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Ein offener Brief an Groener.

Eine Antwort auf das LA.-Verbot.

Die Kreisleitung Gießen der NSDAP, bittet uns um Abdruck einesoffenen Briefes", den Professor Dr. Rudolf Herzog, Gießen, an den Reichswehr- und Reichsinnenminister Dr. Groener gerichtet hat. Der Brief lautet:

Hochgeehrter Herr Reichsministcr!

Wenn ich Sie um Gehör bitte, so tue ich dies nicht als ein ganz Fremder, denn mir waren in unserer Jugend beide im Regiment Altmürttcinberg, Sie schon als Generalstäbler, ich als Reserveoffizier, rind wir haben uns beim Jubiläum der Technischen Hochschule in Stuttgart 1929 an diese Zeiten er­innert So darf ich aus ehrlichem Gewisseirsdrang heraus zu Ihnen als alter Württemberger zum alten Württemberger, als Mann zu Mann reden, um Ihnen Stimmungsbilder aus meiner jetzigen Umgebung über die Durchführung der Notverord­nung des Herrn Reichspräsidenten vom 13. April 1932 durch die Polizeiorgane und von ihrer Wir­kung auf die Volksgenossen zu geben, nicht als An- klage gegen die Urheber der Notverordnung. Denn wir Untertanen sehen gar nicht klar, welcher Kräfte letzten Endes dazu getrieben haben. Die Zeitungen alter möglichen Schattierungen im ganzen Reich sind ja voll davon, und in offiziellen Beschwerden wird ein Riesenmaterial zusammengetragen, das Sie gar nicht selbst durchprüfen können. Da interessiert Sie doch vielleicht ein kleiner Ausschnitt, der die Zustände in einer kleineren ruhigen Stadt und ihrer Umgebung zeigt.

Die Ankündiguna in derAmtlichen Begrün­dung", daß die Auslösung der Organisationen nach Ihren Anweisungen ohne Härte und ohne Berüh­rung der Bewegungsfreiheit der NSDAP, durchge- führt werden solle, mürbe hier so wenig wie an an­deren Orten zur Wahrheit. Wahllos wurden private Gegenstände nicht nur den SA.- und SS.-Leuten, sondern auch anderen Personen und Betrieben der Partei weggenommen, oft in Abwesenheit der Be­sitzer und trotz Verlangens ohne Quittung. Auch Lächerlichkeiten, die bei dem liebereifer passiert sind, haben der Staatsautorität geschadet, am stärksten aber die Offenbarung des nach soldatischer Auffas­sung schweren Mißstandes, daß die Befehle der obersten Leitungohne Härte, nicht gegen die Partei" nicht durchgedrungen sind. Freilich war die Truppe auf ihr Opfer zum Teil schon vor Ver- kündigung der Notverordnung losgelassen und daher über ihre Bestimmungen gor nicht orientiert, wie sich immer wieder bei ihren Erklärungen an die Betroffenen zeigte. Man hat bei den Haussuchungen Verwundetenabzeichen, Exerzierreglements aus der Militärzeit, Hitlerbücher beschlagnahmt, ja mehrfach nitlerbilber von der Wand genommen und nur aus rgischen Einspruch belassen. In Gießen wurde 13. von einem Hause in der Hauptverkehrsstraße eine Fahne von der Polizei herabgeholt und mit­genommen. Am 15. brachte die Polizei in Eekennt- nis des Liibergriffs die Fahne zurück. Als sie sofort wieder gchi: t wurde, fang die VcEksmenge, die die ganze Stn c erfüllte, spontan"' das Horst-Wessel- Lied, gab ober keinen Anlaß zum Einschreiten. Es zeigte sich in diesen Tagen so etwas wie im Welt­krieg bei Nachrichten von großen Siegen oder wie im Frühjahr 1813. Die Straßen waren voll von bewegten Menschen, Unbekannte begrüßten sich und schütteten ihr Herz aus, immer wieder klagten Bür­ger:Ach, hätten wir das geahnt, bann hätten mir am Sonntag gewiß Hitler gewählt."

