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den durch Raubbau während des Krieges er­schöpften Boden wieder auf die alte Kulturhöhe zu bringen und die übrige Produktion zu steigern, so sei das eine wirtschaftliche Großtat des deut­schen Bauern und der deutschen Bauersfrau, die in weiten Kreisen des deutschen Volkes noch nicht annähernd gewürdigt werde. Redner verwarf die Erhöhung der Umsatzsteuer, die Lleberspan- nung der Spiritus- und Biersteuer und die seit­her überhöhten Zinssätze, die die bäuerliche Ver­schuldung außerordentlich beschleunigt habe.

Rach den mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen erstattete Professor Dr. Zorn, Breslau, einen umfassenden Vortrag über

Rinder- und Schweinezucht unter den heutigen Verhältnissen".

in welchem der Redner zahlreiche wertvolle Ge­sichtspunkte für die Verbilligung der Produktion und die Senkung der Produktionskosten gab, wie Ruhung möglichst gesunder Tiere mit kräftigem

Körperbau, gesunde Aufzucht und Haltung der Tiere, möglichst umfangreiche Verwendung Wirt- schaftoeigenen Düngers und Futters, Derbe,serung und Vermehrung der Rcugewinnung, Verwen­dung von Silagefutter und Ausdehnung des Feld­futterbaues. Der Vortragende berichtete sodann über umfangreiche Untersuchungen in bäuerlichen Diehställen in Schlesien, die mit Unterstützung des preußischen Landwirtschaftsministeriums angestellt wurden. Rach diesen Untersuchungen wird meist zu wenig Heu, Silofutter und verhältnismäßig zu viel Stroh verfüttert. Der Heuschnitt wird zu spät vorgcnommen. Die billig arbeitenden Zucht- und Ruhtiere, insbesondere die guten Futterverwerter, müssen ganz systematisch durch Beobachtung aus den Zuchtviehbeständen heraus­gesucht und zu Begründern wertvoller wirtschaft­licher Zuchtfamilien gemacht werden.

An die beiden Vorträge schloß sich ejne längere Diskussion an.

Landesversammliing des Hessischen Landbundes.

Darmstadt, 20. Ian. Die Landesversamm­lung des Hessischen Landbundes wurde im Rum- molbräu vom Landesvorsitzenden

Or. v. Helmott, Nieder-Wöllstadt eröffnet. In seinem Iahresbericht stellte er fest, daß die Zahl der Austritte über Erwarten ge­ring sei. Das Wahlergebnis vom 15. Rovember 1931 habe erwiesen, daß die Auffassungen über die parteipolitische Zweckmäßigkeit des Land- bundes Weik auseinandergingen. Ietzt können sich im Landbund die Vertreter verschiedener po­litischer Richtungen zusammenfinden, sofern sie christlich und national gesinnt sind. In Zukunft worden die Wünsche des Landvolkes jeder Partei unterbreitet und nach ihrer Antwort werden dann die Landwirte ihre politische Einstellung ein richten. Wir kämpfen unter der grünen Fahne mit d n drei goldcn n Aeh en. W e lange es dauern wird, bis vielleicht da und dort d i e s ch w a r z e Fahne uns voranwehen wird, das wissen wir alle miteinander noch nicht. Der Bauer ist von Ratur aus bedachtsam, ruhig, fleißig, aber wenn die Verzweiflung ihn übermannt, dann wissen wir nicht, wozu es führt. Wir wollen hoffen, daß auch der Kampf, der da und dort bereits jetzt unter der schwarzen Fahne ge­führt wird, immer so geführt werden möge, daß wir unserer Verpflichtung dem ge­samten deutschen Volk gegenüber bewußt sein können. Mögen die regierenden Kreise endlich sehen, was draußen vorgeht.Schwarz ist die Fahne, schwarz ist das Brot, schwarz ist die Sorge, die Dauern not". Hoffen wir, daß über der schwarzen Sorge die grüne Fahne des Land­bundes die Oberhand gewinnen möge.

