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22 i^ürtleßung

Nachdruck verdaten.

und Vorbehalt-

Steigende Arbeitslosennot in Oberhessen

Der Bericht des Arbeitsamtes Gießen über die Lage des Arbeitsmarktes beim Jahresbeginn. - Freiwilliger Arbeitsdienst im Gange.

Zch hab dir verzieh»!

Vornan von Eloiilde von Gtegmann «Girin.

Copyright by Martin Feuchtwange r. Halle.

Der freiwillige Arbeitsdienst soll eS ArbeitS- losen, insbesondere solchen jugendlichen Alters, ermöglichen, ihre brachliegende Arbeitskraft ohne Eingehung eines Arbeit-Verhältnisse- in selbftgewahlter ernsthafter Gemeinschaftsarbeit un-

-Ihre Agenten haben das DahamogeschLft In 2hrem Auftrag und nach Ihren Weisungen syste­matisch ruiniert. Sie werden mir jetzt sofort schriftlich erklären, daß Sie auf jede Forderung gegen daS HauS Lund und auch auf meine Bürg­schaft verzichten, dah Die sämtliche Anteile auS dem Dahamageschäft dem Hause Li

loS zur Verfügung stellen. Sonst Übergebe Ich daS Material noch heute den hiesigen GerichtSbehör- oen. Die werden dann hinter Zuchthausmauern genügend Zeit haben, darüber nach^udenken, dah man nicht ungestraft angesehene Kaufmannshäuser durch Schurkerei vernichten darf."

Bankier Triefen lachte höhnisch auf:

eder griff seine Hand nach dem Herzen. Er rang nach Luft, stand auf, schwankte.

-Dater". schrie HanS Egon verzweifelt auf und wollte zuspringen.

»Rühr mich nicht an", konnte der Konsul noch mit leiser Stimme röcheln, indes er. wie um sich dct Berührung dieses Menschen zu entziehen, rück­wärts taumelte. Hart fiel er im Riedergleiten gegen die offene, scharfkantige Stahltür deS Geld- fchrankes. sank wie leblos zu Boden, indessen au« einer Wunde am Kopfe langsam und zäh Tropfen um Tropfen BluteS hervorquollen.

HanS Egon fchrie auf bei diesem Anblick, und gleichen Augenblick wurde die Tür aufgerissen, ga« entsetzte Gesicht des alten Prokuristen er- schten M k^r Oeffnung. Der alte Mann hob mit riner^Gebärde des furchtbarsten Schreckens die

Ä geschehen? WaS haben Sie ihm

Allmächtiger Gott, mein Herr Konsul I" Ed er kniete bei der leblosen Gestalt nieder ^uch HanS Egon bückte sich jetzt.

»Helfen Sie mir, ihn aufzuheben", sagte et » u1.UIjLnfl^e Miene, seine Hände unter den w» Regungslosen zu legen.

Drohend sah der Prokurist zu dem Grafen auf. .Rühren Sie mir meinen Herrn nicht an! Unsere treuen Leute und ich, wir werden unseren Herrn Konsul hinaustragen."

schienen in der Tür die erschreckten Gesichter der Angestellten.

R in] Hausflur waren verhallt. Rur

hastiges Gehen in der oberen Etage, Laufen und Türenschlagen zeigten Hans Egon an, dah man H 5cn Konsul bemühte. Gin heran-

rollender W.ig.n mochte der de« al en HauSarzte« gewesen fein. 8 ee

»H^^unten aber war eine beängstigende Stille. HanS S^on stand allein in diesem Raume, wie ^Ä?>ous der Gemeinschaft der Menschen.

Wüste Bilder der Angst und des Schreckens kreisten hinter seiner Stirn.

-JS toat der Konsul ihm gesagt, türmte sich vor ihm auf wie eine drohende Gestalt, die mit würgenden Händen näher und näher auf ihn zu anZusammenhänge niÄ tol51G F Ulcht. was mit dem unheilvolle Bilde geschehen, wie man e« mit KT ihm6 S3n&aJ? versehen, wie man ** ihm in Beziehung gebracht. Wie war e« ^)ie Polizei gerade auf ihn jenen furchtbaren Verdacht geworfen? 9

felne? .^amen mißbraucht, um ein Verbrechen zu verdecken, daS so grausame Folgen

Aber war jetzt nicht Zeit, darüber nachzu- Äfür ifrlTe fflc^.herlMirtC um '° A

lFvrtsetzung folgt.)

