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Sie Parteien und das Kabinett Znining.

Wird der Kanzler noch einmal eine Mehrheit finden?

Berlin. 18.Febr. (VDZ.) Hebet die Prä- . fidentfchaftskandidatur der harz- bnrger Jront wird erst am Donnerstagabend verhandelt, da Hitler im Laufe des Tages in Ber­lin einfrlfft Eine Kandidatur des Prinzen Oskar von Preußen kommt jedoch zum mindesten für die Nationalsozialisten überhaupt nicht in Frage. Das Gerücht von dieser Kan­didatur ist nur dadurch entstanden, daß Prinz Oskar, der neuerdings dem deutschnationalen portelvorstand angehört, am Mittwoch zum erffen- male an einer Sitzung des Parteivorstandes im Reichstag teilnahm. Allerdings wird gegenwärtig, wie verlautet, über eine ernsthafte gemeinsame Kan­didatur der Rechten verhandelt. Daneben wird auch die taktische Frage erörtert, ob man nicht die Auf­stellung einer Gegenkandidatur gegen Hindenburg verzögern soll, um abzuwarten, ob im Reichs­tag ein Mihtrauensantrag gegen da» Kabinett Brüning angenommen wird. Bis­her liegen nur die kommunistischen Mißtrauensvoten vor. Die nationalsozialistischen Anträge sollen erst unmittelbar vor der ersten Reichs- t a g s s i h u n g eingebracht werden. Sie werden voraussichtlich in einem Mihtrauensantrag gegen das Gesamtkabinett, einem Antrag auf Auflösung des Reichstages und einem Antrag auf Aufhebung der Rotverordnungen oder wenigstens der letzten Rotverordnung bestehen.

Der Sturz der jetzigen Reichsregie­rung durch ein Mißtrauensvotum würde es jetzt der Rechten ermöglichen, bei der Präsidentenwahl für Hindenburg ;u stimmen. Falls das nicht gelingt, würden die Rechlsparleien allerdings immer noch Zeit zur Aufstellung eige­ner Kandidaten haben. Die Reichrtagsdebatte wird voraussichtlich drei bis vier Tage in Anspruch nehmen. Am Freilag der nächsten Doche würde also der Beschluß des Reichstags über den 13. März al» Präsidentenwahltag und über die Mihtrauens- anträge vorliegen. Kandidaten für die Präsidenten­wahl müssen nach dem Relchswahlgeseh späte­stens am 10.Tage vor der Wahl, also am

3. März, nominiert sein und müssen auch bis zu diesem Tage die Kandidatur angenommen haben. Zwischen dem Beschluß des Reichstags und dem 3. Mär; würden gerade nach dazu ausreichende fünf Tage liegen.

Bei den Parteien der Mitte verkennt man zwar nicht die Gefahr, in der das Reichskabinelt schwebt, man ist aber davon überzeugt, daß sich auch diesmal eine Mehrheit für Brü­ning finden wird. Die Deutsche Volks- Partei hat allerdings bereits offiziell erklärt, daß sie, wie schon bei früheren Gelegenheiten, so auch diesmal dem Kabinett Brüning ihr Mißtrauen aussprechen werde, um den weg für die Bildung einer Rechlsregierung frei zu machen.

Auch die Haltung des Landvolks ist zum mindesten sehr zweifelhaft. Würden beide Fraktionen gegen die Regierung stimmen, fo würde das Stimmenverhältnis ungefähr gleich fein. Den Ausschlag würde dann die Wirtfchaftsparlel geben. Diese wird sich am Dienstag kur; vor der Vollsitzung des Reichstags in einer Fraktionsfihung mit den Mihtrauensan- trägen befchästigen. die Entscheidung wird aber erst am Mittwoch oder Donnerstag in einer parteiausschußsihung der Wirtschaftspakte! fallen. Da» Schicksal des Kabinett» Brüning wird also im wesentlichen davon abhängen, ob bei der Wirtschaftspartei die Gegnerschaft gegen diese Re­gierung ober die Bedenken gegen eine Unterstützung der Taktik der Rechtsparteien überwiegt, wobei im Hintergrund noch die Gefahr einer Reichs­tagsauflösung sieht.

Die S ozialdernokraten warten ab. was die Rechtsparteien tun werden, sie bereiten sich jedoch auf die verschiedenen Möglichkeiten vor. Fest steht, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nicht nur das Mißtrauensvotum gegen das Gefamt- kabinett. sondern auch dasjenige gegen Reichsinnen­minister Groener unter allen Umständen a b l e h - nen wird.

