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Aus Oer Provmzialhauptüadt.
(Sieben, den 19. Februar 1932.
Därmeschuh im Winter.
Don Dr. mcb. Curt «ayser.
öine der häufigsten Gelegerzheitsursachen für die winterlich« Erkältung bilden überheize Räume: denn nur zu oft wird durch daS Oeffncn eine- Fenster«, ober beim Hinaustreten ins kalte Treppenhaus, oder auf die Straste der Entstehung einer Erkaltung Dorschub geleistet.
Bielsach herrscht, besonders in ländlichen Greifen, die Sitte, ähnlich wie beim Dadewasser die Wärme .nach dem Gefühl" zu beurteilen. Einzig mastgebend aber für die richtige Beheizung eine« WohnraumeS ist allein das Thermometer, das daher nirgends fehlen sollte. Natürlich must man wissen, welche Wärme den einzelnen Räumen angemessen ist. Sin Raum, in dem man sich bewegt, must ein« andere Temperatur haben, als ein 'Raum, in denn man bei der Arbeit zu fihen, oder in dem man zu schlafen pflegt. Ein Erwachsener braucht weniger Wärme als ein Kind, ein Gesunder weniger als ein Kranker Für einen Wohnraum sind 17 -18 Grad Eelsius angemessen, in den Schlasräumen gesunder Erwachsener Tollen nicht mehr als 13—14 Grad Eelsius herrschen. Die Wärme In den Arbeitsräumen richtet sich nach der Art der Beschäftigung. Für ein Krankenzimmer sind 17—20 Grad zu fordern. Sehr wesentlich ist es, für die Erwärmung des Fußbodens nu sorgen, der, besonders wenn er über ungeheizten Räumen liegt, trotz an sich warmen Zimmers oft kalt bleibt und so leicht kalte Fühe und damit Erkältungen bringen kann. Hier werden Tebpiche, Fuhmatten oder eine über die Fühe geschlagene Decke leicht Abhilfe schaffen.
Dah geheizte Räume einer ausreichenden Lüftung bedürfen, ist selbstverständlich. Leider wird auch hierin vielfach gesündigt. Häufigeres Lüften, am besten morgens und abends für je 10 Minuten, Ist zweckmäßiger als einmaliges, längeres Lüsten.
Bom gesundheitlichen Standpunkt aus ist daS Schlafen bei offenem Fenster für gesunde Erwachsene auch Im Winter empfehlenswert, natürlich unter der Voraussetzung, dah das Wetter nicht gar zu rauh ist oder starker Frost herrscht
Trauerseier für Direktor Steding.
In der Kapelle des Reuen Friedhofes sand gestern nachmittag die eindrucksvolle Trauer- feier für den jäh auS tatsroher Arbeit abberufenen Leiter der GaS- und Wasserwerke und des VolkSbades. Direktor August S t e d i n g statt. Eine sehr grobe Trauergemeinde — die Kapelle war überfüllt — hatte sich versammelt, um dem Verewigten den legten Trust darzubringen. Der Leiter unserer G.estener Militärkapelle, Obermusikmeister Krauste, der zum Freundeskreis des Heimgegangenen gehört, leitete die Feier mit ergreifendem Eellvspiel ( „Litanei" von Schubert) ein, am Harmonium gut begleitet von dem Organisten K r c n g c I. Pfarrer Bechtols- Heimer würdigte fodann in seiner von schönstem ZreundschaftSaeist getragenen Gedenkrede den vortrefflichen Menschen und ausgezeichneten Beamten Steding. den vorbildlichen, nie ermüdenden Werkleiter, den sozialgeflnnten und gerechten Vorgesetzten, den gotteSsürchtigen Ehri- ftvn, den treudeutschen Mann, den gütigen, gemütvollen und freundlichen Helfer aller Bedrängten, den vorbildlichen Gatten und Familienvater, den Mann der unverbrüchlichen und selbstlosen ZreundeStreue, den warmherzigen und opsersreudigen Förderer alles Edlen, Guten und Schönen, den Anhänger des echten deutschen DolkS- gemeinschaftSgeistcS Rach den Amtshandlungen be^ Geistlich n brachte Ob.'rmu'ikmeister Krauste dem treuverbundenen Freunde den letzten Gruh aus dem Tello dar mit der herrlichen Wiedergabe der Arie ..Last' mich mit Tränen" von Händel, am Harmonium wiederum feinsinnig begleitet von dem Organisten Krengel.
