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Vornan oonj. Schneider-Foerstl.

Urheber-Rechtsschutz: Verlag 0. Meister, Werdau.

11. Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Mehr als alles, was cs sonst noch für mich auf Erden gibt." Sie schrak zusammen, als drau­ßen im Flur die Klingel onschlug.

Doktor Wanders Fuß wurde auf dem Korridor hörbar und dann erklang eine Stimme, die Swen- sens Gesicht erblassen lieh.Meine Frau", stam­melte er, hob sich in den Knien auf, tappte zur Türe und schob geräuschlos den Riegel vor, Dann neigte er sich über Lenores Hand, berührte mit den Lippen ihre Stirne und schob die Por­tiere des Rebenausganges zurück. Lautlos schlug der rote Samt hinter ihm zusammen.

Als der Doktor mit der Diva in das Herren­zimmer trat, lag Swenscn in einem Lederstuhl gestreckt und sah ihr mit kühlen Augen entgegen.

Du hast deine Brieftasche Wohl hier ver­gessen?" fragte sie lauernd.

Rein! --- Aber ich bin so lange nicht mehr bei Hans gewesen und hatte Verschiedenes mit ihm zu besprechen. So ist es etwas später geworden, als ich dachte. Wir können sofort heimsahren, wenn du willst."

Sie blickte ihn etwas unsicher an und sah dann zu Wander hinüber, der gleichgültig am Fenster stand und nach dem Garten horchte, wo eine Amsel flötete. Offenbar stimmte alles, was er ihr gesagt hatte. Schade! Sie hatte mit einer kleinen Sensation gerechnet. Run war es eben nichts damit.

Zehn Minuten später verließen die beiden Gatten das Haus. Eben in demselben Augenblick kam Margret Recklinhausens Auto, das sic in ihrer Angst gemietet hatte, um die Ecke und machte vor dem Gartentor halt. Das Kabriolet Swensens setzte sich gleichzeitig in Bewegung. So blieb beiden Teilen eine Begegnung erspart.

Dann ging Margret neben dem Kollegen >>er, der hinter ihnen die Haustüre ins Schloß drückte.

Du bist ein Feigling! Ich hätte dich nie für eine solche Memme gehalten?" Suse Recklinhausen streifte erbost Malnows Hand, die ihr über die Achseln hing, von sich und bohrte die Absätze ihrer weißen Schuhe tief in das schwarze Erd­reich, das unter der Bank, auf der sie sahen, in lockerer Fülle vorhanden war.

Kind, du weißt nicht, was du sprichst!" mahnte er in das Flüstern des Waldes hinein, der über ihnen rauschte. Er wollte aufs neue den Arm um sie legen, aber sie wehrte heftig ab.

Sie schickte einen raschen Blick über ihn hin: Wenn man dich sieht, glaubt man einen Helden

vor sich zu haben! Wie Siegfried bist du mir immer vorgekommen, trotzdem du kein blondes Haar hast. Ader weit gefehlt! Ich glaube, wenn sich jetzt die Erde auftun würde, mich zu ver­schlingen"

so würde ich voraus springen, um dich mit meinen Armen auszufangen und umschlossen zu halten, daß dich kein Steinchen drückt", er­gänzte er ihren Sah.

Sie mußte trotz ihres Aergers lachen:Rein, allen Ernstes, Dieter! Wann hältst du endlich um mich an?

Du bist kaum siebzehn geworden!" wandte er vorsichtig ein.

lind du bist neunundzwanzig! trumpfte sie schnippisch auf.Also wann hälft du um mich an!

Cr hatte es wieder gewagt, seinen Arm um ihre Hüften zu legen und ihren Kopf gegen seine Schulter zu drücken.Ist es dir sagen wir im am nächste Ostern früh genug?

Rächste Ostern? Du bist ja verrückt. Warum nicht gleich im nächsten Jahrhundert! Rein, mein Lieber, es ist mir zu Ostern nicht früh genug! Ich gebe dir Termin bis Weihnachten. Traurig genug, wenn du dich solange besinnen muht, ob du mir die Ehre antun willst, eine Frau Malnow aus mir zu machen."

