Aus der Provinzialhauptstadt
typen, die Beschränkung der Zahl der Preisstufen u. ä. m. Der Württembergische Wirtschaftsminister fordert die allmähliche Liquidation der bereits bestehenden Einheitspreisgeschäfte. Auch Baden hat sich- den obengenannten Regierungen angeschlossen.
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Der Herr Reichspräsident hat den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Dr. Go erdeter, auf seinen vor längerer Zeit gestellten Antrag vom Amte des Reichskommissars für Preisüberwachung entbunden. Mit der Führung dieser Geschäfte wird der Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium Dr. Heintze betraut.
im letzten Augenblick noch unverletzt aus dem Auto zu ziehen, während die beiden anderen Insassen verbrannten. Direktor Pokorny war der Leiter der Betriebsabteilung der Reichsbahn- direktion Dresden, Oberinspektor Lenke im Prä- sidalbüro der Reichsbahndirektion.
Wildwest in Oberschlesien.
Mehrere Einbrecher versuchten in ein Uhrwarengeschäft in Sosnowice (Ost-Oberschlesien) einzudringen. Der Inhaber einer benachbarten Wohnung wurde durch die ungewöhnlichen Geräusche, die die Einbrecher verursachten, aus dem Schlaf geweckt. Als er auf die Straße trat, schossen die Einbrecher auf ihn und verletzten ihn t ö d l i ch. Durch die Schüsse wurde eine Polizeistreife alarmiert, die die Verfolgung der flüchtige Banditen aufnahm. Die Einbrecher nahmen auch die Polizei unter Feuer, wodurch einer der Beamten durch einen Bauchschuß schwer verletzt wurde. Sie konnten unerkannt entkommen.
Mord an einem Geldbriefträger.
In der Nähe von Ustron bei Kattowitz wurde ein G e l d b r i e f t r ä g e r aus einem Bestellgang im Wald von einem Manne überfallen und beraubt. Der Täter schlug den Beamten mit einem Knüppel nieder und schnitt ihm darauf mit einem Messer den Hals durch. Darauf raubte er die Geldtasche, in der sich 2100 Zloty befanden und flüchtete. Der Räuber wurde jedoch von einem Manne bemerkt, der die Verfolgung aufnahm. Da dem Räuber die Geldtasche ju schwer war, warf er sie von sich und entkam zunächst. Die Po.izei konnte ihn aber kurz darauf f e st n e h m e n. Der überfallene Geldbriefträger wurde ins Lazarett geschafft, wo er eine Stunde darauf seinen schweren Verletzungen erlag.
Baby vom zweijährigen Bruder getötet.
Eine nächtliche Kindertragödie wurde in der Familie "des Elektromonteurs Anders in Berlin entdeckt. In der Nacht hatte der 2% Jahr alte Sohn des Elektromonteurs sein vier Wochen altes Schwesterchen Vera i m S ch l a f e r d r ü ck t. — Die Kinder schliefen in einem gemeinsamen Bett. Als die Mutter'-früh, den Kindern die Mich bringen wollte, entdeckte sie zu ihrem Entsetzen, daß die kleine Dera erstickt war. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen.
Die Siegerin Amy Iohnson-Mollison in London.
Die englische Fliegerin Amy Johnson- M o l l i s o n legte die letzte Strecke ihres R e - kordfluges Kapstadt — London zurück. Don Le Bourget kommend, traf sie auf dem Londoner Flugplatz Croydon ein. wo ihr von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Der König und die Regierung liehen der Fliegerin durch Vertreter ihre Glückwünsche übermitteln. Die Fahrt der Fliegerin zu ihrem Hotel gestaltete sich zu einem Triumphzug. Heberall in den Strahen wurde Amy Johnson von einer riesigen Menschenmenge begrüßt. Den Rekord für den Rückflug vom Kap, der 11 Tage betrug, hat sie mit sieben Tagen geschlagen.
Japanisches Flugboot verunglückt.— Fünf Personen ertrunken.
Nach einer amtlichen Mitteilung ist das Wrack des japanischen Flugbootes Nr. 307, das seit kurzem vermißt wurde, bei Formosa aufgefunden. Die fünfköpfige Besatzung ist ertrunken.
