Ausgabe 
19.9.1932 Erstes Blatt
 
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daß die umstrittene Verfügung über die unter­schiedliche Behandlung der Spielklubs nicht von Dr. Weih, sondern von dem früheren Polizeipräsidenten Dr. Friedensburg stamme. Er halte die Verfügung auch heute noch für durch­aus berechtigt. Der Zeuge könne sich keines Fal­les erinnern, in dem Dr. Weih ein Vorgehen gegen Spielklubs unterbunden habe.

Sie Reichstagswahl in Schweden.

Stockholm, 18. Sept. (TU.) Die schwedischen Reichstagswahlen sind sowohl in Stockholm wie in ganz Schweden ruhig verlaufen. Das vor­läufige Endergebnis der Wahlen ergab für die Konservativen 563 742 Stimmen gegen 692 434 im Jahre 1928, Bauernbund 351 055 (263 501), Liberale 40859 (70820), Frei­willige Volkspartei 247092 (303995), Sozialdemokraten 1 013 176 (873 931), schwed. Kommuni st en 130882 (151 567), internationale Kommuni st en 73 508, Nationalsozialisten 14 845. Es sind so­mit gewählt 58 Konservative (15 Sitze verloren), 36 Bauernbund (9 gewonnen), 4 Liberale (un­verändert), 20 Freiwillige Volkspartei (8 ver­loren), 104 Sozialdemokraten (14 gewonnen), 6 schwedische Kommunisten (2 verloren), 2 inter­nationale Kommunisten (2 gewonnen). Die Na - tionalsvzialisten haben in keinem Wahlkreise einen Abgeordneten durchbringen kön­nen. Dagens Vyheter glaubt zu wissen, dach das Kabinett heute demissionieren werde. Wie erinnerlich, hat der Ministerpräsident schon vor langer Zeit erklärt, dah das Kabinett die Absicht habe, im unmittelbaren Anschluß an die Wahlen zurückzutreten.

Rationaltrauertag in China.

Schanghai, 18. Sept. (TU.) Aus Anlaß des Nationaltrauertages wegen der Besetzung der Mandschurei durch japanische Truppen haben alle öffentlichen Gebäude mit Trauerflor umwundene Fahnen gehißt. In zahl- reichen Versammlungen forderten Führer der Kuo­mintang zum Kampf gegen den japani­schen Imperialismus auf. Japanische Pa­trouillen haben einen starken Wachdienst eingerich- tet. In Hangkai wurden acht Japaner von chinesischen Demonstranten bei einem Zusammenstoß verletzt. Die chinesische Polizei konnte weitere Zusammenstöße verhindern. In der Umgebung von Hankau wurde in ein japanisches Warenhaus eine Bombe geschleudert. Dabei wurden zwei Japa­ner getötet.

Oie Revolution in Brasilien.

Rio de Janeiro, 17. Sept. (Reuter.) Die Truppen der Bundesregierung, die in den letzten vier Tagen verschiedentlich Fortschritte gemacht haben, nahmen die Stadt Lorena. Da= gesten ist es den Aufständischen gelungen, den Di­strikt Guapore im Staate Rio Grande do Sul zu besetzen.

Aus aller Welt.

Der Reichspräsident zum 25jährigen Jubiläum des Generalsekretärs Dr." Mensch.

Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums des Generalsekretärs des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages, Dr. M e u s ch, fand dieser Tage in Hannover eine Feier statt. Der Reichs­präsident hatte dazu folgendes Schreiben gesandt: Sehr geehrter Herr Dr. Meusch! Zu dem heutigen Tage, an dem Sie auf eine 25jährige Tätigkeit als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages zurückblicken, spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aus. Mit besonderer Anerkennung gedenke ich aus diesem Anlaß der vielfachen Verdienste, die Sie sich um das Handwerk sowohl in Ihrem Amt als Generalsekretär des Deutschen Handwerks- und Ge­werbekammertages, wie auch als Mitglied des Vor- läufigen Reichswirtschaftsrates erworben haben. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß Ihnen noch viele Jahre tatkräftigen und erfolgreichen Wirkens zum Nutzen unseres deutschen Handwerks und Gewerbes beschicken sein mögen. Mit freundlichen Grüßen (gez) von Hindenburg, Ehrenmeister des deutschen Handwerks."

