Nr. 2^6 Zweites Blatt
Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Mittwoch. 19. Oktober 1952
Aus her Welt des Films.
sie beide sehr lieb, daß sie die Kleine sogar „eventuell" heiraten möchten. Aber ... die Artistin Jau- Jou, hat den Fimmel so vieler junger Mädchen, sie will durchaus nach Hollywood, um dort Filmstar zu werden. Kein Wunder, daß sie ganz lebhaft davon träumt, wie eines Tages doch der Ruf nach Hollywood an sie ergeht. Bloß daß sie dort keinen Erfolg hat, und daß sie darauf froh ist, alles nur geträumt zu haben, kann man sich ja denken. Aber was nun? Willy I und Willi II drängen auf eine Entscheidung, aus den beiden guten Kameraden sind böse Widersacher geworden, alles um die Liebe. Schließlich löst sich doch noch alles zur Zufrieden-
heit der Beteiligten auf. Das ist eine Ueberrafchung, die jeder selbst erleben muß. Aber wir wollen nicht vergessen, das gelockerte Spiel der Lilian Harvey zu erwähnen, wir wollen uns darüber freuen, daß Willy Fritsch ein so angenehmer, frischer, junger Mann ist, und wir wollen Willi Forst belächeln, der sich so leicht trösten läßt. Und Paul Hörbiger wünschen wir, daß seine gutgelungene Type des Vagabunden mit den philosophischen Zügen Anlaß wird, chm bald wieder eine größere, stärkere Rolle zu geben. Paul Martin erweist sich hier erneut als filmaerechter Regisseur. Und H e y m a n n macht die Musik dazu ...
Das filmische Eiland.
Interessante Außenaufnahmen zu einem technischen Tonfilm.
Insel Rügen, im Herbst 1932.
Etwa eineinhalb Dampferstunden von dieser Insel entfernt, deren Laubwälder jetzt der Herbst bunt und leuchtend zu färben beginnt, liegt ein kleines Eiland, die Greifswalder Die; mit ihrer Lots en- station, ihrem Leuchtturm und kaum vierzig Eingeborenen ein verlassenes und kaum bekanntes Inselchen, denn daß Gerhart Hauptmann hier sein Drama „Gabriel Schillings Flucht" spielen ließ — wer weiß das und wer kennt dieses Werk wohl noch? Nun hat dieses Eiland seit einer Reihe von Wochen eine merkwürdige Invasion zu erleben; damals erschien an seiner Steilküste eine kleine Flottille aus einem Hamburger Leichter, einigen Motorbooten und Dampfern bestehend, aus denen massige Maschinen entladen wurden. Der kleine Hafen mit seinen Molen erwies sich als vollkommen unzulänglich. Man mußte einen neuen starken Landungssteg bauen, ein Feldbahngleis vom Strande über den Hang der Küste nach ihrer östlichen Ecke legen, an der der Leuchtturm ragt, gelöscht wurden dann viertausend Tonnen Baustoffe, Sperrhölzer, Balken, Bretter, Eifenplatten, ein Tonfilmwagen und acht große Lichtmaschinen, von denen die stärkste zehn Tonnen wiegt, Scheinwerfer, Kabel, Kameras und Kamerawagen — kurz, es kündigte sich eine Tonfilmexpedition von einhundertfünfzig Menschen, Arbeitern, Monteuren, Malern und Anstreichern an, die das Leben der Eingeborenen und die herbstlich-kühle Ruhe des benachbarten Dstseebades Göhren an der Rügener Küste bunt und geräuschvoll unterbrechen sollte.
Warum hier und nirgendwo anders? Konnte die Ufa diese Aufnahmen nicht auch auf ihrem Freigelände in Neubabelsberg herstellen? Warum dieser Aufwand? Weil es sich um einen eigenartigen technischen Film handelt „F P 1 antwortet n i ch t", der nach einem .Roman von Kurt S i 0 d m a k gedreht wird. „F P 1" aber ist weder ein Flugzeug noch ein Geheimzeichen, sondern die Abkürzung für Flugzeug-Stützpunkt 1; also für eine jener im Dzean verankerten eisernen Jnselkolosse, die — heute noch nicht, aber vielleicht in naher Zukunft — dazu bestimmt sind, dem Transozean- flua eine größere Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Eine solche technische Insel denkt man sich so, daß sie auf riesigen eisernen Säulen ruht und im Meere verankert wird; sie müßte eine große Plattform tragen, den Start- und Landungsplatz für die Flugzeuge, ein Hotel, einen Leuchtturm, Maschinenhallen' — kurz, eine solche eiserne Insel muß den ganzen Apparat eines Flughafens beherbergen und dazu noch manches Technische, das durch ihre isolierte Lage bedingt ist.