Anstelle des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Oberbürgermeisters sprach Bürgermeister Dr. Hamm dem Entschlafenen unter warmer Würdigung seines Wirken- den Dank und die Anerkennung der Stadtverwaltung und deS Stadt- rate« auS. Einer der Getreuesten, der nahezu 25 Jahre in engster Verbundenheit mit der Stadt auf wichtigem Posten gestanden und der niraend- Stillstand. sondern nur Fortschritt in fernen mustergültigen Betrieben gekannt habe, fei mit Direktor Steding dahin gegangen. Der Redner bezeichnete das LebenSwerk deS Verstorbenen als das Wirken einer edlen Persönlichkeit, beren reine« Menschentum austerordentlich sympathisch war und bei der in geschlossener Einheit Wesen. Dirken. Dollen und höchste« DeranUvortungSbewußtsein als leuchtendes Beispiel eine« pflichttreuen Beamten zu verzeichnen waren. Weiter gedachte der Redner mit Worten aufrichtiger Verehrung 5? harten Persönlichkeit und de« fnftal Laren, «bien Eharakters des Heimgegangenen, ebenso seiner unbedingten Offenheit, die ihn auch als Menschen liebenswert machien. der für immer unver- gefien bleiben wtrd. 2!« nächster Mitarbeiter des ßntfbfa*cncn brachte fodann Betriebsinfpektor OteaenmeHcr die Trauer der Beamten und Angestellten der Gas- und Wasserwerke und des VolkSbades zum Ausdruck, namens der Arbeiterschaft sprach Lchichtführer und Betriebsrat Bruck
Vnd tot fn ihren Beiten Nur ein drei- lahriges Kind lebte noch Die fünf Personen sind durch Kohlenoxyd ga «Vergiftung um« Leben gekommen. Man fand das 21 b Ichl u ß- rohr des eisernen Ofens d e r ft o p f L Tas Unglück ist offenbar bereits in der Nach! zum Dien«, tag geschahen.
Das Strrbejimtner Wallensteins.
3n der alten Äailerburg zu Eger in Böhmen find durch Ausgrabungen die Grundmauern eines neben der Burg stehenden Gebäudes, in dem die Burg vogte wohnten, frei gelegt worden Ein mit öliefen belegter eoal samt Erker zeigt noch die gut erhaltenen Ueberrefte eines Ofens. E» handelt sich um das Gemach, m dem im Februar 1634 die (»Jene» räle Wallenstein, Terzky, Kinski und 3Qo io- mit Rittmeister Neumann von den Anhängern Kaiser Ferdinands 11. niedergemeftelt worden sind.
England schließt ausländische Künstler ans.
Das epnbtfot der dooent Garden Oper bat beschlossen, die diesjährige eommerfpiel- zeit ausfallen zu lasten und dafür im Herbst eine besondere Opernspielzeit unter Verwendung nur englischer ftünftler zu veranstalten Dieser Beschlust wurde angesichts der gegenwärtigen Lage gefaßt die eine Begrenzung der Ausgaben und eine Vermeidung der Ko- f'ltalausfubr erfordert. Die Sommerspielzelt ollte ursprünglich fast nur Dagner-Opern bringen.
