Nr. 69 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Dienstag, 22. März (952
Aus der Provmzialhauptstad^
(Sieben, den 22. März 1932.
Einmalige Unterstützun gen für Krieger- Hinterbliebene und Leichtbeschädigte.
Der Verband der Kriegsbeschädigten und Äric- gerhinterbliebenen der Kriegerkameradschast sia", Provinzialgeschästsstelle Oberhesscn in Gießen, teilt uns mit:
Auf Grund der Zweiten Notverordnung vom 5. Juni 1931 und der damit im Zusammenhang stehenden Aendcrung der Bestimmungen über die Zusatzrente können kinderlose Witwen unter 4 5 Zähren und Leichtbeschädigte eine Zusahrentc nicht mehr erhalten. Durch einen Erlaß vom 2. Oktober 1931 hatte der Reichs- arbeitsminister verfügt, daß im Hinblick auf die große Notlage, in der sich ein Teil der erwähnten Personen befindet, in besonders dringenden Fällen im Wege einer einmaligen Unterstützung geholten werden solle. Die Hnterstühungsbeträge sind nach dem Einkommen gestatselt gezahlt worden.
3n einem dem Kysihäuserverband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebcnen soeben zugegangenen Erlaß hat der Neichsarbeitsmini- ster die Hauptfürsorgestellen angewiesen, denjenigen Dersorgungsbcrechtigten des vorerwähnten Personenkreises, die eine einmalige Unterstützung auf Grund des Oktobererlasses erhalten haben, eine solche nochmals in Höhe der Hälfte der damaligen Sätze zu zahlen. Die Auszahlung erfolgt durch die Fürsvrgestellen. Mit dieser zweiten Auszahlung werden folgende Beträge i m ganzen ausgeschüttet: An kinderlose Witwen unter 45 Jahren je nach ihrem sonstigen Einkommen 75. 60 oder 45 Mark: an Beschädigte mit einer Erwerbsminderung von 40 Prozent, die infolge ihres Alters oder sonstiger nicht aus Dicnsibcschädigung beruhender körperlicher oder geistiger Gebrechen dauernd erwerbsunfähig sind, 45 Mark, für jedes Kind dieser Beschädigten 15 Mark. Zn den nach der ersten Ausschüttung von den Hauptfürsorgestellen noch gemeldeten, aber bisher nicht berücksichtigten Fällen können gleichfalls die obenerwähnten Unterstützungsbeträge gezahlt werden.
Besonders erfreulich ist es, daß nach dem gleichen Erlaß für begabte und fleißige Kriege rwaif en, die nach Vollendung des 21. Lebensjahres und Wegfall der Waisenrente eine Hoch- oder Fachschule besuchen, und die nach einem früheren Erlaß als Ersatz für die stark herabgesetzte Erziehuugsbeihilse einmalige Unterstützungen bis zur Höhe von 100 Mark erhalten tonnten, diese Unterstützungen hinfort in besonders dringenden Fällen aus 150 Mark erhöht werden können. Allen Waisen, die die erwähnte Unterstützung bereits erhalten haben, soll der Betrag von 50 Mark nachträglich gezahlt werden.
Daten für Dienstag, 22. März
Sonnenaufgang 6.25 Uhr, Sonnenuntergang 18.40 Uhr. — Mondaufgang 19.01 Uhr, Monduntergang 6.12 Uhr.
1797: Kaiser Wilhelm L in Berlin geboren: — 1832: Johann Wolfgang von Goethe in Weimar gestorben.
** Zug der Schneegän'se. Am Samstag 19.25 Uhr flog eine Schar Schneegänse, aus der Richtung Klein-Linden kommend, über unsere Stadt. Infolge der Dunkelheit konnte ihre Zahl nicht festgestellt werden. Am Sonntag zwischen 15 und 16 Uhr überflogen I Schneegänse Dornholzhausen (Kreis Wetzlar). Die Tiere kamen aus südwestlicher Richtung und flogen in nordöstlicher Richtung weiter.
