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Wirtschaft.

X Wleseck, 19. März. Freudig begrüßt von jung und alt hielten heute nachmittag die Störche ihren Einzug in unser Dorf.

£. Wieseck, 21. März. Am Samstagabend hielt der Landwirtschaftliche Konsum- verein bei Gastwirt Gg. Keller seine General­versammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsichts­rats L u h leitete die Generalversammlung. Ge­schäftsführer Hildebrand erstattete den Ge­schäftsbericht, aus dem hervorgeht, daß die Wirt­schaftskrise mit ihren Folgeerscheinungen auch an dem Konsum nicht spurlos vorübergegangen ist. Ist doch der Gesamtumsatz von 279 000 Mk- im Jahre 1930 auf 236 000 Mk. im Jahre 1931 zurückgegangen. Selbstverständlich ist in dem Rückgang auch der Preisrückgang der Waren und Abschreibungen enthalten. Der Rückgang des LImsahes wirkt sich naturgemäß auch in einem Rückgang des Reingewinns aus. Trotzdem konnte der Vorstand eine Rückvergütung von 7 Prozent Vorschlägen, der die Versammlung zustimmte. Rachdem die Bilanz besprochen war. wurde dem Vorstand Entlastung erteilt- -Zum Schluß kamen noch einige geschäftliche Angelegenheiten zur Sprache.

_L Hattenrod, 21. März. -Eine Aus­stellung von Handarbeiten der Schü­lerinnen unserer Schule wurde gestern im Schul­saale gezeigt und erfreute sich eines starken Be­suches. Reben feinsten modernen Arbeiten sah man erfreulicherweise viel Praktisches für den täglichen Gebrauch. Die Flick-, Stopf-. Strick- und Rähmaschinenarbeiten erregten besonderes Interesse. Die Ausstellung war ein Beweis da­für, daß der Handarbeitsunterricht unter der Obhut von Frl. Plank, Gießen, auf der Höhe ist.

Kreis Alsfeld.

WSR. Alsfeld, 20. März. In der Feldmark des Rachbardorfes Drauerschwend ver­unglückte am Freitagvormittag der Dienstknecht Willi Merkel von dort auf eigenartige Weise tödlich. Er sollte für seinen Dienstherrn, den Landwirt Heinrich Dickel aus Drauerschwend, Dickwurz aus der Miete herausschaffen, die sväter abgeholt werden sollten. Anstatt die Miete von oben her freizulegen, machte der junge Mensch eine Höhle in d i e M i e t e, in die er hineinkroch, um die Dickwurz herauszuholen. Da­bei ist das Erdreich z u s a m m e n g e st ü r z t und hat den Unglücklichen unter sich be­graben. der den Tod durch Ersticken fand.

Strafkammer Gießen.

1 Gießen, 18. März. Bis in die späten Abendstunden dauerte die Verhandlung gegen einen Einwohner von Büdingen, der vom dortigen Amtsgericht wegen Beleidigung des Büdinger Bürgermeisters und von zwei städti­schen Beamten zu Geldstrafen verurteilt wor­den war. Mit der gegen dieses Urteil eingelegten Berufung erstrebte er seine Freisprechung. Auf seine Anntrag wurden eien große Zahl von Jeugen vernommen, durch dis er den ihm ob­liegenden Wahrheitsbeweis seiner Behauptun­gen erbringen wollte. Reben Formalbeleidigun­gen, die ein allgemeines abfälliges Werturteil über den Bürgermeister und die beiden städtischen Beamten darstellten, hatte er in einer Wirtschaft auch bestimmte ehrenrührige Tatsachen über den Bürgermeister und einen Oberstadtsekretär be­hauptet. Abgesehen davon, daß dem Angeklagten der Wahrheitsbeweis mißlungen war, ging aus der Form der Aeußerungen und den Umständen, unter denen die Behauptungen aufgestellt wur­den, zweifelsfrei die Absicht des Angeklagten hervor, seine Mißachtung den Beleidigten gegen­über zum Ausdruck zu bringen. Mit seiner Berufung hatte der Angeklagte daher nur ge­ringen Erfolg. Zu seinen Gunsten wurde ledig­lich berücksichtigt, daß er wegen Beleidigung noch nicht vorbestraft ist. Der Angeklagte wurde zu Geldstrafen von 20 + 40 + 40 + 40 Mark verurteilt, die im Llneinbringlichkeitsfall mit Gefängnisstrafen zu verbüßen sind

