Die Matthäus-Passion.
Zur bcvorstchcndcn Aufführung im Wietzener Äonzerlvcrcin.
I Zür die textliche Durchgcstaltung der Mat- thäus-Pafslon war e6 von nicht zu unter» schätzender Bedeutung, das) hier dem Musiker in Pie ander (dem Leipziger Postbeamten Hein» rici) ein Dichter zur Seite stand, der zwar nicht zu den überragenden Persönlichkeiten gerechnet werden konnte, der aber bei einer gewissen Fertigkeit in der Behandlung der Sprache den Anregungen Ioh. Seb. Bachs zu folgen vermochte. Wie grost der Anteil des einzelnen an dem Werk war. wird sich nicht genau seststellen lassen, sicherlich wird man Bach einen maßgebenden Ein- slust zuschreiben müssen. Die Hauptquclle war das Evangelium Matthäi. daS sich mit seinem Passionsbericht vor den andern Evangelien durch besondere Anschaulichkeit auszeichnet.
DaS Werk gliedert sich in zwei Teile. Der erste reicht bis zur Gefangennahme Jesu und zur Flucht der Jünger: der zweite umlaht die Ge- richtsszenen. die Kreuzigung und den Tod Jesu. 'Den vorbereitenden Handlungen des ersten Teiles steht die Erfüllung der Geschehnisse im zweiten gegenüber: im ersten mehr Feierlichkeit, lyrisch« Ausbreitung, im zweiten menschliche Leidenschaft, Dramatik.
An den Höhepunkten des Geschehens bricht jedesmal die Erzählung dcs Evangelisten ab. und das soeben Erlebte wird in den Bereich musikalisch-religiöser Betrachtung gezogen in Arien und Chorälen, in denen sich die Stimmung einer idealen Gemeinde widerspiegelt. Man muh geradezu den Reichtum und dos besondere Geschick ;i Bachs in der Auswahl der Ehoralzeilen bewun-
! dern. mit denen er die Stimmung der einzelnen
Szenen cinfängt. Dem für eine musikalische Ausdeutung so ergiebigen Texte entspricht der klangliche Apparat, den Bach hcranzieht. um den mannigfachen Abstufungen in dem Erleben der Lcidensstimmung Ausdruck zu verleihen: neben den Solisten zwei Ehöre und zwei Orchester. Die doppelten Ehor- und Instrumentalkörper werden besonders in den leidenschaftlich erregten Massenchörcn zu einem Mittel stärkster Ausdruckskraft. indem Bach beide Gruppen gesondert führt und sie auf der Höhe des Affektes sich zur Bier- stimmigkeit verdichten Iaht. Die grohangelegten Stimmungsbilder tm Eingangs- und Schlustsahe erhalten ebenfalls ihre Intensivierung durch die Doppelchörigkeit
Dem Evangelisten und den redend cingeführten Personen weist Dach das Secco-Rezitativ zu:
an besonderen Höhepunkten läht er aber den sonst berichtenden Evangelistenpart zum Träger des ihn bewegenden Mitgefühls werden.
In der Erfassung der Gestalt Jesu sucht Bach dem Leiden des Menschensohnes durch menschliches Rochfühlen des Leidens nahezukommcn. Hier spricht er die Sprache des Schmerzes: Chro- matik. verengte Tonschritte, freie Rhythmik. Der Erhabenheit des Gotteslohnes verleiht er Ausdruck durch Diawnik, stufenweise Schritte. Drei- klängc und Bewegung in rhythmischer Gemessenheit. („Einsetzung des Abendmahls" ) Den oriolo- haften Pari Jesu heb er dadurch besonders heraus. bah er ihn durch das Streichquartett begleiten läht und so seinen Worten eine besondere klangliche Derklärung verleiht. Rur an der Stelle tiefster menschlicher Erniedrigung, bei den Worten am Kreuz: ..Eli, Eli". läht er den „Heiligenschein" erlöschen.
