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Nr. 44 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Montag, 22.' $cbruar 1932

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Der ebenfalls kürzlich

verstorbene Walter

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zum Ordinarius in Düsseldorf

Ein wenig herzhafter Landschaft mit zwei

Weggang von Prof. H. Heim­an der Mnioerfität Königs- Lehrstuhl der Philosophie ist

ichlsvolhi'eher ht stießen.

611. Telephon 4039.

Don Otto Mueller t findet man hier ausschließlich weibliche Akte: Bewegung-- Ausdrucksstudien am unbekleideten Körper,

fast und

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!ük,ISpiegeIjchwnl, schuhe, ne mit Platten, Lchime, lasschrank, Regale, Laden

ebsameV ertreter finden )ßer Versicherung

Der durch den foeth nach Köln berg erledigte

relle lassen die parallele Entwicklung nicht der gleichen Aachdrücklichkeit verfolgen.

und wir erbebten vor der Furcht» LchickfalS, das da Millionen von feine Knochenmühle nahm und ver-

fammengefastt mit flüchtigen, spitzen, nervösen Linien, gehöht und gerundet mit zarten Pastell­tönen oder weicher Aquarellierung. Das sind alleS blaffe, empfindsame Bilder deS Augenblicks und der plötzlichen Eingebung, Momentaufnahmen vom ruhenden oder fliehenden Rhythmus einer

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eßen

Professor Dr. HanS Heyse in DreSlau An­geboten worden.

Prosessor Dr. Fritz PringSheim in Frei­burg i Br. hat den Aus auf den Lehrstuhl für deutsches bürgerliches Recht an der Universität Bonn abgelehnt.

Der Schriftsteller Friedrich von Oppeln.- Bronikowski in Berlin-Charlotten- burg. als gelegentlicher Mitarbeiter deS ,,®ic» hener Anzeigers" unseren Lesern nicht unbekannt, wurde in Anerkennung feiner archäologifchen For­schungen von der Philosophischen Fakultät der Universität Breslau -um Dr. phil. h.c. er­nannt.

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Figur oder Körpergeste im Kolorit die einzige Bäumen und Wasser.

Otto Herbig erscheint, biemeben. um einen vollen und tiefen Akkord bestimmter und energi­scher sowohl in der Tongebung wie in der plasti­schen Rundung und Körperfülle von Menschen und Dingen. Dem dieser Maler neben Gramatte aus den ersten Blick fast röbust erscheinen möchte, wird solche Meinung angesichts des .Römischen ParfS" mit den überaus zarten Paftelltönen des Durch­blicks im Hintergrund alsbald zurücknehmen. Lehr vornehm und unakademisch die .Frau am Fenster"; das witzige .Ltilleben mit Pferdchen" und eine kräftige Aichnung seien nod) besonders notiert.

sind typisch für feinen Stil, wuchtig und elegant zugleich (man kann es kaum anders als mit diesem Widerspruch ausdrücken), impressionistisch gelöst und weich, dennoch voy männlicher Kraft und Haltung, aus angemessener Weite zu grob- artiger Prägnanz und Bildhaftigkeit zusammen» geschlossen.

Bon ungemein feiner und kultivierter Farbig­keit der zarte und völlig unkonventionelle ..Son­nenuntergang an der Ostsee" (nichts vom üblichen Furioso in Rot). Dann die ..Tessiner Kirche", im­ponierend und mächtig hochwachsend vor dem blauen Grund. Die ..Weihnachtssterne" im bren­nenden Rot der ausgeschlossenen Kelche. Die ..Drücke im Maggiatal" mit der charakteristischen Mischung von Kobalt- und Ocker-Tönen.

geilt-

©ramatte (beflen graphisches Werk soeben in einer Buchpublikation der Oeffentlichkeit über­geben wurde» bringt eine Reihe von duftigen Aquarellen; leichte und liebenswürdige Kompo­sitionen von hellblauen, rosa, lichtgelben und maigrünen Tönen (Osterstilleben", ..Selbstbildnis mit Blumen"). Die großen und ihrem Preis nach repräsentativ gedachten Oelbilder,WechnachtS- stilleben" und ..Müdes Blumenmädchen", find vollkommen «und nicht ganz glücklich) auf das die Gesamtwirkung beherrschende Rachtblau eingestellt. Sine heitere Landschaft ist neben der melancholischen Großftadt-Impression das Bild von Cadiz in südlichem Licht und südlichen Farben.

