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18.8.1932 Erstes Blatt
 
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Er. 195 Zweiter Blatt

Donnerstag, 18. August (932

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Overhessen)

Die Austreibung der Veteranen.

Brief aus Washington.

Eine rauchende Trümmerstätte. verschwelte Zelte, ausgebrannte Lastwagen, und ein paar hundert Verwundete in den Lazaretten Washingtons, das ist alles was von demZug der Veteranen" übriggeolieben ist. Solange die Veteranen und ihr Tros, von rund 10 000 Menschen in Washington im Angesicht des Kapitols lagerten, wagte die ame*

Deutschland einenKreuzzug für die Demokratie und gegen die Barbarei" zu führen.

Solange es Amerika gut ging, benötigten die alten Krieger die Einlösung der staatlichen Versprechen nicht. Erst als die große Not, von der man achsel­zuckend und spottend vernommen hatte, den Ozean übersprang und sich auch in Amerika heimisch

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Die symbolischen Gräber vor dem zerstörten Veteranenlager. Die Veteranen, deren Lager in Washington auf Befehl der Bundesregierung völlig zerstört wurde, hatten einen sombolischen Friedhof mit den Gräbern Hoovers und anderer amerikanischer Regierungsführer angelegt. Seltsamerweise wurden die Gräber nach der Niederbrennung des Lagers nicht zerstört.

rikanischc Presse nicht, offen gegen diese eindring­lichste aller Demonstrationen zu schreiben. Jetzt, nachdem die Flamme die dürftigen Zeltlager ver­zehrt hat und die Veteranen durch das Tränengas vertrieben worden sind, ergehen sich Behörden und Presse in den radikalsten Angriffen gegen die Lumpen und Landstreicher", gegen dieKornmu- nisten und Anarchisten", die angeblichgods own country" in eine Sowjcthöllc verwandeln wollten.

In Wirklichkeit waren die Veteranen weder Cum* pen noch Kommunisten. Gewiß, es waren manche Landstreicher darunter, aber in diesem Lande ift schon der ein Landstreicher, der keine Arbeit Hai und, beim Fehlen jeglicher Sozialfürsorge, der Oesfentlichkeit zur Last fallt. Die Veteranen waren zum großen Teil auch keine Veteranen im euro­päischen Sinne des Wortes. Viele von ihnen haben die Westfront niemals gesehen, sondern sind erst mel später in die7 amerikanische Armee eingetreten. Und andere waren überhaupt niemals Soldat, son­dern haben sich die Papiere von längst Verstorbenen unh Verschollenen verschosst, um ihre Ansprüche geltend machen zu können. Immerhin waren unter den Tausenden rund Zweid^ittel alte So», baten, die mit Recht an die (Sinlöfung ihrer 93er- sprechen erinnerten und die offensichtlich eine grauen­volle Furcht verspürten, in die gram Elendsmalle der mindestens 15 Millionen Arbeitslosen unterzu- tauchen. Es waren freie Bürger Amerikas, die sicher lich 1917 davon überzeugt gewesen waren, im Kampf gegen das von der ganzen Welt berann'e

machte, zog man in kleinen Gruppen von 5 und 10 Mann nach der Hauptstadt. um den Kongreß zur sofortigen Auszahlung des Ehrensoldes zu veran­lassen. Die deutsche Geschichte, von der man freilich in dem über alle Maßen ungebildeten Amerika nichts kennt, erzählt von den Kinderkreuzzügen, den Irrfahrten der Geißler und anderer Büßer, um durch Bitten und Beschwörungen die Not zu wen­den. Etwas vom mittelalterlichen Geiste lag über dieser Veteranen-Armee, die zu Fuß oder auf ur­alten zusammengefUckten Autos ankam, hinter sich den ganzen Troß der Frauen und Kinder, der Hunde und Katzen und des armseligen Mobilars, das durch den Zusammenbruch der letzten Jahre ge­rettet worden war. Viele haben Haus und Hof ver­lassen, weil ihnen in Washington ein paar hundert Dollar winkten, die ihnen der Staat schuldete. Diese paar hundert Dollar sollten die Grundlage bilden, um eine neue Existenz aufzubauen. Zuerst sah alles mehr nach einem Idyll, als noch einer Kampfan­drohung aus. Die Bevölkerung Washingtons half aus mit Felddecken und Betten, die.Feldküchen ver­teilten reichlich nahrhafte Kost, überall fanden die Handwerker Arbeit, und es kamen aus allen Städ­ten der Küste unzählige Besucher heran, um sich das Veteranenlager anzusehen. Eine Stadt im Kleinen entstand Hundert Jahre früher, und die Geschichte Amerikas würde von kolonisatorischen Höchstleistun­gen kühner Kulturpioniere gesprochen haben. Heute aber ist auch Amerika zu eng für seine Bewohner. Die Wildwestromantik ist endgültig dahin, und wo