herzliche Worte bei Gedenkens. Für den Verein der städtischen Beamten widmete Bauoberinspektor Höhn kern Verewigten einen warmen Rachruf. Sodann sprach ein Vertreter des Mtltelrheini- fchen Gas- und Wassert achmännervere ins. derbes guten Kollegen und vortrefflichen Menschen tn warmen Dorten gedachte. Ramens der Frei- maurerloge .Ludewig zur Treue" in Gicsten gab der Meister vom Stuhl. Regierungsbaurat Steinbach, der tiefen Trauer der Logenbru- ber um den allzu frühen und jähen Heimgang ihres Bruders Steding Ausdruck, wobei er die hervorragenden menschlichen S genscha ten des Entschlafenen dankbar würdigte und ihm als letzten Grust an den Bruder, den Freund und den Men- fchen Ine drei Rosen in die Ewigkeit mitgab <2tdU Dr. Koeppe sprach als Dertreterin der ®iebener Hausfrauenberatung, die an dem Heim- gcaanaenen einen treuen Förderer verloren hat. Schliestlich sprachen noch Gaswerkd r.-ktor E h l e r t (Wetzlar, namens des engeren Kvlle'cnkre fe» des Entschlafenen und Gaswerkdirektor Schnabel- Kühn aus Frankfurt-Höchst als Vertreter der ©eftion VI der Derufsgenossenfchaft der Gas- und Wasserwerke. 3n al en Ansprachen wurde kn« grobe Wertschätzung und Verehrung zum Ausdruck gebracht. die der Heimtegangenc Überall genost. Als äußere deinen des Geben enS wurden vi l Kränze an der Bahre medergelegt.
Oer VolksLrauertag in Gießen.
2m komm enden Sonntag. 12 Uhr, wird in der bleuen Aula der Hnloerfität die vom Volksbund Deutsche Änegsgraberf ü rforge, Ortsgruppe Gie- ben, veranstaltete Gedenkfeier z u Ehren unsererGefallenenln hergebrachter Weise ftattflnben. Die Gedächtnisansprache wird Stu- blenrat Dr. König hallen. Es fei ausdrücklich daraus aufmerksam gemacht, daß die Feier pünktlich um 12 Ühr beginnen wird.
2lus Anordnung des Hessischen Gesamtministerium- sind sämtliche staatlichen und kommunalen Dienstgebäude halbmast zu beflaggen.
Gegen das Abrundungssyftem.
Amtlich wird mitgeteilt: 3n allen Geschäften und in allen Restaurant- ist die Pfennig- r e ch n u n g wieder zu Ehren gekommen. Leider findet sie aber noch nicht überall die erforderliche Beachtung, in-befondere wird in manchen Restaurants und Kaffeehäusern dem Gast die Rechnung noch mit Vorliebe nach dem Dezimalsystem aufgemacht. Deshalb hat am Mittwoch eine Besprechung mit den Spitzenverbänden der Hotel-, Restaurant- und Kaffeehausangeftellten und dem Reichskommissar für Preisüberwachung mit dem Ergebnis stattgefunden, das; die Spihcnverbände ihre Derbandsmitglieder veranlassen sollen, von dem AbrundungSsystem abzusehen und auch einzelne Pfennige wieder herauSzugeben. Vielfach sind an dem Verhalten der Hotel-, Restaurant- und KaffeehauSangestellten weniger die Angestellten selbst, als vielmehr daS Publikum schuld, daS auS einer gewissen Bequemlichkeit heraus die Annahme von Pfennigbeträgen ablehnt. ES arbeitet damit den Bestrebungen zur Beseitigung des Trinkgeldunwesens entgegen.
Oie Stundenzahl in den Kaufmännischen Berufsschulen.
Die Ortsgruppe Gießen im Deutftbnationalen Handlungsgehllfen-Derband beschäftigte sich — wie uns berichtet wird — in ihrer letzten Monatsoer- fammlung mit dem durch die Hess. Regierung beabsichtigten Abbau der Stundenzahl in den Kaufmännischen Berufsschulen. Rach einem Referat des SVrcisgcfdjäftsfübrers Schroeder wurde die nachstehende Entschließung angenommen:
„Die Ortsgruppe Gießen im Deutschnationalen Handlungsgehüfen-Derband nimmt in der stark besuchten Monatsversammluna Kenntnis von den De- sirebungen des Hessischen Innenministeriums, die Stundenzahl der Kaufmännischen Berufsschulen in Hessen abzubauen.
Die praktische Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses leibet heute zu Zeiten der Wirtschafts, krise mehr Not als sonst, sie stellt aber auch all- gemein nur einen Teil der Ausbildung dar. Die theoretiiche Fort- und Ausbildung für den kaufmännischen Nachwuchs durch die Berufsschulen ist um so mehr notwendig, als gut 60 v. H der gegenwärtig in der Ausbildung befindlichen Kaufmannslehrlinge Dolksschulbildung besitzen.
