Ausgabe 
22.7.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Der Raub her Mona Lisa.

Oer frechste Diebstahl der Welt.

Don Professor Or. Emil Waldmann, Direktor der Äremer Kunsthalle.

Wie vor 20 (Zähren Leonardos berühmtes Bild der Mona Lisa aus dem Louvre gestohlen wurde, erfuhr man, als es im Jahre 1913 dann wieder aufgefunden und der Dieb Perugia zu drei (Zähren Gefängnis verurteilt ward. Was man damals nicht erfuhr, war der Grund des Diebstahls. Denn ein so weltberühmtes Kunstwerk kann man im normalen Kunsthandel ja nicht au Geld machen, weil es jeder kennt und keiner kauft. Der erste Versuch dieses törichten Diebes Perugia, das Ding loszuschlagen, ist ja auch gescheitert.

Heute, 20 (Zahre später, erfährt man den wah­ren Grund und den eigentlichen Hintergrund dieser bisher halbdunkel gebliebenen Geschichte: der Mar­chese be Valfierno ist vor einigen Monaten gestorben und nun dürfen die Wissenden reden.

Der amerikanische Schriftsteller Karl Decker, dem man die Verantwortung für die Echtheit der Beichte" seines Bekannten, jenes Marchese, über» lassen muh hat die Angelegenheit soeben in einer amerikanischen Wochenschrift enthüllt. Der Marchese de Valfierno hieß ursprünglich einmal anders:Markgraf vom Tal der Hölle" heißt auch kein Unbescholtener von Haus aus. Wie er aber wirklich hieß, sagte er nicht, er hatte es über seinen vielen anderen Rarnen auch wohl selbst ver­gessen. Er war ein Abenteurer ganz großen Stils und hätte Frank Wedekind statt des dänischen Malers Willy Gritor ihn zum Urbild für seinen Marquis von Keith" genommen, so Kirnte man vielleicht heute dieses Stück noch lesen. 3n Buenos Aires und Marokko, in Mexiko City und Paris war er der gewandteste Schieber in Grundstücken und Minenwerten und allem Möglichen.

Als er in Argentinien den französischenDll- derrestaurator" Chaudron kennengelernt hatte, witterte er Gold. Er las in den Zeitungen von Buenos Aires die Todesanzeigen und bestimmte die trauernden Witwen verstorbener Reicher, ir­gendwelchen heimatlichen Dorfkirchen des großen Landes eine Madonna von Murillo für das See­lenheil zu stiften. Chaudron war auf Murillo ein- I gearbeitet. Als es keine Dorfkirchen in Argen- |

tinien ohne Murillo mehr gab, gingen die Beiden nach Mexiko. Da hing in einer Kirche ein echter oder wenigstens für echt gehaltener und exper- tifierter Murillo über einen Altar. Den kopierte Chaudron immer wieder, die Kopie wurde jedes, mal hinter das Original geheftet. Reiche Leute von diesseits und jenseits des Rio Grande wur­den angelockt. Der Marchese erzählte ihnen, die Kirche müsse verkaufen, aber er würde schon da­für sorgen, daß dann gleich eine Kopie in den alten Rahmen geschmuggelt würde: in dem Halb­dunkel der Kirche merke das kein Mensch. Die Käu­fer sollten aber, um ganz sicher zu gehen, die Rückseite des Altarbildes mit einem Stempel oder ihrem Namenszug versehen. Das taten sie auch. Rur, daß sie jedesmal die bereits hinter das Original geheftete Kopie markierten, wußten sie nicht. Damit haben die Beiden viel Geld ver. dient.

Der Restaurator Chaudron kannte alle Tricks der Dilderfälschung: die Sprünge in der Forb- schicht und im Firnis machte er mit Heißluft aus Föhn-Apparaten, den Fliegenschmutz brachte er mit einer Spritze mit Kaffeesatz an und so wei­ter. Den Verkauf übernahm der Marchese, der sich hierbei einen sehr großen Bekanntenkreis er­warb. Schließlich aber kann man nicht dauernd von Murillos leben und zudem fürchtete Chaudron, er verdürbe sich dabei seinen Stil und würde rna- niriert.

