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23.9.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. 224 Erster Blatt

182. Jahrgang

Freitag, 25. September 1952

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mgx Fist«, sämtlich in Gießen.

Das Ergebnis von Siresa.

Die Agrarlonferenz der Länder des Donau­raumes sollte nicht nur Dorarbeit für die Welt­wirtschaftskonferenz leisten. Dach dem Versuch, das britische Imperium in Ottawa zu einem Wirtschaftsgebilde fester zusammenzu- schweißen, als es bisher gelungen, also die Tra­dition zum Fiele zu führen, die seit der imperia­listisch überhitzten Einheitsreichkampagne des äl­teren Chamberlain nicht obstarb, waren ähnliche Bestrebungen auch in der nordamerika­nischen Union sichtbar geworden. Es galt, für die Agrarproduktion dieser zum Teil noch jungfräulichen Gebiete vergrößerte Ab - s atzgelegenhei t zu schaffen und dafür 3n- dustricwaren in dem Maße einzutauschen, wie dje Industriegebiete landwirtschaftliche Produkte der notleidenden Gegenden bevorzugten. Das ist der Kern des modisch gewordenen Schlagworts von den Vorzugszöllen. Es ist bezeichnend, daß auf der Konferenz von Ottawa die englische Regierung aufgefordert wurde, den gleichfalls notleidenden landwirtschaftlichen Tleberschußländcrn des Donaurau- mes solche Vorzugszölle zu versagen und auch sich in der Anleiyepolitik zurückzuhalten. 2m großen und ganzen hat England auf der jetzt beendeten Konferenz in Stresa auch diese Richt­linie eingehalten. Das Ergebnis der Kon­ferenz ist also zwiespältig. Die Verknüpfung des Dorzugszollsystems mit dem Versuch, Geldbei­träge für die Getreidepreiserhöhungen zu er­halten. hängt in der Durchführung vollkommen von dem guten Willen der außerhalb des Donouraumes liegenden Dationalwirtschaf- ten ab, und es ist nur natürlich, daß deren Willigkeit sehr bedingter Datur und ab­hängig ist von der Gestaltung der eigenen Wirtschaft. Jedenfalls ist auf der Konferenz eine einheitliche wirtschaftliche Willensbildung der Donaustaaten nicht zutage getreten, und das Er­gebnis enttäuschte vor allem in Budapest.

Die Konferenzstaaten waren von vornherein m i t ganz verschiedenen Zielen gen Stresa gezogen. Polen und die Tschechoslowakei hatten ein dringendes Interesse daran, den Süd­osten für ihre Industriewaren kaufkräftiger zu machen, aber gleichzeitig wollten sie sich nicht für ihre eigene landwirtschaftliche Uebererzeugung einem Druck der reinen Agrarländer aussetzen. Ungarn nahm eine Zwitterstellung ein. Südslawien, Rumänien und Bulgarien wären wirtschaft­lich einheitlich zusammenzufassen gewesen, da sie zu 95 Prozent auf die Ausfuhr landwirtschaftlicher Pro butte angewiesen find, aber immer wieder machte sich unter ihnen der althergebrachte Nationalhaß gel­tend, so daß sogar anfänglich mit Unterstützung Frankreichs Bulgarien von dieser Konferenz fern- gehalten werden sollte. Das wirtschaftlich zerrüttete Deut schüft erreich hat auf der Tagung eine unbedeutende Rolle gespielt. Dagegen konzentrierten firh gewisse Anregungen und Ablehnungen, Vor­schläge und Gegenvorschläge um die gänzlich verschie­dene Bedeutung Deutschlands und Frank­reichs für die Anrainerstaaten der Donau. Frank­reich hatte aus machtpolitischen Gründen gewisser­maßen die Rolle des Bankiers der Südost­staaten gespielt. Die Beträge, die es in diesen Raum hineinwarf, sind an und für sich nicht bedeutend. Französische Finanzblätter haben die Gesamtsumme der Ungarn, Rumänien und Südslawien gewährten Anleihen auf 3 Milliarden Papierfranken angegeben, wofür Frankreich wertvolle Pfänder erhielt. Als Abnehmer des Balkanweizens, des Viehüber- fchufses und des Dalkanmaises kommt Frankreich kaum in Betracht, dagegen ist für jene Nationen Deutschland wichtig, weil wir einen gewissen Zuschußbedarf aus jenen Ländern decken können, ohne das Preisniveau unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse dadurch zu drücken.