»Sie eröffnen mir Ja da eine angenehme Aus­sicht, Herr Konsul Sibelius. Aber ich werde hinter diesen gastfreundlichen Mauern deS Zuchthauses bestimmt nicht allein fitzen. Ich werde eine Gesell­schaft haben, die Die nicht vermuten."

Die sprechen in Rätseln", sagte der Konsul angewidert.ES interessiert mich durchaus nicht, welcher zweifelhafte Ehrenmann Ihre Zuchthaus­strafe .teilen wird."

Auch nicht, wenn ich Ihnen sage" hier hob Gricsen seine Stimme drohend. »daß eS Ihr gräflicher Schwiegersohn sein wird?"

Der Konsul trat einen Schritt zurück.

»Sind Sie von Sinnen, Herr! Wissen Sie, was Die da reden?"

Ich bin nicht von Sinnen, Herr Konsul. Mer vielleicht war eS Ihr Schwiegersohn, alS er das Rauensteinsche Bild aus der Schloßgalerie ent­wendete Dieses Bild lagert auf den Rainen des Grafen HanS Egon von Rauenstein im Zollhafen. Und wissen Vie, WaS der Rahmen de« Bilde« enthält? Dokumente enthält er. Dokumente, die unwiderlegbar Hinweisen auf die Teilnahme deS Grafen HanS Egon Rauenstein an einer berüch- tigten Rauschgiftfchrnugqelei. G« kostet mich nur ein Wort an die Kriminalpolizei, und der Herr Gras sitzt hinter Schloß und Riegel."

Der Konsul umklammerte die Lehne deS schwer- geschniüten Stuhle-.

Diese wahnsinnige Anschuldigung ist nicht- weiter als eine Ausgeburt Ihrer Schurkenphan- taste", hörte er sich wie au« weiter Entfernung sprechen.

Der andere lachte roh:

Fragen Sie doch Ihren samosen Schwieger­sohn, Herr Konsul Sibeliu«. Aber vergessen Sie nicht, ihn dabei auch gleichzeitig über seine

In der Gewerbe- und Maschinenbauschule Gie­ßen werden Angehörige des Baugewerbes, der Holz- und Metallverarbeitung in Kursen mit zirka 70 Teilnehmern fachlich nachgeschult, besonderer Wert wird auf den Unterricht in technischem Zeichnen, technischem Rechnen und Werkstoffkunde gelegt. Verwandte Berufe werden in kleinen Lehrgruppen zu Vpeztalunterricht in den Werk­stätten zusammengefaßt zu praktischer Vertiefung deS mehr theoretisch Gezeigten.

In Sonderkursen, die der Verein

In Sonderkursen, die der Verein für Gleit- und Segelflugsport Homberg abhält, ist 24 ar- beitSlosen Technikern, Schreinern und Schlossern Gelegenheit gegeben, in der Gewerbe- und Maschi­nenbauschule nach Zeichnung äußerst genaue Ar­beit auSzuführen und manche bisher von ihnen wenig gebrauchte Verfahren durch Uebung ken- nenzulernen.

neuesten Beziehungen zu der schönen Dolores zu befragen. Und wenn Sie dann noch meine Ver- zichterklärung haben wollen. Herr Konsul, dann treffen wir unS vielleicht am besten bei der Kriminalpolizei."

Verzweifelten Herzens war der Konsul abge- retst, ohne Gustav Lund sichere Rettung verheißen zu können.

Was er auch Schlimme« befürchtet haben mochte, diesen einen Schlag hatte er nicht erwartet. Immer noch, während der Zug ratternd durch daS schwedische Land mit seinen grünen Schluch­ten und aufragenden Bergen sauste, versuchte er die Drohung des Bankiers als einen bösen Schach- zug zu deuten in dem Spiel gegen sich und da- HauS Lund. Aber allzu sicher schien ihm der Mensch in seiner Beschuldigung gewesen zu sein. Etwas Wahres mußte daran fein aber was?