Großfeuer bei Köln.
3n den Fabrikanlagen der Rheinischen Maschinenindustrie in Sürth bei Köln brach ein D r a n d aus, der sich in kurzer Zeit auf vier große Fabrik- schuppcn ausdehnte und zu einem Grohfeuer auswuchs. Die Feuerwehren konnten gegen das Flammenmeer nichts ausrichten und mußten sich auf den Schutz der vom Feuer noch nicht berührten Fabrikgebäude beschränken. Dem Feuer fielen viele Fertigwaren und zahlreiches Rohmaterial zum Opfer.
(Ein Kölner Chauffeur ermordet.
Auf der Landstraße Köln—Frechen wurde der 49jährige Kraftdroschkenführer Simon Derkum erschossen aufgefunden. Zwei Schüsse waren in die rechte Schulter und ein Schuß von rückwärts in die linke Hüfte eingedrungen. Man nimmt an, daß Derkum voneinem Fahrgast erschos- s e n wurde. Die Leiche lag 60 Meter von dem Kraftwagen entfernt. Derkum hatte in der Rächt mit einem etwa 35 bis 40 Jahre alten Fahrgast, der vom Hauptbahnhof gekommen war, eine Fahrt nach Marsdorf angetreten. Der Regierungspräsident hat eine Belohnung von 500 Mk. für die Ermittlung des Täters ausgesetzt.
Die letzten Opfer auf den Delbrück-Schächten geborgen.
In Hindenburg (O. SO wurde die Leiche des verunglückten Hauers Wie dum aus Ost-Ober- schießen aus den Delbrück-Schächten geborgen. Die Leiche des tödlich verunglückten Hauers Waith o w s k y ist endlich geborgen worden. Zuletzt gelang es, auch die Leiche des vierten Verunglückten, des Hauers Kubitza aus Hindenburg, zu bergen.
Ein Pelroleumdampfer in Flammen. — Fünf Todesopfer.
3m Hafen von Le Havre ereignete sich an Bord eines mit 100 000 Litern Petroleum beladenen Dampfers eine Explosion, die das «Schiff im Ru in Flammen setzte. Ein «Segelkutter, der neben dem brennenden «Schiff lag und mehrere hundert Liter Petroleum an Bord hatte, fing ebenfalls Feuer. Die Frau des Besitzers erlitt schwere Brandwunden und stürzte sich mit ihrer Tochter ins Meer. Beide konnten nur als Leichen geborgen werden. Die dreiköpfige Besatzung des Petroleumdampfers wird vermißt. Sie ist anscheinend ertrunken.
Drei Deutsche unter den Todesopfern des französischen Eisenbahnunglücks.
Unter den Todesopfern des Eisenbahnunglücks in Südfrankreich befinden sich drei Deutsche, das Ehepaar Gerber und ein Fräulein Charlotte Bremer, unter den Verletzten der Deutsche Alfred Buß.
Zehn Fahre Zuchthaus für Kriegsverrat.
Leipzig, 17. Dez. (TU.) 3n dem Verfahren wegen Kriegsverrats gegen den Lastkraftwagenführer August 3 ä g e r ^ius Erfurt verkündete der lV. Strafsenat des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Reicysgerichtsrats D r e v e s am Samstagnachmittag folgendes Urteil:
„Wegen Verbrechens nach § 58 Absatz 8 des Militärstrafgesetzbuches, begangen in der Zeit vom 13. bis 14. April, wird der Angeklagte zu zehn 3ahren Zuchthaus und zehn 3ahren Ehrenrechtsverlust verurteilt."
Es handelt sich dabei bekanntlich darum, daß der Angeklagte in der Rächt zum 14. April 1915 aus der Stellung der 5. Kompanie des 3. R. 234 3u den Franzosen übergelaufen ist und dort auf die an ihn gerichteten Fragen Antwort gegeben hat, namentlich in der Richtung, daß aus der deutschen Stellung heraus für die allernächste Zeit ein Gasangriff denFran- zosen drohe. Dieser Gasangriff der der erste irn.Blosverfahren, der von den deutschen Stellungen aus unternommen werden sollte.
