Ausgabe 
23.8.1932 Erstes Blatt
 
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Telegramme an Hindenburg und Popen.

München, 22. August. (TU.) Der Leiter der Rechtsabteilung der NSDAP., Rechtsanwalt Frank II, hat folgendes Protesttelegramm an den Reichskanzler von Papen als den Reichs­kommissar für Preußen, Reichskanzlei, und an den Reichspräsidenten gesandt:Die Reichs­leitung der NSDAP, erhebt gegen das unfaß­bare Beuthener S ch r e ck e n s u r t e i l schärfsten Protest vor der gesamten deutschen Oeffentlichkeit und erwartet unverzüglich die Be­gnadigung der Verurteilten. Die in der größten politischen Bewegung Deutschlands vereinigten Mil­lionen deutscher Männer und Frauen schließen sich in Erbitterung und Empörung diesem Verlangen an. Ueber 300 ermordete Nationalsozialisten, die fast restlos bis heute ungesühnten Opfer der marxisti­schen Mordpest, sind der erschütternde Beweis dafür, daß der nationale deutsche Mensch schutzlos den internationalen marxistischen Treiben preisgegeben ist. Das Beuthener Schreckensurteil war nur mög­lich in Verkennung dieser unbestreitbaren Sachlage. Seine unverzügliche Aufhebung ist zur Sicherung und letztmöglichen Aufrechterhaltung des inneren Friedens eine Notwendigkeit. Reichsleitung der NSDAP., Dr. Frank II."

Kundgebung

der Reichsleiiung der AGOAp.

München, 22. Aug. (TU.) Zum Beuthener Urteil nimmt die Pressestelle der Reichslei - tung der NSDAP, wie folgt Stellung:

Ein Schrei des Entsetzens und der Em­pörung geht durch das ganze nationale Deutsch­land. Fünf Todesurteile sind von dem Sonder­gericht einer sich national nennenden Regierung gefällt worden, in völliger Verkennung der die Angeklagten beherrschenden Verzweiflung über das Versagen des Staatsapparates gegenüber dem organisierten marxistischen Mordterror, dem über 300 Nationalsozialisten bereits zum Opfer gefallen sind. Diese fünf Todesurteile treiben jedem national und gerecht empfindenden Deut­schen die Scham- und Zornesröte ins Gesicht. Die Empörung über dieses unfaßbare Schreckensurteil wird dadurch noch gesteigert, daß zu gleicher Zeit ein anderes schlesisches Sonder­gericht Reichsbannerleute, die in un­menschlicher Weise zwei SA.-Männer nieder­metzelten und viele andere schwer verletzten, mit Höchststrafen von nur vier Jahren Zuchthaus bedachte. Das ist zweierlei Recht. Natio­nalsozialisten werden also von dem Sondergericht einernationalen Regierung" mit dem Tode be­straft, während der internationale Mord-Marxis­mus mit kurzfristigen Zuchthausstrafen davon- kommen darf und der menschlichen Gesellschaft erhalten bleibt. Diese beiden Urteile sind ein Schlag in das Gesicht des nationalen Deutschland. Millionen Deutsche erwarten von Herrn von Papen als dem reichskommis- sarischen preußischen Ministerpräsidenten die so­fortige Aufhebung der unerhörten Beuthener Todesurteile, die unter kei­nen Umstanden vollstreckt werden dürfen. Es wird in Deutschland keine Ruhe mehr-geben, bis dieses Beuthener Urteil aufgehoben ist. Mö­gen die verantwortlichen Staatsleiter den Ernst der Stunde erlernten, bevor es zu spät ist."

Oie weiteren plane der Verteidigung.

Wiederaufnahmeve» fahren.

