örtert. „Times" glaubt, daß die englische Regierung keine überstürzten Schritte tun wird. Sie werde den Standpunkt vertreten, daß bindende Abmachungen nicht durch einseitige Er- Höningen außer Kraft gesetzt werden können. „Daily Telegraph" erklärt, daß die britische Regierung im Rotfalle durch Sonderzölle auf die irische Einfuhr einen großen Teil der finanziellen Verluste wettmachen könnte, die ihr durch d e Rtchtbezahlung der irischen Landannuitäten erwachsen würden. Großbritannien nimmt ungefähr 90 Prozent der irischen Ausfuhr auf. Sn parlamentarischen Kreisen wird geäußert, daß der irische Freistaat durch Beseitigung des Treueides aufhören würde, ein Mitglied des britischen Gemeinwesens zu sein.
Gespannte Finanzlage -er Reichsbahn.
Anhaltend starker Rückgang des Verkehrs.
Berlin, 23. März. Der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft wählte den seit 1926 im Amt befindlichen Generaldirektor Dr.- Ing. e. h. D o r p m ü l l e r einstimmig auf weitere drei Sahre zum Generaldirektor. Die Beratungen über die Finanzen der Reichsbahn ließen den gesteigerten Ernst der Lage erkennen, die sich für die Reichsbahn aus der darniederliegenden deutschen Wirtschaft und der Weltkrise ergibt. Die bisherige Entwicklung der Einnahmen im Sanuar und Februar 1932 bleibt — mit 42,4 Prozent weniger als in den gleichen Monaten 1929 — noch weit hinter den bisherigen schon sehr ungünstigen Annahmen zurück. Sm Personenverkehr wurden 19,6 Prozent weniger als im gleichen Zeitabschnitt 1931 und 24,5 Prozent weniger als in 1929 vereinnahmt. Roch viel mehr litt der Güterverkehr, bei dem der Rückgang der Einnahmen gegen 1930 über 30 Prozent und gegen 1929 beinahe 50 Prozent ausmachte. Die der Wirtschaft seit dem Herbst 1931 gewährten Tarifermäßigungen von über '03 Millionen Mark haben sich bisher nicht als verkehrsfördernd ausgewirkt. Bei dieser Lage muh die Wirtschaft der Reichsbahn mit äußerster Vorsicht und Sparsamkeit geführt werden. Das aus der steuer- sreien Reichsbahnanleihe zu deckende Arbeitsprogramm in Höhe von 250 Millionen Mark wird planmähig durchgeführt.
Ausdehnung der vorstädiischen Kleinsiedlung.
Berlin, 23.März. (WTB.) Amtlich. Mit den a o m Reich bei der gegenwärtigen Finanznot für die vorstädtische Kleinsiedlung bereitstellbarcn Mitteln, lassen sich begreiflicherweise nicht alle Siedlungswünsche erfüllen. Um auch den zahlreichen Interessenten, die noch über eigene Mittel verfügen, eine verbilligte Siedlungs- Möglichkeit im Sinne der Notverordnung vom v. Oktober 1931 für die vorstädtische Kleinsiedlung Ku verschaffen, hat der Reichskommissar für vor- städtische Kleinsiedlung die Landesbehörden ermächtigt und angehalten, durch Anerkennung derartiger S i e d l u n g s v o r h a b e n als vor städtische Kleinsiedlungen auch den Bauherren, die keine Reichsmittel erhalten, d i c gleichen baupolizeilichen, ortsstatua- rischen und steuerlichen Erleichterungen zuzuwenden, die den reichsseitig unterstützten Siedlungsvorhaben zuteil werden. Der Kreis der Berechtigten ist nicht auf Erwerbslose und Kurzarbeiter beschränkt. Auch in bezug auf Raum und Landgröße sowie Bauweise der viedlerstellen sind im Falle der Selbstfinanzierung Abweichungen von den Richtlinien des Reichskommissars zulässig, sofern die Bauvorhaben dadurch nicht den Charakter vorstädtischer Kleinsiedlungen verlieren. Die Landesbehörden sind ferner ermächtigt worden, von den Erleichterungen für die Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose und Kurzarbeiter, soweit dafür keine Reichsmittel in Anspruch genommen werden, in eigener Zuständigkeit Gebrauch zu machen. Der Reichskommissar hofft, daß die Ausnutzung dieser Befugnisse durch die Landesbehörden eine merkliche Belebung der Siedlungs- und Bautätigkeit zur Folge haben wird.