Oie Reichsgaraniie für die Reedereien

Zu den Vereinbarungen des Reiches mit den Reedereien erfahren wir weiter: Die durch die Zu­sammenlegung des Aktienkapitals von Hapag und Lloyd erzielten Buchgewinne, sowie die aus der Auflösung der Reserven entstandenen Beträge wer- bcu zur Deckung entstandener Verluste und zur Abschreibung der Anlayewerte verwendet werden. Diese Beträge werden sich bei Hapag auf rund 185, bei Lloyd auf 180 Mill. RM. belaufen. Zur Verfügung jeder Gesellschaft bleiben ein ordent­licher Reservefonds von 10 v. H., also 4,8 Mill, des Grundkapitals und ein Betrag von mindestens 24 Mill. RM. als Spezialreservc. Die seit dem Vor­fahre eingcleitcten Ersparnis maßnah men der beiden Gesellschaften werden v c r st ä r k t durchgcführt. Die dadurch zu erreichenden Minderausgabcn werden im Laufe des Jahres auf 45 Mill. RM. errechnet.

Der sog. Unionvertrag von 1930 wird dabei prak­tisch in dem Umfang zur Wirklichkeit werden, wie er damals geplant wurde, aber in der Uebergangszeit erst allmählich zur Durchführung kommen sollte. Ein neues B a n k e n k o n s o r t i ii m wird den weite­ren Kreditbedarf in Höhe von 46,4 Mill. RM. zur Verfügung stellen. Das Reich legt emscheidenden Wert darauf, daß bis zur Sicherung der vom Reich garantierten Kredite die Geschäftsführung in der Frage künftiger Expansionen, in der Frage des Fahrtenprogramms und in der Frage der Neubauten sich der Zurück h a l - t u na befleißigt. Zur Sicherung der Uebersicht über die Maßnahmen der Geschäftsführung wird sich die Reichsregierung vorbehalten, einen besonderen 23 e r- trauensmann zu ernennen. Don den in Aus­sicht genommenen Mitgliedern des Aufsichtsrats, der nach der letzten Notverordnung 30 Mitglieder um­fassen soll, soll die Bestellung von acht Mitgliedern der Zustimmung der Reichsregierung unterliegen.

Die gesamten Ueberbrückungsmahnahmen gelten für das Jahr 1932.

Frankfurt unregelmäßig.

Frankfurt a. M., 21. März. (WTB. Draht­meldung.) Infolge Fehlens fast jeglicher An­regungen und Aufträge eröffnete der Frank­furter Börsenfreiverkehr die neue Woche in kaum veränderter Tendenz. Das Geschäft hält sich nach wie vor in engen Grenzen. Die Kursentwicklung war nicht ganz einheitlich, doch blieb die Mehr­zahl der Marktgebiete gegen den Samstag be­hauptet. Einiges Interesse erhielt sich auch heute für Montanwerke, die auf Käufe der Kulisse weiter etwas anzogen, nachdem schon im Sams- tag-Schluhverkehr eine Befestigung eingetreten war. Im Vordergründe des Interesses standen Gelsenkirchen und Buderus, die bis zu 1,5 Pro­zent gewannen. Auch Phönix, Rheinstahl und Stahlverein lagen bis zu 1 Prozent höher, wäh­rend Mannesmann auffällig vernachlässigt waren. Deutsche Erdöl und Rütgerswerke stellten sich gleichfalls etwas höher, doch waren die Llmsähe hierin sehr klein. Am Chemiemarkt lagen J.-G.- Farben etwas schwächer, da die Diskussionen über die Dividende (man sprach von 6 Prozent) ver­stimmten. Elektrowerte lagen meist unverändert, vereinzelt etwas niedriger. Durch schwache Ten­denz fielen Svenska auf, die etwa 5 Mark ein­büßten, wobei die Schwäche an den Ausland­börsen zu Abgaben Anlaß gab. Bankaktien ten­dierten unverändert, dagegen lagen Schiffahrts­werte auf die Subvention durch das Reich 1 Pro­zent fester. Bon Hypothekenbankaktien zogen Frankfurter Hypothekenbank etwa 3 Prozent an, die siebenprozentige Dividende der Gemeinschafts­gruppe regte etwas an. 2m Verlaufe war kaum ^noch Geschäft zu verzeichnen, die Kurse bröckelten verschiedentlich leicht ab. Am Ren­te n m a r k t lagen Liquidationspfandbriefe im Angebot um 0,5 Prozent schwächer. Goldpfand­