Das Gericht erklärte begründend, der Artikel des französischen Generals Ferry in der „Revue des Vivants", in dem der Angeklagte als Verräter gebrandmarkt wurde, fei für das Urteil nicht maßgeblich gewesen. Entscheidend aber fei für das Gericht das Verhalten oes Angeklagten in der Stellung 6 -234 und später in französischer Gefangenschaft. Wenn man die eigenen Aus- sagen des Angeklagten über sein Verhalten, über feine Beweggründe und über sein Tun zusammenhalte mit den Aussagen der vielen Zeugen, so müsse sich die Ueberzeugung aufdrängen, daß der Angeklagte bewußt zu den Feinden übergelaufen sei und daß er den Verrat, der ihm zur Last gelegt wird, dort auch begangen habe.
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Kreisausschußsihung.
Am Samstaa sand unter dem Vorsitz von Ober- regierungsrat Ritzel eine öffentliche Sitzung bes Kreisausschusses des Kreises Gießen statt. In der Sitzung ergingen folgende Entscheidungen:
1. Besetzung der Gemeinderechnerstelle in Hungen; hier: Beanstandung des Gemeinderatsbeschlusses vom 14. Juni 1932 durch den Kreisdirektor, „Die Beanstandung des Kreisdirektors vom 31. August 1932 wird als unbegründet zurückgewiefen."
Durch Beschluß des Gemeinderats vom 14. Juni 1932 war die Stelle des Gemeinderechners zu Hungen dem seitherigen Gehilfen des Gemeinderechners übertragen worden. Da die Stelle einem Versorgungsanwärter Vorbehalten ist, hatte der Kreisdirektor den Gemeinderatsbefchluß beanstandet.
2. Entziehung des Führerscheins des W. H., Ober-Hörgern. „Die Klage wird als unbegründet abgewiesen." Durch Beschluß des Kreisamts Gießen vom 28. Dezember 1931 war dem W. H. die Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen für die Dauer von zwei Jahren entzogen worden, nachdem H. durch Urteil des erweiterten Schöffengerichts zu Gießen vom 22. Juli 1931 wegen Ver- stehens der fahrlässigen Tötung im Sinne des § 222 Abs. 1 und 2 St. G.B., sowie eines weiteren Vergehens gegen § 22 Abs. 2 H. F. G. zu einer Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt worden war. H. war am 6. AprU 1931, abends zwischen 8 und 9 Uhr, mit seinem Kraftwagen auf der Straße Nieder-Bessingen—Lich in einer schar- fen Kurve mit einem entgegenkommenden, trotz der bereits eingetretenen Dunkelheit unbeleuchteten Motorrad zusammengestoßen, dessen beide Fahrer durch den Zusammenstoß so schwere Verletzungen erlitten, daß sie nach kurzer Zeit starben. Die Umstande des Unfalls ließen nach Ansicht des im gerichtlichen Verfahren gehörten Sachverständigen darauf schließen, daß H. die Kurve unzulässigerweise scharf geschnitten hatte, und daß auf diese Weise schräg auf das entgegenkommende Motorrad losgefahren war. Hinzu kam noch, daß sich H. nicht um das Schicksal der Verunglückten gekümmert hatte, obwohl er zweifellos den Zusammenstoß bemerkt und damit gerechnet hatte, daß die 'Motorradfahrer gestürzt und in hilfloser Lage liegengeblieben sein konnten.
3. Den Voranschlag der Gemeinde Weitershain: hier: Beanstandung des Ratsbeschlusses vom 5. Mai 1932 durch den Kreisdirettor. „Den Beanstandungen des Kreisdirektors wird stattgegeben, und der Be- schluß des Rats der Gemeinde Weitershain vom 5. Mai 1932 zu den Rubriken 4, 22, 23 und 36 des Voranschlags für das Jahr 1932 aufgehoben."
