Ausgabe 
18.8.1932 Frühausgabe
 
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182. Jahrgang

Donnerstag, 18. August (952

Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl« monatsBtiugsprtls:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck und Verlag: vrühl'sche Univer^air Buch, und Steindruckerei R. Lange in Giehen. Schristleitnng und Geschästrstelle: Schulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig: für Ne» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Playvorschrist 20 , mehr.

Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Cange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen.

Der Reichskanzler über die Ziele seines Kabinetts.

Erklärungen an einen englischen Pressevertreter über innen- und außenpolitische Tagesfragen.

London, 17. Aug. (WT2.) Der Berliner Reuter-Bertreter berichtet über ein 3 n t c r h i c tr^ doS ihm Reichskanzler v. Papen gewährt hat.

Auf die Frage des Reuter-Vertreters, ob der Kanzler glaube, daß seine Regierung kommende Weihnachten noch im Amte sei, antwortete der Kanzler:

Dir werden für lange Zeil im Amte sein."

Weiter erklärte Reichskanzler v. Papen, es sei nicht die Rede davon, daß seine Regierung dem Reichstag aus dem Wege gehen wolle. Wie der Reuter-Vertreter erklärt, schien der Kanzler von der Zuversicht erfüllt, daß ein Appell an den gesunden Menschenverstand der Parteien nicht ohne Erfolg bleiben könne, da auch die Parteien sich klar darüber sein mützten, daß es keine Regierung gebe, die an die Stelle der gegenwärtigen treten könne. Sollte jedoch ein Mißtrauensvotum zur Annahme ge­langen, so würde die Regierung nach Maß- gäbe der dann geschaffenen Situa­tion handeln, wobei sie in jeder Veziehung die Absicht habe, die Verfassung zu achten.

Der Reuter-Vertreter wies dann daraus hin, datz Hitler entschieden bestreite, in seiner Unter­redung mit dem Reichskanzler die volle Staatsgewalt verlangt zu haben und bat Herrn v. Popen um eine Aeutzcrung zu diesem Dementi. Der Kanzler erklärte, datz es in dieser Hinsicht gar keinen Zweifel geben könne.

Der Führer der NSDAP, habe zugegeben, dah er während der vergangenen zwei Monate mit seinen ungeduldigen Anhängern einen schweren Stand gehabt habe, und habe erklärt, er könne einen Anteil an der Regierungsgewalt nicht annehmen, sondern müsse sie in ihrer Gesamt­heit verlangen. Er könne nur für eine Regie­rung kämpfen, die sich ganz und gar mit feiner Bewegung identifiziere.

Auf die Frage des Reuter-Vertreters, ob Deutschland aus dem Völkerbünde aus­treten würde, wenn seine Ansprüche aus Gleich­berechtigung hinsichtlich der Abrüstung keine Berücksichtigung fänden, begnügte sich der Kanz­ler damit, zu unterstreichen, datz die Frage der Gleichberechtigung auf dem Abrüstungsgebiet für Deutschland eine wichtige Lebensfrage fei, da Deutschland s i ch einer solchen Dis­kriminierung nicht länger unter­werfen und nutzt länger zulassen könne, dah e£ als Macht zweiter Klasse behandelt werde.

Falls Deutschland die Gleichheit auf, dem Ge­biete der Sicherheit länger verweigert werden sollte, werde die Reichsregierung die notwen­digen Mahnahmen in dem Sinne ergreifen, wie er bereits von General von Schleicher umrissen worden sei.

Deutschland hat weder den Wunsch noch die Absicht, zu rüsten", führte Reichskanzler von Pa- pen dazu aus,aber es will, datz dir anderen (Rationen i h r Versprechen, abzurüsten, auch halte n." Er fügte hinzu, datz er in Lau­sanne bei seinen Unterhaltungen mit Premier­minister M -acbonold bei dem englischen Staatsmann volle Sympathie für bte deutsche Auffassung hinsichtlich Deutschlands Benachteili­gung in der Abrüstungsfrage habe fest stellen tön- ^Weiter bemerkte der Kanzler, datz Deutschland seine Bestrebungen, etwas von dem früheren deutschen Kolonialbesitz zurückzuerha^ ten, noch nicht aufgegeben habe, und unterstrich dabei, datz auch hier wieder der Fall einer nicht z u rechtfertigenden Diskriminati o n z u ungun ft en Deutschlands vorliege, für den früher ober später Abhilfe geschaffen wer­den müsse. Indessen seien noch keine diploma­tischen Verhandlungen über diese Angelegenheiten einqclcitet worben. Wenn dementiert worden sei, datz General von Schleicher solche Verhand­lungen erössnet habe, sei das ganz richtig, denn General von Schleicher sei Reichswehrminister und nicht Minister des Auswärtigen.