Wo die Chöre Bachs unmittelbar in die biblische Handlung eingreifen, gibt er ihnen durchweg eine knappe gedrungene Fassung und erfüllt sie mit dramatischer Gespanntheit: so in der realistischen Wucht des „Darrabam"-Ausrufes oder in dem sich in höherer Tonlage wiederholenden fugierten Kreuzigungsrufe. Die BollSmenge mit ihrem „Sein Blut komme über uns" charakterisiert er in ihrer fast grotesken Ueberheblichkeit ebenso wie die Spottchöre. Ucberzeugtheit spricht aus dem kurzen Bekenntnis der Heiden: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen".
Einen besonderen Leitgedanken verknüpft Bach mit den Choralsätzen. Die Melodie „O Haupt voll Blut und Wunden" läht er allein fünfmal wiederkehren, die Strophe ..Wenn ich einmal soll scheiden" wird zur erschütterndsten Stelle des Werkes, nicht zum wenigsten durch die jeder seelischen Regung Ausdruck gebende Satzkunst Dachs.
Der erste Teil des Werkes wird von zwei grosten Choralhearbeitungen umrahmt. Der Eingangschor mit seiner inneren "Bewegtheit durch die Doppelchörigkeit wird gekrönt durch den 6 horal-Cantus firmus ..0 Lamm Gottes unschuldig .. ". die Choralphantasie „O Mensch, bewein dein Sünde groh". ursprünglich als Eingangs- chor der Iohannispassion gedacht, läht den ersten Teil der Passion mit höchstem Ausdruck verklingen.
Die dichterischen Zutaten Ptcanders zum biblischen Text weisen auch nn Choranteil eine freiere Behandlung auf als die oben erwähnten Sätze: so in der Gcthsemaneszene, wo in das Tenor- Rezitativ ein Choral hineinkllngt und in der nach kommen den Arie ..Ich will bei meinem Ie'us wachen" sich die 6oloftimmc mit der Gegensätzlichkeit des antwortenden Chores verwebt. — Die
Szene der Gefangennahme Jesu lästt Bach in einem Duett der beiden Jünger wiederhallen (..So ist mein IesuS nun gefangen"), die unheimliche Stimmung wird hier durch das Orchesterkolorit verstärkt, indem die Basse fehlen und Ber- halte die zitternde Erregung erleben lassen, dazu Zwischenruse des Chores ..Lästt ihn! Haltet! Bindet nicht!" Plötzlich bricht entfesselte Empörung in dem elementar bewegten Chor durch: „Sind Blitze, sind Donner." Den Schlustchor des Werkes, zu dem ein Rezitativ hinführt. könnte man als eine Chorarie bezeichnen, er verleiht dem Ganzen einen ergreifenden, mild verklärenden Ausgang.
Den Solisten ist eine grobe Zahl von Arten Vorbehalten, die jede in ihrer individuellen Schönheit das Höchste darstellen, was Dach zu geben vermochte. Den Arien gehen meist Rezitativ« voraus, die von dem Orchester in gleicher Weise begleitet werden wie die Arien. Diese Ariososähe unterscheiden sich vielleicht nur durch ein stärkeres Hervortreten des deklamatorischen Momentes von den nachfolgenden Arien: in der musikalischen Dedeutung wie in der Ausdruckskraft stehen sie ihnen durchaus nicht nach Weil sie in ihrer inneren "Bewegung dem -heutigen Musikempfinden besonders nahekommen, bevorzugte man sie oft vor den Arien. Arioso wie Arie begleitet Dach gern mit Soloinstrumenten: in die Degleitungsfiguren läht er häufig charakteristische. malende Tonsymbole einfiteben, die Text und Musik um so inniger verknüpfen.
Dr. H.
Zeitschriften.
