Ausgabe 
20.8.1932 Erstes Blatt
 
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gewisse Meinungsverschiedenheiten spe­kuliere, die zwischen den Mächten bestehen könn­ten Die deutschen Forderungen auf Rüstungsgleich- hcit seien rechtlich unannehmbar. Wenn aber die Reichsregierung den juristischen Boden verlasse, müsse sie die Frage auf das politische Gebiet übertragen, und dann würde eine even­tuelle Verhandlung einen ganz besonderen Charakter haben

Welche politische Gegenleistung könne Deutsch­land bieten, damit sein verlangen Berücksich­tigung finde?

Das ganze weitgehende Problem der solide garantierten allgemeinen Sicherheit würde durch diese Forderungen aufgerollt werden und würde die Lösung fast unmöglich machen.

Nach einer Polemik gegen Bestreben aufVer- prcußung der deutschen Politik" beschäftigt sich das Blatt mit der Anmeldung kolonialer Aspi­rationen Deutschlands, zu denen es sagt, man würde sich irren, wenn man glaube, daß diese Frage regulär durch den Völkerbund gelöst wer­den könne.

Es sei nicht der Völkerbund gewesen, der die Mandate verteilt habe. Diese Verteilung sei durch direkte Verständigung unter den Mäch­ten erfolgt.

Es handele sich hierbei um Entscheidungen ausge­sprochen politischen Charakters, die der Völker­bund nicht abändern könne.

Neue Waffenfunde.

3m Kreise Schmalkalden wurden bei Mit­gliedern des Reichsbanners, der Eisernen Front und der SPD. Haussuchungen nach Waffen vor­genommen. Cs wurden Gewehre, Revolver und Munition gefunden. Die Besitzer der Waffen wurden verhaftet.

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Die gestern in Hann. - Münden verhafteten fünf der KPD. nahestehenden Personen sind wie­der auf freien Fuß gesetzt worden.

Verschiedene Wuppertaler Warenhäuser wurden gestern nachmittag wieder von unbekann­

ten Personen mit Tränengas heimgesucht. Wie aus den Meldungen an die Polizei hervorgeht, haben die Täter fast zur gleichen Stunde in vier Geschäftshäusern zwei in Barmen und zwei in Elberfeld während der Hauptgeschäfts­zeit Gaskapseln geworfen. Rach den Anschlägen verlieb das Publikum fluchtartig die Räume. Zwei Geschäfte mußten geschlossen werden.

Unterzeichnung von Abkommen von Ottawa.

Ottawa, 19. Aua. (WTBZ Die englische Delegation hat heute bereits Abkommen mit Indien, Südafrika und Reufundland unter­zeichnet. Die Unterzeichnung mit Südrhodesien, Australien und Reuseeland steht bevor. Wie verlautet, beziehen sich die hauptsächlichsten Ver­günstigungen für Kanada aus dem bevorstehenden Abkommen mit England auf Aepfel, Milcherzeug­nisse, Speck, Vieh, Kartoffeln und Getreide.

Admiral Zenker, der am Donnerstag in einer Göttinger Klinik im Alter von 62 Jahren verstorben ist.

Aus aller Welt.

Oie Bergungsarbeiten am Wrack derHiobt".

Kiel, 20. Aug. (WTB. Funkspruch.l Gestern abend sind die HebeleichterKraft" undWille" noch einmal gesenkt und ausgepumpt worden, wo­durch es gelang, das Wrack derNiobe" wei­tere 30 Meter an den Strand der Holtendorfer Bucht heranzubringen. Man ist zu der Ansicht gekommen, daß der Strand an der Holtendorfer Bucht am besten geeignet sein dürfte, das Wrack aufzunehmen, da dort im Gegensatz zu den tieferen Lagen der Bucht der Boden schlickfrei ist. Der Bug des Wracks ist um einige weitere Meter aus dem Wasser herausgekommen, so daß man jetzt das ganze Vordeck übersehen kann, jedoch sind die Deckluken und die Niedergänge zu den Logis noch immer nicht- frei. Man konnte daher im Laufe der Nacht noch nicht an die Leichen gelangen. Uebri- gens will man auch, solange sich das Schiff noch >n gutem Wasser befindet, davon Abstand nehmen, es leer zu pumpen, da man befürchtet, die Leichen durch den starken Sog zu zerstören. Gegen 22 Uhr wur­den die Arbeiten für die Nacht eingestellt. Man hofft, die Leichen im Verlaufe des heutigen Tages bergen zu können.