So zogen sie nach Paris. Der Marchese sam­melte reiche Kunstfreunde aus allen 48 Staaten der Union, und als er ein halbes Dutzend bet- Anander hatte, kopierte Chaudron sechsmal die Mona Lisa. Run ist aber der Louvre keine mexi- kanische Kirche. Daß man dort das weltberühm- teste Bild unbemerkt durch eine Kopie ersetzen könne, kann man keinem Bewohner des mittleren Westens einreden. So blieb also nichts anderes übrig, als das Original verschwinden zu lassen ehe die sechs Fälschungen drüben abgeliefert waren.

Dies gelang auch. Am Montag, 21. Aug. 1911 wo der Louvre, wegen Reinigungsarbeiten für das Publikum geschlossen war, ward das Bild durch Perugia, ein Mitglied der Bande deS Mar­chese gestohlen, und erst am Dienstag, den 22., nachmittags, wurde das Fehlen des Bildes be­merkt, von dem man bis dahin geglaubt hatte, es sei am Montag nur eben in die Photographen^

Werkstatt des Louvre-Museums gebracht worden, wie das Montags oft mit Bildern geschah. Peru­gia und zwei Helfershelfer hatten sich am Sonn­tag in einem Abstellraum der Galerie verborgen, tzvgen am Montagmorgen weiße Arbeiterkittel über und nahmen das Bild ungestört von der Wand. Es war, mit Rahmen, Rückplatte und Spiegelscheibe 200 Pfund schwer, und deshalb lie­ben sie dies alles in einem Dinnenhvfe stehen, und machten sich dann mir mit der Holzplatte auf welche die Mona Lisa gemalt war, in einem Auto davon in die Wohnung des Marchese deDal- fierrro, auf dem linken Seine-Ufer.

Als dann die Rachricht von dem frechsten Dieb­stahl der Welt über den Erdball telegraphiert wurde wußten die sechs einander unbekannten amerikanischen Kunstfreunde, was das zu bedeu­ten hatte, und zahlten. Chaudron war selbst über­rascht über die Höhe der Preise, die seine Arbeit erzielte. Ratürlich hatte der sehr welterfahrene Marchese niemals auch nur einen Augenblick daran gedacht, auch das Orginal noch zu verkaufen. Es hatte eben nur verschwinden müssen. Und es wäre auch alles gut gegangen, wenn nicht der auch sehr anständig entlohnte Perugia, anstatt dau­ernd von seinem Lohn als Lebemann an der Rie- Diera u leben, wie er es anfangs tat, auf die Idee g.kommen wäre, aus der Mona Lisa noch mehr Geld zu machen. Er fuhr nach Paris, stahl sie seinem Arbeitgeber und fuhr über die Grenze. 2118 man ihn erwischte, verriet er den Marchese und seine Freunde mit feinem Wort. Er meinte: lieber drei Fahre im Gefängnis als fein ganzes Leben lang tot

Tonfilm: »Rasputin-».

Die unheimliche Gestalt des russischen Bauern- mönches hat immer wieder noch über fein schreck­liches Ende hinaus die Gemüter bewegt und die Phantasie der nachgestaltenden Chronisten beflügelt. Erst in letzter Zeit ist man, durch die verschiedenen Affären des Fürsten 9uffupoff, an diesen Mann erinnert worden, der eine der merkwürdigsten, zwie- spältigsten und rätselhaftesten Erscheinungen der russischen Geschichte gewesen sein muß. Der Film zeigt den phantastischen Aufstieg Rasputins aus der winterlichen Einöde des Dorfes Poskrowskoje zu Glanz und Machtfülle im kaiserlichen Petersburg, wo ihn, den mächtigsten, zugleich geliebtesten und

Menge unter Drohungen und Tätlichkeiten umringt. Gleichzeitig wurde aus der Menge scharf geschossen, wobei einem Polizeiwachtmeister die Hand durch­schossen wurde. Dem ergangenen Befehl Sttahe frei! kam die Menge nicht nach, sondern setzte sich mit Fahnenstangen, Zaun­latten usw. zur Wehr. Einige Polizei­beamte, die besonders schwer bedrängt wurden, griffen jetzt zur Schußwaffe. Hierbei wurden der Arbeiter Adam Albus tödlich und zwei weitere Personen erheblich verletzt. Die beiden Verletzten hofft man am Leben zu erhalten.

