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19.10.1932 Erstes Blatt
 
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Was lehrt die britische Ausstellung in Kovenlmeu? \

Bon Or. Sigurd Paulsen

Kopenhagen, Mitte Oktober 1932.

Die Ausstellung für* englische Waren in Kopen­hagen bringt ausstellungstechnisch nichts neues. Will man sie mit einem Satz kennzeichnen, so kann man sagen, sie sei eineEnglische Woche", die in Kopenhagen abgehalten wurde. Den Außenstehen­den wird es wundern, daß die Dänen, die doch seit über 20 Jahren eine wohl ausgebildete Werbung für ihre einheimischen Waren haben, sich jetzt in so großzügiger Weise sürdas ausländische englische Erzeugnis einsetzen. Auch Dänen wundern sich darüber. Während der briti­schen Ausstellung soll es in Kopenhagen mehr eng­lische Soldaten geaeben haben, als dänische. Drei englische Kriegsschiffe lagen im Hafen, und im Aus­stellungsgelände spielte täglich in ihrer malerischen Uniform eine schottische Dudelsackpfeifer-Militär­kapelle.

Mer Dänemark ist in einer Zwangslage. Es führt schon seit vielen Jahren um ein Viel­faches mehr an dänischen Waren nach England aus, als englische Waren in Dänemark gekauft werLen. Nun furchtet man, die Engländer könnten die Ein­fuhr dänischer Waren, insbesondere dänischer But­ter und dänischen Specks zugunsten ihres Außen­handels mit den verschiedenen englischen Dominiens und Kolonien empfindlich ermäßigen. Die Wirt- schastskonferenz in Ottawa hatte ja zu­nächst einmal vorn Standpunkt der Empire-Völker aesehen den Sinn, daß das englische Mutterland seinen Markt weiter als bisher den Empire-Erzeug­nissen öffne. Man brauchte in Dänemark eine weit­hin sichtbare Geste, die den Engländern beweisen sollte, daß man auch außerhalb des Empire bereit sei, englische Waren nach Kräften zu kaufen. Die Kopenhagener Ausstellung ist also nicht hervor- gegangen aus dem Bestreben, Dänemarks bisherigen ersten Warenlieferanten, Deutschland, wegen irgendwelcher handelspolitischen Verstimmung vom Markte zu verdrängen, sondern aus dem ganz ein­fachen Motiv, daß es an der Zeit war, den Eng­ländern zu zeigen: Wir Dänen tun, waswir können!

Dabei kann es allerdings keine Frage fein, daß die deutsche Ausfuhr nach Dänemark zurZeitschwerbedroht ist. Die rückgängigen Ziffern reden eine deutliche Sprache. Legt man sich

Kleine politische Nachrichten.

Amtlich wird mitgeteilt: Rationalsozialistische Zeitungen verbreiten das Gerücht, der Bankier Jakob Goldschmidt sei auf Wunsch des Reichskanzlers nach Paris gefahren, um dort über ein« Anleihe von 5 Milliarden Mark zu verhandeln. An dieser Meldung ist kein wahresWort. Sie ist ebenso aus der Luft ge- griften, wie die früher vorgebrachten Behaup­tungen, die Herrn Goldschmidt mit dem Wirt­schaftsprogramm der Reichsregierung in Verbindung bringen wollten.

Gegen den Oberführer der SA.-Untergruppe Mittelschlesien-Süö, o. O b e r n i tz, und seinen Adju­tanten, den Grafen S p r e t i, ist im Zusammen- Hana mit Sprengstosfanschlägen im Kreise Nimptsch Haftbefehl erlassen worden. Beide werden steck-