Adel gesichtet.

Nach einer Meldung aus Godhavn ist der Flieger Udet heute, nachdem er vier Tage lang ver­schollen war, im Lager Dr. Fancks gesichtet worden. Ein seit mehreren Tagen wütender Sturm verhindere jedoch die Landung in der Nahe des Expeditionslagers. Udet habe mit seinem Flugzeug in geringer Höhe über dem Lager mehrere Schleifen gezogen und durch Winken von seinem Wohlergehen Kenntnis gegeben. Er sei dann wei- t e r g e f l o g e n, um in erheblicher Entfernung vom Lager einen von ihm schon heute benutzten Lande- platz aufzusuchen.

Zugzusammenstoh auf der Zugspihbahn.

7 Schwerverletzte.

Dieser Tage sind bei der Station Kreuzeckbahn der bayerischen Zugspitzbahn ein talwärts und ein bergwärts fahrender Zug aus bisher unbekannter Ursache zusammengestoßen. Sieben schwer verletzte Passagiere sind ins Kranken­haus in Garmifch eingeliefert worden und zwar drei Lokomotivführer und ein Schaffner und drei Rei- sende, drei Damen aus Rappenau bei Weimar, Erfurt und Breslau. 15 Reisende mit leichteren Verletzungen wurden im Krankenhaus ver­bunden, woraus sie wieder entlassen werden kann- ten. lieber die Ursache des Unglücks ist noch nichts Näheres bekannt. Von der Gendarmeriestation ist die Staatsanwaltschaft in München verständigt war- den. Von der Bayerischen Zugsvitzbahngesellschaft wird noch mitaeteilt, daß sich der Zusammenstoß bei der Station Kreuzeckbahn durch Ueberfahren der Kreuzung ereignete. Der talwärts fahrende Zug hatte nicht angehalten. Der Führer hatte be­reits 50 Meter vor dem Zusammenstoß stark abge- bremst so daß der Zusammenstoß weniger heftig war. Der Sachschaden ist nicht bedeutend. Der Be­trieb der Zugspitzbahn wird voll aufrecht erhalten.

Verkehrsunglück bei kiel. 1 Toter,

1 Schwerverletzter.

?us Kiel wird gemeldet: Zwischen Preetz Harsdorf stieß in einer der letzten Nächte ein Personenkraftwagen mit einem Pferdefuhr­werk zusammen. Der Anprall der beiden Fahrzeuge war so heftig, daß die Deichsel des Fuhrwerks dem im Wagen sitzenden Ingenieur DuN-woZ den Kops zerschmetterte. Metz war auf der Stelle tot. Zu allem Un- n ,n°4r L Pferde, der Kutscher Kbrwerks ein Viehhändler aus Wakendvrf oer Kiel, wurde vom Dock geschleudert und er­

litt schwere Kopfverletzungen. Die Ur- sache des Zusammenstoßes dürfte in der schlech­ten Beleuchtung des Fuhrwerks zu suchen sein.

Todessturz beim nationalsozialistischen Flugtag in Braunschweig.

Während des nationalsozialistischen Flugtages in Braunschweig ereignet« sich ein tödlicher Absturz. Der Braunschweiger Kunstflieger und Luftphotograph Albrecht stieß in der Luft mit einem anderen Flugzeug zusammen. Seine Maschine geriet ins Trudeln, und Albrecht stürzte etwa aus 50 Meter Höhe heraus und fiel zur Erde. Er war sofort t o t. Die Maschine fiel dicht neben dem verunglückten Flieger zu Boden und ging vollständig in Trümmer. Das andere Flugzeug konnte nach dem Zusammenstoß seinen Flug weiter fortsehen.

vom Bund Deutscher technischer Zollbeamten.