Angesichts der Wichtigkeit der beruflichen Ertüchtigung der Heranwachsenden Kaufmannsgeneration hält die Versammlung die Bestrebungen der zuständigen Stellen auf Herabsetzung der Stundenzahl tn den Berufsschulen für verderb- lich. D»e Versammlung ersucht den Deutschnatto- nalcn Handlungsgehilsen-Dcrband alle nötigen Schritte einzuleiten, um den bisherigen Zustand zu erhalten. Die versammelten KaufmannSge- Hilfen sind der Ansicht, daß es noch andere Mög» lichkeiten des Sparen- in Hessen gibt, die nicht die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und den Nachwuchs eines ganzen Standes schä- bigen.
Es sind bisher schon starke Einsparungen an den Berufsschulen gemacht worden bzw. haben sich solche zwangsläufig ergeben. Durch die AuS- Wirkungen des Geburtenrückganges aus der Kriegszeit ist und wird die Lchülerzahl in den Berufsschulen stark reduziert. Reben dem Gehaltsabbau bei den Lehrkräften ist an den sachlichen Ausgaben stark gespart worden. Die bei der älteren Lehrerschaft bestandene Ermäßigung der Pflichtstundenzahl ist fortgefallen, und durch Zusammenlegung von Klassen ist eine Erhöhung der Schülerzahl in den einzelnen Klassen eingetreten. Diese Maßnahmen sind zum großen Teil auf Kosten der Fortbildung des faufmam h«n Nachwuchses gegangen. Da» finanzielle Ergebnis der Herabsetzung der Stundenzahl würde tn keinem Verhältnis stehen zu dem Schaden, der an der jungen Kaufmannsgeneration durch solche Maßnahmen etntritt“
Wie schützt sich der Angestellte vor Kautionsschwindlern?
Born Zentraloerband der Angestellten wird uns geschrieben:
kommt vor, daß die Angestellten sich bei Ab- 'chluß eines Amtellungsvertroges verpflichten, dem Arbeitgeber ein bares Darlehen zu geben. Selten erhalten die Angestellten diese Beträge wieder zurück. Die Angestellten werden auch nicht durch den Abschluß eines sogenannten Sicherungsoertraaes — Uebereignung von Gegenständen — geschützt. Es läßt sich ün voraus nie fsststellen, ob die Gegenstände auch dem Schuldner (Arbeitgeber) gehören. Vielfach wird auch nicht beachtet, daß der Hauswirt wegen seiner Miete -ür das laufende und folgende Mietjahr das Pfandrecht geltend machen kann.
Gewiß kommt es vor, daß Angestellte, die mit
dem Kastenwesen des Arbeitgebers in Berührung ammen oder eine Filiale ober ein Warenlager zu verwalten haben, eine Kaution stellen muffen Diese Kaution soll dem Arbeitgeber als Sicherheit dienen Gewvdnlich wird die Kaution dem Arbeitgeber in bar, ober durch Hingabe eines Sparkassenbuches übergeben
Wenn die Angestellten so verfahren, jo sind sie keineswegs gesichert Der Arbeitgeber kann über die Barkaution verfügen. Er hat auch die Möglichkeit. das bei der Sparkasse emgezahlte Sparguthaben abzuheben. Wird über das Vermögen des Arbeitgebers das Konkursoersohren verdangt, so genießt der Angestellte nur für den Betrag der Kaution das Vorrecht, welcher durch Einbehaltung des Gehalts entstanden lft.
Die Angestellten können sich, wenn sie schon eine Kaution stellen muffen, nur dadurch schützen, daß der Betrag bei einer sicheren Bonk oder bei der Sparkasse eingezahlt und dos Sparkonto zugunsten des Arbeitgebers mit einem Sperrvermerk versehen wird. Wenn sich die Angestellten hiernach richten, so können sie niemals geschädigt werden
Taten für Freitag, 1v. Fevruar.
Sonnenaufgang: 7.35 Hör, Sonnenuntergang: 17 44 Hhr. — Mondaufgang: 14 05 Uhr, Mond- untc.gang 6.34 Ahr.
