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Rr. 94 Zweiter Blatt
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)
Zreitag, 22. April (952
Wie sieht es in Deulsch-Südwesl aus?
Von unserem G. 2. Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Windhuk, April 1932.
Denkt man im Reiche noch an die ehemaligen Schutzgebiete? Denkt man nach an den immerwahrenden Stampf der Volksgenossen um Sluüur, Sprache und Besitz? — Hier ein kleiner Ausschnitt aus unserem politischen Alltag.
Die Regierung der Südafrikanischen Union, als Mandatsherr von Südwestafrika, hat von dein „Recht", die ansässigen Deutschen ohne Entschädigung des Landes zu verweisen, ausgiebig Gebrauch gemach.. Und nicht nur bas; sic Hut keine (Gelegenheit vorübergehen lassen, den Buren alle Vorrechte einzuräumen. Seit Jahren kämpft das Südwester Deutschtum um feine Gleichberechtigung. Unter Zustimmung des Deutschen Reiklzes Hal seinerzeit die Unionsregierung durch ein Gesetz alle Deutschen naturalisiert, d h. sie sind ohne ihre Reichsangehärigkeit verloren zu haben, britische Untertanen geworden. Unter der Bedingung, daß völlige politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung dadurch erreicht werden sollte, haben die Deutschen zum allergrößten Teil diese Naturalisation über sich ergehen lassen. Doch nach wie vor mürben die Deut schen als Bürg« r zweiter Klasse behandelt und durch ein weiteres Gesetz den neu zu- wandernden Deutschen eine Naturalisation fast unmöglich gemacht. Während alle britischen Staatsangehörigen, also auch die Buren, schon nach einem 2ahr ohne Antrag das Bürgerrecht automatisch erhalten, können Deutsche erst nach sünfjährigem 'Aufenthalt den Antrag dazu stellen, der mit allen möglichen Schwierigkeiten und Unkosten verbunden ist und keineswegs immer zum Ziel führt.
In wirtschaftlicher und politischer Beziehung sind die naturalisierten Deutschen niemals mit den Buren gleichgestellt. Ausgenommen das nackte Wahl recht. ,zast alle Beamten st eilen sind den Buren vor behalten bis herunter zur Polizei und den schlecht- bezahltesten Hilfsbeamten. Rur wo technisches P e r s o n a l fehlt, was nicht beschafft werden kann, wird auf die Deutschen zurückgegriffen. (Eine besondere Eigentümlichkeit der südafrikanischen Demokratie ist d i e B i l d u n g von .K o m m i s s i o n e n für alle möglichen und unmöglichen Untersuchungen und ^eftftcllungcn. Die Kommissionsmitglieder werden aus Mitteln des Staates reichlich mit Diäten versehen. Es ist dies das landesübliche Bestechungsmittel für politische Gesinnung. Auch in diesen Kam, Missionen befinden sich recht wenig Deutsche: einesteils, weil die Regierung ihren Landsleuten die Gelder zuwenden will, und weil anderseits die Zahl der Deutschen immerhin noch klein ist, die es öffentlich wägen, ihre pro afrikanische Gesinnung zu zeigen.
Gan; ähnlich verhält es sich mit den Dffi- ziersposten bei der Bürgerwehr, die keineswegs nach militärischen Kenntnissen und per sonlichen Fähigkeiten besetzt werden. Der größte Teil der ernannten Offiziere, sogar Stabsoffiziere, besitzt keinerlei militärische Qualifikation. Ferner sind z. B. für die Siedlungspolitik ganz enorme Mittel aufgewendet worden, die so schwer das Land drücken, daß die Rückzahlung dieser Schulden unmöglich erscheint. Auch diese Mittel sind hauptsächlich den Buren zugute gekommen. Kurz und gut, mit der Amtssprache angefangen, fowie in jcder anderen denkbaren Beziehung, waren es die Deutschen, die immer im Nachteil waren, die als Steuerzahler wohl in Funktion treten dürfen und müssen (sie machen mehr als ein Drittel der weißen Bevölkerung aus), aber im übrigen die Stiefkinder des Mandatars sind und entsprechend behandelt werden.
