Ausgabe 
19.11.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupistadt

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Geschichten aus aller Well

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dürfen.

Vornotizen.

Mndsunkprogramm

Philharmonischen Orchesters i Mamihrirn): Mte Volks-

Areilag, 25. Jlooember.

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Dienstag, 22. November.

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Verfolgung len.

schcn ReligionS» ' bannt.

Ä.) Aus Befehl M Vorsitzende der Orts- ulturverbandcS li an der deutschen in Siebet, derhaf- n Surf an i):r pol» b:n. Sie Qluöizei' r Anzrizr des Lei- xeder IMe feil em- dern an Lieiie der »inenDeligions- e r Sprache ringe- utsche Bücherei >gend in seiner Doh^ it. die in keiner Deise >rbandes lv'.derspricht, i Anlaß, den Mrer inen. Einsprüche der ptvorstandes des KuI- inister blieben bisher

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gcjcior Schal apin. eine Schallplatten-LInterhal- tung von Hans Rosbaud

e .no'a unv d:r deutsche G-i't", Voktrag von Dr Earl Gebhardt. 19.33 (Von Freiburg : Unter» haltungskonzert. 20.05 (Don Ludwigsburg:: Syrn- phonietonzert des Stuttgart. 22 (Cßon Mannheim). ---- -----

lieber in neuen Sätzen.

Samstag, 26. November.

7 20' Frühwnzcrt auf Schallplatten. 10.10 bis 10 40- Schulfunk:2leuc Kinderchöre", Leitung: Sans Rosbaud. 12: Mittagskonzert l au? Schall- Vlatten. 13.30 bis 14.40: Mittagskonzert II des Rundfunk-Orchesters. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend 17: Rachmittagskonzrrt. 18.25: Zeitfra- aen 18 50' Von Dewerbungsbrie'en", Vortrag von Hanns Haug, Wiesbaden. 19.30: Bei uns ,u Lande aus dem Lande, Die Schwalm. 20: Robert der Teufel. Oper von Giacomo Meyerberr. 20: Heitere Erzählungen von Gustav Wied.

7.20: Frühkonzert auf Schall-vlatten. 12: Mit- ta onzert I des Rundfunk-Orchesters. 13 33: 01". "'skonzert II des Orchesters des Westdeut­sch: Rundfunks. 15.23 bis 15.50: Hausfrauen- Rac .. .tag 17: Freiburg: Rachmittagskonzert. 18.2j: . Arb:.!äb:'chaffungspläne in der Welt", Dortrag von D . Ktor W. Donau vom Inter­nationalen A-or'.tsamt Derun. 18.53: ..7 Ge­spräche auf einer Weltreise-', von Paul Rohrbach, München. 19.30: Alte Tanzmusik. Gespielt vom Rundfunkorchester. 20: Mannheim: L:eder und Duette. 23:30: Reichssendung: Vaden. 22.45 bis 24: Rachtmusik des Rundfunk-Orchesters.

Sonntag, 20. November.

6.35: Von Hamburg: Hafenkon'ert. 8.15: Evan­gelische Morgenfeier Veranstaltet von der Ehr:- siustirche zu Frankfurt a. M. 9-33: Stunde: des Chorgesangs. 10.33: ..Aus der praktischen Arbeit der Winterhilfe", von Oberprä.ident Dr. Ernst von Hülsen, Kassel. 11: Marburg: Hörbericht aus der Vlinden-Studien-Anstach. 11.33: Don L.lpz.g. Reichssendung: Kantate zum Totensonntag. 12: Orgelkonzert. Organist: Bernhard Dreier. 12.33: Aus dem Plenarsihungüsaal des Reichstages. Gedächtnisfeier für die Toten des Weltir.egcs. Veranstaltet vom Reichsbund der Kr:egsbe.cha- digten, Kriegsteilnehmer und Kr.egerhinterbl.e- denen. 13.33: Schallplattenkonzert. 14.10: Stunde des Landes. 15: Stunde der Jugend. 16: Karls­ruhe: Kammermusik. 18:Rheinische Charakter­bilder: Gottfried Kinckel". Vortrag von Dr. G. <$. Grovp, Worms. 19.25: Hectors Bestattung. Aus Homers ..Ilias", 21. Ee'sng. Ueberieht von I. H. Vost. 19.10: ..Glasdau und Glasge.ät der Gegen­wart". Von Dr. Eurt Grarenramp. 19.33: Der Ackermann aus Böhmen des Johannes von ^aaz. 20.30: Totensonntag. 21.45: Südpol-Kantate für Soli, Ehor uilD Orchester von Herrn. Wunsch. 22.45 bis 21: Gertrud Bindernagel zum Gedächt­nis. Orgel-Konzert.