1473: der Astronom Nikolaus EopernicuS In Thorn geboren — 1731: Frau Rat Goethe, GoetheS Mutter, in Frankfurt a. M geboren. — 1859 der Astronom und Physiker Svante Arrhe- ntu» in Dyk bet Upsala geboren. — 1865 der Forschungsreisende Sven Hedin in Stockholm geboren. — 1924 der Ozeanograph Wilhelm Dren- necke in Hamburg gestorben.
ttornotijen.
— Tageskalender für Freitag. Stadttheater Gießen: ..Die brei Zwillinge". 20 bis 2215 Uhr — Theologische Fachschaft: Kunstwissenschaftliche- Institut, 20 Uhr. Vortrag über „Stimmungen und Tatsachen in der christlichen Kunst". — Iohanneskirche: 20 Uhr, Posaunenmusik. — Gießener Lesehalle-Verein 18.15 Uhr, Universitäts-Bibliothek, ordentliche Mitglieder- Dersammlung. - DünSberg-Verein: 20.30 Uhr, Hotel Köhler, Mitgl.eder-Ve.'sammlung. — Alice- fchule: Neues Schloß, Handa.beltS-Leminar-Aus- ftiLung 11 bis 13 und 15 b « 17 Uhr: Steinstr. 10, 10 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, Ausstellung Hauswirtschafts-Seminar. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ..Meine Frau die Hochstaplerin"- 1045 Uhr, „Pröpken" und „Dosten ist Trumpf". — Astoria-Lichtspiele: „Ingagi" und „Raub im Westerpreß".
— AuS dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, Wiederholung deS FaschingSschwankS von dem beliebten Komiker Toni Impekoven: „Die drei Zwillinge". Ein Abend, an dem sich jeder gesund lachen kann. 19. Vorstellung im Freitagabonnement. Ende. 22.15 Uhr. Spielleitung: Peter Fassott. — Sonntag. 21. Februar, mit Rücksicht auf den DolkS- trauertag daS ernste Berliner Schauspiel „Erna Sarasin" von Zeiz, daS daS Schicksal einer Reinen Angestellten zum Thema hat. Beginn: 19 Uhr, Ende 21.15 Uhr, Spielleitung: Karl Heyser.
— Kirchenmusikalische Feierstunde. AuS Anlaß des Volkstrauertages sindet am Sonntag um 20 Uhr in der Stabtkirche eine kirchenmusikalische Feierstunde statt, deren Besuch für jedermann frei ist. DaS Programm mit Sologesang, Orchester und Orgel bringt eine gute Auswahl von bester kirchlicher Musik. (Siehe heutige Anzeige.)
— „DaS Geheimnis des Ll-Deutsch- l a n d" nennt sich ein Film, der einen Abschnitt auS Deutschlands schwerster Zeit veranschaulicht. Der Film zeigt den Lebenslauf dieses in der Weltgeschichte wohl einzigdastehenden ü-Bootes. Er bringt Bilder von feinem Dau, von den denkwürdigen Fahrten unter feinem Kapitän Paul KS - n i g nach Amerika und feine Rückkehr nach Bremen. Der Film schildert weiter die Geschichte des O-BooteS unter der Kriegsslagge als erster Unterseekreuzer LI 155, insbesondere die unter dem Korvettcn-Kapltän Meusel durchgcsührte Kreuzerfahrt im Sommer 1917, die in der Welt so viel Ueberraschung hervorries. Der Bildstreifen zeigt auch die Kriegshandlungen des U 155 in Ori- ginalausnahmen. Eine besondere Rote erhält die Kultursilmvorstellung durch den begleitenden Filmvortrag deS Korvetten-Kapitäns Meusel, der über die Konstruktion, Technik und Prinzip des Tauchens und Wasserfahrens deS L'-Bootes sprechen wird. Er wird auch über die 195tägigc Kreuzersahrt sprechen und den Ll-Dootkrieg in feiner wirklichen Gestalt schildern. Der hochinteressante Film, der bisher nicht gezeigt werden durste, läuft am kommenden Sonntag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße. Die Vorstellung beginnt 11.15 Uhr. RähereS ist auS der gestrigen Anzeige ersichtlich.