®r wünschte schon die Aussprache mit HanS Egon herbei, denn die Wirklichkeit konnte nicht Peinigender sein als die« Zweifeln und Fragen, dies Grübeln ohne Antwort.

Die ganze Rächt konnte er keine Ruhe finden. Die Decke deS engen DchlafabteilS schien wie ein Eifengewicht über ihm zu schweben. Gr riß das Fenster auf, um ein wenig frische Luft zu schöpfen, «ein Herz lag schwer wie ein Stein in der Brust, sein Atem ging mühsam. Vergebens suchte er seine Gedanken zur Ruhe zu bringen und auf fried­lichere Gebiete zu lenken. Aber immer wieder drängte sich Birgit- Bild dazwischen, die mit ahnungslosem Lächeln einer glücklichen Frau durch den Sonnenschein des heiteren Kurortes wan­delte. Die nichts ahnte von dem Schlag, zu dem das Schicksal drohend auSgeholt.

Vom Zuge aus hatte Sibelius feinen Schwieger­sohn telegraphisch zu einer Unterredung in feinem Hause ersucht.

HanS Egon trat Pünktlich jur festgesetzten Stunde in daS Privatkontor deS Schwiegervaters.

Der Konsul stand, mit dem Rücken nach der 'Sur, vor dem großen eisernen Geldschrank und schien Papiere hinetnzulegen. Jetzt wandte er sich um. HanS Egon wunderte sich, daß der Schwieger­vater ihm nicht wie sonst zur Begrüßung mit heiterem Lächeln die Hand entgegenstreckte, viel­mehr die elegante Gestalt de» jungen ManneS mit einem drohenden Blick musterte. Eine dumpfe Angst stieg In dem jungen Grafen auf. Zu sehr war er in diesen letzten Tagen von Schuldgefühlen geängstigt gewesen, als daß er nicht Überall Ge­fahr wittern mußte.

Mit müder Bewegung wandte sich der Konsul von dem Geldschrank fort, dessen Tür halb offen blieb.

»Setz dich", sagte er kurz, .ich habe mit dir zu reden.

HanS Egon nahm Platz und sah mit unsicherem Blick dem Konsul in« Gesicht. G« fiel ihm auf.

ter sachkundiger Leitung in nützlichen Arbeiten, die sonst nicht in Angriff genommen würden, zu betätigen und aus der Arbeit selbst, sowie durch nebenhergehende Dildungsmahnahmen körper­liche und geistige Schulung zu empfangen. Der freiwillige Arbeitsdienst darf nicht die Arbeits­kraft dem Arbeitsmarkt fernhalten und Arbei­ten an sich ziehen, die Im freien Arbeitsderhält- ni« durchgeführt werden können. Vor allen Din­gen hat der freiwillige Arbeitsdienst den tiefen Sinn, jungen Menschen, die sich gegen einen er­zwungenen Müßiggang auflehnen, Gelegenheit zu geben, ernsthaft zu schaffen und in nützlicher Ar­beit, die sonst nicht getan würde, ihrem Leben wieder Ziel und Inhalt zu geben. Die freiwillige Arbeit soll mit einem Dienst für die Mlgemein- heit verbunden sein.

Im Gebiet des Arbeitsamt« Gießen werden zur Zeit zwei Maßnahmen de« frei­willigen Arbeitsdienstes gefördert. ES handelt sich hier um die Errichtung von Sport­plätzen und um Wiederinbetriebsehung eines Ge­meindesteinbruch«. Weitere Arbeiten für etwa 100 Arbeitsdienstwillige sind in Vorbereitung. Bei den Maßnahmen, die gegenwärtig ausgeführt werden, werden 60 Arbeitsdienstwtllige beschäf­tigt, die für ihre Arbeitsleistung je 2 Mk. täglich aus Mitteln der Reichsanstalt erhalten.

Berufliche JortbildungSmaßnahmen.