einmal die Frage vor, was wir Deutichen zur Ab­hilfe auf dem Gebiet« der Werbung tun könnten, das die Engländer nun schon seit Jahren mit offenbar befriedigendem Erfolge bearbeiten, so muß die Ant­wort lauten: Alles! Wir sind auf diesem Gebiete noch ungeheuer rückständig. Man kann für deutsche Ware Gemeinschaftswerbung im Aus­land ebensogut treiben, wie im Jnlande! Auch der Engländer wendet sich gegen die entbehrliche Aus­landeinfuhr im eigenen Lande und preist gleichzeitig zum Teil mit denselben Werbemitteln die englische Ware im Auslande an. Die Erfahrungen, dre bei der Werbung im Jnlande gewonnen worden sind, werden im Auslande kräftig ausgewertet. Man könnte einwenden, daß die ganze Frage eine Geldfrage fei. Aber das stimmt nicht. In erster Linie handelt es sich um eine Frage der Kennt­nisse des Einfuhrlandes, des Taktes und des werbetechnischen Wissens. So manches Werbemittel übrigens auch die britische Ausstellung in Kopen­hagen finanziert sich ganz oder zum Teil s e I b ft; so manche Haupt- und Staatsaktion, wie die Be- suche des Prinzen von Wales in Argen­tinien und jetzt in den skandinavischen Staaten er­halten durch geschickte Regie einen propagandistischen Ncbensinn zugunsten der englischen Ware, der durch keine noch so kostspielige Warenwerbung ersetzt wer­den könnte. Maa die einzelne Werbeaktion, wie z. B. diese englische Ausstellung, rein technisch nicht be­sonders auf der Höhe sein, das Gesamtbild der eng­lischen Werbung sieht ganz anders aus. Nicht nur in Dänemark, sondern auch in Norwegen, Schweden und Holland sowie in den baltischen Randstaaten herrscht unverkennbar Neigung vor, dem englischen Kunden mehr Ware als bisher abzukaufen und sie wird durch den freundschaftlichen Nachdruck, mit dem die Engländer überall ihre Sache betreiben, entschieden gefördert. Handelspolitisch ist heutzutage nicht mehr ausschließlich eine Sache der divlomati- schen Derhandlungen, sondern sie wird entscheidend mitbestimmt durch Volksbewegungen; es ge­hört mit zu den Aufgaben der Staats- und Wirt­schaftsführung, sie in geeignete Bahnen zu lenken, wobei eine gut geleitete und zweckentsprechende ein­gesetzte Werbung von größtem Nutzen sein kann. Das sollten wir von der englischen Ausstellung in Kopen­hagen lernen.

brieflich gesucht. Die Ermittlungen haben ferner zur Festnahme eines SA.-Mannes aus Reichenbach ge­führt.

*

Reichstvehrminister von Schleicher ist in Begleitung seiner Gattin und seines Adjutanten, des Hauptmanns Roeldecken, in Dadenwei- l e r eingetrvsfen und im HotelRömerbad" ab­gestiegen. Der Minister beabsichtigt, ettoa 14 Tage in Badenweiler zu bleiben.

Artur Henderson ist von der Führung der englischen Arbeiterpartei zurückgetreten. Er behält jedoch den Posten als Parteisekretär und Parteikassierer bei Sein Nachfolger wird Cans- bury, der bisher lediglich Fraktionsführer der Partei im Unterhause war und jetzt wieder, wie dies früher der Fall war, beide Führerstellungen in einer Person vereinigen wird.

Der Sächsische Landtag hat den natio­nalsozialistischen Antrag auf Landtagsauf- lösung gegen die Stimmen der AntragsteUer und der Kommunisten abgelehnt.

Aus aller Welt.

Diplomatischer Zwischenfall bei einer Lhopiufeier in Warschau.

Au einem viel beredeten Zwischenfall kam es in den letzten Tagen während einer Chopin- feier in der Warschauer Philharmonie, zu der auch der Staatspräsident und Vertreter der Regierung, des Sejms und des Senats sowie der französische Botschafter Laroche erschienen waren. Vor den musikalischen Darbietungen hielt der Vizepräsident des Ehopinvereins, Olpinski, eine Rede, in der er Chopin als Sohn Polens und eines Vaters mit ausländischem Namen bezeichnete. Der französische Botschafter verließ nach dieser Rede, wie das natio­naldemokratischeABC" heroorhebt, den Saat Das Blatt ist von der polnischen Behörde wegen der Der- breitung eines Berichts über diesen Zrvrschenfall de- schlagnahmt worden.

