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Ur. 67 Erft« Statt

182. Jahrgang

Samstag. 19. März 1932

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GichemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Hrud umö Verla-: vrihl'fche Univerfttätr-Vuch und Skmörncferci R. Lange in Kietzen. Zchrifllcitung und Seschästsjtelle: Zchulitratze 7.

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Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton vr.H.Tbyriol; für den übrigen Teil Ernst 'Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen.

Siaaisallmnchi.

Der Reichsfinanzminister Dietrich, mit des­sen Politik wir nicht immer einverstanden sein konnten, hat in einer Rede einen Gedanken ausgesprochen, dem man die stärkste Resonanz im verwirrenden Umbruch dieser Zeit wünschen möchte: ..Wehe dem Volke, das dem Aberglauben erliegt, daß cs nur aus die Regierung an komme, und das vergißt, daß nur ein tüchtiges Volk, das selb st mitarbei- t e t und einen Willen hat, vorwärtszukommen, bestehen kann. Es kommt darauf an. daß diese MeinungDer Staat kann alles" niedergerungen wird."

In der Tat wird es vielfach, auch in wirt­schaftlichen Kreisen, über den Oberflächenerschei­nungen der politischen Entwicklung übersehen, daß aus der Tiefe der Massen und der Jugend, von rechts wie von links her. der Aber­glaube an die Pflicht des Staates, alles zu tun , lind die Macht des Staates, alles zu können, in einem gefährlichen sieg» b. "ten Vormarsch ist. Dieser Aberglaube wird einmal gestärkt durch die staatssozia­listischen Handlungen der Regie­rung. Das Gehirn des normalen deutschen Menschen reagiert natürlich so: Ein Staat, der Löhne diktiert. Mieten senkt, Zinshöhen vor­schreibt. Verträge abändert, Danken und Ge­nossenschaften saniert, die Landwirtschaft um­schuldet. der also wichtige Ausschnitte des wirt­schaftlichen und sozialen Lebens bewirtschaftet, kann auch die Totalität des Wirt- fchaftslebens und damit das soziale Schick­sal aller wirtschaftenden und arbeitenden Men­schen verwalten.

Dieser Aberglaube wird ferner, bewußt und unbewußt, gestärkt durcheine Opposition, die in ihrer Kritik an der Regierung und in den politischen Hoffnungen, die sie ihren Anhängern verkauft, vielfach f e h l g r c i f t. Wenn man eine Regierung für alles verantwortlich macht, was an Krise. Rot und Unzufrieden­heit zuhauf liegt, erweckt man natürlich die Vor­stellung, das, eine andere, bessere Regierung das alles mit staatlicher Wacht ändern könnte: wenn man den Anhängern immer wieder ver­spricht: Das alles wird radikal anders, wenn wir an der Regierung sind, züchtet man wie­derum in Millionen Phantasien den Glauben an die Staatsmacht. Wit dieser Entwicklung geht aber Hand in Hand eine fortschreitende Schwä­chung der Selb st Verantwortung und des Lebenswillens des einzelnen.

Der gesunde Individualismus verfällt heute in Deutschland in erschreckendem Maße der Ver­femung und Lähmung, vor allem auch in der jungen Generation. Dabei spielt na­türlich die Aussichts- und Karrierelosigkeit tau­sender junger Menschen eine große Rolle. Ein gesunder junger Mensch, der an sich Selbstver­trauen und Lebenskraft hat und sich regen möchte, der aber keine Aufgaben findet, dem die Umstände es verwehren,ins Leben zu treten, wie man früher sagte, muß notwendig mit seiner mangelnden Lebenserfahrung dem Irr­glauben an die Allmacht des Staates verfallen, der das alles anders machen kann. Hinzu kommt eine bereits übertriebene Züchtung des Gemeinschaftsgefühls, das sehr leicht, wenn die Spannkraft der Ideen nachläßt und der schöpferische Äontrapuntt zwischen Führung und Gemeinschaft zu tönen aufhört, in ein Massen- denken und einen beschränkten, lebensfremden Kollektivismus abrutscht. Immer radi­kaler spalten sich junge Gruvven von den großen Massenbewegungen der Rechten ab. die den totalen Staat predigen, in dem der einzelne nur noch Funktionär und Baustein ist, die von der permanenten Revolution schwär­men. die von einer entschiedenen Grupve, einem Aktivistenorden, mit Hilfe des Staatsapparats und kollektiver Methoden dem einzelnen zum Heile der Gesamtheit aufgezwungen werden soll. Hier fließt eine Auffrischung der hundert Jahre alten Hegellchen Staatsphilosophie Preußens ro- mant:fd) und verwirrend zusammen mit einer na­tionalistischen Kopie der Trohkischenpermanen­ten Revolution''.