Oie ASOAp.-Kandidaien für Heffen-Raffau.

WSR. Frankfurt a. M., 7. 3uli. 3m Wahl­kreis 19 (Hessen-Rassau) stellt die RSDAP. fol­gende Kandidaten zur Reichstagswahl: 1. 3akob Sprenger, Oberpostinspektor, Frankfurt a. M.; 2. Fritz Weitzel, Schlosser, Frankfurt a. M.: 3. Walter S e i d le r , Landwirt, Landershausen: 4. Karl Linder, Ober steuer sekre tär, Frankfurt a. M.: 5. Oberstleutnant von Ulrich , Kassel: 6. Hans Oberlindober, Kaufmann, Mün­chen: 7. Fritz Schmidt, Schlosser, Kassel: 8. Adolf Heinz B e ck e r l e, Diplom - Volkswirt, Frankfurt a. M.; 9. Fritz Lengemann, Bu­re auangestellter, Kassel: 10. 3ohannes Puth, Landwirt, Wachenbuchen: 11. Dr. Hans Lom - m e l, Arzt, Rod a. d. Weil: 12. Paul Hoppen­rath, Kaufmann, Kassel: 13. Wilhelm Thiele, Kriegsinvalide, Biedenkopf: 14. Hans Kra- wielih ki, cand. jur., Marburg: 15. Walter Heyse, Diplom-Volkswirt, Frankfurt a. M.; 16. Emil Wißner, Handlungsgehilfe, Mar­burg: 17. Heinrich Osterhold, Landwirt, Sach­senhausen.

Der neue Kurs in Italien.

Grandi wird Botschafter in London.

London, 21. 3uIL (WTD.) Die italienische Regierung lieh heute offiziell anfragen, ob Grandi als Botschafter in London persona grata fein würde. Diese Frage wurde bejaht.

Zum Rücktritt Grandis schreibtTimes": Grandi sei in 3talien allmählich in den Ruf ge­kommen, unangebracht versöhnlich und ohne besondere Energie zu arbeiten. Die Lausanner Konferenz sei für ihn d e r l e tz t e Schlag gewesen, der Grandi nach Ansicht vieler 3taliener hauptsächlich von Großbritan­nien zugefügt wurde, auf dessen Freund­schaft er sich in hohem Maße verlas- s e n habe. Die enge Zusammenarbeit Englandsund Frankreichs in Lausanne, aber noch mehr die Behauptung Herriots, daß die Entente cordiale in alter Stärke wie-

zwar den Weg der vollkommenen Selbständigkeit nach einem eigenen Aufbauplan, in dessen Rahmen die 3nter- essen und Rechte 3taliens gewahrt würden zur Erlangung einer besseren Gerechtigkeit für 3ta- lien. Anzeichen dafür, wie delikat die Lage geworden fei, könne man an den Er­

gebnissen der Lausanner Konferenz und an Lern europäischen Vertrauensabkommen sehen, von dem das wird in Klammern betont -»noch nicht ganz klar ersichtlich sei, wie es funktio- nieten könne und Das möglicherweise schon begraben sei, bevor es überhaupt wirksam werden konnte.

LröffnungderJriWenRei-MselenzinOttawa

Baldwin legi die Ziele Englands dar.Belebung des Handels durch Senkung der Zollschranken innerhalb des Reichs.

