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Nr. 67 Drittes Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheifen)

Samstag, (9. Mär; 1952

KnfeundFrauenbervfsarbeit

Don Lotte Garnich.

Die Wirtschaftskrise, die in der ganzen Welt ein noch nie erlebtes Qluemaf) annimmt (man rechnet mit 24 Millionen Arbeitslosen), hat alle berufstätigen Schichten, Mann wie Frau, ohne Ausnahme ergriffen. Soweit überhaupt eine unterschiedliche Arbeitsmarktlage in Erscheinung tritt, ist es mit wenig Ausnahmen zu ilngun» st en der Frau, als her wirtschaftlich Schwä­cheren.

Frauenarbeit ist nicht, wie viele glauben, eine durch das Industriezeitalter bedingte Erscheinung. Schon in der Frühzeit des H»nd- Werks hat es weibliche Zünfte in großer Zahl gegeben, zählt doch allein ein Innungs- rcgistcr der Stadt Köln 14 weibliche Zünfte. Aach der Reformation ging die Frauenarbeit immer stärker zurück, um wieder im 19. Jahrhundert, im Zeitalter der Industrie und der Maschine eine wesentliche Rolle in der wirtschaftlichen Struk­tur zu spielen. Bestimmt wird Umfang und Aus­wirkung der Frauenarbeit hauptsächlich durch zwei Faktoren, nämlich die numerische Ileberzahl der Frauen in allen euro­päischen Ländern mit Ausnahme des Balkans, und ihre besondere Eignung für be­stimmte Berufe, z. B. Hauswirtschaft, Bu­reauarbeit u. ä. sowie ihre körperliche 11 n - geeignethcit f ür Arbeiten, die be­sondere Kräfte erfordern, wie Bauhand­werk oder solche Berufe, die dem weiblichen Or­ganismus schädlich sind.

Bei einer Bevölkerung von 62.4 Millionen Menschen haben wir in Deutschland 32,2 Mil­lionen Frauen; davon find berufstätig 11.4 Mil­lionen, d. h. 35 Prozent. Das ist im Vergleich zu den übrigen europäischen Ländern ungefähr die durchschnittliche Zahl. Im Jahre 1930 be­trug die durchschnittliche Anzahl von Arbeits­losen- über 3 Millionen Menschen, darunter 20 Prozent Frauen. Legt man diesen Prozentsatz den Zahlen vom Rovernbsr 1931 zugrunde, so würde man bei einer Zahl von 4.8 Millionen Arbeitslosen aus ungefähr eine Million arbeitsloser Frauen kommen.

Diese erschütternden Zahlen verteilen sich auf alle Berufe, in denen Frauen tätig sind, wenn auch der Prozentsatz je nach der Konjunktur schwankt. Relativ am günstigsten sieht es in der Landwirtschaft aus. in der ein Drittel aller arbeitenden Frauen beschäftigt ist. Dort ist naturgemäß der Abbau der Arbeitskräfte sehr beschränkt, da zur Bestellung des Bodens eine bestimmte Zahl schaffender Hände erforder­lich ist.

In der Metallindustrie ist die Arbeits­losigkeit der Frauen im Berhältnis geringer als die der Männer Die fortschreitende RationaU- sierung spart nicht nur Menschen, so kann über­dies häufig auf gelernte Arbeit verzichten, för­dert daher die Einstellung der billigen Frauen­kräfte. Ganz besonders schlimm sieht es i m . S p i u n e r e i g e w e r b e . in der Textilindustrie aus. Dort ist die Arbeitslosigkeit ^>er Frau ab­solut und relativ großer als die des Mannes, die Kurzarbeit ungewöhnlich stark. Sie beträgt 35,3 Prozent der überhaupt noch arbeitenden Leute, während 30 Prozent arbeitslos sind. Schuld daran ist in erster Linie der st a r k e Rückgang des Inlandbedarfs. Hinzu kommen andere erschwerende Momente, die in der weltwirtschaftlichen und politischen Lage über­haupt begründet sind. Rußland fällt als Ab­nehmer aus, Elsaß und das Saargebiet werden von Frankreich beliefert, Schweden und die Schweiz haben mit einem gewissen Erfolg eigene Industrien aufgezogen. In der Tschechoslowakei

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von 3 Schneider-Foerstl.

Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau.

7. Fortsetzung. Aachdruck verboten!

Sie sah, wie es ihn hecmnriß.

Ich habe Ihnen Ihre Kleider mitgebracht. Herr Malnow. Ich lege mich ein Stück weiter oberhalb ins Gras und warte auf Sie." Ver­ärgert gewahrte sie, daß er statt zu ihr herüber, nach der anderen Seite zuhielt. War das nun Trotz oder Scham?

Als er zehn Minuten später vor ihr stand, spiegelte sein Haar wie dunkler Samt. Da ge­wahrte Suse die tiefe Falte, die sich quer über Malnows Stirne dehnte.Wenn Sie so böse dreinschauen, fürchte ich mich", sagte sie. Das Lächeln, das ihre Worte begleitete, war etwas erzwungen.Die Mama läßt fragen, ob Sie uns heute nach Cglofstein hinüberfahren möchten?"

«Die gnädige Frau braucht nur zu befehlen", erwiderte er knapp.

Herrgott, Malnow, seien Sie doch nicht so dickköpfig. Die Mama befiehlt doch nicht. Wenn Sie nicht wollen, lassen Eie's eben bleiben." Das Weinen stand ihr noch immer nahe, und er benahm sich wie ein Fisch und hatte noch immer die böse Falte über der Stirne liegen.

In wessen Dienst man steht, dessen Wünsche hat man zu respektieren", sagte er kühl, verneigte sich und nahm die Richtung nach dem Garten hin.

Sie faß im Gras und sah ihm mit tränen- gefüllten Augen nach, schlug plötzlich die Hände vor das Gesicht und weinte lautlos vor sich hin. Er ist es ja gar nicht wert, tröstete sie sich in ihr Schluchzen hinein. Die Margret hatte sicher recht, so eine schöne Fratze machte das Glück noch nicht aus. Morgen oder übermorgen kam sicher ein anderer, ich will aber keinen anderen, dachte sie verzweifelt und barg das Gesicht zwi­schen Halm und Gräser. Ich will auch nicht von ihm nach Cglofstein gefahren werden. Ich reite! Ich will nicht in einem Wagen sitzen, den er kutschiert.

Sie sprang auf, lief ans Ufer und kühlte die Augen mit dem frischen Wasser. Die Wellen warfen ihr Spiegelbild zu'rück. Sie nickte ihm zu und ordnete das Haargeringei, welches >hr wirr um die Stirne fiel. Als sie etwas spät« in den Hof trat, führte Malnow eben die Pferde aus dem Stall.

Ohne ihm einen Blick zu schenken, ginj sie vorüber, hörte, daß er etwas fragte und wandte gleichmütig den Kopf:Soll ich für das gnädige Fräulein eine zweite Decke auf den Dock legen?"

Ich komme nicht mit! sagte sie frostig.

ist und ein ernsthafter Konkurrent entstanden. Die Länder in llebcrfec werden von England beliefert, das jetzt auch noch von dem gesunkenen Pfund profitieren kann. Amerika, das früher ein großer Abnehmer namentlich für Mäntel war, hat sich derartig mit Schutzzollmauern umgeben, daß es als Exportland für Konfektion kaum noch in Frage kommt.

Und nun die häuslichen Berufe. 3n der Zeit der industriellen Konjunktur wanderte eine stets steigende Zahl von jugendlichen weib­lichen Berufstätigen in eben diese Industrien ab; unterdes schuf d i e Technik als Ersatz alle Mittel sür die Hauswirtschaft, die die Zahl der benötigten Hände im Haushalt immer mehr ver­kleinerte. Als dann die rückläufige Konjunttur einsetzte und die Aufnahmefähigkeit der Industrie zurückging, nahm auch die schon verkleinerte Zahl der Arbeitgeber für Hausangestellte in­folge der allgemeinen Einschränkung der Lebens­haltung weiter ab. So herrscht heute in diesem Beruf, in dem früher immer noch ein Unterkom­men möglich war, eine große Arbeitslosigkeit. Während im Jahre 1882 2,93 Prozent der Be­völkerung den häuslichen Berufen angehörte, sank die Zahl im Jahre 1925 auf 2,63 Prozent, während die Zahl der Haushaltungen feit 1910 um 30 Prozent gestiegen war. Die Zahl der in Berlin arbeitsuchenden weiblichen Hausangestell­ten ist vom August 1930 bis August 1931 von 6000 auf 12 000 gestiegen, hat fich also verdoppelt.

