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Nr. 17 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Donnerstag, 21. Januar 1932

Wohin floß das Gold der Welt?

Das Danaidenfaß des französischen Staatshaushalts.

Von unserem

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!- Pari-, Januar 1932.

Mit Stolz rühmt sich die sranzösische Presse dessen, daß Frankreich die beste Fi­nanz wirtschaft der Welt habe und daß es Frankreich allein von allen groben Völkern noch so gut gehe. Und mit gut gespieltem Zorn und schulmeisterlicher Ueberhebung weist sie dar- aus bin, dab Deutschland dank seiner Verschwendungssucht am Rande deS V a n k e r o 11 S stehe, weil es eben eine schlechte Finanzwirtschast geführt und im gro­ben etil daraufloSgelebt habe Hat eS denn nicht in diesen Jahren fast 24 Milliarden vom Aus­lande geborgt und zahllose LuxuSbauten, die jetzt aus den sranzösilchen Dörfern den Dauern im Film gezeigt werden, errichtet, Milliarden für ..Müßiggänger". d. h. Arbeitslose, verschwen­det und feine Beamten übermäßig hoch bezahlt?

Diese Behauptungen, auf die man leider deut­scherseits bisher nicht in der richtigen Weise ge­antwortet Hai. beginnen sich allmählich in der Weltmeinung sestzusetzen. Es ist daher höchste Zeit, dah man sich einmal mit den sranzö- sischen StaatSsinanzen und ihrer Geschichte beschäftigt.

Und da kommt man zu einem überraschenden, für die Welt sicher neuen Ergebnis: dab nämlich nirgendwo eine f o grenzenlose, alle Vorstellungen über!reffenbc Mißwirtschaft in den StaatSsinanzen geherrscht hat. wie in den letzten zwölf Jahren in Frankreich: Frank­reich hat nämlich heute eine Staatsschuld von 474 Milliarden Franken also von etwa 8 0 Milliarden Goldmark. d. h etwa das Dreizehnfache dessen, was eS an Staats­schulden vor dem Kriege hatte. Und das. ob­gleich sich die Kosten des gef am 1 e n K r i e- ges für Frankreich nur a u f 224 Milliar­den gestellt haben und eS den Wiederaus­bau der zerstörten Gebiete im Betrage von 102 Milliarden Franken * restlos von Deutschland bezahlt erhalten hat. (Selbst die Franzosen geben amtlich zu. dab sienur" noch 30 Milliarden für die zerstörten Gebiete zu erhalten haben würden, eine Be­rechnung. die allerdings willkürlich etwa 8 Mil­liarden Mark deutsche Leistungen nicht berück­sichtigt.) GS ergibt sich hieraüs also die Tat­sache, dab Frankreich seit Beendigung deS Krieges nicht weniger als 240 Milliarden Franken, das sind 40 Milliarden Goldmark neue Schulden gemacht hat um von den Gel­dern zu schweigen, die eS sonst noch vom Aus­lande erhalten hat! Welche Bedeutung dieser Summe zukommt, ist dabei aus der Tatsache zu ermessen, dast der ganze französische Haushalt sich nur aus etwa 8 Milliarden Goldmark im Jahre stellt. Frankreich hat also in zwölf Jah­ren daS auAgegeben. was eS nur in 17 Jahren hätte ausgeben dürfen. Wenn das keine Ver­schwendung oder Mißwirtschaft ist. dann aller- dingS haben Worte ihren Sinn verloren!

Roch grotesker wird das Ergebnis dieser Fi­nanzorgie. wenn man einmal nachprüft. woher Frankreich diese verschwendeten Summen ge­nommen hat, und wie diese Ausgaben im einzelnen entstanden sind. Vor dem Kriege gab es bekanntlich in Frankreich fo gut wie keine direkten Steuern: der Staat lebte in der Hauptsache aus den Einkünften der Zölle, Accisen und Monopole einfach, weil der französische Bürger vor allen Staatsbürgern der Welt der steuerfcheuste war. Als der Krieg aus­brach wurde daher in Frankreich die Parole

^-Korrespondenten.

ausgegeben, dab der Ärieg nicht durchLteu- e r n finanziert werden dürfe, weil das dem Patriotismus der Pwus schaden würde. Man zog es vor zu pumpen, und zwar sowohl im In- wie im Auslande, und legte so den Grund­stein zu den französischen Auslandschulden und der Entwertung deS Franken. Don den 224 Mil­liarden Kriegskosten wurden nur 38 Mil­liarden durch Steuern im Inland« ?e d e ck t. 44 Milliarden waren durch 2 n - eiben im AuSlande hereingekommen, und der ganze Rest von 142 Milliarden war imIn­land« geliehen worden. Ziffern, die aller­dings damals einen lehr viel höheren Goldwert hatten, da ja damals der sranzösische Franken immer noch etwa 50 Goldpfennig wert war.