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Vornan von I. Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschutz: Verlag 0. Meister, Werdau.
34. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Als die Tochter neuerdings zusammenschauerte, drängte Frau von Recklinhausen, daß sie wieder in ihr Giebelzimmer zurückging. Sie selbst begleitete sie, bettete sie dort in die Kissen, holte eine zweite Decke und stopfte ihr dieselbe fürsorglich gegen den Rücken.
„Du wirst morgen Gradnitz' Frau werden, nicht wahr. Mama?" drängte Suse. „Ich stürze mich sonst, sobald du jetzt gegangen bist, in den Garten hinab, damit ich dir nicht mehr im *25ege bin."
„Gewiß, Suse! Wenn du es haben willst, werde ich morgen heiraten!" Ein Kälteschauer rann Frau von Recklinhausen den Rücken hinab.
„Danke! — Küß mich noch einmal, Mama!" In heiserem Weinen umklammerte die jüngste Recklinhanserin den Hals der Mutter.
„Soll ich mit Malnow sprechen, Kind?"
„Um Gott, nein! Es gibt kein Zusammenkommen mehr zwischen uns! Ich weiß nicht mehr, was ich ihm alles ins Gesicht geschrien habe! Ich kann mich nur erinnern, daß es etwas Häßliches, unendlich Demütigendes gewesen war. Ich glaube, ich habe ihm sogar gesagt, daß ich ihn loshaben will, weil ich mich mit Wander verloben werde."
„Suse!"
„Ja! — Irgend so etwas, Mama! Ich hätte ihn damals erwürgen mögen, solch einen Zorn batte ich auf ihn, wohl deshalb, weil ich fühlte, daß ich mich nimmer von ihm frei machen werde können. — Das läßt sich nun nicht mehr ändern! Ich muß schon tragen, was ich mir selbst bereitet habe. — Geh jetzt zu Bett. Mama! Gradnitz kannst du ja sagen, um was es sich eigentlich gehandelt hat. Im Grunde genomjnen trägt er die erste Schuld, daß ich mißtrauisch gegen Dieter wurde."
„Ich verstehe nicht, Kind'"
„Vielleicht erinnerst du dich, daß er einmal auf Groh-Steinach erzählte, er habe Malnow in München in Begleitung einer Dame und eines Kindes getroffen. Daraufhin habe ich dann Nachforschungen angestellt. Das heißt" — — ein heißes Rot zog ihre Wangen hinauf. „Ich habe auf seinem Schreibtisch Nachschau gehalten und einen Brief gefunden, der diese Annahme bestätigte. Als ich ihn dann zur Rechenschaft zog. hat er mit keinem Wort geleugnet.“
Frau von Recklinhausen war zu sehr erschüttert, um ein Wort des Borwurfes oder des Trostes für die Tochter zu finden. „Du mußt erlauben, Suse, daß ich bei dir bleibe, bis du eingeschlafen
Sudwest hat in den letzten Jahren unter einer beispiellosen Trockenheit gelitten. Diese Trockenheit hat in erster Linie natürlich den Farmer getroffen. Das Vieh ist ihm zu Tausenden verreckt. Der Farmerstand ist im Versinken Aber mich der Kaufmann, der letzten Endes vom Farmer lebt, hat an den Folgen zu tragen. Dazu kam die Weltdepression, die in einem armen Lande doppelt gespürt wird. Die Unionsregierung mußte mit er heblichen Mitteln gegen die Not angehen, wenn nicht das Land untergeben sollte Doch die Unterstützungen wurden wiederum mit größter Parteilichkeit gc währt. Das meiste erhielten die Buren oder Deutsche, die sich durch Buren-Frauen oder sonstwie der Regierung als „gut" legitimieren konnten.
