Nr. M Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Freitag, 19. Februar (952
Das Zuaendherberaswerk in Oberheffen
Die Ortsgruppe Gieren des ReichSoerbandeS für Deutsche Iugertdherbergen (DJH.) hielt dieser Tage ihre diesjährige. Hauptversammlung unter der Leitung des Dori inenden. Studienrat Dr. Flörke. ab. Die Geschäft-) ührcrin. Lehrerin Ä. Hoh, erstattete den DeschästSbertcht des vergangenen Jahres, aus dem nachstehende- entnommen sei. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1931 insgesamt 328 (1930 : 301). Daneben wurden 471 Dleibenausweilc (1930 . 381) und 139 Führeraus- Weise (1930 124), ausgestellt. Die Gießener Jugendherberge zählte 3057 ilcbcrnadjtun- gen (1930 : 2358. 1929 : 2058). Die Schuljugend wurde durch Schulvorträge (2L Steglich, Burgwart der Jugendburg Freu-burg) für da- Wandern begeistert. Die Gießener Bürgerschaft spendete sreundlichft bei der Haus- und Straßenfamm- lung für den Au-bau und die Erhaltung der Jugendherbergen. Dem Kassenbericht war zu entnehmen, bah die Einnahmen 7196.94 Mk., die Ausgaben 5662,45 Mk. betrugen. Aul Grund der Rechnungsprüfung durch Prokurist Georg und Frl. S t a h 1 h a ck e wurde dem Rechner, Sparkassenobersekretär A. Wolf, Entlastung erteilt. An Stelle de- ausscheidenden Vorstandsmitgliedes v. H a h n wurde H. Szczechin den engeren Dorstand gewählt.
Der Dorsihende erstattete sodann Bericht über den Stand der Jugendherbergen in Oberhessen. Endlich ist es gelungen, in Friedberg bessere Derhältnisse zu schassen. Die Aeichsvermögensverwaltung hat in der freigewordenen Schupokaserne geeignete Räume zur Einrichtung einer Jugendherberge zur 'Verfügung gestellt. Leider ist es nicht möglich, die Herberge mit neuem Gerat zu versehen. Diese- must der alten Jugendherberge, sowie der eingegangenen in Salzhausen. entnommen werden. Erfreulicherweise hat sich die Gemeinde Laubach zur Erweiterung der dortigen Jugendherberge bereit erklärt. Die Errichtung eines Rebengebäudes zu der Herberge aus dem HoherodSkops war zum Unterbringen der Rodeln, Schnee chuhe sowie bessere Abortanlagen notwendig. Im allgemeinen ist zu sagen. daß die oberhessischen Herbergen den an sie gestellten Anforderungen vollauf genügen.
Zum Schluß gedachte der Dorsihende de- verstorbenen, treuen Herbergsvater- St örmer (Laubach) und der vor wenigen Tagen dahingeschiedenen, fürsorglichen Herberg-mutter der Gießener Jugendherberge, Frau Mandler.
Tagung der mittleren Post- und Telegraphen-Beamten.
Der Reichsbund der mittleren Post- und Tele- graphen-Beamten, Bezirlsgruppe Darmstadt (Sih Gießen), hielt in Diesten - wie man uns berichtet — seine Jahreshauptversammlung unter Leitung de- Postsekretärs Schmieder -Diesten ab Die Tagung erfreute sich eine- regen Besuchs Der Gauleiter, Postsekretär Oechsler- Karlsruhe, referierte, nachdem man zunächst Or- ganifationefragen behandelt hatte, über bai Thema „Personal- und StandeSfragen der mittleren Beamten der Deutschen Reich-post". Gr ft reifte in feinen Ausführungen die Rotverordnungen und ihre Auswirkungen auf die Beamtenschaft und darüber hinaus auf alle Arbeitnehmerschichten, beleuchtete die Folgen der scharf ein- fchneidenden Maßnahmen, insbesondere auf hem Gebiete der Besoldung-Politik und trat jum Schluffe für die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der mittleren Beamten aller Verwaltungen ein.
Die Einmütigkeit der Derfammlung fand ihren Ausdruck in folgender
Entschließung.