Montag, 21. November.

7.20: Frühkonzcrl auf Schallplatten. 12: Mit- tagschn ert I. 13.33: Mittagskonzert II auf Schal.- platten/15.23: ..Autorität und Liebe in der Fa­milie", Vortrag von Dr. phil. Maria Schlüte^ Hermkes. 17: Rachmittagekonzert. 18.25: ..Willrich zum Lande zurück?", Gespräch mit einem In­dustriearbeiter. gcfür t von Dr. Paul Laven. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.20: Mensch­liche Ausdrucksformen: 1. Der Ausruf. Von Al­fred Auerbach und Dr. Paul Laven. 19.45: Ak­tuelle Stunde. 20.05: 4. Montagskonzert des Frankfurter Orchester-Vereins. 22:Hans v. Stä- velmann, ein Geheimer". Aus Timm Krögers Ge­schichten ..Leute eigner Art". 22.45 bis 24: Rächt-

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Zu Björnsons 100. Geburtstag wird aus Anlaß des Totensonntags am 20. Novem­ber das Schauspiellieber unsere Kraft" unter der Spielleitung von Wolfgang Kühne zu ermäßigten Preisen als Fremdenvorstellung außer Abonnement erstmalig aufgeführt. Spieldauer von 18.30 Uhr bis 20.45 Uhr. Als 8. Vorstellung im Dienstag- Abon-ement sieht der Spielplan eine Wiederholung des OperettenschsagersPeppina" vor unter der Leitung von Wrede, Moehl, B ä u l k e. Opc- rettenpreise. 20 bis 22.30 Uhr. Für Mittwoch, 23. November, ist als 7. Vorstellung im Msttwoch- Abonnement der SchwankDer Raub der Sabine- rinnen" von Schimthan angesetzt, der in neuer Inszenierung unter der Spielleitung von Karl Do Ick steht. Die nächste Wiederholung von Björn sonslieber unsere Kraft" (Spielleitung: Kühne) findet am Freitag, 25. November, statt als 8. Doistelluna im Freitag-Abonnement. Ge­wöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.15 Uhr. Am Sonntag, 27. November, findet aus Anlaß des Jubiläums der 25jährigen Spielzeit des Stadt­theaters Gießen um 11 Uhr die Jubiläums- Fest-Vorstellung statt. Ausgcführt wird diese Vorstellung vom gesamten Ensemble des Stadt­theaters unter der Leitu g von Intendant Dr. Rolf P r a s ch , sowie unter ÄUtwirkung des Orchcster- vereins Gießen unter der Leitung von Universitäts­musikdirektor Dr. T e m e s v a r y. Das Programm sieht Ansprachen von Oberbürgermeister Dr. K e l - ler und des Intendanten vor, außerdem Dr« ch:stervorträge und einen Querschnitt der Auffüh­rungen durch Szenenbilder ausDatterich",Der

künde. Man schreibt uns: Der Hüttenberg begegnet leit kurzem erhöhter Aufmerksamkeit. Eine ganze Anzahl von Aufsätzen über Einzelnes aus feinem Leben brachte in der letzten Zeit die Beilage des Gießener AnzeigersHeimat im Bild", lieber das Charakteristische des Hüttenbergs und seine Geschichte wird nun Pjarrer Otto Schulte (Großen-Linden), der in mehr als zehnjähriger Arbeit das einschläaige Material gesammelt hat, am Donnerstag, 24. No- vernber, 20 Uhr, im Hörsaal des Kunstwissenschaft­lichen Instituts der Universität einen Vortrag halten, der von Lichtbildern begleitet ist. Der Zutritt zu dieser Veranstaltung des Dberhcssischen Geschichts Vereins und der Hessischen Vereinigung für Volks künde steht auch Nichtmitgliedern offen (Vgl. die Anzeige am Mittwoch, 16. November)