3n der Gruppe I lieferten sich sodann dio Polizei Butzbach und die Universität Gießen daS Entscheidungsspiel und den letzten Kampf des TageS. DaS Spiel endete mit 1:0 für die Universität

Das Faustballspiel zwischen Postsportver- ein Frankfurt und Tv-184-6 Gießen entschieden die Frankfurter mit 29: 27 Punkten für sich

Mitglieder deS EiSvereinS unterhielten di« Gäste mit guten Leistungen im Rollschuh- laufen.

Fußball der Gießener Mannschaften.

Die beiden Gießener Vereine hatten am gest­rigen Sonntag fast sämtliche Mannschaften im Feld. Auf dem Platz an der LiebigShöhe schlug die Liga der Spielvereinigung den Vertreter der Oberliga von Main-Hessen, .Olympia" Lorsch mit 2:1 Toren. Die II. gewann gegen Dauborn I 2:1, die III. spielte in Leihgestern gegen die dortige II. 3:3 der Gegner der IV., Bieber, trat nicht an, die v. Mannschaft verlor gegen Dau- bringen mit 1:2. Die I Jugend blieb über die spielstarke 1.3ugenb des Sportvereins Wetzlar mit 4 0 Sieger, die III. spielt? gegen die I. des Lokalgegners und gewann knapp mit 1:0, die I. Schüler verloren gegen WiefeckS I. Schüler 0:1, während die II. Schüler auf den Gegner aus Wat­zenborn vergeblich wartete.

Die Liga des VfB. bestritt ihr vorletztes Der- bandsspiel gegen die Germanen in Marburg auf dem kleinen Platz der Gastgeber und verlor

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rem gutem Verdi ernt n a. wörb. ZoM'huÜ). ngsmöglichkeit :um fest- Bez.-Beamten in kürzest, i en. Es kommen nur best- e Herren in Frage, die \ eitzen. Ausführliche Be- unt.l428Va.d.Gie6.Anz.

Unter den Bildern von War K a u S gibt den stärksten Eindruck für unser Gefühl eine breit auf gebaute Landschaft von Passau: sie wirkt im ersten Moment etwas verblüffend. beinahe gewagt in der scheinbar unbekümmerten Reichhaltigkeit Der Palette: doch schließt sich das Bild bei gehörigem Abstand und ruhigen Abwarten bald überzeugend zusammen und ist. wenn einmal flüchtig die Sonne daraus fällt, von schöner Leuchtkraft und lebendiger Fülle Ein kultiviertes Aquarell, ..Clivia", eme

kleinere Landschaft und die ganz entfernt an Pech­stein erinnernden .Badenden Frauen" seien nicht vergessen.

Von Erich H e ck e l haben wir in früheren Jah­ren schon an dieser Stelle einiges gesehen. Es ist sehr interessant, aus der Datierung feiner Bilder die Entwicklung der Schweife und des malerifchen Stils abzuwsen: von den zerklüfteten «wiewohl räumlich sehr bewußt und energisch zu- fammengehalteneni ..Rordfeedünen" (1923) und demEinradsahrer" (1924), in dem der abster­bende Expressionismus noch nachzuklingen scheint, über die sachliche ..Holzstgur" bis zu der gan- trocken aufgesetzten. fest und begrenzt gemalten Landschaft mit Bauernhaus" (19281 - ohne

Umschweife und Ekperimente. Die vier Aaua-

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Heimer) gestaltete sich zu einem seinen künst­lerischen Genuß. Drei Lieder für Sopran, für Streichorchester und Orgel, eine Sonate für Vio­line und Klavier, in der sich Leiden und .Kämpsen Christi am Oclbcrg wiederspiegelten, ein geist­liches Konzert für Mezzosopran und Orgel, ein Orgclchoral, ein g.mein,am gesungenes Lied und ein Konzert für Streichorchester und Cembalo be­schlossen die Feierstunde, die für die Zuhörer ein schone- Erlebnis, für unsere Gefallenen eine wür­dige Ehrung war.

