Nr. 18 Zweites Blatt
siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Zrettag, 22. Januar 1952
HefsischeLandtvirischastlicheWoche
wenn ringsum
August ist Hochland. Die bayerisch und preußisch und
alles schon rasiert ist.
der schönste Monat im bayerischen Fremden sprechen bereits sehr gut die Dauernburschen ausgezeichnet sächsisch. Die Fremden gehen im
Agrarpolitisch produziert Polen nach wie vor zu teuer Es ist jedoch ausgeschlossen, baß diele Selbstkostendillerenz zwischen Rußland und Polen jemals beledigt werden wird. Dos braucht gar nicht genauer begründet zu werden. Daraus folgt aber, dost Polen sich nur dann mit Rußland vereinigen kann, wenn es sich selber aufgibt iln- aeachtet aller sonstigen Gegensähe bleibt also Rußland der wirtschaftliche Todfeind Polens.
Umgekehrt liehe sich ein gedeihliches Verhältnis zwilchen Polen und dem westlichen Aach- bar n sehr wohl denken. Die groben Unter- M>'.cbe in der Lebenshaltung lieben sich beseitigen. Es ist gar kein Grund vorhanden, warum nicht auch der Pole gut leben soll. Er braucht sich gar nicht zum asiatischen Kuli herabzuwürdigen, um leben zu können. Einbezogen in die ökonomische Böclt Zentraleuropas kann er es. wie in aller 3eü. sogar zu etwas bringen, selbst im Deld- verdienen. Leibst der Gegenlatz mit der deutschen und sonstigen Landwirtschaft liehe sich ausgleichen. Da gäbe es Mittel und Dege.
Aun hat sich aber Polen mit dem Drester Prozest tatsächlich gegen Europa entschieden. Dieses Urteil ist eine Kriegserklärung. Und aus diesem Grunde gebt es auch nicht an, von den ökonomischen Möglichkeiten ernstlich zti sprechen. Polen kann nicht asiatisch denken und westliche Profite machen. Hier find Grenzen. Cie sind überschritten worden. Entweder man ordnet sich ein oder man wird vernichtet. Darum eignet dem Urteil im Drester Prozest tiefere Dedeutung. Dieses Urteil ist der Anfang vom Ende einer verfehlten Politik. Polen hat sich das Todesurteil gesprochen, obwohl man nur Freiheitsstrafen verhängt zu haben meint.
Europa entscheiden müsse, so ist diese Fragestellung von erschütternder Richtigkeit. Selbst wenn man alles Geistige, Kulturelle, Politische aus der Debatte entfernt und sich nur auf wirtschaftliche Dinge beschränkt bleibt die Fragestellung bestehen. Eie ist keine Angelegenheit eines Prozesses. fte wird Schicksal. Bleiben wir einen Augenblick bei der Wirtschaft. Polen ist ein Agrar st a a t. 3n dem verflossenen Jahrzehnt hat die polnische Staatsverwaltung lehr viel versucht, um die polnische Lebenshaltung zu senken, mit dem Ziele, zunächst einmal eine gewisse Einförmigkeit der Lebenshaltung in den verschiedenen Landesteilen Polens zu sichern. Aehmen wir an, dieser Versuch hätte den beabsichtigten Er- folg erreicht. Wir stosten alsdann auf die folgende Frage: in welcher Dichtung ist Polens ökonomische Ergänzung zu suchen? Wäre eS beispielsweise zweckmäßig. wenn Polen, wenn Aoman Dmowski fordert, sich wieder in einen gewissen Zusammenhang mit Au st land begäbe. Oder wäre es zweckrnästiger. sich nach Westen zu orientieren? Polen macht zur Zeit eine schwere Agrarkrisis durch. Sie gibt die Antwort auf die Frage. Obschon die polnische Lebens- Haltung beträchtlich gesenkt worden ist. obwohl Elend und Aot allenthalben, aber besonders unter den 'Beamten ein kaum erträgliches Mast erreicht haben, so bleibt Polen nach wie vor gegen Rußland wettbewerbsunfähig.