Aus den angeführten Beispielen kann man sehen, wie verschiedenartig, wie ungerecht geurteilt und gc- handelt wurde. Bis jetzt hat das übertriebene Na- tionalgefühl der Buren und ein zäher, verbitterter politischer Kampf zwischen den Nationalitäten jeden' Zusammenschluß der Farmer schäft unmöglich gemacht. Erft die ungeheure Not bringt die Buren und ihre Regierung in Südwest Zur Besinnung. Wie groß die Not ist, kann sich niemand ausmalen. Große Teile der weihen Bevölkerung leben genau w i e die (Eingebore- n e n. Die Tatsache, daß die Unionsregierung hartnäckig am Goldstandard sesthält, trägt ihr übriges dazu bei. Es ist hoffnungslos, die hiesigen Farm- produktc wie Butter, Wolle, Mais usw., die sowieso schon einen schlechten Marktpreis haben, aus einem Goldland anzubieten. Da helfen auch keine Exportprämien.
Während sich bis jetzt der politische Kamps zwischen den Nationalitäten abspielte, scheint dieser nunmehr in den Hintergrund und ein Kampf der Stände in den Vordergrund zu treten. Um Wege Zu finden, der Not zu begegnen, und um den dazu nötigen Zusammenschluß der Bevölkerung zu ermöglichen, sehen sich die Buren gezwungen, ihre Interessen als „Buren" zurückzustellen, sich den Deutschen gegenüber, von denen sie die Rettung erhossen, tolerant ;u zeigen. Sic wagen auch nicht den Versuch, politische Zugeständnisse zu fordern für die Anerkennung des Deutschen als Amtssprache. Aber nicht nur die Regierung, sondern auch der bei weitem größte Teil der Afrikaner fijtn- pathisiert plötzlich mit den Deutschen. In großen Versammlungen in allen Bezirken des Landes haben die Buren freiwillig erklärt, daß sie für die deutsche Amtssprache und für volle Gleichberechtigung der Deutschen eintreten. Sie haben eingeschen, daß dem Elend nur einheitlich zu begegnen ist, und um der Einheit willen räumen sie den Deutschen die Rechte ein, um die diese jahrelang zäh gekämpft haben.
Doch so groß der Erfolg auch ist, die Annahme der deutschen Amtssprache ist nur der erste Schritt auf dem Wege zur völligen Gleichberechtigung. Das sich seiner Verantwortung bewußte Deutschtum wird weiterkämpfen um das M a n b a t s b ü r g e r • recht, um die Schulautonomie zur Sicherung der deutschen Kultur, ja um mehr, um sein Deutschtum überhaupt und um sein Land. Dann ist da noch derKampf um den Goldstandard. Die Regierung der südafrikanischen Union ist ent schlossen, in ihren Ländern und Mandaten den Goldstandard unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Seit dem Feststehen dieses Entschlusses tobt nun ein scharfer innenpolitischer Stampf um dieses Problem. Während es in Südafrika die SAP. (Soziale Ar- beitcr.Partei) ist, die gegen die Maßnahmen der nationalen Regierung Sturm läuft, sind cs in Südwestafrika einzelne Deutsche, die sich an die Spitze bist. Ich hätte doch keine Ruhe auf meinem Zimmer!"
„Dann kämst du überhaupt nicht zu Bett, Mama", wehrte diese. „Geh nur! Du brauchst dich nicht im Geringsten zu sorgen. Ich werde sicher nichts tun. was dir den Hochzeitstag vergällt. Das Einzige, worum ich dich noch bitte, ist, daß du mir sagst, ob du mir verziehen hast!"
„Ich habe nichts zu verzeihen, Kind! — — Aber wenn es dich beruhigt, ich weiß nur mehr von allem Schönen.' Noch einmal drückten sich die Lippen der Mutter auf die Suses. „Gute Nacht. Liebling!"
„Gute Nacht, Mama! — Laßt mich morgen nicht zu lange schlafen. Die Margret sott einen Kieselstein an mein Fenster werfen, wenn ich um sechs Uhr noch nicht im Frühstückszimmer bin."
„Ich werde dich selber wecken, Kind!"
„Ja, bitte!"