Anmeldungen zur Partei erfolgen in Mengen, Uebertrilte aus anberen Parteien und Derbänben sind an der Tagesordnung. Das Volk ist wirklich erwacht und aufgebrochen, und es heißt wieder wie 1819:

Das Haus mag zerfallen, Was hat es denn für Not Der Geist lebt in uns allen, Und unser Burg ist Gott."

Erbitternd wirkte auch gegenüber der Behandlung der NSDAP, wie einer überführten Verbrechermasse die Duldung des Reichsbanners und der Eisernen Front, deren Bürgerkriegshetze und -Vorbereitung ja der ganzen Oeffentlichkeit außer der Regierung be­kannt war.

Und nun gestatten Sie mir als Philologen und Historiker einige Bemerkungen zurBegründung" der Notverordnung, für deren Verfasser ich Sie, Herr

Römischer Brief.

Don unserem römischen ll.»Korrespondenten.

Rom. im April.

E venuto l'aprile! Das heißt eigentlich: Der Mai ist gekommen. Auch der Wonnemond, dem die Winterstürme weichen, und überhaupt der ganze Lenz wird mit aprile übersetzt. Wir sind eben den andern immer um eine Aasenlänge voraus. Sn Florenz beginnt jetzt die Theater­saison und die römische, die nicht etwa wie im Norden im September, sondern feierlich an Weih­nachten von König und Duce im Opernhaus eröffnet wird, befindet sich auf der Höhe. Sie» endet erst, wenn in den Kinopalästen der warme Sommerhimmel durch die offene Kuppel herein­schaut.

Das Mausoleum des Kaisers Augustus hat tti diesen Tagen seine Sensation erlebt: zum erftenmal wurde Sebastian BachsMatthäus- Passion hineingetragen, und erschütternd klang die Stimme des Evangelisten in dem Raum, wo vor zwei oder drei Sahren erst die Aschenurnen derer, die göttergleich waren in Rom wie in Jerusalem, unter den plüschüberzogenen Konzert- sitzen gefunden wurden. Warum wohl das monu­mentale Werk niemals den Weg in die Stadt der Päpste sand? Sogar der Stolz des faschisti­schen Rom gibt offen zu, daß kein einheimischer Chor einer würdigen Aufführung fähig gewesen wäre und man aus diesem Grunde die Berliner Singakademie rufen muhte. Da standen sie nun, 250 Deutsche, und fangen, daß die Römer vier Stunden lang, bis 1 Ähr nachts, vor Ergriffen­heit kaum zu atmen wagten, soweit sie nicht, an den farbigen Marienkult, an die Sphärenstimmen der Knabenchöre in der Peterskirche gewöhnt, in rasende Begeisterung ausbrachen. Dieser Choral vor dem Schatten des Augustus Sahrtausende stürzten durcheinander und siehe: das Herz des Menschen ist immer und überall das gleiche.

Seder Weihenacht folgt leider ein politischer Morgen. Die Römer aber haben wenigstens das Glück, im innerpolitischen Schatten wandeln zu dürfen. Ein kurzer Blick in die Einheitspresse genügt, um zu sehen, wie die Zeiger auf dem außenpolitischen Manometer stehen im übrigen sind sie wie der junge Rekrut froh, daß ihnen das Denken abgenommen wird. Sie stehen vor den Ereignissen in anderen Ländern wie vor einem Guckkasten, nur als Zuschauer interessiert.

Deuischlauds Zukunft liegt auf dem deutschen Alter

Reichsminister Schiele fordert stärkste Förderung des Binnenmarktes.