Ludwig Lang (Oberammergau) f.

Der Schnitzer«i-Schul-direktor a. D. und Ehren- burger der Gemeinde Oberammergau, Ludwig Lang, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Ludwig Lang erlernte das Schnitzereihandwerk und bildete sich in München als Bilhauer aus. Die Zeichen, und Modellierschule in Oberammergau wurde von Lang zur Schnitzereischule ausgebaut. 40 Jahre stand er an der Spitze dieser Schul«, die auch von der Kreis- und Landesregierung unterstützt wurde. Die Schnitzereischule wurde im Lause der Jahre die bedeutungsvollste Stätte für die weit- berühmte Oberammergauer Schnitzkunst. Auch bei den Passionsspielen entfaltete Lud­wig Lang eine hervorragende Tätigkeit. Zweimal hatte er die Oberleitung der Sviele inne. Ludwig Lang ist aber nicht zu verwechseln mit dem bekann­ten Christusdarfteller Anton Lang.

kirchencinslur; infolge des Sturmes.

In den letzten Tagen wütete über Leipzig ein hef­tiger Sturm, der teilweife erheblichen Schaden anrichtete. So wurden in einzelnen Stadtteilen Bäume entwurzelt und Plakatsäulen umgerisien. In Rötha stürzt« der Turm der Marienkirche unter donnerähnlichem Getöse zusam- men. Dadurch wurden alle elektrischen Leitungen zerstört, so daß die Stadt ohne Licht mar. Menschen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Feuerwehr und Röthaer Bürger haben sofort die nötigen Äbsperrmaßnahmen vorgenommen.

Mysteriöser Skelettfund.

Wie aus Bad Kreuznach gemeldet wird, fand man bei Ausschachtungsarbeiten am Oranienhos in acht Meter Tiefe ein männliches Skelett. Kleider- und Haarreste waren nicht vorhanden. Das Stelett trug lediglich am Arm eine Medaille, die wohl zur Identifizierung dienen dürfte. Es scheint sich um einen französischen ober algerischen Soldaten zu handeln. An der Stelle, wo das Skelett lag, hatten die Franzosen während der Besatzungszett einen Wassertrog.

Eine jugendliche Kraftwagendiebesbande ausgehoben.

Bor einigen Tagen wurden in Berlin zwei junge Burschen fe ft genommen, die sich an einem DKW-Wagen verdächtig zu schaffen mach­ten. Sie wurden zur Polizei gebracht, wo sie

Des Mll W öeo W

Roman von 0ert Nothberg.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

15 Fortsetzung. Rachdruck verboten!

3a, wenn die Karten von ihm waren, dann mußte er sie aber doch fermen? Dann wußte er btvb ganz genau, wer sie war?

Als sie das alles überdachte, machte sie gleich daraus eine fluchtartige Bewegung, aber ein em­pörtes Murmeln ihrer Rachbarn scheuchte sie wieder auf ihren Platz. ilnb die Mutter sagte vorwurfsvoll:

Aber Traute, du kannst doch jetzt nicht auf- stehen."

So blieb das Mädchen von nun an regungslos sitzen und blickte nicht mehr auf.

Was will dieser Mann von mir? Ich fürchte mich!, dachte sie und preßte die Hände ganz fest ineinander.

Endlich war diese Qual, die für sie dieses Konzert bedeutete, zu Ende. Der Beifall durch­dröhnte noch den weiten 6aal, die begeisterten Menschen umdrängten das Podium, forderten immer noch eine Zugabe. Aber diesmal kam der Langer nicht mehr.

Was sagen Sie nun, lieber Professor?" fragte dicht neben Traute ein älterer, weißhaariger Herr einen anderen, dessen ausdrucksvoller Kopf Traute irgendwie bekannt vorkam. Der antwortete jetzt:

Gin Genie! Die Stimme ist einfach ein Gna­dengeschenk des Himmels. Weshalb hat der Mann nur so lange geschwiegen? Der gehört auf die Bretter, die die Welt bedeuten; es wird ihm jetzt auch nicht mehr gelingen sich zu verkriechen. Ich werde ihn morgen früh gleich aufsuchen."