Dem Flugzeugkonstrukteur Dr. S a b l a t n i g ist es gelungen, eine Lautsprecher-Anlage für Flug­zeuge zu konstruieren, die aus einer Höhe von 300 bis 600 Meter ein Gebiet von rund einem Quadrat­kilometer akustisch erfaßt. Die Lautsprechertrichter sind außerhalb des schalloernichtenden Propellers auf den Tragflächen so angeordnet, daß auch die klangzerstörenden Luftwirbel den klaren Schall-

fiv sich noch einmal zu zeigen wagt, greift der Staat mit Tränengas ein.

Nachdem der Kongreß in die Ferien gegangen war, ohne den Veteranen ihre Forderungen bewil­ligt zu haben, wechselte die Stimmung. Es kam den meisten gar nicht mehr darauf an, vom Staat die paar hundert Dollar geschenkt zu kriegen. Aber bas Zeltlager hatte inzwischen so etwas wie ein neues Heimatgefühl geschaffen. Aus dem bunt zusammen- gewürfelten Haufen war eine disziplinierte Gemein­schaft geworden. Man war dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben, und man hatte sich daraus eingerichtet, auf den Wiesen von Anacostia seßhaft geworden zu sein. Schließlich hausten 2OOOO Men­schen im Lager, die es nicht für möglich hielten, daß man sie von hier mit roher Gewalt vertreiben würde.

Der Angriff der Militär- und Polizeitruppen war von unerbittlicher Rücksichtslosigkeit. Man ging mit ollen Mitteln der modernen Kriegstechnik vor, man stach mit Lanzen durch die Zeltwände, man schleu­derte Tränengasgranatcn, man gab Pistolensalven ab, wenn die Veteranen Widerstand leisteten. Mit Säbelhieben wurde bas Lager reingefegt, und nun sind seltsamer Umschwung der unberechenbaren amerikanischen Mentalität! die Veteranen auf einmalverbrecherischer Mob",aufrührerische Zuchthäusler" undkommunistische Brandstifter" In Wirklichkeit aber liegen die Veteranen mit Frauen und Kindern auf der Straße, niemand nimmt sie auf, jeder meidet sie wie Pestkranke, und

die glorreiche Gesinnung der Amerikaner schwelgt wieder einmal in moralischer Entrüstung über die­jenigen, die von Gott verworfen find, weil sie kein Dach über dem Kopfe haben und nicht wissen, wo sie ihr müdes Haupt betten sollen. Selbstverständ­lich ift die Erbitterung der Veteranen ungeheuer. Ihr junger Führer, W. W a t c r s, hat die Organi- fc.tion derKhakihemden" gegründet, die so etwas ähnliches dorstellen soll, wie es drüben in Deutsch­land die Nationalsozialisten sind. Ob auch in Ame­rika ein Hitler ersteht? Die nächsten Monate werden die Antwort erbringen, ob die Veteranen­bewegung zur politischen Volksbewegung werden kann.

Meidet Getreidehaufen bei Gewittern!

WSN. Lauterbach, 17. August. Bei dem jchweren Gewitter, das sich in der Nacht zum Mon- tag über unserer Gegend entlud und an den Fluren teilweise erheblichen Schaden anrichtete auf man­chen Aeckern wurde die Ernte teilweise bis zu 70 Prozent vernichtet, schlug der Blitz in einen auf dem Felde aufgerichteten Getreidehaufen ein und zündete. Der Vorfall zeigt, daß Ge- treidehauscn, die von Landwirten bei Gewittern oft zum Schutz vor dem Blitz aufgesucht werden, gegen Blitzgesahr nicht sicher sind und deshalb von den Landwirten gemieden werden sollten.