Sitzung des Provinzialausschus- seS. Am nächsten Samstag. 20. Februar, 8.30 ll&i beginnend, sindet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine össentlichc Sitzung deS Provinzialausschusses der Provinz Oberhcssen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des DezirkSsürsorgeverbandes der Stadt Wiesbaden gegen den LandeSsürsorgeverband DolkSftaat Hcsfen, vertreten durch den Dezirks- fürsorgeverband Büdingen, auf Erstattung von Fürsorgekosten sür Wilhelm Hentze auS Halberstadt. 2. DaS Wartegeld der Gerneindehebamme Schultheis »u Bönstadt', hier: 'Berufung der Gemeinde Bönstadt gegen das Urteil des Kreis- ausfchusfes des Kreise- Friedberg vom 14. Ro- vember 1931. 3. Klage deS Alfred Deutfch m Friedberg gegen den Bescheid des Kreisamts Sriedberg vom 17. Dezember 1931 wegen 'Berfa- gung de» Dandergewerbefcheins. 4. Klage de- Dezirk-sürsoraeverbände» deS Kreifes Schüchtern gegen den Bezirttfürsorgeverband des Kreifes Friedberg auf Erstattung von Pflegekosten für das Kind Elfriede Herber aus Ulmbach. 5 iiungsverhältniffe de» Heinrich Kaifer V in Storndorf: hier: Klage der Firma Sämtliche Riedesel Freiherren zu Eifcnbach, offene Handel-ge- fellfchaft in Lauterbach, gegen den KreiSdirektor des Kreife» Al»feld auf Aufhebung de» Polizei- befehls Dom 9. Rovember 1931
_** Eine Tagung de» Oberheffifchen Schwurgerichts findet am nächsten Montag im Landgertchtsgehäude in Gießen statt. Zur Der- hgndlung steht eine Anklage gegen vier Personen wegen Abtreibung, brei von den Angeklagten wohnen in Lauboch. einer in Rainrvd (Krei» Schotten). Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Brill.
•• Die Bereini gung ehemaliger Angehöriger des RealgymnafiumS Gießen veranstaltete — toic man uns berichtet — am vergangenen SamStag im »Schützen
bau»" einen gut besuchten Familienabend. verbunden mit Entlassungsfeier der diesjährigen Abiturienten des Realgymnasium». An diese insbesondere wandten sich mahnend und aufn-Otenb die herzlichen Bearüßungsworte des Herrn Oberstudienrat Seiler, der wieder eine reich« Vortragsfolge zufammengestellt hatte. Es wurden zwei nette Theaterstücke gespielt, von denen be- sonder» Fritz Reuters ..Wette" den flotten Darßellern wohlverdienten Beifall brachte. Frl. Lott« Wehrheim erfreute die Besucher durch einen mit entzückender Grazie getanzten Wiener Walzer. wahrend ,itL Inge Fröhlich tn einem Tango und einem Fo»trott ihr großes fünft» lerifches Können erwie» Beide Damen ernteten ebenso starken Beifall, wie der Abiturient Herr Kurt Kiefer, der sich als Conferencier und Humorist glänzend bewährte Lobenswert waren ferner die Darbietungen deS Schülerorchesters unter Leitung des Acren OberreaUchrcrs Blaß und später des Abiturienten Herrn Walter Becker, der auch, al» zur Freude der sehr zahlreich erschienenen Jugend Terpsichore in ihr« Rechte trat, noch lange Zeit unermüdlich und humorvoll den Taktstock fchwang Der schönen Veranstaltung ging eine Hauptversammlung voran», die Herr Sanität»rat Dr. Becker «Sprendlingens, der Vorsitzende der Vereinigung, leitete. Aus dem Bericht des Vorstandes ging hervor daß die Mitgliederzahl ständig zunimmt Auch über die Kassenlage konnte der Kassenwart, Herr Studienrat Dr. S t o h r . Ersreuliches berichten, trotzdem da» Gefallenendenkmal, die Ehrentafel und eine Schülerbidliothek in dem letzten Jahre finanziert wurden. Der Leiter der Anstalt. Herr Oberffubienbireftor Angelberger, bankte in»- besondere für die Stiftung der Schulerb'-bUolhek. für die sonst keine Mittel nerfügbar sind. Der weitere Ausbau der Bücherei wurde beschlossen.
