Form des Zusammenarbeitens mit England zu fin» den, die dem gemeinsamen Wohl der beiden blutsverwandten Volker dienlich wäre.
Der „Völkische Beobachter" schreibt, in ihrem Bestreben, zur Aufhebung der Diskrimination zu gelangen, habe die Regierung Papen eine neue Diskrimination hinnehmen müssen. Diese Brüskierung treffe alle in die Regierung Papen, obschon sie auf Kosten der ganzen Ration gehe. Die Gründe dafür seien vielleicht nicht so sehr in den faktischen Verfehlungen der zur Zeit amtierenden Herren zu suchen, als vielmehr i n d e r innerpolitischen Stellung der derzeitigen Reichsregierung. Wenn die Regierung jetzt das peinliche Motto von der „plötzlichen Schwenkung der englischen Politik" heraushole, so sei das eine billige Verlegenheitsphrase, durch d-e die eigene Unzulänglichkeit deutlich hindurchschimmere.
Eine Bitte
an -en Nationalsozialismus.
Berlin, 21. Sept. (TU.) Hans Grimm, der bekannte Verfasser von „Volk ohne Baum" und der frühere Oberpräsident von Ostpreußen August Winnig veröffentlichen in der „Berliner Börsenzeitung" in einem längeren Aufruf eine „Bitte an den Nationalsozialismus", in der es heißt:
Wir stellen unser dankbares Zeugnis voran: Wir find überzeugt, daß die Hitlerbewe- g u n g bis zu diesem Jahre Deutschland vor der kommuni st ischen Auflösung und damit vor der völligen Abtötung der besonderen deutschen Kräfte des Geistes und der Seele, ohne die irgendein Wiederaufstieg unmöglich ist, gerettet hat. Wir sehen, daß die Hitler- betvegung vor aUem deutsche Äugend gesammelt und daß zum ersten Male innerhalb der Hitlerbewegung der deutsche Nationalismus sich erhoben hat über die mar- xi st ische Klassenscheidung, über die Engstirnigkeit der Kleinstaaterei und über das trübe Schicksal der Religions- und Kirchenspaltung. Versuchungen, aus der Legalität herauszutreten, sind genug an sie herangetragen worden. Der Glaubensmut ihres Führers, die Diszipliniertheit ihrer Anhänger hat sie seit 1923 davon abgehalten, auch vor Anrecht und Blut den Versuchungen zu unterliegen. Bei dieser Erkenntnis und Kenntnis der Dinge wagen wir vor der Partei, die sich unversehens in eine harte Schlacht mit einer er st durch sie möglich gewordenen nationalen! Staatsautorität verwickelt sieht, eine I offene Ditte auszusprechen: Die Bewegung möge \ sich nicht auf jene erstarrte Arbeitnehmerfront treiben lassen, von wo ।
aus nur mehr Arbeitnehmerpolitik, und zwar marxistischen Stils getrieben werden kann und von wo aus im untrennbaren Klasse n k a m p f e, wie die Partei und ihre Führer am allerbesten wissen, weder Deutschland, noch der deutsche Arbeiter gerettet werden können. Ans ist das Wort einer deutschen Dichterin bekannt: Bismarck hat den Staat gewollt, Stein das Reich. Wir meinen, in unseren Zeiten habe die nationalsozialistische Bewegung das Reich am stärksten und wirklichsten gewollt und sie habe das deutsche Volk dem einigen Reich näher gebracht, als unser Volk jemals war. Dieser Kreis und diese Anwiderbringlichkeit für Deutschland steht aber bei der gegenwärtigen — von außen und innen aufgedrängten — Taktik der Partei für jeden Daterlandsfreund auf dem Spiel. Denn mit einer klassenkämpferischen Arbeitnehmerfront hat das Reich nichts mehr zu tun.
Auch -er Württemberger in Berlin.