Zweck der Maßnahmen für die berufliche Fort­bildung der Erwerbslosen ist die Erhaltung und Förderung des beruslichen Können«. Besonde­res Augenmerk richtet daS Arbeitsamt auf die Schulung der jugendlichen Erwerbslosen. Diese sind nicht so lange beruflich tätig gewesen, dah daS in der Praxis Erlernte auch über die Zeit der Arbeitslosigkeit voll erhalten bleibt: außer­dem ist namentlich in den handwerklichen Be­rufen festzustellen, daß die verminderte Detätb» gungSmöglichkelt, die jedem Betrieb durch die Depression aufgezwungen ist. den jugendlichen Ar­beitenden nicht immer Gelegenheit gibt, ihre fach­liche Ausbildung auf den Stand zu bringen, der in einer Zeit normaler Beschäftigung erreicht und zu Zeiten einer guten Konjunktur gefordert wird. Die Beobachtung dieser Mängel der Ausbildung, die den jungen Arbeitenden in seinem beruflichen Fortkommen erheblich schädigen, da sie die Ein­ordnung in den Arbeitsprozeß erschweren, legt die Verpflichtung zur Hilfe auf.

Diese Hilfe besteht in der Einrichtung von Ar­beitskursen, die von Fachlehrern und Lehrmei­stern gehalten, die erwähnten Schäden beheben oder zum mindesten mindern sollen.

Zur Zeit sind von dem Arbeitsamt Gießen nachfolgende Kurse eingerichtet für arbeitslose Jugendliche ohne Rücksicht auf die Art ihrer Un­terstützung:

Dein Schweigen genügt mir, du hast e« also getan: Weiter: Hast du die« Bild benutzt, um tn seinem Rahmen eine Korrespondenz InS Ausland zu schmuggeln? Eine Korrespondenz über deine Verbindung mit einer Rauschgiftzentrale?"

HanS Egon fuhr flammend auf:

Bon wem stammt diese infame ßüge?"

DaS Bild', erwiderte der Konsul,soll im Stockholmer Zollhafen liegen: es ist als dein Eigentum deklariert. Ein Feind meines HauseS hat davon Kenntnis bekommen: erteil! diese Kennt- nid benutzen, um dich der Staatsanwaltschaft zu überliefern, wenn ich nickt mit einer ungeheuren Summe dnS Schweigen dieses Menschen erkaufe. Diese Zahlung aber würde bei der augenblicklichen Wirtschaftslage den Bankerott meine« Hauses bedeuten. Wa« hast du mir darauf zu sagen?'

HanS Egon wartete nur darauf, zu Worte zu kommen:

Vater, wie konntest du nur einen Augenblick denken, daß ich mich einer solchen Schurkerei schuldig machen würde! Ich leugne die Entnahme dieses Bilde« nicht, aber eS geschah vor langer Zeit. Auch habe ich eS nicht zu verbrecherischen Zwecken benutzt, sondern um..." .

Run", fragte der Konsul zurück,zu welchem Zweck?"

HanS Egon zögerte einen Augenblick, dann ge­stand er entschlossen:

GS war damals der einzige Geldweg. den ich mir erschließen konnte, um einer bestimmten Dame Aufmerksamkeiten erweisen zu können."

Der Konsul sah seinen Schwiegersohn scharf an

»Ich errate, wer daS ist. Und ha t du die Be­ziehungen zu dieser Dame auch völlig gelöst? Bist du nach der Aussöhnung mit Birgit nie wieder mit dieser Dame zusammengekommen? Run, kannst du mir da« versichern? Mit deinem Ehrenwort versichern?"

Gin heNe« Rot Überflog da« schöne, verstörte Gesicht HanS Egon«. Gr setzte zum Sprechen an aber Me Stimme versagte ihm - er senkte toi Kops.

~ der sonst so beherrschte Konsul schrie e« beinahe hinau«, so daß seine Stimme im unteren Stockwerk zu hören sein mutzte - du hast dein Ehrenwort gebrochen. Dann ist auch die ungeheuerliche Beschuldigung jenes schmutzigen Menschen In Stockholm wahr. Ich habe einen Schurken, einen Verbrecher zmn Schwiegersohn."