Lochschulnacknchten.
öur$ öen Weggang des Professors Dr. W. Lohlein nach Freiburg i. B. zum 1. April 1932 freiwerdenden Lehrstuhl der Augenheilkunde an der Unioerfität Jena ist der a. o. Professor und Oberarzt der Augenklinik der Unioerfität Heidelberg Dr. Erich Seidel berufen worden.
Warschau. Januar 1932.
Einst, in ferner Vorkriegszeit, bildete die Ltadl D r e st - L i t o w s k für den internationalen Reisenden. der im transsibirischen Zuge von Berlin nach dem Osten reifte, den ersten Auftakt Asiens. Schon der Barne Drest-Litowlk besah einen fremden Klang. Man stieg auS. ging in den Wartesaal — ja, hier begann Austland, hier war Europa endgültig zu Ende. Inzwischen bat Brest einen neuen Klang, einen anderen Charakter erhalten. 3m Kriege wurde die Stadt zum Ziel des deutschen Vordringens; alSdann gab sie dem Friedensvertrage mit Evwjetruhland ihren Barnen, und nach dem Kriege wurde sie die vorgeschobene Bastion des neuen polnischen Staates. Jetzt aber ist Brest-Litowsk zu einem Symbol des heutigen polnischen Staatswesens geworden, und dies Symbol ist asiatisch. Die Tragödie des letzten polnischen Wahlkampfes wurde her gespieli Pilfudfki liest die gefährlichsten seiner politischen Gegner hier in den Turm werfen, und erst jetzt, viele, viele Monate nach dem Wahlkampf, ist derProzest zu Ende gegangen, der den Opfern des neuen Regimes gemacht wurde, weil sie Ansichten zu vertreten wagten, die zwar der polnischen Verfassung und dem polnischen Gesetz, aber nicht der Meinung der Machthaber entsprachen. Drest-Litowsk ist zum Grabe der polnischen Zukunft geworden
Es ist unmöglich, über Einzelheiten des Prozesses zu berichten. Zeitungen, die Verteidigungsreden der Angeklagten brachten, wurden kurzerhand verboten und mit schweren Strafen bedroht. Es genügt zu sagen, dah de Anllage, die man von Staats wegen erhob, auf der ganzen Linie zusammengebrochen war. Aber gerade deswegen fiel das Urteil unerwartet hart aus: Gefängnisstrafen von 2 bis 33ahrenin politischen Strafanstalten dürfen getrost entsprechenden Zuchthausstrafen in anderen Ländern gleichgefetzt werden. Es wird den Opfern der politischen Justiz keine Genugtuung bringen, wenn sie sich sagen, dah sie zu Märtyrern geworden find, dah sie sich für ein besseres Polen eingesetzt haben. Asien hat gesiegt, das ist alles.
Blit dem Brester Urteil beginnt ein neuer Abschnitt in der politischen Geschichte. Es fragt sich nur, wie lange er währen wird Bisher war diese Iust-z, die das deutsche Volkstum tausendfach erfahren muhte, sozusagen eine Ausnahme, ob'chon es keine war. Seit Brest ist sie vom Warschauer Bezirksgericht gleichsam zum EtaatSprinzip erhoben worden. Es ist daher schade, dah dies Urteil und seine Vorgeschichte nicht die internationale Aufmerksamkeit erregen wird, die ihm gebührt. Die internationalen Verwickelungen wirken heute wie ein Schuh- Wall für Polen. Die breitere Weltöffentlichkeit hat den Kopf mit so viel Dingen voll, dah für Polen keine Zeit mehr übrig ist.