Ter Gesamtvorstand des Bundes Deut­scher technischer Zollbeamten, die Ver­tretung der Oberbeamten der Reichszollverwal­tung, hat zu der kommenden Reichsverwaltungs­reform Stellung genommen. Seit langem hat der Bund die Selbständigkeit der Reichs­zollverwaltung unter Betonung ihrer wirtschaftlichen Bedeutung erstrebt. Diese Selb­ständigkeit ist im Artikel 83 der Reichsverfassung zwar grundlegend vorgesehen, sie ist jedoch durch die Erzbergersche Finanzreform nicht verwirklicht. Die Zusammenfassung mit der Reichssteuerver­waltung in den Landesfinanzämtern hat den notwendigen organischen Aufbau der Reichszoll­verwaltung verhindert und ihr ein Ab­gabenrecht aufgezwungen, das ihre Bedürfnisse nicht genügend berücksichtigt. Trotz solchen schwe­ren Mängeln ist die Reichszollverwaltung ihrer

schwierigen Sonderausgabe als Schüherin und Förderin der deutschen Wirtschaft gerecht ge­worden. Sie hat auch dem wirtschaftlichen Nie­dergang durch einschneidenden Behörden- und Deamtenabbau rechtzeitig Rechnung getragen. Eine auf weitere Ersparnis und Vereinfachung des Derwaltungsapparates hinzielende Reform muh deshalb die Reichszollverwaltung aus ihrer Verkoppelung mit der Reichs- steuerverwaltung lösen durch Aufhebung der Landesfinanzämter und Wiederherstellung von selbständigen Zolldirektivbehörden. Das in der Reichsabgabenordnung verschachtelte und völ­lig unübersichtliche Abgabenrecht ist ein­seitig auf die Aufgaben der Reichssteuerverwal­tung abgestellt. Es wird weder den besonderen Aufgaben der Zollverwaltung noch den Bedürf­nissen der Wirtschaft gerecht und ist daher u m - zugestalten und zu vereinfachen. Durch eine diesen Grundsätzen entsprechende Verwal- tungs- und Rechtsreform werden Verwaltung wie Wirtschaft beträchtlich e n t l a st e t und von unproduktiven Arbeiten und Ausgaben befreit werden.

Liner, der im Gefängnis 14 Millionen erbk.

Im Gefängnis des Prehburger Kreisgerichts sitzt der frühere Lehrer Sulko wegen Betrugs und Diebstahls. Seine Strafzeit läuft im Januar 1933 ab. Dieser Tage hat das ungarische Konsulat in Preßburg dem dortigen Gericht mitgeteilt, dah Herrn Sulko eine Erbschaft von 14 MillionenTschechokronen zugefallen ist. Man darf nun wohl darauf rechnen, daß Sulko wegen Diebstahls nicht mehr zu sitzen kommen wird.

Aus -er provinzialhauptfiadt.

Gießen, den 19. September 1932.

Herbst und Gemüt.

Wenn die Blätter gelb zu werden beginnen, kom­men Herbstgedanken. Sie kommen jedes Jahr, diese melancholischen, hoffnungslosen, bedrückenden Ge- danken...

Hoffnungslose Stimmung bei den Menschen Abschiedsstimmung in der Natur. Das ist nun ein­mal eine feststehende Weisheit, ein Gemütsgesetz, wenn man so sagen darf, das sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbt. Herbstliche Melancholie ist Tra­dition! Doch versuchen wir einmal, den Herbst in der Natur mit anderen Augen zu sehen! Ist es wirklich Abschied? Ist der Wechsel der Farben eine Wandlung, die von Hoffnungslosigkeit zeugt? Ist jenes immer wieder betonteAbsterben" wirklich ein endgültiger Ausklang, der nichts Neues, keine Zukunft verheißt?

Schon die Fragestellung allein muß uns einsehen lassen, daß hier etwas nicht stimmt. Innerhalb der ewig lebendigen, immer neues Leben zeugenden Natur kann es keinen Abfcksted geben und noch weniger ein Sterben, das endgültig wäre, zukunfts­los und ohne Sinn.