Berlin, 22. Sept. (ERB. Funkspruch.) Wie wir erfahren, ist der w ü r t t e m b e r g i s ch e Staatspräsident Dr. Bolz in Berlin eingetroffen. Er hat sich beim Reichskanzler zu einer Besprechung angemeldet, die heute nachmittag stattfinden wird. In politischen Kreisen nimmt man an, daß Dr. Bolz, der der Zentrumspartei angehört, das Bedürfnis hat, sich mit dem Kanzler ähnlich auszusprechen, wie das vor einigen Tagen der bayrische Ministerpräsident getan hat. Dabei werden sicher ähn- liche Fragen behandelt, die die süddeutschen Länder besonders interessieren.
Danzigs Beileid zum Tode Gravinaö.
Danzig, 21. Sept. (WTB.) Der Präsident des Senates übermittelte gestern persönlich dem ersten Sekretär des Hohen Kommissars das Beileid der Danziger Regierung zum Tode des Grafen Gravina. Ferner hat die Danziger Regierung dem italienischen Generalkonsulat ihr Beileid aussprechen lassen. In der gestrigen Senatssihung würdigte der Präsident des Senates den Heimgegangenen in warmen Worten und mit großer Anerkennung.
Einnahme der Stadt Eunha durch brasilianische Bundestruppen.
Paris, 21. Sept. (WTB.) Wie Havas aus Rio de Janeiro berichtet, besagt ein offizielles Eommuni- qu6, daß die Bundestruppen die Stadt Eunha, die ein strategisch wichtiger Punkt im Staate Sao Paulo ist, eingenommen haben.
Aus -er provinzialhavpifiabt.
die
dienst« um
Der berühmte Gelehrte hat in dieser Stadt von 1888 bis 1904 gewirkt und sich besondere Der-
Am gestrigen Mittwoch begann in Gießen ... 15. Versammlung der Deutschen Vereinigung für Mikrobiologie, die am Dienstag in den Räumen des Studentenheims mit einem Degrühungsabend eingeleitet wurde und eine, trotz der Rot der Zeit, große Teilnehmerzahl verzeichnet.
wahrt, denn Gaffky war ein Lehrer, der mit seinen Studenten fühlte und für ihre Nöte eintrat.
Mancher ist ihm nicht nur im Institut, sondern auch sonst nähergetreten und hat seine großen persönlichen Vorzüge, sein liebes Wesen und seine heitere Natur schätzen gelernt. Die Liebe zur Wissen- schäft und zur Forschungsarbeit hat er bei vielen seiner Schüler geweckt, die ihm diese Anregung noch heute danken. Jede Engherzigkeit war seinem Wesen fremd, denn für ihn gab es nur eine experimentelle Medizin und nur eine Bakteriologie, gleichgültig, ob sie die Erforschung von Menschen- oder von Tierkrankheiten zum Ziele hat. Die enge Verbunden- heil von Medizin und Veterinärmedizin, die seit über 100 Jahren an der Universität Gießen besteht, war solchen Forschungsbestrebungen stets förderlich und ist für eine gemeinsame Arbeit, wie Gaffky öfters betont hat, nur vom größten Nutzen.
Wir alle, die das Glück gehabt haben. Georg Gaffky näherzutreten, werden immer mit dem Gefühl großer Dankbarkeit feiner gedenken. Soin Andenken wird bei uns alten Gießenern weiterleben.
Tagung her Mikrobiologen Deutschlands in Gießen.
Ramhafte Fachvertreter nicht nur Deutschlands, sondern auch einiger Grenzstaaten, haben sich im Hörsaal des geräumigen und in seiner Einrichtung allen Anforderungen entsprechenden Physiologischen Instituts zusammengefunden, um «in umfangreiches wissenschaftliches Programm in Referaten. Vorträgen und Demonstrationen zu erledigen.