Traute wußte plötzlich, daß sie den Herrn vor kurzem in einer Zeitung abgebildet gesehen. Es war eine bedeutende Persönlichkeit. Wahrschein­lich vom Theater.

Der große Sänger und der Mann, der sie belästigt hatte, waren ein und dieselbe Person I

Das wühlte sie innerlich auf, um so mehr, als sie nicht mit den Eltern darüber sprechen konnte. Der Vater freute sich nur, daß sie endlich auf ihn gehört und den Weg zwischen den Hecken aufgegeben hatte.

Bater Bolscher meinte bann auf dem Heim­wege:

»Es sind gottbegnadete Menschen, solche Sän­ger. Hm! Und wenn die nun in jeder Beziehung anders sind als andere Menschen, so darf man sich eben nicht wundern. Freilich, weshalb der Mann gerade unfern Herrn haßt, bleibt unerfind­lich- 2wer ich denke mir, daß er sich eine ganz andere Mitgift seiner Frau erwartet hat, und mm ist eben diese Zwietracht gekommen. Hm! Er hat aber doch--hm!"

Die beiden Frauen hatten wohl gar nicht so re^t hingehört, so fiel ihnen nun auch der kon­fuse Schluß nicht weiter auf.

Staute ging dann gleich in ihr kleines ©tüb- $<m, als sie daheim angekommen waren. Sie lehnte es ab, noch ein bißchen mit ins Wohn- Aimmcr zu kommen, wo die Mutter noch einen Tee bereiten wollte.

Sie mußte allein sein. Und so verabschiedete sie sich herzlich von den zwei alten Leuten und ging hinauf.

Hier stand sie dann versonnen mitten im Stüb­chen und überdachte noch einmal den heutigen Abend. Die Hauptsache schälte sich für sie klar und deutlich heraus: Fritz Lohgarten war nicht gekommen!

Stillschweigend hatte er aufs neue bewiesen, bah es für ihn eine Gemeinschaft mit seinem Schwager nicht gab. Richt einmal bann, wenn es sich um die alles überwältigende Kunst handelte.

Fritz Lohgarten!

Wie sie ihn liebte! Wie er täglich mehr in ihr lebte!_ Wie et für sie der einzige Mann bleiben würde, den sie lieben konnte bis in alle Ewigkeit! Auch wenn er längst einer andern gehörte!

Traute spürte einen stechenden Schmerz in der Brust. Einer andern!

Ilse ^Siebener! Die große, üppige, blonde Ilse Wiedener, die so reich war!

Fritz Lohgarten hatte sie, Traute, geküßt.

Einen Augenblick war eine unendliche Seligkeit über sie gekommen. Schnell genug kam das Er­wachen. Er wollte ein Spielzeug!

Wie hätte es denn anders sein können? Er, der reife ernste Mann, streckte also auch die Hände nach einem jungen Mädchen aus, wenn es ihm gefiel!

Waren sich die Männer in dieser Beziehung denn alle gleich? Traute fühlte, wie etwas Köst­liches in ihr zerbrochen war. Es war der Glaube an eine große, heilige, reine Liebe!

Alnb sie? Sie selbst? Sie liebte den großen, blonden Mann mit aller Kraft ihres Herzens, und sie hatte doch immer gewußt, daß sie ihre Liebe ganz tief in ihrem Herzen verschließen muhte. Denn niemals durfte er wissen, wie sehr sie ihn liebte!

Er hatte sich ihr genähert, hatte sie geküßt! Und die Borwürfe peinigten sie nun. Hatte er doch gefühlt, daß sie ihn llebte? Hatte es der erfahrene Mann aus irgend etwas herausfühlen müssen? War sie so ungeschickt gewesen?

Traute fühlte sich unendlich gedemütigt.

Fritz Lohgarten und der Sänger Heinz Alten- dors hatten beide sich ihr genähert, well sie sie als Freiwild betrachteten.