** Gießener Pädagogium. Die am 18. Marz unter dem Vorsitz von Dekan Widmann abgehaltene R. V. (frühere Einjährigen)- Prüfung bestanden sämtliche 13 Prüflinge.
•* Steuerbewertung eines Bau- bl o ck s. In den vom Wirtschaftsprüfer und Steuersyndikus Hermann Will zu Gießen her- ausgegebenen „Aktuellen Eteuersragen" (Rundschreiben Nr. 6) lesen wir: Der Wert eines zahlreiche Baustellen enthaltenden Daublocls darf in der Regel nicht aus Kaufpreisen abgeleitet werden, die für einzelne für sich verkaufte Baustellen in der betreffenden Gegend erzielt worden sind. Zu ermitteln ist vielmehr der Preis, den ein Käufer
Goethe-Bund.
tooi'tfjcsOkbentitnnbe.
Am Vorabend von Goethes 100. Todestage hatte der Gießener Goethe-Bund, seiner verpflichtenden Mission bewußt, zu einer stark besuchten Gedenkstunde in der Neuen Aula eingeladen. Die Dortragsfolge wurde von einer kurzen Eröffnungsansprache eingeleitet: Dr. Carl W a l b r a ch hieß im Namen des Vorstandes die Erschienenen herzlich willkommen. Er umriß in knappen Zügen Sinn und Aufgabe der Gedenkfeier: nicht eine Charakterisierung aus zweiter Hand solle Wesen und Werk Goethes den Versammelten nahebringen — Goethe selbst solle durch den berufenen Mund des großen greifen Rezitators Dr. Ludwig W ü l l n e r das Wort haben. Wer sich das Thema „Goethe und die Gegenwart" stelle, müsse sich vor allem gegen das Trugbild vom „harmonischen" Goethe wenden. Hinter der olympischen Maske der faustische Mensch—: das sei das Goethe-Bild, welches für die Gegenwart Geltung habe.
Der nachklingende Eindruck der Gedenkfeier war beherrscht von der meisterlichen Dortragskunst Ludwig W ü l l n e r s , des hervorragendsten deutschen Goethesprechers. Er begann mit einer Auswahl aus der Lyrik und sprach zunächst die „Zueignung", die das Gesamtwert gleichsam präludiert: hieran schloß sich, in ausgezeichneter Gliederung, der „Gesang der Geister über den Wassern". Entschiedene Höhepunkte dieses ersten Teiles: „Wanderers Nachtlied". „Heber allen Gipfeln" und — die Krone der Goetheschen Lyrik — das Weimarer Mvndlied, wundervoll schwebend und beruhigt gesprochen. 3n lebhaftem Kontrast hierzu die heiter unb elegant bar- gebotenen Verse „Meine Göttin". Den Abschluß dieser ersten Folge bildeten „An Schwager Kronos" und der berühmte „Prometheus": beides wirkte .wenn der Ausdruck hier gestattet ist, hoch- dramatisch und schaffte dem Sprecher einen glänzenden Abgang.
Heberhaupt erwies sich als hervorstechendes Wesensmerkmal der Wiillnerschen Vortragskunst die überaus wirkungsvolle Verschwisterung von
des ganzen Baublocks schätzungsweise anlegen würde zu dem Zwecke, den Block zu parzellieren und in einzelnen Baustellen weiter zu veräußern. Dabei ist als wertmindemder Hmstand zu berücksichtigen, daß regelmäßig bis zum Weiterverkauf aller Teile geraume Zeit vergeht. (RFH. vom 12. November 1931 — Hl A 293 31.)