Bei Beratung des Voranschlags für 1932 Rj. hatte der Rat der Gemeinde Weitershain aus Ersparnisgründen den Beitrag zu den Kosten der Forstoerwaltuna, die Vergütung des Bürgermeisters und die Besoldungen des Gemeinderechners des Polizeidieners und des Feldschützen in unzulässiger Weise herabgesetzt.
4. Bürgermeisterwahl in Staufenberg am 20. November 1932; hier: Beanstandung des Kreisdirektors. „Die am 20. November 1932 in Staufeüberg stattgefundene Bürgermeisterwahl wird für ungültig erklärt."
Bei der Wahl waren die vorschriftsmäßigen Zähl- und Gegenlisten nicht geführt worden. Man hatte vielmehr die für jeden Kandidaten abgegebe- nen Stimmen auf weiße Bogen eingetragen. Diese | Bogen sind jedoch nicht mehr vorhanden. *
•* Zum Ehrensenator der Landes* unibecfi tat ernannt. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Der Gesamtsenat unserer Landesuniversität hat den Zroßkausmann Wilhelm T r i b u s in Gießen mit Rücksicht auf seine hervorragenden Verdienste um ötc Landesuniversität zum Ehrensenator ernannt.
** Der Goldene Sonntag brachte unserer Stadt gestern wieder einen riesigen Publikumsverkehr von außerhalb. Die Mittagszüge und die Eisenbahnverbindungen am frühen Nachmittag wurden mit voller Belastung, zum Teil sogar ver- Schöne weiße Zähne
KirchenmustkMche Weihnachtsseielfiunde
Die Markusgemeinde hatte am gestrigen Sonntagabend zu einer musikalischen Feierstunde in die weihnachtlich geschmückte Stadtkirche eingeladen. Wie gerne viele diesem Ruf gefolgt waren, ersah man aus der bis fast auf den letzten Platz gefüllten Kirche.
Zum Vortrag gelangten Kompositionen von Meistern des 16. und 17. Jahrhunderts; sie alle waren der Weihnachtszeit entsprechend ausgesucht und zusammengestellt. Bekannte musikalische Kräfte unserer Stadt hatten ihr Können in den Dienst der guten Sache gestellt und erwarben die Dankbarkeit ihrer Zuhörer.
Herr Heinz Simon, dessen aufopferndem Wirken mit diese Feierstunden zu danken sind, leitete den Abend mit der Fantasie in C-Dur für Orgel von Joh. Seb. Bach weihevoll ein. Er war es auch, der in feinsinniger Weise alle Darbietungen von ter Orgel aus unterstützte. Mit gut geschulter Altstimme vermittelte Käte Gärtner (Alt) Werke von Joh. Seb. Bach. Frau Ilse S ch m i d t - W i s f e n d o r s (Sopran) und Fräulein Emily H o r st (Sopran) olgte man gerne in den Jubel ihrer Gesänge. Be- anders dankenswert war die Wiedergabe einer eiten gehörten Kantate von Vincent Lübeck, bei der sie von zwei Solo-Geigen (Fräulein Maria Zimmer und Herr Franz Bauer fr.) bestens unterstützt wurden. An instrumentaler Musik erfreute ein Pastorale von Ant. Vivaldi durch seine Schlichtheit; es wurde von den Herren Franz Bauer jr. (Geige) und Heinz Eger (Cello) seinem Sinne gemäß zum Vortrag gebracht. Zu besonderer Andacht zwana ein Adagio-Satz aus einer kaum aufgeführten, herrlichen Sonate Joh. «Seb. Bachs. Herr Franz Bauer jr. brachte ihn mit feinstem Stilgefühl in fast rhythmisch gelöstem Gesang der Geige zu Gehör. Gern begrüßte man auch in dieser Stunde die musizierfreudige Gemeinschaft des hie- figen Kammerorchesters. Schon oft ist sein selbstloses Wirken unter seinem tüchtigen Führer an dieser Stelle erwähnt worden. Gestern brachte es Weihnachtsmusik für zwei Solo-Geigen (Fräulein Maria Zimmer und Herr Franz Bauer jr.) und Cello (Herr Willi Höß und Herr Emst T h e i ß), die feierlich-fröhliche Stimmung oermit- telte. Nicht vergessen sei der K n a b e n d) o r, der mit seinen Hellen Kinderstimmen den Gemeindege- sag unterstützte.