Wie furchtbar das war!

Wenn sie doch weit, weit fort könnte! Wenn sie hier nicht länger bleiben brauchte. Doch sie muhte ausharren. Was sollten denn die Eltern denken? Und die Rachbarn?

Wie kalt und gehässig Ilse Wiedener sie ge­mustert hatte! Wenn diese erst Fritz Lohgartens Frau war, dann würde ihres, Traute Bolschers, Bleibens wohl auch nicht länger sein. Dann löste sich gewiß alles von selbst und sie brauchte nicht mehr täglich hier bei dem Manne zu arbeiten, den sie mehr liebte als ihr Leben. Trotz allem!

Was ihr erst eine Seligkeit, ein großes Glück schien, war jetzt zur bittersten Qual für sie ge­worden. Jeden Morgen, wenn sie nach der Fabrik bi nüber ging, war es ihr, als müsse sie umfebren, alÄ könne sie es nicht mehr länger ertragen, um ihn zu fein, ihn sehen zu müssen, die ganze Selig­keit seines Kusses noch auf den Lippen zu fühlen und doch zu wissen, daß er in Kürze einer andern gehören würde und daß er sie. Traute, nicht

hoch genug geachtet hatte, um ihr diese Ernied­rigung zu ersparen.

Traute trat ans Fenster, sah hinüber. Drüben brannte Licht!

Wieder dieses einsame Helle Licht im Arbeits­zimmer Fritz LohgartensI Also arbeitete er.

Wie oft schon hatte sie dieses einsame Licht auf dem großen weiten Platz, auf dem sich die hohen Gebäude erhoben, beobachtet. Stunden Halle sie hier gestanden und hatte hinübergesehen, während die Eltern meinten, sie schliefe längst.

Und manchmal war das Licht nicht dagewesen! Dann preßte Traute die Stirn an die kühle Scheibe und dachte: Heute ist er bei Ilse Wie­dener! Heute verloben sie sich vielleicht

Aber immer, wenn sie dann am nächsten Mor­gen hinüber an ihre Arbeitsstätte kam, dann trat er ihr ruhig und freundlich entgegen wie sonst, sagte nichts, daß er sich verlobt habe. Und auch am Abend stand nichts in der Zeitung. Also war es noch nicht so weit.

Diese Quälereien nahmen von Traute- blühen­den Wangen die Farbe, machte" es, daß sic schmal und blaß wurde. Und niemand wußte, wie sie heimlich litt! Riemand!

Traute stand da und sah hinüber. Rach und nach verschwamm alles, und Traute weinte und weinte!

Reuntes Kapitel.

Am nächsten Abend nach dem Konzert sahen sich Ilse Wiedener, ihr Bater und Fritz Loh­garten im Eden-Hotel gegenüber. Sie hatten sich hier verabredet, und Lohgarten war auch pünkt­lich gekommen.

Ilse sah sich triumphierend um. Sie bemerkte soundso viele Bekannte, die herübergrüßten, ein bißchen diskret lächelten und sich dann an den Rebentischen niederließen.

Ilse plauderte bezaubernd. Das konnte sie, wenn sie wollte. Und heute wollte sie.

Ein guter Zufall wollte es außerdem, daß Graf Herbert Rex, ein jahrelanger Verehrer von ihr, die vornehme Gaststätte betrat

Er kam an den Tisch und begrüßte die Herr­schaften, Tagte aber ein wenig verärgert, daß er sich mit Verwandten hierherbestellt hatte. Wenn er hätte ahnen können, daß er heute so zufällig die Herrschaften hier anträfe, würde er es sich anders eingerichtet haben. Man lachte herzlich, und Herr Wiedener meinte, daß eben der Zufall noch niemals so liebenswürdig gewesen sei. fein Erscheinen vorher zu melden.

Ilse mußte später noch eine Freundin begrüßen, die mit ihren Eltern und ihren zwei Brüdern in einer Rische sah. Als sie sich erhob und lächelnd für ein paar Minuten sich entschuldigte, da stieß sie unauffällig ihren Vater an und gab ihm mit den Augen ein Zeichen.