Aufrufe für Hindenburg.

Oie Deutsche Volkspariei.

Ein Zreubekenntnis ohne Bedingungen."

Leipzig, 19. Febr. (ERB.) Der Führer der Deutschen Volkspartei, Abgeordneter D i n g e l d e y, sprach hier Zur Reichspräsidentenwahl. Ein Volk kann, so sagte er u. a., zwar eine Niederlage erlei­den und den Zusammenbruch seines Staatswesens erleben. Es hat sich aber er st dann selb st ver­loren, wenn es teilten Punkt mehr in diesem Volke gibt, der jenseits aller Par­tei st reitigkeiten und aller Leiden­schaften des Tages Sammelpunkt des nationalen Gefühls ist und bleibt. Dieser Sammelpunkt war und ist für das deutsche Volk die Gestalt des Generalfeldmarschalls v. Hinden­burg. Der Kampf um die Tagespolitik hat nicht nur seine Berechtigung, er muß mit aller Eindeutig­keit ausgetragen werden. Außer zu der menschlich überragenden Persönlichkeit des Generalfeldmar­schalls gibt es nur eins: Ein T r e u b e k e n n t n i s ohne Bedingung! (Beifall.)

Gerade diejenigen in Deutschland, die einen Wechsel desShstems fordern, haben ihrem Ziel den schlechtesten Dienst geleistet, als sie sich nicht entschließen konnten, als erste die Parole für Hindenburg auszugeben. Den Klatschereien gegenüber, daß Hindenburg als alter Mann ein Opfer seiner Ratgeber fei, so erklärte Dingeldeh, könne er aus eigenem Erleben bezeugen, mit welcher Klarheit und abgeklärter Weisheit Hindenburg die politische Entwicklung übersehe. Für mich und meine Freunde, so sagte der Redner, gab es keinen Augenblick der Besinnung. Für uns ist die Treue nicht an Bedingungen ge­knüpft. sondern bekundet sich durch die Tat. Wem es wirklich ernst ist, eine innenpolitische Wandlung in Deutschland herbeizuführen, gerade der muß sich zuallererst hinter die Gestalt Hindenburgs stellen. Auch in dem schweren Kampf gegen die Fesseln des Versailler Vertrages gibt es kein größeres Ziel, als die gesammelten Kräfte des nationalen Deutschlands hinter dem Reichs- oberhaupt, dem Generalfeldmarschall von Hin­denburg. einzusehen.

Der Redner beschäftigte sich dann mit der Innenpolitik und erklärte, die Deutsche Volks- Partei werde, gerade weil sie die Treue gegen­über Hindenburg nicht an Bedingungen knüpfe, um so nachdrücklicher und schärfer ihr Miß­trauen gegen die Reichsregierung in den kommenden Entscheidungen zum Ausdruck bringen. Die Parole müsse sein: Für Deutsch­lands Freiheit mit und für den Generalfeld­marschall v. Hindenburg! (Lebhafter Beifall.)

Das Deutsche Landvolk.

Für den vornehmsten Träger der Gemein­schaft zwischen Schwert und Pflug."

Berlin, 18. Febr. (TU.) Der Vorstand des Deutschen Landvolks hat folgenden Aufruf beschlos­sen:An das deutsche Landvolk! Die Reichstags» fraktion des Deutschen Landvolks hat im Einverneh. men mit der Parteiführung am 12. Januar 1932 als erste die Aufforderung an alle deutschen Par­teien gerichtet, für die Wiederwahl des Reichsprä­sidenten von Hindenburg einzutreten und den Feld­marschall gebeten, sich für eine neue Volkswahl zur Verfügung zu stellen. Wir danken heute dem Ge­neralfeldmarschall von Hindenburg, daß er dieser Bitte des Landvolks entsprochen und mit der An­nahme der neuen Kandidatur dem deutschen Volke ein neues Opfer gebracht hat. Unsere Freunde im Lande aber fordern wir auf, mit aller Kraft für die Wiederwahl Hindenburgs zu werben und einzutreten. In Hindenburg verehrt das deutsche Volk den vornehm st en Trager der uralten Gemeinschaft zwi­schen Schwert und Pflug, burd) die allein in aller Geschichte gesunde und große Völker und Staaten geschaffen wurden. In Hindenburg sieht das deutsche Landvolk den Führer, der durch

seine Stellung über den P a rtei e n allein imstande ist, alle willigen Kräfte des deutschen Volkes zusammenzufassen zur er­folgreichen Durchführung des schweren Kampfes um Freiheit und Gleichberechtigung, zugleich, den Füh­rer des deutschen Volkes, dessen in aller Welt ge­achteter Name ein Einsatz von höchstem Wert in diesem schwersten Kampf der deutschen Geschichte ist.