Ottawa, 21. Juli. (WTB.) Die Reichswirt« fchaftskonserenz 1932, die d i e Vertreter des britischen Mutterlandes und aller Dominions im weitesten Sinne, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Irischer Frei­staat, Neufundland, Indien und Süd-Rhodesien zu einer der denkwürdigsten Beratungen in der Ge­schichte des britischen Weltreiches vereinigt, wurde heute vormittag, 11 Uhr, im Unterhaus des kana­dischen Parlaments mit großer militärischer und ziviler Prachtentfaltung eröffnet. Im Lichte von Scheinwerfern verlas Generalgouoemeur Lord Beßborough vom Thron des Sprechers im Unterhaus zu Beginn die Eröffnungsbot­schaft des Königs.

Der kanadische Ministerpräsident Benett sprach für die Botschaft des Königs den Dank der Ver­sammlung aus, deren Mitglieder sich (einschließlich der Iren) erhoben und einer Antworta-dresse an den König zustimmten. Kanada, so sagte Benett weiter, wolle England eine Erweiterung der Zoll­st e i l i st e, die Beibehaltung der bisherigen Vor­zugszölle und ihre Vermehrung durch eine Sonder- liste von Arttkeln Vorschlägen, die England ohne Schädigung der kanadischen Industrie besonders gut an die kanadischen Märkte liefern könne. Als Ge­genleistung erwarte Kanada von England die Bei- behaltung der bestehenden Vorzugszölle und eine erweiterte Anwendung auf kanadische Natur- und Halbfertigfabrikate, die England einführe.

3m Rainen der englischen Regierung betonte Dann

Baldwin

Die große Erwartung, Die man im ganzen eng­lischen Weltreich auf die Konferenz setze. Die wirk­liche Bedeutung von Ottawa liege darin, daß man an Dem Punkte angekommen sei, wo sich Die Wege trennten. Der eine führe zur Entwick- lungderreinnationalen3nteressen, ver andere aber zu einer engeren Einheit des Weltreichs. 70 v.H. des Weltreichshan­dels wickelten sich noch mit Dem Auslande ab und nur 30 v.H. entfielen auf Den Handel

inner halbdesWelt reiches. Offensichtlich böten sich reichliche Gelegenheiten zur Vermeh­rung des Weltreichshandels. Tie Wiederbelebung könne vielleicht schneller kommen, als man glaube. Wenn ein jeder zur gemeinsamen Sache das bei­trage, was ohne Schädigung der nationalen 3n- teressen geschehen könne, müsse sich dies letzten En­des in einer Vermehrung des Weltteichshandels auswirken. Das sei angesichts der Weltkrise die wichtigste Frage der Konferenz. 3hre Klärung werde sich wohltuend auf den Welt­handel und die Preise Der Rohmaterialien aus­wirken. Hierzu sei vor allem Die Wiederher­stellung des Vertrauens nötig. Baldwin sprach die Hoffnung aus, daß es möglich sein werde, die Vorzugstarife innerhalb des Reiches auszudehnen, betonte aber, Daß dies nicht Durch Erhöhung, sondern durch Senkung der Schranken gegenüber anderen Ländern geschehen Dürfte: denn das Britische Reich könne sich nicht von Der Welt abschließen. Das Vereinigte König­reich sei bereit, an jedem praktischen internationa­len Plan zur Wiederherstellung normaler Welt­marktpreise mitAuarbeiten. 3n diesem Sinne for­derte Baldwin die Aufhebung der Handelsschran­ken wie Kontingentterung und Devisenbefchrän- kung, auch forderte er die Lösung der Reparattons- und Schuldenfrage sowie die Herabsetzung von Steuern und Zinssätzen. Der völlige Freihandel unter den Reichsteilen werde allerdings nicht mög­lich sein.