.Die in Diesten versammelten Dertreter der Bezirk-gruppe Darmstadt (Sih Diesten) des
Gin Schulpferd geht in dieSchule.
Don Paul Copper.
Mein Freund Henry 3. Lijsen hat Pferdeverstand und ein Herz für Pferde. Ich glaube, er träumt de- Rachts von nichts anderem, obwohl er alle Tiere liebt. „Aber Pferd ist Pferd, ist das Schönste auf der Welt", tagt er.
Run, im letzten Sommer flüsterte er manchmal geheimnisvolle Andeutungen, und vor wenigen Tagen lud er mich dringend zu fich ein. „Sie werden staunen!"
Ich habe gestaunt. Lijfen beobachtete feit langem irgendeine holländische Pserdeiarm, und jetzt yat er sich ein Rost dort getauft, einen Rappen. Vater: Derberhengst. Mutter: Oldenburger Stute, also eine nicht alltägliche Zusammenstellung. Aber dem Apollo tat die Dlutvermischung gut. das Temperament des Dollblutvaters, die Bodenständigkeit der schweren Mutter sind zu gleichen Teilen in ihm.
Außerdem ist dieser Apoll ein Glückskind unter den Pserden. Dreieinhalb Jahre lang, von der Minute seiner Geburt an, hauste et auf den Koppeln der holländischen Farm, blieb Sommer und Winter. Tag und Rächt in der frischen Luft: kein Wunder, daß der Rappe Lungen hat wie au- Stahl gegossen.
Aber einmal wird jede- Wesen aus dem Paradies weggeholt. Auch Pferde können heutzutage nicht ihr ganzes Leben verträumen. Apollo kam zu Henry Lijsen. steht jetzt in einem großen Stall, wo viele Pferde find. Und fünfmal in der Woche geht Apollo abends in die Schule, denn mein Freund will den Rappen „fertig“ machen, auf feine Weise zu einem Schulpferd erziehen.
Weil ich ein Skeptiker bin. stets darauf bedacht, die Tierintereffen wahrzunehmen, hat ßiifcn mich zu den ersten Schulstunden eingeladen. Ich soll durch eigene Anschauung sagen, ob ein Gaul geplagt werden muß. wenn er etwas lernt.
Lieber Henry! Ich bestätige Dir dankbaren Herzens, daß Du nicht eine Sekunde Dein Pferd gequält hast.'
Natürlich bleibt es ein Kampf zwischen Mensch und Tier, ein Kampf um die Anerkennung des Härteren Willens Aber dazu find weder Geißelhiebe nötig, noch Kandarengezerr. keine graul’am: Festung, lein brutales Anschreien, keine Uebermach? von fünf oder sechs rohen Bereitern, sondern immer wieder und recht oft ein Stück Zucker, geduldig leises, unermüdliches Zureden. Lod zur rechten Zeit und deutlicher Tadel. ..Das P^erd muß erst einmal begreifen, daß der Mei'ch e.was von ihm will. Erst dann kann der Me' fch ihm erklären, w a s er will." Zu beidem gehört Zeit, und wehe dem Dresseur, der in
Reichsbundes der mittl. Post- und Telegraphenbeamten verkennen nicht die ungemein schwierige Lage, die die Regierung im Lause des vergangenen Jahre- gezwungen hat, in die wirtschaftlichen Belange auch aller Beamten mehrfach stärkste Eingriffe vorzunehmen. Die D rtreter find fich jedoch gleichfalls darüber einig, dah die berufenen Stellen da- früher an einzelnen Besoldungsgruppen, insbesondere an den Assistenten, in bezug auf deren Besoldung begangene Unrecht auch oi- heute nod) nicht wieder gut gemacht haben. Unser Bestreben wird denn auch im neuen Jahre mit allem Rachdruck dahin geben, endlich hier grundlegenden Wandel zu schaffen. Die starken Be- soldungskürzungen haben e ne we terc ernt' indliche Schrumpfung der ohnehin schon äußerst beschnittenen Kaufkraft der unteren und mittleren Beamten zur Folge gehabt, der au-reichende Preis- fentungen auf dem Gebiete der Lebenshaltung immer noch nicht entgcgengeftcllt werden konnten.