Ein besonders trauriges Kapitel ist die Lage sowohl der weiblichen als auch der männlichen Akademiker. Man schätzt die Zahl der Aka­demiker in Deutschland auf 400 000, darunter 2530 000 Beschäftigungslose; dabei steigt der Zugang zu den IInmerfitäten von Jahr zu Jahr. Oft wird die Hochschule ausgesucht in der Hoff­nung, daß in 3 bis 4 Jahren, in denen das Studium erst beendet fein wird, die Berufsaus­sichten günstiger sind. Ganz besonders stark ist

der Zudrang zum medizinischen Stu- diumund zu der pädagogischen Lauf­bahn. In beiden Fällen ist der Zustrom er­heblich größer a ls der Bedarf; der in­folge häufiger Schließung von Krankenhäufern und im Hinblick auf den anhaltenden Geburten­rückgang noch weiter abnehmen wird.

In dieser Zeit der Arbeitslosigkeit hat sich leider ein Schlagwort eingebürgert, das viel Schaden anrichtet. Das ist das Schlagwort vom Doppelverdiener", angewendet aus die verheiratete, berufstätige Frau. Dabei ist der Hauptdruck gegen die etwa 7000 verheirateten Beamtinnen gerichtet, die einen recht klei­nen Teil der 3.7 Millionen erwerbstätiger Ehefrauen in Deutschland ausmachen. (2 500 000 mithelfende Familienmitglieder. 708 000 Arbei­terinnen, 309 000 Selbständige, 75 000 Angestellte, 44 000 Hausangestellte, 7000 Beamtinnen.) Der Gesetzgeber ist offenbar bereit, diesem Druck zu weichen, und so hat der Hauptausschuß des Reichstages Anfang Dezember den Beschluß ge­faßt, daß weibliche verheiratete Beamte ent- lassen werden können, wenn die wirtschaftliche Versorgung dauernd gesichert erscheint. Dabei bleibt offen, was alsdauernd gesichert" jeweils zu betrachten ist.

Die oben gegebene Darstellung der Lage einiger Frauenberufe ergibt auf das Deutlichste, wie eng die Frauenarbeit mit dem allgemeinen wirt­schaftlichen und damit staatlichen Leben Deutsch­lands verflochten ist. Es handelt fich eben um ll/s Millionen deutscher Staatsbürger, deren wirtschaftliches und politisches Wohl und Wehe genau denselben Bedingungen unt e r- Werfen ist wie das der männlichen arbeitenden Bevölkerung. Schulter an Schulter mit dem Mann steht heute die Frau im schweren Kampfe um Deutschlands wirtschaftliche Behauptung in dieser Zeit der Weltkrise, in der Hoffnung auf einen nicht zu fernen neuen Aufstieg.

Die Lage auf dem vbeihessls-eu Meitsmarkt.

Zn allen Berufsgruppen noch geringe Aufnahmefähigkeit für Arbeitskräfte.

Das Arbeitsamt Gießen macht in seinem Bericht über die Arbeitsmarktlage in Oberstes- Jen nach dem Stande von Ende Fe­bruar, im Anschluß an die zusammensassende Uebersicht, die wir vor einigen Tagen mitteilten, noch folgende Ausführungen über die Arbeitsmarkt­lage in den einzelnen Berufsgruppen:

Land- und Jorftroirtfd)aft.