Oer Präsident des Reichslandbundes Lind, Nieder-Z sigheim

erklärte: Wo der Dauer stehe, da herrsche Christentum und Rationalismus. Habe der Dauer 1919/20 für das Verschwinden des Gendarmen vom Hof und der Zwangs­wirtschaft gekämpft, so müsse er jetzt gegen den Gerichtsvollzieher und für die Auf­rechterhaltung seines Hofes kämpfen. Die For­derungen des Reichslandbundes seien Z o l l - schütz der nationalen Produktion, Abbau des aufgeblähten V e r w a l t u n g s a p p a ra- tes und der untragbaren Soziallasten, Fest­halten an der Erklärung der Reichsregierung, daß wir keine Tribute mehr zahlen können und wollen (lebhafter Beifall), Schutz der Veredelungswirtschaft, die jährlich 12 Milliarden produziert, Fortfall der Meistbegünstigungsklausel. Auf den jetzt ein-

3ch hab dir verzieh«! Vornan von Clolüde von Etegmann« Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle.

23 Fortietzung Nachdruck oerboten

Iede Minute konnte jener unbekannte Feind die Polizei auf ihn hetzen, jede Minute konnte den Zusammenbruch, die Schande des Hauses Sibelius bringen.

älnd noch Schlimmeres mochte ihm drohen, wenn er hier verweilte. Der Blick des treuen Prokuristen war er nicht wie ein verdammen­des Urteil gewesen? Hatte man nicht die heftige Stimme des Konsuls gehört? Würde man ihn, Hans Egon, nicht gar für den Mörder des Schwiegervaters halten? Alles war möglich, wenn er hierolieb. Und nur eine Rettung gab es für ihn: die Flucht.

Alles war verloren: die Ehre, die Sicherheit, der Rame_ und Birgit. Wenn sich selbst alles andere aufklären ließe, diesen zweiten Verrat würde ihm Birgit nie verzeihen können. Er mußte fort, schnell fort. Und alles war ihm nun gleichgültig.

. Alit dem Blick eines gehetzten Tieres sah er sich um. Er erblickte in dem offenen Geldschrank mehrere Bündel Banknoten, stopfte sich in die Taschen, was sie fassen konnten, und schlich aus dem Zimmer, aus dem Hause, ohne von jemand gesehen zu werden.

*

Indessen hatte Graf Friedrich seine Geschäfte in Ostpreußen abgewickelt. Er war mit dem Er­gebnis zufrieden und hatte eigentlich die Absicht, der Einladung eines befreundeten Gutsbesitzers zu folgen, der ein Sommerhaus an der See besah. Ein paar Tage Ausspannung hätten ihm not getan.

,2lber in den letzten Tagen war ein merkwür­diges Gefühl der Unruhe in ihm erwacht. Und diese Unruhe hatte sich in der letzten Rächt zu einem unheimlichen Traume verdichtet.

In diesem Traume hatte er Birgit gesehen, wie sie auf einem blumenüberschütteten Pfade einem Gipfel entgegenschritt. Sie achtete nicht darauf, daß aus einem Abgrund zur Seite des schmalen Weges eine düstere Gestalt empvrwuchs, die mit hageren Geisterhänden sich nach der ahnungslos Dohinschreitenden reckte. Die Birgit seines Traumes hatte ein beglückendes Lächeln auf ihrem lieblichen Antlitz; plötzlich ober griffen die gespenstischen Hande nach Birgits lichtem Kleide und rissen die Aufschreiende in den schwarz gähnenden Abgrund.

In Schweiß gebadet war Friedrich aufgewacht und hatte vergeblich versucht, in der sonnigen Heiterkeit des Tages das grausige Traumbild abzuschütteln. Aber immer noch hörte er den