IHc Dertreterversammlung wird, soweit sie in der Lage ist. mit allem Rachoruä darauf einzuwirken versuchen, dah unseren berechtigten Wünfchen auch in d.eler Richtung endlich in au-reichendem Mähe Rechnung getragen wird. Für die in zahlreichen Anträgen aus der Mitte der Derfammlung vertretenen berechtigten Wunsche hinsichtlich Of cn- baltung fett gelegter Dienststellen. rechtzeitige ilcberfübrung in nächstd. Here Besoldungsgruppen, gerechte Bewertung der Dienstposten für alle mittleren Beamten u. v. a. m . setzt sich die Be- zirksgruppe mit aller Entschiedenheit ein An den Bundesvorstand richten wir die dr.ngende Bitte, bei einer etwa kommenden Besoldunqs-Reuord. nung darüber zu wachem daß die Belange der mittleren Beamten wirksam vertreten werden, insbesondere. dah da- im Jahre 1927 an den Assistenten begangene Unrecht wieder gut gemacht wird."
diesen allerersten Anfängen nervös wird, sein Tier anschreit oder prügelt. Er wird die Scheu nie mehr au- dem Gaul wegbringen.
Während der ersten vier Stunden lernte Apollo nicht mehr als „gehen". Ja! Der Rappe hat einfaches Zaumzeug auf und einen winzig kleinen Sattel. Am Zaum ist die Longe befestigt, ein dünne-, etwa zehn Meter langes Seil, dessen Ende der inmitten der Reitbahn stehende Dresseur festhält Apollo bewegt sich nun im Kreis, ganz gemächlich, manchmal etwas schneller, wenn er gerade Lust hat. Ist sein Schritt gleichmäßig, schnalzt Herr Lijsen zustimmend, und wenn Apoll gar zu lange stehen bleibt, muntert ihn ein Zuruf wieder auf. Geht es ein bis zwei Runden gut, bekommt der Rappe ein Stück Zucker, und schon in der dritten Runde blinzelt das Pferd von Zeit zu Zeit nach der Reitbahnmitte, ob dsnv auf der Menschenhand nicht wieder einmal ein Stück Zucker liege. Der erste Erfolg ist da: der Schüler achtet auf feinen Meister.
Natürlich ist es dem Rappen zuweilen zu dumm, immer im Kreise zu laufen. Er möchte ausbrechen, kreuz und quer durch den Sand laufen, und Lijsen läßt ihm zunächst auch seinen Willen. Steht das Pferd schließlich still, lockt der Lehrer, lockt noch einmal, wenn der Rappe die Ohren spitzt. Zögernd kommt Apollo näher, allzu gut schmeckt der Zucker, aber dann muß man eben wieder im Kreis laufen. Die ersten Male ging Henry Lijfen dem Tier entgegen und führte es an feinen Platz: jetzt kommt es schon von selber zurück, sobald es sich ausgetobt hat: das ist der zweite Erfolg der Dressur.
Aber dieses Ausreißen darf natürlich nicht beibehalten werden. Deswegen kommt in der vierten Runde ein schlanker Bauernsohn und schwingt sich auf Apollos Rücken. Der ist unangenehm berührt: aber allzu viel wiegt der Reiter nicht, und Henry Listen steht ja auf feinem alten Platz, spricht die wohlbekannten beruh genden Summ- und Schnalzlaute, und Zucker bekommt man dreimal hintereinander. Also warum soll ein P'erd bann nicht auch mit einem Reiter im Kreise gehen?
Unmerklich fast lernt das Tier auf Kommando Schritt geben, traben, abstopven. eine Acht im Sand um'chreiten: unmerklich deswegen, weil der Reiter trotz feines Fliegengewichtes Apollo durch Schenkeldruck und Fersen lenkt und Lijsen mit Wort. Lockung. Zucker Lob und Tadel lehrt, was richtig ist. was falsch, zu welcher Zeit diese-, zu welcher Zeit jenes gemacht werden muh.