G l e i w i tz, 22. Aug. (TU.) Von feiten der Ver­teidigung wird über die zu ergreifenden Maß­nahmen erklärt, daß sofort olleSchrittebeim preußischen Staatsmini st erium getan werden würden, um eine Vollstreckung der Todesurteile zu verhindern. In der Praxis sei mit einer Entscheidung darüber vor Ablauf dieser Wache nicht zu rechnen; es sei erst einmal die Ab­fassung des Urteils erforderlich, was einige Tage in Anspruch nehmen werde. Aul Grund dieser schrift­lichen Niederlegung des Urteils und eines gleichfalls vargeschriebenen Berichtes der Staatsanwaltschaft habe das Staatsministerium zu entscheiden. Da gegen Urteile des Sondergerichts bekanntlich keine Rechtsmittel, also Berufung und Revision, zulässig sind, werde vor allem der Weg des Wiederauf­nahmeverfahrens beschritten werden. Das Wesen des Kürzverfahrens, das das Sondergericht darstellt, macht es leicht, neue Beweismittel und Tatsachen geltend zu machen, auf Grund deren die Wiederaufnahme des Verfahrens zulässig sei. Möglich sei außerdem noch die Ablehnung der Rich­ter wegen Befangenheit, die aus Tatsachen erfolgen könne, die die Angeklagten erst nachträglich m Erfahrung brachten.

Kundgebung

des Verteidigers Luetgebrune.

München, 22. Aug. (ERB.) Zum Beuthe- ner Urteil veröffentlicht der Rechtsberater der Obersten SA.-Führung, Rechtsanwalt Dr. Luet­gebrune, folgende Stellungnahme:

Das Beuthener Sondergericht hat heute gegen fünf Nationalsozialisten fünf Todesurteile gefallt die weit über die Grenzen der Partei hinaus stärkste Entrüstung und stärksten W i d e r s p r u ch gefunden haben. In meiner mehr als zwölfjährigen politischen Verteidigertätigkeit ist mir kein Urteil vorgekommen, das in tatsächlicher, wie in juristischer Beziehung so sehr einen Justiz­irrtum darstellt, wie das Urteil dieses Sonder­gerichts. Aus tiefstem Rechtsempfinden heraus roirb mit allen Kräften dafür gesorgt werden, daß dieses Fehlurteil aus der Welt geschafft wird und seine Vollstreckung unterbleibt."

Koalitionsverhandlungen in Preußen vertagt.

Fortsetzung Ende dieser Woche?

Berlin, 23. Aug. (VDZ. Funkspruch.) Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. meldet, sind die für heute in Aussicht genommenen Bespre­chungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum über die Neubildung der preu­ßischen Regierung abgesagt worden. Als Grund hierfür wird angegeben, daß erst die am Tienstagmittag im Landtag begonnene Tagung des Nationalsozialistischen Frakti- vnsvorstandes beendet sein müsse, die am Mittwoch sortgeführt wird. An diesen Verhand­lungen dürfte auch. Landtagspräsident Ke r r l teil­nehmen, der über seine Unterredungen mit dem Vertreter des Zentrums, Abgeordneten Dr.

Graß, berichten wird. Von dem Ergebnis der Tagung des Fraktionsvorstandes wird es im wesentlichen abhängen, ob Ende dieser Woche die Koalitionsbesprechungen mit dem Zen­trum fortgesetzt werden. Der Unterhändler des Zentrums, Dr. Graß, begibt sich am Mittwoch in seinen Wahlkreis Hessen-Nassau und dürste vor Freitag nicht nach Berlin zurückkehren. 3n par­lamentarischen Kreisen wird hervorgehoben, daß, falls die Koalitionsbespvechungen günstig verlau­fen sollten, die Bildung der neuen Staatsregie­rung in 48 Stunden abgeschlossen sein könnte. Der Landtag würde in diesem Falle die Möglichkeit haben, schon in der nächsten Woche den Minister­präsidenten zu wählen.

Oesterreichs Verzicht auf seine Freiheit.

Das Lausanner Protokoll endgültig angenommen.