Anstatt nun aber nach Beendigung des Krieges zu sparen und eine vernünftige Finanzwirtschast zu beginnen, taten die Franzosen alles, um ihre Ausgaben bis inS Ungemessene zu vergröbern. L e Boche payera tout diese Vor­stellung beherrschte die französische öffentliche Meinung in einem solchen Umfange, dast eine Ausgabenwirtschaft einseyte. die alles Mast ver­loren hatte. Man hielt nicht nur zunächst eine Riesenarmee weiter unter den Waffen, son­dern zahlte auch sofort phantastische Summen sür den Wiederaufbau der zerstör­ten Gebiete aus und finanzierte sämt­liche übrigen Kriege, die eS noch in der Welt zu führen gab: den polnisch-russischen, den griechisch-türkischen, den syrischen und die Inter­ventionskriege in Rußland. Welch groteske Vor­stellungen damals herrschten, zeigt, dab z D. bei dem Wiederaufbau der zerstörten Gebiete durch Gesetz ermöglicht wurde, dab die Dewohner dieser Gebiete einMehrsacheSdeSVorkriegs- wertes ihres Desitzes verlangen durften, so dab Summen gezahlt wurden, die gelegentlich das

Vierfache deS eigentlichen Wertes erreichten! Kein Wunder, dast die Ausgaben deS Jahres 1919 allein sich auf 54 Milliarden Franken stellten von denen aber nur 11 Milliarden im Jnlande durch Steuern aufgebracht wurden, während der Rest davon, wieder 11 Milliarden, im Auslande geborgt wurde? Und warum? Weil sich das französische Volk gegen jede Erhöhung der Steu­ern sträubte, so dab kein Finanzminister in der Lage war. die erforderlichen Deträge auf diesem Wege hereinzubringen, sondern gezwungen war. zur Anleihe bei der Dank von Frankreich, d. h. zur Inflation zu schreiten!

^s wäre reizvoll, einmal genau zu schildern, wie in den nun nachfolgenden Jahren die Politik der französischen Finanzminister zu immer neuen Schulden im In- und Auslande, zu der maßlosen Ueberfteigerung der Tributsorderungen und zum Sturz des Franken führte, und wie immer wieder Minister, die doch Steuern einzusühren versuchten, daran scheiterten, wie z. D. 1924 Poincarö, der eigentlich darüber fiel, dah er seinen Landsleuten für sechs Milliarden neue Steuern jumutetc, aber das würde zu weit führen. Wichtig allein ist die Tatsache, dast während aller dieser Jahre die französischen Finanzen ein Defizit auswiesen, obwohl Deutschland phantastische Summen be­zahlte obwohl die Alliierten Frankreich immer, weiter borgten bzw. stundeten und obwohl die sranzösische Zahlungsbilanzseit 1921 aktiv war. es also der französischen Wirtschaft ermöglichte, grobe Summen im AuS:ande anpi egen! Denn die Tatsache, dast der Frank ständig fiel, gestattete eben gleichzeitig eine ständige Vergröberung des französischen AuSlandabsaheS und brachte grobe Gewinne

Rur hatte dieses System eben einen Feh­ler: AIS der Franken 1926 auf einem Kurse von 243 für daS Pfund angelangt war, hatte auch das Ausland genug und zwang so zu einer Aenderung des bisherigen Kurses, so dab Frankreich 1926 einen Teil seiner Auslandschulden konsolidie­ren muhte. Wie geschickt es dabei seine Rotlage auSzunutzen wuhte. zeigt, dast es in seinem Schul- benabtommen mit den Engländern sich von diesen 65 Prozent seiner Schulden und in dem ersten 2b- kommen mit Amerika von 1925 sich immerhin be-

Wie es in Lausanne aussehen wird, wenn cs nach Frankreichs Wünschen geht. Eine Endlösung des Weltschuldcn-Problems soll auf der Konferenz nicht erörtert und das Moratorium nur provisorisch verlängert werden.

Inmitten der halb verkohlten Trümmer des Stutt­garter Schlosses stieß man bei den Aufräu- mungsarbeiten auf die völlig unbeschädigte Holzfigur desWackeren Schwaben", die während des Krieges als Symbol der Opferfreudigkeit im Schlöße auf­gestellt undbenagelt" wurde.

reite 58 Prozent schenken liehen, ohne allerdings das amerikanische Abkommen zu ratifizieren - was den Grund zu der großen Verstimmung zwi­schen Amerika und Frankreich legte.

