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Nr. 224 Erster Blatt
182. Jahrgang
Freitag, 25. September 1952
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Das Ergebnis von Siresa.
Die Agrarlonferenz der Länder des Donauraumes sollte nicht nur Dorarbeit für die Weltwirtschaftskonferenz leisten. Dach dem Versuch, das britische Imperium in Ottawa zu einem Wirtschaftsgebilde fester zusammenzu- schweißen, als es bisher gelungen, also die Tradition zum Fiele zu führen, die seit der imperialistisch überhitzten Einheitsreichkampagne des älteren Chamberlain nicht obstarb, waren ähnliche Bestrebungen auch in der nordamerikanischen Union sichtbar geworden. Es galt, für die Agrarproduktion dieser zum Teil noch jungfräulichen Gebiete vergrößerte Ab - s atzgelegenhei t zu schaffen und dafür 3n- dustricwaren in dem Maße einzutauschen, wie dje Industriegebiete landwirtschaftliche Produkte der notleidenden Gegenden bevorzugten. Das ist der Kern des modisch gewordenen Schlagworts von den Vorzugszöllen. Es ist bezeichnend, daß auf der Konferenz von Ottawa die englische Regierung aufgefordert wurde, den gleichfalls notleidenden landwirtschaftlichen Tleberschußländcrn des Donaurau- mes solche Vorzugszölle zu versagen und auch sich in der Anleiyepolitik zurückzuhalten. 2m großen und ganzen hat England auf der jetzt beendeten Konferenz in Stresa auch diese Richtlinie eingehalten. Das Ergebnis der Konferenz ist also zwiespältig. Die Verknüpfung des Dorzugszollsystems mit dem Versuch, Geldbeiträge für die Getreidepreiserhöhungen zu erhalten. hängt in der Durchführung vollkommen von dem guten Willen der außerhalb des Donouraumes liegenden Dationalwirtschaf- ten ab, und es ist nur natürlich, daß deren Willigkeit sehr bedingter Datur und abhängig ist von der Gestaltung der eigenen Wirtschaft. Jedenfalls ist auf der Konferenz eine einheitliche wirtschaftliche Willensbildung der Donaustaaten nicht zutage getreten, und das Ergebnis enttäuschte vor allem in Budapest.
Die Konferenzstaaten waren von vornherein m i t ganz verschiedenen Zielen gen Stresa gezogen. Polen und die Tschechoslowakei hatten ein dringendes Interesse daran, den Südosten für ihre Industriewaren kaufkräftiger zu machen, aber gleichzeitig wollten sie sich nicht für ihre eigene landwirtschaftliche Uebererzeugung einem Druck der reinen Agrarländer aussetzen. Ungarn nahm eine Zwitterstellung ein. Südslawien, Rumänien und Bulgarien wären wirtschaftlich einheitlich zusammenzufassen gewesen, da sie zu 95 Prozent auf die Ausfuhr landwirtschaftlicher Pro butte angewiesen find, aber immer wieder machte sich unter ihnen der althergebrachte Nationalhaß geltend, so daß sogar anfänglich mit Unterstützung Frankreichs Bulgarien von dieser Konferenz fern- gehalten werden sollte. Das wirtschaftlich zerrüttete Deut schüft erreich hat auf der Tagung eine unbedeutende Rolle gespielt. Dagegen konzentrierten firh gewisse Anregungen und Ablehnungen, Vorschläge und Gegenvorschläge um die gänzlich verschiedene Bedeutung Deutschlands und Frankreichs für die Anrainerstaaten der Donau. Frankreich hatte aus machtpolitischen Gründen gewissermaßen die Rolle des Bankiers der Südoststaaten gespielt. Die Beträge, die es in diesen Raum hineinwarf, sind an und für sich nicht bedeutend. Französische Finanzblätter haben die Gesamtsumme der Ungarn, Rumänien und Südslawien gewährten Anleihen auf 3 Milliarden Papierfranken angegeben, wofür Frankreich wertvolle Pfänder erhielt. Als Abnehmer des Balkanweizens, des Viehüber- fchufses und des Dalkanmaises kommt Frankreich kaum in Betracht, dagegen ist für jene Nationen Deutschland wichtig, weil wir einen gewissen Zuschußbedarf aus jenen Ländern decken können, ohne das Preisniveau unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse dadurch zu drücken.