Riemals wird eine Hebung zeitlich übersteigert. niemals die Peitsche zum Schlagen, stets nur zum ..Touchieren" benutzt, und Lijfen bricht die „Stunde" sofort ab, wenn das Pferd Er-
SJt.-'fpont
Hallen-Handball-Turnier in der Volkshalle.
Am Samstagabend findet in der Gießener DolkShallc eine sportliche Veranstaltung statt, die das Interesse weiter Kreise finden dürfte. Ist es doch daS erstemal, daß jn Gießen ein Hallen-Handball-Turnier ausgetragen wird. An dem Wettkampf, der fich in dieser Form in Frankfurt schon ein großes Publikum geschaffen hat, beteiligen sich insgesamt zwölf Mannschaften der näheren und weiteren Umgebung von Gießen. Veranstalter ist der Polizeifportverein Butzbach Die Auslosung der Begegnungen hat bereits stattgefunden und eS werden folgende Mannschaften aufeinandertreffen:
T. u. Spv. Butzbach — DfL. Wetzlar, Tv. Wetzlar — Universität Dießen, Spvg. 1900 — Tv. Großen-Buseck, Polizeispv. Butzbach — Tv. 1846 Gießen, Tv. Heuchelheim — Tv. Pohl-Göns, Mtv. Gießen — Bataillonsmannschaft.
Die Spiele werden in der hier vorliegenden Reihenfolge ausgetragen. Die Mannschaften find jedoch in zwei Gruppen geteilt. In Gruppel spielen Wetzlar — Universität. Polizei Butzbach — Tv. 1846 Gießen und Mtv. Gießen gegen Bataillon. In GruppeII finden wir Tv. Butzbach — VfL- Wetzlar, Spvg. 1900 — Tv. Großen- Buseck und Tv. Heuchelheim — Tv. Pohl-Göns.
Die Mannschaften spielen je zweimal 7' , Minuten. Da die Spiele nach dem Pokalsystem ausgetragen werden, scheidet der Verlierer jeweils sofort aus. Mit der Austragung der Spiele in Zwischen- und Endrunden werden dann die Sieger der beiden Gruppen fcftgeftellt.
Es steht zu erwarten, daß bei diesem Hallen- Handball-Turnier guter Sport geboten wird, sofern sich die Mannschaften an die immerhin wesentlich anderen Platzverhältnisse der Halle (gegenüber dem Spiel im Freien) gewöhnen können. Die Paarungen der einzelnen Mannschaften lassen außerdem erwarten, daß sich spannende Kämpse entwickeln, lieber den Au-gang der Kämpfe läßt fich vorher kaum etwas sagen. Die Vereine hatten Gelegenheit, aus ihren Mannschaften die besten Spieler herauszuziehen, da die Spiele in der Halle nur von sieben Mann bestritten werden können, deren einer als Torhüter, zwei als Verteidiger, einer als Verbindungsmann zwischen Verteidigung und Sturm und die übrigen drei als Stürmer fungieren. Leider muß man in der Reihe der Mannschaften die Handballer des VfB. vermissen, die in letzter Zeit gegen ihre bisherigen Gegner
sehr gut abgeschnitten haben. Wie wir hören, ist das Fehlen der Grün-Weißen daraus ^urückzu. führen, daß die Meldung-srist abgeschlossen war, bevor der VfB. seine Handballmannschast ins Leben gerufen hatte Eine Rachmeldung ließ sich nicht mehr ermöglichen.
Um da- Programm des Abends zu bereichern, hat der Veranstalter auch noch zwei Fauftball- mannschaften und zwar die Mannschaften des Postsportvereins Frankfurt a. OK. und de- Turnvereins 1 846 Gießen verpflichtet Auch hier wird bei der bekannten Leistungsfähigkeit der beiden Vereine ein fpannender Kampf zu erwarten fein. Zur weiteren Unterhaltung werden außerdem Darbietungen imRollfchuh- k un st laufen (Gießener Eisverein) beitragen. Die Reichswehrkapelle hat ihre Mitwirkung zu- gefagt. (Siehe auch heutige Anzeige.) Schwimmwettkampf der Universitäten
in Marburg.