Berlin, 21. April. (WTD.) Auf der Mit­gliederversammlung der Bereinigung Mittel­deutscher Rohzuckerfabriken in Halle a. d. S. sprach Reichsminister Schiele. An Hand von Beispielen zeigte der Minister, daß die Welt­wirtschaft in der Borkriegsform zu Ende sei. Diese Tatsache bestimme zwangs­läufig auch die künftige Richtung unserer Wirt­schaftspolitik. Jede Betrachtung unserer Situa­tion sühre notwendigerweise zu der Verpflich­tung, in Deutschland eine stark binnen- marlt-orientie tte Wirtschaf tspoli- tik zu treiben. Vier Merkmale seien für unsere Lage besonders wesentlich. Dies seien: 6 000 000 Arbeitslose, die Schrumpfung unse­rer Ausfuhr, die Zwangsbewirt­schaftung der Devisen, um die Stabilität der Währung zu sichern: auf dem Gebiete der Außenpolitik unser Ringen um die poli­tische Freiheit der Ration. Die drückende Last der Arbeitslosigkeit, die eigentliche Quelle der Finanznot von Ländern und Gemeinden, habe bereits bei ernsten Männern des Ruhr­gebiets zu dem gigantischen Plan geführt, 500 000 Arbeitslose aus dem Ruhr- ?e b i e t umzusiedeln und in die dünner evölkerten Gegenden des deutschen Ostens zu bringen. Das Verhältnis von Land- und Stadtbevölkerung, das jetzt mit einem Anteil von nur 23 Prozent Landbevölkerung höchst ungesund fei, müsse wieder ausge­glichen werden. Tatsächlich habe auch bereits eine Menschenwanderung in umge­kehrter Richtung von der Stadt auf6 Land eingesetzt. Diese gesunde Entwicklung müsse dadurch auf das nachhaltigste verstärkt werden, daß man den Binnenmarkt lei­stungsfähiger gestaltet und an ihm Er­sah schaffe für die am Weltmarkt verlorenge­gangenen Arbeitsmöglichkeiten.

Da der Kem jeder Binnenmarktpolitik eine intensive Agrarpolitik sei, müßten die­jenigen Zweige der deutschen Landwirtschaft be­sonders begünstigt werden, die in besonders hohem Maße in der Lage seien, Arbeitskräfte zu binden. Dies sei vor allem beim Hack- fruchtbar» und insbesondere bei der Zuck er­wirtschaft der Fall. Ohne Zollschutz und Kontingentierung würden die Rübenpreise nur etwa die Hälfte oder ein Drittel der gegen­wärtigen Zuckerrübenpreise betragen. Wenn trotz­dem die Lage der Zuckerwirtschaft unbefriedigend sei. so sei dies eine Folge der hohen Be­stände aus den Vorjahren. Die Zucker- wirtschast müsse stärker zum Ersatz der aus­ländischen kohlehydrathaltigen Futtermittel

wie Gerste und Mais herangezogen werden. Ferner sei sobald wie möglich eine Ermäßi­gung der Zucker steuer erforderlich. Eine Wirtschaftspolitik, die am Binnenmarkt neue Ar­beitsmöglichkeiten schaffen wolle, muffe auch die Produkte der bäuerlichen Berede- lungswirtschaft stärker als bisher schützen. Dies sei auch die Voraussetzung einer beschleunigten und durch Einsatz des Freiwilligen Arbeitsdienstes verbilligten Siedlung auf den im Ostenfrei werdenden zwei Millionen Morgen. Die entscheidende Ur­sache unserer Arbeitslosigkeit sei auch nicht die Schrumpfung unserer Ausfuhr, sondern das Versiegen des Binnenmarktes. Auf den Rückgang der Ausfuhr entfalle nur die Ar­beitslosigkeit von etwa 1.5 Millionen Menschen. Das Versagen des Binnenmarktes habe 3,5 Mil­lionen Menschen arbeitslos gemacht. Die Ursache dieser Tatsache sei wiederum die nunmehr seit Sahren andauernde Vertu st Wirtschaft der Landwirtschaft. Smmcr weitere Kreise sähen die Aussichtslofigkeit einer fühlbaren Exportsteigerung. Aus neuer Wirtschaftsgesinnung sei in immer breiteren Schichten unseres Volkes die Erkenntnis im Wachsen, daß immer mehr der Satz gelte: Deutschlands Zukunft liegt auf dem deut­schen A cke r!"

Oie neue Giedlungsaküon.

Finanzierung durch Prämienanleihe.