— Auch die Italiener teilen bis zu einem gewissen Grade das Schicksal der Deutschen, ein -Dolk ohne Raum" zu sein. Wie es jetzt versucht, durch Trockenlegung von Sumpfgebieten neuen kulturfähigen Grund und Doden zu gewinnen, schildert der bekannte Politiker und Historiker Dr.Paul Rohrbach im neuesten Heft der Leipziger .Illuftrirten Zeitung" iDerlag I. I. Weber». Ein weiterer, ebenfalls reich illustrierter Artikel ist dem Andenken des groben Amerikaners George Washington gewidmet, dessen Geburtstag sich am 22. Februar zum 200. Male jährt«. Aubcrdem findet der Leser in diesem Heft neben Wertvollen Kunstbeigaben zahlreiche Text- und Dildbeirräge aus den verschiedensten Geb.cten des Wissens und des Gebend: wir vernehmen von den letzten deutschen Ausgrabungen in Mesopotamien, gehen mit dem Dildberichterftatter durch di« ..Grüne Woche" in Berlin, sehen in den besten Photos alle wichtigen Dokumente der Tagesgeschichte u. a. m
*Vor Sonnenuntergang", Schauspiel von Gerhart Hauptmann.
DaS Deutsche Theater in Berlin hat den Anspruch. das erste bedeutende „literarische Ereignis" des Winters herausgebracht zu haben, während die Spielzeit sich bereits den Sommer - Programmen nähert: Gerhart Hauptmanns Uraufführung 0 r Sonnenuntergang, ein vieraktiges Schauspiel, dessen Titel an des Dichters erstes Drama erinnert. Er schasst noch einmal das „Friedenssest", aber jetzt ist die Handlung sozial in ein höheres Riveau erhoben und kreist um das Goethe-Wort „Ein alter Man,' ist stets ein König Lear", das auch einmal auf der Bühne gesprochen wird.
Kurzer Aufrist der Handlung: der Geheime Kommerzienrat Clausen — siebzigjährig wie Hauptmann selbst - - wird noch einmal von der Liebe zu einem jungen Mädchen ergriffen, dos er heiraten will: seine Kinder widersetzen sich, aus sehr materiellen Rücksichten, diesem Bor- haben und treiben den alten Mann durch ein alsbald eingeleitetes Entmündigungsverfahren in «inen Wutausbruch: ein Schlaganfall macht seinem Leben ein Ende.
Diese Handlung, die vom Dichter zunächst sepr zögernd, beinahe lässig und breit ausgenommen wird, steigert sich im dritten Akt — einem Friede nsfeft"-Akt — zu spannender Bewegung und endet auch, im letzten, unter starken dramatischen Spannungen.
Rach so viel lebloser literarischer Mache in diesem Winter sieht man wieder einmal blutvolle Menschen auf der Bühne: Resignation und Zuversicht. Bitterkeit und Humor sind gerecht abgewogen: kleine Episoden, die aber immer dem Ganzen dienen, wechseln mit erregten Austritten: Aufbau und Oekonomie zeigen die sichere Hand des Dichters, der in dieses Drama manches aus feinem eigenen Leben eingeflochten haben mag, wie er es in seinem ..Buch der Leidenschaft" dar stellt.
Hervorragend wirkte an diesem Abend Mar Reinhardt, dessen Leitung in einem wundervollen Zusammenspiel unmerflid) hinter jedem Eah stand. Im Mittelpunkt der grofjartigen Aufführung stand die überragende Leistung von Werner Kraust (Geheimrat Clausen): neben ihm vor allem Helene Thimig in der Rolle der jungen Inken PeterS. — Die Ausführung war ein literarisches und gesellschaftliches Er- eignis ersten Rang?S: Hauptmann. Re nhardt und Kraust muhten sch zuletzt immer wieder zeigen.
A.
Dicns'ag, 25. Sebruar (952
des Abends Die Turner hatten m ihrem Tnr- bmdungsfturmer eine Schusttanone, die den Kampf entschied. Hervorragend« Einzel- wie auch eine geschlossene Gesamt.e.ftung gaben dem Treffen besondere» Gepräge
Rach diesen Ergebnissen sah man nunmehr die Mannschaften de.' MännerturnvereinS. der Universität Oiehen und die Polizisten von Büsbach in der Zwischenrunde der Gruppe I. Tv Butzbach. Gr osten-Du leck und Heuchelheim kämpften um die weitere Teilnahme an den Spielen der Grupp« II.