Südafrikas Finanzminister Havenga er­klärte. daß Südafrika nicht die Theorie eines in sich abgeschlossenen und isolierten Britischen Reiches unter­schreibe. Keines der Mitglieder des Britischen Reichs, am wenigsten das Bereinigte Königreich selbst, könne durch den Handel mit dem briti­schen Gemeinwesen allein bestehen. Havenga schloß mit der Bemerkung, die Konferenz von Ottawa könne in großem Maße zur allgemeinen Erholung beitragen.Lausanne hat den Prozeß emgeteitet, möge ihn Ottawa durch das nächste Stadium tragen.

$IufiCTM)oIitif insbesondere gehe »auf einen praktischen Erfolg der Konferenz be- wohlbekannten Weg weiter, so betont zeichnet. Die Entschließung rechtfertige die so

vielfach geäußerten Prophezeiungen auf einen

Litwinow übte scharfe Kritik an der 23er- tagungsentschließung, die er als eine bittere Enttäuschung aller Hoffnungen der Völker

denselben wohlbekannten Weg weiter, so betont das halbamtlicheGiornale b3 talia", und

Auch die römische Presse unterstreicht, daß Die Grundlinien der italienischen Politik durch den Ministerwechfel keinesfalls geändert würden, ~ ' ...... '

der hergestellt sei, hätten nicht nur Mißtrauen, sondern auch Befürchtungen erregt. Wenn es auch keineswe^ wahrscheinlich sei, daß Gran­dis Rücktritt eine wesentliche Aenderung der italienischen Außenpolitik bringen werde, so sei doch anzunehmen, daß vielleicht bei manchen Gelegenheiten eine energischere Sprache geführt werde.

DerExcelsior" veröffentlicht eine Unterr e b u n g mit Mussolini. Der Duce wehrte sich Dabei vor allem gegen die Behauptung, daß eine Aenderung der bisherigen Außenpoiiiik Italiens beabsichtigt sei. Das Prinzip, von Zeit zu Zeit die Führer zu wechseln, sei ein Bestand­teil der Theorie Des faschistischen Staates. Die Bor­telle einer gelegentlichen Umbesetzung lägen beson­ders darin, daß sie die E r z i e h u n g. j u n g e r Leute ermöglichten, aus der die Regierung jederzeit ihre Führer schöpfen könne. Alle Minister, die jetzt ersetzt worden seien, hätten in ihrer Re­gierungsarbeit eine hervorragende A r - beit geleistet. Dieses gelte insbesondere von Grandi, mit dem er acht Jahre zusammengear. beitet habe. Er habe auch die Absicht, alle mit neuen Posten zu betrauen.

Letzte Aussprache in Genf.

Deneschs Vertagungsentschließung. - Deutschland und Italien halten sich fern

Genf, 21. 3uli. ($11.) Die mit großer Span­nung erwartete Schluhausspräche im Hauptaus­schuß der Abrüstungskonferenz begann am Don­nerstagnachmittag. Herriot, Simon, Dalbo und Radolny find anwesend. Zunächst entschul­digte sich Henderson bei Litwinow toegen des gestrigen Zwischenfalls. Zur Ver­handlung gelangt sodann die große Dertagungs- entschliehung der Großmächte. Die sowjet­russische Abordnung hat eine Reihe von Abänderungsanträgen eingereicht, die yus der Grundlage des Hooverplanes eine Herab­setzung auf 33'/z v. H. sämtlicher gegenwärtiger Luft-, Land- und Seerüstungen fordert, sich je­doch nicht auf die kleinen und die bereits nach internationalen Verträgen abgerüsteten Staaten b^ieht. Die sowjetrussischen Anträge stehen da­mit im schroffsten Gegensatz zu der DertagungS- entschließung Deneschs.

erfolglosen Ausgang der Konferenz. Die Er- tlärung über die Sicherung des Friedens in der Präambel der Entschließung werde durch den 3nhalt der Entschließung aufgeho­ben. Die Entschließung stehe im schroffsten Gegensatz zu dem Konferenzbeschluh, der eine 5)erabfetjung der gegenwärtigen Rüstungen auf em Mindestmaß fordere. Keine einzige Ziffer sei in der Entschließung enthalten, ßit- winow kritisiert zum Schluß scharf die bisher von den Großmächten angewandten Mittel, d i e übrigen Mächte ohne Zuziehung zu ihren Beratungen vor vollendete Tatsachen zu stellen und erklärt, daß seine Regierung aus allen diesen Gründen die Vertagungsent- schliehung ab lehne.