Parterpolltik hat bisher die Durchfüh­rung des Rettungsprogramms verhindert, das Hindenburg vor nunmehr bald zwei Zähren für die Landwirtschaft und den deutschen Osten ausgestellt hat. Soweit dieses Programm bisher verwirllicht wurde, ist es dadurch geschehen, daß das deutsche Landvolk mit berufenen Führern entschlossen selber die Hand an den Pflug gelegt hat. Rur mit. nicht ge­gen Hindenburg ist ein Rettungsprogramm gegenüber allen Röten und Widerständen durch­zusehen. Hindenburg hat dem deutschen Volke das höchste Vorbild deutschen und preußischen Pflichtgefühls gegeben.3n ihm erstand uns wieder einwahrhafterern­ster Diener im Staate. Wie feinem deut­schen Volk, so hat Hindenburg aller Zeit dem deutschen Bauerntum, das auch ihm die Grund­lage von Staat und Volk bedeutet, die Treue bewahrt.

Die Männer und Frauen des deutschen Land­volks fordern wir auf, ingleicherTreuewie 1 9 2 5 zu Hindenburg zu stehen und mit ihren Stimmen dafür zu sorgen, daß unter Hin­denburgs Führung wieder ein freies und starkes Deutschland ersteht.

Die Bayerische Volkspariei.

Wir wollen mit Hindenburg nur an Deutschland denken."

München, 18. Febr. (TU.) Die Baye­rische Dolkspartei erläßt durch ihren Vor­sitzenden Staatsrat Schäffer folgenden Aufruf:

Sieben Iahre sind es her, daß die Daherische Volkspartei ihren Ruf für Hindenburg hat er­schallen lassen. Wir haben damals Hindenburg auf den Schild gehoben, weil wir in ihm den Mann echten deutschen Wesens verehr­ten, der in schwersten Zeiten seinem deutschen Volke die Treue hielt und der zeitlebens nur aufopfernde Hingabe an Vo lk und Vaterland kannte. Die Wähler der Baye­rischen Volkspartei waren stolz damals, daß ihre Stimme die glückliche Reichspräsidentenwahl vom Jahre 1925 entscheidend beeinflussen konnte. Die Bayerische Dolkspartei hat in ihrer Stellung zu Hindenburg nichts zu ändern. Er ist auch für die Reichspräsidentenwahl am 13. März 1932 ihr Mann. Sie ruft daher ihre Freunde in Stadt und Land auf, geschlossen ihre Stimme für Hin­denburg, den wahren Volkskandidaten, abzuge- ben. Die Treue, die er seinem Volk in diesen schweren (Zähren gehalten hat, wollen auch wir ihm halten. 3n seinem Ramen wollen wir ganz Deutschland geeinigt sehen: Einig in seinen Stäm­men. einig in seinen Ständen, einig in seinen Kon­fessionen! Wir wollen mit Hindenburg nur an Deutschlanddenken und mit ihm n u r d e m einen Ziel nachjagen, Deutschland zu retten und uns von aller Bedrückung und Schmach frei zu machen."

Kleine politische Nachrichten.

Jin Rechtsausschuß des Reichstages wurde in Zweiter Lesung der Jnitiativgefetzentwurf der So­zialdemokraten über die vermögensrecht­liche Auseinandersetzung zwischen den deutschen Ländern und den vormals regie­renden Fürstenhäusern sowie den standes- herrlichen Familien mit geringen Aenderunaen mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommu­nisten angenommen. Außerdem nahm der Aus­schuß noch einen Antrag des 2Ibg. Wegmann (Z.) an, wonach das Gesetz zur Regelung älterer staatlicher Renten einen Zusatz erhält, dem­

zufolge die Zahlung der Aufwertungsbeträge nicht vor einem bestimmten Termin, spätestens jedoch zum 1. Januar 1935, von den Rentenempfängern verlangt werden kann. «

Der Reichsrat stimmte dem Gesetzentwurf gegen das Zugabeunwesen zu. Der Ent­wurf spricht ein allgemeines Verbot aus. läßt aber eine Reihe von Ausnahmen zu, u. a. auch, wenn gleichzeitig mit der Zugabe wahlweise Fahrgeld Angeboten wird. Auch die Abonnentenversicherung ist von dem Verbot ausgenommen. Die Reichsratsausschüsse schlugen im Interesse derjenigen Industrien, die Zugabeartikel herstellen, eine Aebergangszeit von einem Jahr bis zum Inkrafttreten des Gesetzes vor.