Heute früh strömten bereits wieder Hunderte von Menschen an die Kieler Landungsbrücke, um sich nach Holtendorf übersetzen zu lassen, von wo aus man den besten Ueberblick über den Stand der Ar­beiten hat. In Holtendorf werden auch heute wieder die Landungsbrücken von Gendarmerie und Schutz­polizei abgesperrt, die nur Inhaber von Dampfer­karten passieren lassen. Gestern abend fand in einer hiesigen Oberrealschule eine würdige Feier für

die Toten derNiobe" statt, die insbesondere dem ehemaligen Schüler Helmuth Pfeffer galt, der bei dem Untergang derNiobe" sein Leben lassen mußte.

Vermählung

des Prinzen Gustav Adolf von Schweden.

Das Coburger Standesamt gibt folgendes Auf­gebot bekannt: Seine königliche Hoheit Gustaf Adolf Oskar Friedrich Arthur Edmund Prinz von Schweden, Herzog von Faefterbotten, Leut­nant im schwedischen Leibregiment in Stockholm, Residenzschloß, mit Ihrer königlichen Hoheit Prin­zessin Sybilla Calma Alice Bathildis Feo­dora von Sachsen-Coburg-Gotha, Veste Coburg. Wie verlautet, werden von näheren An­verwandten des Brautpaares auch König Gustaf Adolf von Schweden, das Kronprinzenpaar von Norwegen sowie der Prinz von Wales an der in Coburg am 20. Oktober stattfindenden Vermählungs­feier teilnehmen

Gronau in Prince Rupert.

Der deutsche Flieger v. G r o n a u ist in Prince Rupert (Britisch-Columbrai gelandet.

Mollifons Transozeanflug geglückt.

Wie aus St. John in der kanadischen Provinz Reu-Brunswick berichtet wird, ist der Flieger Molli s o n, der in Port Marnock (3rland) zum Flug nachAmerika gestartet war, in Penn- sield, etwa 70 Kilometer von St. 3obn entfernt, gelandet. Pennfield liegt ungefähr 850 Ki­lometer von Reuyork entfernt. Mollison flog mit einer Stundendurchschnittsgeschwindigkeit von 140 Kilometer. Er war 30 Stunden und 20 Mi­nuten in der Luft. Zur ileberquerung des Ozeans von Irland bis nach Halifax auf der Insel Reu.

Schottland brauchte er die Zeit von 24 Stunden und 10 Minuten. Die Landung ging glatt von- statten. Sein Flug ist insofern bemerkenswert, als er die erste Lleberfliegung des Atlantischen Oze­ans durch einen leichten Eindecker dar- stellt. Mollison, der sofort nach der Landung seine Frau, die Fliegerin Amy Johnson, von dem Gelingen des Transozeanfluges benachrichtigte, wird zunächst eine kurze Rast in St. John halten, um sich von den Strapazen des Fluges auszuru­hen, und dann nach Reuyork weiterfliegen.

Unfall des Skimeisters Hannes Schneider.

Beim Brand eines Touri ft enheims in St. Anton (Arlberg) zog sich der bekannte Skimeister Hannes Schneider, der an den Rettungsarbeiten teilnahm, eine schwere Rauchvergiftung zu.

300 000 Mark

nach Berlin und dem Rheinlande gefallen.

In der Preußisch-Süddeutschen Staatslotterie ist auf das Los Nr. 2 4 4 9 7 5 ein Gewinn von 300000 Mark gefallen, das in der ersten Abtei­lung in Achtelteilung in Berlin und in der zweiten Abteilung ebenfalls in Achtelteilung im Rheinland gespielt wurde.

Ende des Prozesses Wolf-Kienle?