" D e r D e re i n C r e d i t r e j o r in e. B. G i e - feen hielt am Donnerstag in seinen Geschäftsräumen seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ob. Aus dem Bericht des (tzeschäftsführers für 1931 ging als besonders bemerkenswert hervor, daß auch der Verein Credit^eform unter dem Eindruck der Dezember-Notverordnung seine Preise für Auskünfte um 10 v. H. gesenkt hat. Eine starke Zunahme sanden die zu gegebenen Auskünften kosten los erteilten Nachträge Die Nachträge beliefen sich in letzter Zeit auf ungefähr 25 v. j). der erteilten Auskünfte. Da der Grund zur Erteilung von Nach- trägen meist in ungünstigen Veränderungen in den Verhältnissen der beurteilten Firmen lag, ergibt der genannte Prozentsatz ein Bild von der bedenk, lich. a Verschlechterung der Wirtjchastslage. Stark in Anspruch genommen wurde das Mahnversahren des Vereins, auch ein Zeichen für die Schwierigkeiten, mit denen die Wirtschaft heute zu kämpfen hat. Die Unsicherheit in der Bewertung von Grundbesitz und Geschäftsvermögen hatte zur Folge, daß die einlaufenden Anfragen mehr als seither Wert auf die Beurteilung der persönlichen (Eigen|d)aften der Inhaber oder Leiter der zu beurteilenden Firmen legten. Da die Vermögcnsoerhältnifse eines Unternehmens sich täglich ändern können, bleibt die Frage ausschlaggebend, ob die Person seines Leiters die Gewähr dafür bietet, daß es auch außergewöhnlichen Anforderungen gegenüber eine ausreichende Elastizität besitzt. Durch die in steigendem Maße erkennbare Mitarbeit der Mitglieder konnte das auf jahrzehntelange Arbeit sich stützende Auskunftsmaterial erfreuliche Ergänzung finden. Die vom Verbandstag der Vereine Creditresorm 1931 oorgeschlagenen Satzungsänderungen wurden als für den Verein Ercdit reform e. A. Gießen verbindlich angenommen. Der Geschäftsführer widmete sodann dem im Cianuar 1932 verstorbenen Mitarbeiter Georg Ritzel einen ehrenvollen 'Nachruf. Der Verstorbene hatte mehr als vier Jahrzehnte ausopfernd im Dienste des Vereins gestanden. Die vorausgegangene Dorstandssitzung hatte lediglich über eine zu den Obliegenheiten des Vorstandes gehörende Satzungsergänzung zu beschließen.
Erweitertes
Schöffengericht Gießen.
• Gießen, 21. März. Eine mehrtägige Verhandlung nahm folgender Fall in Anspruch. Der Spar- und Vorschußverein Grohen- Linden, AG., verlauste im Jahre 1923, also während der Inflation, seine sämtlichen Aktien — den Aktienmantel — an eine Hamburger Dank. Als sich im Jahre 1925 zeigte, daß die Hypotheken- und Schuldscheine des früheren Vereins infolge der Aufwertungsgesetze wieder an Wert kamen, faßte der Rechner des Vereins den Wie- dererwerb des Aktienmantels ins Auge. Er setzte sich mit einem in Rechts- und Finanzfragen bewanderten Beamten in Verbindung. Letzterer reifte mehrfach nach Hamburg und verhandelte mit der fraglichen Bank bzw. mit den Hauptaktionären wegen Rüäerwerbs des Aktienmantels. Es gelang ihm, und zwar im Dezember 1925, die Aktien zu einem verhältnismäßig niedrigen Preise „an die Hand" zu bekommen. Dem Rechner und dem Beamten hatte sich noch ein Bankdirektor, der ebenfalls für die fraglichen Aktien Interesse hatt^, zugesellt, desgleichen der frühere Direktor und Kontrolleur des Vereins. Diese fünf Personen bildeten im Dezember 1925 ein „Konsortium" zum Rückerwerb der sämtlichen Aktien. Da man auch die Wiederaufrichtung der Sparkasse beabsichtigte, berief man die früheren Aktionäre und Spareinleger für den 3. Januar 1926 zu einer Versammlung zusammen. 3n dieser wurde zur Zeichnung von Aktien ä 100 Mark nominal zum Preise von 75 Mark aufgefordert: man gab bekannt, daß die Rekonstruktion der Kaffe und die teilweise Auswertung der alten Spareinlagen beabsichtigt sei. Der Versammlung wurde vorgeschlagen, den Beamten nach Hamburg zum Abschluß des Aktienkaufs zu schicken. Gegen diesen Vorschlag wurde Widerspruch nicht erhoben. Die Zeichnung der
fabelhaft geschulter, technisch schlechthin vollkommener Rezitation und gepflegter Schauspielerei; hier grenzen Podium und Bühne unmittelbar aneinander, und dies könnte bedenklich erscheinen, wenn nicht hinter jeder Gestaltung Wüllners sehr spürbar die imponierende Geschlossenheit einer gereiften und geklärten Persönlichkeit stünde, deren geistiger Heberlegenheit jeder Stoff zum wirklich vertrauten und innerlich beherrschten Besitz geworden ist.