Der französische Botschafter kn Washington haß dem Präsidenten des amerikanischen Chemietrusts Francis P. Garvan seine Enennung zum Rit­ter der französischen Ehrenlegion persönlich übergeben. Garvan hat die von dem Iournalisten G. G a r et t verfaßte Hetzschrift über angeblich deutsche Verfchwendungs- s u ch t mit dem aufreizenden Titel . Für anderer Leute Geld" herausgegeben und finanziert.

Die bekannte Anhängerin Gandhis, die Tochter des Admirals Slade, ist in Bombay verhaftet worden. Miß Slade wird sich wegen Richtbefolgung des polizeilichen Ausweisungs­befehls vor Gericht zu verantworten haben.

Große Anfragen im Hessischen Landtag.

Debatte über den Separatismus.

Darmstadt, 18. Febr. (WTD.) Präsident Dr. Werner eröffnet die Sitzung um 10.15 Uhr zur Weiterberatung der Großen Anfragen.

Abg. Dr. Best (R.--S.) verliest die Anfrage über die Aussagen des Prinzen Leopold zu Vfenburg über die separatistische Be­wegung und fordert restlose Aufklärung der Geschichte jener traurigen Tage. Da mit An­fragen und Untersuchungsausschüssen bei der Haltung der jetzigen Regierung nichts zu er­reichen sei, habe die RSDAP. eine Meineids­anzeige gegen Prinz Vfenburg erhoben. Eine Oeffnung der Archive der Regierung sei dringend angezeigt.

Staatspräsident Dr. Adelung erwi­dert: Ich muß mich ganz entschieden gegen den gewünschten Eindruck wehren, als ob die frühere oder die heutige Regierung irgend etwas getan oder unterlassen hätten, was nicht vor -dem Volk verantwortet werden könnte. In diesem damaligen Kampf um Ehre und Freiheit Deutsch­lands haben wir, die in der gemeinsamen Ab­wehrfront aller Parteien an der Spitze standen, Leute nicht gesehen, die heute sehr national tun. Wir haben kein Material zu verheimlichen, kön­nen aber nicht alles, was uns zuging an Ver­dächtigungen und Denunziationen von oft schlech­testen Elementen, einer breiten Oefsentlichkeit unterbreiten, weil vieles nicht nachzuprüfen ist. Es wurde unsägliches Unglück in viele Familien getragen. Der Meineidsprozeß gegen Prinz Vfenburg mag ruhig vor sich gehen. Wir legen seiner Aussage keine Bedeutung bei. Anderer­seits können wir niemand ein Zeugnis für Wohl- verhalten in der damaligen Zeit oder für das Gegenteil ausstellen.

Abg. Keil (K.) hält den Rationalsozialisten den Verrat an Südtirol vor und verliest Aussagen aus dem Fuchs-Machhaus-Prozeß, wonach füh­rende Rationalisten im Dienste Frankreichs ge­wirkt hätten.

Abg. Schreiber (Staatspartei) erklärt, das Vorgehen der Rationalsozialisten verdiene niedri­ger gehängt zu werden. In den bisherigen Land­tagen seien alle Parteien der Meinung gewesen, daß die Regierung Tllrich völlig einwandfrei und im deutschen Interesse gehandelt habe. Heute säßen die Leute, die damals in der Freien Bauern­schaft das Herz des Separatismus bildeten, bei den Rationalsozialisten. Prinz Vfenburg und an­dere Prinzen hätten eine sehr dunkle Rolle ge­spielt.

Abg. 6tef f an (S.) weist die Derdächtigun- den des 2lbgeordneten Best zurück und nennt Per­sonen, die damals der separatistischen, heute der Hakenkreuzfahne folgten. Die Arbeiterschaft habe dem Separatismus den Atem ausgeblasen. Heute aber, da Hitler vor der ausländischen Presse Re­den halte, zeigten sich in den bekannten Kreisen neue separatistische Strömungen..

Abg. Dr. Best (Rab-Soz.) erwidert, die Vor­gänge in der letzten Zeit bewiesen die Wahr­heit der Drohung, daß im Falle der legalen Machtergreifung Hitlers mit einem schwarz-roten Separatismus zu rechnen sei. (Protest links und in der Mitte.)