Die Stuttgarter Aerztin Frau Dr. Wolf- Kienle, die Hauptangeklagte in dem großen, noch im Stadium der Voruntersuchung befind­lichen Prozeß um den §218, die sich vor einiger Zeit aus Frankfurt a. M. nach Frankreich begeben hat, will sich dort wie dasStutt­garter Reue Tageblatt" berichtet mit einem Amerikaner verheiraten und nach Amerika auswandern. Das Blatt vertritt die An­sicht, es könnte sehr wohl der Fall eintreten. Daß die Flucht von Frau Dr. Kienle aus Deutsch, land das Ende des großen Prozeßes bedeuten lvürde.

Ein hunderteinjähriger t-

In Hostel (Eifel) st a r b der älteste Einwohner des Kreises Schleiden und auch wohl der älteste des Rheinlandes, der 101jährige Wilhelm Z ü l l. Roch vor wenigen Wochen, am 15. Juli d. I., konnte Züll in erstaunlicher körperlicher und geistiger Frische seinen Geburtstag feiern. Der Volksmund nannte ihnden ewigen Züll", weil er noch als 100jähriger Garten- und Feld, arbeiten verrichtete. Wilhelm Züll entstammte einem Geschlecht langlebiger Menschen: seine Mutber wurde 93 Jahre alt, drei Brüder 84, 92 und 91 Jahre. Der Verstorbene hinterläßt eine unverheiratete 80jährige Tochter, die dem Vaber den Haushalt führte.

Großer Sprengstoffdiebstahl bei Trier.

In der Rähe von Trier sind aus dem Lager des Generalvertreters einer Essener Spregstoffabrik 62 Kilogramm Ammonit und 52 Kilogramm Schwuczpulver gestohlen worden.

Schweres Einsturzunglück. 2 Tote, 3 verletzte.

Bei den Instandsehungsarbeiten an dem Bene- diktiner-Abteigebäude in Echternach (Luxemburg) stürzte altes Mauerwerk ein. Dabei wurden zwei Arbeiter aus dem deutschen Ort Bollendorf getötet. Ihre Leichen wurden aus den Trümmern geborgen. Drei Arbeiter wurden teils schwer, teils leicht verletzt.

vier Personen an Pilzvergiftung gestorben.

Die Pilzvergiftung im Hause des Bergmannes K r a h l in Reuserbitz bei Teplitz, über die bereits berichtet wurde, hat jetzt zwei weitereTo. d e s o p f e r gefordert. Außer den Eltern und einem Kinde starben noch zwei andere Kinder der Familie. Ein Kind liegt noch krank darnieder.

Inzwischen hat sich ein ähnlicher Dergiftungs. fall in Teplitz selbst ereignet. Hier st a r b e n der Bergmann Bernatschek und seine Frau nach dem Genuß von Knollenblätterpilzen, die sie nicht als giftig erkannt hatten. Die Zahl der Todesopfer in den beiden Dergiftungsfällen beträgt jetzt insgesamt sieben.

Fliehender Einbrecher erschossen.

In der Fuhlentwiete in Hamburg wurde dieser Tage ein fliehender Einbrecher von einem Ordnungspolizisten durch drei Schüsse nie-

Das Geheimbuch.

Eine hanseatische Anekdote.

Lon Karl Lerbs

Durch eine der Hansestädte geht ein Wollmakler, groß, schwer, grobknochig, mit hartem Gesicht, ge- fträubtem weißen Schnurrbart und aufstarrendem weißen Haar: immer noch, obzwar gealtert, draufgängerisch und zu gewaltigen Taten bereit. Er war, bevor er sich durch den letzten großen Schlag ein beträchtliches Vermögen erwarb und es mit klugem Entschluß festhielt, an der Wollbörse seiner Vaterstadt der gefürchtetste Mann, da er oft genug mit brutaler Faust in das vielrädrige Getriebe des Marktes eingriff und der besonnenen Großzügigkeit der patrizischen Handelsherren durch ruckweise Spe­kulationen von unerhörter Waghalsigkeit die verblüf­fendsten Scherereien bereitete. So brachte er, unver­änderlich grobschlächtiger Plebejer und biedermän- nischer Jobber, seine Tage in einem fortwährenden Hin und Her zwischen Reichtum und Verschuldung zu und riß viele kaufmänniicheExistenzen" erbar­mungslos mit sich in dieses halsbrecherische Auf und Ab. Von diesem Makler, M. mit Namen, erzählt man sich, daß er einstmals, um die Mitte seiner Laufbahn, aus einem furchtbaren Waffengang mit einer der größten Antwerpener Spekulationsfirmen als Sieger heroorging.