Am gestrigen Sonntag wurde in unserer Stadt wiederum der Gesallenen des Weltkriege- in wür­diger Weife gedacht. Die öffentlichen Gebäude waren Halbmast beflaggt, und in den Gottes- Dienften wurde auf den Sinn und die Bedeutung , Sxigve hingewiefen. 3n der Mittagsstunde lanb die vom Volk-bund Deutsche Ancgegrabcr- fürforge, Ortsgruppe Gießen, veranstaltete und außerordentlich stark besuchte

Gedenkfeier in der Heuen Aula

statt. DaS Kammerorchestcr der Volkshochschule unter Musiklehrer Franz Bauer jr. leitete die ernste Feierstunde mit der Wiedergabe der Trauerfymphonie von Pietro ßocatelli ein. An­schließend sang der Bauersche Gesangverein unter Universitäts-Musikdirektor Dr. Temesvary Franz Schuberts wunderbaren Chor .Heilig ist der Herr". Hierauf folgte die

Gedenlansprache von Studienrat Dr. König.

Ebenfalls vor nicht langer Zeit verstarb der Ber­liner Maler Anton Kerschbaumer: die Bil­der. die man hier von ihm findet, sind insgesamt, trotz manchen skizzenhaften Zügen und improvisa- torischen Einzelheiten, in einem großen Ausschnitt gesehen und in großzügiger Linie gemalt und vor den Beschauer hingestellt. Die Farben sind nicht hell, aber warm; gedeckt, aber füllig. Ein eigen­tümliches Olivgrün wiederholt sich auf mehreren Bildern in überaus seinen Abstufungen (.Stil­leben mit Adventsengel". .An der spanischen Treppe, Rom"). Ueberhauvt sind hier die klei­neren Formate, für unser (empfinden, von stärke­rer Wirkung als die beiden großen, teilweise dv h etwas unruhigen Kompositionen .Straße in der Rormandie" und »Kanal mit Hochbahn".

Hallen-Handball-Turnier.

Das am Samstagabend vom Polizeifportvrrein Duybach veranstaltete Hallen-Handball-Turnier in der Bolkshalle auf da- wir noch eingehender zurückkommen war ein großer ideeller und sportlicher Erfolg. Die Mannschaften waren durchweg in ihren stärksten Ausstellungen et- schienen, viele Zuschauer hatten sich eingefunden, die Volkshalle erwies sich für eine derartige Ver­anstaltung als sehr günstig, so daß alle Voraus­setzungen für einen guten Verlaus gegeben waren. Cs entwickelten sich überaus spannende Kämpse, die folgende Ergebnisse zeitigten:

Tv. 1846 Butzbach VfL Wetzlar 4: 3,

Tv. Wetzlar Universität Gießen 3:5,

1900 ließenTv. Großen-Buseck 1:3,

Tv. 1846 Gießen Polizei Butzbach 2:2,

Tv. Heuchelheim Tv. Pohl-GönS 3:2,

Mtv. Gießen Bataillon 7:3.

Zwischen dem Tv. 1846 Gießen und der Polizei Butzbach wurde für die Vorrunde ein Entschei­dungsspiel notwendig, das die Polizisten mit 0:3 für sich entschieden. 3n der Zwischenrunde ergaben sich folgende Resultate:

Tv. 1846 Butzbach Tv. Großcn-Buseck 1: 5,

Mtv. Gießen Universität Gießen 5: 4

2n der Gruppe 11 standen sich nun im Kampf um die Entscheidung die Mannschasien von Tv. Heuchelheim und Tv. Großen-Buseck gegenüber. Großen-Buseck ging als die bessere Mannschaft mit 1:3 Toren als Sieger hervor.