Erkennen wir aber einmal, daß wir bisher dem Sinn des Herbstes eine Deutung gaben, die den Gesetzen der Natur widerspricht, so müssen wir auch einsehen, daß unsere Gemütsverfassung einer Ge- sühlsüberlieferung entspringt, die auf einem Irrtum beruht.

Nicht Abschied und Absterben ist das Geheimnis des Herbstes, denn Ueppigkeit der Farben und die unerschöpfliche Fruchtbarkeit sind noch lange nicht die einzigen großen Lebensnotwendigkeiten der Natur. Sie muß auch ausruhen, sich sammeln, sie muß sich zu einer neuen Schaffenszeit vorbereiten. Der Herbst in der Natur gleicht einem tiefen, tiefen Atemzug. Der Atem ist aber ein Wahrzeichen des lebendigsten Lebens, und je tiefer er geht, desto Größeres bereitet er vor. Der Herbst ist voll Ver­heißung!

Und nun unser Gemüt? Wo bleibt die Melancho­lie und die Hoffnungslosigkeit, wenn man weiß, daß es Zeit der Bereitschaft ist? Trübe Gedanken sind sinnlos, wenn es ein Wissen gibt um den kommen­den Frühling.

Wir müssen lernen, den Herbst mit anderen Augen zu sehen. Und wer würde das nicht wollen? Denn es gibt dann statt melancholischer, bedrücken­der Gedanken heitere Hoffnungen und frohe Zukunftsträume. Mg.

Vornotizen.

_.T", a9e8talenber für Montag : Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Madame hat Ausgang".

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a n d w e b e k u n st i m Schaufenster. In diesen Tagen (bis einschließlich 25. September) Wird in einem Schaufenster der Firma C. R ö h r & ©o. Bahnhofstraße, eine Reihe handgewebter Arbeiten gezeigt, die besonderes Interesse für £Vn,rQ£lfi>nKS .nehmen darf. Man sieht gute Jackenkleider, einen ebenfalls handgewebten Damenmantel, eine Herrenjoppe, mehrere Tep- Piche und Gebrauchsgegenstände, die alle auf den emfachsten Webrahmen hergesteUt wurden. Als Material hat teils rohe Wolle, teils die Übliche ?te. Teppiche aber das verschieden- to ^aterial Verwendung gefunden. Auf zwei Webrahmen sieht man angefangene Arbei­ten und Mar einen Smhrnateppich aus natur- on.arUn UILÖ einen Herrenanzugstoff. Die Ausstellung der Handwebekunst verdient allge- meine Beachtung aller Hausfrauen. Näheres ist aus der Anzeige vom Samstag ersichtlich.

** ür treu« Tierpflege ausgezeich- net. DerTierschutzverein für Hessen hat auf >em«r 51. Hauptversammlung in Alzey beschlossen, an 17 Gendarmerie- und Poliheibeamte und an 56 treue Tierpfleger, die sich im Sinne des Tier­schutzgedankens besonders verdient gemacht haben Anerkennungsdiplome und kleine Geldgeschenke zu verleihen. Von den Ausgezeichneten entfallen auf die Provinz Ober Hessen: die Gen­darmerie-Hauptwachtmeister Gimbel, Homberg a. d. O.; Bauer, Rockenberg: Becker, Lau­bach: die Gendarmerie-Meister Schalter, Lich: Knaus, Altenstadt; Braun, Laubach: Polizei- Hauptwachtmeister Rahn, Bad-Nauheim: ferner folgende Privatpersonen: Adam Dickert und Kvnrad Müll, Hopfgarten: Ioh. Köhler 1., Angenrod: Friedrich Finkernagel II., Alten­stadt: Hugo Knöß, Ortenberg: Konrad Hedt - r i ch, Karl K ü h l t a u und Peter Rüfer, Bad-Nauheim; Hoch. Ries, Kaichen: Georg Schrimpf, Lauterbach; Hch. Schott, Ober- Schmitten: Hoch. E ck h a r d t und Wilh. H i r t h, Schotten.