geführten Dutterzoll könne man keine großen Hoffnungen setzen angesichts der zerrütteten Währungen der Haupterzeugungsländer. Wir glauben nicht, daß es dieser Regierung noch ge­lingt, die notwendigen Schutzmaßnahmen für die Veredelungswirtschaft durchzuführen. Ein Erfolg der Landbundpolitik ist die Hypotheken­zinssenkung, wenn sie auch alle Wünsche nicht erfüllt im Hinblick auf die Senkung der Zinsen am freien Kapitalmarkt. Verdienstvoll wäre es für den Preissenkungskommissar, die Zwischenspanne zwischen landwirtschaft­lichem Erzeugnis und Konsumentenp.e s zu ver­kleinern, besonders bei Fleisch, Brot und Milch (lebhafter Beifall), wo heute vielfach Ausbeuter- zwiichcngewinne zum Schaden der Landwirtschaft und des Volkes an der Tagesordnung sind. An der etwa zweistündigen Aussprache be­teiligten sich u. a. auch die Abgeordneten ©la» s e r (Landvoltpartei) und Seipel (RSDAP.). Der frühere Landtagsabgeordnete Dr. Müller sprach das Schlußwort, in dem er zur Einigkeit des Berufsstandes ausforderte und feststellte, nicht nur in diesem Staat, sondern auch in jedem neuen Staat und in jedem neuen System werde das Landvolk um die Durchsetzung seiner berech­tigten Forderungen kämpfen müssen.

Wirtschaft.

jRanb 6 Millionen Arbeitslose.

Berlin, 21.Ian. (WTB.) Am 15.3anuar toa.en bei den Arbeitsämtern rund 5 966 000 Arbeitslose gemeldet. Die Zunahme seit dem Iahresende belief sich auf annähernd 300 000. Seit dem Tiefstand des vergangenen Sommers ist die Arbeitslosenzahl um rund 2 012 0 00 gestiegen- Gegenüber dem letzten Stichtag hat die Zahl der Arbeitslosen in den Saisonberufen um 4,4 Prozent, in den übrigen Berufsgruppen um 5,9 Prozent zugenommen.

In der Arbeitslosenversicherung stieg die Zahl der HauptunterstützungLempfänger um rund 136 000 auf rund 1 778 000 (35,9 Prozent der unterstützten Arbeitslosen), in der Krisenfürsorge um rund 41 000 auf rund 1 547 000 (31,3 Prozent). Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen erhöhte sich bis Mitte Ianuar um rund 63 000 auf rund 1 629 000 (32,8 Prozent).

Stärkste Zurückhaltung in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 21. Jan. Tendenz: abge­schwächt. Die als ziemlich sicher erscheinende Ver­tagung der Lausanner Konferenz be- wir.te im heutigen telephonischen Effektenfreivrrkebr bei der Spekulation stärkste Zurückhal-

Angstschrei der heimlich geliebten Frau aus dem Abgrund gellend an sein Ohr dringen.

In einem plötzlichen Entschluß packte er seinen Koffer, ließ eine Depesche an seinen Jugendfreund aufgeben und saß alsbald im nächsten Zuge, der ihn der Heimat entgegentrug.

*

Friedrich fuhr im offenen Iagdwagen des Schlosses von der Station aus dem Gute zu. Er sah mit Freude auf die Felder, die in üppiger Reife standen und in die schon mit leisem Singen die Sensen hineinklangen. Wie schön war die Heimat, wie schön war es, wieder zu Hause zu sein!

Bald würde auch Birgit wiederkehren, und diese seltsame Llnruhe würde von ihm Weichen.

Als er in den Schloßhof einfuhr, wunderte er sich, daß der Wagen des Sanitätsrats Siewert vor der Rampe hielt. Wcs hatte das zu bedeuten? War Hans Egon erkrankt, hatte man ihm etwas verheimlicht? War Birgit schon zurückgekehrt? Lind war etwas aus seinem bösen Traum Wahr­heit geworden?

Er sprang, noch ehe der Wagen richtig hielt, ab und eilte mit langen Schritten in das Haus, wo ihm der alte Sanitätsrat in der Halle ent­gegen trat.

»Gott sei Dank, daß Die da sind, Herr Graf", sagte der alte Herr.

»Ist es etwas mit Birgit?" fragte Graf Fried­rich in höchster Angst.

Nein und ja", erwiderte der Arzt zögernd. Kommen Sie, wir müssen ganz ruhigbleiben. Ich brauche Ihre Kraft, Ihre Hilfe, Graf."