Berlin, 21. April. (ERB.) Reichskanzler Dr Brüning wird unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Genf dem Reichspräsidenten den Entwurf einer inzwischen von den beteiligten Ressorts ausgearbeiteten Notverordnung vorlegen, in der d i e Lieberleitung der OstHilfe in eine neue große Sied­lungsaktion geregelt wird. Sm letzten Sahr wurden im Osten rund 8000 neue Sieb­te r ft e 11 c n geschaffen und rund 400 000 Morgen von der Siedlung erfaßt.- Das in diesem Sabre zu beginnende neue Siedlungs- Programm würde, bei starker Ausdehnung der Anlieger- und der Landarbeitersiedlung, etwa den fünffachen Umfang haben. Man rechnet damit, daß bas Programm für das lau­sende Sahr außer den regulären Etatsmitteln eine Summe von rund 200 Millionen Mark erfordert, die durch eine steuerlich be­vorzugte Prämienanleihe aufgebracht wer­den sollen.

Minister, nicht halte. Der Stil dieser Proklamation unterscheidet sich in Ton, Gehalt und sogar in ein­zelnen Wendungen nicht von all den Unterdrückungs- Pronunciamentos der Weltgeschichte. Der SatzDas deutsche Volk lebt unter einer freiheitlichen Ver­fassung" stand ganz ähnlich als Versprechen in den Proklamationen erst der persischen, dann der makedo­nischen Könige, endlich der Römer an die Griechen. Aus Mittelalter und Neuzeit nenne ich nur einige Beispiele: die Ankündigungen der Inquisitionen, die Manifeste Napoleons, die Karlsbader Beschlüsse, das Versailler Diktat, die Notverordnungen des letzten Jahres. Auf die Dauer wirken solche Erklärungen nicht mehr neben den harten Tatsachen, die ihnen auf dem Fuße folgen. Dem Volk sind die Augen geöffnet, und es hat das Vertrauen verloren. So glaubt es auch nicht mehr an Dementis, die gewiß eine Augen- blickswahrheit haben. Wie eine Antwort auf das Dementi eines außenpolitischen Drucks bei der Not­verordnung gab dieDeutsche Allgemeine Zeitung", sicher kein Nazi-Organ, am Kopf der Nummern vom 15. und 16. April die klassischen Zitate aus dem auch von Ihnen hochverehrten Clausewitz:

Ich sage mich los von der leichtsinnigen Hoffnung einer Errettung durch die Hand des Zufalls; von der dumpfen Erwartung der Zukunft, die ein stumpfer Sinn nicht erkennen will; von der kindischen Hoff­nung, den Zorn eines Tyrannen durch freiwillige

Regierungswechsel, Wahlen, Straßenschlachten, Parteispiele, das liegt ihnen alles so fern toid die Vorstellungen im Kolosseum. Womit natür­lich nicht gesagt sein soll, daß sie nicht auch ihre Volksbelustigungen hätten. Wie andere Völker ihre Schützenfeste und Revolutionen, Umzüge und Tanzturniere, Präsidentenattentate oder Kreugcr- aktien nicht missen möchten, so stürzt sich der edle Römer in die Getreideschlacht, in die Reistage, die Balillaparaden und Ausgrabungen. Musso­lini hat dieblöden Schönheitsköniginnen" und die «stupiden Dauertänze" verboten, dafür gibt es zum 28- Oktober, dem Sahrestag der Revo­lution, der Heuer zum zehntenmal wiederkehrt und daher mit Aufbietung aller Kräfte gefeiert wer­den soll, wie zum 21. April, dem Geburtstag von Rom, allerhand schöne Sachen.

Neugierige Kinder fragen schon im Telephon danach. Das Telephon ist unser Mädchen für alles. Auf jeden Ruf hin steht es willig da, mault nicht, schwätzt nicht, kostet nichts, arbeitet für drei. Bitte mein. Auto abzuschleppen! Sch befinde mich gerade in der Derdistraße, wo ist denn der Danteplah? Heute abend zwei Parkett­sitze im Opernhaus, sechste Reihe womöglich, ja, gewiß, ins Haus gebracht. Sagen Sie, hat nun eigentlich Bologna gegen Turin mit 4:3 gesiegt oder war es umgekehrt? Wir streiten nämlich gerade darum, Osteria zum Truthahn, ja. Mor­gen um 7.32 wecken und die Platzkarten für Neapel nicht vergessen, Signorina!