So hat wider Erwarten auf der unter franzö­sischer Lei kling stehende Tagung Deutschland doch eine ausschlaggebendere Rolle gespielt als Frankreich. Die Wichtigkeit des mitteleuro­päischen Wirtschaftsraumes als Abnehmer süd­osteuropäischer Erzeugnisse und als Lieferant von Industriewaren ist. wie bereits in der Vorkriegs­zeit, neuerdings hervorgetreten, und da diese Staaten Lieferungen von Fertigwaren nur mit dem Erlös ihrer Getreidewirtschaften bezahlen können, war es selbstverständlich, daß die deut­sche Regierung auch der Echlußkonvention ihre Zu­stimmung geben konnte, wonach wir mit Ungarn, Rumänien, Südslawien und Bulgarien Präfe­renzen abschließen, aber uns Vorbehalten, die Höhe der Einfuhr zu bestimmen und in gleichem Maße dafür Industriewaren zu liefern. So aus­geprägt konnte Frankreich aus seiner gesamten wirtschaftlichen Struktur und politischen Lage nicht handeln. Das Tressen von Stresa entsprach also nicht den weit gespannten Plänen Tardieus und der auch von Herriot betonten Absicht, die Wirt­schaftsentwicklung im Südvsten französisch zu lei­ten. Es ist nicht einmal gelungen, trotz kräftiger französischer Sekundantendienste, für die polnischen und tschechischen Satrapenstaaten eine Bevorzu­gung in der Lieferung von Industriewaren zu er­reichen.

Rein technisch ist ferner festgelegt worden, die europäischen Staaten zu Geldbeiträgen für die Getreidepreiserhöhung heranzuziehen, und zwar in Höhe von 2 Schweizer Franken für den Doppelzentner Weizen und 1,50 Franken für das übrige Getreide, wobei der Ueberfchuß auf 75 Millionen Doppelzentner Weizen 37,5 Millionen Doppelzentner übriges Getreide handelt, aber diese Getreidevalorisation wird nur dann eintreten, wenn ßle übrigen Staaten Europas ihr zustimmen. Jeden­falls uvird schon im Interesse der landwirtschaftlichen lkeberschußgebiete seines Imperiums England das

Genf ohne Deutschland.

Scharfe Auseinandersetzungen im Büro der Abrüstungskonferenz.

Das Hauptproblem nicht auf der Tagesordnung.

England und Frankreich weichen aus.

Genf, 22. Sept. (TU.) Das Bureau der Ab­rüstungskonferenz trat am Donnerstag erneut zu einer Sitzung zusammen. Irgendwelche fachlichen Verhandlungen über die Weiterführung der Ab- rüstungsoerhandlungen fanden nicht statt. Die Nach­mittagssitzung gestaltete sich durch einen energischen V o r st o ß Litwinows etwas interessanter. Der russische Außenkommissar forderte, daß nach der Be­handlung der rein gefchäftsmäßigen Fragen nun endlich die für eine wirkliche Abrüstung allein ent­scheidende Hauptfrage in Angriff genommen würde. Der englische Außenminister Simon erhob sich darauf sofort und erklärte, daß das Bureau der Abrüstungskonferenz in keiner Weise zu­ständig für politische Fragen fei. Es stehe dem Hauptausschuß zu, die großen politischen Probleme durchzuberaten. Paul-Boncour pflichtete dem englischen Außenminister bei. Er sei gerne damit einverstanden, daß die russischen Vor­schläge vor einer berufenen Versammlung durchbe­raten würden. Der Hauptberichterstatter des Bu­reaus, Benesch, verachte hierauf, eine Rechtfer­tigung der Behandlung der geschästsordnungs- mäßigen Fragen zu erbringen und hob vergeblich die Bedeutung der gefaßten Beschlüsse in den letzten Verhandlungen hervor, die nach seiner Meinung im Sinne eines Fortschrittes auf dem Abrüstungsge­biet lägen. Henderson machte dagegen geltend, daß eine große politische Frage insbe­sondere die, die auf Grund seines Brief­wechsels mit dem Reichsaußenminister aufgeworfen worden feien, jetzt sehr dringend Geworden feien. Die Verhandlung wurde darauf- in auf Dienstag vertagt.

Bemerkenswert war ferner, daß die Frage des Luftbombardements mit der Begründung auf Dienstag vertagt wurde, daß eine der an dieser Frage hauptsächlich intereffierten Mächte, nämlich Deutschland, heute nicht in der Sitzung anwesend sei. Man scheint sich also in den leiten­den Kreisen der Abrüstungskonferenz der Hoffnung hinzugeben, daß Deutschland an der Bureausitzung am Dienstag wie-der teünehmen werde.