Auch in diesem Monat ist die Zahl der Arbeit­suchenden weiter gestiegen. Insbesondere war ein größerer Zugang an Melkern, Waldarbeitern, sowie Waldarbeiterinnen, Gärtnern und Gartenarbeitern zu verzeichnen. Der Abruf von Arbeitskräften in der Landwirtschaft ist noch äußerst gering. Der Holzeinschlag durfte, abgesehen von einigen Wieder­einstellungen, nunmehr dem Ende entgegengehen. Die Aufnahme von Garten, und Parkarbeiten, die zu Monatsanfang durch das schöne offene Wetter begünstigt wurde, mußte infolge des Frostwetters wieder eingestellt werden. Die Nachfrage nach land­wirtschaftlichen Dienstmädchen war in den letzten Tagen des Berichtsmonats etwas lebhafter. Der Bedarf konnte gedeckt werden. Verfügbar waren am Ende der Berichtszeit 551 Arbeitsuchende, gegen­über 518 des Bormonats und 688 des Vorjahres.

Industrie der Steine und Erden.

Die Marktlage ist sehr uneinheitlich. Einige Ba­saltsteinbrüche haben Reichsbahnaufträge erhalten und konnten hierdurch Arbeitskräfte wieder ein» stellen. Im nördlichen Oberhessen mußten einige

Steinbruchbetriebe wegen des eintretenden Frost­wetters Arbeitskräfte entlassen. Im Ganzen.gesehen liegen außer Reichsbahnaufträgen private Aufträge nicht vor. Dem Arbeitsmarkt standen am Schluffe der Berichtszeit 1909 Steinarbeiter, gegenüber 1966 des Vormonats und 1904 des Vorjahres zur Ver­fügung.

Metallindustrie.

Die Lage der oberheffifchen Metallindustrie und des Handwerks ist nach wie vor als schlecht zu be­zeichnen. Allenthalben wird über Auftragsmangel geklagt. Nur eine Firma hat einen größeren Auf­trag erhalten und war dadurch imstande, mit ihrer gesamten Belegschaft voll zu arbeiten. Wir zählten am Ende der Berichtszeit 2697 Metallarbeiter, gegen­über 2684 des Vormonats und 2519 des Vorjahres.

hol;- und Schnihstoffgewerbe.

Die Arbeitsmarktlage ist für diese Berufsgruppe sehr unterschiedlich. Während verschiedene Säge­werksbetriebe nach Eingang größerer Aufträge ihre Arbeitskräfte zurückgerufen haben, mußte eine Mö­belfabrik nach Beendigung der Arbeiten Kurzarbeit einfüßren. Dem Arbeitsmarkt standen am Schluß der Berichtszeit 981 Holzarbeiter zur Verfügung, gegenüber 996 des Vormonats und 1119 des Vor­jahres.

Nahrung»- und Genußmittelgewerbe.

Eine wesentliche Veränderung der Arbeitsmarkt­lage ist nicht eingetreten. Die Tabakindustrie klagt nach wie vor über Auftragsmangel. Wegen schlechten

Lassen Sie den Schlüssel zur Geschirrkammer stecken. Ich reite!"

Sie sah nicht, wie fahl er wurde. Seine Hände zitterten derart, daß die Stute, welche er aH die Kutsche spannen wollte, unruhig den Kopf nach ihm hob. Er führte sie wieder in ihre Boxe zurück und kam mit einem Wallach heraus, der voll heller Lebensfreude in den sonnigen Rach­mittag wieherte.

Er verspürte die Schwere seines Schrittes, als er jetzt nach der Geschirrkammer ging und das Sattelzeug für Suse vom Haken nahm. Die Stute legte ihren Kopf gegen seine Schulter, als er auf fie einsprach.Sei ein gutes Tier und trage sie sicher. Ich vertraue sie niemand anderem an, als dir allein. Du bist klug und verlässig. Sei nicht böse und fahre nicht auf, wenn fie die Zügel etwas hart zwischen die Finger nimmt. Sie ist verärgert. Ich habe sie gekränkt. Ver­stehst du mich,Sabine", mit Absicht gekränkt, damit fie nicht ahnt, wie schwer ich trage an meiner Liebe zu ihr."