Man hat nun bei Hamburg, in der Elbmün- dung von Cuxhaven, die Szenen gedreht, die zwischen den Riesensäulen dieses „F P" spielen; wie das geschah, welche Schwierigkeiten und Gefahren dabei zu überwinden waren, wollen wir hier nicht beschreiben ■— die Filmleute berichten davon mit einem Schauern, aber auch mit berechtigtem Stolz — wir wollen sagen, was jetzt auf der Greifswalder Die »entstanden ist. Hier, auf dem Hoch
plateau der Dstecke, wo die Küste etwa zwanzig Meter beinahe senkrecht aus dem Meere ragt, liegt der rötlich-braune Eisenbelag der Plattform, zweihundert Meter lang und durchschnittlich etwa siebzig Meter breit, eine gewaltige Fläche. Matt betritt sie und ist verblüfft, wie dieser Flugplatz der eisernen Insel wirklich im Meer zu schwimmen und über den Wassern zu schweben scheint; diese Illusion wird dadurch erreicht, daß man die Fläche über den Rand der Steilküste hinaus vortrieb — sie wird dort durch (im Bild unsichtbare) Balken gestützt — und daß die Plattform durch eine gläserne Rampe abgeschlossen wird, die in den Nächten leuchten und den ankommenden Maschinen den Umriß des „F P" anzeigen würde.
Ein wunderschönes Spiel von Farben. Vor uns die enorme Eisenfläche aus rötlichem Braun mit ihrer grünlich schillernden Glasrampe, dahinter die gegen den klaren Horizont ansteigende Fläche des Meeres, grünlich bis bläulich schillernd und schimmernd, und darüber das herbstlich kühle Blau des Himmels, das von leichtem weißen Gewölk überzogen wird. Und siebzig Meter landeinwärts gläserne Hallen mit verschiebbaren Sonnensegeln, die durchaus den Eindruck erwecken, als könnte dieser „F P" irgendwo am Aequator verankert liegen, besonders jetzt, wo das Licht so hell darauffällt, und darüber der zweistöckige Aufbau des Kommando- turms. Dieser ist „wirklich" und „massiv", er hat einen Raum, mit vielen Schalttafeln, Voltmetern und Hebeln; in diesem Saal, dessen Ausstattung an die Zentrale eines Elektrizitätswerks erinnert, wird gefilmt; den Hintergrund bilden breite niedrige Fenster, durch die man wieder einen umfassenden Ueberblick über die Plattform und auf die See hat.
Diese Architekturen von einer ausgesprochenen „technischen" Art sind viel stärker gebaut unb fester in der Erde verankert, als es etwa auf dem Neu- babelsberger Freigelände zu geschehen brauchte; dazu zwingt der Wind, der auch verbietet, die Bauten höher emporzuführen, als es geschah.
Einerseits ist das alles hier Wirklichkeit, anderseits aber doch nur eine technische Utopie, etwas noch nicht Gewordenes ... und dieses Gefühl erstreckt sich auch auf die Menschen, die hier herumgehen, auffallend viele Matrosen, von denen einige blutige Binden tragen: einerseits, warum sollen hier nicht wirkliche Matrosen Herumlaufen, ander- seits, diese Matrosenmützen haben gewöhnlich die Aufschrift „F P1". Und die blutigen Köpfe haben sie sich bei ihrem Aufstand geholt; denn ein solcher entsteht, angezettelt von einer düsteren Konkurrenz oder einem Nebenbuhler, auf der eisernen Insel, und diese Szenen werden hier eben gedreht. Eine Schar von Scheinwerfern schleudert ihre bläulichen Lichter auf eine Menschengruppe: Hans Albers und Paul Hartmann wechseln harte Worte, und im Hintergründe schleicht Speelmanns umher und sieht aus wie ein böser Intrigant. Sybille Schmitz hat eben nichts zu tun, und der Regisseur Karl Hartl sitzt unter der Kamera und gibt in seiner zurückhaltenden, aber äußerst eindringlichen Art seine kurzen Anweisungen. A.
Berliner Filmpreniieren.