Im zweiten Teil des Programms brachte Wüllner vier der bekanntesten Balladen: den „König in Thule", den „Totentanz", den „Fischer" und die herrlichen Verse „Der Gott und die Bajadere": diese Vortragsfolge bildeten eine sinnvolle Vermittlung und Heberleitung zum großen Ausklang und bestätigte noch nachdrücklicher die oben angebeutete Charakterisierung seines Vortragsstils. Eine ganz überragende Leistung war hier der virtuos zum Monodrama gesteigerte „Totentanz". Als heitere Zugabe hörte man die „Offene Tafel".
Den großartigen Abschluß des liebevoll zu fammcngeftctlten und übrigens vollkommen frei gesprochenen Programms bildeten die Eingangsszenen aus dem ersten Teil des „Faust": großer Monolog. Erdgeist-Szene, Faust und Wagner, Faust allein, Gesänge der Engel, der Weiber, der Jünger. Hier gelangte Wüllner zum vollen und breiten Einsatz seiner vielfältigen Mittel, zur glanzvollen Entfaltung feiner umfassenden, mimisch und darstellerisch belebten Sprachgestaltung. Hier wuchs das prachtvoll tragende Organ zu feiner ganzen Höhe und Fülle und gliederte sich zur dramatisch-dialogischen Charakterisierung der Szenenführung: eine schon physisch und mnemotechnisch erstaunliche Leistung, wie sich Wüllner hier in geistiger Durchdringung und zugleich komödiantischer Vitalität den Vortrags- raum zur belebten Szenerie umbildet Den mächtig dahinströmenden Fluh der gebundenen Rede überwölbten abschließend die österlichen Chöre als Krönung und rezitativischer Ausklang des faustischen Monologes. — Lang anhaltender Beifall rief Wüllner zuletzt immer wieder auf das Podium.
Der Dauersche Gesangverein unter der feinsinnigen Leitung seines Dirigenten, Hniverjitäts-
Aktien war nur mäßig Es wurden nur etwa 250 bei einer Zahl von 500 Aktien gezeichnet, darunter eine erhebliche Zahl von den Mitgliedern des Konsortiums und deren Verwandten. Der Aktienmantel wurde gekauft, teilweise mit Kapital der Mitglieder des Konsortiums zum Preise von 22 000 Mark. Später verteilten diese die restlichen 250 Aktien mit 42 Mark unter sich: außerdem wiesen sie sich Vergütungen in Höhe von 3000 bis 10 000 Mark für Mühewaltung. Aufwendungen und Risiko zu. Die Spar- und Vorschußkasse Großen-Linden wurde wieder errichtet, sie prosperierte gut und brachte den Aktionären in den ersten Jahren 7 und 9 Prozent Dividende: außerdem wurde ein Aufwertungsstock von 140 Mark für Aufwertung der alten Spareinlagen gebildet.
Als etwa fünf Jahre nach der Versamin.ung vom 3. Januar 1926 die Zuweisung der Aktien und Vergütungen unter den Aktienzeichnern bekannt wurde, erhob man, nachdem die eingeleiteten Verhandlungen fruchtlos verlaufen waren, gegen die fünf Mitglieder des Konsortiums, die heutigen Angeklagten, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Gießen. Diese stellte zunächst das Verfahren ein. Aber durch Beschluß des Ober- landesqerichts Darmstadt wurde die Führung einer Voruntersuchung angeordnet. Nach deren Abschluß beantragte die Staatsanwaltschaft wie
derum die Außerverfolgungsetzung der fünf An- geschuldigten Aber die Strafkammer des Land- gerichis Gießen beschloß die Eröffnung des Hauptverfahrens.