Wien, 23. Aug. (WTD. Funkspruch.) Der Nationalrat hat, heute nach längerer Debatte mit 82 g e g e n 80 Stimmen den Beharrunasbeschluß über das Lausan­ner Anleiheprotokoll gefaßt. Damit ist das Anleiheprotokoll trotz des Einspruchs des Bundesrats in Kraft gesetzt. Mit dem glei­chen Stimmenverhältnis wurde ein Antrag der Großdeutschen auf Volksabstimmung über das Lausanner Abkommen abgelehnt.

Aus aller Welt.

Gronau unterwegs.

Der deutsche Flieger Wolfgang von Gronau, der in Junecm (Alaska) landete, war bereits eine größere Strecke über Juneau hinaus in der Richtung nach Cordova geflogen, als ihn un­günstige Wetterberichte zur Umkehr ver­anlaßten. Er beabsichtigt nach Cordova wei­terzufliegen. Von dort geht es über die Aleuten nach Japan und zurück nach Deutschland. Er hofft seinen Flug Ende September in Berlin beenden zu können.

196 Stunden Dauerflug.

Die amerikanischen Fliegerinnen Frances Mar- falis und Louise Thaden, die zu einem Dau er f lug aufgestiegen waren, sind nach einer Flugdauer von insgesamt 196 Stun­den gelandet. Damit ist der bisher auf 123 Stun­den stehende Dauerflugrekord für Frauen ganz er­heblich überboten.

Ein falscher Rundfunk-Ingenieur festgenommen.

Dieser Tage wurde in Koblenz ein falscher Rundfunk-Ingenieur auf frischer Tat ertappt und fest genommen. Der Mann hatte auch in Frankfurt Mietschwindeleien und Diebstähle begangen und Inhaber von Rund­funkgerätehandlungen sehr empfindlich dadurch geschädigt, daß er sich wertvolle Radioapparate liefern ließ und nicht bezahlte. Ueberall hatte er sich alsAufbau-Ingenieur" des neuen Senders ausgegeben, auch Mecha­niker für diesen eingestellt und mit den Leuten entsprechende Verträge abgeschlossen. Auch in Wiesbaden beginn er Mietschwindeleien und prellte eine Reihe Gasthaus- und Pensions-- besitzer um teilweise recht erhebliche Beträge. Vor einigen Tagen tauchte er in Marburg auf und betrog auch hier mehrere Personen durch das gleiche Manöver. Bei seinem Verhör

legte er ein Geständnis ab. In Frankfurt und anderen Orten trat er unter dem Namen Rudolf Herwig, Horst Hübener und Horst Römer auf; in Wirklichkeit handelt es sich um den 1909 in Warndorf (Tschechoslowakei) geborenen Ru­dolf H o r a ch e k.

Einbruch bei Dr. Schacht.

Wie die BerlinerNachrichtenausgabe" aus Neu­ruppin hört, wurde im Schloß Quehlen bei Lindow, einem Besitz des früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, ein Einbruch verübt. Der Täter stieg mit einer im Park Vorgefundenen Leiter in Dr. Schachts Arbeitszimmer ein und entwendete aus verschiedenen Räumen silberne und goldene Tee­löffel, Eßlöffel und Mokkalöffel, sowie verschiedene Kleidungsstücke, ein Zeiß-Fernglas und eine silberne Schmuckdose.

Zwei Sträflinge in plöhensee ausgebrochen.

Die beiden Strafgefangenen Neuhaus-Thie­le ck e und Wischnewski sind, einer Meldung aus Berlin zufolge, aus der I r r e n a b t e i l u n g des Strafgefängnisses Plötzensee entflohen. Der 26jährige Staufmann Neuhaus-Thielecke, der sich unter dem Namen Ealistros Sujamani als Schrift­steller ausgab, hatte am 6. August 1930 in Berlin- Halensee seine Mutter in der Badewanne ermordet.

Ein Toter,

zwei verletzte wegen eines Glases Bier.