Oie EmkommensteuervorauSzahlung.
23 e 11 i n, 23. März. (WTB. Amtlich.) Gerücht- weife wird behauptet, die Reichsregierung wolle die Einkommensteuer für 1931 durch die geleisteten Vorauszahlungen abgellen und überzahlte Vorauszahlungen nicht erstatten; weiter fei beabsichtigt, am 10. April 1932 eine weitere Vorauszahlung auf die Einkommensteuer zu erheben. Diese Gerüchte entsprechen nicht den Tatsachen. Die Termine für die Einkom- mensleuervorauszahlungen find durch die Notverordnung vom 7. Dezember 1931 und die Verordnung vom 5.Mär; 1932 um je einen Monat vorverlegt worden; die nächste Einkommensteuervorauszahlung ist also am 10. 3 uni 1932 fällt i g. Die Einkommensteuer Veranlagung wird ordnungsmäßig durchgeführt werden, über- zahlte Vorauszahlungen werden nach Maßgabe der gesetzlichen vorschriflen e r st a t 1 et werden.
Auch Hamburg wählt am 24. April.
Hamburg, 24. März. (WTB.) Rach außer» ordentlich hitziger Debatte in der Bürgerschaft wurde gestern der nationalsozialistische Auflösungsauftrag mit den Stimmen aller anwesenden 148 Abgeordneten angenommen. Der weitere Zusahantrag der Rationalsozialisten, die Reuwahl auf den 8. Mai festzusehen, wurde, da die erforderliche Dreiviertelmehrheit nicht erreicht wurde, ab« gelehnt. Danach bleibt es also verfassungsmäßig dem Senat überlassen, den Wahltermin festzusetzen, und es ist anzunehmen, daß der Senat die Wahlen ebenso wie bei den anderen Länderparlamenten aufden2 4. Aprilfestse tzen wird.
Braud im Königsberger Opernhaus.
Während einer Aufführung der „Drei Musketiere" brach im Königsberger Opernhaus Feuer aus. Der Zuschauerraum war gut beseht, das Publikum bewahrte jedoch vollständig e R u h e, als der Inspizient die Mitteilung machte, daß ein Brand ausgebrochen sei. Während die Oper in aller Ruhe geräumt wurde und dec eiserne Vorhang fiel, schlugen
Wallfahrt zu Goethes Grab.
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Arck dem Wege zur Fürstengruft. In der ersten Reihe von links nach rechts: Staatssekretär Dr. Meißner, Großherzogin-Witwe Feodora von Sachsen-Weimar-Eisenach und Reichskanzler Dr. Brüning.
die Hellen Flammen aus dem Dachstuhl des Dühnengebaudes. Die Feuerwehr rückte sehr schnell an und nahm kurz vor 22 Uhr die Löscharbeiten auf. Der Brand wurde während des Trommeltanzes bei den „Drei Musketieren" kürz vor der Pause bemerkt. Die Bühne war vollkommen rauchfrei und nur in den Rebenräumen beobachtete man einen Brandgeruch. Musiker, Künstler und Bühnenpersonal sind völlig ohneSchaden davongekommen. Bei den Löscharbeiten stürzte von dem Dache des Quer- baues ein Feuerwehrmann, der offenbar vom Rauch betäubt war, etwa acht Meter tief auf das Dach eines Vorbaues. Er wurde schwer verletzt. Das Feuer war gegen 23 Uhr bereits zum größten Teil gelöscht. Gegen Mitternacht konnten bereits einige Löschzüge abrücken. Von dem Brand ist im wesentlichen nur der Querbau des Bühnenhauses in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Schaden durch Feuer und Wasser scheint ziemlich erheblich zu sein. Der Zuschauer- raum ist nicht beschädigt worden. Auch die Garderoben» und Probenräume scheinen nur wenig gelitten zu haben.
Aus aller Wett.