Wie geschickt Poincare 1926 die S t a b i 1 i s i e - rung des französischen Franken durch- gesührt hat, ist bekannt 3r hat eS verstanden, den Zwang, den das Ausland ausübte, und der dazu führte, daß das französische Budget endlich ehrlich aufgezogen wurde, zum Schaden des Aus­landes auszunützen, das mit dem Frank speku­lierte Die etwa drei Milliarden Goldmark, die er mit der Frankenspekulation veid ente. wurden den Industrien dieser Länder entzogen und syste­matisch nach Frankreich übergeführt, das nicht zu­letzt damit jenen ungeheuren Goldschatz anzuhäufen begann, der sich im Tresor der Dank von Frankreich befindet. Wie grob auf der anderen Seite das Loch im französischen Staats­säckel war, ergibt sich jedoch daraus, daß Poin­care zur Stabilisierung des Franken nicht we­niger als elf Milliarden Steuern in einem Jahre anfordern muhte. Aber bis es zu dieser Kraftanstrengung der Franzosen gekom­men war. muhten sieben Jahre vergehen, in de­nen sich die Staatsschulden auf die genannten 474 Milliarden Franken vermehrt hatten!

Wenn Poincare also tatsächlich nicht nur den Franken stabilisiert, sondern auch den französi­schen Staatshaushalt in Ordnung gebracht hat so geschah das aus Kosten des Auslan­des, dem er mit den Schuldenabkommen die Gel­der und mit den Tributen die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Erholung genommen hatte. Denn ohne die 1,2 Milliarden Goldmark der deutschen Tributzahlung jährlich wäre der französische Staatshaushalt (infolge seiner phantastisch über­steigerten Militärausgaben) eben nicht au zuglei­chen gewesen, sondern hätte das bisherige Defizit weiter aufgewiesen Und ohne die SpckulationS- ?:ewinne hätte sich der Franken nicht stabilisieren assen!

Die Ausgabenwirtschaft des frairzös schen Staa­tes war aber auch mit dieser Aktion Poincare«

Gießener Gtadttheater.

John von Prahlet):Kops in der Schlinge".

Sin englisches Kriminalstück, sehr interessant, sehr spannend. daS seine Berliner Aufführungs­serie bereits hinter sich hat. ES ist gemacht im Stil und nach den grobschlächtigen und allerdings meist unfehlbaren Rezepten der Magazingeschich- tan. Aber während eS z. D. bei Wallace, der in­zwischen etwas auS der Mode gekommen ist. nur um eine aufregende Abendunterhaltung und um einen gutangedrehten Bluff des verehrlichen Pu­blikums geht, handelt es sich hier um ein ernst­haftes Problem: wieder einmal: Sturm gegen den Indizienbeweis .

Em Mord ist geschehen Der Mörder ist ver­urteilt. Der Staatsanwalt hat plädiert. Das Ge­richt hat gesprochen. Der Verurteilte soll in wenigen Stunden hingerichtet werden. In den wenigen Stunden vor der Vollstreckung, von abends bis mitternachts, wirb in der Woh­nung des Staatsanwalt« der Fall noch einmal aufgerollt, durchgesprochen, kritisch be­leuchtet. Die Mechanik deS Justizapparates wird einer experimentellen Proöe unterzogen, das Retz der Deweissührung noch einmal Masche für Masche kontrolliert. Ein kleiner Rollentausch wird in Szene gefetzt: der Staatsanwalt wird in die Rolle des Angeklagten versetzt.

Ein Parallelfall wird gemeldet, der sich kurz nach jenem Urteilsfpruch zugetragen hat. Ein un­bescholtener Mensch gerät in die peinliche Lage, für zwei belanglos erscheinende Rachmittags­stunden sein Alibi nachweisen zu müssen. Das ge­lingt erst nach mancherlei, die Spannung ver­schärfenden Hemmungen und Widersprächen. Das Retz zieht sich enger, immer enger. Was ist ein Alibi, welche Rolle spielt der Zufall, welche Verkettung von an sich nebensächlichen Tatbestän­den erlaubt einen Verdacht, worauf gründet sich eine Anklage auf Leben und Tod? Ein blutiger Singer, eine Schnapsflasche. ein abgerissener Knopf, ein Dündel ins Wasser geworfener Briefe jede dieser Alltäglichkeiten für fich allein scheint harmlos und unverfänglich: ihr Zusam­mentreffen fährt zu phantastischen und ungeheuer­lichen Schlußfolgerungen