Verweisung an den Völkerbund.

Die übereinstimmende Erklärung, die der eng­lische Außenminister und der französische Kriegs­minister in der Bureausihung über d i e Be­handlung der politischen Fragen ab­gaben, unter denen gegenwärtig lediglich d i e deutsche Gleichberechtigungsfrage verstanden wird, hat ergeben, daß Simon und Paul-Boncour, wie nicht anders zu erwarten, in völliger Tlebereinstimmung mit dem Standpunkt der französischen Regierung, eine Behandlung der Gleichberechtigungsfrage im Bureau der Abrüstungskonferenz verhindern wollen, um den Weg der von Frankreich ge­wünschten Erörterung der Gleichberechtigungs- froge entweder in der Vollversammlung des Völ­kerbundes oder im Völkerbundsrat frei zu machen. Diel bemerkt wurde, daß Präsident Henderson dem französischen Standpunkt offen entgegentrat und eine baldige Klärung der Gleichberechti­gungsfrage im Bureau der Abrüstungskonferenz forderte. Henderson ging sogar soweit, feinem

Erstaunen darüber Ausdruck zu geben, daß eine gewisse Abordnung diese Aufafssung ablehne, obwohl gerade diese Abordnung stets die Anschauung vertreten habe, daß die großen politischen Probleme nicht im Haupt­ausschuß, sondern nur in dem politischen Sonderausschuß der Konferenz behandelt werden sollten. Die Sitzung hat damit von neuem ergeben, daß durch den Einfluß des der fran­zösischen Politik sehr nahestehenden englischen Außenministers Simon weitgehende Tleoerein­st immung zwischen der englischen und der fran­zösischen Regierung in der Deutschland gegen­über einzunehmenden Haltung besteht Paul- Boneour unterstrich in einer Erklärung an die französische Presse von neuem die bekannte französische These, daß die deutsche Gleichberech­tigungsforderung nurimRahmendesVöl- kerbundes und durch sämtliche Dölkerbunds- mächte, damit mit Einschaltung der gesamten Gruppe der Frankreich nahestehenden Staaten, durchzuberaten sei.

Ein Vorstoß Hendersons.

Ohne Teilnahme Deutschlands

die 4lbrüstunnckonfercnz lahmgelegt.

Henderson soll die Absicht haben, in der näch­sten Woche den Vorschlag zu machen, daß sämt­liche politischen Fragen des Abrüstungs- problemes jetzt unverzüglich vom Büro in Angriff genommen werden müssen. Gr soll insbesondere beabsichtigen, daß die deutsche

Forderung auf Anerkennung der Gleichberechti­gung in öffentlicher Sitzung desBü - ros zur Verhandlung gelangt. Aus diese Weise will Henderson die erwarteten diplomatischen Be­sprechungen hinter den Kulissen beschleu­nigen. Er soll, wie verlautet, den allergrößten Wert daraus legen, daß Deutschland eine Rück­kehr in die Abrüstungskonferenz ermöglicht wird, und der grundsätzliche und moralische deutsche An­spruch auf Gleichberechtigung Anerkennung finde.

Der deutsche Standpunkt wird wesentlich durch die hier immer weiter um sich greifende iteber- zeugung gestärkt, die auch für die Haltung des Präsidenten Henderson maßgebend ist, daß ohne Beteiligung Deutschlands praktisch die Abrüstungskonferenz lahm ge­legt und sogar aufs äußerste gefährdet ist und daß die von der gesamten öffentlichen Meinung England, Italiens und der Vereinigten Staaten so dringend geforderte entscheidende Herabsetzung der Rüstungen nur unter der Mitarbeit Deutschlands zu erreichen ist. Es versteht sich jedoch nach wie vor von selbst, daß Deutsch­land nicht in der Lage ist, an einem Abrüstungs­abkommen mitzuwirken, daß nur für die an­deren Mächte und nicht für Deutschland gilt. Die deutsche Gleichberechtigungssorderung ist nun­mehr zu einer großen internationalen Frage ge­worden, von deren Lösung das Schicksal der Ab­rüstungskonferenz und damit unlösbar verbunden das Schicksal des Völkerbundes zu einem erheb­lichen Teil abhänig ist.

