicht mehr erfolgt ist, seit König Eduard VII. sich aus Deapel abholen liest. Ohne die grauen Leiber der englischen Schisse hat der Hasen von Malta etwa- Träumerisches.
Sin Kahn bringt unS an Land. Don welcher Bedeutung ist diese- kleine Stückchen Erde schon seit vorgeschichtlicher Zeit unmittelbar für seine jeweiligen Beherrscher und unmittelbar al- Hort oder Bollwerk bestimmter Kulturen gewesen! Malta und ihre Schwesterinsel Gozo weisen die frühesten Funde deS MittelmeerbeckenS aus decEteinzeit auf. die in ihrer Art einzig und für die Wissenschaft in vieler Hinsicht noch ein Rätsel find Die unterirdischen Kultstätten von HalSalsieni und die Tempel von Tarsoen sind Zeugen einer Kultur, die vielleicht Jahrtausende vor Christi ihren Höhepunkt erlebte. Das Vorhandensein solcher Spuren in Malta kann die Fachleute zu den weitest reichenden Fol- Serungen anregen, in die das vorgeschichtliche lsrika einbezogen werden mag. UnS genügt zunächst die Dorstellung, dast schon vor 4000 vis 5000 Jahren Menschen hier ihre Götter verehrten, also längst ehe die Phönizier, das berühmteste Seevolk des Altertums. Öen schützenden Hasen von Melita anfcgeltcn und sich diesen Stützpunkt sicherten. Zieht man den häufigen Wechsel der dann folgenden kulturellen und blutmästigen Einflüsse der Karthager, Römer, Dandalen. Ostgoten, Sarazenen, Dormannen. Spanier, Sizilianer, des Malteser Ordens und schliestlich der Briten in Betracht, so wird man verstehen, dast die Gelehrten sich noch darüber streiten, wo die Geschichte der heutigen Bewohner der Insel anfängt.
Das Stadtbild von La Dalletta ist ein Erve
Fläche, die in mehr als 11000 Einheiten auf- geteilt ist. können die ständig wachsende und daher auswandernde Bevölkerung mcht ernähren Die Insel lebt also zum größten Teil davon, dast sic englischer Flottenstützpunkt und Der kehr-mittelpunkt deS Mittel- meereS ist LaDalletta vor allem hängt eng mit der Flotte und der Gam,fon zusammen und um die beiden Häfen dieser Stadt gedrängt, wohnen zwei Drittel der Gelamtbevölkerung der Insel Die Malteser sind loyale Untertanen deS König- von England und werden e- wohl auch bleiben.
Und doch kann niemand der politischen Spannung entgehen, die jetzt auf Malta herrscht Knüpft man cm Gespräch an. schlägt man eine der örtlichen Zeitungen auf. fo steht man mitten im Für und Wider der streitenden Parteien. Hier ziehen Anhänger des Premierministers Lord Str > cksand mit weist-roten Fahnen um. dort sammeln sich Dationalisten zu einer Kundgebung Worum geht eS? Gewiß lassen sich viele Streitpunkte auszählen. aber im Hintergrund steht nun einmal das verwickelte Intereffenspiel zwischen England, dem Datikan und Italien, zwischen Einzelpersonen und Gruppen mit besonderen Absichten.
Malta war im Jahre 1921 eine Dersafsung gewährt worden, die auf dem Grundsatz der Zweiteilung beruht: eine parlamentarische bodenständige Regierung, die zwei Kammern verantwortlich ist. für die inneren Angelegenheiten der Intel, daneben ein ernannter Gouverneur für alle Fragen, die Maltas Stellung innerhalb deS britischen Imperiums angeben und für gewiffe Sondergebiete wie Derteidigung. Militär. Flotte. Poft. Währung. Auswanderung. Einbürgerung und bezeichnenderweise auch für die Sprachenfrage. Die Wahlen der 3obre 1921 und 1924 brachten den Parteien die Mehrheit, aus denen die jetzigen D a t i o n a l i ft c n hervorgegangen sind, praktisch waren diese also am Ruder, bis die Wahl von 1927 für die von der Labour-Partv unterstützten Constitutional Party Lord S t r i ck l a n d s eine kleine Mehrheit im Parlament, nicht aber im Se
itz e o r g (E b r i ft i a n , Fürst von Lobkowicz, der tschechische Rennfahrer, der bei dem internationalen Rennen mit seinem Wagen aus der Kurve geschleudert wurde und kurze Zeit nach dem Unglück verstarb.