M. besaß einen Sohn, der ein lustiges Vöglein war und sich glänzend darauf verstand, beträchtliche Summen auf die charmanteste Art sich verflüchtigen zu lassen, ohne daß er diese (vom Vater ererbte) Fähigkeit einstweilen durch einen öfteren starken Anlauf zu geschäftlicher Tüchtigkeit ergänzte. Es ist nicht verwunderlich, daß dem Alten dieses heitere Spiel schließlich auf die Nerven fiel; so packte er den Sprößling eines guten Tages, einem wohlgemeinten Freundesrat folgend, auf die Bahn, auf daß er als Volontär bei eben jener Antwerpener Firma feine Talente vervollkommne.

Dies Verfahren, obzwar zunächst erfolglos (denn man kann auch in Antwerpen Geld loswerden, und Brüssel liegt nicht weit), trug dennoch gute Früchte. Als M. eines Tages über dem unerfreulichen An- blick eines Antwerpener Telegramms, das die Auf­forderung zur Einzahlung von Marken enthielt, wütend eine schwarze Brasilzigarre verqualmte, ging em eingeschriebener Brief des Sohnes ein, dem M., gleichgültig erst, dann mit runden Augen und hef­tig schnaufend, schließlich wutbebend folgendes ent­nahm: er, der Vater, werde sich gewiß entsinnen, daß er seit Jahren infolge andauernden Schief, liegens an der Terminbörse bei den Antwerpenern

häufig in die Kreide geraten sei. Als nun der Chef gestern mittag auf einen telephonischen Anruf hin sich in solcher Hast entfernt habe, daß er die Ge­heimbücher wegzuschließen vergaß, habe er, der Sohn, beim Herumschnüffeln ein Geheimres- kontra entdeckt. Hierin sei er auf ein Konto des Vaters gestoßen, und daraus gehe klar hervor daß die Firma in unerlaubter Weifedoppelte Buch­führung" betreibe. Man habe in diesem wie in an­deren Fällen Jahre hindurch in den offenen Abrech­nungen andere Kurse in Ansatz gebracht, als die tatsächliche Rechnung des Vaters gehandelten mit dem Erfolge, daß der Vater im offenen Konto bei der Firma mit zehntausend Franken belastet sei, während sein Geheimkonto ein Guthaben von nahezu hunderttausend Franken aufweise. Ein Nach­weis dieses Schwindels sei natürlich kaum möglich, da man vorsichtigerweise immer solche Kurse in An­rechnung gebracht habe, die im Verlauf der betref­fenden Tagesbörse tatsächlich vorgekommen seien. Die Tagesschwankungen habe man eben eingcftri- chen. Herzliche Grüße, und was man dabei tun solle.

M. tat dreierlei. Er stieß unter dem Eindruck des ihm aufgehenden riesigen Seifensieders die Brasil­zigarre in den Aschenbecher, daß sie wie eine Trom­pete aussah. Er rannte fünfmal durch das Kontor, daß die Scheiben klirrten. Er prüfte Geldschrank und Bankbuch und fand beide Stätten leer. Hierauf dachte er tief nach. Ergebnis: er hieb den Huk ver­kehrt auf den Schädel und brach, den Brief in der Hand, wie ein grimmiger Bär ins Kontor eines Freundes ein, dessen taktische Talente er schätzte. Mit diesem hatte er eine lange und geheime Besprechung, nach deren Beendigung er hinterhältig grinsend ein Telegramm folgenden Wortlauts an seinen Spröß­ling nach Antwerpen richtete:

Drahte wo Buch tagsüber liegt und wie es aus- 5)ie Antwort, prompt eintreffend, lautete:

Im Privatkontor auf Kopiertisch stop großer Tintenfleck auf grauem Deckel."