Sowohl, dafür ist die Signorina da. Das Telephonamt besorgt alles. Bald wird kein Mensch mehr eine tihr im Hause haben, denn) man hebt einfach den Hebel ab und schon ertönt die genaue Zeit. Was Radio! Längst überholt. Roch heute bedanken sich viele jedesmal für dis ebenso prompte wie genaue Auskunft, ohne zu ahnen, daß sie aus einer Sprechmoschine kommt, die, durch ein genial erdachtes System mit dem Chronometer geschaltet, automatisch antwortet, und zwar auf vierzig Anrufe zu gleicher Zeit-

Ein kleiner Unterschied zufrüher, das heißt der Zeit vor acht Sahren, wo die Verbindungs­zeit, welche die Signorina für angemessen hielt, von den Komplinrenten für ihre Sugenb und Schönheit abhing. die der kundige Thebaner vor­schußweise und lawinenhaft in den Draht schickte.

Damals wich der Fremde den vermeintlichen Dalkanhelden, die doch nur brave Briefträger waren, im Dogen aus. Heute hält er sie für Offiziere. Damals schüttelte er naserümpfend den Kopf über die Vespasiani, die in jede Straßen-»

Entwaffnung zu beschwören, durch niedrige Unter­tänigkeit und Schmeichelei sein Vertrauen zu gewin­nen, van dem unvernünftigen Mißtrauen in die uns von Gatt gegebenen Kräfte; von der sündhaften Ver­gessenheit aller Pflichten für das allgemeine Beste; von der schamlosen Aufopferung aller Ehre des Staates und Volkes, aller persönlichen und Menschen, würde."

Das Volk läßt sich durch keine Alibierklärung, auch nicht durch ^l)re mutige Uebernahme der Verant­wortung davon abbringen, daß hinter dem Schlag gegen die Partei, die das deutsche Volk vom Bolsche- wismus gerettet hat, die rot-schwarze Koalition steht. Und doch wird sie ihr Schicksal nicht aufhalten fön- nen, denn auch das ist ein historisches Gesetz, daß alles, was eine überlebte Macht tut und läßt, um sich zu erhalten, falsch ist und gegen sie ausschlägt, von der Außenpolitik zu den Justizskandalen und den Wirtschafts- und FinanAnötcn.

Diese Zustände des Verfalls haben mich wie so viele Deutsche, die im Dienst für Staat und Volk fern von der Parteipolitik grau geworden waren, zur nationalsozialistischen Bewegung geführt. Sie folgten unbewußt dem Gesetze Solons, das in solcher Lage des Staates jedem Bürger, der neutral blieb, den Verlust der bürgerlichen Rechte androhte. Was mich besonders als Hochschullehrer zu dieser Ent­scheidung führte, war die Ueberzeugung, daß der

ecke eingekerbt waren, heute find es die Ein­heimischen, die über ihre Ausrottung zetern. Damals erblickte der Mann au fder Straße in den ersten Taxis den Fortschritt der Zeit, heute steht der Rowpilger rat- und fassungslos vor dem Tohuwabohu in der lärmendsten Stadt der Erde, (tim der Wahrheit die Ehre zu geben, in einer nordischen Zeitung habe ich gelesen, daß sie zur ..Oase der Stille" geworden sei. woraus zu schließen ist. daß wir in Rom oft nicht wissen, was eigentlich hier vorgeht.)

Mit schnaubenden Rüstern ist das Dampfroß nun auch in die Vatikanstadt eingedrungen. Rachts werden allerdings, wie alle anderen, die Tore über den Schienen geschlossen. Schweizer Lands- knechte stehen da. Pie einen mit Hellebarden, die andern mit Gewehr und Bajonett. Wer morgens beim Exerzieren zuschaut, kann regelrechte Ba­jonettangriffe erleben. Darüber hängt ein welt­ferner Gelehrtenkopf aus dein Fenster und über ihm klebt man Papier an die gewölbte Decke, um zu sehen, ob sie weiterreißt. Seht saust ein Auto mit dem roten Nummernschild S. C. V. (Stato Cittä Vaticana) herein und in der Sonne blitzen die auf die alte Ringmauer gesetzten Radio­türme. ticberatl dasselbe zeitliche Durcheinander.