Nachdem der Reuter-Korrespondent dann noch einmal als seinen Eindruck hervorgehoben hat, datz Herr von Papcn hinsichtlich der Zukunft seines Kabinetts durchaus zuversichtlich sei, be­richtet er weiter:

Der Kanzler gab der Hoffnung Ausdruck, es fei wohl nicht zu befürchten, dah die NSDAP., um ihre Ziele zu erreichen, sich zu illegalen Schritten hinreihen lassen werde. Er habe von Adolf Hitler eine Zusicherung in diesem Sinne erhalten und habe keinen Aniah, Hitler nicht zu glauben.

Auf alle Fälle werde die Regierung nicht zau- dem jede Revolte gegen ihre Autorität auf der Stelle mit Waffengewalt zu unter­drücken.

Wie die Dinge liegen, erklärte der Kanzler weiter, steht das deutsche Volk jetzt wieder ge­schlossener denn je hinter seinem obersten Führer, dem Generalselbmarschall von Hindenburg, und ist voll Vertrauen in feine weife Führung.

Auf die Frage, ob demnächst ein Rachfolger für Freiherrn von Reurath auf dem Londoner

Botschafterposten ernannt werden würde, antwor­tete der Kanzler xum Schlutz, datz in dieser An­gelegenheit noch keine Entscheidung gefallen sei.

Aoch feine Arbeiisdienstpflicht.

Berlin, 17. Qlug. (ERB.) Zu den Meldun­gen einiger Zeitungen, die Reichsregierung beab­sichtige, den FreiwilligenArbeitsdienst in die Arbeitsbien st Pflicht bestimmter Jahrgänge überzuleiten, hören wir von unter­richteter Seite, datz im Reichsarbeitsministerium von einer solchen Absicht nichts bekannt

Französische und englische Zeitungen be­schäftigen sich neuerdings sehr eifrig mit unserem Bestreben, aus den militä ris chen Fes­seln des Versailler Vertrages her­auszukommen und durch einen Umbau der Landesverteidigung den Grad unserer Sicherheit zu steigern. Wir wissen nicht, welche Kräfte im Hintergrund wirken und welche Kreise eine in­ternationale Diskussion über die deutsch« Sicher, heitspolitik entfesselt haben. Unzweifelhaft sind aber Intriga nten am Werke, die uns auch die bescheidenste Verbesserung der Ausrüstung unserer Reichswehr nicht gönnen, aus der anderen Seite aber für sich selbst dre allermodemsten Mas­sen im Interesse ihrer eigenen Sicherheit in An­spruch nehmen. Uns kann es ater schließlich gleich­gültig sein, ob man jenseits der Grenzen unseren Bestrebungen sympathisch oder feindselig gegen­übersteht und ob man sogar das amtliche fran­zösische Rachrichtenbüro einspannt, um in ver­klausulierter Form von vornherein sestzustellen, daß eine Auflockerung der Bestimmungen des fünften Teiles des Versailler Vertrages nicht in Frage kommt.

Wir verhandeln bereits seit langem mit den Franzosen, aber auch mit anderen Völkern über unsere berechtigten F o rd erungen, wir werden auch in den nächsten Wochen erneute Anstrengungen machen, um die Vertragspartner zu einem Verzicht auf die militärischenBe­stimmungen zu bringen. Das heißt also, wir streben nach wie vor die m i l i t ä r i s ch e G l e i ch- berechti gung an, nicht weil wir uns mit wilden Ausrüstungsplänen tragen, sondern weil die gescheiterte Abrüstungskonserenz gezeigt hat, daß es für ein Sechzigmillionenvolk auf bie Dauer unerträglich ist, inmitten stark gerüsteter Rationen ungesichert dazustehen. Was wir wollen, ist nicht mehd unb nicht weniger, als uns einen Gre^nzschutz aufzubauen, der militärisch ins Gewicht fällt unb so durchorgani­siert ist, dah angriffslüsterne Rachbarn schon durch das Vorhandensein dieser Verteidi­gung reichlich ernüchtert werben. Sollte die Gegenseite unzugänglich bleiben, bann wer­den wir eben zur Selbsthilfe schreiten unb die Reichswehr so umbauen müssen, daß auch jeder Pfennig nutzbringend angelegt wird.