Es ist sehr bezeichnend, daß eine durchaus völkisch und nationalistisch empfindende Persön­lichkeit der Rechten wie Hans Grimm, der Verfasser vonVolk ohne Raum", mit steigender Sorge die wachsende Antibürgerlich - keit der Rechten im besonderen und der jungen Generation im allgemeinen ver­folgt. Zum Hofe Grimms, der sich im Weser­land angesiedelt hat. pilgern jeden Sommer hun­derte junger Menschen aus den Bünden, den Jugendbewegungen, den Stoßtrupps der Rechten, und Grimm stellt mit wachsender Besorgnis fest, wie stark der Glaube an öie Staats- allmacht bei diesen jungen Menschen, die oft die besten ihrer Schicht sind, geworden ist, wie sehr das Bekenntnis zur Tüchtigkeit des einzelnen, der Wille zum individuellen Kampf ums Dasein und zur Persönlichkeit im Schwinden ist. Es macht sich hier vielfach eine Stimmung breit, die von vornherein jeden Besitz und Erwerb ver­dächtigt, die aus der Tatsache, daß heute viele Menschen arm geworden sind, den Schluß zieht, daß alle arm sein müssen, die persönliche Tüch­tigkeit, die einen Menschen auch materiell über die anderen erhebt, fast als unsittlich betrachtet. Grimm persönlich, der völkisch fundierter Ra­tionalist ist und ein größeres, kraftvolles Im­perium der Deutschen will, befürchtet von dieser Entwicklung, daß ein zum Siege gekommener ötütionanstmts aus einem in vielen

Die Gevenng-Akiion gegen die AGOAp.

Vorstellungen beim Reichsinnenminister. Göring erläutert die Maßnahmen der NSDAP, am Wahltage.

Berlin, 18. März. (211. Funtspruch.) Wie dieTelegraphen-llnion' erfährt, lind die na­tionalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Gö­ring und Frank II am Freitag beim Reichs- innenminifter Dr. Groener wegen der Ak­tion der Preußenregierung gegen die RSDAP. vorstellig geworden.

Im Anschluß an diese Besprechung machte der Abgeordnete Göring noch einige Äussührungen zu den der Partei zur Last gelegten Dingen. Die Ausgabe eines geheimen Stichwor­tes für die Besetzung des Relais sei eine rein organisatorische Maßnahme gewesen. Es sei nur natürlich, daß für den Wahltag ein ge­heimes Stichwort herausgegeben worden fei. Zu den W a f s e n s u n d e n erklärte er, daß es sich hier um vereinzelte verbotene B e - ©Öffnungen handele. Die in Frage kommen­den Führer würden zur Rechenschaft ge­zogen werden. Psychologisch seien die Dinge je­doch verständlich, wenn man an die llcbcrfäUc und Mordtaten der Gegenseite denke, Rach wie vor gelte aber strenger Parteibefehl, keine Waffen zu führen. Zuwiderhan­delnde würden mit Ausschluß aus der Partei be­straft.

Zu der angeblichenZernierung" Ber­lins erklärte Göring, diese Behauptung sei völ­lig unbewiesen, zum Teil könne es sich hier um allgemeine Besprechungen handeln, was im Falle von gewalttätigen Ak­tionen der Komm uni st eit oder der Eisernen Front zu tun fei, um die Leute der RSDAP. aus den gefährdeten Gebieten heraus- zuziehen. Derartige Herausziehungen hät en aber nichts mit Zernierung zu tun. Auch hier fei die Regierung wiederholt darauf hingewiesen worden, daß ein solches Herausziehen vorbereitet werde. Die RSDAP. erblicke in dem Dorgehen der preu­ßischen Regierung eine Maßnahme, um die Ratio­nalsozialisten mit allen Mitteln und Methoden vor den Preußenwahlen zu unterdrücken. Diesen Versuchen werde die RSDAP. jeden verfassungs­mäßigen Widerstand entgegensetzen.