9n einer Wirtschaft In St. Ingbert bei Köln ver­langte dieser Tage ein Arbeitsloser ein Glas Bier, das ihm verweigert wurde. Einige Stunden später kam er wieder, ging sofort auf die 20jährige Wirts­tochter los, feuerte mehrere Schüsse auf sie ab und verletzte sie schwer. Die Mutter, die der Tochter zu Hilfe eilen wollte, erhielt einen Schuß in den Arm. Dann richtete der Arbeitslose die Waffe gegen sich selbst und erschoß sich.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 23.August 1932.

Oie spinale Kinderlähmung.

Don Med.-Rat Dr. Zrobenius« Nervenarzt, Gicßm.

In letzter Zeit sind in Ungarn und leider auch in Deutschland, in Magdeburg und sogar in un­serer Nähe, im Dillkreis, Fälle von spinaler Kin­derlähmung aufgetreten. In diesem Zusammen­hang muß es uns interessieren, wie die Ameri­kaner vor einigen Jahren durch ihre Großzügig­keit der Epidemie gesteuert haben.

Da die Seuche erfahrungsgemäß bestimmte Wege einschlägt und da, wo sie einmal gewütet hat, kaum mehr so schnell auftritt, haben die Ame­rikaner nach der ersten Epidemie für die anderen bedrohten Gebiete, besonders im dritten Sommer, umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Mit einer Großzügigkeit, die Staunen und Bewunderung er­zwingt, wurden aufklärende Vorträge gehalten, Flugschriften verteilt und nach der Erfahrung aus der früheren Epidemie von den Genesenen Blut­serum gesammelt. Fünf Dollar wurden gezahlt für 50 ccm Blut, ein wirksames Serum daraus hergestellt, die Krankenhäuser und Apotheken da­mit ausgestattet und als die Epidemie wirk­lich in dem gleichsam auf sie wartenden Gebiet einbrach, verfügte man über eine ganz hübsche Menge heilkräftigen Serums. Ländliche Bezirke wurden bei der ersten Erkrankungsmeldung mit Flugzeugen und durch Schnellzüge damit versorgt, die an Orten, die sie sonst durchfuhren, halten muhten, um das kostbare Mittel in die Hände des Arztes zu liefern.

Auf diese erstaunlich großzügige Weise, die die ganze Aerzteschast und die Bevölkerung alarmierte, ist es den Amerikanern gelungen, der verheeren­den Seuche ihre größte Furchtbarkeit zu nehmen. 12ns kann dieses Vorgehen, auch wenn wir ein verarmtes Land sind, nur Vorbild sein, denn für die Gesundheit seiner Bürger und Jugend darf dem Staat kein Preis zu hvch sein.

Aber bei uns muß mehr als anderswo gerade der einzelne mithelsen, die Gefahr zu bannen. Um

Au sagen: zu einer Beunruhigung durch das bisher vereinzelte Auftreten der Er­krank ung besteht bei uns kein An - .'29>cr Vorsicht schadet nie wer öic Gefahren kennt, wird darauf achten, um seine xinber Dor ernstem Schaden zu behüten.

Dre spinale Kinderlähmung - der Name ist et- was einseitig und soll nur der Kürze halber bei» behalten werden - ist eine Infektionskrankheit, d. h. durch einen Erreger verursacht. Sie ist sehr leicht übertragbar, durch Husten, Anniesen, aber auch durch sogenannte Zwischenträger, die selbst nicht zu erkranken brauchen. Es ist eine Jnfektions- ^ankheit die das Nervensystem, Rückenmark oder Gehirn befallt, besonders der Kinder, aber die auch bei Erwachsenen auf treten kann.

Das schwierigste Moment liegt in der rechtzei- tigen Erkennung, denn die frühzeitige Behandlung entscheidet über Leben und Heilung. Das ist das Heimtückische an dieser Erkrankung, daß sie sich unter der harmlos scheinenden Maske einer Grippe" einschleichen kann. Eine Magendarm­erkrankung, ein Luftröhrenkatarih, eine Halsent­zündung oder rheumatische Beschwerden können das erste Stadium bilden.

Beinahe schlagartig setzen dann im zweiten Sta­dium, etwa nach zwei bis drei Ta- genplötzlich mehr oder weniger um­fangreiche Lähmungen ein.