So hat wider Erwarten auf der unter französischer Lei kling stehende Tagung Deutschland doch eine ausschlaggebendere Rolle gespielt als Frankreich. Die Wichtigkeit des mitteleuropäischen Wirtschaftsraumes als Abnehmer südosteuropäischer Erzeugnisse und als Lieferant von Industriewaren ist. wie bereits in der Vorkriegszeit, neuerdings hervorgetreten, und da diese Staaten Lieferungen von Fertigwaren nur mit dem Erlös ihrer Getreidewirtschaften bezahlen können, war es selbstverständlich, daß die deutsche Regierung auch der Echlußkonvention ihre Zustimmung geben konnte, wonach wir mit Ungarn, Rumänien, Südslawien und Bulgarien Präferenzen abschließen, aber uns Vorbehalten, die Höhe der Einfuhr zu bestimmen und in gleichem Maße dafür Industriewaren zu liefern. So ausgeprägt konnte Frankreich aus seiner gesamten wirtschaftlichen Struktur und politischen Lage nicht handeln. Das Tressen von Stresa entsprach also nicht den weit gespannten Plänen Tardieus und der auch von Herriot betonten Absicht, die Wirtschaftsentwicklung im Südvsten französisch zu leiten. Es ist nicht einmal gelungen, trotz kräftiger französischer Sekundantendienste, für die polnischen und tschechischen Satrapenstaaten eine Bevorzugung in der Lieferung von Industriewaren zu erreichen.
Rein technisch ist ferner festgelegt worden, die europäischen Staaten zu Geldbeiträgen für die Getreidepreiserhöhung heranzuziehen, und zwar in Höhe von 2 Schweizer Franken für den Doppelzentner Weizen und 1,50 Franken für das übrige Getreide, wobei der Ueberfchuß auf 75 Millionen Doppelzentner Weizen 37,5 Millionen Doppelzentner übriges Getreide handelt, aber diese Getreidevalorisation wird nur dann eintreten, wenn ßle übrigen Staaten Europas ihr zustimmen. Jedenfalls uvird schon im Interesse der landwirtschaftlichen lkeberschußgebiete seines Imperiums England das
Genf ohne Deutschland.
Scharfe Auseinandersetzungen im Büro der Abrüstungskonferenz.
Das Hauptproblem nicht auf der Tagesordnung.
England und Frankreich weichen aus.
Genf, 22. Sept. (TU.) Das Bureau der Abrüstungskonferenz trat am Donnerstag erneut zu einer Sitzung zusammen. Irgendwelche fachlichen Verhandlungen über die Weiterführung der Ab- rüstungsoerhandlungen fanden nicht statt. Die Nachmittagssitzung gestaltete sich durch einen energischen V o r st o ß Litwinows etwas interessanter. Der russische Außenkommissar forderte, daß nach der Behandlung der rein gefchäftsmäßigen Fragen nun endlich die für eine wirkliche Abrüstung allein entscheidende Hauptfrage in Angriff genommen würde. Der englische Außenminister Simon erhob sich darauf sofort und erklärte, daß das Bureau der Abrüstungskonferenz in keiner Weise zuständig für politische Fragen fei. Es stehe dem Hauptausschuß zu, die großen politischen Probleme durchzuberaten. Paul-Boncour pflichtete dem englischen Außenminister bei. Er sei gerne damit einverstanden, daß die russischen Vorschläge vor einer berufenen Versammlung durchberaten würden. Der Hauptberichterstatter des Bureaus, Benesch, verachte hierauf, eine Rechtfertigung der Behandlung der geschästsordnungs- mäßigen Fragen zu erbringen und hob vergeblich die Bedeutung der gefaßten Beschlüsse in den letzten Verhandlungen hervor, die nach seiner Meinung im Sinne eines Fortschrittes auf dem Abrüstungsgebiet lägen. Henderson machte dagegen geltend, daß eine große politische Frage insbesondere die, die auf Grund seines Briefwechsels mit dem Reichsaußenminister aufgeworfen worden feien, jetzt sehr dringend Geworden feien. Die Verhandlung wurde darauf- in auf Dienstag vertagt.
Bemerkenswert war ferner, daß die Frage des Luftbombardements mit der Begründung auf Dienstag vertagt wurde, daß eine der an dieser Frage hauptsächlich intereffierten Mächte, nämlich Deutschland, heute nicht in der Sitzung anwesend sei. Man scheint sich also in den leitenden Kreisen der Abrüstungskonferenz der Hoffnung hinzugeben, daß Deutschland an der Bureausitzung am Dienstag wie-der teünehmen werde.