Eine Erklärung Groeners.

Der Rechsinnenministcr fordert Lcverings Material zur Prüfung ein.

Berlin, 18. Mär;. (IBIB.) Der Reichsinnen- minifter veröffentlicht folgende Erklärung über die Aktion bei der RSDAP.: Es ist zutreffend, daß Herr Röhm einige Tage vor den Wahlen mir als Reichsinnenminiffer hat meloen lassen, daß er beab­sichtige, für den Wahltag öic S A in ihren Unterkunftsräumen geschloffen zu- jammeuzuhalten, um allen Zusammen- stöhen auf der Straße oorzubeugen. Gegen diese Maßnahmen bestanden beim Reichs­ministerium des Innern keine Bedenken, auch deshelb weil dadurch dieverantwortlichkeit der obersten SA-Leitung für alle etwaigen Vorkommnisse klar festgesfellt war. Der ruhige Verlauf des Wahltages hat mei­ner Auffassung recht gegeben.

was die in den letzten Tagen in der Presse ver­breiteten RachrichtenüberMobilmachung der SA und Putschabsichten anbetrifft, so handelt es sich dabei um altbekannte Rach­richten. Soweit es sich um neue Rachrichten handelt, werde ich sie unverzüglich scharf nach­prüfen. Selbstverständlich wird von mir die na­tionalsozialistische Bewegung dauernd sorgfäl-

tigbeob achtet und jede Rachricht aus ihre Rich­tigkeit nachgeprüsl. Ich habe den preußischen Mini st er des Innern gebeten, mir schleunigst das bei den Haussuchungen der letzten Tage gefun­dene Matrial zugänglich zu machen. Rach Prüfung desselben werde ich meine weiteren Entschlüsse fassen.

3u den Haussuchungen bei Geschäftsstellen der RSDAP. schreiben die ..Münchner Reu­est e n Rachrichten': Der preußische Innen­minister S e v e r i n g hat in der Vergangenheit ein solchesTalent zu politischenMiß-

griffen bewiesen, daß man nur mit aller­größtem Mißtrauen diese neueste Sensation aufnehmen kann. Sollte sich Her­ausstellen. daß auch diese Aktion auf fo schwachen Füßen st e h t wie die frühe ren, dann allerdings wäre es Zeit, einer solchen politischen Kurpfuscherei einEnde zu machen Wenn jedoch die schweren Vorwürse gegen die RSDAP. zutreffe n, dann wird wohl auch die nationalsozialistische Parteileitung selbst, die die Legalität ihrer Absichten immer wieder beteuert hat, einen sauberen Tren­nung 3 ft r i d) innerhalb der Partei ziehen müssen.

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Der Oster-Burgfrieden.

Berlin, 19. März. (WTB. Funkspruch.) Line Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des inneren Friedens ver­bietet für die Zeit vom 20. März bis zum 3. April 1932, mittags 12 Ahr, ö f s e n t l ich e politische versammlungensowieallepolitischen Versammlungen und Auszüge unter freiem Himmel. Für die gleiche Zeit ist jede Art der öffentlichen Verbreitung von Plakaten, Flugblättern und Fing- schriftenpolitischenIn haltsverboten. Oesfentliche politische Versammlungen sowie poli­tische Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel, die nach Ablauf der vcrbolsfrisk stattfinden sollen, dürseu vom 1. April ab öffentlich angekündigt werden. Wer den verboten zuwiderhandelt, wird, soweit nicht eine höhere Strafe in Betracht kommt, mit Gefängnis nicht unter drei Monaten und evtl, außerdem auch mit Geldstrafe bestraft.

Die Verordnung ergänzt ferner die Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. Mär; 1931. So wird bestimmt, daß Plakate und Flugblätter politischen Inhalts mindestens 24 Stunden vor ihrer Ver­breitung der zuständigen Polizei­behörde zur Kenntnisnahme vorzu­legen sind. Verstöße gegen diese Anordnung wer­den mit Gefängnis bis zu drei Monaten ober mit Geldstrafe bestraft.