'Die Zwischenrunde:
Tv. 1 8 4 6 Butzbach Tv. Grosten-Bu- seck 1 5 (0.1). Ein austerordentlich schnelles aber sehr hartes die Grenze d«S Erlaubten streifendes Spiel. Die Busecker waren im 6türm belfer und errangen trotz der energischen Verteidigung der Butzbacher einen klaren Sieg.
Mtv. Giesten äl n i p e r H t ä t 4 : 5 (1 : 4). Cin Spiel, da» mit Recht al» iabelhaft bezeichnet Werben durfte Ein Kamps, der von Anfang bis zu Ende die Zuschauer in Spannung hielt Zur Halbzeit führte di« Universität mit 1 4 Toren und man glaubte kaum mehr bah Mtv das Ergebnis wesentlich verbessern könnte Rach dein Wechsel kamen die Männerturner grost in Fahrt, liehen den Studenten nur noch einen Torerfolg zu. holten ihrerseits aber in großartiger Manier drei Tore auf. gegen die der Torhüter schlechterdings machtlos war.
Die Entscheidungen fallen
Tv. Heuchelheim — Tv. Drosten-Bu- seck 1: 3 (0 2). Sie Heuchelheimer konnten den rasanten Angriffen der Dusecker nicht standhaltei'.. Diese waren immer etwas besser und liehen sich den Sieg nicht ernsthaft streitig machen. Grosten- Duseck in der Ausstellung Doti. Pfeiffer, Dalfer: Scheid: Ost er he Id. Seipp. Hahn, ficherten sich verdient die Meisterschaft der Gruppe II
Ein grostartigeS Finale der Beranstaltung war daS Spiel um den Sieg der Gruppe I zwischen der Universität Giesten und der Butzbacher Polizei. Das Tressen endete mit dem knappsten aller Ergebnisse. Mit 1.0 behielten die Studenten nach einem sehr scharfen, abwechselungsreichen. vor allem sehr schnellen Kamps die Oberhand. Die Polizisten machten vergebliche Anstrengungen, sie konnten den Torhüter nicht überwinden und mustten sich ehrenvoll geschlagen bekennen. Die Mannschaft der Sieger Lott: Riemann, Frey: Schmidt: Windisch. Schott. Wolf.
Das Programm des Abends brachte neben diesen Kämpfen noch ein F a u st d a l 1 s p i e l zwischen den Mannschaften des Postfport- vereinS Frankfurt und dem Turnverein 1846 Giesten. das die Gäste auS der Groststadt nur mit dem knavpen Unterschied von zwei Punkten (29: 27) für sich entscheiden konnten- Einige Mitglieder deS EiSvereinS gefielen mit ihren Darbietungen im Rollschuhkunstlauf sehr gut und ernteten verdienten Beifall.
Die Veranstaltung in ihrer Gesamtheit darf als ein groster Erfolg bezeichnet werden E» wäre zu wünschen, wenn man in Zukunft dem Hallen» Handballspiel auch in Giesten breiteren Raum schaffen würde.
Geräte Wettkampf Lang-Göns — Friedberg — Buhbach.
Der Geräte-Wetlkampf. der am vergangenen Sonntag in der Turnhalle zu Lang-GönS stattfand. gestaltete sich zu einem turnerischen Grost- Ereignis. Den Kamps entschied die ausgeglichenste Mannschast, die Mannschaft deS Turnvereins Lang-GöNS mit 457.5 Punkten vor Fried - berg mit 439 Punkte:, und Butzbach mit 404 Punkten für sich. Ausführlicher Bericht folgt.
Nr. 45 Zweiter Blatt
(äiefjener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Die Spiele der Vorrunde:
Tv. 1846 Butzbach — Df L. Wcylar 4 3 (1 : 2). Der überaus harte, technisch nicht sehrhoch- stehende Kamps endete mit einem verdienten Sieg der Duybacher. Die Mannschaften Waren sich nahezu gleichwertig und kämpften hartnäckig um den Erfolg.