Leise schnappte hinter Frau von Recklinhausen die Tür ein. Suse hörte sie sachten Schrittes in das zweite Stockwerk hinabgehen. Dann war Ruhe. Nur aus dem großen Teich, der hinter dem Obstgarten lag, kam das einschläfernde Ouaken der Frösche und drunten in dem mondbeglänzten Buschwerk schlug eine Nachtigall. Todmüde fielen Suse die Augen zu. In schweren Wellen kamen die Träume über sie hereingeflutet.
„Weißt du. was Treue ist, mein Kind? - Wenn du meine Frau bist, werde ich mich vor dein Bett legen, daß dein Fuß weich zu stehen kommt, wenn er zu Boden tritt!"
„Dieter!"
Schlaftrunken glitt der blonde Kopf zur Seite und blieb reglos gegen die Wand gelehnt.
Die Mondsichel stand über dem Fluß und spiegelte fick in dessen tanzenden Wellen. -- Weit drüben, wo Wald und Himmel ineinanderschwammen, schimmerte schon dos junge Rot des erwachenden Tages, welcher Frau von Recklin- hausen daS Glück eines liebenden und wieder- geliebten Weibes bringen sollte.
Aber ein Wermutstropfen fiel in den Becher der Freude: Ihre jüngste Tochter weinte um ihre begrabene Liebe.
Dettermann, der alte Kutscher, kam nicht aus dem Verwundern hekaus. wenn er sah. wie Suse, die Jüngste, die er seinerzeit auf den Armen getragen, der er das Reiten gelehrt und vor Strafe für ihre hundert und ater hundert Kinderstreiche bewahrt hatte, die Zügel auf dem großen Gute in die Hand nahm.
Weiß Gott, er hätte nie geglaubt, daß eine der Reckt, nhausenschen Töchter so viel gesundes Bauernblut in sich trüge. And zumal die Safe! Tas war immer ein Ausbund gewesen. Eine Art „Tunichtgut", dem alles und jedes zuzutrauen war
And nun zeigte sie sich so verständig. Es gab nichts, das man mit ihr nicht hätte besprechen
der weißen Bevölkerung im Kamps um die Beseitigung der Goldwährung stellen.
Es ist nun unbestreitbar, daß General Hertzog die Regierung noch fest in der Hand hat. Wie lange aber/ Im ganzen Land sinden Riesenversammlun' gen statt, in denen die Bevölkerung ihren Unwillen kundgibt, und es ist nicht ausgeschlossen, in gewissem Grade sogar wahrscheinlich, daß General Smuts, der Führer der Opposition, die Regierung durch Mißtrauensvotum zum Stur; bringt. Immer wie der weist er seine zahllosen AnHanger, die zum guten Teil auch aus der Rationalen Partei kommen, auf ' die Tatsachen hin, die man wohl nicht vorhergejehen hatte, nun aber in der Praxis vorhanden sind und sich auch auswirken. Die Beibehaltung des Gold standards in Südafrika ist eine furchtbare Beigabe ZU dem Elend, das allein schon durch die Wclt- depression verursacht ist. England ist noch lange nicht bankerott und immer noch neben Amerika wirtschaft lieh das reichste und mächtigste Land der Welt. Und warum sind denn in Australien die Preise unverändert geblieben? — Und die afrikanische Union hat nicht nur die Preise, sondern auch sämtliche 'Markte verloren. Hat inan denn vergessen, daß Südafrika von 1915 bis 1925 keinen Goldstandard hatte? Und gerade in diesen zehn Jahren ist es gut vorange- kommen. Bei Ausgabe des Goldstandards würde das Unionspfund seinen inneren Wert behalten, aber viel mehr in Umlauf kommen. Ewas anderes wäre es, wenn Südafrika nicht Exportland wäre.
Schon geht das Bctfchuana Protektorat vom Goldstandard ab und möglicherweise auch das Mandatsgebiet Südwestafrika, denn die Bevölkerung, die feine Senkung ihrer Schulden um 30 Prozent erfahren hat, weiß sehr wohl, wer in. diesem Falle der Gewinner und der Verlierer ist. Der wirtschaftliche Zusammenbruch steht vor der Tür. Die Zentralbanken sind jeglicher Reserven ei.t- blößt. Hunderttausende von Bollen Wolle liegen in ben Verschiffungshäfen. Die Aufkäufer sind nach Australien gegangen. Und das [finale9 Südafrika ist gezwungen, ob es will oder nicht, die Goldwährung über kurz ober lang aufzugeben.