Am Sonntag fanden in Marburg im Luisabad Schwimmwettkämpfe der Universitäten Marburg, FrankfurtundGießen statt. Dor einer zahlreichen Zufchauermenge wurde hart um den Sieg gekämpft. Mit Bruchteilen von Sekunden wurde häufig der Kampf entschieden. Dießen war dabei immer der Leidtragende. Während Marburg sich durch feine Freistilfchwimmer auszeichnete. halte Gießen feine Stärke im Brustund Rückenschwimmen sowie in den Damenstas- seln. DiS zur letzten Staffel blieb der Komps unentschieden. Marburg sührte mit 23 Punkten vor Dießen mit 22 Punkten und Frankfurt mit 21 Punkten Die 5 x 50-Meter-Freistilstaffel wurde dann ebenfalls von Marburg vor Gießen gewonnen. so daß es feinen Vorsprung etwas vergrößern konnte. Die anschließenden Wasserball- spiele. die nickt mehr für den Hochschulmehrkampf gewertet wurden, sahen die eingespielten Marburger und Frankfurter Mannschaften über die untrainierten Gießener erfolgreich Der Wanderpreis des Studentischen Ausschusses für Leibesübungen der Universität Marburg blieb für dieses Semester in Marburg. Der Schwimmweltkampf wird jetzt in jedem Semester durchgesührt werden und wurde für den kommenden Sommer Gießen übertragen.
Die Ergebnisse.
3xlOO-Meter-Lagen staffel: 1. Marburg 4:08.2; 2. Gießen 4:09,1 (Schaum, Baumann, Meyer): 3. Frankfurt 4:11.
3x50-Meter-Lagen staffel f ü r Stube n t i n n c n : 1. Gießen 2:30 (Heid, Leonhard, Lenhard): 2. Frankfurt 2:35,7: 3. Marburg 2:53,4.
müöung zeigt. Ich wollte, man wäre mit dem Schüler P. E. feinerzeit nur halb fo rücksichtsvoll umgegangen.
Rach zehn Unterrichtsstunden war Apoll schon nicht mehr „roh", wie die zünftigen Reiter sagen. Er konnte changieren, in Bolten gehen, vorwärts und zurück, stand unbeweglich, unter dem Reiter und allein, bis Lijfen ein neue- Kommando gab Daß keine Quälerei dabei war. ist mir dadurch bewiesen, daß — sobald dem Pferd daS Zaumzeug abgenommen wird — es wie ein Hund dem Freunde Henry folgt auf Schritt und Tritt.
Auch die Pilaren, die jetzt an die Reihe kommen, find keine Marterinstrumente, wenn fie mit Maß und Ziel angetoenbet werden. Apollo ist. wie jedes ungeschulte Pferd, schwach auf der Hinterhand. Denn in den Koppeln braucht kein Pferd besondere Kraft gerade in diesen Gliedmaßen. Für das Schulpferd ist das jedoch dringend notwendig, nur wenn alle vier Deine gleichmäßig kräftig find, kommt die Anmut der Gangarten zur Entfaltung.
Deshalb also die Ucbung an den Pilaren. zwei Pfosten, die fo beisammen stehen, daß das Pferd bequem, ohne beengende Angst, mit Brust und Dorderfüßen dazwischen stehen kann. Der Kopf wird vom Zaumzeug her an den Pilaren feftgemachl. und das Tier ist nun unfähig, sich vorn irgendwie zu bewegen. Aber die hinteren Beine, die Kruppe, haben jede Freiheit nach links und rechts, und weil Stillstehen langweilig ist. setzt Apoll einmal den linken Hinter'uß noch mehr nach links, zieht den rechten nach und umgekehrt. Lijfen unterstützt durch Reiz und Kitzel diele Seitwärtsbewegungen der Hinterhand, steigert sie und macht fie bewußt. Da- ist alles, und so geht auch diese Lehre ohne Qual in des Rappen Begriffsvermögen ein.