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Der Herr ließ sich nicht abweifen und mußte zu­guterletzt dem Direktor gemeldet werden. Dieser empfing den Besucher lächelnd:Sie bilden sich doch nicht ein?! ..."

In diesem Augenblick begann jedoch der Vogel zu schreien, und dem Direktor verging prompt das Lachen. Der Papagei kreischte nämlich laut und deutlich:Dur und Moll, immer voll".

Der Direktor erbrachte den Beweis, ein Monn zu fein, ein tapferer Mann: Er bekam wider Erwarten keinen Sch'aganfall. Sondern einigte sich mit dem ehrlichenFinder", mit Rücksicht auf diebeider­seits" vorhandenen sch'echten Zeiten, auf ein Vier- tel desFinderlohnes". Nur eines wollte er noch wissen, der Aermste:Sagen Sie, Verehrtester, wo zum Donnerwetter haben Sie diese Bestie gesunden?" Gefunden?, lächelte der Hagere sarkastisch.Ich habe ihn nicht gesunden, sondern meine liebe Mühe gehabt, dem Vogel die schweren Worte beizubrin- gen! Ich bin nämlich" er stand bereits in der TürTierdompteur, und meine Spezialität sind seit zwanzig Jahren sprechende Vögel!!!'

Zwei silberne Le chic'.

1. Paris.

Man erzählt sich hier die Geschichte eines russi­schen Emigranten, der urplötzlich zu großem Reich­tum gelangte, nachdem er lange Zeit am Hunger­tuch genagt hatte.

Sergej L. hieß der Mann, und er war der Sohn eines hohen Verwaltungsbeamten, der irgendwo im Ural gedient hatte. Wie so viele andere mußte er vor den Bolschewiken flüchten. Er nahm gerade mit, was er an Geld und beweglichem Gut in der Pe­tersburger Wohnung feiner verstorbenen Eltern fand.

In Paris ging das Geld aus, und die Sachen wanderten der Reihe nach zu den Händlern. Ver­dienst gab es keinen. Er war schließlich so weit, daß er seit einigen Tagen nichts mehr gegessen hatte und die Miete schuldig bleiben mußte. Von seinem Be­sitztum waren nur zwei silberne Leuchter übrig geblieben. L. liebte diese Leuchter, weil sie auf dem Schreibtisch seines Vaters gestanden hatten, und ihr Bild in seiner Erinnerung an die früheste Kindheit lebendig war. Aber nun mußte er sich doch ent­schließen, sie zu verkaufen. Er trug sie zu einem Juwelier.

Dieser Juwelier war ein ehrlicher Mensch. Er besah die Leuchter und gab sie dem Russen zurück. Ich kann sie Ihnen n'cht abkaufen, sagte er. Der Russe war entsetzt: Sind sie denn wertlos? Im Gegenteil, war die Antwort, sie bestehen aus rei­nem Platin und sind ein Vermögen wert.

Der letzte Besitz seiner Eltern, den er pietätvoll aufbewahrt hatte, brachte ihm Glück. Er erinnerte sich später an Erzählungen seiner Mutter, wonach die Leuchter ihrem Gatten von einem Bergwerks­besitzer zum Geschenk gemacht worden waren. Ver­mutlich war das noch zu jener Zeit gewesen, als man den Wert des Platin noch nicht kannte, und die russische Regierung sogar Münzen aus Platin prä­gen ließ, die im Wert Silbermünzen entsprachen.