Hier hatten die beiden Herren eine abermalige, aber kürzere Erörterung und fuhren nach ihrer Be­endigung mit dem nächsten Zuge auf Kosten des Freundes nach Antwerpen: M. stiernackig, geduckt, mit tückisch funkelnden Augen und zu je-ber Gewalt­tat entschlossen; der Freund schmal, diplomatisch und verschlagen lächelnd.

In Antwerpen begab sich das Paar unverzüglich auf das Schlachtfeld, will sagen In das Geschäfts­haus der fraglichen Firma und in das Prioattontor des Chefs. M. fand mit geübtem Blick sofort Tisch und Reskontro, klemmte den verbindlich parlieren- > den und in unbehachicher Spannung aalglatt sich windenden kleinen Belgier rettungslos in einer I

Ecke fest und gab ihm über Reife, Befinden und Wetterlage bereitwillig Aufschluß: indessen der Freund sich bescheidentlich zurückhielt und sein Tun hinter dem breiten Rücken des Gefährten erfolgreich verdeckte. Nach Ablauf von fünf Minuten empfahl sich der Freund unter einem freundlich gesäuselten Vorwand, während M. die elektrisch geladene Atmo­sphäre des Zimmers noch eine Weile mit allerlei Redensarten füllte um dann, plötzlich, die riesige Faust schwer auf die Schreibtischplatte gestützt, sei­nem langsam erstarrenden Gegenüber folgende mehr als halblauten Eröffnungen zu machen: Er, M., sei ein leidenschaftlicher Sammler von Geheimbüchern aller Art, und wisse sich in dieser Liebhaberei mit seinen Geschäftsfreunden von der heimischen Börse einig. Da er nun erfahren habe, daß sich hier im Kontor ein besonders interessantes Buch dieser Art befinde, so sei er mit dem Entschluß gekommen, koste es, was es wolle, dieses Stück seiner Sammlung ein- zuoerleiben. Freilich kenne er aus geschäftlicher Er­fahrung die Unentbehrlichkeit solcher Bücher und wolle sich daher in diesem Falle mit einer Abschrift eines ihn besonders fesselnden Kontos begnügen einer Abschrift, die sein Freund jetzt eben bei einem Notar Herstellen zu lassen sich gestatte. Ganz ohne Zweifel würde der Besitzer von allen Fachleuten um die es seltene Stück beneidet werden. Zu weiteren Be prechungen über die Verwendung von Buch und Ab chrift sei er, M., im Hotel bereit. Hierauf pustete er den aufspringenden Gegner verächtlich um, schlug ihm die Tür vor der käseweißen Nase zu und trat durch eine Gruppe auseinanderstiebenden Kontor­personals dröhnenden Schrittes den Rückmarsch an.

Der Belgier brauchte geraume Zeit, bevor er sich so weit erholt hatte, daß er an M. einen seiner Leute als Boten senden konnte: M. solle sofort das Buch herausgeben. Der Bote kehrte zurück und bat feinen Chef inständig, von einer weiteren Verwen­dung feiner Person in dieser Angelegenheit absehen zu wollen. M. würde in einer Stunde nach Hause zurückkehren, Fahrkarten habe er schon.

Der Belgier mußte demnach den schweren Ent­schluß fassen, die Verhandlungen persönlich in die Hand zu nehmen. Er faßte ihn und tat es. Als er nach Ablauf einer Stunde mit dem Buch unter dem Arm in der sich aus der Lage natürlich ergebenden Stimmung in sein Kontor zurückkehrte, stellte er folgende Bilanz auf: 1. Er war einen Scheck über hundertundfünfzigtausend Franken los geworden, gegen Quittung. 2. Er hatte die Reisekosten bezah­len müssen, für drei Personen, denn M. junior war natürlich ebenfalls heimgekehrt. 3. Er kannte nun­mehr den Sammelwert eines Geheimreskontros, denn er hatte das feinlge auslösen müssen. 4. Er fjatte eine Bestätigung unterschreiben müssen, die