Thüringen zum Rhein. Als Fortsetzung einer im April 1932 gemachten Wan­

derung von Berka a. d. Werra bis Staufenberg bei Gießen zogen sechs Mitglieder des Thüringer Rennsteigvereins vom 3. bis 7. September von Friedelhausen bei Gießen nach Herborn und weiter nach Engers am Rhein. Der Weg führt über waldige Höhen am mächtigen Dünsberg vor­bei auf dem hessischen Rennweg, der diesen Namen noch trägt, nach Herborn und über den Wester­wald zum Rhein. In Gießen wurden die Wan­derer vom Vogelsberger Hohenclub, in Herborn vom Westerwaldverein gesellig empfangen. In der Touristenkarte von Gießen (bei Ravenstein, 4. Auflage) ist der mittlere Teil des Höhenweges ThüringenRhein schon eingetragen. Es bietet sich hier ein sehr lohnendes Ziel für längere landschaftlich prachtvolle Wanderungen in Mittel­deutschland.

Amtsgericht Gießen.

Daß die Beamten des Arbeitsamtes und ähn­licher Behörden nicht selten Beleidigungen durch Erwerbslose ausgesetzt sind, ist verständlich. Viel­fach sind es solche Beleidigungen, die unüberlegt in der ersten Erregung fallen, wenn Erwerbslose sich bei der Zuteilung ihrer Unterstützungen im Vergleich mit anderen benachteiligt glauben, und die beleidigten Beamten pflegen dann derartigen Umständen Rechnung zu tragen. Anders im vor­liegenden Falle, in dem es sich um verleum­derisch«, zum Teil schriftliche Beleidigungen han­delte, gerichtet gegen den Vorsitzenden des Ar­beitsamtes in bezug auf feine Amtsführung: Ein Erwerbsloser behauptete, in seiner Unterstüt­zungssache bei letzterem vorgesprochen zu haben, und dieser habe sich zu ihm geäußert, sie seien doch gute Freunde, er werde ihm schon helfen, er, der Angeklagte, möge sich nur beruhigen. An J>er ganzen Unterredung war kein wahres Wort. Regierungsrat D. kannte den Angeklagten gar nicht. Die Behauptung war lediglich ein Ausfluß von Renommisterei. Ein anderer Erwerbsloser, der hiervon gehört hatte, griff das Vernommene ohne jede Nachprüfung auf und verwertete es zck seinen Gunsten, indem er an Regierungsrat B. einen 'Brief schrieb, worin er den Vorfall er­wähnte und unter Bezugnahme auf denselben bas Ansinnen art ihn stellte, er möge auch an­deren derartige Vorteile zukommen lassen. Er war xu feig, seinen Namen anzugeben und ließ den Brief von seiner ahnungslosen Braut unter­schreiben. Die Angeklagten hatten eine hohe Strafe zu gewärtigen. Es erging jedoch zunächst kein Urteil, da beide dem Beleidigten gegenüber, dem es weniger auf ihre Verurteilung als vielmehr auf die gerichtliche Feststellung ankam, daß es sich um große Lügen handle, die beleidigenden Behauptungen reuevoU und unter aufrichtigem Bedauern als völlig unwahr zurückgenommen und alle Kosten übernommen hatten. Der Vorsitzende des Arbeitsamtes will den Strafantrag zurück­ziehen, sobald die Angeklagten ihren Verpflich­tungen bis zum 15. Oktober nachgekommen sind. Andernfalls ergeht in einem neu anzuberaumen- den Termin Urteil.

Eine Autofahrerin, die aus der Kaplansgasse über den Kreuzplatz fuhr, karambolierte dort mit der Straßenbahn und beschädigte den elek­trischen Wagen. Sie erhielt wegen Verstoßes Sgen § 10 Absatz 6 der Vorschriften über den erkehr und den Schutz der städtischen Straßen­bahn zu Gießen vom 8. November 1909 einen Strafbefehl über 20 Mark und legte Einspruch gegen denselben ein, zog er aber vor, ihn zurück­zunehmen, nachdem sie sich wohl auf Grund der Ergebnisse des Vorverfahrens von dessen Erfolg­losigkeit und ihrer Schuld überzeugt hatte. Auch mag die Beschuldigte mit der Möglichkeit ge­rechnet haben, in einer erneuten Verhandlung wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahn- ir^ßbortes in Strafe genommen zu werden. Tat­sächlich pflegen auch elektrische Straßenbahnen zu den Eisenbahnen im Sinne des § 316 StGB, gezählt zu werden.