Am Rachmittag des ersten Verhandlungstages wurde im Hygienischen Institut eine Gedenktafel für den Erbauer und ersten Direktor dieses Instituts, den Ehrenbürger der Stadt Gießen, Geh. Obermed.-Rat Prof. Dr. Gaffky, enthüllt, dessen Todestag sich am 23. September 1932 zum vierzehnten Male jährt. In treffenden Worten wurde bei der Aebergabe der Tafel an das Hygienische Institut von den Rednern, Sr. Ma- gnifizenz dem Herrn Rektor der Landesuniversität, Prof. Dr. J e ß. Herrn Bürgermeister Dr. Hamm, Herrn Prof. Dr. G o t s ch l i ch, Heidelberg, und dem derzeitigen Direktor des Hygienischen Insti- n$trr°\ J3.1" noch einmal
Gaffkhs als Wissenschaftler und Mensch gedacht.
Im Wischluß an die Gedenkfeier hatte das Hygienische Institut die Teilnehmer zu einer wissenschaftlichen Demonstration und zur Desich. tlgung des Hygienischen Instituts eingeladen in dessen Räumen eine einfache Kaffeetafel für die Gäste vorbereitet worden war. Den Abschluß des ersten Verhandlungstoges bildete ein geselliges Beisammensein der Tagungsteilnehmer im Flug. Hafen-Cafe.
Am Rachmittag des zweiten Derhandlungs- tages folgt die Mikrobiologen-Vereinigung einer Einladung nach Bad-Rauheim. Dieser Besuch ist besonders der Besichtigung der dortigen wissenschaftlichen Institute gewidmet.
Mit dem dritten Derharrdlungstag am morgigen Freitag nimmt die 15. Versammlung der Deutschen Vereinigung für Mikrobiologie chr Ende. Dr. D.
Gießener Wochenmarktpreisc.
Gießen, 22. Sept. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter 100, Süßrahmbutter 130, Landbutter 130, Motte 25—30 Pf. das Pfund, Käse 5—10, Eier 9—10 Pf. das Stück, Wirsing 7—8, Weißkraut 5-7, Rotkraut 8—10,
904 gewirkt und sich besondere Der- das Gesundheitswesen in Hessen sowie um di« Förderung der sanitären Verhältnisse der Stadt Gießen erworben, die ihn bei seinem Schei- den zu ihrem Ehrenbürger ernannte. Die Um- versität Gießen, deren Rektor er im Jahr« 1894/95 gewesen ist, hat stets mit Stolz ihn zu den ihrigen gezaylt, ebenso wie er der Alma mater Ludoviciana öic Treu gehalten hat. Sein« Schüler haben ihm treue Anhänglichkeit über das Grab hinaus be
Gießen, den 22.September 1932.
Georg Gaffky zum Gedächtnis Gedenkwoite von Prof. Or. Poppe, Rektor der Universität Rostock, früherer Studierender der Ludoviciana.
Gelegentlich der Tagung der Deutschen Ver- einigung für Mikrobiologie ist eine von der Stadt Gießen gestiftete Gedenktafel für Georg Gaffky im Hygienischen Institut geweiht worden, zum Gedächtnis an den Mann, der an diesem Ort jahrelang gewirkt hat, und dessen Todestag sich morgen jährt. Alle, die ihm nähergestanden haben, werden sich dieses Mannes mit der größten Liebe und Dankbarkeit erinnern. Nicht zuletzt seine Gießener Schüler, die ihm die größte Hochschätzung für alle Zeiten bewahrt haben. .