Aufruf derHindenburg-Ausfchüffe Keine Wahlmüdigkeit. Auch int zweiten Wahlgang kommt es auf jede Stimme an.

Berlin. 18. März. (LH.) Die Hauptgeschäfts­stelle der Hindenburgausschüsse teilt mit:

Am Donnerstagnachmittag tagten in Berlin d i e Vertreter der Hindenburgaus­schüsse aus den Ländern und den preußischen Provinzen. Die Vertreter erstatteten Bericht über die Organisation und über die Erfahrungen des ersten Wahlganges.

Am Freitagnachmittag tagte ebenfalls in Ber­lin das Kuratorium der Hindenburgaus­schüsse. Das Kuratorium tritt mit folgender Er­klärung an die Oefsentlichkeit:

Der erste wahlgang hat dem Reichspräsidenten von Hindenburg eine Stimmenzahl gebracht, die die Erwartungen des Kuratoriums vollauf rechtfertigte.

Für diese» Ergebnis kann man den verbänden und einzelnen Persönlichkeiten, die sich in den Dienst unserer Sache gestellt haben, nur auf da» wärmste danken. Aber ihre Aufgabe i st damit noch n i ch t b e e n d e 1. Ls besteht die Gefahr, daß wegen der Größe des Erfolges m a n ch e w ä h l e r g l a n - b e n , ihre Stimme fei nicht mehr nötig während die Gegner zu doppelten Anstren­gungen angetrieben werden. Demgegenüber be- darf es auch von unserer Seite neuerunermüb licher Tätigkeit. Riemand darf am 10. April der Wahl fernbleiben. Riemand darf es unterlaßen, durch Aufklärung neue Stimmen zu gewinnen, denn unser Ziel muß fein, daß der Reichspräsident, der sich sogleich zur Fortsetzung de» Kampfes entfdjloffen hat, i m zweiten Wahlgang noch erheb­lich mehr Stimmen erhält. Ls gilt jetzt, zn zeigen, daß nach der unfeligen Zersplitterung bet ersten Wahl bie überwältige nbe Mehr­heit b e 5 deutschen Volke» f i ch zu dem Reichspräsidenten von Hindenburg bekennt als den über dem P a r t e i st r e i l erhabenen Vertreter Deutschlands nach innen und nach außen. Darum tue jeder feine Michl-"

Graf Westarps Aufruf an das nationale Deutschland MachtvoltesUekenntnis zu Hindenburg dem

Führer im nationalen Bcfreinngskampf.

Berlin, 18. März. (TU.) (straf W e ft a r p der vor etwa drei Wochen einen Aufruf mit über 500 Unterschriften führender Persönlichkeiten a u c- der alten Wählerschaft des (steneralfeld Marschalls von Hindenburg veröffentlichte, überglbl zum zweiten Wahlgang der Oefsentlichkeit folgende Erklärung:

Die Wahl des Generalfcldmarschalls von Hinden­burg zu Deutschlands Staatsoberhaupt ist i m c > ft e n Wahlgang s i ch e r g e st c l l t. Da Adolf Hitler und Thälmann ihre Kandidaturen nicht 311 rückgezogen haben, muß am 10.April noch ein­mal um den endgültigen Sieg gerun gen werden. Aber es genügt nicht, wenn bie Wahl nur formell bestätigt wirb.

Jetzt heißt es, D e u t f ch l a n d s S t e l l u n g im außenpolitischen Entscheidungskampf zu stärken. Alle nationalen Frauen unb Männer müssen burch ihre Stimme bekunden, daß das deutsche Volk geschlossen hinter sei n e m Präsidenten a l s dem Führer i in

starken Persönlichkeiten verankerten Herren- bewuhtsein in einPariabewußtseinum- kippt und bann nicht mehr die Härte der Ge­sinnung und die tüchtigen Einzelpersönlichkeiten aufbringt, um das deutsche Imperium zu organi­sieren.