„Mieter Schulze gegen alle." „Der bionve Traum."
Die Geschichten eines Großstadthauses will der neue Tonfilm des Carl Froelich-Kollektivs erzählen. Deutlicher wäre der Ausdruck „Mietskaserne". In diesen menschenüberfüllten Kästen der Großstädte spielt das Leden so häßlich und so gemein: jeder Amtsrichter, jeder Rechtsanwalt weiß davon zu erzählen, der in Beleidigungsklagen schlichtend, an- klagend ober verteidigend eingreifen mußte. Ein lächerlicher Zufall, eine Bagatelle, bringt den Stein ins Rollen; zwischen zwei Manschen, zwischen zwei Familien, entsteht bitterer, haßerfüllter, nicht nieder- zuzwingender. -streit. Unb niemanb im Hause kann sich bem entziehen, jeder muß Partei ergreifen, weil ihn jebe Partei umbuhlt. Wo ist bas Recht? Beim Stärkeren, beim wirtschaftlich Gefestigten, wie es ber Froelich-Film zunächst zeigt? Eine ganze Reihe von Schicksalen werben hineinverwoben in bas Gemisch von Haß, Neid unb wirtschaftlicher Abhängigkeit; bie nieberträchtigen Klatschzungen tun bas Ihre an Giftstoff hinzu, ber Aerger und die Wut macht auch die Anständigen erbittert und ungerecht. Es muß zur Explosion kommen, die hier in dem neuen Tonfilm durch eine meisterhaft aufgebaute Gerichtsszene ausgelöst wird. Wir sind mit derartigen Gerichtsverhandlungen im Film nun schon bestens vertraut, sie werden von den Film- bichtern und Regisseuren genau so geschätzt wie die Bar ober ber mondäne Ballsaal. Daher geht von diesen Szenen oft penetrante Langeweile aus. Hier ist es anbers. Rechtsanwälte, Parteien, Zeugen verhalten sich tatsächlich so, wie es bem Leben bes Alltags entspricht. Unb ein weiser Richter bringt bas happy end nicht etwa besmegen zustanbe, weil das Manuskript das so vorschreibt, sondern weil er den Wust von Lüge, Klatsch und drohenden Meineiden durchschaut und durch imponierende Menschenkeynt- nis den Opfern der Mietskaserne bas aufzwingt, was Recht unb Gerechtigkeit im Volksempfinden bebeuten.
Keine im Menschen schlummernde schlechte Eigenschaft wirb vertuscht ober mühsam ins Gegenteil umgebogen; bie armen Leute finb hier wirklich arm, unb bie einfachen Gemüter triefen nicht so wie sonst vor lauter Edelmut und Anständigkeit. Daß Paul Kemp den Mieter Schulze völlig echt und milieu- getreu spielt, war ebenso zu erwarten wie die glaubwürdige Darstellung der Mutter Schulze, die um ihre besudelte Wäsche weint, durch Ida Wüst. Leonhard Stecke! als wildgewordener Schlächtermeister mit den Hauspascha-Allüren wirkt höchst überzeugend, und Trude Hesterberg legt eine Schlächtersfrau hin — wundervoll! Eigentlich verdient jedes Mitglied des Kollektivs sein besonderes Lob, Trude B r i 0 n n e zum Beispiel, Paul Henckels und Ernst K a r ch 0 w. Christiane G r a u t 0 f f freilich verliert viel von ibn ''nmut durch die Sprache. Ein Gewinn für den T 1 ist aber Heinz Welze 1, ein neuer jung- nn, der sich wie ein Mensch aus unseren Rc.yen gibt. Warum ist so etwas auf der tönenden Leinwand so selten zu sehen?
Die Ufa hat in ihrem Theater am Kurfürsten- bamm bem Froelich-Kollektiv unb seinem Film einen guten Start bereitet. Der Erfolg wirb ben Spielern unb ihrem Regisseur Mut zu weiteren guten Dingen machen.
In bem Ufa-Tonfilm „Der blonbe Traum" hat es bie kleine Lilian Harvey besonders schwer. Sie soll sich zwischen zwei Männern entscheiden, unb ber eine ist so nett unb zuverlässig, wie Willy Fritsch, währenb ber dnbere ein lustiger, charmanter Bruder Leichtsinn ist, ber Willi F 0 r st so verdächtig ähnelt. Beide jungen Leute haben trotz ihres Berufes als Fensterputzer ber Firma Blitz & Blank soviel Zeit, daß sie sich ausgiebig um die kleine Artistin kümmern können, bie ihnen ba per Zufall in bie Arme gerannt ist. Unb sie gewinnen
Bunte Lichtbilder von Gchwarz-weiß-Kilmen.