Die Kurve der Arbeitslosigkeit ist in unserem Bezirk weiterhin im Ansteigen begriffen, doch dürste der Höhepunkt Snde Fe­bruar erreicht werden. Fast in allen Beruss- gruppen ist, wie die untenstehende Ausstellung .zeigt, eine Zunahme zu verzeichnen. Die Zoll- maßnahmen und daS Sinken deS eng­lischen Pfundes haben für verschiedene De- rufsgruppen in unserem Bezirk verschlechternd gewirkt. Auch die Beendigung der Holzhauer­arbeiten veranlaßte eine Zunahme der Arbeits­losigkeit in fast allen Derufsgruppen. Rur ganz wenige Derufsarten, und hier in erster Linie die Papierindustrie, sind verhältnismäßig gut be­schäftigt. 22 Betriebe haben, um ihre Ar­beitskräfte wegen schlechten Geschäftsganges vor Arbeitslosigkeit zu schützen, Kurzarbeit ein­geführt. Zur Zeit arbeiten in 22 Betrieben 682 Personen verkürzt. Die Betriebe gehören folgen­den Derufsgruppen an: 10 Betriebe der Metall­industrie, 8 Betriebe der Tabakindustrie, 1 Be­trieb der Hornwarenindustrie, 1 Betrieb der Holz- tearenindustrie, 1 Betrieb der Gummiwarenindu- strle und 1 Betrieb der Färberei. 3 weitere Be­triebe, und zwar 2 der Schuh-Industrie und 1 Zahnlabrik, haben Kurzarbeit angemeldet.

Am Ende deS Monats Dezember 1931 standen dem Arbeitsmarkt 15 879 Arbeitsuchende zur Verfügung gegenüber 13 738 deS Vormonats und 13 741 deS Vorjahres. Aus den Mitteln der ReichSanstalt wurden 6018 Personen unterstützt. 4943 Personen erhielten Krisenunterstühung. Im Bezirk deS Arbeitsamts Gießen erhielten 1547 arbeitsfähige Personen WohlfahrtSunterstühung. Im Monat Dezember konnten wir 1919 männliche und 61 weibliche Arbeitsuchende In Arbeit ver­mitteln. 119 Arbeitsuchende wurden von ihrem früheren Arbeitgeber in Arbeit zurückgerufen.

keineswegs zu Ende Der Staat erhöhte nach der Stabilisierung nicht nur seine Ausgaben von neuem, sondern begann auch ein Rüstung-- Programm, da« auf Jahre hinaus rieftge neue Ausgaben nötig machte. Und die Franzosen, die die ganzen Jahre hindurch auf Kosten des Auslandes in SauS und BrauS gelebt hatten, dachten natürlich nicht daran, sich elnzuschränken Rur war diese neue Periode der französischen Finanzwirtschaft nicht mehr v:rschlelert: eS gab weder daS große Loch de- Wiederausbaues der zerstörten Gebiete, noch den fallenden Franken, sondern nur noch die Referven der Tri­butzahlungen und der französischen Auslandkredite, au« denen diese Qültto rt- schäft gespeist werden konnte. Der Widerstand der Franzosen gegen die Revision de- DaweSplanes und Die unmögliche Lösung de« Boungp'anS ist ja nickt zuletzt darauf zurückzusühren, daß Frank­reich sich eben nicht einschränken wollte, sondern weiter auf Kosten des Auslandes zu leben ge­machte.

ilnb so wird denn aych erklärlich, warum Frank­reich ab 1929, nach der Reuregelung der $ri6ute, begonnen hat, feine Gelder aus dem AuS- lande zurückzuziehen. Die Trag die der Kreditentziehung, d e zum Zusammenbruch Lester- reichs, zur deutschen Krise und zur P, undkr.se ge­führt hat, läßt sich so konsequent auf die Aus­gabenwirtschaft des franzls.schcn Staat S zurück- führen, der wie ein Vampir das Blut der Wirt­schaft daS Geld auS den ausländischen Staa­ten herauSgezogen hat, um nicht selbst sparen zu müssen! Die Bilanz dieser zwölf Jahre ist also sehr eindeutig: Frankreich ist der Topf, in dem daS Geld der Welt verschwunden ist. und das durch die Verschleuderung von fast 43 Milliarden Goldmark die Ursache des wirtschaftlichen Zu­sammenbruche« der europäischen Mächte wurde.

Kleine Strafkammer Gießen.