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mifbrr ausdrechen und unseren Blick nicht nur in dic Weiten des Raum», sondern auch in die liefen der Zeiten tauchen lassen.

Zugleich aber ist seil jenen furchtbaren Zähren die schlichte Frage nach dem Verhältnis der Menschen zur Volkheit zueinander ganz anders gestellt worden, wie vordem. Wie ist doch so manches, was groß war, klein gewordeiy und so manches Weine groß und und wieder klein, und schließlich hat sich ergeben, daß wir alle zu­sammen recht arm geworden sind, daß wir mit dem, was uns geblieben ist: unserem Boden, unse- ren Arbeitsstücken, unseren Menschen von neuem anfangen müssen. Man hat damals das Wort vom Schüßengrabengeist geprägt, es ist zum Schlagwort und abgegriffene Münze geworden. Aber es hat doch leinen tiefen Sinn besessen War manchen hat der Schutzengrabengeist der Kamerad­schaft damals gepackt.

Sollte aus alledem ein neues deutsches Volk, ein neues Deutsches Reich, ein neues Mitteleuropa, ein neues Abendland des Frie­dens und der Ordnung und der Dölkerfreihett her­vorgehen, sollte ein neues Verhältnis von deutschem Menschen und deutschem Voll, von deutschem Voll und deutschem Boden, von deutschem Menschen und deutscher Geschichte gefunden werden, sollten wir von solchen Voraussetzungen aus unser Reich neu zu bauen in der Lage (ein, dann könnten wir, die mir um die Toten des Weltkrieges trauern, uns wehmütig sagen, daß sie doch nicht umsonst gefallen sind. Uns Lebenden aber ist aufgegeben, die Aus­gabe, die sie liegen ließen, aufzugreisen und der Ljung zuzuführen. .

©er Abschluß.

Zum Schluß fang der Bauerfche Gesangverein nach Franz Schuberts feierlichen Chor ..Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken". Damit fand die weihevolle Ge­denkstunde einen würdigen Ausllang.

Von 13 Uhr bis 13.15 Uhr ertönte von den Türmen unserer Kirchen Trauergeläute zu Ehren der Gefallenen.

Lll suchen allerorts ge-eviowu obtiortmitgröh.Umkrcw Filiale (teinoben) er . Beruf und Vodnort i'uernbes Einkommen brs . Vemerbung.en mUtt 2anbie2lnnAröebition

groß" gab dem K a m m e r o rch e st e r Gelegen­heit. sein gereistes Können xu beweisen. Ein Duett

.Erhöre mich" (Frl. Kühn, Frl. P

dolf Noll

'*^1931.

nichtete: wir standen einem'Ucbermächtigen gegen­über, das auch unS jederzeit vernichten konnte. Wir lebten und wollten leben. Aber wir batten doch auch irgendwie mit dem Leben abgeschlossen, denn wir sahen sie ja alle Tage fallen, die Kameraden, rechts und links, und wußten, daß die Reihe um^ersehen- auch an uns kommen könnte. So bissen wir die Zähne auseinander und ertrugen das Furchtbare, daß wir die Kame­raden neben un- sollen sahen und daß wir selber um unseret und um der Unseren Willen töten mußten.