Bald faßen die beiden Männer in dem ruhigen Wohnzimmer und in tiefster Seele erschüttert horte Graf Friedrich von der furchtbaren Tra­gödie, die sich am verflossenen Abend im Hause des Konsuls Sibelius abgespielt hatte.

Genau wissen wir nicht, was zwischen Hans Egon und dem Konsul vorgegangen", erklärte der Sanitätsrat,aber es muß etwas sehr Schwe­res gewesen sein, denn man hat Sibelius' Stimme im ganzen Hause gehört. Kurz darauf sand man Öen Konsul mit der Wunde am Hinterkopf auf dem Boden liegend. Ihr Bruder ist verschwunden und mit ihm, wie mir Claassen im Vertrauen sagte", fuhr der Arzt nach einem mitleidigen Blick auf den Grafen zögernd fort,eine große Geld­summe."

Graf Friedrich stöhnte auf:

Unö der Konsul?"

.Der Konsul liegt im Fieberdelirium. Aus seinen wirren Reden kann ich nur so viel ent­nehmen, daß irgendein schwerer Verdacht gegen den Grafen Hans Egon vorliegt ein Verdacht, m den das Vermögen des Hauses Sibelius ver­wickelt ist."

Besteht Lebensgefahr für Sibelius?"

3d> hoffe, nein! Alles wird davon abhängen, was sein Herz aushalt und wie schnell die fieber»

t u n g, und da auch die weitere außenpolitische Situation dadurch wieder sehr unklar geworden ist, schritt der berufsmäßige Effektenhandel zu Glatt- st e l l u n g e n. Die Tendenz war daher gegenüber den gestrigen Befestigungen heute schwächer. Das Angebot war jedoch nicht groß, da aber keine Nach­frage gegenüberstand, ergaben sich überwiegend Kursverluste von 11 bis 2 v. H., wovon besonders der Farben- und Elektromarkt betroffen wurde. An den übrigen Marktgebieten gaben die Kurse zwar auch nach, doch hielten sich die Veränderungen im Rahmen von 1 v. H. Stärker rückgängig waren von Kaliwerten Salzdetfurth, die 3 v. H. einbüßten, auch JG.-Farben-Bonds bewegten sich etwa 2 v. H. unter den Aktienkurs.

Am Rentenmarkt herrschte nahezu Geschäfts­losigkeit bei wenig veränderten Kursen. Lediglich rheinische Hypothekenbankwerte zogen vormittags um bis zu 1 o. H. an, gaben aber im Verlaufe auf eine kleine Derkaufsorder wieder etwas nach. Reichs- schuldbuchforderungen hatten relativ festen Markt, während deutsche Anleihen vernachlässigt und kaum behauptet waren.

Kräftige Aufwärtsbewegung in Berlin.

Berlin, 22. Ian. (WTB. Funkspruch.) Rach unsicherem Beginn setzte sich im heutigen tele­phonischen Freiverkehr eine kräftige Auf­wärtsbewegung durch, wobei allerdings die Umsahtätigkeit nicht allzu lebhaft war und die bestehende Rachfrage durch Materialknappheit entstand. Während sich die weitere beträchtliche Zunahme der Arbeitslosen^iffern nur wenig aus­wirkte, löste ein Artikel des heutigenMatin" über Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland er­neut Befürchtungen für die Mark aus. Ferner verwies man auf die Festigkeit der Ausland­börsen, auf die eventuell noch bestehenden Hoff­nungen für eine Reparationskonferenz im Februar und auf den Erfolg bei den Stillhalteverhandlungen, die nunmehr morgen xum endgültigen Abschluß kom­men werden.

Seitens der Kundschaft bestand etwas stärkeres Interesse für Montanaltien, aber auch die übri­gen Spezialitäten blieben gesucht. Lediglich Bank­aktien lagen vernachlässigt und zum Teil sogar eher schwächer. Bei den übrigen Werten wurden die gestrigen Höchstkurse wieder erreicht und teil­weise noch bis zu 1 Prozent überschritten. Aus­gesprochen fest gehalten waren Svenska und Chade, erstere im Zusammenhang mit der Hausse der Werte im Auslande.