Daher wird es denn eines TageS eine lleber- ra'chung geben, wenn die Dinge erkennbar werden. die den eigentlichem Untergrund dieses Prozesses bilden. Es ist davon schon oft gesprochen worden, aber heute ist erneute Gelegenheit gegeben, daran zu erinnern. Dem polnischen Staate fehlt d ie innere Einheit. Er wird mit den Klammern der Gewalt zusam- mengebaüen. Die ehemals preußischen, russischen und österreichischen Landesteile sind grundverschieden. in Sprache, Gewohnheit und Recht, ja weltanschaulich. Wenn der ehemalige Abgeordnete Liebermann, einer der Verurteilten von Brest, die These aufstellte, dah man sich vor dem Warschauer Gericht für Asien oder j
Polen imZeichen von Brest-Liiowsk
Oie Entscheidung gegen Guropa.
• Von unserem Warschauer DB-Äorrefbonbenten.
lebten Echmelzschnee. die Hickoryhölzer der Städter vom schwarzen Klisterwachs, ihre heihen verbrannten Gesichter von Creme und Buhöl. Die Klumpen der letzten Lawinen rollen schon ins erste Grün hinein.
M a i ist der schönste Monat im bayerischen Hochland. Die tausend Farben kommen. Die alten Frauen wallen im schwarzen Gewand durch den neuen Pomp der Wiesen zur abendlichen Mai- andacht. Zu Pfingsten hält die Sonne einmal eine Stunde lang still am Firmament, und Mensch und Getier hält den Atem an und glotzt in den Garten Eden. Aber gleich danach geht die Sensation des Almtriebs an: wer kommt auf welche Alm. welcher Bauer bekommt welche 211- merin, welche Almerin bekommt welchen Hüter- buben zugeteilt. Dann geht's mit Hüh und Hott und „gehst nit weiter, Krüppel, elendiglicher!" und mit großem Geläut hinauf.
3 u n i ist der schönste Monat im bayerischen Hochland. Droben sind Vieh und Magd schon eingewöhnt, die ersten Ballen .Butter und die ersten Trümmer Käse sind schon zu Tal geschickt und kritisiert worden. Die ersten Wanderer sind schon vorbeigekommen und haben Sprachunterricht genommen: „Dös, moan i, woah a koaner. wia ma dös hoaht, bal oancr a ogfiselt's Oachkayl- schwanzl in um aran Zwoaring Vitrioi-Oeil oschwabt?" 3m Dorf werden die Truppen für die Gipfelfeuer des Johanni verteilt und von den Geschäftsleuten wird die Saison vorbereitet: die Prospekte werden versandt, die Häuser werden geweiht, die Termine für die Trachtenzüge festgelegt. die Wechsel bis zum Ende der Saison prolongiert.
3 u l i ist der schönste Monat im bayerischen Hochland. Der Wiesenschnitt beginnt. Jetzt ist's das Geklingel von cenfcnbengeln, was den Tag ein läutet und ausläutet. Schaut man vorn halben Berg aus übers Tal. bann kann man sehen, wie- viele Sorten Grün es gibt auf dieser Welt, das Grün der vollen Wiese, das der frisch gemähten Wiese, das Grün der überreifen Wiese gelblich schon, saftig und satt das Grün der halb schon wieder nachgewachsenen Wiese. Und man kann sehen, wer wohl der faulste Bauer ist und feine Sense später als die anderen schwingt: fein Grund steht voll und wirr noch und bereits verfilzt.
Goethe über das Schenken.
Bei feinen zahlreichen Besuchen der Bäderstadt Karlsbad, in der Goethe Heilung und Linderung seines Magenleidens suchte, lernte er Marianne von Eybenberg kennen, die mit ihm später einen ausgedehnten Briefwechsel von Wien aus führte. Sie informierte ihn über Wiens kulturelles und öffentliches Leben, über allerlei Affären und Klatsch, versorgte ihn mit Schokolade, Kaviar, Fasanen. Epickgänsen, Zandern und mit sonstigen Leckereien, die Goethe liebte und für deren ilebcr- sendung er dankbar war. „Sie haben', schreibt er ihr, »unter so vielen liebenswürdigen Eigenschaften die besondere, dah Sie die kleinen grillenhaften Wünsche 3hrer Freunde für e.w S Hal- ten uftb, um sie zu befriedigen, sich eine gefällige Muhe geben möchten. Sie willen vielleicht selbst nicht, daß diese Eigenschaft so selten ist. Man liebt seine Freunde, man schätzt fie, man mag ihnen gern einmal einen derben Dienst, auch mit einiger Aufopferung erzeigen, aber einem flüchtigen Gefchmacke, einem launigen Einfall, irgendeiner Grille genugzutun. sind wir, ich weih nicht, zu bequem, zu nachlässig, zu trocken, zu falsch- vornehm, und bedenken nicht, dah eben diese wunderlich scheinenden Gelüste, befriedigt, den angenehmen Genuh geben." — In »Hermann und Dorothea" scheint sich gelegentlich das von Goethe bei Marianne von Eybenbergs Sendungen empfundene Wohlbehagen zu spiegeln:
„Waren nicht jung die Erbsen und frisch wie Zucker die Wurzeln?