nat brachte. Damit begann eigentlich der jetzige Streit. Die Dersuche Lord StricNandS. des neuen Ministerpräsidenten, die Zusammensetzung des Senats so zu ändern, dast für seine Partei und damit seine eigenwillige Politik eine Mehrheit herauS- fam, stiehen auf ernsten Widerstand, nicht zuletzt bei den geistlichen Senatoren. Die Gegensätze steigerten sich besonders vor den Wahlen, die 1929 stattfinden sollten, bis es zum Bruch zwischen Stricklandundder Kirche, zur Spannung zwischen England und dem Datikan. biS es zu jenem Blaubuch, Weihbuch und Hirtenbrief kam, der die Unterstützung der Stricklandlaner unter die Strafe der Erkommunikation stellte.
Unter solchen Umständen konnten die Wahlen nicht stattfinden, die Dersafsung wurde zeitweilig auf gehoben, dem Gouverneur gewissermaßen die Regierung übertragen und die Wahlen wurden verschoben. Ser königliche Ausschuß, der kürzlich die Fragen, die zum Konflikt zwischen der englischen Regierung und dem Heiligen Stuhl führten, die Möglichkeiten zur Wiederherstellung der verfassungsmähigen Lage in Malta und die politische Seite des Maltakonflikts vom Standpunkt des britischen Imperiums untersuchen sollte, hat in seinem aufschluhrcichen und im wesentlichen sehn: unparteiischen Bericht die Politik Stricklands einer herben Kritik unterworfen sowie die Rück - kehr zur Dersafsung und Deuwahlen empfohlen. Einige Vorschläge zu der Sprachenfrage sind dann von der englischen Regierung noch weiter ausgebaut worden und sollen nach einer Mitteilung deS britischen Staatssekretär- für Kolonien noch vor den Wahlen, also nicht etwa durch die neue parlamentarische Regierung von Malta, sondern durch die englische Regierung, gleichsam „mm oben herab", durchgeführt werden. Es geht also um die AuSmerzung der italienischen Sprache au- den Grundschulen und den Strafgerichten. Die Engländer wollen demEng - lischenunddemMaltesischen (einemGemisch von Italienisch und Arabisch) den Dorzug geben. Die.Einmischung der italienischen Oeffent- lichkeit mag — obwohl platonisch — die eng-
©o entsteht ein Kursbuch.
Zum Hahrplanwechsel der Reichsbahn.
Von Georg Biesenthal.
Alljährlich im Mai und Oktober geht durch den ruhelos, reibungslos laufenden Gleichtakt des deutschen Eisenbahnverkehrs ein kurzes Stocken. E-s gibt einen Ruck int Räderwerk, einzelne Teile des Mechanismus werden neu geordnet hier und dort laufen die Räder nach anderem Rhythmus — der Fahrplan wird gewechselt! Auch nach außen hin tritt das Ereignis gebührend in Erscheinung: über Bahn- Hofsbuchhandlungen und Reifebureaus ergießt sich die Flut der neuen Kursbücher.
Die Aufgabe, das engmaschige Eisenbahnnetz alle sechs Monate auszulösen, seine Fäden zu zerreißen und neu zu knüpfen, entsteht der Reichsbahn aus Veränderungen der Betriebslage und aus den Forderungen der Oeffentlichkeit. Die Organisationen der Oeffentlichkeit üben auf die Fahrplangestaltung einen viel stärkeren Einfluß aus. als man gemeinhin denkt, und es ist ihnen Gelegenheit gegeben, an der Bearbeitung der Fahrpläne unmittelbar mitzuwirken Schon bei der Gestaltung der ersten Fahrplan-Entwürfe finden Besprechungen statt zwischen der Reichsbahn und den Industrie- und Handelskammern.' Die Fahrplan-Entwürfe gehen ferner den Landes- eisenbahnräten zu. in denen Handels- und ®e- werbekammem. die landwirtschaftlichen Kreis- vereine. die gewerkschaftlichen Organisationen aller Arbeitnehmer und andere öffentliche Körperschaften Sitz und Stimme haben. Die Beratungen mit ihnen finden jährlich Ende Oktober statt, fieben Monate vor Beginn des Sommersahr- plans 'Bei wichtigen Fahrplanänderungen wird außerdem noch der Reichsbahnrat befragt, der ebenfalls die Derkchrsinteressen der Oeffentlichkeit wahrnimmt. Die Regierungen des Reiches und der Länder werden regelmäßig über die Fahrplan-Entwürfe unterrichte! und haben die Möglichkeit. Aenderungsvorfchläge zu unterbreiten und Wünsche zu äußern Und schließlich tritt zweimal im Jahr, im Januar und September, der Fahrplanausschuß des Deutschen Industrie- und Hai'delstages zusammen, um die Anträge aller Derkehrstrcibenden festzulegen und sie der Reichsbahn zu übermitteln.