Schöffengericht Gießen.
* Gießen, 17. Febr. Am 10. Rovember 1931, nachmittags gegen 5 Uhr. suhr ein pensionierter Beamter mit seinem Motorrad den Schtssenber» ger Weg entlang in der RichtungDiehen. Aus dem Soziussitz sah seine Tochter. Von dem Schuttabladeplatz her war der Fahrer eine» städtischen Mullauto» gerade bei dem Einbiegen in den Schissenberger Weg. al» der Motorradsahrer in ziemlich schneller Fahrt herankam. Letzterer, der da» Auto trotz de» übersichtlichen Gelände» erst auf 3 bi» 4 Meter gesehen haben wollte, versuchte recht» vordeizukommen. Er streifte dabei einen Baum und stürzte: die Tochter fiel t>tnt da» Auto, wurde überfahren und starb kurz darnach. Rach eingehender 'Dewei»aufnähme verurteilte da» Gericht den Motorradfahrer mit Rücksicht aus die Besonderheiten de» Falle» toegm sahrlässiger Tötung an Stelle einer Gesängni»- strase von 5 Tagen zu 5 0 M k. G e l d st r a s c.
Ein Krastwagensührer suhr am 14. September 1931 von Friedberg in der Richtung Frankfurt. An dem sog. Dilbelcr Berg nahm er seinen Weg zwischen einem rechts haltenden Milchwagen und einem ihm entgegenkommenden breiten Vieh- tranSportwagen hindurch. In diesem Augenblick suhr hinter dem ViehtranSportwagen ein Radfahrer hervor, wurde von dem Auto erfaßt und schwer verseht: er verstarb einige Zeit später. Auch hier war daS Gericht aut Grund der ausführlichen Zeugen- und Sachocrständigen-Ver- nehmung der Auffassung, daß neben dem Getöteten selbst auch der Krastsahrer schuldhast gehandelt habe und verurteilte ihn antraggemäß mi 15 0 M k. Geldstrafe an Stelle eine» Mvnat» Gefängnis.
Die Wetterlage.
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* Sen-ec c»v»u»eiri «Nebel X6r*t'er^)ui<'<slin< *O-»lcN teichie» 0« H$$tger S0d5ud*eii q •.lOrmotHo «tordweil Die n-"r flegfn rrn oem wmdt o e oe> den Metionen iieeenaee Z«6- len g-ben d ' Temperatur en Oie um.en <tru ^cib one eil «KKJie& *.< nirrftniveeu ur.gcrfebneten Lv?tdrv<fc
rücttervoraussage.
Das Hochdruckg^iiet hat sich jetzt sowohl bis nach Island, al» auch nach Rußland hinc'ri entwickelt und macht dabei seinen Einfluh weiter über Deutschland geltrab Es steht somit noch keine Aenderunq der Wetterlage in Aussicht.
Aussichten für Samstag Trockenes, stellenweise neblig-wolRgeS oder dunstiges Wetter. sonst aufheiternd. nod> leichter Nachtfrost.
Lufttemperaturen. Am 18. Februar, mittag^: 4,0 Grad Eelsius. abends minus 0,2 Grad Eelsius. Am 19. Februar, morgen«: minus 4.4 Grad Eelsius Maximum: 4.8 Grad Eelsius, Minimum: minus 5,8 Grad EelfiuS Sonnenscheindauer: 7Vs Stunden
Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 18. Februar, abendS: 0,0 Grad GelsiuS. Am 19. Februar, morgen»: minus 1,6 Grad Telfius.
Amtliche Dlnlerfparinachrichten.
Schwarzwald. Feldberg: Klar, minul 12 Grad, 30 Zentimeter Pulverschnee, C-portrnby lichkeiten für Ski und Rodel gut.
Alpen, Garmisch-Partenkirchen: Klar, rninu» 14 Grad, 15 Zentimeter Pulverschnee, Sportm öglichkeiten für Ski und Rodel gut