So war der Abend eine rechte Feierstunde und vielen der zahlreichen Hörer ein freudiger Auftakt der kommenden Weihnachtstage. —f—
Weltkrieg, Vaterland, deutsches Judentum.
Auf Einladung der Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sand am «Samstag in der vollbesetzten Turnhalle am Oswaldsgarten I ein Vortragsabend statt. Zu Beginn des Abends entbot der Versammlungsleiter im Rahmen feiner I Begrüßungsansprache besonderen Willkommensgruß den Vertretern des Offtzier- und des Unteroffizierkorps unseres Bataillons, den Vertretern der ftaat- üdjen und der städtischen Behänden, der Landes- I Universität, der Geistlichkeit, der Beamtenschaft, der Presse und allen sonstigen Organisationen. Hieraus betonte er, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten als überoarteiliche Organisation aller deutschen Frontkämpfer jüdischen Glaubens das große Gemeinschaftserlebnis des Krieges treu bewahren, I allezeit Dienst am Vaterland leisten wolle und für I Recht und Gerechtigkeit eintret«. Mit einem feier- *
Aus aller Welt.
Eduard Bernstein gestorben.
Berlin, 18. Dez. (WTB.) Der frühere sozialdemokratische Re.chstagsabgeordnete Eduard Bern, stein ist im fast vollendeten 83. Lebensjahre an Altersschwäche geftorben. Bernstein gehörte der Sozialdemokratischen Partei seit dem Jahre 1872 an. Gebürtiger Berliner, war er in seiner Jugend eine Zeit lang Bankangestellter, widmete sich aber bald ganz der politischen Tätigkeit. Er war lange Jahre in. der Schweiz Redakteur des sozialdemokratischen Kampforgans „Sozialdemokrat , das der Bekämpfung des deutschen Sozialistengesetzes diente. Nach Ausweisung der Redaktion aus Zürich ging er nach London, wo er bis zum Jahre 1901 lebte, da ihm auch nach dem Fall des Sozialistengesetzes die Erlaubnis zur Rückkehr in die Heimat nicht erteilt wurde. Er zählte zu den per sönlichen Bekannten von Marx und Engels, wurde aber unter dem Einfluß des englischen Sozialismus Gegner der radikalen Richtung feiner Partei und wurde Begründer des Revi- Monismus. Von 1902 bis 1906, von 1912 bis 1918 und von 1920 bis 1928 war er Mitglied des Reichstags. «Seine Schriften zur Theorie des Sozialismus genoffen internationalen Ruf.
Tränengas in einem Diener Warenhaus.
21m „Goldenen (Sonntag“, als in den Rachmit- tagsstunden das Warenhaus Gerngroß, das größte Warenhaus Wiens, nahezu über füllt war, stiegen plötzlich gleichzeitig an mehreren Stellen von Tränengas herrührende Gase aus, die bei Frauen und Kindern die größte Verwirrung hervorriefen. Alles drängte in größter Aufregung den Ausgängen zu, so daß nur mit Mühe eine Panik vermieden werden konnte. Der Feuerwehr gelang es nach einstündiger Arbeit die Räume zu entlüften. Die Urheber desTränen- gasanschlages sind noch nicht festgestellt. — 3n den letzten Tagen betrieben die Rationalsozialisten eine lebhafte ant sein t sche Propaganda mit der Aufforderung an die arische Bevölkerung, in jüdischen Geschäften nichts zu kaufen.
Autounfall Harry Piels.
Der Filmschauspieler Harry Piel wollte mit seinem Auto von Berlin nach München fahren. Kurz hinter Eibach bei Nürnberg kam in scharfem Tempo ein anderes Auto auf Piels Fahrzeug zu. Piel bremste aus Leibeskräften und riß, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, seinen Wagen nach links herum. Der Wagen kam auf der glatten «Straße ins Schleudern und stieß ge g en eine Mauer, die eingedrückt wurde. Wie durch ein Wunder stürzte das Auto an dieser gefährlichen Stelle nicht in die Tiefe. Piel blieb unverletzt und fuhr mit einem anderen Wagen nach Rürnberg zurück.