Der italienische Luftfahrtminister Dalbo, einer der engsten Mitarbeiter Mussolinis und seit der gestrigen Kabinettsumgestaltung' Führer der italienischen Abordnung, gab dann unter größter Spannung eine ungewöhnlich deutliche Erklärung ab, die ebenfalls die Ablehnung der Vertagungsentschliehuna Deneschs darstellte. Dalbo erklärte, daß er an Der Abstimmung über die einzelnen Teile sowie an der Gesamt­

abstimmung nicht tetlnehme, -a Die Halte* nische Regierung die bisherigen Arbeiten de« Konferenz als erfolglos ansehe.

Botschafter R a d o l n y erklärte, daß die deutscheAbordnungander Durchbera­tung der Abstimmung der einzelnen Teile der Entschließung ebenfalls nicht teilnehme und ihren grundsätzlichen Standpunkt vor Schluß der Aussprache bei der Schluß- abstimmung abgeben werde.

Es kam bann zu einem neuen scharfen Zusammenstoß zwischen Henderson und Litwinow. Präsident Henderson stellte den Ab- änderungsantrag Litwinows zu der Präambel, nach dem im Gegensatz zur Dertagungsentschliehung die Annahme des Hoooervorschlages auf eine Herabsetzung aller Rüstungen um ein Drittel vorgeschlagen wird, in der Form zur Abstimmung, daß lediglich über die Präambel der Dertagungs- entschließung als solche abgestimmt werden sollte. Litwinow protestierte aufs schärfste gegen diesen allzu offensichtlichen Versuch, eine Stellung- nähme der einzelnen Mächte zu seinem auf dem Hooveroorschlag aufgebauten Antrag zu vermeiden. Heber die wiederholten heftigen Proteste Litwinows ging Henderson glatt hinweg. Die Abstimmung über die Präambel verlief in größter Unruhe und Lärm und verlor sich schließlich in vollständigem Wirrwarr. Nach längerer Zählung stellte Henderson fest, daß 30 Stimmen für die Aufrecht- erhaItung der Präambel, wie sie im Vor- chslag vorgesehen ist und fünf Stimmen dagegen bei 16 Stimmenthaltungen abgegeben worden seien. Die Vertreter Deutschlands, Italien und zahlreicher kleinerer Mächte enthielten sich der Stimme.

Dei der Beratung des 2. Teiles der Entschlie­ßung über die Lufttüstungen forderte der Schwei­zer Bundespräsident M o t t a im Ramen der neun Mächte Belgien, Dänemark, Spanien, Norwegen, Holland, Polen, Schweden, Tschechoslowakei und Schweiz in einer großen Rede die unbedingt not­wendige vollständige Abschaffung deS Bombenabwurfes während der 2. Phase der Abrüstungskonferenz. Der englische Außenmi­nister Simon erklärte, daß eine Abschaffung der Militärluftfahrt und ein Verbot des Bombenab­wurfs ohne gleichzeitige internatio­nale Kontrolle der Zivilluftfahrt ausgeschlossen sei. Der Vertreter llngarns, Graf Apponhi, lehnte gleichfalls den vorlie­genden Text des Abkomm en sentwurfes ab. Der sowjetrussische Außenkommissar Li t w i n o w brachte wiederum einen Aoanderungsanttag ein, der in schroffem Gegensatz zu der Denesch-Ent- schließung das vollständige Verbot der Militär­luftfahrt fordert.

Das Ergebnis der fünfstündigen Aussprache zeigt, daß unter dem Einfluß Englands, Frank­reichs und der Vereinigten Staaten die Mehr­heit des Ausschusses entschlossen ist, den Vertagungsanttag Benesch in der vorliegen­den Form anzunehmen. Durch das rein ge- schäftsordnungsmähige Manöver sind ferner die auf dem Hooverplan aufgebauten sowjettussischen Anttäge abgewiesen worden.