Die Stute sah ihn mit ihren großen glänzenden Augen an, als habe sie restlos begriffen. Sie nahm den Zucker, welchen er für sie bereit hielt, ohne Hast zwischen die Zähne und zermalmte ihn mit leisem Knirschen.

Als er sie in den Hof führte, tarnen die Damen eben in Begleitung des Herrn Gradnitz vom Herrenhaufe herüber. Suse war nicht dabei. Mal­now knüpfte die Zügel der Stute an das Gitter­fenster der Stallung und hielt den Schlag offen. Er hatte das Gefühl, als erwürge ihn fein eigenes Blut. Warum kam Suse nicht? Wenn sie voraus ritt, konnte er sie immer im Auge behalten. Wenn ihr irgendwelche Gefahr drohte, vermochte er ihr sofort zu Hilfe zu kommen.

Er spähte vergebens nach der Türe, die vom Garten herüberführte. Cs war nichts von ihr zu entdecken.Meine Tochter kommt etwas später nach", sagte Frau von Recklinhausen in ihrer gütigen Art.Wir können also fahren."

Der Hufschlag der Gäule war gleich darauf auf der verstaubten Chaussee zu hören. Dieters Hände, welche die Zügel hielten, brannten. Mehr als einmal wandte er den Kopf zurück. Jetzt mußte sie doch kommen! Mußte doch! Sie brauchte ja nur in den Sattel zu steigen. Wo blieb sie beim so überlange?

Dann ein heller Rus von den Wiesen herüber, die durch einen Graben von der Chaussee ge­trennt Waren. Ein Pferd jagte querem. Man sah, wie die Reiterin das Tier dazu antrieb, den Sprung nach dem anderen Ufer hinüber zuwagen.

Suse!" schrie Frau von Recklinhausen und klammerte die Hand um Gradnitz' Oberarm. Suse!" -

Du erschreckst das Tier!" warnte Margret, obwohl auch ihr Herz bis zum Halse herauf-

schlug, bewahrte sie doch nach außen hin ihre Ruhe.

Lenores Wangen leuchteten schneeig. Sie drückte die Rägel der Finger in die Handflächen und murmelte etwas zwischen dgn Lippen Margret glaubte, sie beten zu hören.

Aus Malnows Gesicht war jeder Tropfen Blutes gewichen. Seine Augen ruhten als starre Punkte auf den beiden dunklen Körpern, die jetzt durch die Luft geflogen kamen. Sufes schlan­ker Körper schwebte förmlich. Er mußte die Lider schließen, und als er sie wieder öffnete, landeten Roß und Reiterin eben auf dem schmalen Wiesen- ftreifen, der das Wasser von der Chaussee trennte.

Mama, du hast dich doch nicht etwa ge­ängstigt?" Dicht am Wagen horte er jetzt ihr helles Lachen.Es war gottvoll schön! Mar­gret, tu den Wund nicht auf! Du würdest doch nur schimpfen. Es würde mir doch nicht ein­fallen, Hals und Dein zu brechen. Wäre ja jammerschade um den Hengst, nicht wahr, Herr Malnow?"

Das Pferd trabte jetzt schweißgebadet an ihm vorbei und verschwand in einer Wolke Staubes. Tausend und aber tausend Radeln bohrten fich in sein Gehirn. Er hörte, wie Gradnitz Frau von Recklinhausen zu beruhigen versuchte und die verärgerte Stimme der ältesten Tochter:Du öarrt ihr nicht alles hingehen lassen, Mama! Wohin soll das noch führen! Sie hätte doch wahr- haKig Platz genug gehabt im Wagen. Run ist sie jedenfalls zum Ucbermaß erhitzt, bis sie nach Cglofstein kommt, und mich solls nicht wunder­nehmen, wenn fie nicht schon ein Bad genommen hat, bis wir dort eintreffen.