Frankreichs Kuhhandel mit Amerika

Wendung in der mandschurischen Politik.

London, 22. Sept. (TU.) Die Genfer Bericht­erstatter desDaily Herald" und derNews Chro- nicle" erfahren übereinstimmend, daß die franzö­sische Regierung einen Kurswechsel in ihrer fernöstlichen Politik gegenüber Japan und China beschlossen habe. Frankreich beabsichtige feine bisherige Unterstützung des japanischen Vorgehens in China und der Mandschurei aus- zugeben, und sich in Zukunft peinlichst auf das Völkerbundsstatut zu stützen. Der Grund für die­sen Umschwung sei jedoch nicht etwa eine besondere Friedensliebe Frankreichs, sondern Deutsch­lands Gleichberechtigungsforderung. Um feine Stellungnahme, daß Deutschlands Forde­rung eine Nichtachtung von Vertrags­verpflichtungen bedeute zu stützen, sehe sich Frankreich nunmehr gezwungen, die Heiligkeit solcher Verpflichtungen im fernen Osten vorübergehend anzuerkennen. Die französische Regierung sei überzeugt, daß die alleinige Antwort auf Deutschlands Forderung nur durch den Völ­kerbund und durch Frankreichs eigenes Bestehen auf strenger Anwendung des Völkerbundsstatuts er­folgen könne. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, daß dieTimes" bereits am Mittwoch aus Washington gemeldet hatte, Senator Reed habe Herriot die amerikanische Unter- st ü tz u n g des französischen Standpunktes in der Gleichberechtigungsfrage zugefagt, falls Frankreich

Amerika in der mandschurischen vrage unterstütze.

Handelspolitische Zugeständnisse.

Paris. 22. Sept. (TU.) Von amerikanischer Seite erfährt man Einzelheiten über den fran­zösischen Vorschlag für einen neuen französisch­amerikanischen Handelsvertrag, mit dem der ame­rikanische Botschafter Edge nach Amerika abge­reift ist. Der Vertrag wird als ein großer Erfolg für die amerikanische Handelspolitik bezeichnet. Aus dem Inhalt, der in seinen wichtigsten Teilen bekanntgegeben wird, geht in der Tat hervor, daß die Franzosen vermutlich aus politischen Gründen weitgehende Z ugeständnisse gemacht haben. Der Verdacht liegt nahe, daß die amerikanischen Kundgebungen in d er - ft ungefragt mit diesen Zugeständnissen in Zusammenhang stehen. Das Hauptziel der ameri­kanischen Unterhändler, ein gleichwertiger Ersah für die Meistbegünstigung, ist in dem französischen Entwurf zugestanden wor­den. Es handelt sich nicht um eine Meistbegünsti­gung de jure, sondern lediglich de facto. Die Franzosen bewilligen dem amerikanischen Handel Vorzugszölle, die etwa 1OOO amerikanischen Ausfuhrwaren, darunter den wichtigsten, zugute- kommcn. Die amerikanischen Zugeständnisse liegen hauptsächlich auf administrativem Gebiet, so z. B. Maßnahmen zum Schuhe der französischen Mode gegen Rachaymung, Bevorzugung der franzö­sischen chemischen Erzeugnisse usw.

einzig positive Ergebnis der Stresaer Konferenz nicht ohne weiteres anerkennen.

Auch auf der Konferenz in Strefa hat sich gezeigt, daß die Verkoppelung der Interessen der reinen Donaustaaten mit denen von Polen und der Tschecho­slowakei unter französischer Führung nicht möglich ist. Der überragend polnisch-französische Einfluß in Stresa ist mitverantwortlich für das Ergebnis, dessen Labilität in Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia durchaus als gegensätzlich den ursprünglichen Hoff­nungen empfunden werden wird. Stresa mit feinem verschachtelten Ergebnis ist ein f d) 1 e d) t e r Auf­takt für d i e Weltwirtschaftskonfe- renz. Hervorsticht nur die Bedeutung,^ die das deutsche W i r t s ch a f t s r e i ch an Stelle von Frankreich wieder für die eigentlichen Donaustaaten gewann, und deren Sanierung ist heute nicht mehr eine Frage französischer Kredite, sondern der Mög­lichkeit Deutschlands, wirtschaftlich sich zu kräftigen. Der gestörte natürliche Austausch, wie er vor dem Kriege die Balkanstaaten anreicherte, kann erst mit dem Südosten durch einen deutschen Aufstieg ge­bessert werden.