In der heutigen Hauptverhandlung wurden am ersten Tage gegen 30 Zeugen vernommen. Am zweiten Tage fanden die Plädoners statt. Der Staatsanwalt erklärte, er könne nach der ausgedehnten Beweisaufnahme einen Antrag auf Verurteilung nicht stellen. Nach seiner Ansicht sei weder der Tatbestand des Betruges, noch der ilntrcue gegeben Die Aktien seien in das Eigentum des Konsortiums übergegangen: zu den damaligen Zeichnern habe weder ein AuftragS- noch ein Treueverhältnis bestanden: auch hätten keine falschen Vorspiegelungen und keine absichtliche Benachteiligung der Aktionäre statt- gesunden. Die bestehenden Differenzen seien lediglich zivilrechtlicher Natur. Der Nebenkläger trat für Verurteilung der Angeklagten ein; die beiden Verteidiger forderten die Freisprechung ihrer Klienten Das Gericht setzte den Hrteilsspruch bis zum 21. März aus.
Das heutige Mrfeil lautete auf Fre isprech u n g: die verkündete Begründung deckte sich in der Hauptfache mit den Ausführungen des Staatsanwalts.
S.J.-fpor/
VfB.-Gießen.
VfB. Liga — „Viktoria" Frankfurl-Lckenheini 2:1 (0:0).
Das Spiel des Sonntags auf dem Waldfport- plah erreichte nicht ganz das Niveau des Kampfes gegen Aschaffenburg. Es war nicht uninteressant, auch schnell, finefsenreich, sehr gleich verteilt während der ganzen Spielzeit, aber doch nicht rassig genügt um die Zuschauer sehr zu begeistern. Beide Mannschaften gingen zwar sehr aus sich heraus, in der Hauptsache sah man Mittelfeldspiel, aus dem heraus sich Angriffe entwickelten, die jedoch nicht mit dem nötigen Elan durchgeführt wurden. Die Gäste waren flink, schnell in der Ballabgabe, aber doch nicht sicher genug in der Ballbehandlung, um das Feld beherrschen zu können. Der Sturm zeigte sich etwas schußsreudiger als der der Hiesigen, war mit seinen Torschüssen gber wenig glücklich. Die VfBer waren gut in Fahrt, kaum schlechter als i Vorsonntag und von einigen Schnitzern uptsächlich im Stellungsspiel der Stürmer) l gefeben in der Zusammenarbeit nicht ungeschickt. Der Tormann war sehr auf dem Posten, die Verteidigung auch, die Läuferreihe vernachlässigte manchmal den Sturm. Der Sieg der VfBer war verdient.
Während der ersten Halbzeit sah man ein flottes Spiel, das die Zuschauer wohl zu fesseln vermochte, Tore fielen aber nicht. Verschiedentlich und auf beiden Seiten wurden Bälle über die Tore gegeben oder wurden den Tormännern zur Beute, die beide gleich sicher waren. Manche Gelegenheit wurde ausgelassen, die Verteidigungen waren aber anderseits sehr zuverlässig und ließen die Stürmer nie voll zum Zuge kommen. Einmal wanderte der Ball, von Balser gegeben, zu Leutheuser, von dort zum linken Flügel sauber zu- und abgespielt, der gutgemeinte und placierte Torschuß wurde aber vom Frankfurter Tormann zuverlässig ausgenommen. Zweimal rettete für die Platzbesiher der Dalken. Eine Minute vor Halbzeit ließen die Grünweißen eine prächtige Gelegenheit zum Torschuß aus.