Malnow hörte nichts weiter mehr. Er ließ den Pferden die Zügel locker, daß sie nur so dah 7 agten. Die Vorwürfe, die er sich machte, waren Legion: Warum bin ich nicht gut zu ihr gewesen? Warum habe ich den Hengst nicht an den Wagen genommen? Dann hätte sie ihn nicht haben können. Sie wollte die Stute, die er ihr gesattelt hatte, nicht reiten, um ihm nicht für eine Gefälligkeit danken zu müssen. Und der Sprung über den Graben war auch nur aus Trotz gegen ihn getan worden.

Wenn er mißglückt wäre? Er mußte ein zweites- mal die Augen schließen. Sie tot vor sich zu feßen, das wäre über seine Kraft gegangen. Und bann ihre Frage, es wäre wohl schade gewesen um den Hengst!

Die Pferde verfielen jetzt in einen langsamen Trab, da es bergauf ging. Burg Eglofstein, ein beliebter Ausflugsort der Umgebung, wuchtete mit verwitterten Mauern vor den Blicken hoch.

Er verspürte, wie das Blut in seinen Adern wieder in normalem Zeitmaße zu rinnen begann. Unter dem breitausladenden Tor stand Suse und schwenkte ein Büschel Birkengrün. Obwohl sie an ihm vorüber sah, als er in vorsichtiger

Geschäftsganges jah fich eine Brauerei veranlaßt, weiterhin hir;;uarbeiten. Verfügbar waren 752 Pe> - fonen, gegenüber 773 des Vormonats und 1364 de» Vorjahres.

Bekleidungsgewerbe.

Der Beschäftigungsgrad hat in der Derichts- zeit keine Steigerung erfahren. Die Schuhindustrie klagt über Auftragsmangel und arbeitet mit ver­minderter Belegschaft kurz Auch in den übrigen Berufen des Bekleidungsgewerbes wird über Arbeitsmangel geklagt. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 438, gegenüber 441 des Vormonats und 449 beS Vorjahres.

Gesundheit»- und Körperpflege.

Die Bade- und Kurverwaltungen haben für die Reinigungsarbeiten in den Badehäusern Putz­frauen angefordert. Im übrigen ist der Beschäs - tigungsstand unverändert geblieben. Wir zählten 120 Arbeitsuchende, gegenüber 133 des Vormonats und 121 des Vorjahres.

Baugewerbe.

Die ungünstige Marktlage des Baugewerbes hat im Berichtszeitraum keine Besserung erfahren. Da diese Berufsgruppe bei den Außenarbeiten ganz von den Witterungseinflüffen abhängig ist und Bauvorhaben zur Zeit noch nicht vorliegen, dürfte mit einer wesentlichen Entlastung des Baumarktes noch nicht zu rechnen fein. Rur in den Kurorten werden z. Z. Reparaturarbeiten durchgeführt. Die Zahl der Arbeitsuchenden be­trug 3478, gegenüber 3349 des Vormonats und 3804 des Vorjahres.

Gast- und Schankwirtschaftsgerverbc.

Die Gastwirtschaftsbstriebe klagen allgemein über schlechten Geschäftsgang. Die Betriebe in den Kurorten halten mit der Anforderung von Arbeitskräften noch zurück, da man abwarten Will, wie fich die Inanspruchnahme der Bäder durch die Kurgäste, sowohl des Inlandes als auch des Auslandes/ in diesem Jahre gestaltet. ES stan­den dem Arbeitsmarkt 211 Arbeitsuchende zur Verfügung, gegenüber 233 des Vormonats und 144 öc£ Vorjahres.

verkehr »gewerbc.

Im Derkehrsgewerbe sind kaum BeschäftigungS- möglichkeiten vorhanden. Die Reichsbahnbehör­den haben Einstellung von Zeitkräften noch nicht vorgenommen. Den Arbeitsmarkt belasteten am Ende der Derichtszeit 718 Personen, gegenüber 681 des Vormonats und 769 des Vorjahres.

Lohnarbeit wechselnder Arl.

Die Marttlage hat sich in der Derichtszeit Wei­terhin verschlechtert. Außer einigen Me­liorationsarbeiten, die von verschiedenen Gemein­den durchgeführt werden, besteht zur Zeit kaum Arbeitsmöglichkeit. Die Zahl der Arbeitsuchen­den betrug 3229, gegenüber 3084 des Vormonats und 2877 des Vorjahres.