Heute müssen wir Millionen und Millionen bin- auspuloern, weil uns der Versailler Vertrag eine Wehrmacht beschert hat, bie wegen ihrer Konstruk-

Kinanzierungsbesprechungen.

Berlin, 17. Aug. (ERB.) Wie wir erfahren, fand heute abend in der Reichskanzlei eine län­gere Besprechung zwischen dem Reichs­kanzler und dem Re i ch s b a n k p r ä s i b e n - t c n statt, an ber auch ber Reichswirt - schaftsminister unb ber Reichsfinanz- minifter teilnahmen. Bei biefer Besprechung handelte es sich um die Finanzierung der Arbeitsbeschaffungsmatznahmen der Reichsregierung: sie ist die Fortsetzung einer Zusammenkunft, die bereits heute mitta-g zwischen dem Kanzler unb dem Reichsbankpräsi­denten allein ftattgefunden hat. Man muß sie im Rahmen der zahlreichen Ressortbesprechungen se- h-n die in diesen Tagen stattfinden unb bte dies­mal' einen etwas anderen Charakter haben als sonst. Früher verstand man unter Ressortbespre- chungen Verhandlungen zwischen den einzelnen Ministerien, in diesem Falle liegt die Leitung immer in ber Hand des Reichskanzlers. Es ist anzunehmen, dah zum mindesten auch noch bie nächste Woche mit solchen Verhandlungen aus­gefüllt sein wirb.

Die Stellungnahme der Industrie

Berlin. 17. August. (CNB.) Das Präsidium be* Reichsoerbandes der Deutschen I n- b u ft r i c beschäftigte sich heute unter Vorsitz von Dr Krupp von Bohlen und Halbach mit der wirtschaftspolitischen Lage und nahm u. a. - auf Grund eines Referats von Generaldireklor Dr Pietrkowski zu der Frage der Ar­beitsbeschaffung Stellung. Hierüber wird von dem Verband folgende Erklärung ausgegeben:

Dec Reichsverband der Deutschen Industrie vertritt den Standpunkt, dah auf dem Wege

sei. In der Verordnung über den Freiwilligen Arbeitsdienst habe die Reichsregierung erklärt, dah sie ihre Aufmerksamkeit der Entwicklung des Arbeitsdienstes widmen werbe. Disher könne jebenfalls ein a u h e r o r b e n 11 i ch e r Er - folg des Arbeitsdienstes sestgestrllt wer­ben. Weiter habe bie Reichsregierung ben Rcichs- kommissar für den Arbeitsdienst aufgefordert, ein Gutachten über bie Cntwicklungsmöglichkeiten im Arbeitsdienst vorzulegen. Dieses Gutachten liege aber bisher noch nicht vor. Wie der Ar­beitsdienst weiter ausgedehnt werde, könne daher heute noch nicht gesagt, werden.

tion fast bie teuerste der Welt ist. Reichswehr­minister von Schleicher hat bereits diesen Um­bau in seiner Rundfunkrede angekündigt, der Um­bau wird kommen, gleichgültig wie die diplo­matischen Verhandlungen ausfallen. Sind wir aber erst einmal wieder so weit, daß wir auch militärisch an Bedeutung gewinnen, dann wird man uns auch auf künftigen Abrüstungskonferenzen etwas ernster nehmen. Denn schließlich füllt nur dessen Stimme ins Gewicht, der ihr besonderen Nachdruck zu ver­leihen vermag. Das war bisher Frankreich, das als einzigen Gegenspieler das wehrlose Deutschland gegen sich hatte. Kommen wir zur Wehrhaftig­keit, dann sind wir auch für die anderen Nationen wieder ein Volk, mit dem man ganz anders als bisher im Interesse des Friedens und der allge­meinen Sicherheit gegen die Rüstungssanatiker und Friedensstörer Zusammenarbeiten kann.

Eine Klarstellung.