Am Schluß der Unterrichtsstunde wird Apollo „nackt ‘ gemacht, ganz ohne Riemenzeug, wie er auf der Weide war. Dann tobt er. teilt, bockt, feuert Sand nach Herzenslust. Aber zuweilen kommt' er auch' unS Menschen nachgelaufen, und so habe ich am Ab'chiedstag. während Ci Ten sich umzog, lange Zeit die weiche warme Pferde- nafe in meinen Händen gehalten, habe den Atem gespürt, ein liebevolles Anschmiegen des Tierkopfes wahrgenommen und Apollo zärtliche Worte zugellüstert. Ich strich ihm die Mähne glatt, klopfte das Halssell und kraute ihn überall Als ich fort ging, notwendigerweise fort geben mußte, hat mir der Rappe nachgewiehert, weit über den Rennplatz hinweg.
100 - Meter - Freistilschwimmen: 1. Marburg 1:12,4; 2 Frankfurt 1:18,4; 3. Gießen 1:18.8 ('Sieben.
3 100-Meter-Druststafsel: 1. Marburg 4:27.4; 2 Frankfurt 4.29.9. 3. Dießen 4:30.2 (Zimmer. Baumann. Rvthmann).
1 00 - M c l e r - R ü ck c n s ch w i m m e n : 1. Gießen 1:29.2 Schaum); 2 Frankfurt 1:40,8; 3. Marburg 1 46.6.
10 0 - Meter - Brustschwim men: 1. Marburg 1:27,8; 2. Dießen 1.34.4 (Baumann); 3. Frankfurt 1.36.5.
3 50-Meter-Brust staffel für Studentinnen: 1. Frankfurt 2:27,6; 2 Gießen 227.7 «Heid. Leonhard, Storck). 3. Marburg 226.3 (distanziert).
5 50 -Met er. Fr ei st i Ist af f el : 1 Marburg 2:39,4; 2. Gießen 2:47.8 «Hechler. Zimmer, Jüngst, Meyer, Schaum'; 3. Frankfurt 2 48.7.
Wasserball-Blitzturnier Marburg: Gießen 5:0 (2:0); Marburg Frankfurt 2.1 (0.0); Frankfurt Gießen 3 1 (2:0).
Hochschulwettkantpf IGesamt-Ergebnis): 1. Marburg 29 Punkte, 2. Dießen 26 Punkte. 3. Frankfurt 23 Punkte
Handball öer Universität Gießen.
U. Gießen — Iß. Stuttgart 5:2.
Wieder mußte die Handballmannschaft der Universität Gießen nach Heidelberg fahren, um auf neutralem Platze gegen TH. Stuttgart anzutreten. Durch plötzliche Erlra>ikung zweier Spieler mußte Dießen das Spiel mit 10 Mann bestreiten Der schneebedeckte Platz ließ nur schwer ein flüssige» Spiel auskommen. Durch großen Eifer konnten die Gießener das Spiel aber doch für sich entfcheiden. Bis Halbzeit führten fie 2:1. Rach dem Seiten- wech'el trat eine kurze Drangperiode der Stuttgarter ein, die Dießen jedoch dank der guten Leistungen feiner Hintermannschaft glücklich überstehen konnte. Der Sturm legte dann noch einige Tore vor. durch die der Sieg sichergeftellt wurde.
Univerli ät Gießen hat sich durch dielen Erfolg die 'Teilnahmeberechtigung an dein Endspiel um die Meisterschast de» Südwestdeutschen Hochschul- kreise- erworben. Der Gegner wird entweder TH. Darmstadt oder Universität Frankfurt fein.
Handball.im Gau Hessen (VT.)
Tv. Heuchelheim I. — Tv. Pohlgöns I 12:6.
Das am Sonntag in Heuchelheim autigetra- gene Spiel gegen die als fpielstark bekannte erste Mannschaft des Tv. PohlgönS wurde von den Einheimischen sicher gewonnen. Der Sieg fiel zwar etwas hoch anS. der Torunterfchied wäre aber noch größer geworden, wenn der Gästetormann besonders in der ersten Halbzeit nicht immer wieder die sichersten Sachen gehalten hätte. Die Plahbesitzer waren dauernd überlegen und zeigten im Sturm viel Durchschlagskraft.
Bei dem Spiel Heuchelheim Jugend gegen Pohlgöns II zeigten sich die Einheimischen ebenfalls alS die Belferen und siegten mit 3:1.