..Graf Zeppelin" in Brasilien.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist um 5 Uhr über der Stadt Pernambuco erschienen. „Graf Zeppelin" wurde bei seiner Ankunft von einer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge begeistert begrüßt. Das Luftschiff flog über der Stadt eine Schleife und bereitete bann die Landung vor. Um 18 Uhr (Ortszeit, etwa 20.50 Uhr MEZ.) war es sicher verankert. Die Reise ist programmäßig ohne Zwischenfälle verlaufen.
Der Erfinder des Pyramidons t-
Sn Basel starb Professor Karl Spiro, der Erfinder des Pyramidons. Spiro wurde 1867 in Berlin geboren und studierte Chemie in Berlin, Greifswald und Würzburg. Rach fruchtbarer Tätigkeit in der chemischen Medizin (Erfindung des Pyramidons und einiger Farbstoffe) siedelte er nach Straßburg über, wo er Dozent und ordentlicher Honorarprofessor wurde und bis zum Sahre 1919 lebte. Rach vorübergehender Tätigkeit bei der Chemischen Fabrik vorrn. Sandoz wurde er im Sahre 1929 an die Tlniversität Basel als Ordinarius für physiologische Chemie berufen.
Telephongespräch um den halben Erdball.
Zu einem überraschenden Erfolg führten die Versuche der Hauptfunkstelle Rorddeich auf dem Gebiete der drahtlosen Telephonie. Es gelang zunächst, eine Verbindung mit dem am westlichen Ausgang des englischen Kanals befindlichen Lloyddampfer „E u r o p a" herzustellen. Dann verband man die „Europa" über Rorddeich mit Rauen, wo wiederum die Verbindung nach Bangkok (Siam) erweitert wurde, so daß sich das Gespräch über den halben Erdball hinzog. An Bord dec „Europa" sprach ein Offizier mit einem Chinesen in Bangkok eine volle Stunde lang- das teils englisch, teils deutsch geführte Gespräch war klar verständlich. Der geglückte Versuch ist als außerordentlicher Erfolg auf dem Gebiete der Funktelephonie anzusehen.
Leprakranke revoltieren.
Unter den Leprakranken, die in dem Krankenhaus von Pedo bei Alicante in Spanien untergebracht sind, ist eine Revolte ausgebrochen. Die Leprakranken überfielen die Wärter und drangen in die anderen Pavillons ein. Eine Anzahl Kranker stürmte in die umliegenden Dörfer und verlangte von den Gesunden, daß sie ihnen die Hand drückten. Die Kranken wurden in den Dörfern jedoch von den Bauern festgehalten und später wieder ins Krankenhau-s eingeliefert.
Sklareks Hausdiener unterschreibt Schecks in höhe von 83 Millionen Mark.
Der Hausdiener der Sklareks erklärte im Prozeß, daß er für 83 Millionen Mark Schecks unterschrieben habe. Das auf die G e - fölligkeitsschecks von der Stadtbank abgehobene Geld habe er als Deckung z u den Banken g e b r a ch t, auf die die Schecks lauteten. Die von ihm unterschriebenen Schecks seien von Max Sklarek giriert worden. Im Hause der Sklareks habe er einmal dem Angeklagten Stadtbankdirektor Hoffmann auf Anfrage erklärt, daß nicht er, sondern seine Frau die Schecks ausgestellt hätte. Hoffmann will sich ober an dieses Gespräch nicht mehr erinnern. Auch bestreitet er die Behauptung, daß er mindestens zweimal in der Woche die Sklareks aufgesucht hätte. Leo Sklarek bestätigte die Aussagen des Zeugen, daß Hoffmann bei ihnen gewesen sei und fügte hinzu: „Es war so gut, als wenn Hoffmann unser Kompagnon war." Der DelikatejjenhänLler Henners
dorf hatte für 4| Millionen und der Tuchoertreter Wende für 65 Millionen Mark Schecks aus Gefälligkeit unterschrieben. Wende hatte aber dieser Gefälligkeit kein großes Gewicht beigelegt und angenommen, daß nur Schecks in höhe von etwa 300 000 Mark auf seinen Namen laufen würden.
Schmugglerjagd
mit Panzerautos an der holländischen Grenze.