Berlin, 17. Aug. (CRD.) Ein Berliner Mit« tagsblatt will aus Paris über Berhandlungen berichten können, die in ber nächsten Woche be­ginnen unb ben Umbau ber Re ichswehr zum Gegenstand haben sollen. Darüber sei auch von englischen Blättern geschrieben worden. Wie wir von unterrichteter Seite hören, ist die Mel­dung in dieser Form nicht richtig. Bekannt­lich haben schon während der Abrüstungs­konferenz und auch seither Besprechungen über dieses Thema stattgefunten. Es handelte sich aber nur um formlose Unterredungen, die nicht gleichsam als festumris'ene diplomatische Ac­tionen vor sich gegangen sind. Dah diese Unter­redungen noch toeiter geführt teerten, ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn eine französische Seite die Meldung über angeblich in näch ster Woche beginnende offizielle Ver­handlungen dementieren zu müssen glaubt, intern sie darauf hinteeist, daß derartige Vor- Handlungen erst bann eingeleitet teerten könnten, toenn die Verhältnisse in Deutschland endgültig gesestigt seien, so stellt dies einen un­zulässigen Eingriff in die deut­schen inneren Verhältnisse dar. Es ist klar, daß derartige Unterredungen gesühnt teer­ten, toeil sie das gesamte deutsche Volk als i felb ft Der ft ändl ich fordert.

einet öffentlichen Arbeitsbeschaffung eine kon- junktursordernde Beeinflussung nicht erreicht werden kann und lehnt alle uferlosen Pläne, die zur Ausführung von Milliardenprojekten von verschiedenen Seilen ausgestellt worden sind, nach wie vor ab.

Eine Besserung der innerwirtschaftlichen Lage und eine allmähliche Behebung der Arbeitslosigkeit kann nach Auffassung des Reichsverbandes nur dann er­hofft werden, wenn die innerwirtschaft­lichen Hemmungen, die die freien Entwicke­lungsmöglichkeiten beeinträchtigen, beseitigt und die Produktionskosten derartig gesenkt wer- den, daß die Betriebe wieder rentabel wirtschaften können.

Es wurde aber anerkannt, daß unter den gegebe­nen Verhältnissen die öffentlichen Stellen einschließ­lich der Reichsbahn und der Reichspost die Aufgabe haben, diejenigen Arbeiten mit möglichster Beschleu­nigung in Gang zu setzen, die zur Erhaltung des öffentlichen Vermögens notwendig find, und zwar in einem erheblich weiteren Umfange als bisher vorgesehen ist.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage des Freiwilligen Arbeitsdienstes und der Arbeitsdienst pflicht erörtert. Dabei wurde festgeftellt, daß

ter Freiwillige Arbeitsdienst einer möglichsten Förderung bebarf,

unb baß 'm einem weiteren Ausbau des Freiwilligen Arbeitsdienstes auch die organischen Grundlagen für eine spätere Einführung der Arbeitsdienstpflicht gefunden werden können.

Vorschläge der Landgemeinden.

-Berlin, 17. Aug. (CRD.) Der Präsident tes Deutschen Landgemeinde tag es und des Verbandes der preußischen Landgemeinden Land-

rat a. D. Dr. Gereke-Pressel hatte zu Mitt­woch zu einem Presseabend im Hause der Deut­schen Presse eingeladen, auf dem das Arbeits - befchaffungsprogramm der Land­gemeinden erläutert wurde.

Dr. Gereke erklärte, es müsse mit allen Mit­teln dasür Sorge getragen werden, daß sich alle maßgebenden Organisationen und Parteien zur positiven Lösu ng der deutschen Schicksals- srage, nämlich ter 'Beseitigung der Er­werbslosigkeit , bc.enncn, damit nicht die besten und erfolgversprechenden Vorschläge tes- halb nicht durchgejührt würden, weil sie als Emp- sehlungen einer Parte i oder Organisation von den übrigen ab gelehnt würden.

Die Vorschläge der Landgemeinden, die in Leitsätzen mit ausführlicher Begründung zusammengesaßt sind, gehen von folgenden Erwä- gungen aus:

Trotz schwerster Verluste aus verschiedensten Ge­bieten ist uns die Arbeitskraft des deutschen Vol­les als stärkstes Mittel zur Belebung ter Wirt- schckft geblieben. Diese Aroeitslrast kann heute bei rund sechs Millionen Erwerbslosen nicht annä­hernd genutzt werden, obwohl genügend Volks­wirtschaft l ich wichtige Arbei tsge- legenheiten zur Verfügung stehen.