briefe, Reichsbankanteile, J.-G.-Farben blieben behauptet, Reichsbahnvorzugsaktien verloren da­gegen 0,5 Prozent. 2m späteren Verkehr machte sich weiteres 2nteresse für Schiffahrtswerte be­merkbar bei nochmaliger Besserung bis zu etwa 1 Prozent. 2.-G.-Farben schwächten sich leicht ab, Montanwerte blieben ziemlich unverändert. Am festverzinslichen Markt lagen Gold- pfandbriefe später vereinzelt 0,25 Prozent höher, Reichsschuldbuchforderungen zeigten mit plus 1 Prozent feste Veranlagung. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5,75 Prozent unverändert.

Berlin abwartend.

B cr l i n, 21. März. (WTB. Funkspruch.) Die Börse eröffnete heute in sehr abwartender Haltung, und die Kurse bröckelten auf einer Reihe von Märkten hauptsächlich wohl infolge der Geschäftsstille eher leicht ab. Die Rückgänge hielten sich aber meist in engerem Rahmen und gingen nur selten über 1 Prozent hinaus. Rur Svenska gaben im Einklang mit der Schwäche der Kreuzer - Werte an der Reuyorker Samstag- börse um etwa 5 Mk. nach. Obwohl die Schiff­fahrtsbereinigung in der letzthin bekanntgegebenen Form nicht überall volle Befriedigung auszulösen schien, lagen Hapag und Lloyd doch etwa 0,5 Pro­zent befestigt Auch am Montanmarkt war das Geschäft wieder etwas lebhafter, die Kurse konn­ten sich aber im allgemeinen nur gut behaupten. Phönix und Deutsche Erdöl büßten gegen ihre allerdings hohen Samstagschluhkurse etwa 1 Pro­zent ein. Am Bankenmarkt war die Llmsahtätig- feit sehr klein, Reichsbankonteile hatten auf letzter Basis einiges Geschäft, Berliner Handelsanteile lagen etwa 2 Prozent gebessert. Von Kaliaktien verloren Salzdetfurth 2 Prozent, die übrigen Werte auch Bürbach waren dagegen be­hauptet. Am Elektromarkt konnte man kaum Kursveränderungen feststellen. Gesfürel setzten zwar 1,25 Prozent niedriger ein, waren aber sofort wieder 0,75 Prozent höher Geld. 2m Ver­laufe lagen allerdings Siemens bemerkenswert schwächer. Sonst bröckelten noch Chade und Sven­ska weiter ab, während an den übrigen Märkten, angeregt durch das etwas lebhaftere Geschäft in Montanwerten, die bis zu 1 Prozent anziehen konnten, eine recht widerstandsfähige Tendenz erkennbar war. Burbach-Aktien zeichneten sich im Verlaufe durch einen l,5prozentigen Gewinn aus. Schiffahrtswerte setzten ihre Aufwärtsbewe­gung um etwa 1 Prozent fort. Am Pfand­briefmarkt wurde die Tendenz nach sehr ruhigem Beginn allgemein etwas freund­licher. Reichsschuldbuchforderungen gewannen im Verlaufe etwa 1 Prozent, Reichsbahnvorzugs­aktien und Farben-Bonds neigten dagegen zur Schwäche. 2ndustrieobligationen hatten keine ein­heitliche Tendenz. Am Geldmarkt nannte man Tagesgeld mit 6,5 bis 8.5 Prozent, ganz ver­einzelt auch etwas darunter.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 21.März. Auftrieb: 1570 Rinder, darunter 310 Ochsen, 142 Dullen, 569 Kühe, 481 Färsen, 1077 Fresser: Schafe 45; Schweine 6486 Stück. Cs notierten pro 100 Pfund Lebendgewicht: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 30 bis 34, ältere 25 bis 29, sonstige vollfleischige jün­gere 20 bis 24; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 25 bis 30, sonstige vollflei­schige oder ausgemästete 20 bis 24; Äüfje: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 27, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bis 23, fleischige 15 bis 19; Färsen (Kalbinnen, 2ungrin- der): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht­werts 30 bis 33, vollfleischige 25 bis 29, fleischige 20 bis 24. Kälb er. Beste Mast- und Saugkälber 42 bis 45, mittlere Mast- und Saugkälber 36 bis 41, geringe Kälber 32 bis 35. Schweine. Fett-