Staatspräsident Dr. Adelung betont erneut, Staatspräsident Ulrich habe feierlich erklärt, daß die von dem Prinzen Vfenburg be­haupteten Aufträge nicht erteilt worden find.

Die Lage der Landwirtschaft.

Abg.Diehl (R.^.) erfiärt: Wenn nicht end­lich in letzter Minute für die Erhaltung der deut­schen Scholle etwas Durchgreifendes geschehe, dann sei die kommende Ernte gefährdet.

Abg. Fenchel (Lv.) wendet sich energisch gegen die Beschlagnahme von Milchgeldern, die unbedingt'dem landwirtschaftlichen Haushalt bleiben müßten. Die rigorosen Beitreibungsmetho­den der Clektrizitäts- und der Wasserwerke, bei denen unbedingt eine fühlbare Preissenkung ein­treten müffe, erregten die Gemüter auf dem Lande. Der Redner fordert sofortige Einstellung der Ver­fahren gegen die Bauern, die wegen angeblicher Aufforderung zum otcuerftreif verfolgt würden.

Abg. Blank (Z.) bezeichnet die Anklagen der Vorredner als vielfach übertrieben. Man hetze vie­lerorts die Dauern in einen Radikalismus, dessen Folgen den Urhebern noch schwer zu schaffen machen würden. Die nationalsozialistische Methode, aus der Rot der Dauern politisches Kapital zu schlagen, müsse am Ende zum Schaden der Lano- wirtscha i führen. Das Zentrum werde in der Unterst» j'tng der Landwirtschaft bis an die Grenze l es Möglichen gehen.

Innenminister L e u s ch n e r : Wegen der staatlichen Steuern ist noch kein Bauer von Hans und Hof vertrieben worden. Zwangsvoll' ftrerfungen wegen staatlicher Steuern werden nicht durchgeführt. Wir wissen, daß mit den eben ge­hörten Uebertreibungen bestimmte Zwecke verfolgt werden, gegen die wir uns wehren müssen.

Abg. Lux (S.) erklärt, daß in Hessen von der Landwirtschaft drei Millionen Grundsteuer erhoben und gleichzeitig 2 Millionen Zuschüsse ausgegeben werden. Die Landwirtschaft werde von allen Par­teien anständig behandelt. Dr. Brüning habe die Landwirtschaft bis 6000 Mark eintommanfteuerfrei, bis 5000 Mack umfatzsteuerstti, bis 20 000 Mark Vermögen nach dem Einheitswert auch vermögens^ steuerfrei gemacht! (Sehr richtig!) 9m Finanzaus­schuß hat der nationalsoziallftische Abgeordnete Gockel selbst zugegeben, daß die beantragten Steuer* erlässe in Hessen bei unseren niedrigen Sätzen nur ein paar Pfennige betragen könnten (hört! hört). Wir müssen uns gegen demagogische Entstellungen 1 wehren.

RGDAp. und Polizei.

Abg. B e st (NS.) erklärt, daßdie jungen Leute der Bereitschaftspolizei" anscheinend durch die Erziehung in der Polizeischule gegen einen Teil der Bevölkerung aufgehetzt werden. Diese Präto­rianer, die sich zur Zeit mit der Wildheit von Kosaken benehmen, können nicht als Schutz deZ Bürgers am gesehen werden. Es scheint, daß zwischenher Polizei und derEisernen Front" außerordentlich enge Be­ziehungen bestehen, um zusammen eine Bewegung niederzuknüppeln, deren Siegeslauf durch solche Methoden nicht aufgehalten werden könne. Wenn in Zukunft in den Straßen Ruhe und Ordnung nicht mehr aufrechterhalten werden kann, dann trifft die Schuld nicht die einfachen Men­schen in unseren Reihen, die in unerhörter Weise provoziert worden sind, dann trifft die .Schuld die Regierung und die Polizei, die durch ihr Ver­halten die Empörung und Erregung in unseren Reihen herausgefordert haben.

Auf eine Kleine nationalsozialistische Anfraga wegen des Veterinär-medizinischen Instituts in Gießen erftärt die Regienmg, daß die Aufgaben dieses Instituts von anderen Staatsbehörden nicht übernommen werden könnten.