Keine städtische Beihilfe für Marburger Festspiele.
WSN. Marburg, 22. April. In der gestrigen Sitzung der S t a d t v e r o r d n e t e n lag u a ein Antrag des Magistrats vor, in dem städtischen Etat 1932 für Verkehrswerbung 16 000 Mark vorzusehen und davon dem Leiter der Marburger Festspiele 6000 Mark zur Veranstaltung von Fe st s pi e le n 1 932 zur Verfügung zu stellen. Ferner wurden die Stadtverordneten um Zustirn- -ung gebeten, die zu veranstaltenden Spiele unentgeltlich mit Elektrizität zu versorgen und die Werbekosten im Betrage bis zu 4000 Mk. zu übernehmen. Von den Gegnern der Vorlage wurde ins Feld geführt, daß angesichts der schweren Wirtschaftskrise die Veranstaltung von Festspielen in weiten Tevölkerungskreisen wohl kaum verstanden würde und an eine Kostendeckung nicht zu denken sei. Bei der Abstimmung traten von den anwesenden 26 Stadtverordneten nur neun für die Magistratsvorlage ein. die somit der Ablehnung verfiel. Es ist damit nicht gesagt, daß nunmehr die Festspiele nicht stattfinden werden, denn von interessierter privater Seite sind schon mehrere tausend Mark zur Fortführung der Spiele bereitgestettt worden.
Unter dem Verdacht der Effekten- schiebung verhaftet.
WSN. Frankfurt a. M.. 21. April. Unter dem Verdacht des Vergehens gegen das Devisen° geseh wurde heute der Inhaber des Bankhauses Michael Frank. Herbert Frank, s e st g e n o m m e n und dem Untersuchungsrichter
können. Freilich, die Herrschaften von Groß- Steinach kamen wöchentlich dreimal herüber, um nach dem Rechten zu sehen und sich zu überzeugen, wie das „Kind" sich in alles finde, und wie die Dinge auf dem Gute liefen.
Aber es gab nichts zu tadeln. Auch ein Mann hätte es kaum besser gemacht. Na ja, groß geworden war sie ja auf der Schotte. Man mußte zu allem nur einen guten Witten haben! Dann ging'«!
Wenn die Suse „Detterrnannchen" sagte, hätte er in Sieben Wasser für sie geschöpft, wenn sie es verlangt haben würde. Und munter schien sie auch immer und froher Dinge. Verdächtig war nur, daß sie ab und zu aussah, als hätte sie nachts geweint.
Nach so etwas durfte man nicht fragen. Das muhte man abwarten. Vielleicht tat das Süsel- chen selber einmal den Mund auf. Und es dauerte gar nicht lange, da traf er sie, das Gesicht in die Arme vergraben, an ihrem Schreibtisch sitzen. Sie hatte ihn nicht kommen hören und nun stand er da, wie der Mann im Märchen, der vergebens nach dem Zauberwort suchte, das den Berg des Geheimnisses vor ihm auftat.
Aus sein Räuspern war sie hochgefahren, hatte ihn etwas verstört angesehen und dann hilflos gelächelt: „Detterrnannchen, ich bekomme schon Schrullen!"
„Um wen denn?" fragte er ganz folgerichtig.
Ein Schuß dunklen Blutes flammte ihr die Wangen hinauf. Sie wollte seine ehrlichen Augen nicht belügen und trocknete noch rasch die Tränen, die ihr über die Backen rollten. „Da ist nichts mehr zu machen. Alterchen! Das ir< verpatzt! Und zwar so gründlich, daß es kein —äedergut- machen gibt.“
„So was!" sagte er kopfschüttelnd. Und dann schnellte wie eine Rakete das Verstehen auf. Aber er hütete sich, ihr zu sagen, daß er das Zauberwort gefunden hatte. Mochte das Suselchen immerhin denken, es wäre niemand hinter ihr Geheimnis gekommen. Aber er war es doch! Und das befriedigte ihn ungemein. „Es ist oft nicht viel verloren an einem", meinte er gelassen „Kommt wieder einer, Fräulein Suse, der auch nicht von schlechten Eltern ist! Wär nicht übel, wenn gerade wir beiden ledig blieben!"