Zollbeamte aus Krefeld und Geldern, die an der Landstraße bei ßue Hingen in einem Versteck auf der Lauer lagen, beschossen ein holländisches Schmugglerauto, das schon öfters hier über die Grenze gekommen war. Das Auto setzte jedoch seine Fahrt mit unverminder ter Geschwindigkeit fort. Daraufhin stellte sich ein Zollbeamter dem Schmugglerwagen mit einem Kraftwagen in den Weg und liech seinen Scheinwerfer so stark spielen, daß die Führer des Panzerautos geblendet wurden, die Sicherheit verloren und gegen einen Straßenmast fuhren, wo der Wagen beschädigt stehen blieb. Den Sn- fassen gelang es, in der Dunkelheit zu entkommen. Der Wagen war mit 12 -Millimeter-Stahlplatten gepanzert. Er enthielt etwa 12 Zentner Kaffee und Tee.
Marburg die größte Zlnnsoldatengarnison der Welt.
Kürzlich ging eine Meldung durch die Presse, wonach die Stadt Torgau die größte Garnison der Welt sei, indem nämlich ein dortiger Schuhmacher eine Sammlung von 1 6000 Zinnsoldaten nachweisen konnte. Dieser Rekord ist aber schon wieder gebrochen, denn jetzt meldet sich in Marburg der Obergerichtsoollzieher a.D. halsen, der 96000 Zinnsoldaten mit dem nötigen Zubehör, wie Burgen, Dörfer, Bäume, Brücken usw. sein eigen nennt. Die Sammlung berücksichtigt sämtliche Zeitalter, angefangen vom Trojanischen Krieg bis z-um Weltkrieg 1914/18. Die Sammler der Zinnsoldaten sind bekanntlich in dem Bund „Clio", Bund der Zinnfigurensammler, zusammengeschlossen, der auf der mittelalterlichen Plassenburg bei Kulmbach ein Zinnfigurenmuseum einrichtete.
Glimpflich daoongekornmen.
Ein 12jähriger Junge aus Lintorf (Bezirk Düsseldorf), der zu einem nach Glücksburg bestimmten Kindertransport gehörte, stürzte in der Nähe des Bahnhofs Tostedt aus dem in voller Fahrt befindlichen V-Zug Köln- Hamburg. Der Unfall ist glimpflich abgelaufen. Der Knabe hat eine leichte Gehirnerschütterung und einen Unterschenkelbruch erhalten. Es wird angenommen, daß der Knabe während der Fahrt die Wagentür geöffnet hat.
Beim Einbruch von der Polizei erschossen.
Der25jähr. Zeitungshändler Wilde in Berlin drang gegen 5 Uhr mit Hilfe dreier Kameraden in die Wohnung seiner früheren Braut ein. Er hatte sich vom Dach aus an einem Strick bis zum Fenster einer Kammer ihrer Wohnung herunter- gelafsen und das Fenster eingedrückt. In der Annahme, daß feine Braut in der Kammer schlafe, gab er drei Schüsse a u f das Bett Q b , in dem jedoch der Bruder der Braut lag. Die Schüsse gingen fehl. Die übrigen Angehörigen flüchteten in die Nachbarwohnung und alarmierten die Polizei. Während der Eindringling in der Wohnung nach seiner früheren Braut suchte, traf ein Beamter ein und stellte ihn in der Küche. Als Wilde darauf in die Kammer flüchtete, gab der Beamte einen Schuß nach der Kammer ins Dunkle ab und tötete Wilde durch einen Kopfschuß.
Wettervoraussage.
lieber Ostdeutschland liegt eine flache Störung, durch deren Rückseite kältere Luft mit Bewölkung und vereinzelten Schneefällen vordringt. Wahrscheinlich wird durch sie auch unser Gebiet berührt, so daß zeitweise Bewölkung aufkommt und auch tagsüber wieder etwas kühleres Wetter sich einstellt. Da gleich, zeitig über dein Atlantik das neue Tief vorschreitet, welches die britischen Inseln bereits stärker beeinflußt, so dürften wenn auch die Störung eine andere Zugrichtung einschlägt, seine Randausläufer bis über Westdeutschland vordringen und durch ozeanische Luft etwas Milderung bringen.