Eisenbahn und Auto, denkt Papst wie Duce. Niemand fallt es ein, über die ..Konkurrenz" zu klagen, dafür ist der ewig wechselnde Boden Roms doch zu lehrreich. Richt um den staatlichen Bahnen das Wasser abzugraben, wie die bilder­reichen Parlamentsredner meinen, sondern um sie zu unterstützen, werden jetzt neben den Auto­straßen für Privatwagen solche für Lastwagen gebaut. GenuaMailand als erste, um die Schiffe unmittelbar an die lombardische Handelshaupt­stadt heranzubringen. Wenn die Eisenbahnen nicht mehr rentieren, überlegt Mussolini, wenn sie ein­geben sollten, nun, dann haben sie es eben Der- >ient Rur nicht dem Fortschritt in den Arm allen! tind dvmit reißt er auf, was seine Vor­gänger zugedeckt haben: das alte Rom. Er fährt n seiner Stadt herum, taucht in Dorstadtschulen wie im Stadion auf, hätschelt Arbeiterkinder in den staatlichen Quartieren für Wohnungslose, saust nach Ostia und nimmt dem nächstbesten Muschelfischer eine Handvoll der grauen Dinger ab, um sie gleich roh zu verschlucken, läßt an die ausländischen Korrespondenten telephonieren: Los, in die pontinischen Sümpfe! tind bann heißt es etwas, seinen unermüdlichen Deinen nachzukommen!

tim 10 tihr trifft man ihn auf dem Forum

deutsche Professor wie zur Zeit von 1810 bis 1820 aus den Erkenntnissen feiner Wissenschaft heraus al- richtiger Bekenner seinem Volke dienen soll. Mir hat die Geschichte der Griechen gezeigt, daß wir in diesem so reich begabten und uns so verwandten Volk ein erschreckendes Vorbild unseres Schicksals haben in feiner Uneinigkeit und seiner Ergebung in eine Knechtschaft, die es zum Kulturdünger der stärkeren Völker machte. In der Religionsgeschichte aber haben mir meine Forschungen ergeben, daß zu allen Zeiten in einem festen Glauben eine gewaltige Heilkraft für die Seele wie für den Körper, für den einzelnen wie für große Massen, ja auch für ein ganzes Volk lebendig gemacht wird. Dieser Glaube ist in Millionen deutscher Herzen in tiefer Not entzündet worden durch unseren Führer. Er wird trotz aller Bedrückung und Verfolgung immer weitere Kreise ergreifen und zu der Einigkeit führen, die behördliche Aufrufe und Organisationen nie schassen können. Diese Einigkeit aller Volksgenossen, die guten Willens sind, wird im Dritten Reich geschaffen werden und uns die Macht geben, unser Vaterland durch seelische und geistige Kräfte in die Höhe zu führen und ihm Freiheit und Achtung unter den Nationen wieder zu gewinnen. Diesen Glauben an eine bessere Zukunft müssen wir der deutschen Jugend, die ihn in heißem Herzen trägt, mit den scharfen Waffen unserer Wissenschaft stählen.

In vorzüglicher Hochachtung gez. Professor Rudolf Herzog. Groener trifft-

sich mit dem Kanzler.

(Srörtcruitfl dctz Reichsbannermaterials.

Berlin, 21.April. (111.) Der Sozialdemokra. tische Pressedienst hatte behauptet, daß Reichs- innenminifter Groener am Donnerstag wegen der Reichsbannerangelegenheit beim Reichs­präsidenten vorsprechen werde. Amtlich wird dazu mitgeteilt, daß kein Besuch Groeners beim Rcichspräsidenten stattsindet. Die Angelegen­heit habe sich dadurch verzögert, daß noch am Dienstagnachmittag aus dem Bureau des Reichs­präsidenten neues Material im Reichs- innenministerium eingegangen sei. Der Rkichsinnenminifter habe noch am Dienstag dem Reichsbannerführer Höltermann von diesem Mate­rial Kenntnis gegeben. Da die Angelegenheit ohne Zustimmung des Reichskanzlers nicht erledigt werden könne, fo werde Minister Groener am Samstag nach Süddeutsch- land reisen, um sich dort mit dem Reichskanzler zu treffen, der zur Aus­übung seiner Wahlpflicht vtzn Genf nach Süddeutsch­land kommen wird.