Glücklicherweise gehen diese Lähmungen zum größten Teil wieder zurück, aber der Nest, der bleibt, ist genug, um das arme Menschenkind Zeit

seines Lebens zu verstümmeln. Es ist auch ein Glück, daß der tödliche Ausgang durch lieber» greifen dieser erschreckenden Lähmung auf die At­mung relativ selten ist, d. h. die einzelnen Epi­demien verhalten sich hier verschieden. Es ist auch ein Trost, daß selbst hartnäckige Reste noch nach Jahren einer fortgesetzten Behandlung weichen können oder wenigstens eine Besserung erfahren.

2Iber das Wichtigste ist und bleibt die Behand­lung in der ersten Zeit, am besten schon im ersten . leider schwer erkennbaren Stadium der Krank­heit. Denn hier ist das ärztliche Wirken am er­folgreichsten. Es sollte also in Zeiten einer Epi­demie oder auch schon beim Auftreten einzelner Fälle unbedingt beim geringsten Verdacht oder aus Vorsicht bei irgendeiner fieberhaften, aber noch so harmlos erscheinenden Erkrankung, beson­ders der Kinder, ein Arzt zu Rate gezogen wer­den. Nur so kann schwerer Schaden verhütet und auch einer Ausbreitung der Seuche wirksam ent­gegengetreten werden.

(Siebener Wochenrnarttpreise.

* Gießen, 23. Aug. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 130, Landbutter 120 bis 130, Matte 25 bis 30, Wiking 6 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8, Spinat 20, Römischkohl 8, grüne und gelbe Doh­nen 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6, Erbsen 20, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10, Pilze 20 bis 25^ Kartoffeln 3,5, Frühäpfel 15 bis 30, Birnen 15 bis 25, Dörrobst 30 bis 35, Zwetschen 25, Mira- bellen 35 bis , 40, Reineklauden 20, Pfirsiche 30 bis 50, Brombeeren 20 bis 25, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 50 bis 70, Eier 8 bis 9, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 2 bis 3, Endivien 10 bis 12, Obcr-Kohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12; das Bund: Radieschen 8 bis 10 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3 Mark.

Por«oti;cn.

r . Tageskalender für Dienstag. Licht­spielhaus. Bahnhofstraße:Trader Horn".

Der Tierschutzverein Gießen ver­anstaltet am Donnerstag, 25. August, 20 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums eine öffentliche Vor- tragsveranstaltung. Oberbürgermeister Maas wird über das ThemaAufgaben des Tierschutzes" sprechen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige er­sichtlich.

** D i e Zahlung der Invalidenren­ten gesichert. WTB. meldet: Bei dem natür­lichen Unterschied in der Leistungsfähigkeit der Landesversicherungsanstalten hat die Notverord­nung vom 14. Juli 1932 die Gesamthaftung der Anstalten für die Aufbringung der Postvorschüsse für die Zahlung der Renten aus der Invaliden­versicherung begründet. Soweit Sie Postvorschüsse nicht geleistet werden, führt die nach der Doll­zugsverordnung vom 10. August beim Reichs­arbeitsministerium errichtete Ausgleichs- und Verwertungsstelle die Gesamthastung durch, z. D. durch die Eirzi hung und Ter ufj run] von Wer.- papieren der Anstalten. Diese Stelle wird aber nur für den Fall wirksam, daß die Anstalten nicht unter sich den Ausgleich vereinbaren und durch­setzen. Die Versicherten können damit rechnen, daß trotz des starken Beitragsausfalles die Ren­ten gezahlt werden.

** Silberhochzeit. Der Elektro-Jnstallateur- meister Wilhelm Schmidt und Frau, wohnhaft Goethestraße 23 feiern am morgigen Mittwoch das Fest der Silberhochzeit.