Vater Wiedener verstand, und als die beiden Herren allein waren, meinte er:

»Graf Rex-Gardhausen hat sich feit Jahren um die Ilse beworben. Sie will ihn aber nicht. Ganz und gar nicht. Run, da kann man natür­lich nichts dagegen machen und bei meiner Toch­ter schon gar nicht. Die nimmt nur den, den sie liebt!"

®raf Rex ist aber ein sehr liebenswerter Mensch. Hat er nicht vor einigen Jahren einen sensationellen Sieg über Lord Fish errungen? Er ist doch der berühmte Rennreller?" sagte Loh­garten ruhig.

zunächst angaben, von einem Manne in Dresdat zu der Fahrt nach Berlin eingeladen worden zu sein. Rach längerem Verhör gaben sie schließ­lich zu, den Wagen in Dresden gestohlen zu haben, und dcch sie ihn in Berlin verkaufen wollten. Bei dem Verhör stellte sich ferner her­aus, daß die Fest genommenen zu einer Kraft­wagendiebesbande in Dresden gehörten, die sich durchweg aus Jugendlichen bis zu 15 Jahren zusammensetzte und die neben mehreren Wagen auch sechs Krafttäder gestohlen hatte.

Amerikanischer Missionar von chinesischen Banbilcu ermordet.

In dem östlich von Eharbin gelegenen Mu- lantien wurde ein amerikanischer katholischer Mis­sionar von chinesischen Banditen erschossen. Die ettoa 50 Mann starke Bande eröffnete plötz­lich das Feuer auf den Missionar und seine Be­gleiter, die von 15 japanischen Soldaten be­gleitet wurden. Es entstand eine Schießerei, bei der der amerikanische Missionar getötet wurde. Die Chinesen konnten schließlich, nachdem noch ein japanischer Soldat verwundet worden war, in die Flucht geschlagen werden.

Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg.

Dieser Tage trat der Derwallungsrat des Ger­manischen Nationalmuseums zu Nürn­berg unter dem Vorsitz von Staatssekretär a. D. Dr. Th. Lewa Id zusammen. Nach Ablegung des Der- waltungs- und Rechenschaftsberichtes wurden die Voranschläge für das Jahr 1933 genehmigt und die Ersatzwahlen für die ausgeschisdenen Mitglieder des Derwaltungsrates vorgenommen. Für das Jahr 1933, das 400. Todesjahr von Veit Stoß, wird eine Gedächtnisausstellung geplant Trotz der schiech- ten Wirtschaftslage, unter der auch das Germanisch« Museum zu leiden hatte, konnten die Sammlungen, das Archiv, die Bibliothek und das Kupferstich­kabinett durch eine Reih« wertvoller Neuerwerbun­gen bereichert werden. Es wurde eine neue Abtei­lung des Museums eröffnet, welch« die planmäßig gesammelten Denkmäler des deutschen Spätbarock und Rokoko enthält. Vier harmonisch aufeinander abgestimmte Säle vereinigen Werke der hervor­ragendsten Meister aus diesem Zeitalter.

Wettervoraussage.

Nachdem der neue Wirbel über Dänemark nach Estland weiterzieht und durch seine Rückseite Sait- lüft eingebrochen ist, erfolgt kräftiger Barometer­anstieg, welcher den hohen Druck über Frankreich - und England auch bei uns zur Entfaltung bringt Dadurch wird sich die Witterung bessern und bc» ständiger gestalten. Allerdings scheint die Beruhi­gung abermals nur von kurzer Dauer zu sein, denn schon wieder erscheint über Island eine neue Stö­rung, deren Dorgreifen an der Westküste Irlands ein Umdrehen der Winde nach Süden zu bewirkt.

Aussichten für Donnerstag: Nach küh­ler Nacht bewölkt mit Aufheiterung, keine oder nur vereinzelt geringe Schauer.