Tv. Wetzlar — Universität Giesten 3:5 (3:3). Die beiden Mannschaften der Gruppe I lieferten sich cin sehr schönes Spiel Die Studenten erwiesen sich als die besseren, die Wetzlarer hatten aber mit ihren Torschüssen viel Pech. 2n der ersten Halbheit waren die Wetzlarer durchaus gleichwertig. Die Tore der ersten Halbzeit fielen in der Reihenfolge 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 2:3 und 3:3.
1900 Giesten — Drosten - Buseck 1 3 (0 :2). Das Spiel war weniger eindrucksvoll, da die Glestener nicht ganz auf der Höhe waren. Die Grosten-Dusecker waren sehr flink und blieben, ohne ernstlich gefährdet zu sein, Sieger.
Tv. 1846 Giesten — Polizei Butzbach 2:2 (0:0). Obwohl die Turner meist leicht im Dorteil lagen, vermochten sie nicht den Sieg zu erringen. Hervorragend waren bei beiden Mannschaften die Torleute, an denen die Stürmer immer Wieder scheiterten. Ein zweites Spiel (2x5 Min), sah die Polizei mit 0.3 im Vorteil 1846 fiel in diesem Wiederholungsspiel wesentlich ab und konnte die Erfolge deS Gegners nicht verhindern.
Tv. Heuchelheim - T v. Pohl - Göns 3:2 (1:0). Zwischen den beiden Turnermannschaften sah man einen rassigen Kampf, in dem die Mannschaft von Heuchelheim immer leicht im Feldvorteil lag. Der Kamps Wurde sehr flott, teilweise sehr hart durchgeführt.
Mtv. Giesten — "Bataillon 7:3 (2:2). Das Spiel war mit einer der schönsten Kämpfe
Papst und Duce
Don unserem römischen ^-Korrespondenten.
Rom, Mitte Februar.
3m zehnten Jahre ihrer Macht sind sich Papst und Duce endlich begegnet. Roch im vorigen Sommer war es Pflicht de« römischen "Beobachters, Papst gegen Duce" zu schreiben, und noch fern 1 hinter den Alpen sogen Parteiftubcn diesen
Gegensatz Rahrung. ,3ehn Jahre eine« erbittet en Kampfes zweier Weltanschauungen hc_ea hinter un« und man möchte hoffen, dast auch die zehn Jahre, die die grohe Konferenz in Genf von der groben Konferenz in Genua trennen, mit einem Frieden schlichen, der so ernst gemeint ist wie der römische.
Der römische Friede! Darf man an da« alte Wort erinnern, das da besagte, nur ein Genie vermöge die römische Frage zu lösen? Es wurde daran erinnert, man wiederholte e« bi« zum Kehrreim, als am 11. Februar vor drei Jahren die Glocken der Laterankirch« über der Dersöhnungo- utkunde läuteten, die Mussolini im Rainen seines König- unterschrieb Man fang den Kehrreim, als gegen Ende des gleichen Jahres, am 5. Dezember 1929. zum erstenmal wieder feit dem Ende deS Kirchenstaates ein italienischer Herrscher Vatikan und Peterslirch« betrat. Ein König nach dem andern au« fremden Landen hatte den Weg nach Rom gefunden, nur nicht der König von Italien. Da konnte es nicht wundemehmen, dast zur Feier des groben Ereignisses, zur Umrahmung deS Besuches Viktor Emanuels III. bei Pius XI. das grobe Zeremoniell be« Vatikans, das funkelnde, glei- stende, prunkende Drum und Dran aufgeboten wurde.