dergestreckt. Der Verletzte ist im Hafenkranken» haus seinen Verletzungen erlegen. Er hatte mit einem Komplizen einen Einbruch in ein Radiogeschäft verübt. Die Ordnungspolizei hatte beide beobachtet und wollte sie stellen, als sie das Geschäft betraten. Als die Einbrecher die Flucht er­griffen, machte der Beamte nach mehrfachem Anruf von der Schußwaffe Gebrauch. Der Name des Er­schossenen ist noch nicht bekannt.

Blitz schlägt in eine Moschee.

Ein heftiges Gewitter, das sich nach einer Meldung aus Belgrad über Pec, einer in der Nähe der albanischen Grenze gelegenen Stadt entlud, rich­tete durch das Zusammentreffen mehrerer unglück­licher Umstände heftige Zerstörungen an. Ein Blitz schlug in das Minarett gerade in dem Augenblick, als der Muezzin die Gläubigen zum Gebet rief. Der Muezzin war auf der Stelle tot, ein zweiter Blitz, der dem ersten unmittelbar folgte, schlug in das Dach der daneben liegenden Moschee und schmolz die Bleiausgießungen der Dachziegel. Die Folge davon war, daß die Moschee kup­pel ein stürzte und zahlreiche Gläubige unter sich begrub. Drei Tote und viele Schwerver­wundete wurden aus den Trümmern heraus- geholt.

Wettere Todesopfer

der spinalen Kinderlähmung in Ungarn.

Die Erkrankungen an spinaler Kinderläh­mung in Szegedin, über die bereits berichtet wurde, nehmen weiter zu. Bis jetzt sind fünf lo­be s o p f e r zu verzeichnen. Die Zahl der erkrank­ten Kinder hat sich auf 27 erhöht.

Hungersnot im lleberschwemmungsgebiet der Rordmandfchurei.

Die Zahl der bei der Riesenüberschwem- mung in den Tälern des Sungari und Ronni ertrunkenen Chinesen wird jetzt nach Meldungen aus Charbin mit 30000 angegeben. Hunderttausende von Flüchtlingen sind infolge Mangels an Lebensmitteln dem Verhun­gern nahe. Die Weizenernte der heimgesuchten Gebiete ist vollständig vernichtet. Die Ge­treidelager und Scheunen steh"n unter Wasser In CH rbin e b't treffen täglich Hunderte von Flücht­lingen ein, die vergeblia) Leoensmittel verlangen, da Charbin zu Dreivierteln unter Wasser steht und selbst einer Hungersnot nahe ist. Die Flüchtlinge wurden in Zeltlagern unter­gebracht. Ansteckende Krankheiten haben be­reits viele Opfer gefordert.

Jungfernfahrt

eines amerikanischen Atlantikdampfers.

Der von der United States Line neu eingestellte, 24 000 Tonnen große DampferManhattan" ist auf seiner Iungfernreise nach Eu­ropa im Hamburger Hafen eingetroffen. Ec wird mit feinem SchwesternschiffWashington" den regelmäßigen Passagierdienst zwischen Reu- hork und Hamburg versehen.

Wettervoraussage.

Ter hohe Druck wird zunächst die Schönwetter­lage noch erhalten. Die starke Erwärmung hat jedoch Darometerfall zur Folge, so daß sich von Westen her flache Störungen allmählich vor- schieben können. Somit gelangt auch kühlere ozeanische Luft nach dem Festlande, die vor­übergehend lokale Gewitterstörungen zur Folge haben wird. Die Großwetterlage wird aber da­durch nicht stärker beeinträchtigL

Aussichten für Sonntag: Noch vielfach heiter und heiß, doch aufkommende lokale Gewitter- ftörungen.

Aussichten für Montag: Teils aufhci- ternb, teils bewölkt mit Neigung zu Gewitter­störungen.