Aussichten für Freitag: Wärmer, er­neute Trübung und später Niederschläge wahrschein­lich, südwestliche Winde.

Lufttemperaturen am 18. Oktober: mittags 12 Grad Celsius, abends 8,2 Grad; am 19. Oktober: morgens 7 Grad. Maximum 13,5 Grad, Minimum 6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Oktober: abends 10,3 Grad; am 19. Oktober: morgens 8,1 Grad Celsius. Niederschläge 2,6 mm. Sonnenscheindauer eine Stunde.

Gewiß, gewiß. Und meine Tochter könnte längst Gräfin Rex sein."

Von der Seite her sah Herr Wiedener in Loh­gartens schönes, ernstes Gesicht. Aber er konnte keinerlei Erregung entdecken. Resigniert blickte er in fein Glas und dachte: Auf was der Mann bloß noch wartet? Mein vieles Geld kann ihm doch ebenso gut schon morgen ein anderer vor der Rase wegschnappen? Weshalb spricht er denn nur nicht endlich? Ich kann meine Tochter und mein Geld doch nicht noch deutlicher an­bieten, als ich es bereits getan habe?

Ilse kam zurück. Ohne Zweifel, sie erregte Auf­sehen, als sie so groß, stolz und elegant durch den Saal schritt.

Lohgarten bemerkte es, aber es ließ ihn falt Er wollte an diesem Abend noch einmal ganz ruhig die Lage überdenken. Es würde sich aber nichts an seinem Entschluß, Ilse Wiedener nun doch nicht zu heiraten, ändern!

Man plauderte. Und da sagte Ilse plötzlich: UebrigenS, Herr Lohgarten, wir waren gestern abend im Konzert. Altendorf hat wundervoll gelungen. Wäre es nun nicht an der Zeit sich mit Ihrem Herrn Schwager auszusöhnen?"

Es war das Schlimmste, was sie ihm antun konnte. Vielleicht fühlte sie es aus seinem Blick heraus, beim sie setzte gezwungen lächelnd hinzu:

.Ich meine, solche berühmte Leute schneidet man doch nicht?"

Mein gnädiges Fräulein, zwischen mir und jenem Herrn bestehen Differenzen, die nicht bei einem Glase Sekt von Fremden geschlichtet wer­den können, mag es auch noch so gut gemeint sein."

Das letztere milderte die Schroffhett der Ant­wort etwas, aber die Abfuhr blieb.

Herr Wiedener zündete sich verlegen eine seiner großen Zigarren an und meinte:

Weißt du, Ilselein, da kann man nichts sagen. Herr Lohgarten wird schon wissen, weshalb er gestern nicht gekommen ist."

Ilse Wiedener war außer sich, und sie dachte, daß sie doch einen sehr schweren Stand mit ihm haben werde.

Kein Zweifel, es blieb eine unbehagliche Stim­mung. Selbst Herrn Wiedeners gemütliches Ge­plauder konnte diese Unbehaglichfett nicht hin- wegwifchen.

Ilse sah Fritz Lohgarten von der Seite an; in Hellen Flammen schlug die Leidenschaft wieder über ihr zusammen. Seine vornehme Persönlich­keit übte den alten Zauber immer wieder aus- neue auf sie aus. Plötzlich kam ihr ein Gedanke:

Uebrigens trafen wir gestern im Konzert

Angestellte, das Fräulein Dvlscher, mit ihren Eltern. Die Leute saßen auf den teuersten Plätzen. Run, es wird sie kaum etwas gekostet haben, denn wie mir schien, kannten sich der Sänger und das Fräulein!"

So! Die Bosheit war abgefanbt und sah an­scheinend.

Fritz Lohgarten hatte sich der Sprecherin mit einem Ruck zugewandt. In feinen Hellen Augen blitzte es auf. Sie konnte sich dieses Aufblihen nicht deuten, die üppige, verwöhnte Ilse, aber es war vielleicht auch gut, daß sie dieses Auf­blihen nicht verstand, denn es lag Haß darin. Haß gegen eine unberufene Schwätzerin!

(Fortsetzung folgt)

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