Und was fehlte dem Schinken, den Heringen oder der SpickganS,
Was dem gebratenen Lamm?"
Lustiger Hochland-Kalender.
Don Max Mohr.
3 a n u a r ift der schönste Monat im bayerischen Hochland. Der Tag beginnt mit dem Klingeln bet Holzschlitten. bie in ben Berg fahren, unb endet mit dem gleichen Klingeln, wenn fie beloben zurückkommen, bampfenb bie Böller, baumelnd die Laterne, vermummt bie Fuhrknechte, ihre Schnurrbärte vereist. Hebet bet Ctalltür st. hi noch fvfch bas Kreidezcichen bes Dreikönigslags, K M B. Die Schulkinder riechen nach Ski- wachs eS ist bie Zeit ihrer gtohen Konkurrenzen. Dtet Aepfel und ein Diplom auf einer hcraus- gefeyten Schulheftseite ist der erste Preis beim Sprunglauf über die kleine Schanze hinterm Hof; dre sreude daran ist größer als bie des Ober- Weltmeisters an seiner goldenen Plakette, die er
'einen Titanensprung von der Mammutschanze hinterm Grandhotel kriegt.
Februar ist der schönste Monat im bayeri- Kpcn Hochland. Die Almhütten liegen noch unter öidcn Hüllen, der Hochwald trägt noch seinen schweren Behang, aber im Tal fängt's schon an mt* dem wässerigen Matsch. Es ist der Fastnachtsmatsch. der Frühling vetheihende. Kleine *-?$**! Äinbet ziehen durch ihn zwischen den Dosen dahin, maskiert mit ein paar bunten Fetzen dem Sennengerümpel und bet Flickenkiste. ^"dt bei ben Maskenzügen der Großen geht's prunkvoll her. sogar die Kälber und Fohlen im 3ug sind bunt angestrichen, in eleganten Streifen lauft Die hinübergeschüttete Farbe übers Fell.
^^vz ist bet schönste Monat im bayerischen Hoch.and. Die Jungen bereiten bie langen Stangen fürs Palmkätzchentragen her. Je länger bie Stange, um so großer bie Ehre. Erft geht's mit Den geweihten Büscheln an der Ltangenspitze in pen eigenen Hof. danach in die Höfe, in denen keine kleinen 3ungen find; seit Wochen sind die Bestellungen der kinderlosen Höfe im Talwinkel verteilt. Denn für den geweihten Busch wird ein Zehner an den Bringet gezahlt, und das lohnt sich auch: das ganze 3ahr über schützt der Busch schlagt 6tubcncd< DDr Dlihschlag und Hagell - r ist der schönste Monat jm bayerischen Dochland. Der Ostersonntagsspaziergang dauert dreißig Tage lang. Die Firnschnee-Spezialisten kommen aus der Stadt, wenn die Dörfler ihre Bretter schon längst in den Verschlag gestellt ha- ben. 3etzt trieft alles: die Dachrinnen vom aller»
für die landwirtschaftliche Grundsteuer habe ich trotz des Fehlbetrages im hessischen Budget nichi erhöht, et ist im letzten Jahr sogar um 6 Prozent flc’enft worden, obwohl andere Länder daS nicht getan haben.