Auch wenn man nicht die Entwicklung der be­sonderen Perspektive Grimms sieht, muß man ihre Gefahren erkennen und bekämpfen. Je ent­schiedener man dem Aberglauben an die All­macht des Staates entgegentritt, um so besser. 2e stärker man sich in einer Zeit, die Gemein­schaft von unten herauf und Planung von oben her überbetont, diesem neuen Kollektivismus ciil* gegenstemmt und darauf hinweist, daß Volk und Staat es auch stets der Leistung vieler starker und tüchtiger Einzelner verdankten, daß sie gesund und tüchtig waren, um so besser! Es ist bezeichnend, wie man im jungen revolutionären Frankreich zwar der Demokratie und dem abstrakten citoyen absagt, aber auch die über­schwengliche Gemeinschaftsmystik a b- l^hnt. der Macht der Gesellschaft und des Staates mißtraut, beiden nur eine begrenzte Sphäre zur Betätigung anweist und darüber hinaus die Persönlichkeit auf den Schild hebt, während bei uns, im Goethejahr, im Jahr des Dichters, der als größtes Glück der Erden- tinber die Persönlichkeit pries, die politische und geistige Entwicklung mit Meilenschritten auf Kol­lektivismus. unpersönlichen Staat und weitere Entwurzelung auch eines gesunden Individua­lismus zusteuert.

Der Privatinitiative freie Bahn!

Grundsätzliche Forderungen des Reichs- vervandes der Deutschen Industrie.

Berlin, 18. März. (WTB.) Unter dem Vorsitz Dr. Krupp v. Bohlen und Halbachs beschäftigte sich das Präsidium des Reichsver­bandes der Deutschen Industrie mit den wirt­schaftspolitischen Erfordernissen, die sich aus der gegenwärtigen Lage ergeben.

Das Präsidium vertrat den Standpunkt, daß daß es in erster Linie darauf ankomme, die Vertrauenskrise zu beseitigen, die jede Tlnternehmungstätigkcit lähme. Cs müsse von der Regierung gefordert werden, daß sie alles daran setze, die Hemmungen zu besei­tigen, die einer freien Entwickelung der Privatinitiative im Wege stehen. Es müßten unbedingt die Grundlagen dafür geschaffen werden, daß die Betriebe wie­der rentabel wirtschaften können, da anders die private Initiative nicht geweckt wer­den könne. Im Rahmen der Wiederherstellung freier Entwicklungsmöglichkeiten müsse vor allem auch auf dem Gebiet der Arbeitsbedin­gungen ein Zustand geschaffen werden, der freie Dereinbarungenüber Arbeits- lo hn und Arbeitszeit ermögliche.

Auf dem Gebiet der Finanzpolitik sei es notwendig, endlich zu einer einhei tlichen Finanzordnung, insbesondere auch für bic Kommunen, zu gelangen. Ebenso dringlich sei bie Amfchuldnng der Ge­

meinden, sowie eine durchgreifende Reform der Arbeitslosenversicherung und der Arbeitslosenfürsorge mit dem Ziel einer Verein­heitlichung undAusgabenersparnis. Alle künstlichen, mit Milliardensummen rechnenden Arbeitsbeschaffungspro- g r a m m e seien abzulehnen. Für eine zu­sätzliche Arbeitsbeschaffung komme allein der or­ganisch gewachsene, aber bisher zurück­gestaute Bedarf in Frage, wenn dafür einwand­freie und brauchbare Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden könnten.

Das Präsidium drückte seine Verwunderung darüber aus, daß England sich über gewisse, bie Einfuhr englischer Waren hem mende Waßna h,m en beschwert fühle, nachdem es selbst besonders durch seine Rot­zölle die Einfuhr einer großen Anzahl typischer deutscher Exportartikel zu 100 Prozent ver­hindert und damit die deutsche Wirt­schaft stark geschädigt habe. Das Präsi­dium stellte fest, daß durch die englischen Schutz" zolle die Grundlage des deutsch-englischen Han- delsvertrages einseitig zu ungunsten Deutschlands verschoben worden sei und daß bie neuen englischen Zölle gegen bie Be­stimmungen des Protokolls zum deutsch-englischen Handelsvertrag verstoßen, bie vorsehen, baß jeder der beiden vertragschließenden Staaten bei der Abänderung seines Zolltarifes und bei der Fest setzung künftiger Zollsätze auf die Interessen des anderen Partners gebührend Rücksicht zu nehmen habe.