Zortbildungslehrgang für Aerzte.

o 4 Za d "Nauheim, 17. Sept. An dem u. Fortbildungslehrgang der Vereinigung Bad- Nauheimer Aerzte, der von Freitag bis heute yier jtattfanö, nahmen über 300 auswärtige aii$ Teilen Deutschlands und auch 2nber (Schweiz, Holland, Lettland)

füru6«ortentlic& starke Besuch spricht v?8.Ansehen der Bad-Nauheimer Lehrgänge, der medizinischen Praxis

und WiEnschaft mit den Iahren gewonnen I Eröffnung des Lehrganges in

der großen Vorlesungshalle des Kerckhoff-Insti- !,u^ konute Sanitätsrat Dr. Hahn, der Dor- sitzende der hiesigen Aerztevereinigung, als Gäste u. a. Ministerialrat Dr. Meller vom hessischen Finanzministerium und vog der Gesundheits- 1

abteilung des hessischen Ministeriums Ministeriat- rat Dr. Schrohe willkommen heißen, und dem Vorstand des Staatsbades, dem Finanzministe­rium und den benachbarten Universitäten Dank vermitteln für das den Lehrgängen bisher ent­gegengebrachte Interesse und die jederzeit gern geliehene Unterstützung.

Zur Behandlung stand in diesem Jahre das Gesamtthema »Di« Herzneurosen und die Be­handlung der Herzkrankheiten im allgemeinen". Erste Vertreter der medizinischen Wissenschaft sprachen in beachtlichen Teilreferaten dazu. Am ersten Tage behandelten: Prof. Becher, Gießen, »Praktisch-wichtige Kapitel aus der Anatomie der Kreislauforgane"; Prof. Siebeck, Heidelberg, »Die Allgemeinbehandlung der Herzkranken"; Prof. Schoen, Leipzig, »Pharmakologie und Kli­nik des Kampfers und der Kampfer-Ersatzpräpa­rate" ; Prof. Weber, Dad-Nauheim-Giehen, Krankenvorstellung und Chinidintherapie"; Prof. Herzog, Gießen, an der Hand sehr kla­rer Präparate, »Pathologisch-anatomifche De­monstrationen aus dem Gebiet der organischen Herzerkrankungen", während am zweiten und drit­ten Tage referierten: Prof. Koch, Bad-Nauheim, über »Die nervöse Bedeutung des arteriellen Blutdruckes"; Prof. Freiherr v. Weizsäcker, Heidelberg, über »Kreislauf und Herzneurose"; Prof. Kronfeld, Berlin, über »Kreislaufneu­rosen": Dr. Dansi, Berlin, über »Thyreotoxiko- sen": Dr. Schloß, Leipzig, über »Diätetik und Kreislaufstörungen"; Prof. Brauer, Hamburg, über »Pulmonale Insuffizienz"; Prof. Kret- scher, Marburg, über »Zerebrale Gefäß- schwäche": Prof. Rosin, Berlin, über »Die Behandlung der Herzschwäche mit Berücksichti­gung neuerer Forschungsergebnisse"; Prof. G r o e- d e l, Bad-Nauheim, über »Wirkung von Koh- lensäurebädern".

Gesellschaftliche Veranstaltungen, in deren Ver­lauf Oberbaurat Derck den besonderen Gruß des Staatsbades entbot, umrahmten die wissenschaft­lich-praktische Tagungsarbeit. Alle auswärtigen Teilnehmer sprachen mit Bewunderung von den einzigartigen Vorzügen unseres Heilbades.

2S Jahre Staatliche Materialprüfungs-Anstalt. Lin Jubiläum der Technischen Hochschule Darmstadl.