Dte wohlbeleibten 4 03b es.

a. London.

Mit dieser erschütternden Frage:Sollen Schutz­leute schlank sein?" beschäftigte sich die englische Deffentlichkeit schon seit einigen Tagen. Es ist näm­lich aus Amerika ein Gerücht gekommen, demzufolge die Polizei sich, einem Befehl gemäß, der modernen schlanken Linie anzupassen habe. Dieses Gebot Hot Scotland Pord und die braven Bobbies, feine An­gestellten, mächtig gewurmt. Denn in ihren Reihen befinden sich Prachtgeschöpfe, sowohl was ihre Ge­mütsverfassung wie auch was ihren Leibesumfang anlangt.

Die Londoner Bobbies standen bisher im Ruf, nicht nur die gewandtesten, höflichsten, weltmän­nischsten, sondern auch die elegantesten Polizisten der Welt zu sein. Daß das traditionslose Amerika sie nun mit dieser Reform übertrumpfen will, läßt sie nicht in Ruhe. Tag und Nacht haben sich die Führer der Polizei zusammengesetzt, um ein Com- munique für die Presse auszuarbeiten, in dem ein­deutig zu dieser Fragestellung genommen werden soll.

Dieses Communiquö ist nun erschienen. Nach An­sicht der Londoner Bobbies sollen nun die Polizisten ihren Stolz nicht darin sehen, mit Wespentaillen durch die Gegend zu laufen. Sie sollen ruhig so bleiben, wie sic sind: ruhig, selbstsicher und ein wenig korpulent. Denn: .

Erstens besteht die Aufgabe der Schutzleute darin, nicht nur Einbrechern das Handwerk zu legen, nicht nur durchgegangene Pferde zum Stehen zu bringen, sondern auch Ratgeber und Tröster für sämtliche Witwen und Waisen im Londoner Verkehr zu sein. Und die Rolle eines Mentors kann derjenige am besten spielen, der auch rein körperlich über eine gewisse Breite, einen gewissen Fundus verfugt

Zweitens sollen die Bobbies die Autorität der englischen Staatsmacht bei allen Anlässen nach außen bin verkörpern. Und die englische »ta als- macht ist der Meinung, daß sie trotz aller Krisen nach wie vor auf breitester Grundlage basiert Also würde auch hier Schlankheit zu falschen Rückschlüssen verleiten. ,, ,, ..

Drittens: Eine der Haupteigenschaften, über die ein Schutzmann zu verfügen hat, ist Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft. Diese beiden Qualitäten sind aber nun einmal nach einem natürlichen Gesetz vor­wiegend bei Leuten zu finden, deren behäbiges Temperament als Kern in eine nicht minder be­häbige Schale eingebettet ist. Und schon Casar hat gesagt: ,^Laßt dicke Männer um mich fein!"

Der erwartete Schub von schlanken Beamten, denen die Falstaffs unter den Londoner Polizisten weichen müssen, wird also ausbleiben. Und die Bob­bies werden nach wie vor fo aussehen, wie Cäsar es von seinen Senatoren verlangt hat: wohlbeleibte Männer, mit glatten Köpfen, und die nachts gut schlafen...

7 20: Frühlonzert auf Schal.platten. 12: Mit- taaSlonzert I des Rundfunk-Orchesters. 13.30: Mittagslonzert II. 17: Rachmittagskonzerb 18.2o: Tom Reiz der primitiven Kunst", Vortrag von Gckort von Sydow. 18.50: Acrzte-Dortrag. 19.20:Reues aus aller Welt", von Prof. Br. Walter Vehrmann. 19.30: Zithrrlonzert. 20: (Bunter Abend. 21: Eichendorfs in Leben und Lied eine Hörfolge zum 75. Todestag des Bich- Hans Brandenburg. 22: Bässe singen II,