Aber der Krieg hatte auch eine andere Seite! Es war bod> auch etwas Großes um ihn Rie haben wir die A a t u r so erlebt wie in jdnen Tagen: nie haben wir im Menschen so sehr den Menschen sehen lernen wie da­mals, al- unS alle, die wir in Reih und Glied standen, das gleiche Schicksal und die gleiche Auf­gabe verband, als wir alle so offensichtlich vor dem Tode gleich waren: nie haben wir uns so unsere - eigenen IchS und seiner In­teressen entäußert, wie damals. Wir stan­den dem Ewigen gegenüber und ließen uns von ihm anwehen und erfüllten unS mit Gedanken, die un- reich machten, weil sie uns über unS hinau-hoben So furchtbar der Krieg auch war, er war zugleich erhaben. DaS mag unS trösten, wenn Irir der Gefallenen gedenken. Sie sind wissend in den Tod gegangen, sie haben, weil sic um den Tod wußten, die Erde in all ihrer Schönheit sehen gelernt, sie haben den gewaltigen RynchmuS des ciien GemcinfchaftSgeiühls der Millionen in ihren Herzen verspürt. DaS Er­habene drückt den Menschen nicht nut nieder, eS erhebt ihn auch. WaS kann eS Eryabenere« geben wie dieses bald lang­same, bald schnellere Schreiten zwischen Tod und Leben, zwischen Grauen und Hochgefühl, zwischen Leiden und Freude, Fürchten und Hoffen, Ent­sagen und Wollen, Wirrnis und Klarheit? Wir wollen nicht jammern und klagen, wir wollen unser Herz von jener Wehmut durchziehen lassen, die Schmerz und Freude zugleich ist.

'Aber es ist nicht nur der einzelne, der den ein­zelnen verlor, es ist das Doll, das sie alle verlor, die Millionen, die in jenen Jahren fielen. Damit das deutsche Doll und sein Reich bestehen bleibe, sind

die 2 Millionen Reichsdeutscher, sind die vielen Hun­derttausende der deutschen Soldaten der alten Donau­monarchie gefallen. Als Glieder des deutschen Vol­kes find wir heute, wie alle Jahre, zu dieser feier­lichen Stunde vereint, um all des Lebens ,u ge­denken, das geopfert werden mußte, damit voll und Reich am Leben blieben. Diese Feier hat nur sinn, wenn wir uns zumindesten in dieser Stunde in der Einheit des Volkstums und des Reichsgedan- kens verbunden fühlen, für bte jene fielen. Aber wir wollen uns zugleich xu Bewußtsein führen, weich' einen furchtbaren Verlust der Krieg uns brachte, jeder künftige Krieg uns wieder bringen müßte. Es ist die beste Mannschaft, die im Kriege fällt Unersetzliches Volksgut an Blut und Geist ist so oerlorengegangen. Da steigt denn immer wieder die bange .frage aus: hat es denn sein müssen, ist es nicht sinnlos gewesen ?

Vielleicht ist die Katastrophe gerade aus der Ver­nunft der Dinge h.raus gekommen, vielleicht hatten sich die Angelegenheiten der Völler Europas und der Menschheit Io heillos verkrampft, daß es kein Ausweichen mehr gab, vielleicht auch muhten die Völker vor die große Schicksalsfrage letzter Bewäh- rung gestellt werden, um sich nicht in den Irrgängen einer übersteigerten Zivilisation zu verlieren: viel­leicht mußten die Menschen vor die Gewalt der letz­ten Fragen pon Tod und Leben, von Individuum und Gemeinschaft geführt werden, um den Weg zur rechten Bescheidenheit und zum rechten inneren Maß wieder zu finden. Eins scheint jetzt gewiß zu sein, die Zeit des schrankenlosen Individualismus ist zu Ende: das Leben ordnet sich neu und zwingt uns zu primitiveren, ortzanischeren, naturhastcren For- men hin. Eins schalt sich immer mehr aus der Wirrnis der Zeit heraus, daß es echte Lebens­gemeinschaften gibt, die den einzelnen binden und verpflichten, daß daher nur dasjenige Einzelleben rechten Sinn hat, das bewußt aus dieser organi­schen Beziehung zur Gemeinschaft heraus lebt und wirkt.

Als wir Deutsche im Jahre 1914 in den Krieg hinauszogen, hatten wir im allgemeinen keine rechte Dorfte11ung von unterem Volk. Da fiel den meisten noch die Dolksdürgerschaft mit der Staatsbürgerschaft zusammen: wer die Staats­bürgerschaft im Deutschen Reiche besaß, der war ein Deutscher, wenn er auch von Haus aus ein Pole war, wer außerhalb des Reiches als Bürger eines anderen Staates faß, der galt als Russe, als Ungar, als vesterreicher. Wir hatten unser Volk verloren. Wir sind nach all den Irrwegen unserer Geschichte zur Dolkwcrdung in Europa aufgerufen, zur Volk- Werbung auch über die vielen politischen Grenzen hinweg, die uns Deutsche trennen. Indem wir im Kriege unser Jungvolk opferten, haben wir die vielen Millionen vottdeutscher Menschen wieder- gesunden, die in Europa und der Welt zu uns ge­bären, auch wenn sie niemals Staatsbürger unseres Reichs fein können.