Und die gleich«, den» Königen vorbehaltene Ehrung erwie« nun der Statthalter Christi dem Statthalter Roms, der Papst dem Duce, «annjnan e« deutlicher machen, dast .Herr Mussolini" nicht, wie seine Gegner behaupten, blost ein beliebiger Ministerpräsident ist, sondern ein Ausgewählter deS Dolles? Dast er auch vor den Augen des Führers der katholischen Well i n öa« Amt de« Duce hineingewachsen ist, dessen Titel ihm seine Getreuen spontan verliehen? Der Papst, daran ist nicht mehr zu rütteln, hat diese Schilderhebung nunmehr gebilligt und uuch nach allsten hin sanktioniert, wie er eS schon tatsächlich tat, als er auSries, die Vorsehung selber habe dem italienischen Volke diesen austergewöhnlichen Mann gesandt. Gegen ein solches Zeugnis kommen die Kleingeister, die ihm die Gröhe absprechen, weil er nicht in ihr Format pastt, schwerlich auf
Zweifellos entsprach die Tatsache, dast der Papst den Führer des Faschismus bisher nicht empfing, der Tatsache, dast trotz der Lateranverträge die Dinge nicht so liefen, wie man es da und dort erwartet hatte. Es ergaben sich Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des Vertrages, die in dem gefährlichen Streit um daS Recht der Jugenderziehung gipfelten. Es ist heute ein offene« Geheimnis, dast cin neuer "Bruch zwischen Kirche und Staat oftmals näher lag als die Brücke zwischen Palaz/o Venezia und Vatikan, es lästt sich nicht so leicht vergessen, dast Worte fielen so scharf, wie nie während des Konflikts zwischen Quirinal und Vatikan. Damals stand einem klagenden Papst ebene n schweigender König gegenüber und man war geneigt, den .Gefangenen im goldenen Käsig" als unschädlich, als nicht so ernst zu betrachten, dast sich die Leidenschaft eine« Grostkampses lohnen könnte. Mussolini aber zog es vor, zu handeln, wie vor. so auch nach den Verträgen. Seiner Ratur liegt es nicht, unbequeme Unklarheiten durch Ernennung von Kommissionen und Untcrfommiffionen zu verschleiern, er pflegt die Dinge beim Rainen zu nennen. Aber auch Pius Xl. ist ein streitbarer Mann, in
Handball in der Halle ist im Grunde nichts Reue«. In Frankfurt und "Berlin, in verschiedenen anderen Groststädten pflegt man im Winter diesen Sport schon seit einiger 3eit Für Giesten war eine Veranstaltung dieser Art neu. Aller- bing« trat al« Veranstalter nicht ein Giehener Verein, sondern der Polizeisportverein Butzbach auf. Der Erfolg lohnte dem Veranstalter Mühe und Risiko. Etwa 1100 Zuschauer batten sich eingefunden und verfolgten die Kämpfe, di« sich (etwaS reichlich lang) bis über Mitternacht hinzogen, mit gröstter Aufmerksamkeit. D>« ReichSwehrkapelle konzertierte und trug mit schnei- bigcn Darbietungen zur Unterhaltung bei. Ein eindrucksvoller Aufmarsch der Mannschaften und eine DegrüstungSansprache leiteten den Abend ein. Dann begannen sofort die Kämpfe.
Die einzelnen Spiele wurden, das ist das besonders reizvolle am Hailen-Handballspiel besonders für den Zuschauer, in einem überaus schnellen Tempo durchgeführt. Die Spiele dauerten nur je 15 Minuten und so hatten die Spieler Gelegenheit, sich auszugcben, ohne befürchten zu müssen, eine zweite Halbzeit eventuell nicht durchhalten zu können. Das initreistende Tempo, liest icöc« der zehn. dzw. elf Spiele hochinteressant und jederzeit spannend erscheinen. Dast austerdem verschiedene ganz grobe sportliche Leistunaen zu sehen toarem verdient besonders hervorgehoben zu werden. Vor allem hatten die Torwächter oft genug Gelegenheit, ihr ganzes Können zu entfalten.