Diese volkswirtschaftlich wichtigen Arbeiten müssen unter Einschaltung der Privatwirtschaft zu vollem Lohn von ber össentUchen Hand durchgeführt werden.

Zur Trägerschaft dieser Arbeiten ist die öffent­liche Hand deshalb berufen, weil es sich bei den Maßnahmen vielfach um Arbeiten handeln muß, die ihrer Ratur nach nicht im privatwirtschast- lichen Sinne rentabel sind und die infolgedessen von ter Privatwirtschaft nicht in Angriff ge­nommen werten. Zur Finanzierung eines wirk­lich umfassenden Arbeitöbeschaffungsprogramms muß ein neuer Wog beschritten werden, und zwar bie zinslose krcditschopsung der öffentlichen Hand bei ben öffentlich-rechtlichen Kredit­anstalten,

die ihre Deckung, wie die Anleihen der öffent­lichen Hand bisher, in ter ßteuerfraft der Bevölkerung sinten. Selbstverständlich müßte die Kreditschöpfung von einer zentralen Stelle, am besten von einem eigens mit großen Voll­machten eingesetzten Reichskommissars planmäßig überwacht und begrenzt werden, um jede Gefährdung der Währung <o u $ ju * schließen.

Was heute in der Öffentlichkeit vielfach ver­wechselt und durcheinander geworfen wird, ist die Kredit schöpsung und die Beschaffung ter für ein Arbeit5be'chaffungsprogramm not« wend igen Geldzeichen. Wenn man den bargeldlosen Verkehr nach Kräften belebt und zu seiner Förderung auch das Scheckgesetz ver­schärft, dann sind zur Ingangsetzung auch eines großen Arbei tsbrschaffungsprogramms relctziv nur geringe Mengen von Geldzeichen nötig, die die Reichsbank ohne irgendeine Gefährdung der Währung zur Verfügung stellen tonn.

NSDAP, und Reichsbanner stimmen zu.

Irn Anschluß an die Ausführungen des Präsiden­ten Dr. Gereke nahm Kornemann von der wirtschaftspolitischen Abteilung der NSD A P. das Wort zu einer kurzen Erklärung, in der er sein völliges Einverständnis mit dieser Art der Selbsthilfe der untersten deutschen Derwaltungs- körper ausdrückte unb dem vorgelegten Arbeitsbe- schaffungsplan den v o l l st/ n Erfolg wünschte. Daraus ergriff der Generalsekretär des Reichsten- ners Schwarzrotgold, Gebhardt, das Wort. Er erklärte, daß der heutige Tag durchaus ein Wendepunkt für die wirtschaftliche und politische Zukunft des deutschen Volkes sein könne. Er schloß mit dem Appell:Vorwärts, aufwärts, durch!"

NSDAP, und Zentrum.

Von unserer 'Berliner Redaktion

In terBerliner Wilhelmstraße beginnt man allmählich doch etwas nervös zu werden. So Konz 'unmöglich, wie man das zunächst angenom­men hatte, scheint man heule die Bildung einer schwarz-braunen Koalition nicht mehr zu beurteilen. Daß das Zentrum sich bemühte, Vie RotionaAozialisten irgendwie zum ßmlenien zu bringen, wußte man. Aber man glaubte bisher nicht, daß Herr Hitler dem Zentrum ten Ge­fallen tun würde. Man zog Rückschlüsse aus ter Tatsache, dah es die Rationalsozialisten wa­ren, die die Einladungen zu offiziellen Bespre­chungen zunächst ablehnten, und zwar, wie man jetzt weih, unter einem Vorwand. Das Vild hat sich inzwischen wesentlich verändert, nachdem

nunmehr bie Nationalsozialisten selbst bie Initiative ergriffen haben.

6ie haben dem Zentrum bie Anregung übermittelt, bie vorgesehene Besprechung nun beschleunigt ftattfinben zu lassen. Das Zen­trum hat bie Berhanblungen z u britt, also unter Einschluß ter Deutschn a't iona- len , vorgesehen. Rach allen Borgängen ter jüng­sten Zeit ist es zwar nicht mehr besonders er- .taunlich, aber doch bezeichnend für die Lage,

Der Umbau der Reichswehr.

Das Ringen um die Arbeitsbeschaffung.