Schweres Autounglück.
Auf der Staatsstraße zwischen Meißen und Zehren ereignete sich ein schweres Kraft-
9 u n g l ü ck. Ein Personenwagen der Reichsbahn, in dem Reichsbahnoberinspektor Le n k e, Reichsbahndirektor Pokorny und Rerchsbahurat Dr. S t a n g e aus Dresden saßen, geriet auf der vereisten Straße bei dem Versuch einem Radfahrer auszuweichen, ins Schleudern' stürzte eine über zwei Meter hohe Böschung hinab und geriet in B r a n d. Lenke und Pokorny verbrannten im Wagen. Dr. Stange konnte von den Passanten unverletzt aus den Trümmern hervoraazogen werden. — Die drei Herren der Reichsbahndirektion Dresden hatten eine Dienstfahrt nach Riesa und Röderau ausgeführt und befanden sich auf dem Heimwege nach Dresden. Kurz vor Meißen versuchte Oberinspektor Lenke der am Steuer sah, einige Radfahrer zu über-' holen. Obwohl die «Straße infolge der Glätte am Morgen ordnungsmäßig bestreut worden war, scheint sich doch wieder Glätte gebildet zu haben' Ein Wanderbursche und einige Spaziergänger eilten sofort an die Anglücksstelle. Es gelang ihnen nur, den Reichsbahnrat Dr. Stange
I lichen Gedenken cm die Gefallenen des Weltkriege« I fand die Ansprache ihren Ausklang.
Der Redner des Abends, Dr. Freund (Berlin), sprach hierauf über das Thema „W eltkrieg, Vaterland, deutsches Judentum". Er hob zunächst hervor, daß der Inbegriff vom Vater- I land kein Lippenbekenntnis fein dürfe, sondern innige «SchicksalsVerbundenheit aller Teile der Gemeinschaft des Volkes zum Ausdruck bringe, von jedem einzelnen die Liebe zum Vaterland, stete Be- I reitschaft zur Tat und zum Opfer für die Gesamtheit, auch zum Einsatz und Opfer des Lebens erfordere. Dieser hohen Auffassung des Begriffes Vaterland habe sich im Weltkrieg auch das deutsch« Judentum nicht versagt. Vor dem Kriege habe es I in Deutschland 550 000 Juden gegeben. Davon hätten nach genauen amtlichen Feststellungen rund 96 000 unter den deutschen Fahnen gestanden, über 12 000 von ihnen seien gefallen. Heber 150 Juden seien als deutsche Flieger vor dem Feinde gewesen, 30 seien gefallen, darunter auch der jüdische Leutnant Frankel, Ritter des Pour le nterite, der nach Jmmelmann und Böhlke die höchste Zahl feindlicher Flieger abgeschossen habe. Bekannt fei auch wohl 3ur Genüge, daß der jüdische Reichstagsabgeordnete Ludwig Frank als Kriegsfreiwilliger ins Feld gezogen und schon bald danach gefallen sei.