Das Haus vertagt sich auf Freitag. Der Land­tag wird, da am Montag und Dienstag Ausschuß- sitzungen stattfinden, am Mittwoch, Donnerstag und Freitag der kommenden Woche seine Arbeiten zu Ende fuhren.

Eine hessische Steuernotverordnung.

Das neue Regierungsblatt enthält folgend« Eteuernotverordnungen:

1. Erstreckung des Gewerbesteuer- g e s e tz e s auf das Rechnungsjahr 1932. Art. 17 tritt für das Steuerjahr 1932 jedoch außer Kraft.

2. Die Steuersätze der staatlichen Grund- und Gewerbesteuer einschließlich des Grundsteuerzuschlags sind für das Rechnungs­jahr 1932 die gleichen wie für das Rech­nungsjahr 1931.

3. Die nach dem SondergebLudesteuer- g e s e h vom 1. April 1932 an zu entrichtende staat­liche und kommunale Sondergebäudesteuer wird ges enkt nach der 3. Verordnung des Reichs­präsidenten.

4. Der Minister der Finanzen wirb ermächtigt, Destimmungen über die Festsetzung der staat­lichen Steuervorauszahlung für 1932, auch abweichend von den Vorschriften des Steuer­vorauszahlungsgesetzes zu treffen.

5. Der Minister des Innern wird ermächtigt, für das Iahr 1932 in Abweichung von den Vor­schriften des Steuervorauszahlungsgesetzes anzu- vrdnen, daß die Gemeinden, Kreise und Provinzen berechtigt sind, bis zur Zustellung der Steuerbescheide in der kommunalen Grund­steuer, Sondergebäudesteuer und Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1932 zweimonatliche Vorauszahlung auf diese Steuern in Höhe von je ein Sechstel der zuletzt festgestell­ten Jahressteuerschuld unter Beachtung der Sen­kung der Sondergebäudesteuer zu erheben.

6. Das Land wird an den vom Reich für Land und Gemeinden (Gemeinbeverbände) zu überweisenden Anteilen an der Einkom­mensteuer und der Körperschafts st euer mit 65 Prozent beteiligt.

Aus aller Wett.

Schweres Flugzeugunglück.

Ein Flugzeug des Metzer IagdfliegerregiB ments erlitt über dem Flugplatz Rieder-Ieutz einen Motordefekt. Der eine der beiden Insassen sprang mit einem Fallschirm ab, der sich jedoch nicht öffnete. Er stürzte unglücklicherweise in einen Hochofen und verbrannte. Der zweite Flieger stürzte mit dem Flugzeug auf eine Baracke und war auf der Stelle tot.

Großfeuer in Bilbao.

In Bilbao (Spanien) entftanö in einer Drogerie aus bisher nicht gellärter Ursache ein Brand, der mit großer Geschwindigkeit um sich griff und den ganzen Häuserblock gefährdete. Unter den Bewoh­nern entstand eine Panik, dabei kamen drei Per­sonen ums Leben und 31 wurden verletzt.

Drei Opfer einer Eifersuchtstat.

In Regensburg ereignete sich eine schreckliche Bluttat. Ein Reichswehr-Obergefreiter gab auf ein Mädchen, mit dem er ein Verhältnis unterhielt, sowie auf dessen Mutter mehrere Schüsse ab- Letz­tere wurde durch drei Kugeln in die Brust sofort getötet. Das Mädchen, das auf der Flucht in den Rücken einen Schuß erhielt und der Gefreite, der nach der schrecklichen Tat sich einen Kopfschuß bei* brachte, wurden in schwerverletztem Zustand in das Krankenhaus eingeliefert. Hier erlag der Gefreite seinen Verletzungen. Das Mädchen mußte sofort einer Operation unterzogen werden. Als Grund zur Tat wird Eifersucht angegeben.

Fünf Personen durch Kohlenoxydga» vergiftet.

Zn der Ortschaft Kaminietz im Landkreise Glel» w i tz hat sich ein furchtbares Unglück ereignet, dem fünf Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Am Montag war der Rentenempfänger Max Wrobel mit seiner Familie nach Kaminietz gezogen, wo er eing Wohnung in dem leerstehenden Hause eines Briefträgers mietete. Seit Dienstag wurde van der Familie Wrobel niemand mehr gesehen. Als nun am Donnerstag die Ehefrau des Briek« trägers durch das lange Ausbleiben der Mieter be­unruhigt, die Wohnung öffnete, fand sie das Ehe­paar Wrobel, einen 16jährigen Sohn, eine sechs­jährige Tochter und ein etwa sechs Wochen alte»