Für die Kämpfe batten sich die Turner und Sportler zusammengeiunden Zwölf Hanb- ballmannfchaften bestritten das Turnier. Als verdiente Sieger gingen die Mannschaften der (Siebener Universität (Grupp« I) und Tv. Grosten-Duseck (Gruppe II) hervor. Die Lieger wurden au« den Spielen der Vorrunde über die Zwischenrunde durch die Endspiele ermittelt.
her Schwelle stehen. Mussolini steht eine Sekunde Hill, durchdrungen von dem historischen Augenblick, dann — zieht s,ch auch der ÄammcrmcJter -urück Papst und Duce find allein. Riemand weist, nie Wird jemand Dori für Wort erfahren, was sie miteinander gesprochen.
Sicher ist das eine: von Mussolini her wirb der katholischen Kirche niemals Gefahr drohen. Fester denn ]c sitzt sie al« Schlust- quaber im Staatsgebäude Gestern ist bie neueste Statistik über die Verteilung der Religionen in Italien heraus,',«kommen Danach sind 99.7 Prv- Sit der Bevölkerung katholisch. Eine derart gc-
loHcne Staatsrelegion bildet eine Macht, bie ein Papst zu schätzen wissen wirb, wenn cin Duce sie ihm garantiert. Unb umgekehrt
3cit genug. Betrachtungen darüber anzustellen, sich .aus bester Quelle" unb unmittelbar .in vatikanischen Kreisen" bestätigen zu lallen, dast durch den endgültigen Verzicht der Kirche auf politische Betätigung einerseits unb die Anerkennung ber Azione (.auofica andererseits bie Reibungsllächen verschwunden sind, denn ber gesamte päpstliche Hof muh mit bem Gefolge Mussolinis sozusagen antichambrieren, solange b;e Unterredung dauert. ■Unb sie dauert! E» vergebt eine Viertelstunde, eine halb« Stund«, es vergeht noch einmal so viel. Eine volle Stunde
Endlich cin Glockenzeichen, der Maestro di Camera öffnet Papst und Duce stehen sichtlich zufrieden nebeneinander unb die nun eintretenden faschistischen Würdenträger, die Mussolini bem Pontifex vorstellt, haben das Gefühl, dast es hier weder Sieger noch Befiegte gibt.
Wieder einmal haben zwei Männer Geschichte gemacht.
Handball in der Halle.
Daö Turnier in der Volkshalle. Universität und Großen-Buscck alsSruppensieger
seinem Eigenwillen und seiner Vorliebe für eine gehübte Feder dem Duc« nicht unähnlich. So fonnie c« nicht auSbleiben, dast bic Gegensätze aufloder- ten al« bie Azione Cattolica in gutem Glauben btc katholische Jugend organ.s eren. wieder Pfadfinder und wohl auch politisch den.ende Gruppen sammeln wollte, wa« die straffe faschistische Staat«- Organisation aber al« einen Eingriff in ihre alle anderen Parteien ausfchllestenden Rechte betrach- Ae. St'?Kr. 9'ng es zu weit, wenn faschistische Blätter bereits bie maskierte Wiederauferstehung ber (ungefähr bem deutschen Zentrum entsprechenden) Popolaripartei witterten, die den Sturm auf kirchlich« Versammlungslokale recht- artigen sollte aber auch da« päpstliche Organ, der Osservalore Romano, war nicht gut beraten, al« £r , 3orn des Himmels auf die Faschisten herabbeschwor.
Sin italienischer Hauszwist, der im Ausland von KirchtumSpolitikern greulich mi^ verstanden Wurde. Mussolini trug heute den höchsten Orden seine« .ewigen Gegner«". alS er an den Hellebarden der Schweizer, am blitzenden Pallasch der päpstlichen Gendarmen, an den Robelgarden vorbei, ehrfürch- gegrüßt von Karbinälen unb Würdenträgern ohne Zahl, zu den Gemächern des Papstes hin- aufschritt. Durch den Thronfaal hindurch, in die Bibliothek, den Audienzraum Als die Türe aufgebt. sieht man den Papst schon in „rocchetto e mozzetta“, in seinem feierlichen Priestergewand an