meine über 300 Pfund 38 bis 41, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 38 bis 41, von etwa 200 bis 240 Pfund 38 bis 42, von etwa 160 bis 200 Pfund 37 bis 41, fleischige Schweine Don etwa 120 bis 160 Pfund 33 bis 38 Mark. Marktverlauf: Rinder ruhig, Lleberstand; Schweine ruhig, später abflauend, Lieberstand; Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt.

Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. 2H.

Reichsbankdiskont 6 Proz. Lombardsah 7 Proz.

19.Mürz

21. Mürz

Amtliche Notierung

Meld 1 Sriei

Amtliche Notierung

Geld | Brie

Oclltngfotl .

7,033

7,049

7,033

7,047

it-ien .

49,95

50,05

49,95

50,05

Prag .

12,465

12,485

12.465

12,485

Budapest . .

56,94

57,06

56.94

57,06

Sofia . .

3,057

3.063

3.057

3,063

Holland

169,83

170,17

169,73

170,12

O510 .

82,32

82,48

82,32

82,48

Kopenhagen.

84,42

84,58

84,72

84,88

Stockholm .

84,22

84,38

84,17

84.33

London . .

15,34

15.38

15,37

15,41

Buenos Mrei

1,073

1,077

1,073

1,077

Neuyorl

4,209

4,217

4,209

4,217

Brüssel. .

58,76

58,88

58.76

58,88

Italien. . .

21,78

21,82

21,73

21,77

Paris . . .

16.57

16,61

16,55

16,59

Schweiz . .

81,40

81,56

81.22

81,38

Spanien . .

32,12

32,18

32,12

32.18

Danzig . .

82,07

82.23

81.-97

82,13

Japan . .

1,349

1,351

1,349

1,351

Rw de Jan..

0,249

0,251

0,2«

. 0,281

Jugoslawien.

7,415

7,427

7,413

7,427

Lissabon

13,94

13,96

13,99

14,01

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 21.März. An der Frank­furter Getreidebörse war die Tendenz heute überwiegend schwächer. Die schon seit Tagen anhaltende schwache Tendenz in Berlin färbte auch auf den hiesigen Markt etwas ab. Das Angebot in Brotgetreide war minimal, doch war anderseits die Kauflust sehr gering, so daß Weizen und Roggen bis zu 2,50 DHL niedriger tendierten. Auch Futtergetreide schwächte sich überwiegend um 2,50 Mk. ab. In Kraft­futtermitteln ist das Geschäft sehr ruhig geworden, und die Rotierungen lagen durchweg 0,25 Mk. niedriger. Einiges Interesse hielt sich nur für ölhaltige Futtermittel, besonders für Soyaschrot zur prompten Lieferung.

Es wurden notiert: Weizen 254 bis 255; Roggen 225; Sommergerste (für Drauzwecke) 195 bis 200; Hafer (inländ.) 160 bis 167,50 pro 1000 Kilo. Weizenmehl, südd.. Spez. 0, mit Austauschweizen 38 bis 39,45, dasselbe, Sondermahlung 36,25 bis 37,70; Weizenmehl, Niederrhein., mit Austausch- weizen 38 bis 39,20. dasselbe, Sondermahlung 36,25 bis 37,45; Roggenmehl 29,50 bis 30,50; Weizenkleie 10 bis 10,10; Roggenkleie 10,75 bis 11; Erbsen, je nach Qualität, für Speisezwecke 26 bis 35; Linsen, je nach Qualität, für Speisezwecke 24 bis 52 pro 100 Kilo. Heu, südd., gut, gesund, trocken 5 bis 5,25; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht, 4,25 bis 4,50; Weizen- und Roggen- stroh, gebündelt 4,25 bis 4,50; Treber, getrocknet 12,25 bis 1250; Jndustriekartoffeln, hiesiger Ge­gend, 3,25 bis 3,30 (Waggonbezug) Mark pro 50 Kilo. Tendenz: schwächer.