Hauptmann von Köpenick',Elisabeth von Eng land',Egmont" undWilhelm Tell". Ende der Festvorftcllung nach 13 Uhr. Die Veranstaltung :st nutzer Abonnement. Die Preise der Plätze sind von 1,20 bis 3,80 Mark. Ab Mittwoch, 23. November, findet der Kartenverkauf statt. 18.30 Uhr findet außer Abonnement als Fremdenoorstellung zu er­mäßigten Dperettenpreifen die letzte Aufführung unseres ersten DpcrettenerfolgesDie Toni aus Wien" statt. Spielleitung: Intendant, Moehl, Bäulke. Ende 21 Uhr. Schülerkarten haben Gültigkeit! Abends 22 Uhr findet unter der künstlerischen Lei­tung von Wolfgang Kühne mit gänzlich neuem Programm die zweite Aufführung desNacht­kabaretts" statt. Ende 24 Uhr.

Qberhesfifcher Geschichtsverein und Hessische Vereinigung für Volks-

Mittwoch, 23. November.

7.20: Früh.onzcrt auf Schattplatten. 10.10 bis 10.40: S.hustunk:Was ist groß und was ist klein?" Ein Gesrräch von Zahlen, Maßen und Rekorden. Von Sigismund Rüstig. 12: Mittags- konzrrt I. 13.33: Mittagskonzert II. 15.15 bis 16.15: Stunde der Jugend. 17: Rachmittagskon- ; rt des Rundsunk-Or^esters. 18.25: ..Ruf zur Arbeit", Gespräch zwischen Dr. E. Stickler und dem Inhaber eines Einzelhandelsgeschästes. 18.50: Phylock und seine Gegenspieler", Vortrag von Hermann Eßwein, München. 19.30: Unterhal­tungskonzert des Runds unt--Orchesters. 2 L10: Wer ist es?", literarisches Rätsel III, Von Wolfgang Weyrauch. 21.45 (Von London): Cello- konzert in l)°Dur von Joseph Haydn.

Donnerstag, 24. November.

7.23: Früh.onzert. 9 bis 9.4a (Jon Hamburg): Schul,uni:Up cwig uazedeeld", bei den Deut­schen in Rordschleswig. 12 (Von Börnberg): Mittagskonzert I. 13.33: Mittagsronzert II aus Schullplatten. 15.30 bis 16.30: Stunde der Ju­gend:Das Lied an der Donau". 17: Rachmit- tagslonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundsunis. 18 25: Stunde der Arbeit: ..Der so- ziale Gedanke im alten Handwerk", Vortrag von Dr. h. c. Rudolf Wissel. M. d. R., Berlin. 18.50:

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Gießen, den 19. Rovernber 1932.

Oberhessischer Kunstverein.

Man schreibt uns vom Kunstverein: Am Sonntag- morgen ift die AusstellungFrauen der Gegenwart" zum letztenmal geöffnet. Sie war, wie im vorigen Jahre, die stärkst besuchteste aller diesjährigen Ausstellungen. Damit schtietzt zugleich ein Sonderabschnttt in dem Ausstellungszyklus des Vereins. Neben der Veranstaltung im Turmhaus, die ausschließlich Malerinnen der Gegenwart zeigte, lief für eine Woche eine Sonderausstellung imEin­horn" die ausschließlich nur von Malern der Gegen­wart beschickt mar. Diese Gegenüberstellung, die zu- gleich der Förderung des Kunstgedan.ens auf breiter Basis dienen sollte, hat den meisten Be­suchern vielleicht unbewußt eine starke Anziehung ausgeübt, wobei der Zug zur männlichen Kunst allerdings größer war, a.s zur weiblichen. Beide Ausstellungen wurden bereits von mehr als 2000 Personen besucht, unter denen über 1000 Schul­besuche waren. Wir dürfen deshalb wohl mit Recht annehmen, daß das Nebeneinander der Ausstellun­gen nicht störend, sondern im Gegenteil stark sör- dernd gewirkt hat, so daß der gewollte Zweck er- reicht wurde.

Am 27. November wird als letzte diesjährige Ver­anstaltung dieI a h r e s s ch a u o b e r h e s s i s ch e r Kun st" eröffnet.