Nach der Pause änderte sich im Spielfeld nichts. Erst in der 20. Minute der zweiten Halbzeit wurde der Bann gebrochen und Seipel schoß am überraschten Torwart vorbei zum ersten Tor ein. Haupt vergab dann eine totsichere Gelegenheit zum Torschuß, die Frankfurter standen bald darauf aber zweimal kurz hintereinander ebenso hilflos vor dem Tor und ließen die Situation unausgenüht. Erst wenig später führte ein gut vorgelegter Angriff zum Erfolg, zum Ausgleichstreffer. Das Spiel flaute nun etwas ab, die Mannschaften hatten sich sehr ausgegeben, aber wider alles Erwarten schoß
drei Sekunden vor Schluß Knaus ein zweite/ Tor, das für die VfBer den unerwarteten Sieg bedeutete. Resigniert holte der Frankfurter Tormann das Leder aus dem Netz. Der Schiedsrichter war nicht schlecht, übersah aber manches, Handspiel ignorierte er völlig.
Spielvefeimgung 1926 Leihgestern.
Leihgestern 1 — Lollar I 4:3.
Am Sonntag hatte die 1. Mannschaft der Spiel- Vereinigung Leihgestern die 1. Mannschaft des Sportvereins Lollar im Freundschaftsspiel zu Gast. Die zahlreichen Zuschauer tarnen auf ihre Kosten, denn das Spiel war von Anfang bis zum Ende außerordentlich reich an spannenden Mo- menten. Zwei gleichwertige Gegner rangen mit aller Energie um den Sieg. Der Kampf wurde dabei sehr fair ausgetragen. Leihgestern hatte während der ersten Hälfte immer etwas mehr vom Spiel. legte auch drei schöne Tore vor, während Lollar nur zu einem Erfolg kam. Nach der Pause zog Lollar mächtig los, brachte auch das Tor der Gastgeber des öfteren in ernste Gefahr, aber der gut aufgelegte Tormann der Leih- geftemer hielt ausgezeichnet. Erst ein gut hereingegebener Eckball und ein etwas fragwürdiger Cchiedsrichterball im Strafraum verhalfen den Gästen zu zwei Erfolgen, denen die Hiesigen nur noch ein Tor entgegenzusehen vermochten. Der Schiedsrichter aus Gießen leitete gut.
Handball im Gau Hessen (O. T.)
217(0. Gießen 1. Jugend
gegen To. wehlarNiedergirmes 1. Jugend 14:2 (6:1).
Am Sonntag weilte die erste Iugendmannschaft des Gießener Männer-Turnvereins als Gast bei der Jugend des Turnvereins Wehlar-Nieder- girmes. Das Treffen war ein echtes Freundschaftsspiel, jederzeit fair. Die Mannschaften traten beide in stärkster Aufstellung an. Daß die Gießener Männerturner einen Sieg erringen würden, hatte man schon im voraus erwartet: daß sie jedoch ihre früheren Siege um ein vielfaches überbieten würden, hätte niemand gedacht. Dieser Sieg ist — ebenso wie der hohe 8:1-Sieg vom Vorsonntag — der beste Beweis dafür, daß die Mtv.-Iugend sich zur Zeit in guter Form befindet, und daß sie schon getrost den Endspielen um die Gaumeisterschaft entgegensetzen kann.
Handball im Labn-Oünsberg-Gau.
Wißmar I — Rodheim I 8.5 (3:3).
Beide Mannschaften trafen sich in Wißmar zu einem Gesellschaftsspiel. In der 7. Minute führte Wißmar bereits mit einem Tor, jedoch die Gäste erzielten 2 Minuten darauf schon den Ausgleich und so ging es bis zur Halbzeit noch zweimal
musikdirektors Dr. Temesvarh, bereicherte die würdige Gedenkstunde durch zwei vortrefflich gesungene Chöre, das „Lied der Parzen" aus der „Iphigenie" (Reichardt) und „An den Mond" (Schubert). — -y-
HocksÄulnachrichten.
Am 22. März begeht der in Marburg im Ruhestand lebende Professor der klassischen Philologie und Beredsamkeit, Geh. Rat Dr. Theodor Birt, seinen 8 0. Geburtstag. Birt wurde am 22. März 1852 in Hambutg geboren, studierte in Bonn klassische Philologie und ließ sich 1878 in Marburg als Privatdozent nieder. 1882 wurde er dort Professor und blieb der Alma mater Philippina treu, obwohl wiederholt Aufforderungen, an größere Hochschulen überzusiedeln. an ihn ergingen. Don seinen zahlreichen fachliterarischen Arbeiten nennen wir hier nur die „Kulturgeschichte Roms", die „Charakterbilder Spätroms", „Don Homer bis Sokrates" und „Alexander der Große und das Welt- griechentum". Dirt war übrigens auch belletristisch tätig und hat eine An-cihl von Gedichtbänden und Dramen veröffentlicht.