Von Max Mischer.
(Nachdruck verboten!)
Wenn Sie noch einen noch so schönen Zehn- Nöhren-Funkempfänger haben, aber auch wenn Sie keinen besitzen, verehrter Leser, so empfangen Sie doch dauernd elektromagnetische Wellen mit dem Detektor, und zwar haben Sie sogar zwei solcher Detektoren. 3m gewöhnlichen Sprach" gebrauch nennt man sie allerdings anders, nämlich ganz einfach Äugen. Freilich Wellen von jeder Länge können Sie nicht damit empfangen, so z. D. nicht unsere Funkwellen, einerlei, ob sie nun mehrere Kilometer Länge haben oder nur 7 Meter, wie sie der neue Lleberkurzwellen- sender auf dem Funkturm in Berlin aussendet. 3a selbst viel kürzere Wellen empfangen unsere Qlugen nicht, denn sie sprechen nur auf Wellenlängen von ungefähr 4 bis '7 zehntausendstel Millimeter Länge an. Allerdings die Wellen selbst können wir nicht sehen, aber wir sehen die Gegenstände, von denen sie ausgehen oder zurückgeworfen werden. Sendet ein Gegenstand, sei es eine Lichtquelle oder ein zurückwerfender Gegenstand, Wellen im ganzen Bereich von 4 bis 7 zehntausendstel Millimeter aus, so empfinden wir das als weiß. Sendet ec nur solche von 4 bis 5 zehntausendstel Millimeter Länge aus, so nennen wir das blau, bis 6 zehntausendstel Millimeter Länge empfinden wir das Licht und damit den zurückwerfenden Gegenstand als grün, und wenn nur Wellen von 6 bis 7 zehntausendstel Millimeter Länge in unser Auge treffen, dann glauben wir rot zu sehen. Gegenstände erscheinen uns also dann z Ö- rot, wenn sie Licht von einer Wellenlänge von 6 oder 6,5 bis 7 zehntausendstel Millimeter Länge zurückwerfen, Wel- len von anderer Länge aber verschlucken. 2Iuf diese Weise sehen wir bunte Bilder bunt. Man kann eigentlich nicht sagen, daß die rote Farbe tatsächlich rot sei, es ist eben ein Stoff, der nur bie roten Lichtstrahlen zurückwirft. Ebenso ist ein rotes Glas nur dadurch rot, daß es allen Wellen außer den roten den Weg versperrt und nur die roten hindurchläßt.
Olun ist es ein alter Wunsch der Lichtbildner und Lichtspieler, die Gegenstände aus der Natur
in natürlichen Farben aufnehmen und wiedergeben zu können. Aber dieses Beginnen wäre ganz aussichtslos, wenn es sich nicht herausgestellt hätte, daß man nur mit drei Farben auskommt, nämlich mit rot, blau und gelb. Durch Mischen dieser Farben kann man alle anderen Farben hervorbringen. Beim Aufnehmen von Lichtbildern kann man das so machen, daß man drei Bilder vom selben Punkt aus aufnimmt, nämlich eins durch ein rotes, eins durch ein grünes und eins durch ein blaues Filter. Wenn man nun diese drei Bilder in einem Druckverfahren mit den entsprechenden Farben, also das durch das rote Filter aufgenommene rot usw., aufeinanderdruckt, dann bekommt man schon recht gute und den Naturfarben einigermaßer entsprechende Bilder.
Will man durchsichtige Bilder farbig auf die Leinwand werfen, so kann man dabei so verfahren, daß man die Filme in der Farbe des Filters, durch das sie aufgenommen sind, einfärbt, und sie genau aufeinander legt, um sie bann zu durchleuchten. Man kann die verschiedenfarbigen Bilder auch getrennt sehr schnell hinter einander geben, also immer zuerst ein rotes, dann ein blaues unb dann ein grünes, dann wieder ein rotes usw. Aber das hat seine Schwierigkeiten, denn wenn sich die Gegenstände zwischen den verschiedenfarbigen Aufnahmen bewegt haben, dann decken sich die Farben nicht mehr, und das sieht dann nicht sehr schön aus und wirkt lächerlich. Man hat deshalb ein anderes Verfahren gewählt, indem man auf einem Film durchsichtige kleine Körnchen svn etwa Vioo Millimeter Durchmesser gebracht hat, von denen je ein Drittel rot, grün und blau ist, und zwar verwendet man als Film dabei einen sogenannten Umkehrfilm.