Verweisung an den Völkerbund.
Die übereinstimmende Erklärung, die der englische Außenminister und der französische Kriegsminister in der Bureausihung über d i e Behandlung der politischen Fragen abgaben, unter denen gegenwärtig lediglich d i e deutsche Gleichberechtigungsfrage verstanden wird, hat ergeben, daß Simon und Paul-Boncour, wie nicht anders zu erwarten, in völliger Tlebereinstimmung mit dem Standpunkt der französischen Regierung, eine Behandlung der Gleichberechtigungsfrage im Bureau der Abrüstungskonferenz verhindern wollen, um den Weg der von Frankreich gewünschten Erörterung der Gleichberechtigungs- froge entweder in der Vollversammlung des Völkerbundes oder im Völkerbundsrat frei zu machen. Diel bemerkt wurde, daß Präsident Henderson dem französischen Standpunkt offen entgegentrat und eine baldige Klärung der Gleichberechtigungsfrage im Bureau der Abrüstungskonferenz forderte. Henderson ging sogar soweit, feinem
Erstaunen darüber Ausdruck zu geben, daß eine gewisse Abordnung diese Aufafssung ablehne, obwohl gerade diese Abordnung stets die Anschauung vertreten habe, daß die großen politischen Probleme nicht im Hauptausschuß, sondern nur in dem politischen Sonderausschuß der Konferenz behandelt werden sollten. Die Sitzung hat damit von neuem ergeben, daß durch den Einfluß des der französischen Politik sehr nahestehenden englischen Außenministers Simon weitgehende Tleoereinst immung zwischen der englischen und der französischen Regierung in der Deutschland gegenüber einzunehmenden Haltung besteht Paul- Boneour unterstrich in einer Erklärung an die französische Presse von neuem die bekannte französische These, daß die deutsche Gleichberechtigungsforderung nurimRahmendesVöl- kerbundes und durch sämtliche Dölkerbunds- mächte, damit mit Einschaltung der gesamten Gruppe der Frankreich nahestehenden Staaten, durchzuberaten sei.
Ein Vorstoß Hendersons.
Ohne Teilnahme Deutschlands
die 4lbrüstunnckonfercnz lahmgelegt.
Henderson soll die Absicht haben, in der nächsten Woche den Vorschlag zu machen, daß sämtliche politischen Fragen des Abrüstungs- problemes jetzt unverzüglich vom Büro in Angriff genommen werden müssen. Gr soll insbesondere beabsichtigen, daß die deutsche
Forderung auf Anerkennung der Gleichberechtigung in öffentlicher Sitzung desBü - ros zur Verhandlung gelangt. Aus diese Weise will Henderson die erwarteten diplomatischen Besprechungen hinter den Kulissen beschleunigen. Er soll, wie verlautet, den allergrößten Wert daraus legen, daß Deutschland eine Rückkehr in die Abrüstungskonferenz ermöglicht wird, und der grundsätzliche und moralische deutsche Anspruch auf Gleichberechtigung Anerkennung finde.
Der deutsche Standpunkt wird wesentlich durch die hier immer weiter um sich greifende iteber- zeugung gestärkt, die auch für die Haltung des Präsidenten Henderson maßgebend ist, daß ohne Beteiligung Deutschlands praktisch die Abrüstungskonferenz lahm gelegt und sogar aufs äußerste gefährdet ist und daß die von der gesamten öffentlichen Meinung England, Italiens und der Vereinigten Staaten so dringend geforderte entscheidende Herabsetzung der Rüstungen nur unter der Mitarbeit Deutschlands zu erreichen ist. Es versteht sich jedoch nach wie vor von selbst, daß Deutschland nicht in der Lage ist, an einem Abrüstungsabkommen mitzuwirken, daß nur für die anderen Mächte und nicht für Deutschland gilt. Die deutsche Gleichberechtigungssorderung ist nunmehr zu einer großen internationalen Frage geworden, von deren Lösung das Schicksal der Abrüstungskonferenz und damit unlösbar verbunden das Schicksal des Völkerbundes zu einem erheblichen Teil abhänig ist.
Frankreichs Kuhhandel mit Amerika
Wendung in der mandschurischen Politik.