Sie lachte mitten in ihre Tränen hinein, und das hatte er gewollt. Er war schon an die siebzig. Was sie jetzt noch weiter zusammen besprachen, drehte sich um die Pferdekoppel draußen zwischen den Zäunen, um das Heu. das man dieses Jahr gar nicht unterzubringen vermochte, so reichlich war es ausgefallen, und um das Jungvieh, das mit seinem Brüllen die Ställe füllte.
Dettermanns Rücken war stramm gesteift, solange er vor seiner jungen Gebieterin stand. Erst, nachdem er die Tür hinter sich zugedrückt hatte, fielen seine Schultern etwas nach vorne
vorgeführi. der Haftbefehl gegen ihn erließ. Frank loll 3. - G - Z a r b e n - A I t i e n von ungefähr einer halben Million Reichsmark im Auslands gelauft und entgegen den Bestimmungen des De- vttengelctzes nach dem Inlande verbracht haben, wo er sie bei Frankfurter Banken unter den üblichen Bedingungen verkauft habe Frank arbeitete mit einem gewissen 2 i n b e n b a u nt aus Karlsruhe zusammen, der sich Frank gegenüber mit einem vom deutschen Konsulat in Luxemburg ausgestellten Rerlepaß auswies. Während sich Lindenbaum angeblich jetzt im Auslande auf- balt. wurde Frank wegen Verdunkelungsgefahr in Haft genommen Die Frankfurter Bankfirma Michael Frank ist feit 1930 von der Frankfurter Vörie ousgefchlossen.
3m Streit auf der Straße erschossen.
WSN Frankfurt a.M. 21 April Inder vergangenen Nacht hat der 40jährige Kaufmann Lorenz Sorg in der Ludwigstraße nach vorauf- gegangenem Streit mit einigen jungen Burschen einen gewissen Ernst König, wohn- hast in der Kronprinzenstraße. mit einem Revolver erschossen. Der Täter, der fest - genommen wurde, gab an, daß er angegriffen worden sei und die Schüsse'unabsichtlich abgegeben habe- Demgegenüber ergab bisher die Untersuchung. daß er. wie Zeugen übereinstimmend bekunden, mit den jungen Leuten wegen eines Mädchens in Streitigkeiten geriet. Er tourte von den jungen Leuten verprügelt und ging dann in seine Wohnung, um die Pistole zu holen Daraus schoß er in die Luft und rief ..Wer will etwas, der komme her!" Als die Burschen sich ihm wieder zuwandten, schoß er aus einer gewissen Entfernung auf König, der tödlich getroffen zusammenbrach.
Oderheffen.
Ein Blindenverein
für die Provinz Oberhessen.
• Friedberg, 19. April. Am Sonntag hat kn den Räumen der Friedberger Blindenanstalt die Gründung des „OberhessischenBlinden- vereins" stattgesunden. Damit ist ein Zusammenschluß von Blinden für ein Gebiet erfolgt, das ton Hausierern aus den verschiedensten Teilen des Reiches gern als „offenes Land", in dem noch kein Blindenverein vorhanden ist. benutzt wurde, um sog. ..Blindenarbeit" abzusehen Der neue Verein. der in engster Fühlung mit der Friedberger Blindenanstalt und dein Blinden-Beschästigungs- verein zu Darmstadt arbeitet, will diesem Un- wesen steuern und vor allem die oberhessischen Blinden in wirtschaftlicher und geistiger Hinsicht fördern.