Aus aller Welt.

Die nächsten THiniffCTreben im Rundfunk.

Drei Ministerreden sind für die nächsten Tage vorgesehen. Freitag, 22. Auli, um 19 Uhr, spricht der kommissarische preußische Staatsmini­ster des 3nnern Dr. Bracht. Am Sams­tag, dem '23. 3uli, um 19 Uhr, spricht der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Freiherr v. Braun, und am Dienstag, dem 26. 3uli, um 20.05 llhr, spricht der Reichs­wehrminister General v. Schleicher. Sämt­liche Reden werden von allen deutschen Sendern übernommen.

Ein Sägewerk abgebrannt.

Das Sägewerk Gunreben wurde nach einer Mel­dung aus Bamberg durch Großfeuer ein« geäschert. Zwei Wohnhäuser, auf die das Feuer bereits übergesprungen war, konnten nach ändert-, halbstündiger schwerer Tätigkeit gerettet werden. Zahlreiche Maschinen wurden vernichtet. Der Scha­den beläuft sich aus rund 250 000 Mark. Die Ent­stehungsursache des Brandes ist noch nicht geklärt.

verhaßtesten Mann im alten Rußland ein Schicksal ereilt, dem auch seine menschlichen und übermensch­lichen Kräfte nicht gewachsen waren. Rasputin ist in diesem Film Conrad V e i d t, dem immer, so sehr er sich auch selber dagegen gesträubt hat, der Ruf einesdämonischen" Schauspielers voranging: kein Zweifel, daß ihm die Rolle außerordentlich liegen mußte, auch daß er sich vor jeglicher lieber« treibung und naheliegenden Zugeständnissen an ein ihm peinliches RenommL und den Publikums- geschmack gehütet hat: ihn interessierten die völlig gegensätzlichen Wesenshälften Rasputins, und indem er diese sichtbar macht, erklärt er zwanglos beides den rasenden Aufstieg und das unabwend­bar graujame Ende seines Mannes. Die Regie (Adolf Tr o tz) arbeitet mit beträchtlichem Aufwand, bemüht sich geschickt, der Handlung ihre eigentüm­liche, landschaftlich-nationale Atmosphäre zu geben, bringt Massenszenen in lebendiger Bewegung und gliedert den szenischen Ablauf in impressionistisch knappe, kurz abbrechende und schnell übergreifende Bildgruppen. Im großen Ensemble behaupten sich neben Veidt Carl Ludwig Diehl (Iussupoff), Charlotte Ander (Musja) und Brigitte Harney (Luscha): von den übrigen sind Theodor Loos (Pope), Heinrich H e i l i n g e r (Petroff) und Paul Otto (Zar) heroorzuheben. Der Film läuft mit einem abwechslungsreichen Beiprogramm seit gestern im Lichtspielhaus.r

Die böse Sieben.

3n den Spiel-Kasinos an der Riviera zeigt sich jetzt eine besondere Abneigung aller derer, die ihr Glück versuchen, gegen die Zahl sieben- Die böse Sieben" war ja bisher in der Hauptsache auf die Bezeichnung einesWeibsteufels" be­schränkt. Run aber tritt in den Spielsälen diese Zahl an die Stelle der bisher so arg ver­schrienen 13. Als Grund dafür wird angegeben, die 7 habe ihre Gefährlichleit dadurch bewiesen, daß alle Tragödien Frankreichs in diesem 3ahre am 7. eines Monats sich ereignet haben: Am 7- 3anuar starb der Kriegsminister Maginot. Am 7. März starb Driand. Am 7. Mai wurde Präsi­dent Doumer ermordet. Am 7.3uli erfolgte der Untergang des französischen Unterseebootes Promsthee". Die UnglüdSfälle haben sich an jedem 7. immer mit lleberspringung eines Mo­nats ereignet.