Der erste Mordfall ist abgeschlossen: das Schick­sal des Verurteilten scheint nach den herrschenden ^Begriffen und Rechtsgepflogenheiten nicht mehr aufzuhalten, der zweite Mordfall aber, der in der kurzen Zeitspanne entdeckt wurde, die dem

Verurteilten noch geschenkt ist, beginnt sich in der schrittweisen Aufklärung, die der Zuschauer unmittelbar miterlebt auf eine merkwürdige und verwirrende Art mit jenem ersten zu ver­binden. Hier wie dort häufen sich die belasten­den und eintreifenben Ergebnisse einer schnell fortschreitenden Untersuchung zu einer (scheinbar) erdrückenden Last unwiderleglicher Deweise. Und der vorn Staat eingesetzte öffentliche Ankläger wird zum Angeklagten, zum Verdächtigen, der sich in Widerspräche verwickelt, der falsche Aus­sagen macht, dessen Alibi fragwürdig erscheint. Ein blutiger Finger, ein Flaschenetikett, ein feh­lender Knops werden zum entscheidenden In­diz

Wir müssen hier abbrechen, wir können der Klärung der beiden Fälle aus guten Gründen nicht vorgreifen. Dei Kriminalstäcken ist eS, wie man sich erinnern wird, dem Reserenten nicht gestattet, den Gang der Handlung lückenlos bis zu Ende zu berichten damit dem späteren De- sucher nicht die Spannung genommen und die Pointe verraten werde. Und damit nicht, was hier wesentlicher ist, der Zuschauer in seinem persönlichen Eindruck beeinslußt, in seinem Rach- denken und seinem Urteil gehemmt werde.

Es kommt dabei nicht so sehr auf das Stück als auf das Problem an, das dem Stück zugrunde liegt- Ist das Problem abgetan, dann mag man noch einen Augenblick beim szenischen Vorgang verweilen und sich einige Fragen beantworten. Was haben Sie beispielsweise am Denehrnen des Staatsanwalts auszusehen? Und ist der Schluß so. wie Sie ihn erwartet haben ... oder haben S:e etwas vermißt? Wenn ja was haben Sie vermißt? Oder wie hätten Sie das Stück von Herrn Dradley enden lassen?

Zu diesen und anderen interessanten Fragen regt die vom Dramaturgen Kähne vortrefflich geleitete Aull hcung dr ngend an Obwohl Drad­ley viel direkter und viel weniger raffiniert ar­beitet als Wallace, setzt die Spannung in diesen geschickt und vublikumSwirksam angekurbelten und gesteigerten Dialogen bis kurz vor dem letzten Vorhang nicht aus. (Rur die Juristen und die geübten Kriminallchwartenleser sehen schon im zweiten Akt die Losung kommen ) Es wurde auf der ganzen Linie vorzüglich gespielt: die Dekora­tion von Löffler erinnerte an die Szenerie im ..Hexer" und war in Stil und Stimmung sehr sicher auf die Fabel abgestimmt.

Karl H e y s e r (Frank Dearden ) in der schil­lernden Gestalt des Staatsanwalts wiederholt

hier zum Teil feine bemerkenswerte Leistung in der .,Voruntersuchung", die ja mit dem eng­lischen Stück nicht nur äußerliche Becuhrungs- punkte aufweist: er wurde indessen auch dem ge­wissermaßen passiven Teil seiner an sich sehr aggressiven Rolle durchaus gerecht. Sein Gegenspieler ist Hauer, der hier als Haupt­mann Mason und im übrigen mit der etwas farblosen Bezeichnung ....Kriminalist" vorgestellt wird: seine Rolle ist viel eindeutiger und gerad­liniger, übrigens typisch in der englischen Krimi- nal-2iteratur: er spielt sie so sympathisch wie sie ist, energisch und mit Gefühl : eine unfehlbare Mischung

Maria Koch hat die psychologisch und drama­turgisch wichtige Mittelsigur der Lady Harriet mit gutem Instinkt menschlich zu erhellen und zu erwärmen versucht. Fasso11 (Percy Grain­ger) baute die kleine, aber ziemlich entscheidende Szene des medizinischen Sachverständigen mit klugem taktischen Einsatz in die Handlung ein. Agathe W a 11 h e r - L e d e r e r und Wolfgang Kühne belebten die GesellschastSszene des Mittelaktes mit zwei hübschen, humorvoll de­taillierten Chargen: 'Beatrice Doering und Walter Michel rundeten daS Ensemble ange­nehm ab.