Damit hat es folgendes Bewandtnis: Es ist ja allgemein bekannt, daß auf der Lichtbildplatte das schwarz wird, was in Wirklichkeit weih ist und umgekehrt. Da es beim Kopieren ebenso ist, so wird es dann wieder richtig. Nun ist es natürlich unbequem, daß man kopieren muß, namentlich auch für die Leute, die gern selbst Filmaufnahmen machen, weil zum Kopieren von langen Filmstreifen besondere Einrichtungen erforderlich sind. Man hat deshalb diese Filme so eingerichtet, daß ihre Bildhelligkeiten durch Hineinstecken in ein Bad umgekehrt werden, das heißt, daß das schwarz wird, was vorher weiß
war und weih, was schwarz war, also der Wirklichkeit entsprechend, daher der Name Umkehrfilm.
Wenn also beim Aufnehmen eines Films mit solchen bunten Körnchen ein rotes Körnchen von rotem Licht getroffen wird, so geht das rote Licht durch das Körnchen hindurch und der Film wird an dieser Stelle schwarz, beim Llmkehcen also durchsichtig. Wenn man nun diesen Film gegen das Licht betrachtet oder durchleuchtet, so scheint das Licht durch die durchsichtige Filmstelle und durch das rote Körnchen hindurch und man sieht rot. Durch die benachbarten grünen und blauen Körnchen kann man dagegen nicht durchsehen, weil das rote Licht bei der Aufnahme nicht durch sie hindurchgegangen ist, also den Film nicht schwarz gefärbt hat; aber beim Llmkehren ist er dann schwarz geworden, und so sieht man eben durch die blauen und grünen Körnchen nicht hindurch. Da nun die Körnchen so dicht beieinander liegen, daß man sie mit dem Auge nicht mehr trennen kann, so sieht man eben die ganze Fläche rot, wenn auch dunkle Flecken von doppelter Gröhe darin verstreut sind.
Leider gibt es keine Möglichkeit, diesen Film zu kopieren. Man kann also nur durchsichtige Bilder damit Wertteilen, die allerdings wunderschön sind, aber natürlich zum Projizieren auf die Leinwand sehr viel Licht brauchen, da sie ja nur einen Bruchteil des sie treffenden Lichtes durchlassen.
Neuerdings hat nun die Interessengemeinschaft der Farbenindustrie einen Film für Filmliebhaber herausgebracht, der eine ganz wichtige Lösung für das farbige Bild bringt. Für diesen Film geschieht die Aufnahme so, dah in den Weg der Lichtstrahlen ein rundes Farbfilter gesetzt wird, das in der Mitte einen senkrechten durchsichtigen blauen Streifen hat, während die Halbmonde rechts und links durchsichtig rot und grün sind. Nun wird der Film von der Rückseite her belichtet. Auf dieser Rückseite trägt er lauter kleine Linsen, die durch Einpressen hergestellt werden.
Wenn man nun etwas auf einen solchen Film aufnimmt, so bewirken die Linsen, dah das durch den roten Teil des Filters fallende Licht die Filmschicht in einem Streifen trifft, das durch den blauen Teil fallende in einem Streifen daneben, und das durch den grünen fallende wieder daneben, dann folgt wieder ein Streifen der vom roten Licht erzeugt wird usw. Der Film wird dabei
Menschen wie Du und ich...
Sdmregiffeur sucht Laiendarsteller.
Von Max Lenz.
Ein bekannter Kulturfilmregisseur, Dr. Edgar B e y f u ß , Verfasser der „Wunder des Films", „Den schickt er in die weite Welt" und „Heimkehr", bereitet augenblicklich eine Serie von zehn Filmen vor, die bei der großen Masse des Publikums regem 3ntereffe begegnen dürften. Er will Ein- und Zweiakter drehen, deren Reiz darin liegt, dah sie nicht von berufsmäßigen Darstellern, sondern von Laien gespielt werden. „Menschen wie Du und ich" — dies der Titel der Gesamtserie — sollen gezeigt werden — mit Menschen, wie ich und 3hr. Die Manu- skripte, drei sind bereits fertig, sind so gehalten, dah sie nicht von „Stars" abhängig sind. 3eder Mitwirkende hat nur in ein paar Szenen zu tun. Der erste Film hat auf diese Weise 35 Hauptdarsteller, der zweite schon 62 und der dritte gar über 100, wenn nicht noch mehr.