Frankfurter Eiermarkt.

Frankfurt a. M., 19. März. Das Geschäft am Frankfurter Eicr-Großmarkt war während der ganzen Woche trotz des bevorstehenden Oster­festes sehr schwach. Die Händler setzten die Preise weiter etwas herab, um dadurch dem Geschäft eine Wendung zu geben. Durch die Erwärmung hat die deutsche Produktion eine Zunahme er­fahren, dagegen steht aus dem Auslande infolge der Devisenvorschriften nur wenig Material zur Verfügung. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt: Bulgaren 6,5 bis 6,75, Ru­mänen 6,5 bis 6,75, Holländer 7 bis 8,5, Flan­dern 7 bis 7,5, Bayern 6,5 bis 7.

Sprechstunden der Redaktion.

11 .30 bis 12.30 Uyr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

MWtMmöto

Roman von 3- Echneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 8. Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Er begann dieser ungesäumt den Sattel auf- zulegen und den Hengst anzuschirren, als ein Schatten durch die etwas niedere Tür fiel. Suses verärgerte Stimme klang neben ihm.Was glau­ben Die denn eigentlich? Sie halten mich wohl für blind! Sie können mir zehn Stuten zur Verfügung stellen, reiten tu ich doch keine, und wenn ich zu Fuß nach Hause gehen müßte."

Dann gehen Sie eben zu Fuß!" sagte er kalt­blütig.

Sie stand eine Minute sprachlos. Dann ilog ein gereizter Blick zu ihm hinüber.3n wessen Dienst man steht, dessen Wünsche hat man zu erfüllen."

Er verspürte sein Blut in den Ohren singen und hatte Mühe, sich zu beherrschen. Sie schlug ihn mit seinen eigenen Worten. QTber er gab es trotzdem nicht auf, sie umzustimmen.Die Stute ist lammfromm! stellte er ihr vor.

»Eben deswegen!" trumpfte sie und stampfte mit dem Fuße auf.Gerade dieses ßammfromm- duckmäusige kann ich nicht leiden. Lieber brech ich mir mit einem Draufgänger Hals und Dein, als daß ich"

Sie kam nicht weiter? Er hatte nur zwei Schritte gebraucht, um zu ihr zu kommen. Seine Finger umspannten ihre beiden Handgelenke, daß sie vor Schmerz die Zähne aufeinanderbeihen muhte. Die werden die Stute reiten! Die Stute!" keuchte er.Haben Sie mich verstanden? And wenn ich den Hengst niederknallen müßte, auf seinem Rücken kommen Sie mir nicht nach Hause."

Sie rang nach Wort und Atem und sog die Luft mit halbgeöffneten Lippen ein.Das ist unerhört!"

Unerhört oder nicht! Das ist mir gleich! Wollen Sie oder wollen Sie nicht!"

Rein!" In Trotz und Zorn schrie sie es heraus. Run erst recht nicht, weil er es wollte Sie mochte und mochte ihm nicht den Willen tun.

Seine Finger schraubten sich jetzt um ihre Gelenke, daß es ihr vor den Augen flimmerte 3hr Kopf glitt hilflos gegen die kahle Wand Ich werde schreien!" würgte sie hervor.

Das wirst du nicht!" ein Mund verschloß den ihnen, daß ihr Weinen in einem leisen Jammern erstarb. Malnows flackernde Augen brannten in ihr Gesicht. .Suse! Verzeihen Eie mir, Suse!" Seine Hände tupften ihr mit dem Weißen Seiden- tüchlein die Tranen von den WangemEs war

stärker als alles. Sie können die Lammfrommen nicht leiden! Da wurde ich Aum Draufgänger. Suse, sagen Sie mir nur ein Wort, ob"

Draußen kamen Schritte über das Hofpflaster. Malnow fuhr zurück und machte sich bei dm Pferden zu schaffen. Mit zitternden Fingern strich die Recklinhauserin über die Augen und würgte das heisere Schluchzen hinab, das ihr die Kehle sprengen wollte.