DaS Publikum war mit gespannter Aufmerksam­keit bei der Sache. Lebhafter Beifall. hth.

Seltsame blinde Passagiere

Blinde Passagiere sind auf den großen Damp­fern keine Seltenheit, und ein glücklich gelungenes Beispiel, das in der Presse berichtet wird, findet häufig sofort Rachahmung. Die Zahl der Ras- fauer weiblichen Geschlechtes auf den von Ame­rika abfahrenden großen Schiffen hatte fich in letzter Zeit fo gehäu't. dah die Gesellschaften be­kanntgaben, sie würden von nun an auch gegen Stauen bei denen man bisher häufig ein Auge zugedräckt hatte, mit rücksichtsloser Strenge Vor­gehen Die Anregungen find meisten« Adent'urer- lüft, auch manchmal Rot und der verzweifelte Wunsch, aus unerträglichen Verhältnissen h. raus- zukommen. Immerhin war der Kapitän des Dampfers , Anchiscs" doch höchlichst erstaunt, als er die Geschichte einer Frau vernahm, die ohne Fahrkarte an Bord gefunden wurde, gerade als das Schiss die Anker lichten wollte, um die austra­lischen Gewässer zu verlassen Sie aab an. sie fei Mutter von sechs Kindern, die ihr furchtbar zu schaffen machten, und der Arzt habe ihr an« empfohlen, eine Seereise zu unternehmen, um da­durch ihre Rerven zu kräftigen Sie hatte nun

keine andere Möglichkeit gesehen um diese Kur durchzusähren, als sich unbemerkt an Bord zu schleichen. Sie wurde natürlich, zu ihren sechs Kindern, die sie nötig brauchten zuräckgeschickt. Unter den blinden Passagieren finden sich Tiere mindestens ebenso oft wie Menschen, und mit diesen kann man noch mehr Schwierigkeiten haben Kürzlich beobachtete man auf dem Dampfer »Ma- iestic" der White Star-Linie einen häds chen brau­nen Assen, der auf irgendeine Weise an Bord ge­kommen war und das Schiss zehn Tage in Aufruhr versetzte. Das Tier, das die Fahrt seit Reü- york mitmachte wurde von der Mannschaft Jenny getauft und zeigte eine große Unverfrorenheit. Der Affe verbarg fich nicht wie der menschliche blinde Passagier, sondern tauchte immer wieder an den unpassendsten Stellen auf und wußte sich der Ver­folgung mit großem Geschick zu entziehen. Fallen wurden aufgestellt, hatten aber nicht den ge­wünschten Erfolg. So spottete Jenny tagelang aller Bemühungen, sie zu fangen, und lebte sehr üppig von Früchten, die sie sich durch häufige Räubereien verschaffte Aber der Alle trieb d e Unverschämtheit zu weit und fand sich einmal in der Kabine deS Kapitäns, eine große Wein­traube in den Pfoten. Türen und Fenster wur­den sofort fest verschlossen, und ein Offizier schritt zur Verhaftung. Aber Jenny ließ sich nicht so geduldig fangen, wie es wohl ein Mensch getan hätte sondern verteidigte fuf), so gut sie konnte unö biß den Offizier heftig in den Finger. Schließ­lich aber wurde sie doch in festen Gewahrsam ge­bracht. Die meisten blinden Passagiere der Tier­welt finden sich auf Frachtdampfern, auf die sie mit der Ladung gelangen. Besonders die Da- nanen-Schiffe führen immer einen Keinen zoolo­gischen Garten mit sich, der nicht weiter beachtet wird, wenn er sich nicht unangenehm bemerkbar macht. Unter diesen blinden Passagieren. d>e die Bananen als Versteck benutzen, sind nicht selten Schlangen, die meist harmlos sind. Es gibt aber auch eine sehr giftige und gefährliche Viper von hellgrüner Farbe, die aus West-Indien stammt und mit den Bananen an Bord gelangen kann

Öod)fd)ulnad)ricbfen.

Amtlich wird die Ernennung des Prof Tr Fried­rich Oeh 1 kers van der Technischen Hochschule in Darmstadt zum ordentlichen Professor für Bo» tanif an der Universität Freiburg i. 23. als Nach­folger von Dltmanns bestätigt.

Hem Ordinarius Dr. Harald Fuchs in Kö­nigsberg i.Pr. ist der durch den Weggang vonPro- Ifcffor Kurt Latte nach Göttingen erledigte Lehr­stuhl der lateinischen Sprache unb Literatur an der Universität Basel Angeboten waren.