Gesellschaft tür Erd- und Völkerkunde.

Der jüngste Lichtbilder-Vortragsabend der Gesell­schaft für Erd- und Völkerkunde, der bei gutem Be­such am Donnerstag in der Neuen Aula der Uni­versität stattsand, führte die Zuhörer wieder einmal nach Afrika. Genauer gesagt, nach Wcftafrika, in . jenes riesige portugiesische Kolonialgebiet, das in einer Grütze von über 1 225 000 Quadratkilometer zwischen Belgisch Kongo und Südwcstafrika liegt und das das Ziel des Redners, Prof. Dr. Jessen- Köln, war, der nun an Hand von Lichtbildern und in leichtem Plauderton von jenem Lande sprach, das er in 7 großen Reisen kennenlernte. Er machte an Hand von Karten zunächst mit der geographi­schen Lage vertraut und sprach auch von der geolo- g.sch.m Struktur des Landes, das aus sandiger Küste zunächst allmählich und dann stufenweise zu großer Höhe, zum afrikanischen Hochland aufsteigt, um dann wieder, nach Innerafrika zu, in weiten F achen zu dem riesigen Kasai- und Sambesibecken abzuoachen. Angola, unter tropischer Sonne, hat in seinen Küstengebieten ein sehr feuchtes, hZßes und ungesundes Klima, das die gefürchtete Gd, af.raiilheit/die Geißel der Menschheit, begünstigt. Auch Malaria tritt häufig auf. Einige gelungene Lichtbilder offenbarten jene intensive Fruchtbarkeit, die nur in einem solchen Klima auftritt. Das Hoch­land, aus dem Berge bis über 2600 Meter Höhe emporragen, sei von endlosem Busch bestanden, einem niedrigen waldartigen Gehölz, das regel» mäßig im Sommer verheerenden Feuern zum Opfer falle, um im Frühjahr und nach der Regenzeit in zäher Fruchtbarkeit immer wieder neu zu erstehen. Wochenlang Lonne man durch das Land wandern, ohne etwas anderes zu sehen als die Tiere des Bu ch, s, h n und wieder ein Negerdorf, die niedri- ' gen, ucrlrüppeften Bäume und das hohe Duschgras. Plan hörte von den merkwürdigen Formen der Berge, die in Kegeln, Glocken,' Domen, Pyramiden pl glich aus der Ebene aufragen, man sah in Licht- biüern Felsen, auf die die afrikanische Sonne mit intensiver Kraft ihre Strahlen prallen läßt und I Gestein in großen schalenförmigen Stücken (Wechsel- I w rkung der Temperaturen von Tag und Nocht) 1 absprengt. Interessante Einzelheiten wußte der Dor- ti n.gende von den Eingeborenen zu erzählen, deren Sitten von uralten Kulturen überschattet sind. In

nq her Brohms- fiinf Jahren in M- jenn man d'e Me mreckeattt-Orcheters aüonshinft non Derrn . Stefan lemes- n yodfdintt erkennen Mgwrper von so ,io wird man doch ic sch auf suggcstw i«5®* I* toetnisteifhme.y , w t*-

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Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Ein Pferd wird zum Kamel.

(g) Rom.