Gaffky war kein Stürmer, sondern eine stille schlichte Gelehrtennatur, ausgezeichnet durch eine seltene Lauterkeit und Vornehmheit der Gesinnung. Güte, Menschenfreundlichkeit und Liebenswürdigkeit waren Charakterzüge die ihn uns Gießener Studenten besonders nahegebracht haben. Das Gefühl enger Verbundenheit von Professoren und Studenten hat gerade in Gießen immer bestanden: es darf daran erinnert werden, daß um die Jahrhundert- wende, um nur einige Namen aus der medizinischen Fakultät zu nennen, Bostroem, Ekhard, Geppert, Löhlein, Poppert, Riegel, Vos- lius, die Veterinärmediziner Pflug, Pfeiffer u.a. von den Studenten hochverehrt wurden. In Gießen hat Gaffky, wie er öfters versicherte, die glücklichsten Stunden seines Lebens verlebt. Wir alten Gießener die wir die Reize dieser Universitätsstadt kennengelernt haben, sind darin einig mit ihm. Diese Universität und Stadt waren für Gaffky der Ort, wo er seinen eigentlichen Wirkungskreis gefunden hatte, so daß es ihm nicht leicht geworden ift, nach Berlin als Robert Kochs Nachfolger überzu- siedeln. Nicht Ehrgeiz, sondern strengstes Pflicht- gefühl veranlaßten ihn, die Nachfolge eines Robert Koch als Direkto«- des Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin im Jahre 1904 anzutreten.
Gaffky, der aus der Sanitätsoffizierlaufbahn her- vorgegangen ift, war der älteste Schüler und Mitarbeiter von Robert Koch. Im Jahr« 1880 zum Kaiserlichen Gesundheitsamte kommandiert und 1885 zum Regierungsrat und Mitglied ernannt, wurde er 1888 an die Universität Gießen aus den ordentlichen Lehrstuhl für Hygiene berufen. Seine wichtigsten Forschungsarbeiten erstreckten sich auf die Aetiologie des Abdominaltyvhus — dessen Erreger Eberth- Gaffkyscher Bazillus genannt wurde — auf Desinfektion, die experimentell erzeugt« Septikämie, Milzbrandinf«ktion und Abschwächung des Milzbrandbazillus, Wurst- und Fleischvergiftung Infektionsgefahr durch ungekochte Milch. Sein Haupt- werk war di« unter Leitung von Koch durchgeführte Erforschung der Cholera und der Pest in Aegypten und Indien (1885 und 1897). Dies« Tätigkeit hat feinen Namen in der ganzen Welt bekannt gemacht und ihm für alle Zeiten in der internationalen Seuchenbekämpfung ein« hervorragende Stellung gesichert. Nächst Robert Koch und dessen anderen Schülern ist er einer ber Mitbegründer der modernen Bakteriologie und Seuchenbekämpfung ge- worden.
1 Gelb« Rüben 8—10, Rote Rüben 8—10, Spinat 15, Römischkohl 8, Anter-Kohlrabi 5—6, Tomaten 10 bis 15, Zwiebeln 8—10, Kürbis 5—6, Pilze 25—30, Kartoffeln 3,5 Pf. das Pfund, Kartoffeln per Zentner 3 Mk., Frühäpfel 15—25, Falläpfel 5—6, Dirnen 10—20, Dörrobst 30—35, Zwetschen 8—10, Honig 40—45, Pfirsiche 30—40, Brombeeren 20 bis 25, Preihelbeeren 30, Junge Hähne 70—80, Suppenhühner 60—80 Pf. das Pfund, Tauben 50 bis 60, Blumenkohl 30—60, Salat 8—10, Salatgurken 10—20, Endivien 10—15, Ober-Kohlrabi 5—8, Lauch 5—10, Rettich 10—12, Sellerie 10 bis 25 Pf. das Stück, Radieschen 10 Pf. das Bund.
Bornotizen.
— Lageskalender für Donnerstag: Kriegerverein Gießen, 20.30 Ahr, im Postkeller Monats-Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Lied einer Rächt".
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** Verlorener Dien st ausweis. Vom Polizeiamt Gießen wird mitgeteilt: Der Dienstausweis Nr. 5 des Polizeiverwaltungssekretärs Wilhelm Schäfer ist vor einigen Tagen in hiesiger Stadt verloren gegangen. Dieser Personalausweis berechtigte gleichzeitig zum Führen von Schußwaffen und war von dem Polizeiamt Gießen ausgestellt. Er wird hiermit für ungültig erklärt. Wir haben Schäfer
einen neuen Dienstausweis der die Nr. 99 trägt, ausgestellt.