** D i e hessischen Hebammen tagen in Gießen. Die hessischen Hebammen kommen auch in diesem Jahre zu einer Haupttagung am Samstag, 27. August, in Gießen (RestaurantLie- bigshöhe") zusammen. Der wissenschaftliche Teil sieht einen lehrreichen Vortrag, gehalten von Professor Schumacher von der hiesigen Lan­desuniversität überDie Ausgaben der Hebam­men auf dem Gebiete der Krebsforschung" vor; ein weiterer wird von Professor Dr. Schwartz Universität Frankfurt a. M. gehalten über Schädigungen der NeugeborSßen bei der Ge­burt". Professor Dr. Walther-Gießen wird über seine reichen - Erfahrungen und über die Bedeutung der Wiederholungskurse für Hebam­men referieren. Die Vorsitzende «des Verbandes, Frau K e r n-Rumpenheim spricht über die wirt­schaftlichen Verhältnisse der Hebammen. Der Ver­band ist bestrebt, seine Mitglieder auf allen Gebieten neuerer Forschung unterrichten zu lassen.

Oberheffen.

Seuer in Saasen.

S a äsen. 23. Aug. In der Scheune des Landwirts Ludwig Kraft brach heute morgen, wie man vermutet, durch Kurzschluß Feuer aus. Der Brand wurde erst bemerkt, als die Flammen bereits zum Dach heraus­schlug e n und der gesamte Strohvorrat ergriffen war. Unter diesen Umständen konnte von der Scheune nichts mehr gerettet werden; sie brannte mitsamt dem Inhalt bis auf die Grundmauern nieder. Der unmittelbar angebaute Stall fiel ebenfalls den Flammen zum Opfer. Das Vieh konnte gerettet werden. Auch die Dreschma­schine, die in der Gefahrenzone stand, konnte man im letzten Augenblick in Sicherheit bringen. Die Saasener Feuerwehr, die sofort an den Brand­herd eilte, konnte dem Feuer selbst kaum Einhalt gebieten. Zwar arbeitete man mit fünf Schlauch­leitungen, mußte sich aber in der Hauptsache dar­auf beschränken, die unmittelbar an­grenzenden weiteren Gebäude zu schützen. Das Wohnhaus, das nur etwa einen halben Meter entfernt von der Scheune steht, konnte völlig unversehrt bleiben, eine nachbarliche Scheune wurde ebenfalls er­folgreich geschützt. Zur eventuellen Hilfeleistung wurde die Kreismotorspritze alarmiert, die jedoch, dank der energischen Arbeit der Orts­feuerwehr, nach ihrem Eintreffen nicht mehr einzu­greifen brauchte. Der entstandene Schaden ist be­trächtlich, er ist durch Versicherung gedeckt.

Lanolrets (Szetzcn

00 Klein-Linden, 22. Aug. Von strahlen­dem Sonnenschein begünstigt, fand am Sonntag .m Rinnschen Garten das 3 6. I a h r e s s e st der hiesigen Kleinkinderschule statt. Unter den Klängen des Posaunenchors zogen die mit Blu­menkränzchen und Sträußen geschmückten Kinder zum Festgarten. Die von der Schwester mit viel - Sorgfalt und großer Geduld eingeübten Lieder und Gedichtvorträge fanden dankbarste Ausnahme bei den vielen Zuschauern, die dem Fest beiwohnten. Auch die Spiele, die zur Aufführung gelangten, bereiteten viel Freude. Pfarrer Bremmer, der Vorsitzende der Station, hielt die Ansprache. Die Kollekte zum Besten der Kleinkinderschule ergab 34,01 Mark.