Der Anlagemarkt hatte dagegen bei ruhi­gem Geschäft keine Be.änderungen aufzuweisen; es war sogar eher Angebot zu verzeichnen. Pfandbriefe neigten te.ltoeife leicht zur Schwäche. Etwas Ware kam in Preußischen Zentralstadt- schaften heraus. Farbenbonds und Reichsbahn­vorzüge lagen dagegen eher fester; auch für Arbed-Donds bestand weiterhin Nachfrage. Alt- und Reubesitzanleihen konnten ihre gestrigen Ver­luste wieder ausgleichen. Auch im Verlaufe hielt die feste ©runöftimmung an; die Mehr­zahl der Papiere erfuhr bei kleinen Umsätzen erneut Befestigungen bis zu 1 Prozent.

Oie Devisenmärkte sehr ruhig.

Berlin, 21. Ian. (WTB.) An den inter­nationalen Devisenmärkten war das Geschäft vor­mittags sehr ruhig, die Rotierungen wiesen nur unbedeutende Veränderungen auf. Die Reichs­mark lag international leicht befestigt, sie stellte sich in London auf 14,66, in Amsterdam auf 58,65, in Zurich auf 120,80 und in Paris auf 599. Das englische Pfund war etwas fester, nachdem es leichter eröffnet hatte. Es stelüe sich auf 3,463/8 gegen den Dollar, später auf 3,46. Gegen den Gulden notierte es 8,6V/., gegen Zürich 17,73l/2, gegen Paris 87,96 und gegen Madrid 41,21. Der Dollar war gut be­hauptet.

haften Bewußtseinsstörungen zurückgehen. Wir müssen geduldig abwarten."

Die beiden Männer sahen sich an. Ein Gedanke war in ihnen: Birgit!

Weiß sie es schon?" fragte Graf Friedrich leise nach einer Pause.

Rein, deswegen habe ich Sie ja gerade so schmerzlich erwartet. Dieses Llngeheure kann man ihr bei ihrem jetzigen Zustand natürlich nicht schriftlich mitteilen. Ich kann von meinen Patien­ten hier nicht fort; so sind Sie, lieber Herr Graf, öer einzige, der Birgit diese Schreckensbotschaft so überbringen kann, daß sie uns nicht auch noch zuarundegerichtet wird."

Graf Friedrich machte eine Gebärde des Ent­setzens.

Was m: ten Sie mir zu ich, bet Heber» bringet einer «olchen Nachricht?"

Gerade Sie!" versetzte der alte Sanitätsrat dringend.Ich weiß, wie Birgit Sie schätzt, wie sie Ihnen in schwesterlicher Liebe verbunden ist. Am Birgits willen muß ich dies Opfer von Ihnen fordern.

Ein schwerer Atemzug hob die Brust des Grafen.

Sie haben recht, es ist meine Pflicht; aber noch nie, glauben Sie mir, ist mir die Erfüllung einer Pflicht so schwer geworden."

*

Während Graf Friedrich in der Eisenbahn saß, um die ahnungslose Birgit vorzubereiten, befand sich Hans Egon auf der Flucht. Welch ein Glück, daß er von seiner Hochzeitsreise mit Birgit her noch einen Auslandspaß hatte; mit ihm kam er erst einmal außer Landes. Das Weitere würde sich finden.

Er wußte nur eins, daß er zu dem einzigen Menschen gelangen mußte, dessen Herz immer für ihn da zu fein schien und der nicht die bürger­liche Moral mit ihrer Vernunft und ihren Vor­würfen für ihn bereit haben würde.

Dolores, die ihm so viel glühende Liebesstunden geschenkt, deren letzte Briese noch von heißer Sehnsucht gesprochen Dolores war sein Ziel!

*

Mit frohem Lächeln hatte Birgit den Schwager willkommen geheißen. Sie gab sofort Weisung an Schwester Helene, dem unerwarteten und lieben Gast eine erfrischende Mahlzeit zu bereiten Immer wieder drückte sie die Hände des Schwa­gers, zärtlich nach seinem Ergehen, nach dem Vater, dem Gatten fragend.