London, 22. Sept. (TU.) Die Genfer Berichterstatter des „Daily Herald" und der „News Chro- nicle" erfahren übereinstimmend, daß die französische Regierung einen Kurswechsel in ihrer fernöstlichen Politik gegenüber Japan und China beschlossen habe. Frankreich beabsichtige feine bisherige Unterstützung des japanischen Vorgehens in China und der Mandschurei aus- zugeben, und sich in Zukunft peinlichst auf das Völkerbundsstatut zu stützen. Der Grund für diesen Umschwung sei jedoch nicht etwa eine besondere Friedensliebe Frankreichs, sondern Deutschlands Gleichberechtigungsforderung. Um feine Stellungnahme, daß Deutschlands Forderung eine Nichtachtung von Vertragsverpflichtungen bedeute zu stützen, sehe sich Frankreich nunmehr gezwungen, die Heiligkeit solcher Verpflichtungen im fernen Osten — vorübergehend — anzuerkennen. Die französische Regierung sei überzeugt, daß die alleinige Antwort auf Deutschlands Forderung nur durch den Völkerbund und durch Frankreichs eigenes Bestehen auf strenger Anwendung des Völkerbundsstatuts erfolgen könne. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, daß die „Times" bereits am Mittwoch aus Washington gemeldet hatte, Senator Reed habe Herriot die amerikanische Unter- st ü tz u n g des französischen Standpunktes in der Gleichberechtigungsfrage zugefagt, falls Frankreich
Amerika in der mandschurischen vrage unterstütze.
Handelspolitische Zugeständnisse.
Paris. 22. Sept. (TU.) Von amerikanischer Seite erfährt man Einzelheiten über den französischen Vorschlag für einen neuen französischamerikanischen Handelsvertrag, mit dem der amerikanische Botschafter Edge nach Amerika abgereift ist. Der Vertrag wird als ein großer Erfolg für die amerikanische Handelspolitik bezeichnet. Aus dem Inhalt, der in seinen wichtigsten Teilen bekanntgegeben wird, geht in der Tat hervor, daß die Franzosen vermutlich aus politischen Gründen weitgehende Z ugeständnisse gemacht haben. Der Verdacht liegt nahe, daß die amerikanischen Kundgebungen in d er Rü - ft ungefragt mit diesen Zugeständnissen in Zusammenhang stehen. Das Hauptziel der amerikanischen Unterhändler, ein gleichwertiger Ersah für die Meistbegünstigung, ist in dem französischen Entwurf zugestanden worden. Es handelt sich nicht um eine Meistbegünstigung de jure, sondern lediglich de facto. Die Franzosen bewilligen dem amerikanischen Handel Vorzugszölle, die etwa 1OOO amerikanischen Ausfuhrwaren, darunter den wichtigsten, zugute- kommcn. Die amerikanischen Zugeständnisse liegen hauptsächlich auf administrativem Gebiet, so z. B. Maßnahmen zum Schuhe der französischen Mode gegen Rachaymung, Bevorzugung der französischen chemischen Erzeugnisse usw.
einzig positive Ergebnis der Stresaer Konferenz nicht ohne weiteres anerkennen.
Auch auf der Konferenz in Strefa hat sich gezeigt, daß die Verkoppelung der Interessen der reinen Donaustaaten mit denen von Polen und der Tschechoslowakei unter französischer Führung nicht möglich ist. Der überragend polnisch-französische Einfluß in Stresa ist mitverantwortlich für das Ergebnis, dessen Labilität in Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia durchaus als gegensätzlich den ursprünglichen Hoffnungen empfunden werden wird. Stresa mit feinem verschachtelten Ergebnis ist ein f d) 1 e d) t e r Auftakt für d i e Weltwirtschaftskonfe- renz. Hervorsticht nur die Bedeutung,^ die das deutsche W i r t s ch a f t s r e i ch an Stelle von Frankreich wieder für die eigentlichen Donaustaaten gewann, und deren Sanierung ist heute nicht mehr eine Frage französischer Kredite, sondern der Möglichkeit Deutschlands, wirtschaftlich sich zu kräftigen. Der gestörte natürliche Austausch, wie er vor dem Kriege die Balkanstaaten anreicherte, kann erst mit dem Südosten durch einen deutschen Aufstieg gebessert werden.