. ch Hausen, 22. August. Unsere Kirche befindet sich schon einige Jahre lang in baufälligem Zu­stande. Trotz größter Geldknappheit konnten nun die Ausbesserungsarbeiten nicht mehr verschoben werden. Wie vor zwei Jahren

Gewinnauszug

5. Klasse 39. Preußisch-Süddeutsche (265. Preuß.) Staats-Lotterie. Ohne Gewahr Nachdruck verboten

11. Ziehungstag 20. August 1932

3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen

2 ©ttolnn« zu 100000 M. 2499

8 Gewinn, zu 10000 M. 174007 185408 203353 238031

16 »etolnne zu 5000 M. 7850 25409 49137 168335 228259 273891 363665 375384

14 Grwinn, ,n 3000 M. 66508 67388 78085

235730 240007 328262 338525

6S Gewinn« zu 2000 M. 16949 18371 27760 30368 64061 65345 70042 100287 104837 137402 143626 150063 171110 177954 197601 213085 241345

276384 293764 301881 318989 344680 357728

359108 364344 376523 385571 394247

118 Gewinn, »u 1000 . 525 14317 18215 20306

24338 24494 27224 30393 47631 53074 63346 79353 88166 88819 107604 109242 114631 119907 122080 122676 123150 125454 133351 133985 134969

140429 141142 143826 148190 148678 161900

165486 173269 175757 180264 181063 181268

196048 227078 229179 274648 276570 310157

328229 328892 331831 344857 364996 365735

366540 367539 370339 372865 380297 386795

394140 397092 397271 398099

180 Gew NN, zu 500 M. 227 1531 4298 6193 8184

11698 14890 16850 17660 25027 29151 29331 34944 35367 47345 53280 59301 74095 75435 80927 91517 96410 105875 116094 119133 121440 123756 135484 141052 147192 147735 152138 158096

166703 180866 188161 192200 192750 204641

214532 217534 218178 219528 220148 223368

227360 230096 235521 238767 240816 240965

244983 252555 257924 263907 272862 273204

283369 285324 286788 290915 294542 295970

299347 305588 305743 306992 307842 316788

317351 319513 336484 337196 339691 353523

357116 358702 358762 353954 363056 363756

364692 364925 374507 375015 377862 382725

384266 384894 395780

In der heutigen Nachmittagszkehung wurden Gewinne

über 400 M. gezogen

323117

76 C1 «nlnne 'n 2000 M.

120 Gewinne?u 1000 M.

12160 29664 30134 32155

226787

300076

347603

378864

215614

289714

341888

369560

170710

227233

266033

299937

323923

349070

144202

168622

227042

298166

328986

381900

151857

187432

247419

302266

330896

385070

124026

182774

228039

267990

300147

333237

361894

137261 183344 243624 270639 301056

339443 370210

124047

153295

202558

257705

305699

346654

153467

232128

326417

359452

385037

141773 190427

249740 277869

308295 342215 380578

124711 156188

208031 291411

317104

352465

148591

197417

253519

292155

310663

344985

383930

137608 156484 218695

293004 321476 371805

187284

280307

333818

366519

110247 160668

198339 265916 297425

315454 345469 398518

134946

206569

285701

341657

369068

106054

144018

166143

218365

297564

324737

372867

99973

348923

164160

279180

333056

365988

20855 38879

77620 81705

221008 301937

10 Sein'""« >n 5000 M. 336331 376433

20 Äetohtne nt 3000 M. 100721 122490 196910 365343

--- ---- 15482 26366 46334 54474

55046 96389 102978 109722 114486 115597 140507 141270 ............ ......

34051 65722 59501 60527 60978 63021 66961 72317

74017 77633 77645 82269 83633 90303

113859 122431 ------ ------ ------

- ------ 389355 398195 399401

138 Gewinn, >u 500 M. 42 15633 22959 23250 28249 34115 34514 34898 42471 44629 46361 51776 67317 70063 70169 73174 84900 85219 87447 88992 89273 89742 92773 98461 100812 108429

Im Gewinnrabe verblieben: 2 Prämien zu \t 500000, 100 Schlußprämien zu je 8000, 2 Ge­winne zu je 200000, 2 zu je 100000, 4 zu je 75000, 4 zu je 50000, 20 zu je 25000, 126 zu je ll>-00, 284 zu je 5000, 616 zu je 8000, 1740 zu je 2000i 8528 zu je 1000, 5926 zu je 500, 17940 zu je 400 M.