Aach herzlichen Begrüßungsworten von Direktor Schmidt und dem Vorsitzenden des „Landesverbandes der hessischen Blinden". Johannes Horn (Darmstadt) führte 3. Reusch (Darm- stodt) in einem Vortrag über „D i e Lage der Blinden in der Gegenwart" etwa folgendes aus: Der Kampf um Arbeit führt naturgemäß zu einer Auslese der Tüchtigsten und Tauglichsten und damit zur Verdrängung derjenigen, aus dein Arbeitsprozeß, die durch ein schweres körperliches Gebrechen in der Anwendung ihrer Arbeitskraft behindert sind. Nach den neuesten amtlichen Erhebungen sind von den 35 000 deutschen Blinden nur noch 17 Prozent in der Lage, das zum Leben notwendige Mindesteinkommen ^irch Renteneinkünfte zu decken, nämlich die Kriegsblinden, ilnfallrentner und Beamtenpensionäre. Vom Ertrag des eigenen Vermögens oder der eigenen Arbeit leben nur noch 3 Proz so daß ungefähr 80 Prozent der deutschen Blinden aus Unterstützung und Almosen angewiesen sind.
Tja, ha! So kam man oft hinter etwas, was man sonst sein Leben lang nicht ausgeknobelt hätte.
Der Malnow und das Fräulein Suse! 3a—a! Wie bet Tod hatte Dieter zuletzt ausgesehen, so daß er glattweg auf Schwindsucht taxierte. Die gnädige Frau hatte ihn, auch darum in Verdacht gehabt. Und gestöhnt hatte er manchmal des Nachts, zum Gotterbarmen. Und am Morgen batte er seine todmüden Füße über die Wiesen geschleppt und schon beim zweiten Sensenstrich Schweißtropfen auf die Stirn bekommen.
Den Kopf geschüttelt hatte jeder auf dein Gut, daß er feinen Posten aufgab und so Knall und Fall Adieu sagen konnte.
Nun war ja alles bis zum letzten Tüpfelchen verständlich! Schade! Wäre gar nicht übel gewesen. der Herr Dieter! Tüchtig! Nicht ein bißchen vom Hochmutsteufel besessen! (Ein guter Mensch, der immer erst an die anderen, und wenn diese zufriedengestettt waren, erst an sich selber dachte. Dazu ein gewandtes Auftreten und ein Gesicht, wie es die Frauen gerne sahen. So einen bekam die Suse so leicht nicht wieder. Der hätte sie auf den Händen getragen! Das war sicher!
Blieb nur noch die Frage offen, was die beiden auseinandergebracht hatte. Freilich! Das Suselchen, das war von rascher Art und sagte heute etwas, wovon es morgen schon kein Bruchteil mehr davon wußte. Aber was man sagte, das blieb! Und da tonnte es wohl möglich gewesen sein, daß sie ihm ein böses Wort an den Kopf geworfen hatte, und er darum gegangen war.
Jammerschade, daß nichts aus der Sache wurde! Es hätte sich gut leben lassen mit dem Malnow!
„Detterrnannchen!"
Es riß den Alten, der eben den Hof überqueren wollte, zurück. Suse stand am Fenster eines Zimmers und winkte ihn bittend heran. Ucber die Brüstung geneigt, sprach sie auf ihn ein und er horchte mit gestrecktem Oberkörper zu ihr hinauf. „Geht's?" fragte sie schmeichelnd.
„Jawohl. Fräulein Suse! Geht schon! Einen Nachmittag werden die anderen die Karre wohl in Schwung halten können. Dis wann sott ich einspannen?"
„Um zwei Uhr! — 3a?“
„Auf die Minute. Fräulein Suse!"
Sie sahen sich an und lachten
„Ich freue mich so kindlich, Detterrnannchen 1" bekannte Suse, als sie pünktlich um die angegebene 3eit mit ihrem Zweiräder aus dem Hos kutschierten. Der Alte hatte sich fein gemacht. Neben *c:ner blauen Livree leuchtete Suses helles Kleid und der baftfarbene Strohhut warf Schattenringel auf ihr zartgerötetes Gesicht.
(Fortsetzung lolgt.)