Als wir im Jahre 1914 auszoaen, hatten wir Deutsche keine Ahnung auch von unseremRaum. Wir wußten nicht, daß Staatsboden und Dolksboden verschiedene Dinge sind, daß deutscher Dotts- boDcn in großen und kleinen Inseln über ganz Oft- mitt, uropa ausgeftreut ist. Wir haben durch den Weltlrieg den Gesamtraum des deutschen Lebens der Vergangenheit wiedergefunden.

Als wir Deutsche 1914 auszogen, hatten wir das rechte Verhältnis zu unserer Ge- schichte verloren. Wir beschränkten uns in unse­rem Geschichtsbewußtsein allzu sehr auf die großen Erlebnisse der letzten Jahrzehnte der preußisch-deut­schen Geschichte und hatten darüber allzu sehr die große gesamtdeutsche Vergangenheit im alten Reich des Mittelalters vergessen. Indem unser preußisch- deutsches Heer den deutschen Kameraden in den Heeren der Donaumonarchie zum gemeinsamen mitteleuropäischen Abwehrlampfe die Hand reichte, mußte die Quelle der alten gemeinsamen Geschichte

Kirchenmusikalische Feierstunde.

Zum Gedächtnis der Gefallenen des Welt­krieges fanb gestern abend, veranstaltet von der Markusgemeinde, eine kirchenmufikalische Feier­stunde 'n der Ltadtkirche statt, die außerordentlich gut besucht war Die Darbietungen standen ganz im Zeichen der Passion und führten, besonder» im Lied, die Gedanken immer wieder zum Tod und zu jenem tiefen Ernst, der allein einer Gedächtnis- r<ranftaltung für die Gefallenen würdig fein konnte Für diefe mufikalifche Feierstunde hatte sich auch diesmal wieder das Kammerorchester her Volkshochschule unter der Leitung von Musiklehrer Franz Bauer jr. zur Verfügung gestellt Ferner stellten sich Frau Elfriede Mischer (5-embalol. Frl. Gustel Kühn (Sopran) und Frl. Christlene Partenheimer (Mezzosopran) in den Tftenft der Veranstaltung und vermittelten den Zuhörern mit ihren Darbietungen einen tiefen Eindruck. Stadtorganist Heinz Simon erwies sich an der Orgel in den Chorälen, wie auch in der Begleitung der gesanglichen Darbietungen und de- Orchesters wiederum als Meister feiner Kunst

Ein Orgelchoral und ein gemeinsames Lied leiteten die Feierstunde ein Drei Lieder für Mezzosopran (Kompositionen von Rass. Regerund Weingartner) mit viel innerer Anteilnahme von Sri. Parten he imer gelungen, schlugen die Zuhörer sosort in Bann. Die Arie nach dem Orgelvorspiel .0 Mensch, bewein Dein Sünden

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Um mit der ehrwürdigsten Gestalt dieses aus- gewählten Kreises zu beginnen, nennen wir zu­erst Christian Roh Iss. den greifen Holsteiner Maler der Türme und Blumen: er ist der Schöp­fer der unvergeßlichen Soester und Erfurter Städtebilder, alter Mann mit einem bezwingend jugendlichen Herzen und Maltemperament. Ein­zelgänger ohne Bindung undRichtung", nur auf sich selber gestellt, aus feine eminente Mal- Energie. feine schwelgerisch glühende Farben­freude. mitlebend mit feiner Zeit, jedem neuen Impuls ausgeschlossen, ganz eigenwillig und ganz ..modern" in seinen Bildern, ohne sich jemals aus ein Programm sestlegen zu lassen.