Die Stimme aus den Lüften.

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abfluß nicht stören. Eine besondere Wirkung wird noch dadurch erzielt daß ein Trichter als Fern- und der andere als Breitstrahler konstruiert ift. Das Lautsprecher-Flugzeug kann für Warnungen bei Naturkatastrophen und auch als modernstes Werbe­mittel benutzt werden. Unser Bild zeigt einen der beiden Sprechtrichter, die auf die Tragflächen des Lautsprecher-Flugzeugs montiert sind.

Kmder und Tiere zu photographieren.

23on Paul ßtrper

Ich will erzählen, was mit ausgefallen ift. wenn Tiere photographiert werden ober kleine Menschenkinder Darin habe ich wirklich eine Menge Erfahrungen gute und schlechte

Als oberster Grundsatz gelte die Mahnung: Geduld7 Es ist mit Eile. Hast oder Nervosität kein gutes Bild zu machen, weder von einem Kind noch von irgendeinem Tier. Der Kameramann muß ..unsichtbar" werden, daß heißt, sein Objekt soll ihn gar nicht beachten, soll sich frei und ungezwungen vor dem Apparat bewegen. Ich bin ganz dagegen, daß man ein Kind oder gar ein Tier vor der Kamerazurecht" stellt, das gibt eine verkrampfte Pose oder bestenfalls eine zoologische Ausnahme, auf der dann Kopf. Schwanz und alle vier Beine deutlich zu sehen sind Mit der Schärfe allein ist's ja nicht getan Leben soll im Lichtbild stecken, das Charakteri­stische gerade dieses Tieres, seine Wesenheit

Als wir unser ..Menschenkinderbuch" fertig­stellten. bin ich viele Male still dabei gesessen, wenn Hedda Walther ihre Ausnahmen machte. Sie hat ein ganz lichtes, freundliches Zimmer als Atelier: zwar steht darin auch einer der monströ­sen Riesenapparate, die wie gefährliche Kanonen auf Riesenrädern aussehen, schwer und beängsti­gend, aber der beängstigende Kasten ist in eine Ecke geschoben worden, und in der Mitte des Raumes steht am Boden ein niederes, großes Pod um mit Kissen und vielen, vielen Spielsachen. Kommt nun solch ein kleines Menschlein zum Photographieren, so ahnt es ja gar nicht, was m.t ihm geschehen soll. Es sieht die bunten Holz- .sel des Baukastens, sieht die Gummitiere, das au:gcfd)lagene Bilderbuch, entdeckt eine Spieldose, an der inan drehen kann, und die dann Musik in cht, jauchzt, wenn die gestreifte Angorakatze sch u rend und schnuppernd durchs Zimmer läuft, findet immer neue Unterhaltungen und merkt gar nicht, daß trotz des heUen Tageslichtes ein paar elektrische Glühbirnen an der Decke brennen.

DieTante" aber hak inzwischen mit ihrer Sp egel-Reflex-Kamera zwanzig oder dreißig Ausnahmen gemacht, unbemerkt und ganz heim­lich, und alle die entzückenden Momente sind festgehalten: das Staunen über den Luftballon, das Jauchzen, die Begegnung mit der Katze, und der überlegende Blick, ob wohl auf den Turm der Holzklötze noch ein Würfel aufgesetzt werden kann. Ja. plötzlich fängt das kleine Mädchen zu fingen an, schüchtern erst, aber bann bewegt es seine

Aermchen und tanzt und springt durchs Zimmer, beugt sich über den Puppenwagen, und immer bessere Motive bieten sich der Kamera.