Drei toskanische Weinführer, die in Diareggio das ihnen anoertraute kostbare Naß abgeliefert hat­ten, beschlossen auf der Heimfahrt in Navocchio ein­zukehren, sich zu stärken und ihren Dürft zu löschen. Gesagt, getan: das tüchtige Mahl wurde so stan­desgemäß begossen, daß selbst Bacchus sich nicht ge­ziert hätte, daran teilzunehmen. Inzwischen aber stellten einige Witzbolde des kleinen Städtchens fest, daß Ciccio, das Haupt der Weinführer, vergessen hatte, seinem braven Gaul Futter oor^ugeben. Traurig stand das Tier vor dem hochräderigen Weinkarren, während sein Herr und Gebieter sich in der Kneipe gütlich tat. Für die Unterlassung Ciccios fanden die luftigen Kumpane von Navocchio schnell eine wirksame oübne. Das Pferd wurde ausgc» spannt und durch ein Kamel ersetzt, das man bei einem unweit des Gasthauses lagernden Wander­zirkus heimlich entlehnte. Die hochbeinige Wüsten- schaukel bot ein eigenartiges Bild vor dem toskani­schen Gefährt. Als Ciccio und feine Genossen, alle in rosiger Weinlaune, die Qsteria verließen, um die Heimfahrt anzutreten, trauten sie ihren Blicken nicht. Welch ein Spuk? Hatte ein schwarzer Zau­berer den guten Gaul mit dieser Bestie vertauscht? In den wcinfrohen Augen der Fahrer wuchsen die Ausmaße des Kamels ins Unermeßliche, und die harmlosen Bewegungen des Wiederkäuers schienen ihnen drohende Angriffsvorbereitungen. Mit lauter St'.mme beschwor Ciccio das Wesen vor seinem Wagen, es solle wieder normale Gestalt annehmen. Vergeblich! Wer Schaden hat, braucht für Spott nicht zu sorgen: Immer mehr lachender Navacchio- ten sammelten sich um den geknickten Ciccio. Aber sch'ießlich hat jeder Spaß ein Ende, und so wurde nach ctroa einer Stunde bas getreue Roß, das in­zwischen "gefüttert worden war, wieder ausgeliefert. Nun wurde Ciccio stolz und wollte den Witzbolden m t seinen nicht zu unterschätzenden Fäusten Be­scheid geben. Die aufgeräumten Ncwacchioten ließen jedoch keinen Streit zu. Eine Reihe neuer Fiaschi wurde hervorgeholt unb man schloß Frieben. Erst spät trat Ciccio mit ben Seinen bie Weiterfahrt an. Tempo unb Richtung überließ er vorsorglicherweise seinem entzauberten Pferd. Ab und zu nur ver­gewisserte er sich mißtrauisch, ob es nicht wieder irgendeiner Verwandlung unterlegen sei...

S.v Schlang ngepä .

q. Belgrad.

Herr Dr. St, Kustos des Zoologischen Instituts in Belgrad, hatte in Deutschland ein Dutzend junger Klapperschlangen erworben und trat mit den lieben Tierchen hochbeglückt die Heimatreise an. Es ging alles in Ordnung, die Schlangen waren in einer unauffälligen Kiste unter seinem Sitz verstaut und Dr. Ä. hatte keine Unannehmlichkeiten, weil seine Mitreisenden keine Ahnung com Inhalt der Kiste hatten. Sonst hätten sie sich vielleicht doch etwas unwohl gefühlt.

Die deutschen,' österreichischen und ungarischen Zollbeamten hatten sich mit der DeklarationLe­bende Tiere" zufrieden gegeben. Nur der Zollwäch­ter des Heimatlandes machte Schwierigkeiten. Er nahm Dr. K. in ein strenges Verhör.

Was ist bas?"

Eine Kiste mit lebenben Tieren."

Was für Tiere?"

Klapperschlangen", sagte K. mit einer Ruhe, als ob es sich um Zahnbürsten gehandelt hätte.

Klapperschlangen?" Der Beamte dachte nach. In den Verfügungen seiner Oberbehörde stand nichts über Klapperschlangen. Aber er wußte wohl, daß die Damen neuerdings Schuhe aus Schlangenleder tragen unb witterte Schmuggel von Luxusware auf dem Körper lebender Tiere.

Oh er war nicht so leicht hinters Licht zu führen.Die Kiste muß hierbleiben, bis ich eine Anweisung von der Oberbehörde eingeholt habe", bestimmte er.

Dr. K. zuckte die Achseln.Schön", sagte er,sie kann hierbleiben: ich fahre weiter. Aber: Wissen Sie, was das ist eine Klapperschlange?"

Der Beamte wußte es.