Suse, wo bleibst du denn?" erklang Margrets spröde Stimme. Sie streckte den Kopf zur Türe herein und war befriedigt, als sie Malnow so weit von der Schwester entfernt bemerkte. Schließ­lich war ein Stall doch auch nicht der geeignete Crt, eine Liebeserklärung zu machen oder ein zärtliches Töte-a-Tete zu pflegen.Die Mama wünscht, daß du mit uns im Wagen nach Hause lährst. Es gewittert berejts", fügte sie bei.Haben Sie vielleicht eine Decke mit, Herr Malnow, daß meine Schwester zu Ihnen auf den Dock kommen tarnt?

Gewiß, gnädiges Fräulein!"

Wenn ich reite, bin ich zweimal so rasch zu Hause", warf Suse ein, aber es klang in scheuem Zögern.

Du weißt, daß die Mama sich ängstigt", tarn es gereizt.Man muß nicht immer auf seinem Willen bestehen, sondern ihn auch einmal einem anderen unterordnen können. Also, es bleibt da­bei! Der Hengst wird nicht gesattelt, Herr Mal­now!

Ich bin Ihnen sehr verbunden für diesen Befehl, gnädiges Fräulein."

Margret, die bereits im Gehen begriffen war, horchte auf, sah noch einmal zurück, konnte aber nichts Verdächtiges gewahren und schlug den Weg nach dem Tische wieder ein, wo sich die anderen bereits zum Aufbruch rüsteten.

Malnow wartete noch eine Minute, dann ging er mit schleppenden Füßen nach der ©teile hin­über, wo Suse noch immer gegen die Wand lehnte:Ich bitte Sie noch einmal, zu verzeihen! Wollen Sie?"

Et erhielt keine Antwort, und sog mit hörbarer Schwere die Lust in die Lungen.Ich habe noch eine Frage, wenn Sie auch diese unbeantwortet lassen, werde ich meine Schlüsse daraus ziehen" entpreßte er seiner Kehle.Können Sie mich lieben?"

Wo die Pferde standen, knisterte es leise im Stroh. Das Tageslicht, welches spärlich durch die vergitterten Fenster kam, begann noch mehr zu verblassen, und machte einem fahlen Dämmer Platz. Draußen, auf dem Pflaster des Hofes trieben ein paar erste, früh verwelkte Blätter ihr Fangspiel miteinander.

Suse! bettelte Malnows Stimme durch das lastende Schweigen, das nur durch den Husschlaa etnes Pferdes unterbrochen wurde. »Suse--

weiht du denn nicht, daß meines Lebens ganze Seligkeit in deinen Händen liegt? Ahnst dy denn--"

Ein gelbes Strahlenbündel zuckte vom Himmel und erfüllte das Dunkel des Falles mit grellem Licht. Malnow sah nichts, als daß die zitternden Arme des geliebten Mädchens sich nach ihm streckten. Mit beiden Händen griff er nach dem schlanken Leib, der ihm nicht widerstrebte.Du du! Sprich nur ein Wort, damit mein Glück voll ist!" flehte er heiser.Küß mich nur ein einziges Mal, damit ich weiß, daß ich dir im Herzen brenne, wie du mir!

Ihre Lippen blühten ihm entgegen, während ihre Lider sich senkten:Dieter!" Ihre Stimme bebte in Scheu und Jauchzen.Dieter!"

Mit beiden Händen umklammerte sie seinen Hals, als draußen ein Rollen über die Erde hinging.

Was fürchtest du, mein Mädchen?" flüsterte er an ihrem Ohr.Din ich nicht bei dir? Der Himmel zürnt nicht über unsere Liebe! Er mahnt nur! Mahnt dich, mein Kleines, mir treu zu sein!"

Sie schrak aufs neue zusammen, als von draußen ein violettes Licht durch die offene Tür rann. 3dj fürchte mich fo unsagbar, Dieter!"

Unb bist doch in meinen Armen, Kind!"

©ie stammelte etwas an seinem Hals und barg vos Gesicht gegen seine Drust, als schwefel- farbenes Licht den Raum durchzuckte und ein nervenerschütterndesl Dröhnen über das Dach dahinging,

Frau von Recklinhausen rief nach der Tochter. Man hörte draußen Schritte über die Steine springen.