Es wäre nun schwierig, dafür die geeigneten Kräfte unter den „ Fachleuten" zu finden. Außerdem ist Dr. Deyfuh bemüht, Menschen wiederzugeben, „wie Du und ich", und es wäre ihm nicht damit gedient, wenn er sie von Schauspielern kopieren ließe. Benötigt er zum Beispiel einen Chauffeur, so wird er sich ihn von der Straße holen; will er einen Studenten haben, so will er ihn in der Masse der Hochschüler entdecken. Braucht er eine Tänzerin (keine Artistin) — nun, in einem der Cafes wird er sich schon das kleine Mädel aufspüren, das ihm am besten für die Rolle geeignet erscheint. 3eder kann auf diese Weise seinen Traum erfüllt sehen, einmal mitfilmen zu dürfen. Ob er dann aber gleich die Laufbahn eines Fritsch oder einer Harvey wird einschlagen können, wird erst der vollendete Film entscheiden.
Der erste Film heißt „Klatsch", beginnt mit dem Zeitungsbericht über einen Selbstmord. Der Ansager schlägt den Kalender zurück. Was trieb den
Liane Haid.
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Liane Haid in der Tonfilm-Operette „3 H will nicht wissen, wer Du bist.. mit der das Gießener Lichtspielhaus heute eine Jubiläums-Festwoche aus Anlaß seines zwanzigjährigen Bestehens eröffnet
nicht farbig, sondern ist schwarz und weih, wie es die bisherigen Filme sind. Natürlich ist die Filmschicht auch eine llmkehrschicht
Wenn man nun einen solchen Film nach dem ©nttoideln und Amkehren durch ein gleiches Farbfilter auf die Leinwand wirft, so bewirken die Linsen .auf der Rückseite des Films, dah das Licht, das Rot erzeugen soll, durch den roten Teil des Filters geht, also — obwohl der Film an sich keine bunten Farben enthält — auf der Leinwand rot erscheint. Ebenso ist es mit grün und blau. Da Mischfarben bei der Aufnahme beispielsweise im rot und blau entsprechenden Streifen auf dem Film erscheinen, das heiht in diesen Streifen die Filmschicht beeinflussen, so wird bei der Wiedergabe auch Licht durch den blauen und roten Filterteil geworfen, so daß auch auf der Leinwand die Mischfarbe erscheint.
Die Bilder sind wunderschön. Wir haben kürzlich Bilder gesehen, z. B. das Bild einer Landschaft mit einem Bauernhaus mit Gewitterwolken, von dem man wohl sagen kann, daß es selbst vom besten Gemälde nicht an Farbenpracht und Naturtreue erreicht werden kann. Laufbildaufnahmen von Tieren in Stellingen, z. B. Affen, Bären und bunten Papageien, waren geradezu fabelhaft.
Aber wie alles Gute nie beisammen ist, so auch hier: Man kann auch diese Bilder nicht kopieren. Sie eignen sich daher nur in beschränktem Maße für das Lichtspielhaus. Man fertigt daher solche Laufbildfilme in 16 Millimeter Breite für die Kleinfilmkammer an, so dah der Filmliebhaber, der ja nur einen einzigen Film braucht, seine Filmbilder künftig in natürlichen Farben wiedergeben kann, ohne dah er dazu bunte Filme braucht. Das einzige war er zu tun hat ist, dah er zur Aufnahme die Filme mit eingeprehten Linsen benutzt.
Die Möglichkeit, auf diese einfache Weise bunte Bilder zu erzeugen, wird der Liebhaber-Lauf- bilbfilmerei ohne Zweifel viele neue Anhänger zuführen, zumal die Geräte zur Aufnahme und zur Wiedergabe solcher Laufbilder in letzter Zeit nicht nur besser, sondern auch so billig geworden sind, daß sich ein größerer Kreis als bisher diese Liebhaberei leisten kann. Namentlich wer seine Kinder so im bewegten Bild in natürlichen Farben aufnehmen kann, wird chnen und sich später immer wieder viel Freude bereiten.