Gewiß ist der Steuerdruck auf b e Landwirtschaft nicht gering, aber die hessi ch-staatNche Grundsteuer ist nicht diejenige Steuer, die den Landwirt am meisten drückt
Ta$ ist auch bei einer kürzlichen Sitzung der Land- wirtlchaftskammer von sachverständiger Seite ohne weiteres anerkannt worden Trotz dieser Tatsache habe ich stets versucht, durch allgemeinen Steuererlaß bie Bot zu lindem, wo es nötig schien, aus Anlaß der Witterung-- und Hochwasserschäden. Unter Einschluß meiner jüngsten Steuererlasse sind im letzten 3ahr etwa eine Million Reichsmark an hessischer staatlicher Grundsteuer erlassen worden. Alle Beamte, vom Finanzamt bis ins Ministerium, sind streng angewiesen, berechtigte Klagen bei Bollagen unbedingt wohlwollend zu behandeln, insbesondere bann, wenn es sich darum handelt, die Eristenz des Betriebes zu stützen und zu erhalten. Ergänzend habe ich für besondere Fälle angeordnet. <sahlungserleichterunq durch Ratenzahlung und Verschiebung der Fälligkeitstermine ohne Zahlung von ZinS und Zuschlägen.
Wegen staatlicher Steuerrückstande allein Ist in Hessen noch kein Haus und kein Acker versteigert worden.
das mochte ich ausdrücklich betonen. Ich werde auch an dieser Hebung sesthalten. solange ich auf diesem schweren Posten stehe. (Beifall.) 3m übrigen wird Helfen in Berlin Ihre Dünsche, wie daS Herr Kammerpräsident Hensel schon anerkannt hat, stets vertreten. Durch die Erhöhung der Butterzölle ist ein Hauptpunkt Ihrer Wünsche erfüllt worden. Was bie Zukunft uns noch bringen wirb, ist schwer vorauszusagen. Augenblicklich leben wir alle in einem ZustanbdesHoffen» unb Sorgens. Als Finanzminister muß ich ja berufsmäßig einen gewissen Optimismus in bie Entwicklung sehen, auch in bie Lage der deutschen Landwirtschaft. Diese Hoffnung gründet fjch auch auf bie Tatsache, baß wir — glücklicherweise - nidjt mehr in der Lage sinb, so viel auS dem Ausland an Bohrung»- und Genußmitteln einzuführen, alS wir es bisher leider GotteS getan haben (sehr richtig), und die finkende Ziffer der Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnis c redet bereits eine deutliche Sprache.
Angesichts der Knappheit unserer Devisen wird diese Einfuhr noch weiter zurückgehen. Wenn die- im Augenblick noch nicht fo deutlich in die Erscheinung tritt, so liegt bas daran, daß infolge der schlechten Wirtschaftslage in Deulchsland eine we'tgehende Schrumpfung der Lebenshaltung in den b e!- teßen Schichten des keuschen Volke« eintreten mußte.
Sobald die Erwerbslosigkeit nachläßt — unb darauf bürfen wir hoffen, wenn die FrühjahrSmonate einmal kommen — und die Kaufkraft etwas steigt, w.ird die Erzeugung der heimischen Landwirtschaft wieder mehr zu Ehren kommen unb zu besseren Preisen abgefeßt werben können. Der Minister schloß mit ben besten Wünschen für einen erfolgreichen Verlauf bet Tagung.
Oie Vorträge.