** Fe st genommene Aepfeldiebe. Das Polizeiamt Gießen teilt mit: In der Rächt zum 21. September wurden vier Personen in der Gemarkung Bieber von dem dortigen Rachtwachter beobachtet, als sie mit zwei Leiterwagen etwa 10 Zentner Aepfel nach Gießen verbringen wollten. Der Rachtwächter verfolgte die Männer unauffällig und teilte der Polizei Gießen den Sachverhalt mit. Die vier Personen konnten in der Frühe beim Eintreffen in Gießen feftgenommen und nach dem Polizeiamt verbracht werden. Es stellte sich heraus, daß die Aepfel in den Gemarkungen Bieber und Königsberg gestohlen waren.
** Straßensperrung. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Bauarbeiten am Straßenbahngleis Ecke Bahnhofstraße—Marktstraße sind am 28. und 29. September 1932 nachstehende Straßen für den Durchgangsverkehr mit Fahrzeugen aller Art polizeilich gesperrt: die ganze Marktstraße, die Bahnhofstraße von Kaplansgasse bis Neustadt und die Neustadt von Tiefenweg bis Marktstraße. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten. Den Anliegern der gesperrten Straßen ist die Zu- und Abfahrt gestattet.
Eine Brücke wir- umgebaut.
Oie Klein-Lindener Lteberführung in neuer Gestalt. — Eine Großtat der Technik und der Organisation.
Wohl jedermann in Gießen und der näheren Umgebung der Stadt kennt die Aeberführung an der Frankfurter Straße: sie ist wie viele anderen an jenen Stellen, da Eisenbahn und Landstraße sich kreuz«n. Die Aeberführung ist unterteilt in Fahrbahn und in zwei Bürgersteige. Auf jeder Seite trennt je eine Säulenreihe den Bürgersteig von der Fahrbahn: die Säulen aber stützen die Doppel-BÄräger, die ihrerseits die Schienenstränge tragen.
Acht Schienenstrange führen über diese Brücke: täglich fahren 90 bis 100 Züge über diese Aeberführung nach Frankfurt, von Frankfurt nach Gießen, hin und her in beiden Richtungen, hinaus in deutsche Gaue. Schwere Lokomotiven wuchten über die Aeberführungsbrücke, schwere Güterzüge fahren täglich, ja stündlich, darüber, Personenzüge, D- und r D-Züge passieren sie und stellen hohe Anforderungen, denen die Gisenkon- struktion wohl gewachsen war, vielleicht war sie aber vor Jahrzehnten für eine so starke Beanspruchung (wie sie der steigende Verkehr mit sich brachte, nicht berechnet. Die Forderung der absoluten, der garantierten (gewissermaßen der zahlenmäßig auszudrückenden) Sicherheit erheischte den Umbau und die Verstärkung der Träger für die Schienenstränge an dieser Stelle. Zweifellos hätte sich sonst die Reichsbahn nicht zu diesem Umbau entschlossen, der, dem Umfang der Arbeiten nach zu vermuten, nicht unbedeutende Summen erfordern dürfte.
Und nun stelle man sich vor:
Diese Aeberführung (die, wie schon erwähnt, acht Schienenstränge trägt) wird umgebaut, in vollständig neuer Konstruktion ausgefuhrl, ohne daß der umfangreiche Zugverkehr auch nur im geringsten unterbrochen wird.
Das ist das Außerordentliche! Es wird mit raffiniert ausgeklügelter Systematik gearbeitet. Die technische Leitung des Umbaües muß im engsten Einvernehmen mit der Dahnhossleitung und den einzelnen Befehlsstellen wirken. Das Höchstmaß an Sicherheit muß gewährleistet sein und ist gewährleistet. Die Arbeiten selbst sind (bedingt durch räumliche Beschränkung) sehr schwierig, für die Dahnhossleitung gilt es, Einschränkungen zu bewältigen, da meist der Verkehr von zwei aufgelösten Gleisen umgeleitet werden muß.