Ich erzähle dies alles, weil in dieser il n - beiangenheit wirklich das ganze Geheimnis schöner Kinderbilder" verborgen liegt. Auch die billigeren Amateurapparate sind heute lichtstark genug, um Momentaufnahmen zu machen, und wenn man im Zimmer nicht nachhelfen kann durch Helle Lampen, so gehe man auf die Straße, in den Park, auf eine Wiese. Auch der Balkon genügt, hier bekommt man den schönsten Hinter­grund: Wolken, einen weiten lichtdurchfluteten Himmel. Ich kenne eine Aufnahme, da wußten wir mit einem fünfjährigen Jungen gar nichts anzufangen, er war steif und hölzern, wie er sich auch stellt, es wurde eine Photographierpose. Schon telbft verzweifelt, öffnete die Lichtbildnerin die Tür zum Balkon: draußen lag Schnee, und weil die Kristalle in der Sonne glitzerten, kam der Knabe nachgelaufen. Plötzlich brummte es über uns ein Flieger! schrie der Junge, warf den Kops hoch, um das Flugzeug irgendwo zu entdecken, und der Photographin ist eine ihrer schönsten, anmutigsten, bewegtesten Kinderaus­nahmen geglückt.

Man hat am Dachufer eine Ente geknipst mit vielen goldgelben Küken, ein Weidenbusch ist auch dabei und ganz im Vordergrund eine blü­hende Wasserrose. All das sah farbig wunder­voll aus: aber das Unglück wollte, daß der Photograph die Schärfe auf den Mittelpunkt verlegt hat. so daß die Wasserrose ein unklarer grauer Riesenfleck geworden ist. Die Weiden­zweige hat der Wind stark bewegt, statt Blätter sieht man Rebelstreisen. und die Entenfamilie ist viel zu klein. Drei der jungen Tiere sind zusammengekrochen, man crlennt weder Kopf noch Beine, zwei andere trifft der Schatten des Lan­dungsstegs: kurzum, schön sieht das Bild nicht aus.

Und doch, wenn man sich aus schwarzem Papier eine Blende schneidet, etwa von der doppelten Gröhe einer Briefmarke, und entsprechend auf den Abrug legt, so hat man ein vortreffliches Stimmungsbild aus dem Leben der Tiere: die Entenmutter beugt eben den Kopf hinab und putzt mit ihrem Schnabel das kleine Feder- völkchen von ihrer Brust, indes ein Entenkind von der Seite her unter ihren Leib kriechen will. Da genau dieser Ausschnitt in der vollen Schärfe liegt kann er beliebig vergrößert werden und gibt alles: Schönheit. Stimmung. Tierbeobachtung.

Mir hat mancher Photograph schon gesagt. Tiere und kleine, Kinder feien) trie besten

Schauspieler der Welt, wenn sie unbelauscht vor die Kamera kommen. Ich habe das vor wenigen Wochen auch erprobt. Da setzte ich in Hagen- becks Tierpark zwei junge Leoparden auf die Wiese, einen Somali-Regerknaben, ein dreijähri­ges blondes Mädelchen und den strammen Säug­ling eines befreundeten Ehepaars. Die fünf völlig wesensfremden Geschöpfe haben sich bald zusammengefunden: da war Spieltrieb. Borwih, Schüchternheit, Zärtlichkeit der jungen Panther- kahcn. Komik und schließlich auch eine kleine Tränenflut. Die Sonne stand ausgezeichnet zu den Objekten, und der Hintergrund war frei von allen unruhigen Einzelheiten: mit einem Wort, das Ideal für schöne Photostudien.

Solche Motive wünsche ich allen, die ausgehen, Tiere und Menschenkinder im Lichtbild einzu- fangen.

Bilder-Attentate.