Ihr Bösen", sagte sie leicht schmollend,ihr habt mich hier doch länger alleingelassen, als ihr zuerst erklärt hattet. Aber nun komme ich ja bald zurück. Am liebsten möchte ich gleich mit dir fahren. Nun ich dich wiedergesehen habe, ist die Sehnsucht nach meinen Sieben in der Heimat kaum noch zu ertragen. Frage nur Schwester Helene, ob ich nicht schon so prächtig erholt bin, daß ich allem mit Ruhe entgegensehen kann"

Graf Friedrich sah mit schmerzlicher Rührung In das freudig erregte Gesicht der geliebten Frau

Die Kurse waren auch am Nachmittag im all­gemeinen wenig verändert. Das Pfund hatte sich wieder auf 3,463/8 gegen den 'Dollar bessern können, ging aber später wieder auf 3,455/8 zu­rück. Gegen den Gulden stellte es sich auf 8,58'/», gegen Zürich auf 17,701/2, gegen Paris auf 87,84 und gegen die Reichsmark auf 14,621/2. Der Dollar ging in Amsterdam wieder stärker zu­rück, und zwar auf 248,571/2- Die Reichsmark lag behauptet, eher etwas fester. 2s Amster­dam notierte sie 58,7272. in Zürich zog sie auf 120,95 an, in Neuyork eröffnete sie mit 23,70 nach 23,63 gestern Schluß, doch ging sie später wieder auf 23,65 zurück. Die anderen Devisen waren nur wenig verändert.

Deoilenmarh Berlin Frankfurt a. 2H.

Banknoten

2f. Januar-

22.Januar

Amtliche Notierung

<»el' | Srle'

Amtliche

Notierung

(Selb

Brie

Helsingsar» .

6,204

6,216

6,224

6,236

Wien

49,95

50,05

49,95

50,05

Prag . .

12,465

12,485

12,465

12,485

Budapest . .

56,94

57,06

56,94

57,06

Sofia

3,057

3,063

3,057

3,063

Holland . .

169,43

169,77

169,43

169,77

Oslo . .

78,92

79,08

78,82

78,98

Stopentiagen.

80,02

80,18

81,23

79,92

80,08

Stockholm

81,07

81,02

81,18

London

14,53

. 14,57

14.50

14,54

Buenos Aires

1,038

1,042

N04L-

1,052

Neunori

4,209

4,217

4,209

4,217

B rüffel

58,64

58,76

58,62

58,74

Italien

21,12

16,56

21,16

21,10

21,14

Vari» . .

16,60

82,25

16,56

16,60

82,24

Sckuvetz

82,09

82,08

Spanien

35,66

35,74

35,26

35,64

Danzig . .

82,07

82,23

82,07

82,23

Japan

1,558

1,562

1,558

1,562

Rio de Ian..

0,254

0,256

0,251

0,253

Jugoslawien. Lissabon

7,453

7,467

7,463

7,477

13,24

13.26

13,24

13,26

Reichsbankdiskont 7 v. h. Lombardzinsfuß 8 o. h.

Berlin, 21 .Januar

(Selb

Brief

Amerilaniiche Noten.......

4,20

4,22

Belgische Noten ........

58.48

58,72

Dänische Noten.........

79.84

80,16

Englische Noten.........

14,49

14,55

.rranzösifche Noten........

16,52

16.58

Holländische Noten .......

169,06

169 74

Italienische Noten .......

21,01

21,09

Norwegifche Noten ......

78,74

79,06

Deutsch-Leslerrcich. 6 100 Schilling

Rumänische Noten ...

2,48

2,50

Schwedische Noten . .......

80,89

81,21

Schweizer Noten.........

81.91

82,23

Spanische Noten ........

35,53

35.67

Ungarische Noten

Letzte Nachrichten.

Preußenkasse und Reich.