Oie Reichsbanner-Ortsgruppe Ohlau aufgelöst.

Berlin, 23. Sept. (TU.) Auf Anordnung des stellvertretenden preußischen Staatskommissars Dr. Bracht verfügte der Regierungspräsident von Riederschlesien, Dr. Happ die Auf lösung der Ortspruppe Ohlau des Rerchs- banne rs. Veranlassung dazu gaben die blu - tigenVorgänge am 10. Juli. Die Staats, reaierung lieht in dem Verhalten der Reichs- banner-Ortsgruppe Ohlau bet den blutigen Dor- fällen am 10. Juli einen Verstoß gegen §2 des Verelnsgefetzes, nach dem Vereine aufgelöst werden können, deren Zwecke gegen die Strafgesetze verstoßen

Industrie und Wirtschastsprogramm.

Ter Neichsverband für tatkräftige Unter­stützung der Regierungsmatznahmen.

Berlin, 22. Eept. (ERB) Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen In­dustrie beschäftigten sich mit dem neuen wirt­schaftlichen Programm der Reichsregierung und stellten einmütig fest, daß dieganzedeutschc Wirtschaft Anlaß hat. sich zu dem Versuch einer Belebung der Wirtschaft von der Seite der persönlichen Initiative positiv und aktiv e i n z u st e l l e n. Der Reichsverband betont aus­drücklich, daß er jede Art von Rörgelei und alle unberechtigten Sonderwün- s ch e einzelner Gruppen entschieden ad­le h n t. Von der Wirtschaft und der Industrie selbst müsse andererseits alles getan werden, um die angestrebte Wirkung des Regierungs­programms in einem möglichst großen Grade zu erhalten. Der Reichsverband richtet an seine Mitglieder den dringenden Appell, durch w e i t- gehende Initiative sich mit allen Kräften für eine Belebung der Wirtschaft einzufetzen und alles zu vermeiden, was die psychologischen und wirtschaftlichen Voraussetzun­gen, von denen der ganze Effekt des Programms in weitgehendem Maße abhänge, stören könnte. Er betrachtet es als eine Pflicht der Industrie und jedes einzelnen Tlnternehmens. alle in dem Programm vorhandenen Möglichkeiten loyal zu benutzen, um möglich ft vieleArbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Er erwartet von seinen Mitgliedern, daß jeder Miß­brauch mit den neuen Bestimmungen aus - geschaltet bleibt.

Die Industrie muß von der Regierung verlan­gen, daß insbesondere auch in der Frage der Zinskonversion und auf dem Gebiete der Kontingentierung solche Maßnahmen un­terbleiben, die eine neue empfindliche Erschütte­rung auf dem Geld- und Kapitalmarkt oder eine unerträgliche Bedrohung der deutschen Ausfuhr mit sich bringen würden.

Der Vorstand ergänzte sich durch Zuwahl des Vorsitzenden des Bayerischen Industriellenverban- des, Landesbaurat Dipl.-Ing. Eugen Böhringer, Generaldirektor der Eisenwerksgesellschast Maxi­milians Hütte und des Fabrikbesitzers Dr.-Ing. Hermann Schoening als Vertreter der an der Leip­ziger Messe beteiligten Ausfuhrindustrien.

OieTrauerfeier für den GrafenGravina

Danzig, 22. Sept. (TU.) Am Donnerstagoor- mittag fand in der katholischen St. Josephs- l i r ch e die Trauerfeier für den verstorbenen Dan­ziger Völkerbundskommissar Gras ®ra« oina statt. Vor dem Altar war der Sarg, von zahlreichen Kränzen überdeckt, aufgestellt. Zu beiden Seiten hielten Danziger Schupooffiziere mit gezogenem Degen die Ehrenwache. Die zahl­reichen Orden des Entschlafenen waren auf zwei Kissen vor dem Sargende untergebracht. Unter den Anwesenden befanden sich außer der Familie des Verstorbenen alle Danziger Senatoren, alle Ver­treter der auswärtigen Staaten in Danzig, sowie die Spitzen der Danziger Gesellschaft. Für den Präsi­denten des Senats Dr. Ziehm, für den offiziellen Vertreter des Völkerbundes, Marchese Giusti- n i a n i und den diplomatischen Vertreter der Re­publik Polen in Danzig, Minister Dr. Pa pee, waren drei besondere Sessel unmittelbar vor dem Sarg aufgestellt. Das feierliche Requiem hielt Prälat Sawag. Die Einsegnung der Leiche nahm der