Oie Reichsbanner-Ortsgruppe Ohlau aufgelöst.
Berlin, 23. Sept. (TU.) Auf Anordnung des stellvertretenden preußischen Staatskommissars Dr. Bracht verfügte der Regierungspräsident von Riederschlesien, Dr. Happ die Auf lösung der Ortspruppe Ohlau des Rerchs- banne rs. Veranlassung dazu gaben die blu - tigenVorgänge am 10. Juli. Die Staats, reaierung lieht in dem Verhalten der Reichs- banner-Ortsgruppe Ohlau bet den blutigen Dor- fällen am 10. Juli einen Verstoß gegen §2 des Verelnsgefetzes, nach dem Vereine aufgelöst werden können, deren Zwecke gegen die Strafgesetze verstoßen
Industrie und Wirtschastsprogramm.
Ter Neichsverband für tatkräftige Unterstützung der Regierungsmatznahmen.
Berlin, 22. Eept. (ERB) Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie beschäftigten sich mit dem neuen wirtschaftlichen Programm der Reichsregierung und stellten einmütig fest, daß dieganzedeutschc Wirtschaft Anlaß hat. sich zu dem Versuch einer Belebung der Wirtschaft von der Seite der persönlichen Initiative positiv und aktiv e i n z u st e l l e n. Der Reichsverband betont ausdrücklich, daß er jede Art von Rörgelei und alle unberechtigten Sonderwün- s ch e einzelner Gruppen entschieden adle h n t. Von der Wirtschaft und der Industrie selbst müsse andererseits alles getan werden, um die angestrebte Wirkung des Regierungsprogramms in einem möglichst großen Grade zu erhalten. Der Reichsverband richtet an seine Mitglieder den dringenden Appell, durch w e i t- gehende Initiative sich mit allen Kräften für eine Belebung der Wirtschaft einzufetzen und alles zu vermeiden, was die psychologischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, von denen der ganze Effekt des Programms in weitgehendem Maße abhänge, stören könnte. Er betrachtet es als eine Pflicht der Industrie und jedes einzelnen Tlnternehmens. alle in dem Programm vorhandenen Möglichkeiten loyal zu benutzen, um möglich ft vieleArbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Er erwartet von seinen Mitgliedern, daß jeder Mißbrauch mit den neuen Bestimmungen aus - geschaltet bleibt.
Die Industrie muß von der Regierung verlangen, daß insbesondere auch in der Frage der Zinskonversion und auf dem Gebiete der Kontingentierung solche Maßnahmen unterbleiben, die eine neue empfindliche Erschütterung auf dem Geld- und Kapitalmarkt oder eine unerträgliche Bedrohung der deutschen Ausfuhr mit sich bringen würden.
Der Vorstand ergänzte sich durch Zuwahl des Vorsitzenden des Bayerischen Industriellenverban- des, Landesbaurat Dipl.-Ing. Eugen Böhringer, Generaldirektor der Eisenwerksgesellschast Maximilians Hütte und des Fabrikbesitzers Dr.-Ing. Hermann Schoening als Vertreter der an der Leipziger Messe beteiligten Ausfuhrindustrien.
OieTrauerfeier für den GrafenGravina
Danzig, 22. Sept. (TU.) Am Donnerstagoor- mittag fand in der katholischen St. Josephs- l i r ch e die Trauerfeier für den verstorbenen Danziger Völkerbundskommissar Gras ®ra« oina statt. Vor dem Altar war der Sarg, von zahlreichen Kränzen überdeckt, aufgestellt. Zu beiden Seiten hielten Danziger Schupooffiziere mit gezogenem Degen die Ehrenwache. Die zahlreichen Orden des Entschlafenen waren auf zwei Kissen vor dem Sargende untergebracht. Unter den Anwesenden befanden sich außer der Familie des Verstorbenen alle Danziger Senatoren, alle Vertreter der auswärtigen Staaten in Danzig, sowie die Spitzen der Danziger Gesellschaft. Für den Präsidenten des Senats Dr. Ziehm, für den offiziellen Vertreter des Völkerbundes, Marchese Giusti- n i a n i und den diplomatischen Vertreter der Republik Polen in Danzig, Minister Dr. Pa pee, waren drei besondere Sessel unmittelbar vor dem Sarg aufgestellt. Das feierliche Requiem hielt Prälat Sawag. Die Einsegnung der Leiche nahm der