Der Nestor der deutschen Kunsthistoriker, Geheimrat Professor Dr. Georg Gottfried D e h i o, von 1892 bis 1918 Professor der Kunstgeschichte an der Hniversität Straßburg, ist im Alter von 81 Jahren in Tübingen gestorben. Geheimrat Deh.o, geboren in Reval am 22. November 1850, war Inhaber des Ordens Pour le merite für Kunst und Wissenschaft. Mitglied der Dayeri- schen und der Preußischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der Gesellschaft für Wissenschaften in Göttingen. Vier Fakultäten haben ihn zum Ehrendoktor promoviert. Zu feinem 80. Geburtstag zeichnete chn Reichspräsident v. Hindenburg durch die Verleihung des Adlerschildes aus. Von feinen Schriften nennen wir neben der grundlegenden „Geschichte der Deutschen Kunst" in drei Dänden seine Hnter- suchungen über kirchliche Daukunst, über Denkmalschutz und Denkmalpflege und die Monographien über das Straßburger Münster und den Bamberger Dom.
Tonfilm: „Ronny".
3m Lich tspielhaus, Bahnhofstraße, läuft (feit gestern) wieder eine Tonfilm-Operette. Diesmal ist Lilian Harvey nicht dabei, Willy Fritsch aber war nicht zu vermeiden. Die Handlung des Filmes spielt in einem Land, das nicht von dieser Welt zu sein scheint, mit irgendeiner Kleinbahn aber doch zu erreichen ist. Eine Modezeichnerin wird nach Perusa verschlagen und wird für die Sängerin gehalten, die zu gleicher Zeit erwartet wurde, aber nicht erschien. Mil ihr steht und fällt das Stück, das am Hoftheater aufgeführt wird und den jungen Fürsten des Landes zum Komponisten hat. Wie es im Film so sein muß: der Fürst verliebt sich in die Pseudo- Sängerin. Seine Exzellenz der Hofmarschall inszeniert bereits ein Abendessen, die kleine Modezeichnerin von gestern soll heute das Lustschloß beziehen, aber empört über diese hintergründige Zumutung läuft sie fort. Die Kleinbahn fährt schon mit ihr in die andere Welt zurück, da läuft der Fürst (der mit den Dispositionen Seiner Exzellenz nicht einverstanden war) der Eisenbahn nach und holt das Mädchen zurück. Es erübrigt sich, über die Handlung weiteres zu sagen. Wesentlicher ist, daß Käthe von Nagy, die Gegenspielerin Willy Fritschs, eine prächtige Ronny ist, sich mit einer liebenswürdigen Geschicklichkeit und Drolerie in ihre Rolle findet und außerordentlich gut zu gefallen weiß. Willy Fritsch ist wie immer. Die anderen Rollen sind gut besetzt. Otto Wallburg ist ein stets aufgeregter Intendant, Hans Waßmann ein Hosmarschall. pedantisch, wie man sich ihn vvrstellt, am luftigsten aber ist Kurt Despermann, der Mann am Bahnhof, der Mann mit den vielen Aemtern und Mützen. In diesemIilm wird wieder manches Liedchen getränt manches Lied gelungen, die Schlager toef£cn hie Straße aber nubt so leicht erobern, bfcnn sie sind nicht sinn- fällig und nicht originell genufl. Was den Film diarattcrmcrl, ist der i!ngcf)curc Aufwand, der Prunk, das Vielerlei f(tr pcis Auge, das aber doch nicht ausreicht, um 'jjie Handlung lebendiger erscheinen zu lassen. So/ unterhält man sich gut, ebne jedoch sonderlich b^Dingt das Haus zu verlassen. ', a