Das sinnlose Attentat, das auf eines der be­rühmtesten Gemälde des Pariser Louvre. Mil- letsAngelus" ausgeführt worden ist, schließt sich als ein neues Glied in die Kette jener Angriffe, denen hervorragende Kunstwerke ebenso wie an weithin sichtbarer Stelle stehende Menschen seit jeher ausgesetzt gewesen sind. Wenn man auch hoffen darf, das unersetzliche Kunstwerk wie­der herzustellen, wie es der Restaurierungskunst in ähnlichen Fällen meist gelungen ist, so liegt doch so viel Widersinn in diesen Angriffen auf das Höchste, was Menschenkunst zu schaffen Der- mocht hat. daß sie sich nur aus anormaler Geistes­beschaffenheit erklären lassen. Freilich der Akten- tätet, der im März des Vorjahres mit einer Axt das Rembrandtsche Gemälde derAnatomie des Dr. Deyman" in der Amsterdamer Galerie stark beschädigte, gabästhetische Gründe" für sein Der- halten an: er behauptete, daß ein solcher Gegen­stand in seiner Häßlichkeit kein würdiges Objekt für die künstlerische Gestaltung wäre. Zum Glück ift eine solche Kunstkritik mit der Axt noch nicht all­gemein üblich, sonst würde es den vielen Grab­legungsszenen. von den Martyrien der Heiligen gar nicht zu reden, schlecht ergehen, unter denen sich Schöpfungen eines Raffael. Tizian, Rubens. El Greco und anderer Großen im Reiche der Ma­lerei befinden. Auch ein anderes Meisterwerk Rembrandts, die unvergleichlicheRachtwache", mußte ihren Ruhm mit dem Angriff eines Gei­steskranken bezahlen. Ein 23jähriger Koch namens Sigrist, der aus dem Warinedienst entlassen wor­den wär. wollte die Aufmerksamkeit auf sich und fein Schicksal lenken, wozu ihm Rembrandts Mei­sterwerk am geeignetsten erschien. Er sprang, mit einem Schustermesser bewaffnet, über das vor dem Bild gezogene schützende Seil und versuchte, dem

Kapitän der Schützengilde und seinem Leutnant die Beine abzuschneiden. Zum Glück hinderte der Firnis eine volle Ausführung dieses Attentates, indem er ein tieferes Eindringen des Messers ver­hinderte. so daß der Schaden wieder gutgemacht werden konnte. Was Frauenhände anrichten kön­nen. wenn sie sich gegen Kunstwerke wenden, das muhte dieVenus mit dem Spiegel" des Delas- guez in London erfahren. Es war in der Zeit der erbitterten Kämpfe der englischen Suffraget­ten vor dem Kriege, als eine dieser Streiterinnen für das Frauenstimmrecht, Mary Richardson, um Frau Pankhursts Schicksal an der Regierung zu rächen, mit einem Beil auf das berühmte Ge­mälde der Rationalgalerie losging. Trotz des vor dem Gemälde befindlichen Schuhglases wurde die Leinwand mehrfach durchschnitten. Museums- reftauratoten können immer wieder von Schäden berichten, die von fanatischen Personen an Ge­mälden angerichtet werden, und die dann ihre kunstfertige Hand nach Möglichkeit beseitigen mutz.

Oie Schule der Siewards.

Eine der eigenartigsten Berufsschulen ist dieAus­bildungsschule für Stewards" in Bremerhaven. Als vor drei Jahren der Norddeutsche Lloyd seine bei­den neuen, großen SchnelldampferBremen" und Europa" in den Dienst stellte, mußte er auch einige hundert Stewards neu einstellen. Für die nach dem augenblicklichen Stand der Technik vollkommensten Schiffe sollte auch nur das bestgeschulte Personal herangezogen werden. Inzwischen hat sich die steward-Schule zu einer ständigen Einrichtung ent­wickelt. Nicht nur Neulinge des Berufes besuchen die Schule, auch bereits im Dienst ergraute Stewards kommen immer wieder hierher, um ihre Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Der Lehrplan der Schule sieht englischen und spanischen Sprachunter­richt vor. Daneben wird auch französischer Unter­richt erteilt, allerdings nur so viel wie notwendig ist, um die gastronomischen Bezeichnungen der Speisekarte zu verstehen. Ueberbaupt ist Gastrono­mie ein wichtiges Lehrfach, die Stewards werden in Wein- und Speüekunde ausgebildet und lernen die Spezialitäten aller internationalen Küchen kennen. Es wird weiter Unterricht erteilt in der Behand­lung und Abfertigung des Reisegepäcks der Fahr­gäste, und durch Besichtigungen großer Werke, bei­spielsweise von Waschanstalten, wird den Stewards praktischer Anschauungsunterricht gegeben über die Behandlung von Bett- und Tischwäsche. Neben dieser eigentlichen Steward-Schule findet noch ein söge- nannter Boykursus statt. Hier werden den Pagen und Boys der großen Ueberseedampfer die Grund- kenntnisse ihres neuen Berufes beigebracht.