Dann hören Sie auf das, was ich Ihnen sage. Sie sind für den Inhalt der Kiste voll verantwort- l.ch. Die Schlangen müssen jeden Tag zweimal berausgenomman werden, und die Kiste muß ge­reinigt werden. Außerdem müssen Sie eine der Schlängen alle zwei Stunden mit Jod pinseln, weil sie an einer Hautkrankheit leidet--"

Der Beamte verzichtete.Nehmen Sie das Zeug mit um Gottes Willen!"

Er vergaß sogar, das übrige Gepäck des Reisen­den zu durchforschen.

Dur und Moll.

(o) Wien.

Die Wiener Litfaßsäulen wurden kürzlich mit folgenden aufsehenerregenden Plakaten beliebt: Heute morgen ist ein argentinischer Papagei ent­flogen. Der ehrliche Finder erhält 1000 Schilling Belohnung in bar. Die Grundfarbe des Vogels ist hellgrün der Hals geldlich, ber Kopf dunkelgrün. Besonderes Merkmal: Der Papagei schreit den gan­zen Tag laut und vernehmlich bie Worte --Dur und Moll, immer voll!" Abzuqeben ist der Bogel bei der Direktion des Theaters I."

Merkten auch die vernünftigen Leser der geichick- ten Anzeige, daß es sich lediglich um eine Reklame handelt (das betreffende Theater spielte allabendlich die AusstattungsrevueDur und Moll! ), so setzte selbstverständlich eine große Vogelvolkerwanderung nach dem betreffenden Stadtteil em

Man kann ja nie wissen?! Die Theaterdiencr hat­ten alle Hände voll zu tun, die sich massenhaft meldenden Vogelfinber abzuweisen.

Nach einigen Tagen ist aber em hagerer Herr mit einer großen Künstlertolle unb einem Papagei erschienen. Der Vogel war hellgrün, mit geldlichem Hals unb bunteigrünem Kopf.

Bildern zeigte er die verschiedenen Menschentypen, die das Land bevölkern,^schilderte die Anlage der Dörfer, der Häuser, bas Siedlungswesen, sprach fer­ner von ben Farmern der weißen Rasse, bie nur ml großer Energie im Hochland dem Boden etwas abzuringen verm.gen, um aber eines Tages doch dem Klima zum Opfer zu fallen. Unterhaltsam be­richtete der Vortragende ferner von einigen luftigen Intermezzis seiner eigenen Reisen, die ihn zum Teil im Lastkraftwagen, 3um anderen Teil mit Träger­kolonnen durch das Land führten unb mannigfachste Einbrücke gewinnen ließen. Eine Schilderung des Wirtschaftslebens in diesem Lande, das sich im Wesentlichen auf die Erzeugung von Manioka, Reis, Mais, Hirse und andere landwirtschaftliche Erzeug- n ffe, wie auch auf die Viehzucht stützt, beschloß den abwechslungsreichen, mit lebhaftem Beifall auf­genommenen Vortrag.

Erleichterung des Reiseverkehrs nach ter Schweiz.

Die im Reiseverkehr mit der Schweiz geltenden Devisenbestimmungen haben vom 17. Nvvcmber ab eine weitere Erleichterung erfahren. Es ist nunmehr möglich, ohne Genehmigung einer Devisenbewirt- schaftungsstelle bei einer Vertretung des Mitteleuro­päischen Reisebureaus der Schweizerischen Bundes­bahnen in Berlin Reisekreditbriefe oder Hotelgut­scheine im Betrage von 500 RM., neben dem die Freigrenze in Anspruch genommen werden kann, je SYalenbermonat zu erwarben. Der Erwerb wird im Paß vermerkt. Die Reisekreditbriefe sind jedoch nicht übertragbar, können also nur vom Erwerber selbst und nur in der Schweiz eingelöst werden, sie haben ferner nur eine Laufzeit von drei Monaten. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß nicht verbrauchte Beträge drei Tage nach Beendigung der Reise der zuständigen Rcichsbankanstalt anzubieten sind und daß die Beträge nur zur Bestreitung der Aufent­haltskosten in der Schweiz Verwendung finden