Hierauf folgte bet Vortrag von Begierunge- präfibent a. D. Dr. Kutscher. Berlin, über
„Agrarkrise und Abwehrmaßnahmen in ihrer Auswirkung auf den bäuerlichen Betrieb"
Der Referent gab einen Ueberblid über bie Ge- famtlagc bet Lanbwirtschoft in ben einzelnen deutschen Bezirken und hehandclte die einzelnen Maßnahmen der Reichsregierung auf dem Gebiet der Handels- und Zollpolitik, die im Gegensatz au anderen Ländern die Interessen der Landwirtschaft zugunsten einer übertriebenen Stützung bet Export-Industrie geopfert habe Wenn es gleichwohl bem beutschen Bauet gelungen fei, niemals nicht noch nie. Zwar hängen am Christ- bäum nicht wie in ben großen Städten Brillanten unb Aluminiumpuppen unb kurzfristige Ärebitc bran, nur ein paar Aepfel unb Honigkerzen, je- doch es ist ber alte Baum: bie Sonne ist tief genug hinter bie Grate gesunken, baS Licht wächst.
WSA. D a r m ft a b t, 20. Ian. Die alljährliche Landwirtschaftliche Woche ist in biefem Jahre gemeinsam von der Landwirtschastskammer Hessen, dem Landwirtschaftlichen Institut der Universität Gießen, dem Verband der Hess. Landwirtschaftlichen Genossenschaften und dem Ländlichen Genossenfchastsverband Raiffeisen Frankfurt a. M. und Ludwigshafen veranstaltet worden.
Landwirischastskammer-Präsident Oekonomierat Hensel-Dortelweil eröffnete im überfüllten Saale des »Rummelbräu" die Tagung und führte nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Vertreter ber Regierung, der Behörden, Genossenschaften und Organisationen u. a. aus, baß bie Reichsregierung bis jetzt immer noch nicht den notwendigen Schuh für die Erzeugnisse der Veredelungswirtschaft, wie Butter. Käse, Obst, Gemüse unb Fleisch geschaffen habe, an deren Produktion bie bäuerlichen Betriebe mit 60 Prozent beteiligt seien. Wiederholt seien die Landwirtschaftskammer und die verschiedenen Organisationen einschl. ber Hess. Regierung persönlich unb in schriftlichen Eingaben bei der Reichsregierung vorstellig geworden. Jedoch beftänben seither gegenüber ben Forderungen der Landwirtschaft innerhalb der Reichsregierunz er heb. iche Hemmungen, bie, wie bie Verhandlungen über die er» strebte Erhöhung des Butterzolles erkennen ließen, noch nicht ganz überwunden feien. Weiter erklärte ber Redner u. a.: Dankbar muß ich anerkennen, baß bie hessische Regierung nichts unversucht gelassen hat, die Reichsregierung für unsere Bot- lage zu interessieren. Bis heute haben wir von der Reichsregierung keine Abhilfe erhalten. Wir hoffen, daß die Regierung auf unser neues Gesuch, das wir eingereicht haben, sich doch noch entschließt, uns helfend unter die Arme zu greifen. Wenn bas nicht geschieht, dann weiß ich nicht, wie die Ernte eingebracht werden soll.
Es fehlt an Saatgut unb an Mitteln, um ___ bis zur Ernte sich welterzuhel'en.
Auch hier haben wir die Unterstützung unserer hessischen Regierung gesunden, was ich hier anerkennend erwähnen mochte. Inzwischen hat eine weitere ErhöhungderUmsahsteuer statt- gesunden, welche hauptsächlich wieder die Veredelungserzeugnisse wie Milch. Butter. Käse und Fleisch erheblich belastet. Letzten Endes ist auch hier wieder ber Bauer ber Leibtragende. Also statt Entlastung ber zusammenbrechen den Betriebe finb neue Lasten entstanden. Die große Entscheidung, ob wir weiter Tributsklaven bleiben, rückt immer näher heran, auch wenn die Gegenseite bie Berßanblungen immer ttrieber zu verschleppen sucht. Möge uns bei den fommenben Verhandlungen endlich ein Erfolg beschieden sein, damit wir, wenn bie Tributlasten fallen, uns bem inneren Wieber auf bau ber Wirtschaft widmen können.