Suse!" Sein Arm fiel kraftlos von ihr ab. Die sonnverbrannten Hände zwischen den Knien hängend, starrte er nach dem schwarzen Erdreich, durch das ein Wurm seine Wellenlinien zog. So langsam wie dieser Wurm würde er zu seinem Ziel kommen. Suses Worte an jenem Sonntag- Dormittage:Sie sind wohl gezwungen, irgend- einmal auf ein Gut ober so einzuheiraten", brannten in ihm wie Feuer. Die Geliebte hatte wahrscheinlich längst auf diesen ihren Ausspruch vergessen. Aber er kam nicht mehr darüber hin­weg. So oft er die Arme um sie legte und feinen Mund auf ihre blühenden Lippen preßte, fliegen sie in sein Gedächtnis.

Sein Schweigen war Suse unangenehm.Was ist es denn?" forschte sie etwas schuldbewußt. Ihre Finger schmeichelten sich zwischen die seinen, fühlten, wie rauh und rissig und von tiefen Schwielen sie durchzogen waren und riefen das Mitleid ihres Herzens wach.Bist du sehr müde, Dieter?"

Er nickte und empfand es dankbar, wie ihre Linke über seine Wange streichelte. Seit Wochen schmerzte ihn jede Muskel. Es gab jetzt viel zu tun. Das zweite Heu mußte herein, die Winter­saat bestellt und die Kartoffeläcker geräumt wer­den. Das Schäferstündchen mit Susanne muhte er sich stehlen und war immer in Aengsten, ob sich nicht ein Lauscher fand, ob keiner um ihr Zu­sammensein wußte, und niemand zu Frau von Recklinhausen trat und ihr das Anerhörte mel­

dete:Ihr Verwalter sitzt mit Ihrer jüngsten Tochter drüben am Waldsaum, und während Sie ihn bei der Arbeit glauben, scherzt er mit ihr und küßt sich seine Lippen an den ihren wund."

Was seuszst du denn so jämmerlich?" forschte sie lachend und rückte näher gegen ihn, um die Wärme seines Körpers zu fühlen.Lenore will Säuglingsschwester werden! Weißt du das schon? In der gleichen Klinik, in der auch Margret jetzt arbeitet. Ich glaube, der Chefarzt heißt Doktor Wander. Jede meiner Schwestern hat somit etwas gelernt. Rur ich kann nichts, als dich lieben.

Er vergaß in diesem Augenblick alles. Ihre Worte von jenem Sonntag. Die Furcht vor Ent­deckung. Die drohende Entlassung, die notwendig darauf folgen mußte. Mit beiden Arnien riß er sie an sich und küßte sie immer wieder, ganz weit in seinen Arm zurückgebogen. Sein fieberndes Gesicht über ihr holdselig glühendes geneigt, sog er den Blick an jeder Linie desselben fest Wenn du mir einmal nicht mehr gehören wür­dest!" keuchte er in das Brausen seines Blutes.

Was wäre dann, Dieterlein?"

Er drückte ihr die Zähne in die Schultern, daß sie leise aufschrie.

Würdest du dich dann in den Fluh stürzen?" scherzte sie, wenn auch etwas beklommen.

Rein!" sagte er. Es klang drohend.

Was dann?" forschte sie neugierig.

Du sollst keinen Spaß mit so etwas treiben!" warnte er erregt.Solche Sachen sind zu ernst, als daß man sie zum Gegenstand des Spottes macht."

Gott solch ein Philister!" schalt sie verärgert. Was ist da schon weiter dabei! Wenn ich dich einmal satt habe, tu ich dir's ganz einfach in höflichster Form zu wissen auf das Höflichsein legst du ja Wert mein Herr, ich will nicht länger das Vergnügen haben, Ihre Braut zu sein! Suchen Sie sich gefälligst eine

Sie vermochte den Satz nicht zu beenden.Die­ter!" flehte sie verängstigt.Dieter!" Er hielt beide Hände um ihren Oberarm geschraubt und sah mit verzerrtem Gesicht auf sie herab. Sie sah, wie sich die Linien seines Mundes verschoben, dicht an ihrem Ohr hörte sie jetzt seine Stimme, die ihr ganz verändert klang:

Ich habe dir bereits gesagt, mit so etwas treibt man keinen Scherz. Damals, bei jenem Anwetter auf dem Eglofstein, als ich dich das erstemal im Arme hielt, habe ich dich gefragt, ob du weißt, was Treue ist. Erinnere dich, Suse! And hüte dich! Du bist erst siebzehn! Aber ich bin neunundzwanzig!"