Seit zwei Monaten ist man mit dem Umbau
beschäftigt. Eine Stützfäule (der alten Brücke) nach der anderen fiel. Die alten schwächeren Doppelt B-Träger wurden völlig entfernt. Das Backstein- mauerwerk, auf dem bisher die Trägerkonstruktion ruhte, wird in seinem oberen Teil ausgebrvchen und durch stark eifenarmierten Beton ersetzt.
Die neuen Träger, höher, kräftiger als die alten, werden an Ort und Stelle aus einzelnen Teilen montiert, vernietet und dann als Ganzes durch zwei große Krane (zwischen den Gleisen aufgestellt) über die ganze Straßenbreite auf die Betonlage aufgebracht
und verbunden. Ein schweres Stück Arbeit, diese- riesige Werkstück zu transportieren! 16 derartige Träger gilt es aufzubringen.
Die Hälfte des alten Viadukts ist gefallen und auch schon neu erstellt. Ter kleinere Teil steht noch. Ein anderer Teil ist in Arbeit. Der neuerstellte Teil der Brücke leuchtet im Zinnoberrot der Rostschutzfarbe, der Grundierung. Die Züge rattern bereits darüber.
Man hofft, daß in weiteren zwei Monaten der Verkehr wieder ohne Umleitungen aufgenommen werden kann. In zwei Monaten soll der Umbau vollendet sein. Die Fahrgäste der Reichsbahn, die dieses Viadukt im Zuge passieren, werden (wenn sie nicht zufällig die Arbeitenden sehen) von der ganzen großen Aktion kaum etwas bemerkt haben.
Richt zuletzt soll daran gedacht sein, daß die Reichsbahn durch die Ausführung dieses Umbaues vielen Arbeitern — etwa 50 Mann sind beschäftigt — für Monate Derdienstmöglichkeit gibt.
Erwähnenswert ist ferner, daß das Viadukt in seiner neuen Gestalt ausgezeichnet aussieht.
Die Brücke verkörpert in ihrer klaren Linienführung moderne Technik, der eine eigene
Schönheit nicht abzusprechen ist.
(Gleichwohl diese Schönheit vom Zweck bestimmt ist--
Für die Eisenkonstruktion ist eine Firma aus Reuß verantwortlich, mit den umfangreichen Eisenbetonarbeiten ist eine Höchster Firma betraut. Bauleitung: Reichsbahnbauinspektor Victor, Gießen.
Wer in diesen Tagen Gelegenheit hat, in der Rähe der Baustelle zu sein, sollte nicht versäumen, diesem Umbau einige Aufmerksamkeit zu schenken.
Aus aller Well.
Arbeitsgemeinschaft akademischer Berufsverbände.
Den akademischen Berufsverbänden fehlte bisher ein wirkungsvoller Zusammenschluß. Nun- mehr hat sich im Rahmen des „Schuhkartells deutscher Geistesarbeiter", das seit Jahren für die geistigen Schichten eintritt, eine „Arbeitsgemeinschaft akademischer Berufsverbände" gebildet, zu der die großen Verbände gehören, und zwar: der Reichsbund der höheren Beamten, die Verbände der Aerzte, Anwälte, Volkswirte und die Bünde der akademisch gebildeten Angestellten in Industrie und Landwirtschaft. Um die Verbindung der alten und jungen Generation lebendig zu gestalten, ist auch die Deutsche Studentenschaft angegliedert. Die Arbeitsgemeinschaft will besser, als es durch die bisherige gelegentliche Zusammenarbeit möglich war, das akademische Be- russethos pflegen, die gemeinsamen Werte der akademischen Berufe Herausstellen, für die rechte Bewertung der akademischen Arbeit eintreten, die Belange der Akademiker in Staat und Wirtschaft vertreten und insbesondere in der jetzigen Rotzeit für die Regelung der ernsten Rachwuchsfrage sich einsetzen und damit der großen akademischen Derufsnot entqegen- wirken. Ein Ausschuß arbeitet „Forderungen zur Behebung der akademischen Berufsnot" aus, die in der nächsten Zeit der Oeffentlichkeit übergeben werden. Die Arbeitsgemeinschaft will keine neue Organisation mit neuen Beiträgen fein, sondern nur den schaffenden Organisationen verstärkte Wirkung durch gemeinsames Handeln sichern.