Berlin, 22. Jan. (OB. Funkspruch. Eigene Meldung.) wie dieBZ." meldet, verlaute in Ber­liner Bankkreisen, daß gewisse Verhand­lungen im Gange seien, die Interessen, die das Reich schon bisher an der Preußenkasse nahm, noch zu verstärken. Diese Verhandlun­gen stünden offenbar im Zusammenhang mit dem Wunsche Preußens, seinen Etat mit Hilfe von Reichsmitteln zu e n f l a ff e n. Es sei möglich, daß dieser schon länger bestehende Plan jetzt in ein akutes Stadium trete.

Die Preuhenkasse erklärt, Gerüchte über Schwierigkeiten der Preußenkasse ent­behren jeder Grundlage. Talsache sei, daß bei den Verhandlungen, die gegenwärtig zwischen den zuständigen Stellen Preußens und den Reichs- miniflerien geführt werden, der Gedanke der llebernahme der Preuhenkasse durch das Reich aufgetaucht sei, um dadurch Preußen Mittel zum Etatsausgleich zu verschaffen. Es handele sich also keines­wegs um die Notwendigkeit einer Ueber- nahme der Preußenkasse durch das Reich.

Birgit, bist du auch wirklich stark genug, um allem zu begegnen, was die Zukunft für dich bereithält?"

Du fragst so sonderbar, und du blickst mich so sonderbar an, Friedrich?"

Eine plötzliche Angst flog über ihr eben noch so fröhliches Gesicht. Graf Friedrich wandte sich ab; er konnte den erschreckten Blick der geliebten Augen nicht ertragen.

Er winkte Schwester Helene, die unauffällig zur Tür hereinsah und jetzt schnell hinter den Sessel der jungen Gräfin trat.

Dein Vater ist erkrankt, meine teure Birgit, und ich komme an feiner Stelle, dich heimzuholen."

Birgit krampfte die Hände zusammen.

Ist es etwas Gefährliches mit Väterchen?"

Nein, aber vielleicht doch etwas langwierig. Dein Vater hat einen kleinen Schwächeanfall ge­habt und bedarf großer Ruhe und sorgsamer Pflege. Ich habe schon daran gedacht, ihn für einige Zeit aus dem zu lebhaften Stadthause in unsere Einsamkeit von Tannenaue zu holen."

Lind Hans Egon?" fragte Birgit immer angst­voller.Warum holt er mich nicht ab? Warum läßt er wiederum dich für alles sorgen, du Guter?"

Graf Friedrich zögerte, ehe er stockend die nächsten Worte sprach:

Hans Egon mußte eine längereReise antreten.

Eine Reise, von der ich nichts weih? Wohin und wie lange?

Graf Friedrich ergriff Birgits Hände, die leise bebten und die tiefe, angstvolle Erregung der jungen Frau verrieten.

Birgit, wir wissen nicht, wie lange das dauern kann. Ich kann dir's auch heute nicht sagen, es steht alles in Gottes Hand."

Er sah, wie Birgit mit sich kämpfte, wie sie gewaltsam die Tränen zurückdrängte. Seine Hände umschlossen fester und wie beschwörend die ihren. Llnwillkürlich gab sie sich diesem Drucke hin, als suchte sie Schutz in dieser festen, warmen Männer­hand.

Birgit, sei tapfer! Du mußt es sein; ich fordere es von dir um deines Kindes willen, für das du alle deine Kräfte zu erhalten die httlige Pflicht hast. Frage nicht, warum Hans Egon einige Zeit fern von uns leben muß, denke nur daran, daß er wiederkehren und daß alles wieder gut werden wird."

Du verschweigst mir das Schwerste, Friedrich", sagte Birgit mit erloschener Stimme und sah den Schwager mit so trostlosen Augen an, daß er sich erschüttert abwandte.Aber du sollst mich nicht umsonst an meine Pflicht als Mutter er­innert haben. Ich werde mich bezwingen, ich werde ausharren, ich werde auch nicht fragen UH dieses düstere Rätsel auch für mich losen."

Friedrich beugte sich still über Birgits Hande. Sem Herz erzitterte vor so viel Leid und Frauengroße.

(Fortsetzung folgt)