Aussichten für Freitag: Zeitweise bewölkt, sonst aufheiternd, nachts leichter Frost, tagsüber etwas kühler, trocken.
Aussichten für Samstag: Etwas milder, aufkommende hohe Bewölkung, stellenweise Nebel- und Dunstbildung wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 23. März: mittags 3,8 Grad Celsius, abends —1,8 Grad; am 24. März morgens — 2,9 Grad. Maximum 4,2 Grad, Minimum —6,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. März: abends 4,8 Grad; am 24. März: morgens 1,2 Grad. — Sonnenscheindauer 10% Stunden.
Aus der pwvknzialhauvistadk.
Gießen, den 24. März 1932.
Das Kreuz des Karfreitags.
Von pfarrverwalier
Wilhelm (Seemann-Schwickartshausen.
Moltke hat einmal von der „großen llmrangie- rung", Riehsche von der „Umwertung aller Werte" geredet. Man könnte diese beiden klassischen Zitate nicht mit Unrecht auf das Christentum beziehen, weil es, richtig verstanden, wie kaum eine andere Religion eine Umwälzung großen Stils dokumentiert. Dafür ist sein Hauptsymbol, das Kreuz, der,beste Erweis, insofern es, ursprünglich Sinnbild der größten Schmach, in ein Ehren- und Siegeszeichen verwandelt wurde. Das eiserne Kreuz ist der Stolz des schlachterprobten Kriegers, das Kreuz schmückt die Türme unserer Kirchen und steht in der luftigen Höhe richtungweisend über allen Riederungen des Lebens. Das Kreuz auf den Gräbern redet von Todesüberwindung. Das Kreuz des Karfreitags sieht zunächst ganz anders aus. lieber ihm verliert die Sonne ihren Schein. Schmach und Gericht, aller Marter Fülle scheint es zu künden. Der am Kreuze Leidende und Sterbende ist ja der Schuldbeladene. -Buchstäblich auf- gefaßt scheint auch bei der Exekution auf dem Kalvarienberg das Dichterwort zu gelten: „Der Hebel größtes ist die Schuld". Schuld, die man nicht abwälzen kann, wenn man selber sie sich aufgeladen hat, ist die schwerste Last. Aber dem Dulder auf Golgatha sind seine Feinde die Antwort schuldig geblieben, als er sie fragte: „Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen?" Und als man ihm den Prozeß vor dem staatlichen Gericht machte, kam Pilatus nicht hinaus über das Erkenntnis: „Sch linde keine Schuld an ihmI" „Don Rechts wegen" hätte ein Freispruch erfolgen müssen, nicht eben „wegen Mangels an Beweisen", sondern „wegen erwiesener Unschuld." Fremde Schuld hat der Mann mit der Dornenkrone auf sich geladen: Stellvertretendes Leiden kündet sein Kreuz. Stellvertretendes Leiden ist ehrendes, auszeichnendes Leid. So ehren wir die Brüder, die in dem großen Krieg für uns gelitten und geblutet haben und wissen, daß wir immer in ihrer Schuld bleiben. Aber das ist auch ein Stück der ewigen Tragik von Golgatha: viele von unseren Volksgenossen ahnen heute nicht einmal, daß das Kreuz des Karfreitags uns etwas zu sagen hat von stellvertretendem Leid, geschweige denn, daß man begreift, wie dort eine Menschheitsschuld offenbar und gerichtet wird. Oder wäre die Selbstherrlichkeit, die damals mit dem gellenden „kreuziget, kreuziget ihn", den Gerechten, zum Missetäter stempelte, die Selbstgerechtigkeit, die mit dem Mantel leiblicher Ehrbarkeit vor dem Heiligen bestehen wollte und ihm darum vorwarf, die Blindheit, die nicht scheiden konnte zwischen Christus und Darrabas, die Feigheit, die nicht wagte, für das Recht einzutreten — wäre das alles so fern und fremd von unserer Art? Wo wären die- Menschen, die im Ernst von sich behaupten wollten, daß sie nie den eigenen Willen zum Gesetz ihres Lebens und Handelns hätten machen wollen? So redet das Kreuz von Schuld, von unserer Schuld.