Lufttemperaturen am 19. August: mittags 31 Grad Celsius^ abends 22,8 Grad; am 20. August: morgens 19 Grad. Maximum 31,5 Grad, Minimum 14,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. August: abends 28,9 Grad; am 20. August: morgens 22,4 Grad. Sonnenscheindauer 11% Stunden.

Verantwortlich für Politik: 3.93.: Ernst Blumschein.

ihm im Geschäftsverkehr mit M. künftig große Vor­sicht aufnötigte.; 5. Er hatte den Notar bezahlen müssen.

Zur selben Stunde fuhren M., sein Sohn und der Freund, heimwärts. M. entwarf behaglich grunzend einen Plan für eine neue Riesenspekulation, mit der er von seinem neugewonnenen Stützpunkt aus die Welk aus den Angeln zu heben gedachte. Der Freund las den Handelsteil derNieuwe Rotter- damsche Courant" und lächelte. M. junior war in tiefes und förderliches Nachdenken über den Wert geschäftlicher Tüchtigkeit versunken.

Der Erzähler besitzt die Beweise dafür, daß alle vier Beteiligten aus den Erfahrungen dieses Tages Nutzen gezogen haben.

Zagt) nach der Riesenschlange als Zerien-Vergnügen

Ein Ferienoergnügen nicht gewöhnlicher Art bie­tet sich gegenwärtig den Gästen von Horley in Gur­ret), freilich ohne das Hinzutun einer rührigen Bade. Verwaltung. Dort ist eine über 3 Meter lange Riesenschlange aus einer Menagerie entwichen und eine Schar unternehmender Feriengäste, einschließ­lich einer Gruppe von jungen Mädchen, machte sich in ihren Strandpyjamas, die sie wohl für die geeig- nelfte Kleidung zur Schlangenjaad hielten, auf die Suche nach der Entkommenden. Unter dem Namen Sybilla wird die Schlange in dem hinter ihr erlas- senen Steckbrief geführt, der auch besagt, daß sie 13 Zentimeter dick und silbergrau ist. Besondere Merkmale: sie liebt es, junge Lämmer zu ver­schlucken. Bevor ihr Verlust bekanntgeworden war, hat ein Mann sie um Mitternacht sich quer über die Landstraße fortwälzen und auf einen Baum klettern gefefjen, aber er hielt es für besser, nichts von sei- nem Abenteuer mitzuteilen, da er sich die Erschei- nung nicht zu erklären wußte. Die 3äger sind durch eine öffentliche Bekanntmachung davon in Kenntnis 6^setzt worden, daß Sybilla völlig harmlos ist, da ihr die Fangzähne fehlen.Was würden Sie tun, roenn Sie auf Sybilla stießen?" fragte einer der 3agereinen Polizisten.Das möchte ich von Ihnen wissen', lautete die Antwort.Nun, ich würde einen Polizisten holen", meinte der Amateur-Jäger.Be- vor Sie einen finden, ist die Schlange längst ver­schwunden", höhnte einer der Anwesenden.Das ist wohl möglich", erwiderte mit unerschütterlichem Gleichmut der Hüter der Ordnung.Schlangen sind schnelle Tiere." Aber mit allen diesen Erwägun­gen ist Sybilla noch nicht eingefangen, sondern er­freut sich weiter ihrer FreiheiL

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Nachdem wir in bei fjener Anzeigers" ber unserem Leserkreise a verdrehte Mädel" von Abschluß gebracht hab tot Bnvs'Mlichung e wertes, tois zweiseiiv- nung verjvigt werden die jüngste Arbeit ein Anzeiger" noch nicht sich aber bereits sei lichen Leistungen ai romans einen ang auch in großen beut' mit bestem (Erfolg Roman heißt:

Rem vor . >st ein Roman eigener Art in eine, miteinander verbind aus dem Leben, in b< erHung und Kamp 5Ws die beifimr Die Autorin weih sinn, flüssigen Stil diesem ihren jüngsten .°^'gen,So entsta Wen wird, an be g unserer Lesersch Senfli* ^w'ß, mit T" 'chung jeberma; unb Unterhalts«,^ Le

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