I Gegenüber dem Vorwurf, das Judentum sei in I das deutsche Volk nicht hineingewachsen, machte der I Weidner geltend, daß man ja auch in Deutschland I bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die Juden von der Gemeinschaft des Volkes ausgeschlossen und in das Ghetto verbannt habe; erst 1869 habe man den Juden volle staatsbürgerliche Freiheit und
I Rechte eingeräumt. Wenn man die Jude ns rage lösen I wolle, könne es nicht dadurch geschehen, daß man
in die Praxis des vorigen Jahrhunderts zurück- falle und die Juden wieder ins Ghetto schicke. Man müsse vielmehr die hohen geistigen und sitt-
I l.chen Kräfte im Judentum ebenso anerkennen und für die Gesamtheit nutzbar machen, wie dies in Amerika, England und Italien geschehen sei, wo es S- B. in Jtal.en auch heute noch jüdische fasch steche Generäle, jüdische faschistische-Führer und auch jüdische Sozialisten gebe. Der Redner lehnte es im Namen des Judentums mit Entschiedenheit ab, daß die Sklarek, Bannat und Kutisker als typische Repräsentanten, der Juden anzusehen seien; di« Juden hätten mit diesen Menschen, die der Redner als Schieber und Verbrecher bezeichnete und die wegen ihrer Verbrechen von den Juden mehr gehaßt würden als von allen anderen deutschen Menschen, nicht das geringste zu tun. Er forderte, daß man die Juden nach ihren wertvollen Repräsentanten beurteilen solle, wobei er auf Männer wie Spinoza,
I Moses Mendelssohn, Heimann Cohen, Friedrich Gundols, Berthold Auerbach, Jakob Wassermann und Albert Ballin als Beispiele hinwies. Genau so wie das Judentum das christliche Volk nur nach feinen guten Charakteren und Menschen, nicht aber nach ifcen Minderwertigen beurteile, müsse man auch den jüdischen Mitbürgern gegenüber verfahren. Auf diesem Wege müsse und werde man zu einSr
I gemeinsamen Front der anständigen Menschen aller I Parteien in Deutschland kommen und daduich überall, auch im Judentum, die wertvollen Kräfte zum Nutzen des gemeinsamen deutschen Vaterlandes mobil machen.
Der Redner wandte sich zum «Schluss« dem Problem der Jugenderziehung zu und beklagte hierbei | besonders, daß heute die Jugend vielfach durch Um» । schm eiche lung von Versammlungsrednern usw. in eine Ueberheblichkeit gegenüber der älteren Generation verfallen sei, die man nur bedauern müsse. Er stellte bei dieser Betrachtung die überaus schwierige, ja zum Teil wenig hoffnungsfrohe Aussicht der Jugend für ihr Fortkommen im Leben m Rechnung und suchte darin manchen Erklärungsgrund für unerfreuliche Erscheinungen unserer Zeit. Um tiefem Uebelstand entgegenzuwirken, empfahl der Redner, sich mit größter Liebe und Verständnisbereitschaft um die Jugend zu bemühen, sie für das Leben zu erziehen und stark zu machen, sie vor Illusionen und falschem Pathos zu warnen und ihr- die Wege zu zeigen, auf denen sie, gestützt auf die Erfahrungen der älteren Generation, aufbauen könne. Auf diesem Wege werde big Jugend auch vor der seelischen Verwüstung, die heute leiber schon beim kleinen Kinde anfange, bewahrt bleiben und zum Gemeinschaftsgeist und zur Arbeit Schulter an Schulter mit allen Volksgenossen für das deutsche Vaterland in der rechten Weise erzogen werden. In diesem Sinne, der auch dem heiligen Vermächtnis der Gefallenen des Krieges entspreche, müsse hingebungsvoll von allen Bürgern gearbeitet werden, damit das geliebte deutsche Vaterland wieder groß und stark in der Welt gemacht werde. (Lang- anhallender lebhafter Beifall.)
Am Schlüsse des Abends überreichte der Ver« fammlungsteiler den Vertretern des Ofizierkorps, der Universität und der Stadt Gießen je ein Exemplar des Kriegsbuches des Reichsbundes jüdischer Front- soldaten. Daran knüpfte der Vorsitzende eine herzliche Huldigung für den Reichspräsidenten und Gene- ralseldmarichall von Hindenburg, die chren Abschluß mt dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses der Nationalhymne fand.
Vornan,}en.
— Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Frauen in Gefahr". — Wiefecker Lichtspiele: „Das Lied einer Nacht".
— Der Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule wird Mittwoch, 21. Dezember, 20 Uhr, im Johan- nesfaal feine Weihnachtsfeier begehen. Pfarrer Weimar (Gonterskirchen) hat die Ansprache übernommen, für den musikalischen Teil sind Frl. von der Heid (Gesang) und Mitglieder der Neichswehrkapelle gewonnen. (Siehe heutige Anzeige.)
Daten für Montag, 1S.Dezember
1594: Gustav Adolf von Schweden in Stockholm geboren.