In den letzten Tagen hat der Reichsinnenminister Unterredungen mit dem Führer des Reichs­banners, Höltermann, gehabt, in denen er die­sem Kenntnis von dem ihm vorgelegten Material über das Reichsbanner gegeben hat. Höltermann hat den Standpunkt des Reichsbanners zufammen- fastend in einem Brief an Reichsminifler Groener dargelegt, dem ein Rundschreiben der Vundesleitung beigelegt worden ist, das die Auflösung der Schufo in allen (Bauen und Ortsver­ein e n anordnel. Weiter gibt die Bundesleitung des Reichsbanners in dem Schreiben eine eides­stattliche Versicherung ab, daß alle Führer des Reichsbanner» mit den Maßnahmen der Vun­desleitung einverstanden und außerdem bereit sind, alles Aktenmaterial den Behör­den zur Einsicht vorzulegen; darüber hin­aus wird versichert, daß keinerlei Tarnab­sichten beim Reichsbanner bestehen.

Eine neue deutsche Memelbeschwerde.

Gegen die Wahlbecinslussung der Litauer.

Genf, 21. April. (WTD.) Die deutsche Dele­gation überreichte gestern den Vertretern der Signatar machte der Memel-Kon­vention in Genf eine Rote wegen der Zustände

Trajans, um 10.17 tihr auf dem Forum Musso­linis. Das geht so ineinander über. Er hat jetzt von seinem Palazzo Venezia aus eine breite Straße zum Kolosseum durchbrechen lassen, die bis auf den Gipfel des 30 Kilometer entfernten Monte Caro hinaufsühren soll, dem alten Supiterheilig- tum, zu dem auf eigene Faust die Via trium- phalis die Feldherrn hinaufstiegen, denen Rom den Triumpch verweigerte. Da alles schnell gehen muß, wird nachts bei Scheinwerfern gearbeitet, und die Kippwagen rollen durch den Konstan- tinsbogen hindurch. Wer ein archäologisches Herz hat, dem ist anzuraten, bei der Buddelei lieber nicht zuzuschauen, er vergißt sonst das Essen. Auf einmal steht die bisher versteckte Konstcmtins- basilika auch frei da, den Venustempel bauen sie wieder auf, man sieht ein riesiges Tageshotel mit Waschbecken und Abzugskanälen, wie es erst nach Sahrhunderten und aber Jahrhunderten wie­der erfunden wurde, und hört den Duee sagen: Die Cäsarstatue im Senatorenpalast, vor der wir dieser Tage Goethe huldigten, die soll mitten auf dem Forum aufgestellt werden!

Also wird ein Bronzeguß davon am 21. April aufgestellt.

Don Christus.zur Singakademie, von Augustus und Cäsar zu Mussolini ist es in Rom nicht weiter als von unserem Wonnemond zum ita­lienischen aprile.

Zeitschriften.

Kurz vor seinem Tode übergab der unlängst verstorbene Gelehrte Wilhelm Ostwald der Sll.uftrirten Zeitung (Verlag S. S. We­ber, Leipzig) einen Artikel, in dem er der Ent­wicklung der Künste ein Horoskop stellt.Bis­marck als Student" heißt ein großer, illustrierter Beitrag von Prof. Ssymank, der auch eine Reihe wenig bekannter Bilder aus Bismarcks Göttinger Studentenzeit bringt. Einem noch unveröffent­lichten Reisetagebuch von HanS v. d. Gabelenh, Durghauptmann der Wartburg, entstammen bte fesselnden Schilderungen, die den Leser in die Wunderwelt Sndiens führen. Für den Auto­mobilisten wird der DilderartikelAesthetik im Autobau" von besonderem Sntereffe fein. Den Naturfreunden gewährt der BeitragSie Natur erwacht" Einblick in merkwürdige botanische Er­scheinungen. Den Liebhaber psychologischer Be­trachtungen mag der AufsatzDarum so emp­findlich? (Zur Psychologie der Mimosencharak- tere) besonders interessieren,