Die ..Stimme des Volkes" wird fo zu einer unentbehrlichen Grundlage für die Bearbeitung der Fahrpläne. Eine ebenso wichtige Grundlage aber
bildet die Beobachtung des Derkchrs durch die Reichsbahn selbst. Besonders geschulte Kontrollbeamte stellen an bestimmten Stichtagen die Beanspruchung der einzelnen Züge fest und die Benutzung der einzelnen Klaffen. Wenn ein Zug durch besonders schwache Besetzung auffällt, oder wenn er stets überfüllt ist, so wird der Fahrplan geändert: der dauernd leere Zug wird gestrichen, für den überfüllten wird ein neuer Entlastungszug eingelegt Und wenn man bedenkt, daß ein V-Zug von Berlin nach Köln mit Hin- und Rücklauf im Jahr etwa 1 700 000 Mark lüftet, wird man verstehen, wie wichtig solche Entscheidungen über Wegfall oder Einlage von Zügen ist.
Das also wäre der Stoff, der nun im Fahrplan gestaltet wird. Als 1 8 4 8 das erste deutsche Kursbuch, der ..Meilenzeiger für Deutschland" erschien, war das noch das Werk eines einzelnen, nämlich des Herrn Geheimen Sekretärs W. Wölker vom KurSbureau des Generalpostamtes. Aber dafür hatte er nur 56 Eisenbahnstrecken auszuzählen. und er brauchte sich nicht mit Anfchluhproblemen zu quälen. Heute gibt es ein ..Dey", und dieses Detz ist erfüllt von Anschlüssen, jede Kursbuchseite enthält etwa 1500 Zeilen, und ein Stab von hohen und höchsten Beamten zerbricht sich um dieses Buches willen den Kopf.
Das Schicksal der großen internationalen Fernverbindungen entscheidet sich auf der E u r o - Däi’djen Fahrplankonferenz, die alljährlich im Oktober zusammentritt. Für die Entstehung des Kursbuches ist sie das bedeutendste Ereignis. Hier werden die Auslandverkehrs- beziehungen und die allgemein interessierenden Angelegenheiten des eurovällchen Perlonenver- kehrs geklärt und geregelt — hier wird untersucht. ob das Eisenbahnnetz des Kontinents fahrplanmäßig den Ansprüchen des kommenden Jahres genügen wird Auf der Konferenz versammelt find die europäischen Eisenbahnverwa!tungen. die Schlaf- und Speisewagengcsellfchaften. Schiff- fahrts- und Luftverkehrsunternehmungen und die beteiligten Regierungen. Die Ereignisse find beträchtlich. So wurden auf der vorjährigen Konferenz. die in Kopenhagen tagte, allein für 38 internationale Fernverbindungen neue Fahrpläne festgesetzt.
Was die Europäische Fahrplankonferenz für den Derkehr des ganzen Erdteilch. ist die -Deutsche Fahrplankonferenz für den deutschen Verkehr Auch die tritt jährlich zusammen und zwar Mitte September. Ihre Aufgaben sind, beschränkt auf Deutschland, von gleicher Art
wie die der Europäischen Konferenz: sie bespricht die Fahrpläne für jene Züge, die mehrere Landesteile durchlaufen, also für die Fernverbindungen. Und weil diese Züge auch mehrere Reichsbahndirektionsbezirke berühren, sind zur einheitlichen Bearbeitung ihrer Fahrpläne sogenannte ..geschäftsführende Direktionen" bestimmt worden. Do ist z. B. für die Verbindungen von Berlin nach Hamburg und Kopenhagen daS Zahrplanbureau der Reichsbahndircktion Altona zuständig. Den Fahrplan der Strecke Berlin— Köln über Magdeburg—Kreiensen—Elberfeld bearbeitet die Direktion Elberfeld: fährt der Zug aber über Stendal—Hannover—Duisburg, so gehört er ,.fahrplanpolitisch' zur Reichsbahndirek- tion Hannover. Diese Direktion führt auch die Fahrplanverhandlungen mit Belgien und Frank- reid). um für den Zug günstige Anschlüsse jenseits der Grenze ficherzuftellen.