Rekordfahrt des Luftschiffs „Graf Zeppelin".
Das Luftschiff „G r a f Z e p p e l i n" ist von seiner Fahrt nach Südamerika zurückgekehrt und in Fried- richshafen glatt gelandet. Das Luftschiff hat diesmal eine Rekordfahrt hinter sich: die Strecke Pernambuco—Friedrichshafen wurde in 67 Stunden 30 Minuten zurückgelegt.
Selbstmord
des ehemaligen britischen Henkers John Ellis.
Der ehemalige Henker John Ellis hat, wie aus London gemeldet wird, dieser Tage in Rochdale to e! b )t m o r o begangen, in dem er sich die Kehle mit einem Rasiermesser durchschnitt. Er hatte bereits vor acht Jahren einen Selbstmordversuch gemacht. Ellis hat wahrend feiner Amtstätigkeit von 1901 bis
1924 insgesamt 2 04 zum Tode Verurteilte gehängt. Unter ihnen befanden sich neben bekannten Verbrechern auch der während des Krieges zum Tode verurteilte irische Nationalist Sir Roger C a s e- ment und mehrere Teilnehmer an dem irischen Aufstand.
Australienflieger Bertram wieder gestartet.
Das Flugzeug des deutschen Piloten Bertram, der vor Monaten in der australischen Wildnis eine Rotlandung vornehmen und mit seinem Begleiter Elausmann ungeheure Strapazen durchmachen mußte, ist nach einer Meldung Berliner D älter aus Perth (Australien) nunmehr wieder slottgemacht worden. Bertram hat dieser Tage den Ort der Rotlandung verlassen und ist mit der Maschine nach der Stadt B r o o m e in Westaustralien geflogen. Sein Begleiter Cläus- mann befindet sich noch immer in einer Nervenheilanstalt, in die er vor wenigen Wochen gebracht wurde, da seine Rerven infolge der ausgestandenen Strapazen vollkommen zerrüttet waren.
Zwölfjährige Geisteskranke als Brandstifterin.
Das Dorf Silberhausen im Bezirk Kyssel ist von einer unheimlichen Brand st istungs- epidemie heimgesucht worden. Innerhalb von wenigen Wochen wurden dort sieben große Bauernhöfe mit Scheunen und Maschinenhallen völlig eingeäschert, ohne daß man des geheimnisvollen Brandstifters habhaft werden konnte. Dank der energischen Fahndungsaktion, an der sich Landjäger und Einwohner gemeinsam beteiligten, ist es nunmehr gelungen, kurz nach dem siebenten Brande den Brandstifter in der Person eines zwölfjährigen geisteskranken Mädchens, das in Silberhausen bei seinen Pflegeeltern wohnte, zu ermitteln. Das Mädchen hatte in den Nachtstunden das Haus der Pflegeeltern heimlich verlassen und aus' krankhafter Lust am Schein des Feuers die Brände angelegt. Das Mädchen ging dabei so raffiniert ans Werk, daß es mehrere Wochen dauerte, bis man fein Treiben aufdecken konnte.
Schmuggler im panzeranko.
Den Beamten des Zollkommissariats Straelen und Geldern (Rheinprovinz) gelang es dieser Tage, ein gepanzertes Schmuggler-