Darmstadt, 19. Sept. Am 1. Oktober sind es 25 Jahre, daß die Staatliche Materialprüfungs­anstalt von Geh. Baurat Prof. Dr.-2ng. e. h. Dr. h. c. Berndt gegründet wurde. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage konnte die Staatliche Materialprüfungsanstalt auch in den letzten Jahren mit Unterstützung des Hessischen Staates und zahlreicher Firmen und wissenschaftlicher Ver­bände immer weiter ausgebaut werden. So ver­fügt die Anstalt heute über alle neuzeitlichen Prüfungseinrichtungen für die wichtigsten Werk­stoffe wie Stahl, Eisen, Nichteisenmetalle, Holz, künstliche und natürliche Steine, Beton, Eisen­beton, Bindemittel, Anstrichstoffe usw. Im Laufe der Jahre ergab sich eine fruchtbare Zusammen­arbeit mit vielen Baubehörden, Industriefirmen und Handwerkern aus Hessen und auch aus den anderen deutschen Staaten. Die Anstalt über­nimmt nicht nur die Prüfung der Werkstoffe, sondern auch gerne beratend bei der Auswahl, Behandlung und richtigen konstruktiven Form­gebung der Werkstoffe mit.

Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Materialprüfungsanstalt findet am 29. Oktober eine einfache Feier in der Technischen Hochschule statt, bei der in kurzen Vorträgen vom Gründer der Anstalt, Geh. Rat Berndt, über die Ge­schichte der Materialprüfungsanstalt und vom derzeitigen Vorstand, Prof. Dr. A. Thum, und seinen Mitarbeitern über die neueren For­schungsarbeiten in der Anstalt berichtet wird.

Maul- und Klauenseuche nur noch im Kreise Friedberg.

WSN. Darmstadt, 18. Sept. Nach der amtlichen Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen waren am S tichtag (1. September) nur noch zwei Gemein­den im Kreise Friedberg mit insgesamt 17 Ge­höften von der Seuche befallen. In allen übri­gen Gemeinden ist die Seuche erloschen.

Zweite Blüte

im Westerwald- und Lahngebiet.

WSN. Bad Ems, 18. Sept. Die milde Herbst­witterung hat in vielen Orten der hiesigen Gegend und im benachbarten Westerwaldgebiet eine zweite Blüte an Obst- und anderen Bäumen heroorgerufen. So wurden in hiesigen Gürten ein blühender Äpfel­baum und eine blühende Kastanie festgestellt. Im Volksglauben werden diese Erscheinungen als Kenn­zeichen eines milden Winters gedeutet.

Kirche und Schule.

Bezirksfest

der Wetterauer evang. Irauenvereine.

4 Dad°Nauheim, 17. Sept. Der im Fe­bruar dieses Jahres gegründete Kreisverband Wetterau" der evangelischen Frauenvereine hielt heute hier sein erstes Bezirks fest ab, das sehr starken Besuch aufwies. Dem Festgottesdienst in der Dankeskirche, bei dem Pfarrer Bausch (Nieder-Florstadt) predigte, folgte die eigent­liche Tagung im evangelischen Gemeindehaus, die von Pfarrer Knodt mit Worten der Be­grüßung eingeleitet wurde; ein besonderer Will­komm galt Superintendent Oberkirchenrat D.

c (®iepen). Die Verantwortung der cbri n $rau tm Kampf der Gegenwart war dairn Gegenstand von zwei Referaten. Es sprachen S'arr££ $ off mann (Ossenheim, früher Rheinische Missionarin, und Frl. Wöhren - ^orff, die Verbandssekretärin der hessischen evangelischen Frauenvereine». Frl. W o h r e n - o o r f f gedachte in anerkennenden Worten auch ^r kürzlich verstorbenen Frau Pfarrer Gertrud Knodt, der ersten Vorsitzenden des Wetterauer Bezirksderbandes. Nach reger Wechselrede sprach Pfarrer Fischer (Nieder-Weisel) das Schluß- während Oberkirchenrat D. Wagner, nachdem er noch die Grüße der Kirchenbehörde überbracht, das Schlußgebet hielt.

Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i.V.: H. L. Neuner.

Sprechstunden der Redaktion.

12-30 W. 16 bi« 17 Uhr. Sam.tag nadimitfag geschlossen

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