Finanzminister Kirnberger begrüßte bie Tagung im Barnen ber Gesamtregierung unb sagte dann u. a.: Die trostlose Lage der Landwirtschaft ist mir bekannt. Solange ich Finanzminister bin, war es mein ernstes Bemühen, zu helfen, sowohl bei der Steuerveranlagung, wie bei der Bewertung, bei der Bemessung der Steuersätze, bei Steuererlässen, bei Steuerstundungen unb Zwangsvollstreckungen. Vom ersten Tage an bin ich für bie lanbwirtfchaftliche Einheitssteuer eingetreten, bie bem Landwirt eine besondere Einkommenssteuer erspart, wie auch für bie Steuervereinheitlichung und für bie Einführung ber Cin- heitswerte. Wenn biefe für 1932 noch nicht ein- geführt werben können, fo liegt bas baran, daß die Bewertung im größten Teil des Reiches und Hessen noch nicht fertiggestellt ist, weshalb Preu- ßen. Württemberg und Bayern bereits Antrag auf Hinausschiebung der Einheitswerte gestellt haben. Hessen wird sich dem anschließen, schon deshalb weil sich bie Ertragsverhältnisse seit dem Stichtag dem 1. Januar 1931, wesentlich ver- schlechten haben und bie Bewertung schon bei ihrer Fertigstellung überholt erscheint. Den S.euersah
Miederzeug und fingen uralte Volkslieder, bie” Dörfler ziehen sich ihre feinsten Pullover über und tanzen argentinisch. DaS Böetterläuten von bet kleinen Kirche schützt bie unb jene, wenn aus bem Westen schwarze Donnerballen oder gelbe Hagelmassen nahen.
S e p 1 e m b e r ist der schönste Monat im bayerischen Hochland. Der Grummetschnitt beginnt, bereift bereits die langen Mahden in der Frühe Schon stirbt bie Wiese, bafür hat der Wald jetzt seine große Zeit der tausend Farben, des immer wechselnden Gelbs. Und wenn zum Schluß des Monats dann ber Abtrieb von den Almen emsetzt. geschmückt das Vieh, mit Hüh und Hott und „gehst nit weiter, Krüppel, elenbiglicher!" und großem Geläut, bann hält bie Sonne toieber still am Firmament, biesmal nur wenige Sekunden, unb ber Sommer ist zu Enbe.
Oktober ist ber schönste Monat im bayerischen Hochland. Der Garten wird gedeckt das Schürholz wird gerichtet. Hirschbrunst und Kirch- weih ist. In ben Tennen werden Ketten ums Gebälk gezogen und Bretter baraufgelegt, bie „Hutsch", die Kirchweihschaukel für bie Kinber. Acht Tage schaukeln sie. bie Halberwachsenen mit den Hosen bis ans Schienbein, bie Kleinen schreiend. wenn s zu hoch geht. Der Stoff der Mütter aber ist nunmehr bie Wolle, bie bicke Wolle für bie Janker unb bie Strümpfe, bie Heber* strümpfe unb bie Fäustlinge.
Bovemberist ber schönste Monat im bayeri- 'chen Hochland Das Laub wird eingeholt, ber. Akist gebreitet, bie Zeitungen stehen voller Katastrophen, voller Kräche, bie werden jetzt mit mehr Bedacht gelesen als zuvor, es finb bie Tage des Gedenkens unb bes Bebels Bvch wärmt ber Föhnwind manche Tage auf, fast fommerlich, jedoch es riecht bereits nach Schnee. Dreimal fo lang als alle anderen Monate dauert der Bo- Domber, ein breiter Wall und Graben zwischen dem verstorbenen Grün unb Gelb unb bem erwarteten großen Weiß.
Dezember ist der schönste Monat im bayerischen Hochland, weitaus der schönste. Der Januar war zu kalt, im Februar taute es zu bald, der März machte die Knochen schwach, der April warf bie Schindeln vom Doch, im Mai waren bie Zwangsversteigerungen, im Juni bie Prvlon- gationsverweigerungen. Juli unb August regnete es wie noch nie, September unb Oktober überfraß sich auf ber Weide das Vieh, der Bo- vember mit seiner Allerieelenmelanchvlie, aber der Dezember fo kchön wie noch keiner zuvor.