Er wischte ihr die Tränen, welche ihr der Schmerz durch die Amklammerung seiner Hände ausgepreßt hatte, mit seinem Taschentuch von den Wimpern.Ich bringe dich jetzt bis an den Rain. Dort warte ich, bis ich dich durchs_Hoftor treten sehe. Rur noch eins, Suse, es ist die

Antwort auf deine Frage, was ich tun würde, wenn du mir heute oder morgen den Laufpaß geben wolltest: Es wäre möglich, daß ich mich, wie du annimmst, in den Fluh stürzen würde. Seine Rähe ist so bequem. Aber ich würde nicht allein gehen! Beriah dich drauf, daß du mit- kommst, auf welche Weise ich auch immer aus dem Leben scheide. Hast du mich verstanden, Suse? Ja? Dann geh jetzt!" Er hob sie etwas brüsk von seinen Knien und stellte sie zu Boden.

Wie häßlich du sein kannst!" Sie empfand plötzlich eine heftige Angst vor ihm. Ganz hilf- und wehrlos fühlte sie sich ihm auggeliefert.Ich denke ja gar nicht daran, dah ich dich loshaben will. Ich habe dich doch heb!"

Ich hoffe es! sagte er ernst und zog ihren Arm, der nicht zu widerstreben wagte, durch den feinen.Weine jetzt nicht mehr", bat er, während er mit gesenkten Schultern neben ihr her ging. Sie ist ein Kind, dachte er in ehrlicher Selbst­anklage und ich ein Mann von neunundzwanzig Jahren, den das Leben schon nach allen Seiten geschüttelt hat. Kein Wunder, wenn sie alles noch leicht und scherzhaft nahm. Er wollte seine Heftig­keit von vorher gut machen und schöpfte für sie aus dem tiefsten Borne seiner Güte.

Aber sie hörte ihn nicht, achtete kaum darauf, daß er sein ganzes Herz vor ihr -axiftat. Als er sie am Waldrande bat, ihm noch einen Kuß zu schenken, wandte sie hastig das Gesicht zur Seite. Du hast mir weh getan, trotzte sie.Ich werde Arnschläge machen müssen, daß man deine Finger auf meinem Arm nicht sieht! Die ganzen nächsten, Tage kann ich nun keine kurzen Aermel tragen. Sieh doch her, wie du zugedrückt hast", weinte sie zornig auf.Aber das sage ich dir vorweg: Ein zweitesmal lasse ich mich nicht so behandeln. Wenn du jetzt schon so mit mir verfährst, was wird dann erst fein, wenn ich deine Frau bin!

Wenn du meine Frau bist!" wiederholte er verträumt,dann. Suse, werde ich mich morgens vor dein Bett legen, damit deine Füße weich zu stehen kommen, wenn du sie zu Boden fetzen willst."

Sie war entwaffnet, wollte die Qlrme zu ihm aufheben, um sich küssen zu lassen, fühlte, wie er sie von sich abhielt und folgte der Richtung feines Blickes. Ein Knecht kam über die Wiesen auf sie zu, übersprang ein paar Gräben und stand etwas hastig atmend vor ihnen. «Die gnä­dige Frau läßt bestellen. Herr Malnow möchte unverzüglich nach Hause kommen."

Run ist es da!" tobte es in Dieters Kopf. Wußten Sie denn, bafc ich hier bin? sagte er so gefaßt, als möglich.

Das nicht! Aber Dettermann hat gesagt, daß Sie nach dem Wald gegangen seien. Da habe ich mir gedacht, daß Sie dann wohl zu finden wären."

(Fortsehung folgt.)

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