Angestelllenberufe.

Der Stellenmarkt für Angestellte hat im Monat Februar keine wesentliche Aenderung erfahren. Als stellensuchend meldeten sich 1143 Personen, gegenüber 1131 des Vormonats und 799 des Vor­jahres.

Berufsberatung.

Für den Berichtsmonat sind 411 Beratungen von 166 Ratsuchenden (103 männlich, 63 Weib­lich) zu verzeichnen. In der Zahl von 246 Wie­derholten Beratungen kommt die Unsicherheit der Derufsverhältnisse und die schwerer gewordene, oft erst nach mehreren Besuchen zu entscheidende Berufswahl zum Ausdruck. Die infolge der Heberfüllung in allen Berufen verständliche. Wenn auch in ihrem Erfolge nicht immer als zweifels­frei empfundene Derufspolitikder Der*

Wendung durch das enge Gemäuer in den Burg­hof bog, hätte er doch im ileberfdjwung der Freude jeden Stein küssen mögen, der ihren Füßen Stütze bot.

Er ist Wirklich ein taktvoller Rkensch", urteilte Frau von Recklinhausen, als Malnow, nachdem die Pferde ausgeschirrt Waren, die Frage an sie richtete, Wann die Herrschaften zurückzufahren Wünschten. Er Wolle sich dann inzwischen die Um­gebung etwas ansehen.

Wollen Sie sich nicht zu uns sehen?" lud sie freundlich ein.Sie stören ganz gewiß nicht."

Er dankte mit einem hilflosen Lächeln, das sie ungemein schmerzlich berührte. Sie würde ihn liebhaben und mit Freude an ihr Herz nehmen, Wenn Lenore ihn ihr als Schwiegersohn brachte. Aber ihr Kind "trug noch schwer an dem erfahrenen Leid und Würde sobald keinem anderen Manne mehr vertrauen können.

Ihr Blick fiel auf Suse, die sich eben über Gradnitz' Achseln lehnte, um irgend etwas, das er erzählte, besser zu hören. Wenn sie sich ihn als Vater ihrer Töchter vorstellte, begann ihr Herz in dumpfer Beklemmung zu pochen. Ob Suse darüber Hinwegkommen Würde? Lenore hatte Wohl nur einen ergeben stummen Blick des Vorwurfes für fie, und Margret Würde es als eine verrückte Schrulle bezeichnen, daß sie, die Dreiundvierzig­jährige, eine zweite Che eingehen Wollte.

Sie hatte gar nicht darauf geachtet, daß Mal­now fich verbeugte und dem Tore zuschritt. Rur Sufes Augen folgten ihm unter yaldverdeckten Lidern. Sie sah, Wie er links einbog und die Anhöhe hinaufging. Das War ihm ähnlich, daß er sich nicht einmal einen Trunk Bier gönnte und nüchtern, wie er gekommen War, Wieder nach Hause fuhr.

Für sechs Uhr hatte Frau von Recklinhausen den Wagen zur Wegfahrt gewünscht. Pünktlich, eine Viertelstunde früher, trat Dieter durch die Tür der Stallung. Er hatte die zwei Stunden, die er oben am Waldrande gelegen hatte, zu nichts anderem benützt, als immer und immer Wieder sein Gehirn anzustrengen; Was tue ich. daß sie es aufgibt Wieder nach Hause zu reiten. Gewiß, sie War auf dem Rücken der Pferde kein Reuling. 3m Sattel nahm sie es mit jedem von dem Gute auf. Aber der Hengst War ein Luder! Ein ganz verschlagenes, heimückisches Biest, das den Sprung über den Graben todsicher auch nur aus irgendeiner Laune heraus getan hatte. Ein zweites Mal tat er ihn todsicher nicht mehr. Lieber brach er sich und der Reiterin den Hals.

Plötzlich griff er sich an die Stirne. Wie dumm, daß ihm das nicht eher eingefallen war. Wenn er den Hengst an den Wagen nahm, mußte sie die Stute reiten.

(Fortsetzung folgt.)