Als Gradnih unter die Türe trat, um Suse unter seinen Schirm zu nehmen, da bereits die ersten schweren Tropfen fielen, stand Malnow neben den Pferden und beschwichtigte die etwas aufgeregte Stute, indem er ihr über die Mähne streichelte.

Kommen Sie mit, Herr Malnow!" hörte ihn Suse hereinrufen.

Ich bleibe besser bei den Pferden!" kam es putzig zurück.Sobald der Regen nachgelassen hat'^verde ich vorfahren. Darf ich den Docksitz für ote richten, gnädiges Fräulein?"

S®0 kam rasch ohne jede Spur von Trotz oder Auflehnung. J

Dieters Dlick folgte der geliebten Gestalt, bis Biefe mit einem flüchtigen Zurückwenden des Kopfes un Eingang der ©afträume verschwand.

, 2 gelier der Montan» Film-Gesellschaft herrschte eine furchtbare Hitze. Den Schauspielern zeitweilig die Schminke von den Gesichtern, wurde sofort wieder aufgefrischt, und Öie schweren

Schiebetüren, welche nach dem Rymphenburger Park führten, wurden zurückgerollt.

Ein paar hundert Lippen öffneten sich dürstend. Schweißgebadete Körper ließen sich von der Luft umspülen, die an der Hitze des Ateliers gemessen,, wie ein kühles Dad wirkte.

Alfred Swensen tupfte mit feinem Seiden­taschentuch über Mund und Augen. Die Lider zur Hälfte geschlossen, saß er in dem Klubstuhl zurückgelehnt, der in der nächstfolgenden Szene zur Ausstattung eines Hotelzimmers mit bei­tragen mußte.

Ringsum klopfte, hämmerte und sägte es. Ein Dutzend Arbeiter waren beschäftigt, die Halle eines schottischen Landsitzes aufzubauen. Hoch oben sah ein Maler auf einem Gerüst und zauberte eine Dschungelwildnis auf die Leinwand.

Ein schrilles Pfeifsignal gellte durch die weiten Räume des Ateliers.Türen zu! Es geht wieder los, meine Herrschaften! Rasch! Rasch! Die Kapelle an ihren Platz, bitte. Rücken Sie das Klavier etwas weiter nach rechts! Man hört sonst nichts! Machen Sie vorwärts, mein Lieber! Sie stehen uns nur im Wege!" Der graue Kittel des Hilfsregisseurs flatterte aufgeregt im Gewirr der Menschen hin und her.

Reuhoff, der Allgewaltige und Oberregisseur der Montan-Film-Gesellschaft besprach mit Swen­sen die Szene, die jetzt gedreht werden sollte. Der Schauspieler lächelte apathisch, fuhr mit nervösen Fingern durch das Haar und wurde sofort wieder Von dem Friseur kunstgerecht in Form gesetzt.

»Das Ganze ist Ihnen also nun klar, nicht Wahr, lieber Swensen!" flötete Reuhoff, dem un- gemein viel daran lag, den Künstler bei Laune zu erhalten. Dieser war ohnehin schlecht disponiert und hatte schon zweimal gebeten, für eine Viertel­stunde Pause zu machen und auch sonst allerlei Mätzchen in Szene gesetzt, durch die eine Masse Zeit vergeudet wurde.

Daß es da irgendwie in der Ehe nicht klappte, war unschwer herauszuklügeln. Künstler waren nur charmant, solange sie solo auftraten, sobald ein zweiter sich dazu gesellte, führten die Tem­peramente Krieg.

Die Weiße Türe mit den vergoldeten Orna­menten in den Rechtecksfeldern wurde plötzlich aufgerissen und zeigte das Szenenbild nebenan: das Schlafzimmer einer Herzogin, deren Ruhe­bett ein Hügel von seidenen Kissen und Decken war.Was ist denn los, Reuhoff?" schrillte eine Frauenstimme.Hast du denn immer noch nicht begriffen, Fred? Das ist ja in der Tat zum Auswachsen! Sagen Sie den Musikern, daß sie einen Schlager spielen! Ich schlafe sonst auf dem Flecke ein! Dann könnt ihr sehen, wie ihr mich wieder in Stimmung bringt.

(Fortsetzung folgte