Einen Begriff von der faszinierenden Leucht- kraft seiner Farben, von der Leidenschastlichkcrt dieser Malerei (wie sie vor wahren in der großen Berliner Jubiläumsausstellung im Kronprinzen- Palais jeden überwältigte), geben schon die sechs i Aquarelle, die man hier zu sehen bekommt: ne I

3n feiner eindrucksvollen Ansprache Redner u. a.:

Wir wollen wahr sein: Der Krieg uns. die wir ihn miterlebten, ein Gesicht.

Für den Kenner und Liebhaber moderner Ma­lerei bietet also die neue Ausstellung eine will­kommene und bei unS nicht eben häufige Gelegen­heit. eine Reihe von namhaften auswärtigen Künstlern im Original xu studieren womögli h sogar ein Stück zu kaufen. -y-

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Overhessischer Kunstverein.

.Frühjahrs-Ausstelluttg: Maler der Gegenwart.

Die am Sonntag eröffnete Frühjahrs-Ausstel­lung des Oberhessifchen Kunstvereins bringt in pikantem und lehrreichem Gegensatz zu den al­ten Italienern, die im Januar gezeigt wurden eine Kollektion von acht modernen Malern. Dies scheint uns ein neuer und überxeugenber Beweis für die Aufgeschlossenheit uno srische Regsam­keit der Leitung, Zeugnis für das anerkennens­werte Bestreben, Qualität und Vielseitigkeit zu verbinden und hierbei auch die großen und maßgebenden Hintergründe, die historischen wie die zeitgenössischen Kulissen der vorwiegend hei­matlich begrenzten Kunstübung dem Beschauer von Zeit zu Zeit exemplarisch ins Bewußtsein zu bringen.

Die neue Kollektion, welche, in scch geschlossen, eine Gastspiel-Reise durch die kunstliebende deut­sche Provinz unternimmt, vermittelt charak­teristische Proben aus dem malerischen Werk von acht zeitgenössischen Künstlern, die bei aller gcnc- rations- und temperamentsmähigen Verschieden­heit durch ein gleichbleibendes, nirgends unter­schrittenes Riveau verbunden sind: einige dieser Künstler sind vor kurzem gestorben, alle sind ober waren schon bekannt und anerkannt, etliche haben sich längst einen großen Hamen in der bildenden Kunst unserer Zeit erworben.

Reben Rohlss erscheint Schmidt-Rottluss. der Organisator der Wander-Kollettion. viel energischer im betonten Umriß, in der markanten linearen Begrenzung feiner Bildflächen. Füllig, saftig und reich, manchmal sehr hart neben Rohlss. wirken feine Farben. Ucbrigenä erweist Schmidt-Rottluff seine eigenwillige persönliche Form in der Auswahl und Zusammenstellung seiner Motive nicht weniger als in der Nuan­cierung seiner Palette.

Vielleicht am bezeichnendsten hierfür, am reiz­vollsten in Thema und Kolorit: dasRoctumo": da ist keine Spur von der staubig-akademischen Sttlleben-Tradition mit ihrer ..gefälligen" oder ..malerischen" Konfrontierung lebloser Gegen­stände. 3n diesem Rebeneinander von Flaschen, MaSke und fladernber Kerze ist etwas von der sympathifch-gcheimnisvollen Ausstrahlung, vom magischen Eigenleben ber seelenlos genannten Dinge cingcfangcn. Daneben: sehr gedrungen in Farbe und Zormfülle dieTessiner Landschast" und, allein vom Augenreiz und der koloristischen Pikanterie des nüchternen Vorwurfs bestimmt, der Teller mit den Makrelen.

Prosessor Dr. phil. et med. Philipp Lilinger in Heidelberg hat den Rus auf den Lehrstuhl der Pharmakologie an der Medizinischen Aka­demie in Düsseldorf als Rachsolger von Professor A. Jarisch angenommen und bereits seine Ernennung erhalten.

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