* Gießen, 15. Januar.

Ein hiesiger Kaufmann wurde vom Amts­gericht wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geld st rase von 12 Mark verurteilt. Er öffnete die nach der Mitte der Straße gehende Türe seines haltenden Auto« und traf einen von hinten kommenden Radfahrer an der Hand, so daß dieser verletzt wurde und so zu Fall kam, daß er von einem anderen, gerade daherkommen­den Auto überfahren wurde. Der Angeklagte erstrebte durch seine Berufung ein freisprechendes Urteil. Da« Berufungsgericht hielt aber eben­falls eine Fahrlässigkeit für gegeben und ver­warf die Berufung.

Ein auswärtiger Händler erhielt vom Amts­gericht wegen Vergehens gegen die Verordnung oes Reichspräsidenten (Anschlägen nicht behörd­lich zugelassener Plakate) eine Geldstrafe von50Mark evtl, fünf Tage Gefängnis. Seine gegen dieses Urteil eingelegte (Berufung wurde kostenfällig zurückgewtesen.

Dagegen wurde daS gegen einen Spengler toegen des gleichen Vergehens ergangene, auf -Wei Monate Gefängnis lautende Urteil eines anderen oberbefsifchen Amtsgerichts auf (Beru­fung aufgehoben und der Angeklagte frelgc* sprachen. E« war nickt zu erweisen, daß er andere al« genehmigte Flugblätter verteilt hatte.

Zwei Studenten wurden In erster Instanz mit anderen Angeklagten wegen groben Unfugs und Widerstands zu Geldstrafen verurteilt. Während die übrigen Verurteilten das Urteil rechtskräftig werden ließen, verfolgten die Studenten Be­rufung. Obwohl die Beweisaufnahme sich für sie nicht günstig gestaltete, konnte daS Berufungs­gericht doch nicht den Beweis für völlig schlüssig erachten und sprach die Studenten frei. Ein Srrtum der Belastungszeugen fei mit Rücksicht auf das damals herrschende Gedränge nicht völlig auszuschließen, zumal die anderen Zeugen be­kundeten, die zwei Angeklagten hätten sich in keiner Weise strafbar gemacht.

Für weibliche Erwerbslose hat zu Beginn Me* ses IahreS für 24 Teilnehmerinnen ein Koch- und RähkurS in der Micefchule angefangen, der eifrig besucht wird.

60 Angehörige der kaumännischen Berufe wer­den In Einheitsstenographie und Maschinenschrei­ben in Kursen, die bei der (Logischen Handels­schule vom Arbeitsamt eingerichtet sind, geför­dert. Da gerade in diesem (Berufe die ®efa£t Der Minderung der Fähigkeiten durch die Ar­beitslosigkeit groß ist, ist auch das Interesse, an den Kursen besonders stark.

Außerdem haben Gewerbe- und Fortbildungs­schulen deS Amtsbezirks und das Politechnikum Friedberg jugendlichen Arbeitslosen unentgelt­liche Teilnahme an bestehenden Kursen ermöglicht.

Berufsberatung.

Im Monat Dezember nahmen 197 Ratsuchend« (121 männliche, 76 weibliche) die Berufsberatung 312mal (USmal wiederholt) in Anspruch. 58 der erstmalig die (Beratung in Anspruch nehmenden Besucher waren Schüler und Schülerinnen höhe­rer Lehranstalten, davon die Hälfte Abiturien­ten. Auch eine Anzahl Arbeitsloser holte sich Rat und Auskunft über Fortbildungs- und Um­schulungsmöglichkeiten. Die 121 männlichen Rat­suchenden äußerten 47, die 76 weiblichen 19 ver­schiedene Berufswünsche. Bei den Knaben zeigt sich gegenüber früher eine größere Streuung der BerufSwünfche als bei den Mädchen, die aller­dings auch weniger DerusSmöglichkeiten haben. DieUnbestimmten" und diejenigen, die kauf­männische Berufe begehrten, standen bei beiden Geschlechtern wiederum an erster Stelle. Alsdann wurden von den Knaben verhältnismäßig am meisten die Berufe des BäckerS (10), Weißbin­ders (7) und Elektroinstallateurs (5) gewünscht, von den Mädchen die der Schneiderin (11) und Hausgehilfin (10). DaS erhöhte Interesse für letzteren tote für den Bäckerberuf hängt großen­teils auch mit der Rotlage der Gltern zusammen, die ihre Kinder in Kost unter gebracht haben möchten.