Lützellinden I — Jlauborn I 7:1.
Rach anfänglichem gegenseitigen Tasten der Schwächen des Gegner- entwickelte sich bald ein außerordentlich flottes Spiel. Angriffe wechselten auf beiden Seiten, bald aber gingen die Ein-- heimischen mehr au- sich heraus und steigerten da« Tempo. In einem Alleingang de- Halbrechten erwuchs den Gästen die erste Gefahr, da- erste Tor fiel, der Halbrechte war aber dann noch in kurzen Abständen mit zwei Torschüssen erfolgreich. Bei Halbzeit stand trotz aller Aufopferung des Tormanns der Raubomer da« Treffen bereit- mit 5:0 für Lützellinden. Rach der Pause wurde das Spiel wesentlich härter, die Gäste erzielten da« Ehrentor, während die Gastgeber noch zwei weitere Tove erzielten.
Die zweiten Mannschaften der beiden Vereine lieferten fich ebenfalls einen harten Kampf, den
Englische Hausmusik
im Zeitalter Shakespeares.
Das Musikwissenschaftliche Seminar und das Collegium musicum vocale der Landesuniversität demonstrierten gestern im Großen Hörsaal der Uni cerfität englische Vokal, und Instrumentalmusik aus der Zeit um 1600. Einleitend wies Prioatdozent Dr. Rudolf Gerber darauf hin, daß der Abend die Ansicht entkräften solle, die man bei uns von den angeblich in der Musik unproduktiven Engländern im allgemeinen hat. Ein kurzer Ucberblirf über die musikgeschichtliche Bedeutung Englands zeigte, daß dieses Land eine vom 14. bis zum 17. Jahrhundert ununterbrochen sich fortsetzende Musikkultur aufzuweifen i>at, deren erster Gipfelpunkt sich zu Be ginn des 15. Jahrhunderts in der Persönlichkeit John Dunstables verkörpert. Ein zweiter Höhepunkt, der jedoch gegen diesen ersten bereits ein Nachlassen in der selbständigen Produktivität zeigt, fällt in das 16. Jahrhundert. Hier macht sich bereits (Madrigal) italienischer Einfluß (Marenzio und Monteverdi) geltend. Rur aus dem Gebiet der Klaviermusik gelingt eine Neuschöpfung: die Virginal-Musik, die in der englischen Gesellschaft stark verbreitet ist. Die Musik Englands in den letzten drei Jahrhunderten ist unphilosophisch, sie sucht keine tiefen Probleme, fie „dient dem Engländer", wahrend der Deutsche „der Musik dient".
Die Vortragsfolge gab einen Querschnitt durch die englische Musik der Shakespeare-Zeit. Zu Anfang zwei Pavanen für vier Violen und Baß, die hoch stilisiert find und nichts Tanzmäßiges an sich haben, bann vier- und fünffttmmige (Ttore von eminenter Ausdruckskraft, die j. T. italienischen (Monteverdi) Einfluß verraten: „what i$ our life?" und „Fusca“, während die drei Airs von Dowland für eine Sing stimme und Laute intimeren Charakter haben. Schließlich noch zwei Stücke für das Dirginal, von denen das eine, „The Bells", im Charakter einer Chaconne ein Glockengeläute nachzuahmen sucht und das andere, „Nancy", einen Dariationen-Zyklus darstellt.
Frau Elfe Gerber gab diesen beiden überaus veryerungsreichen Stücken mit sicherer Technik le- bcndigc Gestalt. Die drei Sololieber fang Frau Elsbeth Mueller-Le utert (Ast) sehr schön, von Herrn Herbert Christian auf der Laut« geschickt begleitet, und der Chor oes Collegium musicum vocale fang unter Prioatdozent Dr. Gerbers zielbewußter Leitung frisch und eraft. „What is our life* von Gibbons dürfte wohl den nachhal- tigften Eindruck hinterlassen haben
Der starke Besuch und der herzliche Beifall deuten wohl den Wunsch an, in kommenden Semestern wieder derartige Abende zu veranstalten. —r.