Die Fernverbindungen sind damit festgelegt, die Hauptfäden des Reyes geordnet. Das Skelett des Fahrplans steht! Erft jetzt gehen die 29 deutschen Reichsbahndirektionen — jede für ihren Bezirk — daran, dieses Skelett mit Fleisch und Blut zu umgeben: den «Fernverbindungen wird der Dah- und Anschlußverkehr angefügt. Das geschieht folgendermaßen:
Für jede Strecke wird ein Diagramm gezeichnet. dessen waagerechte Linien die Stunden und Minuten darstellen. während die senkrechten Linien die einzelnen Stationen des Weges markieren. In dieses Diagramm wird nun jeder Zug eingezeichnet, der diese Strecke durchläuft, und zwar genau nach den Zeiten mit denen er sie durchläuft. 0-Züge werden mit fetten Linien eingetragen. Eilzüge mit mittelstarken. Perfonen- züge mit dünnen Linien ufw So entstehen die ..bildlichen Fahrpläne", aus denen die Fahrten der einzelnen Züge über die Strecke deutlich hervorgehen. Man erkennt auf den ersten Blick, wo und wann zwei Linien sich schneiden, allo zwei Züge sich begegnen. — erkennt, wo und wann der Per'onenzug den O-Zug erreicht, der O-Zug den Güterzug überholt — und die mehr oder minder geneigte Lage, mit der die Zuglinie über das Diagramm geführt wird, zeigt deutlich die Zuggeschwindigkeit an. Und weil hier der ganze Verkehr einer Strecke fo über- f.chtlich bärge fielt t ist treten auch Fehllösungen und Störungspunkte klar hervor. Wie von 'clbft ergeben sich aus der Zeichnung Zeit und Ort. wo ein Zug dem andern ausweichen, ihm den Vortritt lassen muß — wo mehrere Züge zu schnell aufeinanberfeigen oder zu lange auf den Anschlußzug warten müssen und vor allem, wie
die Linien geführt werden müssen, um solche Dachteile zu vermeiden.
Diese „bildlichen Fahrpläne" sind die Vorgängen des gedruckten Fahrplanes, des Kursbuches. Wie die kleinen Abc-Schützen ihre Rechenaufgaben zunächst an der Rechenleiter „bildlich' lösen, um sie später in Zahlen niederzuschreiben, so werden auch hier die Fahrplanausgaben bildlich gelöst, ehe sie in Zahlenkolonnen umgewandelt werden. Das Kursbuch ist dann weiter nichts als eine solche Umwandlung eines Fahrplanbildes in eine Zahlenfolge.
peterle.
Von Hans JRiebou.
Zum erstenmal hat Peterle — mit sehenden Augen — gemerkt, wie es Frühling wurde, wie alle Knospen sprangen, und wie sich Wald und Garten mit feinem zartem Grün überzogen.
„Guck mal, Mutti", jauchzt er und zeigt auf eine mächtige Linde, „der ganze Baum voll Spinat!"
Zu Pfingsten sollte der Garten blitzsauber sein. Die Mutter harkte Laub und Zweige zu einem großen Haufen zusammen und zündete ihn an. Peterle sieht zu. bekommt den schwelenden Rauch in die Nase und lauft davon. Als er zurückkommt, brennt der Haufen lichterloh.
„Donnerwetter", staunt Peterle, stemmt die Hände in die Seiten und guckt die meterhohe Flamme an, „alles von einem Streichholz?"
Peterle wird — wie sollte es auch anders fein? — zur Sparsamkeit erzogen. Der wcggeworfene Ball und die verstaubten Puppenkrüppel müssen noch einmal in Dienst gestellt werden, und Peterle freut sich, wenn er aus dem Bodenrummel uralte Dinge zu neuem Leben erwecken kann Neulich aber hat er den .Komposthaufen des Nachbarn in Augenschein genommen, unter faulendem Stroh und Blumenkohlstrünken ein herrliche Entdeckung gemacht: fünf Mi- nuten später kommt er ins Haus gelaufen und ruft. „Guck mal, Mutti, nodjfo gut roie neu!" Und triumphierend schwenkt er eine tote Katze um den Stopf.
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Die Mutter spielt Klavier, ßeifc gleiten ihre Finger über die Tasten. Piano, pianifftmo ...
„Mutti", sagt da das Peterle und zeigt auf die Pedale, „du mutzt viel mehr Gas gebe n."