Der Lehrstellenmarkt (und nicht bloß in Ober­hessen) steht augenblicklich toie der ArbeitSmarkt völlig unter dem Druck der Wirtschaftskrise. Die meisten Arbeitgeber toissen Immer noch nicht, ob sie zum Frühjahr Lehrlinge einstellen sollen. E« wäre eine möglichst baldige Anmeldung der Lehr­stellen zu wünschen, damit die Eltern nicht au« 2lngst, keine Lehrstelle für ihre Kinder zu fin­den, wahllos jede nächstbeste glauben annehmen -u müssen, wodurch natürlich eine vernünftige Be- rufSauslese erschwert wird.

Oberbetfen.

Gemeinderat in Schotten.

? S ch o 11 e n, 20. Ian. AuS der jüngsten Sitzung deS Gemeinderats ist u. a. zu berichten: Um die ausgesteuerten Erwerbslosen zu be­schäftigen, nahm der Gemeinderat eine OriLbIich- tigung an verschiedenen Punkten vor und beschloß, eine Reihe von Arbeiten in kommender Zeit durch die Erwerbslosen durchführen zu lassen. So soll die Karl-Weberstraße bis zum Ausgang auf die alte Straße durchgesührt, verebnet, mit Wasser­leitung und Kanalisation versehen werden. Die alte Straße wird bi- zum Spießwald weiter durch- Igeführt und soweit nötig, chaussiert und herge- tellt, ebenso der Feldweg nach der Marienruhe m Giertal.

Die P ostkraftwagenllnieSchotten r i Hit ein hat sich für den (Berfepr nach dem hohen Vogelsberg als unbedingt notwendig et- totefen. Die beteiligten Gemeinden mußten Zu­schüsse leisten, die bei der jetzigen Rotzeit nicht mehr von ihnen aufgebracht werden können. Der Gemeinderat bewilligte seitens der Stadt einen Zuschuß von 400 Mark pro Jahr und hofft, daß die Postverwaltung die L.nie aurschterhält.

Der Prämiierungsmarkt am 3. P, lagst. feiertag wird in der üblichen Weise abgehalten

wie alt und elend diese- Männergeficht geworden. Wieder daS er vor der Reise elastisch und straff gekannt. Er wagte nicht zu fragen; so herrschte eine Weile ein unheilvolles Schweigen in dem stillen Raum.

Gndlich begann der Konsul:

3$ wünsche verschiedene Auskünfte von dir. Ist eS wahr, dah du aus eurer Galerie ein kost­bare- Bild ohne Zustimmung de« Grafen Fried- rick entfernt hast, ja?"

Graf Egon senkte den Kopf.

Berufsgruppen ßanbto. Forftw.

Dezember November Dezember

1931

414

1931

344

1930

514

Bergbau

Industrie der Steine

469

484

105

und Crden

1770

1445

1657

Metallindustrie

2518

2154

2155

Ehern. Industrie

18

20

9

Spinnstoffgewerbe Papierindustrie Lederindustrie

103

24

166

93

24

132

67

26

151

Holzgewerbe

Nahrungs- u. Genuß-

854

716

848

mittel-Gewerbe

762

654

1620

Bekleidungsgewerbe

Gesundh.u.Körperpfl.

418

350

356

120

106

106

Baugewerbe

2964

2630

2568

Beroielf.-Gewerbe

81

81

90

Kunstgew. Berufe

6

6

3

Theater, Musik

33

27

24

Gastwirtschaft

220

198

123

Verkehrsgewerbe Häusl. Dienste

633

497

405

349

293

167

Lohnarb. wechs. Art

2809

2501

1973

Maschinisten u. Heizer

103

71

76

Kaufm. Angestellte Büroangestellte

704

643

495

90

78

69

Techniker

207

188

122

Freie Berufe

14

13

12

15879

13738

18741

Freiwilliger Arbeitsdienst.