Daß Sünde und Schuld unter Gottes Gericht stehen, beweist das Leben jedem nachdenklichen Menschen, wie ein solcher denn auch ohnehin schon die Stimme des Richters im eigenen Herzen vernimmt. Und da wird eben die Erkenntnis geboren: Diese Schuld kann ich nicht abbezahlen oder abverdienen, sie muh erlassen sein. Den Menschen fällt es schwer, wirtlich von Herzen Schuld zu vergeben, und ebensoschwer können sie darum auch an Vergebung glauben: denn die leichtfertige Rede von dem „lieben Gott" verstummt allzubald in wirklicher innerer Rot. Die Frommen, die Gott in strengste Lebensschule nahm, die er durch alle Tiefen des Leides und der Rot hindurchführte und denen er auch die letzte, schwerste Prüfung des inneren Zweifels nicht ersparte, sie alle bezeugen! übereinstimmend, durch welche Schauer des Gerichts der Ewige hindurchzwingen kann. Darum hört der Zug zum Kreuz nicht auf, solange noch ein Gewissen im Menschenherzen wacht. Das Kreuz verbürgt Erlösung von der Schuld und macht den Weg frei zu dem Gott, nach dem die Menschenseele geschaffen ist und in dem sie allein Ruhe findet.
Aber das Kreuz ist nicht nur das Zeichen des Christenglaubens, sondern gar oft das Zeichen, unter dem unser Leben steht: das Kreuz des Karfreitags kündet unerhörten Sieg über unerhörtes Leid. So lohnt es sich, nach dem Geheimnis des Sieges über das Leid zu fragen. „Er hat an dem, das er litt, Gehorsam gelernt", so heißt es von Christus in dem Hebräerbrief. Sm Gehorsam auch schwere Wege gehen, das ist der Anfang der Leidensüberwindung. Rur muß dieser Gehorsam in der Ueberzeugung wurzeln, daß ein guter und gnädiger Wille unser Leben regiert. Leicht ist das nicht zu glauben. Aber das Kreuz des Karfreitags, das, obschon geheimnisumwoben und anfänglich rätselhaft dunkel erscheinend, dennoch als lauter Licht-Offenbarung eines gnädigen, erbarmenden Gotteswillens sich erwies, kann uns Mut und Recht geben, daß auch unser Weg aus Rächt zum Licht führt. Das Kreuztragen bleibt einem nicht erspart, aber wer in Glaubens- Gehorsam das Kreuz auf sich nimmt, wird des Lebens mächtig, während der, welcher nur Ansprüche an das Leben stellt, in bitterster Enttäuschung enden muß. Diele gehen heute müde die Kreuzesstraße, jetzt in der Rotzeit Deutschlands. Da ragt über alle Erdenkreuze das Kreuz des Karfreitags hinaus mit feiner Verheißung: „Sn diesem Zeichen wirst du siegen!"
Oie verbilligten Osterreisen auf der Reichsbahn.
Die Reichsbahnverwaltung hat bekanntlich für den Osterreiseoerkehrdie beim vorjährigen Weihnachtsfest zum erstenmal durchgeführte Einrichtung der verbilligten Festtags-Rückfahrkarten auf der Reichsbahn in erweitertem Umfange vorgesehen. Fertiggestellte Rückfahrkarten dieser Art sind an den Fahrkartenausgaben nach den beliebtesten Ausflugszielen vorrätig, noch anderen Orten werden sog. Blankokarten ausgeschrieben. Die Festtags-Rückfahrkarten mit 53,33 v. H. Ermäßigung werden zu Ostern von allen Stationen der Reichsbahn nach allen Stationen der Reichsbahn aus- gegeben. Sie gelten vom 23. März bis zum 4. April, und zwar zur Hinfahrt nur vom 23. März (den »n Tag) ab an allen Tagen bis einschließlich
ärz, und zur Rückfahrt nur vom 24. März, 12 Uhr ab an allen Tagen bis einschließlich 4. April. Die Reise muß am 4. April um 24 Uhr beendet sein. Auch die am 2. oder 3. April gelösten Sonntags- Rückfahrkarten gelten bis zum 4. April, 24 Uhr. Die Benutzung der zuschlagspflichtigen Züge (mit Aus-
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